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Zreitag, 29.November 1936
Oer Elefant im Dienst der Wissenschaft.
Das Carnegie-Institut in Washington hat ein Laboratorium für Nahrungsforschung, das sich neuerdings auch lebhaft mit Tierversuchen beschäftigt. Besonders der Elefant schien dem durch seine biochemischen Forschungen bekannten Gelehrten Francis Benedict so viel: wichtige Probleme zu bieten, daß er lange Jahre nach dem idealen Dickhäuter suchte, durch den er Antwort auf seine Fragen erlangen könnte. Im vorigen Jahr hat er nun Jap, ein gutgeartetes Elefantenweibchen gefunden, das bisher die Hälfte seiner Zeit in einem Zirkus verbrachte, während es in der anderen Hälfte mit Aufgaben, wie Geschäftsreklame oder Teilnahme an politischen Aufzügen beschäftigt war. Jap erwies sich infolge seines gleichmäßigen Temperamentes als ein äußerst brauchbarer Diener der Wissenschaft, der sogar sehr beflissen war, auch da mitzuarbeit- ten, wo es ihm unbequem wurde. Er war so artig, daß kein besonders starkes Gebäude aus Balken und Beton wie bei den gewöhnlichen Elefantenhäusern für ihn gebaut werden mußte, sondern daß einfache Bretter genügten. Er war durchaus bereit, den Rüssel eine halbe Stunde lang in eine lange Röhre zu stecken, die mit einem Apparat verbunden war, durch den die Atmungsvorgänge bei ihm gemessen werden sollten. Er ließ sich sechs Stunden lang in eine luftdichte Kammer einschließen, weil gemessen werden sollte, wieviel Wärme sein Körper abgab und wieviel Sauerstoff er verbrauchte; dabei war die Zelle so schwach gebaut, daß er mit seinem massigen Körper durch die Wände hätte gehen können, als ob sie nicht vorhanden wären.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen, die jetzt veröffentlicht werden, enthalten manches Ueber- raschende. Zunächst ist es auffallend, ein wie geringes Schlafbedürfnis die Elefanten haben. Sie scheinen wenig mehr als 2V< Stunden täglich zu schlafen. Sie kommen selten vor 1 Uhr morgens zur Ruhe; sie können dabei auch im Stehen schlafen, und wenn sie sich niederlegen, so fallen sie gewöhnlich sofort in Schlaf, wobei sie ihre Rüssel wie eine Schlange aufrollen. Oft machen sie sich ein regelrechtes Kissen aus ihrem Stroh zurecht. Jap schnarcht sogar häufig. Obwohl die Elefanten es vorziehen, durch den Rüssel zu atmen, können sie auch durch den Mund atmen, zum Beispiel, wen» sie Wasser tragen. Im Durchschnitt tun sie zehn Atemzüge in der Minute, und ihr Herz schlägt halb so schnell wie das des Menschen. Jap atmet 310 Liter Luft in der Minute ein und strömt am Tage 24rnal so viel Wärme aus wie ein Mensch.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Krähenflug.
Eines Novemberabends überflogen die schwarzen Schwärme als Borboten des Winters zum ersten Male die Stadt. Es sind schwarze Raben- und Saatkrähen, jene mit bläulich, diese mit violett schimmerndem Halsgefieder, und Nebelkrähen mit aschgrauem Rücken und Bauch. Sie haben bis auf vereinzelte Ausnahmen ihre Brutstätten an der Elbe, die Nebelkrähen im östlichen, die Rabenkrähen im westlichen Flußgebiet und sind nun, strichweise im Land herumzigeunernd, als Fremdlinge zu uns gekommen, sich über den Winter einzuquartieren. Sie lieben die Nähe menschlicher Siedlungen und haben wohl die Felder und Triften am Rande der Stadt bis auf weiteres zu Futterplätzen ausersehen, zumal der nahe Wald ihnen genug Schlafbäume zum Uebernachten bietet.
