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Montag, 2V.Zuli 1956

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger silr Oberhessen)

Ur. 167 Zweiter Blatt

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Eisenbahn, |

nnapnehmen Aufent-1 vorgesehen. Die Verpflegung regelt die Komman- mit in Kauf neyrnen mußte, u»

p^ra3U^een ~~ T !dantur Döberitz nar ben Wünschen der Nationen, lungssuchenden ging damals schon nach Westen.

rreist

fügung. Daß sprachenkundige Aerzte und Krankenschwestern dauernd um die Gesund- heit der Turnerinnen sich bemühen werden, ist selbstverständlich.

Aber auch für die Unterhaltung ist bestens gesorgt. Eine Lautsprecheranlage wird Musik und neueste Nachrichten geben. Ausflüge nach Karinhall und Potsdam werden an freien Tagen den einzelnen Mannschaften sicher eine dankbar begrüßte Ab- wechslung bringen. Eine allgemeineKaffee­tafel" auf derDorfaue", einem schönen mit Birkenbaumgruppen durchsetzten Mittelplatz, wird sicherlich zu fröhlichem Treiben anregen. Ein 8 Kilo- meter weites Hintergelände steht den Frauen und Mädchen zum Training zur Verfügung. Der neu angelegte Sportplatz an der Berlin-Hamburger Chaussee ist gerade wie geschaffen für die Proben zu turnerischen Vorführungen.

Je mehr die Straßen verbessert wurden und die Posteinrichtungen sich vervollkommneten, um so weiter wurden die Kreise der Erholungssuchenden im Sommer gezogen, um so entferntere Orte wur­den aufgesucht. Daß man in Orten, die keine eigent- lichen Heilstädten waren, sich nur zur Erholung in schöner Natur und ländlicher Stille aufhalten wollte, fand jedoch bei den Bewohnern der Dörfer, die so beglückt werden sollten, zunächst nicht größ­tes Entgegenkommen. Die Großstädter, die da an­kamen, mußten sich alles, was sie zur Unterkunft

brauchten, selber mitbringen.

Als im Jahre 1824 Schleiermacher das Wagnis unternahm, feine Familie nach Saßnitz zu schicken, kam sie sich dort vollkommen verloren vor. Sie fand kein Unterkommen, es gab keine Betten und Bettstellen für sie, und erst nachdem die not- wendigsten Mobilien aus Berlin beschafft waren und zwei Fischerhäuser von ihren Bewohnern ge­räumt wurden, konnte sich die Frau mit ihren Kindern einrichten und sich wohlfühlen.

Im Jahre 1837 wollte sich Friedrich Perthes in Friedrichsroda ein Häuschen für den Sommer­aufenthalt kaufen, aber die Einheimischen verstan- den das falsch, weil sie gar nicht begreifen konnten, was der alte Herr bei ihnen zu suchen hatte, und stellten sich sehr feindselig ihm gegenüber. Fast in der gleichen Zeit wurde auch Heringsdorf, das da­mals nur aus vier massiv gebauten Häusern be­stand, entdeckt, und es entwickelte sich dann bald zur bevorzugten Sommerfrische der Berliner.

Als 1841 die Familie des Schauspielers Eduard Devriont die Reise von Berlin nach Herings­dorf antrat, mußte sie unterwegs zweimal Nacht- quartier machen, in Eberswalde und in Schwedt, und der Vater bleibt sehr beunruhigt zurück, als ihm der große Reifewaqen außer Sicht kommt. Mir kommt es jetzt unbesonnen vor", schreibt er an seine Frau,daß ich Euch so unbeschützt auf die Landstraße hinausgelassen habe."

