Nr. 142 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)5amstag, 20. Zum syZb
Deutsches Naturgefühl I im Wandel der Zeit
Zum Sommeransang am 21.3uni.
Bon Dr. Johannes Günther
Im deutschen Altertum war der Mensch für die Wunder der Natur, für ihre Schrecken und für ihre Freuden, ganz bereit. Die Göttermythen, Helden- saaen und Märchen gehen auf ein tiefes Naturgefühl in vorgeschichtlicher Zeit zurück; Feste, Aufzüge, Zauber- und Schauspiele, Tänze, die uns die vorgeschichtliche Forschung heute wieder nahezubringen sucht, waren Ausdrücke frühmenschlicher Bereitschaft in der Natur. Diese Bereitschaft wurde verdrängt durch die Zivilisation, der Mensch wurde der Natur entfremdet. Schrecken der Natur kannte auch der deutsche Frühmensch recht wohl, doch er stellte sich den Schrecken, seine Begegnungen mit ihnen waren erschütternd heilsam. Aber der mühsam zivilisierte Mensch, etwa des 9. bis 11. Jahrhunderts, ängstigte sich vor den Schrecknissen, er zog sich zurück, er floh vor ihnen. Allmählich erst und nicht ohne die Hilfe weiser Führung tat er die Angst ab.
Der Bischof Altmann von Passau kam einmal — so wird in seiner Lebensbeschreibung erzählt — in einen ihm bisher noch unbekannten Ort. In der Ferne sah er einen sehr hohen Berg einsam aufragen. Der eigentümliche Berg beschäftigte ihn, er fragte die Einwohner des Ortes, was sie ihm von dem Berge sagen könnten. Da berichteten sie ihm die unglaublichsten Dinge: Ausgeburten ihrer Angst — in die Nähe des Berges hatte sich nie einer getraut, geschweige denn, daß ihn jemand bestiegen hätte. Was tat der kluge, mutige und freie Gottesmann? „Er ließ", so heißt es,'„sein Maultier satteln, machte ein fröhliches Gesicht und bestieg, von einer großen Menschenmenge begleitet, auf einem harten und abschüssigen Pfade den Berg." Er begnügte sich nicht mit dem bloßen Besteigen, er durchstreifte ihn überall — um den Leuten Mut zu machen, um sie davon zu überzeugen, daß hier gar nichts zu fürchten sei. Er gab ihnen die Natur wieder — das ist sozusagen das kulturgeschichtliche Ergebnis der Legende. Daß er auf dem Berge ein Kloster baute, ist gewissermaßen nur eine Zutat liebenswürdiger Konvention oder nur ein nochmaliger, frommer Ausdruck der Gewißheit: wir haben Heimat und Heimatglück in der wiedergefundenen Natur
Es dauerte lange, bis die Deutschen die Natur wieder würdigen und ausdrücklich bejahen lernten. In der Dichtkunst und in der bildenden Kunst des deutschen Mittelalters sind Erfassungen der Natur verhältnismäßig spärlich, selbst wenn man die schönen Werke und Merkchen der Epiker und Lyriker, der Helden- und Minnesänger heranzieht, selbst wenn man etwa im Naumburger Dom die im Gestein überraschend naturgetreu modellierten Zweige und Ranken und Blätter bewundert: es sind doch nur Anspielungen, Andeutungen, Ahnungen, Spielereien, und eben bestenfalls kühne Einzel- leiltiingen — diese Ausdrücke des Naturgefühls im M'^elalter.
Grundlegend anders wurde das erst mit dem gewaltigen Umbruch an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert: da wurde auch der Deutsche auf sich gestellt, da lernte er sich und seiner Welt vertrauen, da begann er die Augen aufzumachen, da wagte er zu bilden und zu dichten, besonders zu bilden, was sich seinen Sinnen im Ueberfluß zudrängte. Wir betrachten Dürers Landschaftsaquarelle: wie bewältigt er, zart und doch gehalten, die Farbenpracht, wie würdigt er die Nähe, und wie gewinnt er die Ferne, ja gerade der weite Blick, der dem mittelalterlichen Künstler versagt war, ist ihm jetzt vergönnt, er malt Wolken, wo man in früheren Jahrhunderten einfarbige stilisierte Hintergründe ließ! Wie herzlich natürlich, wie kindhaft sinnenfreudig ist Martin Luther, besonders in den fröhlichen Vergleichen, die er anstellt?
