Ausgabe 
20.10.1936
 
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Nr. 24b Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen)Dienstag,20. Oktober (936

SJL-'Spoit

ber

Lied erklingt, weiß sie ihre Jungmädel in Zucht und Freudigkeit, in tadelloser Ordnung, voll Stolz und Gläubigkeit hinter sich.

Freilich, es fehlt ihr an mancherlei Erfahrung, sie hat einen harten Kampf auszufechten, um in der Schule trotz ihrer JM.-Führung Schritt halten zu können, sie weiß sich selbst noch jung in ihrer Auf­gabe aber sie führt und ihre Mädel folgen.

Vor mancher Mutter taucht angesichts dieser Jungmädelschaft das Bild einiger gleichaltriger Schulklassen auf, die in Begleitung von ein bis zwei Lehrerinnen einen Ausflug unternehmen! In der Jungmädelschaft ruft kein Befehl zur Ordnung, hier gilt keine altersmäßig begründete Ueberlegen- heit, keine Autorität, die im Amt liegt. Auf den Gesichtern der Jungmädel liegt ein großer Glaube und ein trotziger Stolz. Nicht jeder vermag dies Rätsel zu lösen!

Wenn es aber Eltern gibt, die meinen, mit ihrer bewußt negativen Einstellung zur nationalsoziali­stischen Jugendorganisation alle Maßnahmen, alle Dienstfestlegungen, jede Leistung der JM.-Führerin unberechtigt oder kleinlich kritisieren zu können, so steht jede JM.-Führerin gleichzeitig nicht als Ein-

»M.Teutonia^Watzenborn-Gteinberg

Watzenborn-Steinberg I Hungen I 3:0 (2:0).

Zum vierten Derbandsspiel empfing aus eigenem Platze die erste Mannschaft des FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg die gleiche des Sportvereins Hungen. Die Teutonen hatten in der ersten Halb­zeit den starken Wind als Bundesgenossen und Hungen wurde vom Anpfiff an stark zurückgedrängt. Recht viel-beinig verteidigten sie ihr Tor, und es war dem einheimischen Sturm kaum möglich, er­folgreiche Torschüsse anzubringen. Mit großem Eifer arbeiteten die Gäste im eigenen Strafraum. Mit 2:0 ging es in die Pause. Glaubte man, nach Halb­zeit würden die Gäste infolge des Rückenwindes mehr des Gegners Tor stürmen, so wurde man eines anderen belehrt. Dauernd lagen die Ein­heimischen wieder im Angriff und die starke Ab­wehrmauer der ersten Halbzeit wurde nicht ge­lockert man spielte mithin lediglich nur auf Halten. Noch einmal wurde der Gästetorwart ge­schlagen, und als das Spiel dem Ende zuging, machten die Gäste den Versuch, wenigstens zum Ehrentor zu kommen und warteten mit einigen gefährlichen Durchbrüchen des Dreimännersturms auf, konnten jedoch die einheimische Hintermann­schaft nicht schlagen. Schiedsrichter M a r s ch e ck (Wetzlar) leitete gut.

Die zweite Mannschaft der Teutonen weilte in Grüningen zum fälligen Derbandsspiel. Bis zur Halbzeit lagen die Watzenborn-Steinberger trotz des harten Spiels der Platzmannschaft 4:0 in Füh­rung. Nach der Pause gingen die Einheimischen zum Angriff über und Haas mußte den Ball drei­mal aus dem Netz holen. Fast lag der Ausgleich in der Luft; mit letzter Hingabe spielten die Teutonen, um den kleinen 4:3 Vorsprung zu halten. Gefähr­liche Angriffe mußten abgewehrt werden. Als jedoch kurz vor Schluß die Grün-Weißen noch ein fünftes Tor erzielten, stand der Sieg fest.

Iußbattabt-ilung des Tv. 1846 Kietzen.

Io. Allen-Vuseck I Io. 0. 1846 I 1:0 (0:0).