Er hatte auch wirklichen Anlaß zur Besorgnis, denn von einer Sicherheit der Landstraße konnte man damals nicht reden, da räuberische Ueberfalle sehr häufig vorkamen. Wenn auch die Unsicher­heit bald durch energisches Eingreifen der Polizei überwunden wurde, die Unbequemlichkeiten blieben, und die Kosten waren sehr groß, um so großer, je weiter die Entfernungen zu den Sommerfrischen

Heute beginnen wir in den Gießener Zamilien- blättern mit der Veröffentlichung einer neuen großen Erzählung:Der Diamant des Aadschah" von Robert Louis Stevenson. Aach der beschaulich-hei­teren Liebesgeschichte von der Fahrt nach der Ahnfrau bringen wir nun ein Werk voller Phantasie und Aben­teuerlichkeit, voller Handlung und Spannung. Die vier Begebenheiten, die sich um den berühmten und kostbaren Diamanten entspinnen, gehören zu den Schilderungen, die Stevenson zu einem der gelesenfien Schriststeller in England und Amerika gemacht haben

In derSommerfrische" vor hundert Jahren.

Wir erfreuen uns heute eines gut geregelten und weit verzweigten Systems von Kurorten, Seebä­dern und Sommeraufenthaltsorten auf dem Lande und können uns kaum vorstellen, in welcher Ver­legenheit die Menschen in alter Zeit waren, die aus den engen, zwar malerischen, aber doch höchst un­bequemen und auch ungesunden Städten im heißen Sommer das Verlangen hatten hinauszukommen in die frisch-grüne Natur und reine Luft zu atmen. So breitet sich schon im Mittelalter um den starren Ring, den die Mauern um die Städte legten, ein Kranz von Gärten aus, die die Bürger der Stadt vor den Toren pflanzten und unterhielten.

Stadtgründungen wurden schon so angelegt, daß die Bürger ihre'Anzuchtsgärten vor den Toren der Städte hatten! so sind Bilder von großem Reiz entstanden, die wir noch heute in alten Kupfer­stichen bewundern. Vielfach waren die Bürger, die sich eine größere Gartenanlage außerhalb der Stadt leisten konnten, Gelehrte, bei denen die Freude an der aufblühenden botanischen Wissenschaft im Vor­dergrund stand. Geistvolle Humanisten feierten hier phantastische Blumenfeste. Der 30jährige Krieg hat dann diese jahrhundertealte Entwicklung jäh unter­brochen, weite Gebiete wurden so völlig von Men­schen entvölkert, daß sie fast wieder zur Heide

richtige Witterung für den fruchtbaren Moment. Man braucht nur die Titel seiner Hauptbilder auf­zuzählen: Seni an Wallensteins Leiche, Thusnelda im Triumph des Germanicus, Nero nach dem Brande Roms, Alexander nimmt auf dem Sterbe­bette Abschied von seinem Heere, Galilei im Kerker, Maria Stuart beim Anhören ihres Todesurteils lauter berühmte Unglücksfälle und ebenso viele Ver­suchungen an einen nicht sehr taktfesten Maler, das betreffende Ereignis in den Scheinwerferkegel einer aufreizenden Psychologie zu stellen. Daß wir Heu­tigen wissen, wie gering die Widerstandskraft Pi- lotys gegen solche Gefahren war, ist weiter kein Kunststück, aber die gesunden und nüchternen unter seinen Zeitgenossen wußten es auch schon: Schwind etwa, der bei seinen seltenen Besuchen in Pilotys Atelier gern zu spotten pflegte:Nun, Herr Kol­lege, was für ein Malheur habens heut denn wie­der gemalt?"

Die ganze ungewöhnliche Regiekunst, die dazu gehört, Bilder solcher Art möglich zu machen, darf heute noch auf Anerkennung rechnen. Freilich ist der menschliche Gehalt dieser anspruchsvollen Haupt- und Staatsaktionen meist sehr gering, weil er fast immer von dem stofflichen Beiwerk, den malerisch gerafften Teppichen und Vorhängen, be­sonders aber vom Kostüm, auf dessen historische Echtheit und täuschend genaue Wiedergabe Piloty größten Wert legte, überwuchert wird. Wie Samt und Seide, Wolle und Leder gemalt werden müs­sen, um die volle Illusion der Wirklichkeit hervor­zurufen, erfährt man auf seinen Bildern mit stau­nender Bewunderung, aber die Bewunderung sinkt, wenn man wissen will, was die Menschen .unter diesen Stoffen empfinden. Meist entpuppen sie sich als hohle Statisten. Doch gibt es rühmliche Aus­nahmen: die hoheitsvolle Thusnelda etwa, die im­mer ein Vorbild ungebrochenen Stolzes im Unglück bleiben wird.