Es war „eine Wonne zu leben": die Natur war wieder erfaßt. __________________
In Deutschland wurde freilich viel wieder zerstört durch die Roheiten, Feindschaften, Verwirrungen und Zerwürfnisse im Dreißigjährigen Kriege. Aber die Sehnsucht blieb, die Sehnsucht nach dem Anschluß an die Natur. Rührend steigt aus Grimmelshausens krausem Roman „S i m p l i c i s s i m u s" die Bitte auf:
Komm, Trost der Nacht, o Nachtigall, Laß deine Stimm' mit Freudenschall Aufs lieblichste erklingen!
Komm, komm und lob den Schöpfer dein, Weil andre Vöglein schlafen fein Und nicht mehr mögen singen!
Und Paul Gerhardt bewahrte sich über die schlimmen Zeiten hinaus seine Naturfreude:
Geh aus, mein Herz, und suche Freud', In dieser lieben Sommerzeit .. .1
All die Schönheiten in Feld und Wald ließ er auf sich wirken, all die Tiere und Pflanzen nahm er hinein in sein Lied, und alle bekamen eine innige und doch immer schlichte, niemals übertreibende, dichterische Krönung. Paul Gerhardt jauchzt in die Natur hinein. Er kommt freilich zu dem Schluß:
Ach, denk ich, bist du hier so schön Und läßt du's uns so lieblich gehn Auf dieser armen Erden:
Was will doch wohl nach dieser Welt Dort in dem festen Himmelszelt Und güldnen Schlosse werden!
Das ist des Frommen Glaube! Aber er achtet nicht etwa die Natur in ihrer Erdenschönheit gering im Vergleich mit dem Himmel, nein, die Erdenschönheit ist ihm ein Vorgeschmack der Seligkeit. Daher soll man nicht alle Schuld dem Christentum zuschieben, wenn man in den kulturgeschichtlichen Zusammenhängen auf die Naturentfremdung zu sprechen kommt. Dem wieder wachsenden deutschen Naturgefühl hat Paul Gerhardt mit diesem Liede einen wichtigen Vorschub geleistet, und wer es heute singt, in der erfrischenden Melodie Augustin Harders, der wächst an Lebenskraft und Frohsinn.
Scheinbar recht irrige Wege mußte das deutsche Naturempfinden in der zweiten Hälfte des 17. und in drei Vierteln des 18. Jahrhunders gehen: da stellten die Menschen sich nicht auf die Natur ein, sondern sie machten die Natur, in der Kultur ihrer
Park-Anlagen und Gärten, nach ihrem Stil-Maß zurecht — freilich konnten eindrucksvolle Kompositionen zustandekommen, wenn wirklich geschmackvolle Menschen am Werk waren: vielseitig, weit, wuchtig im Barock, elegant, graziös im Rokoko. Den Ruf „Zurück zur Natur" wandte England mit einer Kraft, die für ganz Europa entscheidend ward, besonders auf Feld und Wald, Garten und Park an; man ließ nun alles so wild wachsen wie es wollte, man berauschte sich an der zauberischen Maßlosigkeit oder man spürte träumerisch den Einklang mit der sanften Wehmut einer Landschaft. Wenn in Goethes Werther „am 16. Juni" von dem Gewitter erzählt wird, danach von dem „herrlichen Regen", der „auf das Land säuselte" und Lotte dann als „Losung" den Namen K l o p st o ck nennt, so ist wirklich in wenigen Zeilen die ganze damalige Empfindungswelt gebannt. Klopstocks „Frühlingsfeier", Goethes „Willkommen und Abschied", „An den Mond" und „lieber allen Gipfeln" tragen das Naturgefühl einer Generation oder haben es geweiht und erhöht für viele Jahrzehnte nach ihnen, so daß die Romantiker, Uhland, Matthias Claudius und Moericke hier schöpfen und sich bilden durften und fähig waren, eine Zeit, die hier in allzu grauer Bürgerlichkeit knöchern und naturfern wurde, gelegentlich über Enge, Kleinheit und Leere hinausz'uheben.