Leider ging auch das dritte Verbandsspiel ver­loren. Dies ist doppelt schmerzlich, weil der Gegner kaum besser war. Das Spiel litt sehr unter dem heftigen Wind, der die Ballführung schwierig machte. Die technische Ueberlegenheit der Gießener kam dadurch nicht zur Geltung. Die erste Halbzeit verlies torlos. Kurz nach der Pause erzielten die Platzbesitzer das einzige Tor des Tages. Dem Tor- mann wurde der Ball aus den Händen geschossen. Trotz starker Ueberlegenheit der 46er in der letzten halben Stunde blieb der gerechte Ausgleich versagt. Zur Kritik der Mannschaften ist zu sagen, daß Alten-Buseck die technischen Mängel durch riesigen Eifer ausglich. Bei Gießen stand vor einer Hinter­mannschaft ein ziemlich schwacher Sturm, der über

Kombination das Schießen vergaß.

zelmensch vor ihnen, sondern als Vertreterin der Hitler-Jugend und damit als Mitglied der vom Führer einzig in dieser Form anerkannten und gewollten Jugendgemeinschaft.

Die Jungmädelschaft setzt einen Dienst voraus, der vom einzelnen Mädel auch als solcher empfun­den und selbstverständlich auch eingehalten wer­den soll. Wenn uns immer wieder Eltern begegnen, die in ihren Kindern dieses Pflichtgefühl gegenüber der Jungmädelschaft nicht nur nicht för­dern sondern durch ihre belanglosen Beschwer­den und Meinungen bewußt unterbinden und her­absetzen, so haben wir nur eines zu sagen:

Die Jungmädelschaft ist nicht dazu da, um aus­zuruhen. Wer sich einer Gliederung der Bewegung verpflichtet, muß mit ihrem Dienst rechnen! Je mehr sich daher ein Jungmädel um seinen Dienst, seine Aufgabe und manche Unbequemlichkeit herumzu­drücken versucht, um so mehr fühlen wir uns ver­pflichtet, es so lange in unsere besondere Schule zu nehmen, bis ein Jungmädel aus ihm geworden ist, wie die Hitler-Jugend es verlangt.

Ungeachtet aller Kritik und Meinungen wird auch die Jungmädelschaft innerhalb der Hitler-Jugend unbeirrbar und eindeutig ihren Weg weitergehen in der Erfassung und wahrhaft nationalsozialisti­schen Erziehung der jüngsten Mädelschaft Deutsch­lands. Neben uns aber steht das nationalsozialistische Elternhaus.

Jungmädel und Elternschaft.

Don Lydia Echürer-Etolle, 3ungmäbje(<Referentin der Michsjugendführung.

SA-Brigade 35 Leipzig siegte im Zulius-Streicher-Gepäckmarsch.

Rund 2000 Teilnehmer versammelten sich am Sonntag in der Hauptkampfbahn des Nürnberger Stadions, das Start und Ziel des 2. Julius-Strei­cher-Gepäckmarsches war. Nicht nur aus Franken, sondern auch aus der Ostmark, aus dem Oberland, aus Schwaben und aus Sachsen waren SA.-Mann- schaften gekommen, um an dem größten derartigen Marsch teilzunehmen. Von der Jugend bis ins Alter waren die Jahrgänge vertreten. In der Klasse I siegte die SA.-Brigade 35 Leipzig, von dessen Nach­richtensturm zwei Mannschaften die ersten beiden Plätze einnahmen. Gruppenführer von Obernitz nahm im Anschluß an den Marsch die Preisver­teilung vor.

Interne leichtathl. Bereinswettkämpfe der Spielvereinigung 1900.

Zum Abschluß der Bahnsaison führten die 1900er am vergangenen Sonntag ihre Klubmeisterschaften durch. Der Wettergott schien mit dem späten Termin nicht einverstanden zu sein, denn Regenschauer und ein heftiger kalter Wind machten den Wettkämpfern sehr zu schaffen. Eine Anzahl Teilnehmer kam daher nicht an die gewohnten Leistungen heran. Es gab aber auch eine Reihe sehr beachtlicher Leistungen. So wartete A. Kilo nicht nur mit 43,12 Meter im Diskuswerfen auf, sondern brachte auch durch seinen Sieg im Fünfkampf endgültig den dafür ausgesetz­ten Wanderpreis an sich. Im Dreikampf der Kl. B setzte sich der neue Mann Mieritz knapp vor Balser an die Spitze.

