Kür den Bücheriisch
von
teressant illustriert.
Lehrjahre eines deutschen Journalisten
wertvolle Lehre sein.
—e.
Gedichte in unserer Zeit
— Gottfried Benn: Ausgewählte Gedichte. 108 Seiten. Leinen 2,75 Mark. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart und Berlin. — (133) — Benn ließ zu seinem 50. Geburtstage diese Auswahl seiner Gedichte erscheinen, die als sein lyrisches Werk angesprochen werden will. Auf dem Titelblatt stehen, als zeitliche Begrenzung dieser Auslese, die Jahreszahlen 1911—1936. Freilich wirkt die überwiegende Mehrzahl der Gedichte so, als ob sie etwa um 1920 entstanden wären, wie ein später Nachhall des Expressionismus. Dies und der Umstand, daß Benn „eigentlich", in seinem Beruf, Arzt ist, scheint uns für die Auswahl charakteristisch zu seine. Benn ist, biologisch geschult, ein kritisch bohrender, zweifelnder und grübelnder Denker, wie schon etwa an seinem früher erschienenen, sehr fesselnden Essai-Bande „Fazit der Perspektiven" zu merken war. Auch seine Gedichte scheinen alle oder fast alle mehr aus dem Intellekt als aus dem Gefühl geboren zu fein, was ein Widerspruch in sich wäre, wenn Benn nicht zugleich unbestreitbar über Phantasie und visionäre Eingebung verfügte. Kein Zweifel, daß viele seiner Gedichte sich dem durchschnittlichen Leser nicht erschließen oder einfach feinem schlichten Verständnis entziehen werden. Wahrscheinlich werden manche auch begründeter Ablehnung begegnen; mit dem gebräuchlichen und üblichen Maß sind diese lyrischen Gebilde — sofern man den Namen gelten lassen will — kaum zu fassen sein. Doch ist wiederum zu bedenken, daß es mit dem einfachen, verstandesmäßigen Begreifen von Satzbau und Inhalt bei einem Gedicht auch noch nicht immer getan ist; dafür gibt und gab es unbezweifelbare Belege. Und daß sich in diesem Bande auch — jenseits jeder intellektua- listischen Hemmungen — durchaus dichterische Dinge aufspüren lassen, wird ebenfalls nicht geleugnet werden können; etwa in der „Kretischen Vase" oder in einem so empfundenen Gedicht wie „Der junge Hebbel"; auch „Osterinsel", „Die Schale" und „In memoriam Höhe 317" seien genannt. Diese Gedichte werden das Buch und den Autor freilich nicht volkstümlich machen; aber volkstümliche Lyrik ist an sich schon selten und nicht immer gut. Benn jedenfalls wird mit allem, was er schrieb — in Vers und Prosa — wohl immer auf einen esoterischen Leserkreis beschränkt bleiben. —y—
— Friedrich Bischoff: Schlesischer Psalter. Ein Dank- und Lobgesang mit einem Epilog: Werkstatt zwischen Himmel und Erde. Mit zwei Holzschnitten von Bodo Zimmermann. 106 Seiten. Geb. 2,60 Mark. Propyläen-Verlag, Berlin. — (187) — Wir haben vor Weihnachten vorigen Jahres den großen schlesischen Roman „Die goldenen Schlösser" an dieser Stelle angezeigt, mit dem Friedrich Bischoff sich auf die nobelste Weise bekannt gemacht hat, und wir sagten wohl damals, daß mit diesem Buche die Dichtung aus der südöst- - lichen Provinz, wie sie in unseren Tagen vor allem . in den Werken von Hauptmann und Stehr be- 1 rühmt geworden ist, einen schönen und reichen Zu-
Deutsche Erzähler.
— AlbrechtSchaeffer: Cara. 298 Seiten. Rütten und Loening Verlag, Frankfurt a. M., 1936.