Aus Naturfeststellung und Naturbeschreibung steigen wir heute zum Naturerlebnis auf. Die Natur wird in ihrer Gesamtheit erfaßt. So ist man z. B. bestrebt, die deutsche Tierwelt und die deutschen Pflanzen, nach ihren „Lebens- räumen" geordnet, zu betrachten, wie sie beieinander leben im Buchenwald, im Eichenwald, im Kiefernwald uff. Eine Vollendung solcher gehobenen Wissenschaft ist Paul E i p p e r s zweibändiges „Wald"-Werk: „Dein Wald" und „Prangender Sommer". Auf Grund einer kräftigen Praxis, mit tiefem All-Gefühl und mit einer männlichen Herbheit, .die jede Sentimentalität ausschaltet, führt uns dieser Meister in den Segen, in die Schönheiten der Welt. Mit berufenen Naturführern, wie Löns, Sohnrey, Eipper, Naturdichter wie Kotzde („Frau Harke"), Wiechert („Hirtennovelle") und Griese, Naturphotographen wie Eippers Mitarbeiter Hein Gorny, findet der natursehnsüchtige Mensch des technischen Zeitalters zur Natur zurück.
Vor2üMrenliibr„Ll-Seiiffchland"nachAeuyork
Am 22. Juni jährt sich zum 20. Male derTagdererstenAusfahrtdesdeutschenHandels- U-Bootes „Deutschland" unter Führung von Kapitän König. Niemand hätte es für möglich gehalten, daß ein deutsches Schiff die dichte englische Blockade durchbrechen könnte. Unser Bild zeigt das U-Boot Deutschland" bei der Einfahrt in den Hafen von Baltimore. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Weiß und Schwarz in Südafrika.
Bon Otto Corbach.
Die Erfahrungen, die man mit den nordamerikanischen „Rebellen" machen mußte, dem Nachwuchs von Sektierern, die das Mutterland einst froh war, loszuwerden, führten dazu, daß man in England jahrzehntelang überseeische Kolonien für einen fragwürdigen, auf jeden Fall rasch vergänglichen Besitz hielt, zumal der nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg unmittelbar auch den Abfall der spanischen, portugiesischen Kolonien nach sich zog. England besaß nach den napoleonischen Kriegen die unbestrittene Herrschaft über die Meere und damit die Hochstraßen des Weltverkehrs: Sollte es nicht genügen, sich mit Flottenstützpunkten und Einrichtungen für eine allgemeine „Politik der offenen Tür" zu beschränken, soweit man sich in den Hinterländern der Küsten fremder Erdteile nicht ohne größeren Aufwand von Blut, Gut und Geld behaupten konnte? Aus dieser Geistesverfassung ging die Schule Jobbens hervor, der Indien für eine „nutzlose Bürde" erklärte und die Aufgabe der meisten Kolonien empfahl.
Es ist für das ursprüngliche Wesen des britischen Kolonialimperiums bezeichnend, daß sich ein Wandel kolonialpolitischer Auffassungen in England nicht aus den Beziehungen zu den weißen Siedlern, sondern aus denen zu den farbigen Untertanen im Imperium ergab. Verbrecher, für die früher Virginia und Dakota als Ablagerungsstätten gedient hatten, wurden nach Kanada und Australien verschickt. Freie Einwanderer suchte man durch fiskalische Bodensperre zu zwingen, Seite an Seite mit Sträflingen öffentliche Arbeiten auszuführen. Aus ihrer natürlichen Aufsässigkeit ergaben sich immer neue Schwierigkeiten für die Kolonialverwaltungen. Um so reibungsloser gestaltete sich in den kolonialen Gebieten mit dichter einheimischer Bevölkerung die massenhafte Gewinnung von Rohstoffen und tropischen Produkten mit Hilfe farbiger „Kulis". Daher die wachsende Vernachlässigung der Aufschließung von Siedlungsräumen für weiße Einwanderer zugunsten der ko- lonialen Plantagewirtschaft mit vorwiegender Verwendung farbiger Arbeiter.
Als die Engländer 1806 K a p ft a d t eroberten, hatten die Holländer in Südafrika schon mehr als eineinhalb hundert Jahre kolonisatorischer Tätigkeit hinter sich. 1652 legte die Holländisch-Ostindische Kompanie die erste Siedlung Weißer am Kap der Guten Hoffnung an. Aus holländischen, deutschen, dänischen und anderen Einwanderern bildete sich der Grundstock des Burenvolkes, das schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts anfing, kolonisierend in das innere Weideland vorzustoßen.