Die Ergebnisse:

Aktive:

50 Meter Klasse A: 1. Mieritz 6,1 Sek.; 2. Jung 6,2 Sek.; 3. Kilo 6,2 Sek. 100 Meter Klasse A: 1. Mieritz 11,6 Sek.; 2. Adam 11,9 Sek.; 3. Jung 12,1 Sek. Klasse B: 1. Balser 12 Sek.; 2. Linsemann 12,1 Sek.; 3. G. Koch 12,8 Sek. Weitsprung Klasse A: 1. Jung 5,86 Meter, 2. Kilo 5,73 Meter; 3. Mieritz 5,28 Meter. Klasse B: 1. Balser 5,67 Meter; 2. Pfannenschmidt 5,50 Meter; 3. Linsemann 5,19 Meter. 200 Meter Klasse A: 1. Mieritz 23,9 Sek.; 2. Adam 24 Sek. Diskus­werfen: 1. Kilo 43,12 Meter; 2. Watzel 29,14 Mtr.; 3. Bepperling 29,02 Meter. Speerwerfen:

Fußball in Staufenberg.

Rüddingshausen Staufenberg.

Die 1. Mannschaft trat am Sonntag in Rüddings­hausen zum fälligen Derbandsspiel an. Nach äußerst yartem Spiel verlor sie 0:1. Das einzige Tor siel in der Minute vor Schluß. Der Schiedsrichter hatte das Spiel nicht immer in der Hand. Die Schüler­mannschaft verlor auf eigenem Platz gegen die Lol- larer Schüler 3:4.

Sportamt »Kraft durch Freude".

Heute folgende Kurse:

K i n d e r g y m n a st i k: Von 16 bis 17 Uhr, Frankfurter Straße 60, Gartenhaus. Neuanmeldun­gen werden vor Beginn der Uebungsftunde ange­nommen. Unkosten 20 Pf. pro Tag.

Fröhliche Gymnastik und Spiele (Frauen): Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Damm- straße 26.

Schwimmen (Anfänger und Fortgeschrittene): Don 20 bis 21 Uhr Frauen und Männer; von 21 bis 22 Uhr nur für Frauen im Volksbad.

Reiten: Von 21 bis 22 Uhr Universitäts-Reit- inftitut, Branüplatz.

1. Watzel 46,76 Meter; 2. Kilo 36,40 Meter; 3. Goß 35,30 Meter. Kugelstoßen Klasse B: 1. Watzel 10,26 Meter; 2. Mieritz 9,30 Meter; 3. Bal­ser 9,03 Meter. Dreisprung Klasse B: 1. Linsemann 9,42 Meter; 2. Mootz 9,12 Meter; 3. Glagow 8,86 Meter.

Fünfkampf, Klaffe A: 1. Kilo 3185,80 Punkte (50 Meter in 6,2 Sek., 100 Meter in 11,9 Sek., Weitsprung mit 5,73 Meter, Diskuswerfen mit 43,12 Meter, Speerwerfen mit 36,40 Meter); 2. Bepperling 2570,80 P.; 3. Goß 2477,10 P.; 4. Watzel 2444,60 Punkte.

Dreikampf, Klaffe B : 1. Mieritz 1536 Punkte (100 Meter in 11,6 Sek., Weitsprung mit 5,28 Meter, Kugelstoßen mit 9,30 Meter); 2. Bal­ser 1529,70 P.; 3.Pfannenschmidt 1350 P.; 4.Linse- mann 1275,60 Punkte.

Jugend.

Klasse A. 100 Meter: 1. G. Schmidt 11,7 Sek.; 2. Hungerland 12,3 Sek.; 3. Röhm 12,8 Sek. Weitsprung: 1. G. Schmidt 5,55 Meter; 2. Hungerland 5,03 Meter; 3. Röhm 4,94 Meter. Diskuswerfen: 1. Röhm 27,61 Meter; 2. G. Schmidt 26,25 Meter; 3. Hungerland 24,95 Meter. Dreisprung: 1. G. Schmidt 10,58 Meter; 2. Bender 10,20 Meter; 3. Röhm 9,67 Meter.

Klasse B. 100 Meter: 1. Bender 12,1 Sek.; 2. Wendel 13,3 Sek.; 3. Wißner 14,8 Sek. Weit- sprung: 1. Wendel 4,73 Meter; 2. Bender 4,62 Meter; 3. Wißner 3,75 Meter. Kugelstoßen: 1. Wißner 9,05 Meter; 2. Bender 8,73 Meter; 3. Wendel 8 Meter.

