Ausgabe 
20.4.1936
 
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Berlin gratuliert dem Führer.

Oie Reichshaup<stat>t im Festschmuck. - Begeisterte Kundgebungen vor der Reichskanzlei.

in den Schaufenstern stehen Büsten und Bilder des Führer, umrahmt mit Frühlingsblumen.

In der Wilhelmstrahe und am Wilhelmsplatz hat der Andrang der Volksgenossen schon sehr früh ein-^ gesetzt. Auf der Reichskanzlei ist die Standarte des Führers aufgezogen.

Schon feit 6 Uhr früh stehen hier Hunderte und bald Taufende, Männer und Frauen jeden Alters, die den Wunsch haben, an diesem Tage ihrem Führer möglichst nahe zu fein. Unter den Tausenden der Gratulanten, die darauf warten, in die Reichskanzlei eingelassen zu werden, um sich in die Gratulationsbücher ein­zutragen, befinden fich mehrere hundert deutsche Mädels, von denen jedes einzelne einen Blu- menstrauh als Geburtstagsgeschenk mitbringt.

hell und froh klingen die jugendlichen Stimmen beim Gesang der Lieder. Dazwischen ertönen Sprechchöre, in denen der Wunsch zum Aus­druck gebracht wird, den Führer sehen zu können. Eine Abteilung Hitler-Jungen nimmt mit ihren Fahnen unmittelbar gegenüber der Reichs­kanzlei Aufstellung. Im Vorgarten der alten Reichskanzlei ist die Kapelle der L e i b stan - d a r t e angetreten, um dem Führer das G e * burtstagsständchen zu bringen.

die Liebe eines eigenen Volkes erwirbt, sondern zur gleichen Zeit auch zu einem moralischen Faktor für die ganze Welt wird!

Der Führer hat in diesen drei Jahren den Mut gehabt, in einem Europa, das vor der Gefahr stand, an seiner eigenen senilen Unwahrhaftlgkett zugrunde zu gehen, der Wahrheit, auch wenn sie vorerst bitter war und Schmerzen bereitete, die Ehre zu geben. Er hat damit eine sterile Situation wieder fttisstg gemacht und in Bewegung gebracht. Mehr noch, er hat nicht nur das W a h r e gesagt sondern auch das Richtige getan. Damit wurde er für die auswärtige Politik das, was er für die innere deutsche Politik seit langem gewesen war:

der große Vereinfacher, der die komplizierte und kaum noch entwirrbaren Gegensätze, die Europa in feine Bestandteile aufzulösen im Begriff waren, wieder auf das natürlichste und ver­ständlichste Matz zurückführte. Der Friedens­plan, den er kürzlich der Welt vorlegte, ist ein Meisterstück dieser konstruktiven und verein­fachenden Aufbaupolitik; er ist europäisch im besten und modernsten Sinne. Er wird zweifel­los einmal von einer späteren Geschichtsschrei­bung als dos tiefste und befreiende Atemholen eines in seinen Gegensätzen schon fast erstarrten und leblos gewordenen Erdteils angesehen werden.

Das alles sichert dem Führer das Vertrauen und die blinde Gefolgschaft der brei­ten Massen unseres Volkes. Die Liebe, die sie ihm entgegenbringen, gilt vor allem seiner Person, seiner tiefen und ergreifenden Mensch­lichkeit, die in all seinen Worten und Handlungen zum Ausdruck kommt. Als am 29. März spät nach­mittags die ersten, in ihrer Größe uns alle über­raschenden Wahlresultate über den Draht gingen, und die Aetherwellen eben der Welt den kraftvollsten Ausdruck des deutschen Wunders vermittelten, als es nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen

und ging in der Reael gleich nach dem Nachmittags­unterricht nach Hause. Deswegen haben mir eigent- lich wenig von ihm gesehen, außer während der Schulstunden. War er aber sonst einmal in der Stadt, dann spielten wir Indianer. Wir konnten ihn alle sehr gut leiden, sowohl in der Schule als beim Spielen. Er war eigentlich nicht stärker als wir anderen, aber sehr unternehmend. Er hatte ,Schneids Er war kein Hitzkopf und doch ein größerer Drauf­gänger als die meisten anderen. Er vereinigte in sich zwei extreme Charaktereigenschaften, welche man nicht oft beisammen findet. Er war ein ruhiger Fanatiker. Die ganze Klasse betrachtete ihn als ihren Anführer.