Nun führen sie täglich zweimal das lärmvolle Schauspiel ihrer Flüge auf: vom Frühstücks- und Mittagstisch zum Nachtquartier und von der Schlafstätte wieder zur Nahrungssuche. Wenn im Westen sich das wundervolle Feuerspiel der untergehenden Sonne entzündet und den ganzen Himmel mit dem Abglanz seines Glühens und Flammens verschönt, erheben sich die schwarzen Gesellen, einer nach dem andern, und rudern ihre vollgefressenen Bäuche mit kraftvollen Schwingenschlägen langsam empor, um schließlich zu unregelmäßigen Schwärmen zusammengerottet hoch am abendlichen Firmament hinzuflattern. Ihre lockeren Gruppen nehmen die mannigfachsten Formen an wie treibende Wolken im Sturm. Bald sind sie dicht zusammengeballt, bald fließen sie auseinander, niemals gleicht ihr Flug einem geordneten Marsch. Jeder einzelne Bogel ist
und in wuchtigen Zügen frißt sich das (Sägeblatt mit scharfen Zähnen rasch ins Holz hinein, immer genau dem schwarzen Längsstrich nach, den zuvor eine angelegte, mit Holzkohle geschwärzte Schnur hinterlassen hat. Ist das Schwellenstück bis zum Schwellenbockkopf durchgesäat, so wird es herumgedreht und vom anderen Kopfende aus eingesägt. Haarscharf laufen die Sägeschnitte von beiden Enden in der Mitte ineinander. Der ganze Vorgang dauert nur sieben bis acht Minuten.
Jede fertige Schwelle erhält in beide Kopfenden einen eisernen 8-Haken eingeschlagen, wodurch einem Aufreißen des Holzes infolge S'aftspannunaen vorgebeugt wird. Manchmal sitzen die Schwellen aufge- stapelt eine Zeitlang im Wald, meist aber bringt sie ein Fuhrunternehmer gleich zur Verladestation nach dem Bahnhof Abend st ern, von wo sie zur letzten Zubereitung an ein bestimmtes Werk gehen. Etwa dreiviertel Jahre lang lagern die Schwellen zum Austrocknen luftdicht in Stapeln. Dann gehen sie durch Hobelmaschinen zum Glätten noch vorhandener Unebenheiten und in Bohrmaschinen, wo sie an jedem Ende vier Löcher erhalten. Zumeist rollen sie von hier sofort auf besondere Rollwagen, die 50 bis 60 Schwellen aufnehmen können. Acht bis zehn solcher dicht beladenen, aneinandergekuppelten Wagen fahren auf Schienen in einen großen „Tränkungskessel" zum Imprägnieren des Holzes mit fäulniswidrigen Stoffen. Nach Angabe der Schwellenhauer werden Buchenschwellen vollkommen durchtränkt, bei Eichenschwellen nur der Splint. Die Benutzungsdauer auf offener Strecke beträgt: bei Eichenschwellen 35 Jahre, bei Buchenschwellen 25 Jahre, bei Kiefernschwellen (die es im Krofdorfer Wald nicht gibt) 15 Jahre und bei Eisenschwellen 12 Jahre.
Es ist ein weiter und gewiß nicht ganz billiger Weg, den die hölzernen Eisenbahnschwellen bis zu ihrer Zweckbestimmung zurücklegen müssen. Uns aber freut es, daß auch der schöne heimische Wald in seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung der Deutschen Reichsbahn mit ihrem Riesenoerkehr dienen darf.
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Ur. 272 vrttter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Die letzten Kampfe.
3u Heinrich von Kleists 125. Todestage am 21. November
Nach Jahren der Unrast tauchte Heinrich von 8 leist im Februar 1810 wieder in Berlin auf: terber, resignierter. Noch einmal schien ihm die Zukunft licht zu werden. Im März überreichte er ter Königin Luise das wundervolle Sonett: „Die tu das Unglück, mit der Grazie Tritt, auf jungen schultern herrlich hast getragen..." Das „Käthchen ton Heilbronn" wurde einigemal im Theater an ter Wien aufgeführt. Bei Reimer erschien der erste Äand seiner Erzählungen mit dem „Michael Kohl- Inas", der „Marquise von O." und dem „Erdbeben h Chili". Aber Jffland lehnte das „Käthchen" für das Berliner Nattonaltheater ab. Die Todes- urcht des Prinzen von Homburg erregte bei einer Borlesung des Schauspiels im Hause des Fürsten Rad zi will den Unwillen der Offiziere und Hof- iamen.