— RuppertRecking: EinJournalist erzählt, Abenteuer und Politik in Afrika. Mit zwei Karten in Leinen geb. Preis 7,50 Mark. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart. — (92) — Ern junger deutscher Journalist, ein richtiges Greenhorn, gerät in die Hände eines der großen amerikanischen Zeitungskönige, die mit öffentlicher Meiung nicht nur Geld gemacht haben, sondern mit ihrem echt journalistischem Spürsinn, mit Wagemut und gestaltender Phantasie der großen modernen amerikanischen Presse ihr Gesicht gegeben hat. Uns mutet es gewiß nicht schön an, aber der Welt des immer noch jugendlichen Amerika ist es auf den Leib zugeschnitten und wenn diese moderne amerikanische Presse auch dem europäischen Journalismus etwas hat lehren können, so ist es die Schnelligkeit der Berichterstattung, den Wettlauf um die Nachricht. Der moderne „Reporter" ist in den Zeitungshäusern Neuyorks und Chikagos eigentlich erst geboren worden. Und einer der begabtesten und erfolgreichsten von ihnen sollte der junge Deutsche Ruppert R e ck i n g werden, der in diesem Buch von seiner Entdeckung durch den Zeitungskönig Gordon B e n - n et, der einst Stanley auf die Fährte Livingstones setzte, und seinen journalistischen Lehrjahren in ebendemselben Afrika, der auch seinem Kollegen Stanley Schicksal geworden war. Reckings erste journalistische Tat ist sein Interview des eben aus der Gefangenschaft des Mahdi geflohenen Slatin Pascha. Dann geht er mit dem zu Beginn des Weltkrieges als Gouverneur von Paris berühmt ge- woroenen General G a l l i e n i nach Madagaskar. Wir lernen die Tragödie der letzten Königin von Madagaskar, der schönen Ranavalona, kennen, der die skrupellose französische Kolonialpolitik ihre reiche Insel aus den Händen windet und die dann nach einer kurzen Ehe mit einem Schutzmann in dem kleinen südfranzösischen Städtchen Uzes an der Schwindsucht zugrunde geht. Reckings Fahrt
- Ernst Cordes: Das j ü n g st ea i s er - reich schlafendes — wachendes Mandfchukuo^Mtt 32 Bildern. Verlag Franfkurter Socletatsdruckerel, Frankfurt a. M., Preis geb. 5,40 RM. — 167 Der Verfasser ist als Sohn eines deutschen -Diplomaten in China geboren und ist daher, er auch chinesisch spricht, besser gerüstet, Land und Leute zu studieren, als die vielen flüchtigen weisenderi und Reporter, die sich heute mit Mandschukuo befassen, das als Stützpunkt japanischer Festlandsmacht gegen Norden und Westen, im Augenblick größtes Interesse verdient, wo die Regierung des Landes, hinter den Kulissen von Japanern beraten und geleitet, mit außerordentlicher Energie daran geht, jahrhundertelang Versäumtes mit einem Schlage nachzuholen und aus Mandschukuo einen wirtschaftlich und fub turell durchaus modernen Staat zu machen, der auch imstande ist, die ihm von seinem japanischen Schutzherrn zugedachte Rolle eines Bollwerks gegen Ruß- land und eines Magneten für die chinesischen Nord- Provinzen zu spielen. Aber was das Büchlein besonders anziehend macht, sind die Einblicke in das Volksleben dieses merkwürdigen Landes, die einen bunten Querschnitt durch die an Widersprüchen und Gegensätzen so reiche Welt des Fernen Ostens geben. Das Buch ist ungemein fesselnd geschrieben und m-
