Ausgabe 
21.1.1936
 
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Nr. 17 Erstes Blatt

Dienstag, 21. Januar 1936

186. Jahrgang

Eichener Anzeiger

leinen Atem ausgehaucht. Die Königin, die sich bis a Ne K dahin eifern aufrecht gehatten hatte, umarmte unter f gelautet.

dien im Sabre 1905.

Am 6. 5.1910, dem Todestage Eduards VII., be­stieg der Prinz den Thron Großbritanniens. Am 22. Juni 1911 fand die Krönung des englischen Herrscher-Paares statt, zu der außer anderen deut­schen Fürstlichkeiten auch der deutsche Kronprinz erschien. Unmittelbar darauf erfolgte die Entsen- düng des deutschen KriegsschiffesPanther" nach Adagir, an die sich eine Krisis in den deutschen Beziehungen zu England und Frankreich knüvfte. Am 11.11.1911 trat das englische Königspaar seine Reise zur Krönungsfeier nach Indien an, die am 12.12. in Delhi stattfand. Hierbei gab der König bekannt, daß der Siß der englischen Regie­rung von Kalkutta nach Delhi verlegt werden würde. Die erste Reise, die das englische Herrscherpaar nach der Thronbesteigung an einen fremdländischen Hof unternahm, führte im Mai 1913 nach Berlin zur Hochzeitsfeier des Prinzen Ernst August von Cumberland und der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen. . ,,

Während des Krieges trat der König außerhalb der ihm durch die englische Verfassung eng, ge^o« genen Grenzen kaum hervor. Mehrfach weilte et zur Bekräftigung der Allianz in Paris und auch an der Front. Im Juli 1917 legte er den deutschen Namen seines Hauses Sachsen-Koburg und Gotha

mehr zu zweifeln war.

Die Nachricht ovm Tode des Königs wurde noch in der Nacht zum Dienstag von London aus nach allen Teilen des britischen Weltrei­ches durch Funk übermittelt. Auch in Kanada hat die Nachricht tiefe Trauer ausgelöst. Als das Hinscheiden des Königs bekannt wurde, wurden alle Kirche ng locken im ganzen Lande

Die Teilnahme des Führers.

Telegramme an den Thronerben und die Königin-Witwe.

Berlin, 21. Ian. (DJIB.) Der Führer und Reichskanzler hal unmittelbar nach Eingang der Meldung vom Ableben des Königs von Eng­land an den Thronerben folgendes Beileids­telegramm gerichtet:

Die Trauernachricht von dem Ableben $. M. des Königs Georg V. hat mich tief betrübt. Ich bitte Lw. Majestät mit meinem und der Reichs­regierung aufrichtigem Beileid die Versicherung ent- gegenzunehmen, daß mit mir das ganze deutsche Volk an dem schweren Verluste, den das königliche Haus und die britische Ratton be­troffen hat, herzlichen Anteil nimmt.

(Gez.) Adolf Hitler, Deutscher Reichskanzler."

Zugleich hak der Führer 3. M. der Königin- Witwe wie folgt telegraphisch feine Anteilnahme bekundet:

Lw. Majestät bitte ich, den Ausdruck meines tief empfundenen Beileids zu dem schmerzlichen Verlust entgegenzunehmen, den Lw. Majestät erlitten haben.

(Gez.) Adolf Hitler, Deutscher Reichskanzler."

Halbmast in Berlin.

Berlin, 21. Jan. (DNB.) Ebenso hat der Reichs­minister des Auswärtigen, FreiherrvonNeu» r a t h, dem königlich britischen Außenminister Eden seine Anteilnahme und das Beileid der Reichsregierung telegraphisch zum Ausdruck gebracht. Zum Zeichen der Trauer setzen die Prä­sidialkanzlei, die Reichskanzlei, das Auswärtige Amt und der Reichstag ihre Dienstflaggen auf h a l b m a st.

wer Leoenswea des Königs

Eine Aufnahme des englischen Königspaares aus der jüngsten Zeit auf Schloß Windsor. (Scherl-Bilderdienst-M.)

war die E r ö f f n u n g Bundesparlaments am 9. Mai durch eine Thronrede, die der Prinz im Namen des Königs hielt. Nach der Rückkehr bekam der Thronfolger den Titel eines Fürsten von Wales. Es folgte eines Staatsreise des prinzlichen Paares nach In-

König Georg V. wurde am 3. Juni 1865 in Marl­borough House als zweiter Sohn des damaligen Fürsten von Wales und der Prinzessin Alexandra von Dänemark geboren. Er genoß seine Erziehung gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Albert Viktor, späteren Herzog von Clarence.