Klasse C. 100 Meter: 1. Boller 13,6 Sek.; 2. Dinges 14,8 Sek. Weitsprung: 1. Boller 3,98 Meter; 2. Dinges 3,67 Meter.

Klasse D. 100 Meter: 1. Wehrum 16,2 Sek.; 2. Roloff 16,4 Sek.; 3. Helene Ortwein 16,4 Sek. Weitsprung: 1. Roloff 3,55 Meter; 2. Wehrum 3,45 Meter; 3. H. Ortwein 3,24 Meter. Ballweitwurf: 1. Wehrum 51 Meter; 2. Ro­loff 50,75 Meter; 3. H. Ortwein 30 Meter.

Frauen.

7 5 Meter: 1. L. Diehl 10,6 Sek.; 2. G. Otto 11,6 Sek.; 3. R. Lippert 12 Sek, Weitsprung: 1. L. Diehl 4,15 Meter; 2. R. Lippert 3,75 Meter; 3. M. Ockel 3,59 Meter. Hochsprung: 1. L. Diehl 1,28 Meter; 2. G. Otto 1,11 Meter; 3. R. Lippert 1,11 Meter. Speerwerfen: 1. R. Lip­pert 20,90 Meter; 2. L. Diehl 18,61 Meter; 3. M. Ockel 16,97 Meter.

Wenn Jungmädel in langen Reihen marschieren und ihre Lieder singen, streifen sie die prüfenden Blicke der Vorübergehenden ... Wenn die Jung­mädel zu Haufe erzählen, daß sie heute Dienst haben, beschäftigen sich namentlich die Gedanken der Mütter mit ihnen.

Allerdings gibt es für alle Dinge zwei Arten der Betrachtung; jede dieser beiden Beobachtungsweisen wird bestimmt von dem Verständnis und der grund­sätzlichen Einstellung. Und hier scheiden sich die Ge­müter niemand weiß das besser als die Jung- mädelführerin.

Die Mädel einer Jungmädelschaft erleben alles aeme infam, sie stehen unter dem gleichen Ge­setz, sie teilen alles miteinander. Ja, sie haben die gleiche junge Führerin, sie beziehen im Lager das gleiche Quartier, empfangen dasselbe Essen, "tun den gleichen Dienst, erleben die gleichen Dinge und haben einen gemeinsamen Heimnachmittag. Und doch sollte man nach der Meinungsäußerung Außenstehender meinen, daß es sich hier in dieser Jungmädelschaft nicht mehr um etwas Gemeinsames handelte, das alle gleichermaßen ansprach und unter ein gemein­sames Erlebnis stellte. Was uns als Einheit, Ge­rechtigkeit und Gemeinschaft gilt, gewinnt oft in der Außenwelt ein eigenes Licht. Dieses Bild aber wird bestimmt von der positiven oder negativen Einstel­lung zu uns und unserer Art.

Wir kennen sie alle, die Mütter unserer Jung­mädel, die auch wir als wahrhafte Mütter kennen­lernten. Alle die vielen, die mit immer wachem Ver­ständnis unser Wollen, unser Leben verfolgten; die mit ihrem prüfenden Blick unsere Sorgen erkennen, manche Mängel sehen und schweigend helfen. Das sind jene Mütter, die wir als nationalsozialistisch empfinden. Niemand kann sich stärker mit ihnen verbunden fühlen als unsere Jungmädelführerin, die der Kritik einer Gesamtheit von Eltern und Leh­rern standzuhalten hat.

Diese Mütter schicken uns ihre Kinder, obwohl auch sie manchen Fehler nicht übersehen haben, der sich in jeder Jungmädelschaft einmal zeigen wird, genau so sicher, wie er in jeder anderen Organi­sation und Einrichtung einmal auftreten kann. Sie schicken uns ihre Kinder trotzdem, weil sie erkennen, daß wir eine Erziehungsarbeit an den Jungmädels zu leisten haben, die weder das Elternhaus noch die beste Schule geben kann.

Es ist die die Erziehung zum national­sozialistischen Menschen, der in der gro­ßen Gemeinschaft wurzelt und bereits als Kind lernt, sich in Gehorsam und Treue, unter Hint­anstellung seiner eigenen Wünsche, in das große Ganze einzufügen; Der bereits als Zehnjähriger lernt, mit unerhörter Pflichttreue und einer ein­deutigen Dienstauffassung sich in seine Aufgabe zu stellen!