wachs erfahren habe. Aus dem gleichen Geiste und aus dem gleichen Raum ist nun dieses Gedichtbuch hervorgegangen, von dessen Erscheinen wir mit der nämlichen Freude und Befriedigung Kenntnis geben dürfen: unter den zahllosen lyrischen Bänden einer mit ganz eigenem Gesicht schon um deswillen, weil hier ein Dichter etwas unternahm, was — soweit wir sehen können — bisher noch niemand in solcher Weise versucht hat, nämlich nicht d i e Landschaft zu besingen, sondern eue allein, eine einzige, unverwechselbare, heimatliche — die schlesische Landschaft. Wir möchten gleich hinzufügen: es soll ja niemand denken, daß dergleichen nun beliebig nachgemacht, nachgedichtet, nachempfunden werden könnte; es ist mindestens zweifelhaft, ob man sich wünschen soll, daß dem schlesischen nun alsbald ein bayerischer, ostpreußischer oder rheinischer Psalter und Lobgesang folge. Bischoff hat die in der Konzeptton seines Buches liegende Gefahr erkannt und überwunden; das ist eine Sache des Herzens und des dichterischen Fingerspitzengefühls. Wenn er „Auskunft" gibt zu Beginn und das Folgende überschreibt mit den schönen, schlichten Worten „Heimat in Ewigkeit", — dann sieht man bald, wie es gemeint und gefühlt ist: wenn hier eine Landschaft dichterisch verklärt wurde, so wurde zugleich der Begriff im weitesten räumlich-geistigen Sinne gefaßt, und in dem ewigen Heimatwort Schlesien ist für Bischoff alles beschlossen: Natur und Kultur, Geschichte und Sage, Menschen und Dinge. Seine Vision ist gleichsam unbegrenzt, schweifend durch Räume und Zeiten; seine Phantasie umspannt die Gestaltenfülle der alten Provinz von den Vandalen, Hussiten und Diasten bis zu den Webern, Bildschnitzern und den Annabergkämpfern unserer Tage; ober im Epilog, der die schlesischen Geistes- Helden und Berühmtheiten Revue passieren läßt, vom mystischen Schuster Jakob Böhme, von Opitz und Gryphius bis zu Gustav Freytag und Carl Hauptmann. Auch wer nie in Schlesien war und Land und Leute dort selbst erlebte, wird bekannte ober merkwürbig vertraute Gestalten finden: in der Schindelmacher-Berta etwa eine Schwester der Pippa, im Lumpenmann Ruppelt (dem eines der schönsten Gedichte des „Psalters" gehört) einen Bruder des alten Hornig aus den „Webern". Und auch die toten Dinge selbst: wer hätte daran gedacht, etwa eine Bunzlauer Kaffeekanne zum lyrischen Motiv zu erheben? Siehe, auch das gelang, und es entstand ein wirkliches, echtes Gedicht — aus dem gleichen, alles umfassenden Heimatgefühl und aus der gleichen magischen Fülle der Gesichte wie das benachbarte vom alten Oderkahn, der in die Ewigkeit fuhr. Noch vieles ließe sich herausgreifen; wir hoffen mit diesen Andeutungen schon dem Leser Lust gemacht zu haben, sich selbst in den „Schlesischen Psalter" zu verttefen: er wird sich um em schönes, dichterisches und ganz deutsches Buch bereichert finden. — y __
— (179) — Wir haben in einer früheren Besprechung darauf aufmerksam gemacht, daß wir Albrecht Schaeffer eine der schönsten Liebesgeschichten in deutscher Sprache verdanken: sie heißt „Lux in teneoris" und steht in dem Bande „Das Prisma" aus dem Jahre 1926; inzwischen sind zwei andere Erzählungen von ihm erschienen, die man in die Nachbarschaft jener erstgenannten stellen möchte: die große Novelle „Der General", die auch seinerzeit hier angezeigt worden ist, und nun die Erzählung „Cara", die, obwohl innerlich und äußerlich Maß und Begrenzung der Novelle sprengend, doch nicht ausdrücklich als Roman bezeichnet wurde, wenn sie auch gewiß diesen Namen mit größerem Recht trüge, als manches andere Buch, welches solche Einordnung als etwas Selbstverständliches für sich in Anspruch nimmt. Hier hckben wir den in jedem Wort dichterischen Bericht vom Leben zweier Menschen, die das Schicksal unausweichlich zur Gemeinsamkeit bestimmt hat; es wird hier berichtet Ebenezer Rudorfs und seiner Ehefrau Cara Elisabeth, geborenen Monthioer — von ihrer Kindheit und Jugend, von ihrer ersten flüchtigen, ihrer zweiten endgültigen und für immer entscheidenden Begegnung, vom tiefen und stillen Glück ihrer Ehe, von der bitter