Im Herbst wandte sich Kleist dem Journalismus M. Am 1. Oktober 1810 erschien die erste Nummer i-er „Berliner Abendblä11e r". Alle Ge- : iete, Kunst und Theater, Politik und Tagesereig- :iisse sollten darin besprochen werden. Der Gedanke nner täglich erscheinenden Abendzeitung war in Berlin, wo es neben einigen Zeitschriften nur die Rassische und Spenersche Zeitung gab, die dreimal wöchentlich erschienen, völlig neuartig, und die Abendblätter hatten anfangs großen Erfolg. Aber «chon nach zwei Wochen brachte die scharfe Polemik Adam Müllers, des wichtigsten politischen Mitarbeiters, die Maßnahmen des Staatskanz- «ers Hardenberg Kleist in Schwierigkeiten mit der Regierung. Im November erschien eine Kabinettsorder gegen das Blatt. „Wie zwei Schwerdter, kreuzweise durch unsere theuersten und heiligsten Interessen gelegt", empfand Kleist die Rotstiftstriche Der Zensur, der die „Abendblätter" allmählich er- agen. Sogar die Theaterkritik wurde ihnen schließ- ich untersagt. Dazu kamen Streitigkeiten mit den Mitarbeitern und dem Verleger, der von Kleist Schadenersatz für den immer geringer werdenden Absatz verlangte. Verhandlungen mit der Regierung zwecks Förderung durch amtliche Mitteilungen limd Aufsätze versandeten in Kompetenzstreitereien. Kleist schrieb Briefe, Gesuche, wartete in Amtsstuben, wollte sich sogar mit einem Regierungsrat duellieren. Mit dem 30. März 1811 stellten die „Abendblätter" ihr Erscheinen ein.
Es kommt ein letzter, hoffnungsloser Sommer in der heißen, grauen Stadt. Der Sammer der Ve*-
lassenheit. Die Freunde sind fort. Die Frau, die er liebt, unerreichbar fern. Jrn September richtet er an den Staatskanzler ein Gesuch: da der König ihm die Wiedereinstellung in den Heeresdienst zu- gefagt habe „und mir, bei der beträchtlichen Unordnung, in welche, durch eben jenen Verlust des Abendblattes, meine Casse gerathen ist, die Anschaffung einer Equipage höchst schwierig wird: so wage ich, im Vertrauen auf Ew. Excellenz Höchst- dieselden um einen Vorschuß von 20 Luidor anzugehn". Er erhält keine Antwort. Eines Tages taucht er in Frankfurt bei der Schwester auf, die bei feinem Anblick „ungeheuerlich" erschrickt. Aus ein paar hastig hingeworfenen Zeilen an sie spürt man die Verwundung seines empfindsamen Herzens wie einen verhaltenen Schrei.
Nach zehn Jahren ununterbrochenen Kampfes ist er am Ende. Seine Werke haben keine Anerkennung gefunden. Durch den Tod der Königin ist die kleine Pension, die sie ihm aus ihrer Schatulle zahlte, ausgefallen. In Dresden und Frankfurt liegen Schuldverschreibungen bei den Geldoer- leihern. Sein Körper verzehrt sich in unerträglicher Ueberreiztheit. Das Schicksal Deutschlands, nun in tiefster Erniedrigung, bedrückt ihn, und er schreibt auf das Titelblatt der „Hermannsschlacht" das bittere Wort:
„Wehe, mein Vaterland dir! Die Leier zum Ruhm dir zu schlagen. Ist, getreu dir im Schoß, mir, deinem Dichter, verwehrt!"