Täglich begegnen wir diesen nationalsozialistischen Eltern, Ule eine hohe charakterliche Forderung an die Führerin stellen, die aber auch bedingungslos ihre Kinder im Elternhaus zu den Forderungen der Jungmädelschaft erziehen. Die Kritik, die man uns im deutschen Elternhaus zollt, hängt von den Augen ab, mit denen uns die Mutter sehen will.

Wenn unsere Jungmädel in langen Reihen mar­schieren und ihre Lieder singen, streifen sie die prü­fenden Blicke der Vorübergehenden. Vor den Jung­mädeln geht ihre Führerin, und wieder ist sie es, die Anlaß zu besonderen Gedanken gibt:Es ist ja geradezu lächerlich, daß ein so junges Ding an­deren Führerin sein will." Diese Führerin ist in mancher Leute Augen ein absolutunreifes Ding", das besser daran täte, sich um Schule und Aus­gaben zu kümmern. Ja, es sei geradezu unverant­wortlich, einem solch jungen Ding, dem es an jeder Erfahrung fehlt und das sich auch nicht belehren läßt, derartig viele Mädel anzuvertrauen.

Es folgen uns andere Blicke und andere Gedan­ken: Fünfzehnjährig ist die Führerin, die voran­geht, zehn- bis zwölfjährig die 27 Jungmädel, die ihr folgen. Während hinter der Führerin Lied um

Zwei neue Filme.

Lichtspielhaus:Staudschiitze Bruggler."

Kriegsfilme gibt es viele, aber verhältnismäßig sehr selten genau wie in der Dichtung sind solche, die die italienische Front zum Schauplatz wählten; wir erinnern uns nur an TrenkersBerge in Flammen". DerStanbschütze Bruggler" spielt ungefähr unter den gleichen Verhältnissen an der nämlichen Front, und wir halten es für ein Ver­dienst, den Blick wieder einmal auf jenen alpinen Schauplatz zurückzulenken, der merkwürdigerweise und unverdientermaßen in den nachgerade unüber­sehbaren Darstellungen der Ereignisse des Weltkrie­ges meist vergessen und kaum berücksichtigt wor­den ist. Der Krieg hoch oben in den Bergen des Tiroler Grenzlandes ist eben wegen der alpinen Eigenart des Geländes von ganz besonderer Art gewesen und hat an die Männer, die dort stan­den, die härtesten Anforderungen gestellt; das wird deutlich, wenn man sich nur beispielsweise klar macht, was es kostete, die Stellungen, in denen gekämpft wurde, überhaupt erst zu erreichen, zu schaffen und auszubauen, was es bedeutete, Ma­schinengewehre, Geschütze Munition und Verp e- gung in eine Höhe zu schaffen, die dem Durchschmtts- folbaten überhaupt nicht zugänglich wäre; oder wenn man sich vorstellt, wie schon em einziger, kleiner Treffer in solchem Felsgelande tn ferner Spreng- und Splitterwirkung naturgemäß ver­vielfacht wurde. Es ist ohne Zweifel ein Verdienst dieses Ufa-Films, der nach einem Drehbuch von Joseph Dalman unter der Spielleitung von Werner Klingler geschaffen wurde, dem Be­schauer einen Eindruck von den Kämpfen und Lei­den jener schwach besetzten, österreichischen Kom­panien gegeben zu haben, die da oben unter den schlimmsten Bedingungen tapfer und selbstlos die ihnen anvertraute Höhe gehalten haben bis zum Aeußersten. Die Tiroler Schutzen wußten genau, worum es ging: war die Stellung verloren, dann war der Weg offen ins nahe Hinterland, in> die Heimat, in das eigene Dorf, das oft genug schon vorher von den feindlichen Granaten getroffen und in Trümmer gelegt wurde. Die Stand,chutzenkom- panien gehen in ihrer patriarchalischen Eigenart und Zusammensetzung auf eine alte Tiroler Wehr- Derf-affung zurück, und wenn man sieht, wie sie ein- berufen werden, wie sie die Offiziere aus ihrer Mitte wählen, wie sie ganz Alte und Blut­junge, immer die letzten, überhaupt waffenfähigen Männer aus jeder Gemeinde antreten und aus- rüden, bann wird man unwillkürlich an Defreg­