Die englischen Niederlassungen in den Küstenstrichen hatten zunächst eine belebende Wirkung auf die Pioniertätigkeit der Buren. Sie fühlten sich durch den überlegenen Unternehmungsgeist der bösen Vettern bedrängt und suchten auszuweichen. Im Pariser Frieden 1814 hatten die Engländer Kapstadt behalten. 1839 gründeten ausgeroanberte Buren ben Staat Natal unb bie Stabt Pietermaritzburg. Die Englänber stießen nach und brachten bie bieberen „Vortrekkers" roieber auf ben Trab. Sie zogen weiter nach bem Innern. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts entstanden die beiden Burenstaaten Oranje-Freistaat und Transvaal. 1877 versuchten die Engländer, sich Transvaal mit Gewalt anzugliedern. Der Widerstand der Buren erwies sich als zu stark. Vielleicht hätte sich nun allmählich ein fester Rückhalt gewinnen lassen, unter ausreichendem Nachschub aus Festlandeuropa das riesige afrikanische Hochland in gesunden Höhenlagen für eine freie Kolonisation überall aufzuschließen. Kaum aber, daß sich die Buren von dem Anschlag auf ihre Freiheit in
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vOLYMPA
ich versteckt in der grünen, windrauschenden Einsamkeit, eingebürgert in die Stille von Luft, Gras und Erde.
Die Schwalben umfliegen das Haus. Im Kuhstall klebt in einer Ecke ein dichtbesetztes Nest. Taste ich mit dem Finger an den Nestrand, reißen die Schwälbchen ihre Schnäbel weit auf. Ihr heißer, kleiner Raubrachen ist blaßgelb. Zahllose Fliegen und Insekten müssen da hinein. Schimpfend, mit schrillen, spitzen Angstschreien fliegt die Schwalbm auf und setzt sich auf die Stallaterne an der Wand. Unerwünscht ist ihr meine Annäherung. Wüßte sie, wie gern ich sie habe! Dann hängt noch ein Schwalbennest auf einer kalten Ofenröhre, die im Flur aus der Stubenwand herauslangt und in den Kamin mündet. Die Schwalbeneltern fliegen durchs Fenster aus und ein. Man mußte eine Scheibe heraus- nchmen. Frühmorgens huschen sie auch in mein Zimmer und Haschen die Fliegen Es sind fette Bauernfliegen, wohlgenährt mit Milch, Butter und oerträufeltem Honig. Wenn die Schwalben in Laune sind setzen sie sich auch auf die Zacken eines Hirschgeweihs über meinem Bett und zwitschern wunderlich Aegyptische Geschichten, kleine Nilidyllen, mit denen sie sich flüchttg unterhalten? Schon sausen sie wieder durchs Fenster und werfen sich in blitzenden Bögen durch die morgendliche, golddurchbestäubte Luft. . f v . ..
Mit Schwalbenrufen beginnt der Tag und mit Grillengeigen geht er aus. Dazwischen glänzt hohe Sonne, lärmt Fmkenschlag und flötet das süße Lied des Teichrohrsängers, den ich belausche, wenn ich an der Binsenwildnis entlang streife
Abends aber leuchtet ein großer, feierlicher Mond durch die stillen Bäume, und von fernher tont der dumpfe Trommelwirbel der Frösche.
Der Ring der Zwergentönigin.
Von Wilhelm Schäfer
In Nievern unter Ems schlief eine Frau von Marioth am ersten Mai mit ihren Kindern allein zu Haus, weil ihr Gemahl nach Lüttich in Geschalten war. Da wurde sie zu Mitternacht durch eine Helligkeit geweckt, die wie ein nächtlicher Regenbogen das Zimmer mit bunten Strahlen füllte. Als sie zuerst erstaunt die Augenlider und dann erschrocken sich selber in die Hohe hob, stand vor dem Bett nicht größer als ein Kind ein greisenhaftes Mütterchen mit einer silbernen Laterne und geschliffenen Kristallen darin. Das bat sie flehentlich, da sie oft mildtätig zu Kranken gegangen wäre, jetzt auch mit ihm zu kommen, weil seine Königin sehr krank geworden sei.
Glückliche Tage aus dem Lande.
Bon Friedrich (Schnack.