schmerzlichen Trennung durch den Krieg und von ihrer Wiedervereinigung nach der Heimkehr des Mannes und der Geburt ihres Kindes. Es hätte nicht des feinen und, wie uns scheint, in mancher Hinsicht für Albrecht Schaeffer charakteristischen Kunstgriffes bedurft, mit dem die Vorgeschichte ins Gefüge des Ganzen eingewebt ist, um zu spüren, mit welcher leidenschaftlichen und dennoch meisterlich beherrschten Kraft und Kunst der Verdichtung und Beseelung hier die entscheidenden Stationen in den erst sich überschneidenden, dann völlig und innig gleichgerichteten Lebensbah- nen zweier Menschen aufaespürt, erfühlt und gestaltet wurden. Schaeffer oesitzt, wie er oft zuvor bewiesen hat, jene Gabe der Verzauberung, welche die klaren und Hellen Dinge des täglichen Lebens ohne eine falsche Geste ober romantisierende Geheimniskrämerei in einen Bereich echter Magie versetzt, der Ausstrahlung sich der Leser nicht entziehen kann, wenn er gewahr wird, wie auf solche Weise Worte, Handlungen und Beziehungen der Menschen zueinander sich in ihrer geheimsten Seelentiefe, in ihrer ganzen menschlichen Fülle entschleiern und offenbaren. Und das Motto von Gottfried Keller, das jener „Prisma"-Novelle vorangestellt war —
ist Niederländisch-Jndien weggekommen. Hier überwiegt die Schilderung der reizvollen Landschaft und ihrer liebenswürdigen Bewohner. Immerhin wird deuttich, daß auch hier Javan bei seinem Drang nach Raum auf die Interessen einer anderen Weltmacht, diesmal England, stößt. Die vielen und ausgezeichneten Bilder fördern ebenso wie die sehr anschaulichen Kartenskizzen den Zweck des Buches, von den politischen Kräften des Fernen Ostens em zutreffendes Bild zu vermitteln.
— HansHelfritz:Japan-China, Ewigkeit und Wandel im Fernen Osten. Mit 96 Abbildungen. Preis geb. 3,80 Mark. Deutsche Verlagsgesellschaft Berlin. — (172) — Das ist ein richtiges Bilderbuch, der Ertrag einer Reise des Verfassers durch China und Japan. Aber nicht Kultur und Kunst des klassischen Ostasiens, wie wir es aus unseren Museen und vielen Veröffentlichungen kennen, wird uns hier noch einmal bargeboten. Der Verfasser t)at vielmehr bezeichnende Ausschnitte aus dem Alltagsleben des Ostens mit feiner Leica ein- gefangen, aber auch sehr schöne Landschaftsaufnahmen sehen wir, eine jahrtausende alte Tradition in Wirtschaft und Volksleben und in aller Kraßheit daneben sich Schritt für Schritt Boden erobernd der moderne Geist des Westens. Den kurzen verbindenden Text und eine gute Einführung zu den Bildern schrieb Dagobert von Mikusch. —
Der Ferne Osten.
— Hans Brosius: Fernost formt seine neue Gestalt mit 55 Abbildungen und 11 Kartenskizzen. Preis geb. 5,50 RM. Deutsche Verlags-Geellschaft m. b. H., Berlin. — (171) — Der Verfasser gibt eine eindrucksvolle Schilderung seiner Reiseeindrücke aus den Ländern des Fernen Ostens, von den Eiswüsten Sibiriens bis zum Paradies der Südsee. Aber was wesentlicher ist, der Verfasser versteht es auch, seinen Impressionen einen historisch-politischen Rahmen zu geben, so daß sein Buch als Ganzes eine ausgezeichnete leicht lesbare Einführung in die großen Probleme des Fernen Ostens gibt. Besonders interessant waren uns seine Darlegungen über Sibirien, über die Rolle Wla- diwostocks in der Auseinandersetzung zwischen Japan und Rußland und den Wettlauf beider Großmächte in der Mongolei, dem Aufmarschgelände im äußersten Westen. Auch die Aufbauarbeit im neuen Staat Mandschukuo wird fesselnd geschildert und die Problemhaftigkett der chinesischen Einigungsbe- ftrebungen aus der gesellschaftlichen Struktur des chinesischen Volkes einleuchtend erklärt. Etwas kurz
Politik und Geschichte.