gers berühmtesLetztes Aufgebot" von 1809 er­innert. Von der Handlung dieses Films, soweit sie in den Bergen und also an der Front sich abspielt, ist eigentlich nichts zu sagen, was nicht schon ge­sagt wurde: es ist ein ungeschminktes, hartes Wirk­lichkeitsbild aus dem Kriege, dem nichts hinzuzu- fügen ist, und von dem man nur wünschen kann, daß viele es auf sich wirken lassen möchten: sie werden dann eine kleine Ahnung haben, was damals auch an dieser Front ausgehalten und geleistet wor­den ist. Die Eindrücke sind so unzweideutig und nachhaltig, daß alles, was alsSpielhandlung" nebenbei und im Hinterland eingeflochten wird, nicht sehr bedeutsam, ja eigentlich abschwächend wirkt. Die Stärke der Regie liegt gerade in ihrer nüchternen Wirklichkeitsnähe und in dem Gemein­schaftsausdruck der Darsteller, bei denen man wie­derum des öfteren an die prachtvollen, wuchtigen Bilder von Egger-Lienz erinnert wird. Ludwig F. Ker scher aus dem Ensemble des Münchener Platzls" gibt frisch, herzhaft und jugendlich den Bruggler. Markante Charakterköpfe aus der Stand- fchützenkompanie: Friedrich Ulmer, Rolf Pin - egger, Eduard Köck, Beppo Br em, Wilhelm Schultes, Viktor Gehring. Als Bruggler- Bäuerin sieht man eine feine, starke und inner­liche Leistung Franziska Kinz, die von der Bühne herkommt und die, als gebürtige Tirole­rin, nach der Iphigenie und der Penthesilea, mit einer Rolle wie dieser eine lange gehegte Sehnsucht in Erfüllung gehen sah.

Vom Beiprogramm ist ein farbiger Kulturfilm hervorzuheben, der in technisch und naturkundlich gleichermaßen interessanten Aufnahmen sehr schöne Bilder von seltenen Fischen zeigt.

Gloria-Palast:MoskauSchanghai."

Um dieselbe Zeit wie derStandschütze Brugg­ler" ebenfalls im Kriege setzt die Handlung des FilmsMoskau Schanghai" ein, den Paul Wegener nach einem Drehbuch von Kurt Hey - nicke und M. W. Kimm ich für die Terra ge­dreht hat: aber auf einem ganz anderen Schau­platz, Moskau 1917, unmittelbar vor dem Zusam­menbruch der zaristischen Armeen; lange Jahre nach dem Krieg und der Revolution endet das Spiel im Fernen Osten, in der unruhigen Weltstadt Schang­hai. Zwischen diesen beiden weit getrennten Polen vollzieht sich in zwölf Jahren das merkwürdige und beklagenswerte Schicksal einer Frau und Mutter, der russischen Offizierswitwe Olga Petrowna, die in den Wirren des Krieges und der bolschewistischen

Schreckensherrschaft nacheinander ihr Kind und den Geliebten aus den Augen verliert, einen jungen Offizier, den sie in Moskau kennenlernte und an dessen Seite sie ein neues Glück zu finden hofft. Als sie, nach endlosem und unermüdlichem Warten und Suchen, beiden wiederbegegnet, muß sie in der in­zwischen herangereiften Tochter die Verlobte ihres Alexander wiedererkennen und schweigend zum zweiten Male verzichten. Diese Olga Petrowna spielt Pola Negri; man hat im Hinblick auf die Rolle an den FilmMazurka" erinnert, wo sie eine ähnliche Gestalt verkörperte. Aber wir finden, daß sie die außerordentliche Leistung von damals hier nicht erreicht, auch von der Rolle aus nicht zu wie­derholen vermocht hätte, die ihr kaum eine Entfal­tung ihrer großen Möglichkeiten gestattet und alle Ausdrucksfähigkeit in Tränen und klagendem Ver­zicht erschöpft. Von ihren Mitspielern sind Gustav Diessl und vor allem Wolfgang Keppler zu nennen, dessen markantes Gesicht einem im Ge­dächtnis bleibt. Susi Lanner in der Rolle der Tochter Maria erscheint neben der Negri blaß, übrigens auch sprachlich ganz unzulänglich. W e - geners Spielführung wirkt sich hier nicht mit der großartigen und mitreißenden Intensität aus wie kürzlich in derStunde der Versuchung"; dieSpan- nungsel"mente fmh hier viel äußerlicher und primi­tiver erfaßt, allerdings bot auch die Fabel an sich nicht entfernt so ungewöhnliche Möglichkeiten wie in jenem Film. Anerkennung verdient die gute, klare Photographie (an der Kamera: Franz W e i ki­rn a y ri: prachtvoll und feierlich wi" je die melodi­schen Chöre der Don-Kosaken unter Serge Iarofs.