Ich wohne in einer grünen Einöde. Wiesen und Aecker umgürten das Bauernhaus. Die Natur treibt bis in den Hof. Vor der Schwelle duckt sich zäher und geduldiger Wegerich, als strebe die Natur den Platz wieder zu erkämpfen, der ihr genommen wurde. An die baumbestandenen Wiesen grenzen die Felder. Der Weizen zieht in langen Strichen vorüber, bis hinab in die Erlengründe, wo das alte Holzkreuz steht, Wasser anleckt, der Boden vermoort und saures Gras wächst. Dort lagert sich em Dickicht von Weidengebüsch mit Hähern, Elstern und Krahen- volk. Kleine Wasserläufe rinnen aus den Wiesen zusammen. Schwärzliche Blutegel ringeln und winden sich in den stillen Rinnsalen. Unweit davon beginnt der Wald, der partartig die Landschaft bepflanzt und einen weiten Bogen von Laub und Bläue um Felder und Wiesen schlägt. An seinem Saum wallt ein frisches Gebirgswasser, dessen Richtung mir ungewiß ist. Es hat Fische und ein stellenweise besandetes Bett, darüber die Flut mit geheimnisvollem Schweigen hineilt. Scheint die Sonne, steige ich bei den duftenden Wafferminzen ins Flußbett und nehme ein Bad. Dann schießen mir die glatten Forellen um die Beine, was schreckhaft und erheiternd ist, und unter den Zehen fließt der Sand weg. ,, . . . .
Auf den Wiesen stehen em paar schneckensuchende Krähen die Hühner leuchten mit roten Kämmen zwischen den Büschen, di- Metten faulen und manchmal hoppelt ein Hase gemächlich durch die Krauter die seinen Schnurrbart kitzeln, ^tn Gehölz lockt ein Fasanenmännchen, und gestern ah ich auch ein neugieriges Reh, das mit zwei Luftsprungen m läu^ bort die Mähmaschine, Eine grotze Fläche ist bereits geschoren. Das Mester streicht knapp über den Boden, und alles Gewächs muß über die Klinge springen. Dabei ereignet ich - n Unglück, Das Mester zog durch -in Rebhuhnnestt Die armen Kücken purzetten über die Schneide, Das Huhn war geslüchtet. Ein Küken war gelotet "°Bis"zum nächsten Dorf ist es eine gute Halb- Stunde, Manchmal schallen die Stimmen de Bauern, die in den gelbem arbeiten, herüber. Em Weg führt am Haus vorbei, doch verliert er sich bald in den Aeckern hinter Gebüsch und Getreide. Selten kommt ein fremder Mensch vorüber, Schon mehrere Wochen bin ich hier und noch keinen zu Gesicht bekommen. Ich unterhalte mich nn den Bäumen, den Hühnern und dem Hund. Tief bin
Nun war die Nacht zwar dunkel, doch weil die Frau beherzt und guter Seele war, zog sie sich eilig an und segnete die schlafenden Kinder, der seltsamen Zwergin in ihr Reich zu folgen. Die führte sie flußaufwärts bis an eine Treppe, die scheinbar zu der Lahn hinunterstieg, jedoch nach wenig Stufen von Gewölben überdeckt in einen schrägen Gang auslief, darin es von der Decke tropfte, wie wenn er unterm Fluß herginge.
Dann kam ein kleines Tor, von einem Zwerg bewacht, der beide Flügel in eine Halle öffnete, von der gleich einem Fächer nach allen Seiten hell- erleuchtete Gänge ausstrahlten. Der mittlere war breiter als die anderen und führte an eine Perlmuttertür, die auf ein leises Klopfen geöffnet wurde. Daraus kam eine Dame, wie das Mütterchen klein an Wuchs, doch kostbar in der Kleidung; die nahm sie eilig bei der Hand, indes die andere mit der Laterne draußen bleiben mußte, und führte sie durch prunkende Gemächer in eine nicht sehr große, doch von Kristallen glitzernde Halle, wo auf dem kleinen Bett von Seide die junge Zwergenkönigin in ihren Schmerzen lag, umgeben von den Frauen, die hilflos bei ihr standen.