— Alfred Thoß: Heinrich I. (919 bis 936). Der Gründer des ersten Deutschen Volksreiches. 226 Seiten. Leinen 4,50 Mark. Blut und Boden Verlag G. m. b. H., Goslar 1936. — (192) — Der Verfasser hat sich die dankenswerte Aufgabe gestellt, Heinrich I., dessen Todestag sich am 2. Juli d. I. zum 1000. Male jährt, dem deutschen Volke nahezubringen. Die Geschichtsschreibung hat ihn in seiner Bedeutung als Gründer des Ersten Reiches nie ganz erkannt. Er ist dem deutschen Menschen bisher allein durch das Lied „Herr Heinrich sitzt am Vogelherd" vertraut geworden, ohne daß sich jeder dessen bewußt war, wie gerade in diesem Liede die Volkstümlichkeit Heinrichs I. zum Ausdruck kommt. Das leider so spärliche Quellenmaterial wurde durch den Verfasser in hingebender Arbeit erforscht und durch die jüngsten archäologischen Ausgrabungs- ergebnifte bereichert. So entstand ein lebendiges Bild dieses Volkskönigs. Als Führer seines Volkes, mit ihm durch Sippe, Blut und Boden verbunden, hat Heinrich I. aus angeborener, besonders dem nordischen Menschen eigener, staatsbildender Kraft die Einigung der deutschen Stämme zum Ersten Reich herbeigeführt. Rein gefühlsmäßig sah Heinrich eine seiner Hauptaufgaben in der Wiedergewinnung und Sicherheit ehmals germanischen Bodens im Osten, dadurch weiteren Lebensraum für sein Volk schaffend. Staatspolitisch hat er so die Grundlagen für das Zweite und Dritte Reich vorbereitet. — Das Werk ist, wie bereits aus dem ersten Kapitel über das Karolingische Vermächtnis zu ersehen ist, durchaus geeignet, in eine dem Empfinden und Denken des Deutschen Reiches gemäße Geschichtsauffassung einzuführen und diese folgerichtig auf die Anfänge unserer mittelalterlichen Kaisergeschichte anzuwenden. Auch sonst finden sich in dem, übrigens selbst für den Laien durchaus lesbaren Buche, eine Menge höchst interessanter Ergebnisse und Betrachtungen. Die Gesamtdarstellung wird im Anhang durch eine Zeittafel, Anmerkungen, sehr ausführliches Quellen- und Bücherverzeichnis, Verzeichnisse der Abbildungen, der Ortsnamen und Personen in willkommener Weise er» aänzt und unterstützt. Nicht zu vergessen eine Zusammenstellung der Urkunden Heinrichs L, die Stammtafel und die Karte der deutschen Herzogtümer und Gaue.
— Johannes Haller: Tausend Jahre deutsch-französische Beziehungen. Dritte, durchgesehene und ergänzte Auflage. 23er-" lag der I. G. Cottaschen Buchhandlung in Stuttgart. Preis geh. 4,50 Mark., geb 7 Mark. — (32) — Obwohl dies Reich des bekannten emeretierten Tübinger Historikers aus Vorträgen erwachsen ist,, die wohl vor annähernd zehn Jahren gehalten sein mögen, ist es heute von höchster Aktualität. Denn gerade jetzt stehen ja die deutsch-französischen Beziehungen wieder auf der Tagesordnung der, Politik. Sie zu „entgiften" und zu normalisieren hat sich der deutsche Friedensplan zur wesentlichsten Aufgabe gestellt. Die französische Antwort hat bereits erkennen lassen, wie schwer es allein psychologisch schon ist, die Grundlage für eine gemeinsame Aussprache mit dem Ziel der politischen Verständigung beider Völker zu finden. Warum das so ist, darauf gibt das Buch Hallers treffend Antwort. Es geht zurück auf die Entstehung der beiden Nattonen aus der Auflösung des fränkischen Reiches und arbeitet nun in großartigem Ueberblicf aus der Fülle geschichtlicher Erscheinungen die für das Thema wesentlichen und merkwürdigen heraus. Wer, wie die deutsche Generation unserer Tage aufrichttg und sehnlich die