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Im Beiprogramm: Ufa-Tonwoche; die Bühnen­schau; und ein KulturfilmDer chinesische Drache." hth.

Sochschulnacknchten

Der Ordinarius für Apparatebau und Fabrik­anlagen der Chemischen Industrie an der Techni­schen Hochschule Berlin, Prof. Dr. Philipp Schub erg, ist auf Grund des Gesetzes vom 21. Januar 1935 (Entpflichtung und Versetzung von Hochschullehrern aus Anlaß des Neuaufbaues des deutschen Hochschulwesens") von seinen amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.

Wegen Erreichung der Altersgrenze ist in der Rechts- und Staatswiffenfchaftlichen Fakultät der Universität Berlin Professor Dr. Friedrich von Gottl-Ottlilienfeld aus seinem Lehramt ausgeschiedeu.

Wie das Volk sich Fremdworts erklärt.

Eine hübsche Zusammenstellung volkstümlicher Deutungen für unverständliche Worte bringt die letzte Nummer vonReclams Universum". Das Volk will verstehen, was es spricht, darum sucht es für Worte, die es nicht ohne weiteres verstehen kann, eine vertrautere Form, die zugleich eine Er­klärung gibt. So ist es bei dem Wort Armbrust einleuchtend, an die beiden Körperteile Arm und Brust zu denken. Mit denen hat die Waffe aber gar nichts zu tun. Ihr Name kommt von den latei­nischen Worten arcus Bogen und balista Wurfmaschine. Als mit diesem Gerät auch sein fremder Name nach Deutschland kam, hat ihn sich der Volksmund so zurechtgelegt, daß auch eine scheinbar ganz andere Erklärung für seine Ent­stehung aufkam. Auch die in der Medizin vielfach verwendete Chinarinde hat ein ähnliches Schicksal gehabt. Sie kommt keineswegs aus China, sondern aus Peru, und hieß dort quina = Rinde, so daß sie in ihrer heutigen Bezeichnung eigentlich zweimal dasselbe bedeutet. Und jeder hält den Vielfraß für ein besonders gefräßiges Wesen, während er in Wahrheit bescheiden und genügsam ist. Dabei bedeutet das skandinavische Fiällftaß ein­fach Felsenbewohner und ist nur in Deutschland so merkwürdig umgeformt worden. Wenn man von einem langsamen oder phlegmatischen Menschen sagt, er sei pomadig, so denkt man sofort an das bekannte Haarpflegemittel und versucht einen Zusammenhang herzustellen, indem man das Zähe und Klebrige dieses Stoffs mit menschlichen Cha­raktereigenschaften zu vergleichen sucht. Aber diese Ueberlegung trifft nicht den wahren sprachlichen Sachverhalt. In Wirklichkeit steckt das polnische Wort pomalu = langsam dahinter, das vom Volk mit der bekannten Pomade in Verbindung gebracht und entsprechend umgeformt wurden. Auch die schle­sische Sagengestalt des Rübezahl hat ihren Na­men nicht vom Zählen der Rüben, wenn es auch in einer später zur Erklärung dieses Namens erfun­denen Sage so heißt. Die Rübe ist allerdings an ihm beteiligt, aber der zweite Teil kommt von dem alten deutschen Wort zagel = Schwanz, fo daß der Alte vom Riesengebirge eigentlich der Mann nut dem Rübenschwanz ist. Alte Seeleute dezelchnet man oft als Teerjacken und denkt dabei an irgendein Kleidungsstück, von dem dessen Besitzer seinen Namen empfangen haben mag. Aber diese Jacke ist in Wirklichkeit ein Jakob, oder vielmehr ein englischer Jack. Die deutschen Seefahrer hörten oft von einem Jacktar = Teerjakob sprechen und legten sich dies nach ihren Begriffen zurecht.