Die Frau von Marioth war geübt in allen Dingen der Krankenpflege und wußte auch hier so klug zu helfen, daß schon nach einer Stunde die Zwergenkönigin — zwar blaß und ohne Kraft sich zu bewegen — doch ihrer Schmerzen wohl entbunden dalag. Obwohl sie kaum zu sprechen vermochte, gab sie der tapferen Helferin einen Ring; sie möge sich damit Iohannisabends beim Untergang der Sonne am Fuß des Silberberges einfinden und von der Lahn aus den Pfad ansteigen, bis wo sie einen Habicht und einen Raben im Streit um eine Taube fände. Sie solle sich die Stelle merken und auch den Ring bewahren; solange er in der Familie bliebe, ging das Glück nicht wieder fort.
Sie wurde darauf von derselben Dame hinausbegleitet in die Halle; da wartete das Mütterchen und führte sie auf dem gleichen Wege hinauf durch das Gewölbe und bei der Lahn ins Freie, wo sie die frische Luft in vollen Zügen atmete. Todmüde kam sie danach in ihr Haus, fand alle Kinder wohl und schlief bis in den hellen Tag. Dann glaubte sie aus Träumen aufzuwachen; doch faß der goldene Ring an ihrem Finger und war geschuppt wie Schlangenhaut, drei Streifen nebeneinander.
Den zeigte sie-'auch ihrem Mann, als der nach sieben Tagen von seiner Reise kam und alles für einen Fiebertraum erklären wollte. Die seltene Arbeit machte, daß er mit ihr am Iohannisabend, troar scherzend, doch erwartungsvoll zum Silberberg hinausging; und als sie an einer Lichtung im Gebüsch die Taube wirklich fanden, darum ein
Habicht und ein Rabe sich stritten, steckte er feinen Stock tief in die Erde; kam auch am anderen Morgen mit einem Hauer wieder und hieß ihn da einen Stollen graben, der schon am dritten Tag auf dünne Adern, danach auf solche Mengen Silbererz stieß, daß die Marioths in wenigen Jahren mit Reichtum überschüttet waren.
Und weil die Frau den Ring niemals vom Finger ließ, blieb auch das Bergglück freu, bis sie nach vierzig Jahren mit ihrem Mann gesegnet starb. Da hätte die Tochter dem ältesten Bruder gern den Ring gelassen, doch war der Jüngste nicht zum Verzicht gewillt, so ließen sie bei einem Goldschmied in Koblenz die Streifen in drei Ringe auseinanderteilen. Von der Zeit an blieben die Erzgänge taub, soviel sie danach gruben, kein Silber war mehr zu finden. Und als der Jüngste dann eigensinnig blieb, gab er in wenig Jahren fein ganzes Erbteil dran, den Berg aufs neue zu durch- graben, fo daß er feines Reichtums ledig und verdrossen starb.
Die 2Rad)e des Malers.
König Friedrich August von Sachsen hatte sich, so wird in „Reclams Universum" erzählt, von einem jungen Maler, der später einer der bekanntesten deutschen Tiermaler geworden ist, ein Bild malen lassen und ihn dann zum Hubertusfest auf Schloß Moritzburg eingeladen. Dem jungen Künstler ging es damals noch nicht sehr rosig, und sein Jagdrock war daher nicht gerade festlich. Ein Hofbeamter im Schloßhof sah den jungen Mann und fuhr ihn an, in solchem Aufzuge könne er nicht vor Seiner Majestät erscheinen. In diesem Augenblick kam aber der König, begrüßte den Maler herzlich und stellte ihn der gesamten Jagdgesellschaft vor. Während der Jagd hörte der Maler, der Hofbeamte sei Graf W. gewesen, der wegen seines schroffen Wesens allgemein unbeliebt sei; außerdem sei er der schlechteste Schütze am ganzen Hof. Als nun der junge Maler den Auftrag bekam, zu einer Hoffestlichkeit kleine Bilder zu malen, die in einem Transparent gezeigt werden sollten, und dazu immer eine Erläuterung vorzutragen, malte er neben anderen Szenen das „idyllische Leben einer Hasenfamilie". Man sah da eine Häsin im Acker mit ihren Jungen. Ein Häslein kam ängstlich angehoppelt und wies auf den Jäger, der auf den Acker zuschritt. Die Häsin äugte scharf nach dem gefährlichen Mann und sagte dann beruhigend zU ihren Jungen: „Aber Kinder, das ist doch Graf W., — der tut uns nichts zuleide!"