deutsch-französische Versöhnung wünscht, weil er weiß, daß nur auf einer verständnisvollen Zusammenarbeit beider Völker sich ein wahrer europäischer Friede errichten läßt, der muß auch die Schwierigkeiten einer solchen Bemühung in ihrem vollen Umfang kennen. Dazu gehört bei der Volkspsyche unserer Nachbarn in erster Linie die Vergangenheit. Das Schlagwort von Frankreichs bedrohter Sicherheit, mit dem heute die französische Politik ihr Mühen um „zusätzliche" Garantien, um ein kollektives Sicherheitssystem begründet, ist in Wahrheit so alt, wie die Vorstellung von Frankreichs „natürlichen Grenzen". Es ist gut und notwendig, an der sicheren Hand eines Historikers vom Rang Johannes Hallers diese tief in der Vergangenheit beider Völker wurzelnden, aber die Politik der Franzosen heute sogut wie einst beherrschenden Vorstellungen kennen zu lernen. Nur dann werden wir ganz die Größe der Aufgabe erfassen können, die wir uns gestellt haben. — e
— Friedrich Lützow, Konteradmiral a. D., „Sieger auf sieben Weltmeeren". Lebensbilder großer Admirale mit vielen Bildern. Kartoniert 2 RM., Ganzleinen 2,85 RM., Verlag Ullstein, Berlin. — (117) — Das Buch will im deutschen Volke die Liebe zur See wachhalten, und die Notwendigkeit einer wehrhaften Seefahrt an Beispielen aus der Weltgeschichte zeigen. Die Männer, die hier geschildert werden, gehören verschiedenen Völkern an und dienten verschiedenen Ländern. Aber ihnen allen war eigen die Wirkungskraft der großen Persönlichkeit, die sie allein zu Führern im Seekrieg befähigten. Das Buch beginnt mit dem Danziger Hanseaten Paul B e n n e ck e , der in der Zeit ärgsten Daniederliegens der Reichsgewalt die deutsche (Seegeltung gegen die nordischen Mächte, gegen Frankreich und England erfolgreich verteidigte. Ganz anderer Art war Don Juan d'Austria, der Sohn Karls V., der in der Seeschlacht bei Le- panto mit Spaniern und Venezianern die Christenheit vor der Türkenflut rettet. Hollands Seeherr- schast erreichte ihren Höhepunkt unter seinem großen ^miral Michael d e Ruyter, der ein Beispiel bafür ist, was durch Zähigkeit und Klugheit aus einem einfachen holländischen Schiffsjungen werden kann. Die englische Marine ist neben Nelson, heften ruhmreiche Geschichte jedermann kennt, mit Edward Hawke vertreten, der ohne glänzende Anlagen durch seine im harten Dienst erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten, seine Rechtschaffenheit und nüchterne Urteilskraft bahnbrechend wurde für Öen Aufbau der englischen Flotte, wie für die moderne englische Kriegskunst. Ganz anderer Art ist der „Sieger aus Ruhmbegier", der Franzose Pierre Andre de Sufsren, der unter großen Schmie- rigfeiten Ostindien gegen die Engländer verteidigte.
: Aus dem amerikanischen Bürgerkrieg lernen wir Admiral Farragut kennen, ganz ein Selfmade- man, der durch Zufall aufs Wasser kommt und hier
i seinen Mann steht, bis ihm der Bürgerkrieg di« । große Gelegenheit gibt, seine glänzenden Filhrer- eigenschasten unter Beweis zu stellen. Die moderne Seekriegsgeschichte beginnt mit der glänzenden ©«• statt des Österreichers T e g e 11 h o f f, der mit
„Süße Frauenbilder zu erfinden, wie die bittre (Erbe sie nicht hegt" — könnte mit gleichem Recht auch über diesem neuen Buche stehen, dessen Heldin, mancher ihrer Vorgängerinnen in Schaeffers früheren Erzählungen geschwisterlich verwandt, für viele Leser bald zu den unvergeßlichen Frauengestalten zeitgenössischer deutscher Dichtung gehören wird.