In dieser Zeit findet Kleist in Henriette Vogel die Todesgefährtin. Eine Frau, kleinbürgerlich bei aller romantisch-überspannten Gefühlsschwelgerei, „die sich eine Celebrität hat geben wollen auf diese Weise". Dem Grauen jener Krankheit zu entgehen, die ihren Körper zerfraß, sucht sie den Tod: rasch, schmerzlos, romantisch. Sie ordnet pedantisch ihren Haushalt — „Dörte soll frisch überziehen".
Am 22. November suchte der Geheime Staatskanzler die immer noch unerledigte Bittschrift Heinrich von Kleists hervor und schrieb lakonisch an den Rand: „Zu den Akten, da der p. v. Kleist nicht mehr lebt". In der entsetzlichsten Weise erfuhr Ulrike von Kleist den Tod des Bruders. In einem Gasthof hörte sie die Leute von einem Selbstmord erzählen, der überall großes Aufsehen erregt hatte. An einem frühen November - Nachmittag waren ein Herr, ein untersetzter Vierundreißigjähriger, in braunem Rock und Schlappstiefeln, und eine Dame im blauen Mantel und zerknittertem Spitzenhut, in einem Mietfuhrwerk aus Berlin -LLommev und im Neuen Krug von Sttmmings
am Wannsee abgestiegen. Die ganze Nacht hindurch sah der Knecht Kerzenschimmer in den Zimmern der beiden. Sehr früh am Morgen hatte die Dame nach der Dienstmagd ge Hin gelt, die, verschlafen, Kaffee für die beiden besorgte und der Dame beim Schnüren behilflich war. Gegen Mittag schickten sie einen Boten mit Briefen nach Berlin. Dann bestellten sie ihren Kaffee nach einem Hügel, an der Machnower Heide, ganz nahe dem Kleinen Wannsee. Die alte Tagelöhnersfrau, die das Geschirr vom Krug herbeischleppte, sah die beiden Steine ins Wasser schleudern. Als sie zurückgeschickt wurde, um eine Tasse auszuspülen, hörte sie, als sie die Chaussee erreicht hatte, einen Schuß und, nach ein paar Schritten, einen zweiten.
Auf dem Hügel, zwischen Wacholdersträuchern, fand man die Fremden tot. Die Dame lag in einer kleinen Bodensenke; unter der linken Brust war ihr Mieder von dem Einschuß versengt. Der Herr neben ihr; den Kopf mit dem wirren, braunen Haar an ihrer Schläfe, die Pistole in der erstarrenden Hand. Aus seinem Munde quoll das Blut.
Tags darauf kam die Polizeikommission, und am Abend wurden sie, nach der Obduktion durch den Kreisphysikus, begraben, wo man sie gefunden hatte. Die Dame und ihr Gefährte, der gewesene Leutnant Heinrich von Kleist.
Walther Schwerdtfeger.
Zeitschriften.
— Die Zeitschrift „Das Innere Reich" (Herausgeber: Paul Alverdes und Karl Benno von Mechow; Verlag Albert Langen / Georg Müller, München), bringt im Novemberheft unter anderm ein im Auftrage des Reichssenders München geschriebenes großes Hörspiel „Die Flucht" von Al- verdes, das auf eine ältere Novelle gleichen Namens zurückgreift, ein friderizianifches Thema aus dem Siebenjährigen Kriege in einer eindringlich-starken, dichterisch geformten Szenenreihe behandelnd. Vom übrigen Inhalt heben wir die Rede des Oesterrei- chers Bruno Brehm beim Kriegsdichter-Treffen in Berlin, die Novelle „Kapitän Perthes" von Heinrich Ringled und einen Aufsatz von Friedrich Sacher hervor, der sich um eine eingehende Deutung des Gesamtwertes von Josef Weinheber bemüht; einige Gedichte dieses außerordentlichen Lyrikers aus dem Bande „Späte Krone" ergänzen und verdeutlichen die Darstellung. Als Bildbeigaben: sechs Landschaften von Franz Lenk, deren klare, raumgliedernde Schönheit sich auch ohne das Medium der lebendigmachenden Farbe unmittelbar auf den Beschauer überträgt.