Nach einer Weltreise noch im Knabenalter trat Prinz Georg am 1. Mai 1883 in die britische Kriegsmarine ein und tat als Offizier meist auf Schiffen ausländischer Stationen Dienst. Im Jahre 1898 wurde er als Kapitän zur See Kommandeur des SchlachtschiffesCrescent" und noch in dieser Stellung zum Vizeadmiral befördert.

Durch den Tod des Herzogs von Clarence trat Prinz Georg, der den Titel eines Herzogs von Port führte,' im Januar 1892 in die Rechte des britischen Thronfolgers ein. Am 6. Juli 1893 verheiratete sich der Prinz mit der am 27. Mai 1867 in England geborenen Prinze s- f i n Mary von Teck, der Braut seines verstör- benen Bruders. Dem prinzlichen Paare wurde am 23. Juni 1894 der erste Sohn Prinz Eduard ge­boren; vier weitere Kinder, drei Söhne und eine Tochter, folgten in den nächsten Iobren.

Im Jahre 1901 besuchte das prinzliche Paar die englischen Dominien. Der Höhepunkt dieser Reise ~ "" des australischen

König Georg hatte einen friedlichen Heimgang. Er ist bis zum Ende ohne besondere Schmerzen geblieben. Als die Aerzte erkannten, daß das Ende nur noch eine Frage von Minuten war, riefen sie die Königin mit ihren K'ndern m das Sterbezimmer. In ihrer Gegenwart hat der Komg . . , t. t.l <7önrii ntn nitf flm htfi

Die amtliche Mitteiluna

London, 21. Fan. (DRV.) Die amtliche Mittei­lung über den Tod des Königs lautet: Der König starb friedlich um 11 Uhr 55 nachmittags in Gegen­wart 3.211. der Königin, des Prinzen von Wales, des Herzogs von Hort, der königlichen Prinzessinnen, des Herzogs und der Herzogin von Kent.

Gez.: Frederlc Williams.

Stanley Hewett. Dawson of penn.

Die letzten Stunden oes Komas

Der König hatte Montagvormittag noch den vor­gesehenen K r o n r a t in seinem Krankenzimmer ab­gehalten. Die Türen des Raumes neben dem Kran­kenzimmer des Königs wurden weit geöffnet. Der König w-ar in der Lage, vom Bett aus den Vor­gängen zu folgen. Auch der Leibarzt des Königs Lord Dawson of Penn nahm an der Sitzung teil. Nach den üblichen Förmlichkeiten wurden dem König die Staatspapiere zur Unterzeichnung vor­gelegt, die die Einsetzung des S t a atsrats vorsaben. Der Leibarzt nahm die Papiere und brachte sie dem König zur Unterschrift. Nach dem kurzen Kronrat verliehen die drei Mitglieder der Regierung mit dem Sekretär des Geheimen Rats Sir Maurice Hankey das Zimmer und nahmen ihr Mittagsmahl zusammen mit der Königin ein Die Minister kehrten hierauf nach London zurück.

Das Befinden des Königs galt am Montagabend als sehr kritisch, da ein deutlich wahrzunehmender Kräfteverfall eingetreten war. Im Lause des Tages wurde dem Kranken erneut Sauerstvst zu­geführt. Am Vormittag waren die Aerzte noch der Meinung, daß der unveränderte Zustand des Königs noch mehrere Tage anhalten wurde, doch wurden sie durch eine neuerliche Untersuchung des Patienten am Nachmittag in dieser Erwartung ent­täuscht. Die Aerzte mußten erkennen daß jebe Hoffnung auf eine Wiedererholung des Königs aus- gegeben werden mußte. Der König war jedoch noch Montagnachmittag in der Lage, die Königin wieder zu erkennen und grüßte seine Kinder mit einem erkennenden Lächeln, als sie sein Krankenzimmer betraten.