Piloty war ein ausgezeichneter Lehrer, der kei­nem feiner vielen Schüler den Weg 3u sich selber versperrte, sondern im Gegenteil alle Muhe daran wendete, den Zögling in seiner persönlichen Eigen­art zu bestärken. Wenn so verschieden geartete Be­gabungen wie Dietz und Habermann Len­tz a ch und Makart, Defregger und Gabriel Max aus derselben Schule hervorgehen konnten, so ist'das wohl der beste Beweis für die Gute einer Lehre, die nicht Rezepte verschrieb, sondern Künst­ler aus eigenem Recht zu bilden trachtete.

Ernst von Niebelschütz.

l.terbunb'j

Truppen

wurden. . .

Erst im 18. Jahrhundert findet man wieder Bil­der von Sommerhäusern in Kupferstichen, die mehr oder weniger geräumig waren und manchmal so ausgestattet wurden, daß sie auch einen längeren Aufenhalt als nur über Tag ermöglichten. Nach den Kriegswirren suchte die geplagte Menschheit wieder mehr ihren Frieden in den stillen Be­glückungen der Natur, und als die Sicherheit auf dem Lande größer geworden war, begannen auch die Bürger, die es'sich leisten konnten, sich wie­der eine Besitzung vor dem Tor zu holten, die ihnen als Sommerfrische dienen konnte. Ein klas­sisches Beispiel dieser Art bietet uns das Garten­haus Goethes, der es selbst in Weimar, das damals doch keineswegs den Anspruch darauf ma­chen konnte, eine Großstadt zu sein, sondern mehr ein Ackerbürgerstüdtchen war, für unerläßlich hielt, Garten und Hausdraußen" zu haben.

So ist es bis tief in das 19. Jahrhundert hinein geblieben. In Charlottenburg, Schöneberg und an­deren Bezirken des heutigenGroß-Berlin findet man noch manches hübsche alte Landhaus, das da­mals vor den Toren der Stadt lag und eine wirk­liche Sommerfrische sein konnte, während jetzt die Gärten, die es früher umgaben, bebaut worden sind und die alten Häuschen seltsam genug in ihrer heutigen Umaebung stehen. Weiter hinaus, in Tegel hatte Wilhelm von Humboldt fein Land­haus zu einem idealen Sommersitz ausgebaut. Wer nicht die Mittel besaß, sich ein eigenes Häuschen für den Sommer bauen zu lassen, der suchte doch die Gelegenheit, im Sommer der Stadt zu entflie­hen, indem er sich weiter draußen irgendwo ein­mietete, wobei er freilich manche Ungelegenheiten

Oer junge Niese.

In diesen Tagen feierte der junge Riese Robert Wadlow in seiner Vaterstadt Alton im Staate Illi» nois (USA.) seinen 18. Geburtstag. Er ist jetzt zwei­einhalb Meter groß und wiegt 190 Kilogramm. In den letzten sechs Monaten ist er noch um zweiein­halb Zentimeter gewachsen und hat an Gewicht 15 Kilogramm zugenommen. Die Aerzte glauben, daß er während der nächsten vier ober fünf Jahre noch weiterwachsen wird und daß er eine Länge von über 2,70 Meter erreichen wird. Der junge Wadlow drückte die Absicht aus, die Jubiläumsaus­stellung in Texas zu besuchen.Ätzer", fügte er hinzu,ich bin keine Ausstellungsmißgeburt und wünsche keine zu sein. Ich hasse es, herumgezeigt zu werden." Seine Brüder und Schwestern sind normal groß.

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zuin U W&. Ein Mi. von einem Zu. n Sllgeciio! t aus Rabin dien regierung- i Aufstand ün viertes Eck' i erschienen u- i Truppen Q n c o leite k e Aufständisch en die Drbnur. >abe von zahl-1 spanische: !n. Man nenr zweiten Divisir

daß bei Algi­er Aufständisch? fünf Schüsse et- sei auf alle den die weih! ebergabe gehn

Neptun oder Nanni?

Don Maria Hillers.