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— Gerhard Ellert: Der König, Erzählung. F. G. Speidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien IX. Preis in Leinen geb. 4,60 Mk. — (132) — Der Verfasser hat sich schon durch eine Reihe großangelegter historischer Romane einen Namen gemacht. Diese kleinere Erzählung ist ein Ausschnitt aus der überaus farbig schillernden Welt der Kreuzzüge. Das Aufeinanoerprallen von Orient und Okzident, das Zusammentreffen so vieler abenteuerlustiger, von religiösem Fanatismus, aber auch von Eroberungslust und Machtgier ergriffener Elemente schuf eine Atmosphäre der Spannungen, die sehr wohl den Vorwurf zu dichterischer Behandlung geben kann, und es ist eigentlich verwunderlich, wie selten dies tatsächlich der Fall gewesen ist. Ellert hat aus der Fülle des Geschehens in der Zeit der Kreuzzüge die wenig bekannte episodenhafte Gestalt des Markgrafen Konrad von Montserrat herausgegriffen, eines oberitalienischen Ritters, der während des dritten Kreuzzuges, als das Christenheer nach dem Tode Friedrich Barbarossas im Flusse Saleph daran verzweifelte, gegen Saladin die heili- gen Stätten zu behaupten, dank seiner starken Persönlichkeit und seiner Verbindung mit Elisabeth, der Erbin des Königreichs Jerusalem, zum Führer erkoren wurde. In der Gestatt Konrads, in dessen Brust Herrschsucht und persönlicher Ehrgeiz die religiösen Motive des Kreuzfahrers weit überwiegen, ist Ellert ein geschlossenes Charakterbild von starkem Eindruck gelungen. Nicht minder scharf gezeichnet ist die machthungrige Elisabeth. Sie beide wollen für sich im Heiligen Lande ein Reich aufbauen, das, gesichert gegen die wechseloollen Stürme der Kreuzzüge, in einer der damaligen Zeit weit vorauseilenden Toleranz Christ und Muselmann gleicherweise Wohlfahrt und Sicherheit bringen sollte. Aber- Konrad hatte geglaubt, sein Ziel ohne die Freundschaft der Assassinen erreichen zu können, einer strenggläubigen islamischen Sekte, die das Randgebirge beherrschte. Der Stahl eines vom beleidigten Assassinenscheich ausgesandten Mörders streckte den eben mit der Königskrone von Jerusalem geschmückten Montserrat nieder. Ein kühner Traum, dessen Verwirklichung die Geschichte des Heiligen Landes anders hätte gestalten können, war nur Episode geblieben. Die Erzählung Ellerts ist überaus spannungsreich, auch die Nebengestal- ten, wie Richard Löwenherz und Philipp August, sind gut charakterisiert, die Stimmung der Zeit ist gut eingefangen. —e.
von Madagaskar nach Südafrika, der nächsten Sta- tion seines Reporterlebens, geht durch die Pest- baracken von Durban und ein Arbeitslosenasyl der Heilsarmee. Nur ein Zufall rettet den durch Mißverständnisse gänzlich Verschollenen vor dem Untergang, Dann aber kommt er in den Kreis des großen Cecil Rhodes. Es ist die Zeit äußerster Spannungen zwischen dem Jamesonraid und dem Beginn des Burenfeldzuges. Recking lernt alle Leute kennen, die zu dem Problem hüben wie drüben irgend etwas zu sagen haben. Er ist zum Wochen- end auf der herrlichen Besitzung von Cecil Rhodes, er trinkt Kaffee bei Ohm Krüger, er hat ein Interview mit Dr. Leyds, dem geistigen Inspirator der den Burenpräsidenten beherrschenden holländischen Clique, die keine Versöhnung mit England will und zum äußersten treibt. Als Soldat der M. M. P., der Polizei des Mashonadistrikts, zeick- net Recking sich dann im Kampf gegen aufständische Eingeborene aus. Offizierspatent und Medaille offnen dem Deutschen nun in London alle Türen. Er tritt in die Dienste des Reuterbüros und lernt die englische Soziety ebenso kennen wie die diplomatische Welt. Seine Schilderung englischen Lebens um die Jahrhundertwende gehört zu dem interessantesten und aufschlußreichsten seines Buches, wenn auch freilich das spannendste Kapitel die Teilnahme am Mahdi-Feldzug Kitcheners und an der Eroberung von Omdurman behandelt. Eine Fülle von Gestalten der modernen Politik und des gesellschaftlichen Lebens, ein Wirbel der Ereignisse und doch ist es nicht dieses Kaleidoskop der Geschichte, das den Reiz dieses Buches allein ausmacht, sondern die Persönlichkeit dieses jungen Deutschen, der es versteht, in der großen Welt der Politik und Gesellschaft so ganz seinen Mann zu stehen. Die vielen kritischen Streiflichter auf die deutsche Außenpolitik dieser Jahrzehnte können uns auch heute noch eine