Tränen ihren ältesten Sohn. König Edu­ard VIII. wandte sich dann zu seinen Geschwistern, und die königliche Familie verließ das Totenzimmer und begab sich in den daneben liegenden Raum. König Georg ist fast zu der gleichen Stunde ae- storben, in der sein Vater, König Eduard VII., im Jahre 1910, starb.

Tiefe Trauer im Vrttischen AM

Die amtliche Nachricht vom Tode des Königs wurde kurz nach 1 Uhr am Tor des könig­lichen Palastes in London angeschla­gen. Hunderte von Menschen hatten sich vor dem Palast versammelt. Als die Todesnachricht eintraf, verharrten sie in tiefem Schweigen und entblößten die Häupter. Einige Frauen knieten nieder und ver­richteten ein Gebet. Auf dem Schlosse wurde die Flagge des Hauses Windsor aus Halbmast gesetzt. Um 1.30 Uhr begannen d i e Glocken vom Turm der Londoner Guild Hall zu läu­ten. Auch in den übrigen Stadtteilen wurde die Todesnachricht mit Windeseile bekannt, da viele Menschen auf den Straßen und Plätzen gewartet hatten. Die meisten Gasthäuser und andere öffent­liche Lokale hatten bereits um Mitternacht ihren Betrieb geschlossen, als es sicher war, daß der König nicht mehr lange am Leben bleiben konnte. Im eng­lischen Rundfunk waren schon in den letzten Abendstunden sämtliche üblichen Sendungen ein­gestellt worden. Alle Viertelstunde wurde eine Ver­lautbarung über das Befinden des Königs verlesen. In der Zwischenzeit hörte man nur das Schlagen der Uhr vom Westminster-Parlament.

In ganz England hat der Tod des Herrschers tiefe Trauer ausgelöst. Als die Nachricht bekannt wurde, wurden in vielen Städten und Dörfern d i e Glocken geläutet. In London selbst hörte man beinahe zwei Stunden lang den Ton einer Toten­glocke der Westminsterabtei. In Liverpool und an­deren großen Städten hatten sich viele Men­schen auf d e n Straßen angesammelt, obwohl ein heftiger Regen niederging. Ueberall verbrei­tete sich die Trauerbotschafte wie ein Lauffeuer. Manche Frauen sollen auf offener Straße in Trä­nen ausgebrochen sein. Die Theatervorstellungen waren an den meisten Orten abgebrochen worden, als an dem bevorstehenden Tode des Königs nicht

König Georg V von England t.

London, 21. Januar (ONN.) Georg V., König von Großbritannien und Irland, Kaiser von Indien, ist am Montag um 23 Uhr 58 englischer Zeit aus Schloß Gandrmgham im 71. Lebensjahr, nach einer Regierungszeit von 25 Iahrcu und 8 Monaten saust entschlafen.

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Freund seines Volkes.

Auch wer die Feiern und Feste zum 25jährigen Regierungsjubiläum Georgs V. nicht miterlebt hat, sondern den Jubel eines Volkes und eines 500- Millionen-Reiches nur aus dem Niederschlag in den Zeitungen kennt, der weiß, daß das englische Volk m seinem König nicht nur einen Monarchen ver­liert, sondern einen Vater, einen Menschen, der Engländer unter Engländern war, der keine un­sichtbare Scheidewand zwischen sich und seinem Volk kannte. Wenig gilt dem Engländer in diesem Augenblick die Politik mit ihrem Auf und Ab und allen ihren Schwierigkeiten, Wegen und Umwegen ganz steht das Mensch Li ch e im Vorder­grund, und wenn Tausende von Briten in den letzten Tagen um das Leben ihres Königs beteten und es still ward in den Straßen, in den Heimen und in den Klubs, so hat hier zweifellos ein echtes und tiefes Gefühl nicht nur für den König ge­sprochen, sondern auch für den Menschen, der selbst bei keiner Gelegenheit versäumte, sich als Mensch inrank and file des britischen Volkes und nicht als Herr und Herrscher zu fühlen. Die wunderbare, warme und einfache Schlichtheit, die aus den Bot­schaften des Königs an feine Völker zu seinem Jubiläum und zuletzt noch zum Weihnachtsfest sprach, appellierte stärker an das Gefühl des Briten, als die funkelndste Adresse es hätte tun können.