Mit Bootsnamen hat es eine eigens- Bewandt­nis. Man kann fein BootPoseidon" taufen das zeugt von Bildung oderWafferfloh" das zeugt von Temperament. Man kann es auch Ben Akiba" nennen, nach dem Weifen, der da sagte, alles wäre schon mal dagewesen. Dach wehe dem, der leichtfertig und ahne ernste AbsichtLore auf die Bootswand pinselt, oderErika"! Er kann damit ein Unwetter heraufbeschwören, wie es be­stimmt noch nicht da war.

Das muß jener junge Mann gewußt oder doch geahnt haben, der uns neulich draußen am See be­gegnete. Wer weiß, was sonst passiert wäre! Wer weiß, ob nicht die junge Dame

Uebrigens eine sehr nette junge Dame! Blond, zierlich, elegant viel zu elegant für eine Wasser­sportlerin! Auf hochhackigen Schühchen, stöckelte sie vor dem Bootschuppen auf und ab, sie schwenkte das Handtäschchen und musterte kritisch dieKol­leginnen" ringsum, die Paddler, Segler- und Rudererbräute. Merkwürdige Mädchen! Liefen in Trainingshosen rum, halfen die Boote hinaus­tragen und warfen dabei mit Fachwörtern nur Jo um sich. Wirklich, die junge Dame kam sich unter diesen Wesen ganz verlassen vor.

Hallo!" Die junge Dame fuhr herum. Ein junger Mann trat aus dem Bootsschuppen, er balancierte ein Kanu auf dem Nacken. Gin Falt­boot, ein solider Zweier, mochte ganz hübsch schwer sein. Doch die junge Dame verfiel gar nicht auf 3en Gedanken, mit anzupacken.Da bist du endlich!" rief sie vorwurfsvoll.

Der junge Mann legte sein Boot auf dem Rasen nieder, den Kiel nach oben, kramte dann Kleister und Gummistreifen aus einem Köfferchen und machte sich daran, etliche Risse in der Bootshaut zu flicken. Mißtrauisch sah die junge Dame diesem Tun zu. Man merkte ihr an, daß sie sichihr Boot anders vorgestellt hatte, größer, schöner: viel­leicht hatte auch der Bootsbesitzer ein wenig aus­geschnitten wer will das wissen. r. _

Auf einmal bückte sich die junge Dame, sie ließ ihre Augen den Bootsrand entlang schweifen,sano aber anscheinend nicht, was sie ^chte.Du , sie stieß den jungen Mann an,rote heißt das Bool eigentlich?"

In derSommerfrische" vor hundert Jahren

Oiegute alte 3<iP hatte ihre Schattenseiten.

Olympisches Dorf ohne Männer!

Tausend Turnerinnen im Olympia-Lager Elsgrund.

234557 Setten warten aus Olympia-Gäste

Oie Unterbringung und Betreuung auswärtiger Besucher.

licher Bestellung auf das Postscheckkonto Berlin 74 000 einzuzahlen. Wegen der vorgerückten Zeit wird sich die U e b e r s e n d u n g d e s Quartier- scheins nicht in allen Fällen bewerkstelligen lassen; die Gäste erhalten dann Nachricht, m wel­chem Olympia-Verkehrs- und Quartieramt ihr Quartierschein bereitliegt. Es ist dringend anzu­raten, sich des in Reisebüros ausliegenden Be­stellscheines zu bedienen und damit schon jetzt vor dem Eintreffen in Berlin das Quartier zu be­sorgen. Bestellscheine sind auch erhältlich beim Olym­pia-Verkehrs- und Quartieramt Berlin Zentrale Berlin C2, Mühlendamm 1.

An den Haupttagen 30. und 31. Juli, 1 8., 14. und 15. August wird in allen nach Berlin fahrenden O-Zügen etwa 250 Kilometer vor Berlin ein Quartierbüro tätig sein, das B ärger- quartiere gegen Zahlung von 2 Mark -Vermitt­lungsgebühr anweist. Man erleichtere diesen O-Zua- Helsern ihre Arbeit und sehe von Fragen, die nicht mit dem Quartier in Verbindung stehen, möglichst ab. Jeder kann sich schon jetzt überlegen welche Zimmergattung seinem Geldbeutel am besten an­gepaßt ist.