3,00 bis 7,20 Meter Länge und 28 Zentimeter Min- destzopfdurchmesser. Die Krümmung darf höchstens betragen für 2,60 Meter Länge 8 Zentimeter, bei Weichenschwellen aber nur ein Zentimeter je Meter Schwellenlänge.
In dieser Normung trifft der Schwellenhauer die zu bearbeitenden Holzabschnitte an. Mit der kleinen, etwa fünfpfündigen Axt wird die grobe Vorarbeit begonnen, während die große Axt die Feinarbeit leistet. In verhältnismäßig kurzer Zeit ist aus dem runden, von rissiger Rinde umkleideten Baum- tück eine weiße, glatte, nun eckige Schwelle ent- tanden, mit ganz genauen Maßen: Die als Unter» age zu dienende Seite mißt in der ersten Klasse 26 Zentimeter Breite, die Höhe 16 Zentimeter und die obere Breite 16 Zentimeter, in der zweiten Klasse die untere Breite 25 Zentimeter, die Höhe 15 Zentimeter und die obere Breite 16 Zentimeter. Die Schwellen erster Klasse kommen auf Hauptverkehrsstrecken, die zweiter Klasse auf Nebenstrecken und Rangiergleise. Am besten und schnellsten bearbeiten sich Stücke mit 27 bis 29 Zentimeter Durchmesser. Auf einen Festmeter rechnet man etwa sieben Schwellen. Bei Buchen, besonders aus älteren Beständen, ist auf den Rotkern zu achten. Er darf höchstens ein Sechstel des Querschnittes ausmachen, sonst ist die Schwelle unverwendbar, da hier zuerst Fäulnis einsetzt. — In diesem Winter sollen im Krofdorfer Staatsforst 800 Festmeter Buchen für Schwellenholz geschlagen werden; das ergibt etwa 5400 Schwellen.
Recht interessant ist der „S ch w e 11 e n b o ck" und feine Verwendung. Trotz ihrer Primitivität bedeutet diese Einrichtung ein unerläßliches Hilfsmittel bei der Schwellenhauerei. Dicke Stammstücke sollen zwei, vier oder gar sechs Schwellen ergeben. Da heißt es, 2,60 Meter der Länge nach zu durchsägen. In einem modernen Sägewerk mit entsprechenden Motoren und Maschinen ist das eine Kleinigkeit. Im Walde aber, mit einer einfachen Handsäge, erscheint dies sehr mühevoll und umständlich. Doch des Schwellenhauers Geschicklichkeit und Uebung zerstreut die Bedenken. Er stellt sich seinen „Schwellenbock" zurecht: Eine fünf Meter lange Stange liegt mit ihrem einen Ende als Stütze auf dem Boden, mit dem anderen auf zwei kräftigen, mannshohen Streben. Die Hauptsache ist, daß dieser Bock fest zu stehen kommt. Mit vereinten Kräften wird das zu durchschneidende Schwellenstück auf. ihn hinaufgehoben und in die Längsrichtung der Stange gelegt. Während die eine Hälfte des Holzstückes waagerecht frei über den Kopf des Schwellenbockes nach vorn ragt, ist das hintere Ende mit einer Kette gut an die lange Stange befestigt. Nun tut die Schwellenhandgattersäge, die „zum Stoß gefeilt" ist und in einer Spannung steht, ihre Arbeit. Ein Mann steht oben auf dem Bock, zwei stehen unten. Sie setzen die Säge senkrecht an, ziehen rauf und runter,
Links: Mit einem breiten Beil wird die grobe Form der Schwelle aus dem Stamm gehauen. Rechts: Mit einem scharfen Schnitzmesser wird nachgearbeitet.
Gchwettenyauer im Krofdorfer Forst.
, fis sind wohl an die hundert Jahre her. Da schiieb einmal ein Freund unserer Heimat ein lob» firmendes Lied auf den herlichen, auch die Mcn- schm unserer Zeit noch begeisternden Krofdorfer Nn l d. Und wenn jener Chronist dabei der Volks- Iw! tschaftlichen Bedeutung des Waldes für damalige guten gedachte und die vielfältige Verwendbarkeit opr und uralter Eichen und Buchen herausstellte, io ahnte er nichts davon, daß später aus diesem Aalde Holzmengen in tausenden von Festmetern gt einer ganz neuen Zweckbestimmung ins Land hr.aus gehen müßten, nämlich als — Eisenbahnschwellen.