Georg V. bestieg 1910 den Thron als zweitge­borener Sohn Eduards VII. Sein älterer BruLer, der Herzog von Clarence, war früh gestorben. Georg V. besaß nicht den glänzenden Channe seines älteren Bruders; er war ein Seemann, der leiten viele Worte machte, aber er war ein See­mann, der seinen Beruf nicht als die äußere Fassade seines hohen Standes betrachtete, sondern Der arbeitete und der Zeit seines Lebens ein Manne- sachverständiger war, dem kein Lord der Admirali­tät etwas vormachen konnte. DenMannekomg hat das Volk ihn später, als der Tod seines Vaters Eduard ihn auf den Thron berief, gern genannt, und noch bis in di- l-tzt-n Jahr- gehörte bie groß- Liebe des Königs der See und der Flotte. Man weiß daß Georg V., sicher in froher Erinnerung an seine Leutnantsjahre, mit Vorliebe seine Jacht Britannia" selbst zu steuern pflegte.

Aber das ist nur eine Seite von Georgs V. Wesen und nicht die wichtigste. Was die Liebe des Volkes und das unendliche Vertrauen rechtfertigte, das alle Kreise des britischen Reiches von der Regierung dis zuSeiner Majestät allergetreuester Opposition von den Engländern bis zu den Bewohnern der fernsten Winkel des Weltreiches nie vertteh, ist die Rolle, die der König i n d e r P o H t l k.fernes Lan- bes spielte, so passiv diese auch bei fludjtiger Be­trachtung im Gegensatz 3U ber Aktivität seines Vaters auch erschien. Georg V. war in der britischen Innenpolitik der große Vermittler, der ruhende Pol, das ausglei­chende Moment Er war dies in einer Alt, wo es nicht leicht war, auszugleichen, denn wenn wir auch von der schwersten Belastung des Empire, dem Weltkrieg absehen, so war bte Nachkriegszeit zweifellos die schwerste und schwierigste, die Groß^ britannien, seine Dominions und Kolonien eit langem durchmachen mutzten. Fraglos hatten sich als Folge des Weltkrieges die Bande gelockert, die einst das britische Weltreich einten. D i e P e rfon b e s Königs war es, die immer über aßen Zwiespalten und Differenzen stand und m der sich bie Glieder des britischen Weltreiches immer wieder einten und zusammenfanden. In der Innenpolitik war eine Umwertung aller Werte erfolgt. Die tra­ditionelle Trennung in die Regierungspartei und bie Oppositionspartei hatte aufgehört. An ihre Stelle war eine Vielzahl von Parteien getreten unb zum ersten Male in der britischen Geschichte tonnten in ben Jahren nach dem Krieg auch b,- Arbeiter ihre Ansprüche anmelben. Es war zweisel- ein schwerer aber ein für ben ..Vater bes m f.rinnhes" sicher auch ein bebeut amer Augen- H d als r 3=itmeUig bie Regierung einer Part^ überantwortete, die ihrem ganzen We en nach britischen Traditionen nicht entsprach. Parteien zer- svlitterten neue bildeten sich. Es ist heute eine be- fnnntJ Tatlache daß die Einigung aller aufbauen­den Kräfte in der nationalen Regierung e i n W e r f ben grafte in , Andere Sturme sind

?eit5l<H8 übe9r das britische Weltreich dahingefegt. L? nhAkm^rtuna Streiks, Wirtschaftskrise erschut- Pfundabwertung vire Grund-

stehen liefe.

okw(XC1 anderes verdient hervvrgehoben zu Noch etwas anoere Familiensinn des w-rb-n: b-r ub°rrag°n° y bQ3 brili|d)e Bolk R0nign. Kt Ünb -s ist b-z-ichn-nb. baß all- S-- ?L-n b 'man sich über bett König erzählt. säst n^G-s'chicht-n sind, bi- bi- königlich- Familie be- Das englische Volk kann IN seiner Trauer um" seinkn König b-r Sympathie ber Welt -mb namentlich Deutschlanbs sicher sein