Wenn ein Gast ohne f e st e s Quartier in Berlin eintrifft, wende er sich zunächst an die in oder vor den Fernbahnhöfen liegenden Auskunsts- stellen der Olympia-Verkehrs- und Quartierämter: Anhalter Bahnhof, Bahnhof Friedrichstraße Bahn­hof Zoologischer Garten, Stettiner Bahnhof und Lehrter Bahnhof, eine weitere Auskunftsstelle, drei Minuten vom Bahnhof Zoologischer Garten, be­findet sich in der Tauentzienstrahe an der Kaiser- Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. Diese Auskunftsstellen sind Tag und Nacht geöffnet. Sie sind unterrichtet über freie Betten in den Olympia-Verkehrs- und Quartierämtern der Verwaltungsbezirke und geben dem Gast Auskunft über die beste F a h r v e r- bindung zu dem Olympiaamt. Jeder richte sich nach Möglichkeit so ein, daß er in den Vormittags­oder in den ersten Nachmittagsstunden in -Berlin eintrifft. Ihm bleibt bann noch genügend Zeit, das gewählte Olympia-Verkehrs- und Quartieramt und fein Quartier aufzusuchen.

die zum Teil bereits ihre Speisezettel ein- gereicht Haden.

Jede Mannschaftsführerin erhalt ihren eigenen Arbeits- und Schlafraum. Zwei Telephone, eine direkte Leitung zum Olympischen Dorf und eine Amtsleitung bieten die Möglichkeit, die Abgeschie­denheit zu überbrücken. Eine Frau aus Finnland fragt nach Plättmöglichkeiten, falls die Mannschaft einmal einregnen sollte. Sogleich erfolgte der Be­fehl eine Baracke als Plättraum einzurichten und zu gleicher Zeit wird eine größere Bestellung auf Bügeleisen und Bügelbretter auf ge­geben.

Kleine Kleiderreparaturen werden in Wehrmachts­werkstätten unentgeltlich ausgeführt. Selbstverständ­lich sorgt der Gastgeber auch für blütenwerße Tisch­und Bettwäsche. Eine Friseurin mit zahlreichen Hilfskräften erhält eine besondere Baracke zur Der-

Unbeachtet von der Oeffentlichkeit ift inmitten der schönen märkischen Landschaft bei Döberitz, etwa 1 Kilometer vom Olympischen Dorf entfernt, aus dem Truppenlager Elsgründ em zwei­tes Olympisches Dorf eingerichtet worden, das tausend ausländischen Turnerin­nen für Wochen als Wohnstätte dienen wird. Ber­lin hat also nicht nur ein Dorf ohne Frauen, son- dem auch ein Dorf ohne Männer erhalten, in dem sich allerdings ein Mann, der Lagerkom­mandant Major R o e p k e befindet.

In der Geschichte der Olympischen Spiele sind erstmalig bei den diesjährigen Spielen turne­rische'Massenvorführungen in das offi­zielle Programm ausgenommen worden, die von fünf Nationen mit annähernd 3000 Turnern und Turnerinnen bestritten werden. Auf Wunsch des Organisationskomitees für die XI. Olympischen Spiele 1936 hat das Oberkommando des Heeres sich bereit erklärt, neben den Kämpfern auch noch die Turner und Turnerinnen geschloffen unterzubringen. Die Kommandantur des Truppenübungsplatzes Döberitz, die die Anweisung erhielt, diese Unter­bringung vorzubereiten, stand damit vor einer nicht leicht zu lösenden Aufgabe. Das aus 23 Baracken­häusern bestehende Lager Elsgrund wurde im Früh­sommer frei gemacht und von oben bis unten einer gründlichen Auffrischung unterzogen, um den fast tausend Gästen es sind 750 Mädchen aus Schwe­den, 204 aus Finnland, 21 aus Dänemark und 3

Obwohl die Wehrmacht bei der Anlegung des Olympischen Dorfes genügend Erfahrungen für die Massenunterbringung von Privatpersonen gesam­melt hat, gab sie den interessierten Länderattaches Gelegenheit, das Lager zu besichtigen und rechtzeitig Wünsche vorzutragen. Don einer dieser Führungen wird berichtet:

Nur eine kurze Sttecke hinter dem Olympischen Dorf liegt versteckt inmitten eines schönen Misch­waldes das Truppenlager Elsgrund. Der Komman­dant Major R o e p k e empfängt uns. Ein schönes Fleckchen Erde steht den ausländischen Turnerinnen zur Verfügung. Ungestört das weite Lager ist vollständig umzäunt können hier die Gäste woh­nen und üben. Handwerker sind dabei, letzte Hand anzulegen, um die Häuser nett und wohnlich zu machen. Jede Mannschaft wird geschlossen, je nach der Stärke, in den einzelnen Häusern untergebracht. Duftige Gardinen und nett gedeckte Tische, Bilder und viele Blumen werden aus den Kasernen behagliche Wohnräume machen. Jede Turnerin hat ein eigenes Spind, und in jeder Baracke sind Wasch- und Toilettenräume vorhanden. Ueberhaupt erkennt man sehr bald, daß für höchste Hygiene gesorgt ist.

Verblichener Nuhm.

Zum 50. Todestage von piloty am 21. Juli

Nicht einer Maler, die sich im vorigen Jahrhun­dert auf den lärmenden Beifall ihrer Zeitgenossen berufen konnten und deren Bilder in einer Art Triumphzug durch alle deutschen Ausstellungen ge­schleppt wurden, um dann den Ehrensaal eines Museums zu zieren, hat seinen damaligen Ruhm überdauert. Am wenigsten vielleicht der Schöpfer des malerischen Historienbildes, der Münchener Karl von Piloty, so wenig, daß wir uns billigerweise fragen müssen, ob es unsere Schuld ist, daß er so gänzlich in Vergessenheit geraden ist, oder die Schuld seiner Zeitgenossen, die ihn un­verdientermaßen mit Eyrenkränzen überhäuften. Wir neigen dazu, das letztere zu glauben und mögen in diesem Falle sogar recht haben. Jeden­falls ist dieses Götterbild heute in den Staub ge­sunken: seine großen Gemälde bereiten ben (Balerie- direktoren nicht geringe Verlegenheit, und die Kunst­geschichtler schreiben, wenn sie auf Piloty überhaupt noch mit einiger Ausführlichkeit eingehen, ein Ka­pitel über die Schwäche der menschlichen Urteils­kraft.

Was Piloty einst in den Ruf eines Giganten der Malerei gebracht hat, war einmal der mit feinem Namen verbundene Sieg der Farbe, und 3roar einer fchwelgerifch-prahlenden, aus den alten Vene­zianern und Flamen gewonnenen 3aJ;be über Den bis dahin herrschenden zeichnerischen Kartonstil Des Cornelius; zum anderen: die unleugbare Fähigkeit, mit Hilfe dieser farbig-realistischen Anschauung riesige historische Szenen zu komponieren, in Denen der Menschheit große Gegenstände mit rauschendem Pathos behandelt wurden. Ein doppelter (Steg, der aber doch schon den Keim der Niederlage in sich trug, weil er in eine Zeit fiel, die es dem Künstler nicht mehr erlaubte, das geschichtlich Bedeutende an­ders als durch die Brille des Theatralischen zu sehen, anders darzustellen als im Sinne des äußer­lich Effektvollen. Kein Zweifel, dieser Halbitaliener, der sich nach Absolvierung seiner altmeisterlichen Studien in Venedig und Antwerpen bet Den zeit­genössischen Belgiern vom Schlage der Gallait und Biefve und bei dem ebenso raffiniert-oberfläch­lichen Delaroche in Paris die malerischen Sporen verdiente, hatte einen lebendigen Sinn für Das echte Tragische in der Geschichte und auch eine

Die Zentralstelle des Olympia-Verkehrs- und Quartieramts hat ihre umfassenden vorbereitenden Arbeiten zur Unterbringung und Be- :reuung der auswärtigen Olympia- Gäste abgeschlossen. Diese Arbeiten gliedern sich im wesentlichen in vier Abschnitte: Beschaffung von Privatquartieren; Beschaffung von Hote^und Ge­meinschaftsquartieren: Dolmetscher-, Fremdenführer und Autolotsen-Dienst; Bereitstellung von Park­plätzen, Abstellplätzen und Autogaragen Wir ver­öffentlichen zunächst alle wichtigen Einzelheiten der Privatquartierbeschaffungsaktion, die der Olympia- aqaft und sein Quartiergeber wissen muß.