Bn neuerer Zeit gibt der Krofdorfer Wald mehr ti! früher Schwellenhölzer an die Reichsbahn ab, b.h. eine große Holzfirma kauft das bei den winke ichen Holzfällungsarbeiten für diesen Zweck sor- ticte Holz und läßt es bereits im Wald zu Schwelle, behauen. Waren es vor dem Kriege oft Italiker, die als Schwellenhauer im Krofdorfer Wald jh!»n Lebensunterhalt suchten, so find es heute Spezi- arbeitet aus dem Spessart. Dort, auf den iöLbbeberften Höhen, hat sich die Handwerkskunst de Schwellenhauens ausgebildet und erhalten. Es istiinteressant, au wissen, daß es ein ausgesprochene „Schwellenhauerdorf" gibt, Rechten- b - ch heißt es. Es liegt im Main-Viereck, sieben tfcmeter vom Fluß entfernt, und es hat etwa Ifcaflenb Einwohner. Man nennt es nicht mit Un- rc.it „das Dorf ohne Männer", denn gut die Hälfte de über vierzehn Jahre alten männlichen Personen jbenöet sich jahrein, jahraus bei der Schwellen- berarbeit in der Fremde. Manche kommen monctte- l'TfA nicht ins Dorf zurück, ja einzelne kaum ein- otm zweimal im Jahr. Es sind arbeitsame Mensch n. Ihr Arbeitstag reicht aus der Morgen- in di Abenddämmerung.
otatten wir den Schwellenhauern einen Besuch ot sehen ihnen zu und lassen uns erklären! Vier W nn treffen wir zusammen an. Sie sind im £cnfe der Zeit so aufeinader eingearbeitet, daß die 2l:3eit wie am laufenden Band vor sich geht. Na- kiiüch stehen sie im Akkordvertrag mit der Holz- fima, und je mehr sie leisten, desto höher ist der D'dienst. Ihnen bei der Arbeit zuzusehen, macht ßi-Ube: In der Geübtheit ihres Berufes handhaben fit mit Leichtigkeit die acht bis neun Pfund schwere ;2l:z aus geschmiedetem Stahl. Jeder Hieb damit ft! . Krachend fliegen die Splitter von dem 2,60 19J ter langen Eichenstamm-Stück. Das scharfe Auge tixtet mit untrüglichem Maß. Das Behauen der Ltchenschwellen wurde im Frühjahr gleich nach Stenbigung der Holzfällung vorgenommen; es tnfjte bestimmungsgemäß, mit Rücksicht auf den
Ein Stamm, aus dem zwei Schwellen geschnitten werden können, wird mit einer großen Trummsäge geteilt. (Aufnahmen s3j: Neuner, Gießener Anzeiger.) veränderungsbaren Zustand des Buchenholzes, bis 15. Juli beendet sein. Und jetzt ist das Eichenholz, das eine längere Lagerung im Wald verträgt, an der Reihe. Der Förster hat die mittlere Holz- qualität für Schwellenholz ausgewählt. Es sind gesunde, auch etwas ästige, mindestens einschnürige (einseitig gekrümmte) Abschnitte von Stämmen.
Die Holzmaßanweisung für den Dienstgebrauch in den preußischen Forstämtern unterscheidet drei Schwellenholzklassen: Klasse A sind Abschnitte von 2,60 Meter Länge oder einem Vielfachen davon und 27 Zenttmeter Mindestzopfdurchmesser, gemessen ohne Rinde (Zopf — oberstes Ende des Stammabschnittes). Klasse B und C sind Abschnitte von je 2,50 Meter Länge oder einem Vielfachen davon, erstere mit einem Mindestzopfdurchmesser von 24 und letztere von 22 Zentimeter. Außerdem gibt es noch besondere Weichenschwellen in Abschnitten von
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