In den 20 Verwaltungsbezirken der Stadt Ber­lin sind 24 Olympia-Verkehrs- un d Quartierämter zur Vermittlung von Bur- merquarHeren mit insgesamt 234557 Wetten eingerichtet worden. Die Olympia-Ver- Sehrs- und Quartierämter find die alleinigen amt- lichen Vermittlungsstellen für Bürgerquartiere; sie -sind täglich, auch Sonntags, von 8 bis 24 ttyr ^durchgehend geöffnet. Erhältlich sind für 3 Mark .einfache Zimmer, für 4,50 Mark Komfortzimmer, für 6 Mark Luxuszimmer, für 8 Mark Luxus- appartements. Bei Inanspruchnahme von Unter­kunft für nur ein bis zwei Nächte werden nur Rimmer in der Preislage von 4,50 Mark an auf­wärts abgegeben. Die Preise verstehen sich für je Bett und Uebernachtung. In dem Mietpreis ist ent­halten: Uebernachtung, Bedienung einschl. Reini­gung des Schuhwerks, übliche Beleuchtung; nicht jedoch Frühstück, Bad und besondere Dienstleistun­gen. Ein besonderer Wäschezuschlag wird nicht er­hoben. Der Gast kann die Lieferung des ersten Frühstücks verlangen. Die privaten Quartiergeber ibürfen für ein einfaches Frühstück (Kaffee, Tee, Kakao oder Milch, zwei Brätchen mit Butter, Marmelade) nicht mehr als 75 Pfennig berechnen. In dem Badpreis von 1 Mark ist die Lieferung von sauberen Badetüchern durch den privaten Quartiergeber enthalten. .

Für die Vermittlung des Qaurhers ist eine Ge­bühr von 2 Mark an das Olympia-Verkehrs- und Quartieramt zu entrichten und bei vorheriger schnft-

Es heißt gar nicht", war die geheimnisvolle Antwort.

Erzähle mir nichts!" sprach die junge Dame streng.Hier hat doch einmal was gestanden." Und sie heftete ihre Fingerchen auf ein paar trübe Reste weißer Oelfarbe.Da der erste Buchstabe ift jedenfalls ein N..." Sie runzelte die Stirn. Naaa..." murmelte sie,Nana ... Nanni? Du, den Namen finde ich übrigens idiotisch." Eifrig an den Farbresten herumkratzend ftieg sie tiefer ins Alphabet:Neee... sage bloß nicht Nevtun, so viele Buchstaben können es nicht gewesen sein. Neee ... etwa Nelli? ... Niii... ach, da gibt's ja nichts ... Nooo ... Nora vielleicht? Du, was war denn das für eine Nora?"

Gar keine!", erwiderte der junge Mann. Er stand auf, wischte sich die Hände an den Hosen ab und machte eine Kunstpause.Wenn du es unbedingt wissen willst ich wollte ,Nixe< draufmalen. Aber die Farbe taugte nichts. Ging im Wasser runter."

Nixe! Natürlich Nixe! Jetzt, wo die junge Dame es wußte, sah sie es genau. Da war der i-Punkt, da das x ... Nixe, wie nett, wie lustig! Wahrhaftig, gegen diesen Bootsnamen hatte die junge Dame nichts einzuwenden. Und sie schickte sich an, in ihren zartporzellanblauen Paddeldreß zu steigen.

Was aber, so fragen wir, wäre geschehen, wenn das BootNora" geheißen hätte oder garNanni"? Wie gesagt, es hat so eine Bewandtnis mit Boots­namen.

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Juni 1935 M

Den Gästen stehen selbstverständlich auch Warrn-,

Wannen- und Brausebäder und eine neueingerich­tete Freibadeanstalt zur Verfügung. Für jede Mannschaft sind besondere Küchen und Speisesäle -.....o- .

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