Seine liebsten Unterrichtsstunden waren Ge­schichte, Geographie und Deutsch. Der Geschichts­lehrer war oft sehr erstaunt über Hitlers großes Auffassungsvermögen. Unser Deutschlehrer war Dr. huemer. Er ließ Hitler mit besonderer Vorliebe wiederholen, d. h. irgend etwas wurde uns laut vorgelesen und dann mußte es einer der Jungen mit eigenen Worten nacherzählen. Hitlers Wieder­holung war in der Regel ein gut Teil unterhalt­samer als das Original.

Hitler war auch gut im Turnen. Er war wäh­rend seiner ganzen Schulzeit Vorturner unserer Klasse.

Eigentlich kümmerte er sich weniger darum, was er erlernen sollte, sondern nur um das, was er lernen wollte, hatten wir gerade einen Unter­richtsstoff, der ihn nicht interessierte, so las er wohl auch denLederstrumpf" oder ähnliche Bücher. In Fächern, die er liebte, wie z. B. Geschichte, zeigte er aber die größte Aufmerksamkeit.

Unsere Schlachten kämpften wir untereinander in unseren Jagdgründen in den Donau-Auen aus. hier war Hitler in seinem Element. Es konnte ihm nicht heiß genug zugehen und man sah ihn immer dort, wo der Gegner am stärksten war. Er geriet dabei immer in großes Feuer.

Hitler legte, wie die meisten von uns, sehr viel Wert darauf, als Deutscher zu gelten. Je schärfer die Maßnahmen der Regierung waren, um diese nationalen Regungen zu bekämpfen, um so ver­bissener hielten mir aus. Bismarck war für uns der große Nationalheld. Die österreichischen Be­hörden hielten ihn natürlich nicht in gutem An­denken. Das Bismarcklied und mit ihm eine Menge anderer deutschen Hymnen und Gesänge dieser Art waren verboten. Es war sogar em Verbrechen, ein Bild von Bismarck zu besitzen. Und obwohl unsere Lehrer persönlich wohl denken mochten, daß wir Jungen mit unserer Anschauung im Recht waren, hatten sie uns doch wegen des Singens solcher Lieder streng zu bestrafen und unsere deutschen Gefühle öffentlich zu verurteilen.

Berlin, 19. April. (DNB.) Zum Geburtstag des Führers hielt Reichsminister Dr. Goeb­bels am Sonntag über alle deutschen Sender folgende Rede:

Weine Volksgenossen und Volksgenossinnenk

Am morgigen Montag begeht der Führer seinen 4 8. Geburtstag.

Wie in den Jahren vorher seit der Machtergrei­fung nehme ich diese Gelegenheit wahr, um anläß­lich dieses festlichen Ereignisses zur ganzen deutschen Natton zu sprechen.

Ein Volk gedenkt an diesem Tage in seltener Einmütigkeit und nie dagewesener Geschlossen­heit des Wannes, der für alle Deutschen im Reich und über die Grenzen hinaus in allen Ländern und Teilen der Erde Inbegriff der deutschen Wiederauferstehung und Symbol des erstarkten und neuaufgerichteten Reiches ge­worden ist.

Dieses Volk möchte am morgigen Tage dem Führer seine Liebe und Verehrung bekunden, möchte ihm aber auch seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen für sein menschliches und ge­schichtliches Wirken. Es sind das alle die ungezähl­ten Millionen, die ihm am 29. März dieses Jahres ihre Stimme gaben und damit feierlich bestätigten, daß sie in ihm den Glauben an unsere nationale Zukunft, an die Sicherheit und an die Ehre des Reiches verkörpert sehen.

Niemals In der Geschichte aller Zeiten hat ein Wann so wie er das Vertrauen und das Zu­sammengehörigkeitsgefühl eines ganzen Volkes auf feine Perfon vereinigt.

Ich bin glücklich in dem Bewußtsein, am heutigen Abend der Dolmetsch all dieser Empfindungen sein zu dürfen.

Wir stehen augenblicklich noch mitten im Auf­bauwerk des Führers. Jeder von uns hat sich noch mit Sorgen und Bedrängnissen mannig- facher Art abzumühen und die Aufgaben, die, manchmal kaum in Angriff genommen, noch der Lösung harren, sind ungezählt. Auch konnten selbst- verständlich in den drei Jahren des Wirkens Adolf Hitlers nicht alle Spannungen und Diffe­renzen, nicht alle Mißverständnisse und Reibungs­punkte im deutschen Volke beseitigt werden, aber in einem sind wir uns alle einig:

daß Deutschlands Führung bei Adolf Hiller in den besten, treuesten und zuverlässigsten Händen liegt und daß damit in ihm. in feiner Person und in feinem menschlichen und politi­schen Wirken die Sicherheit gegeben ist. daß auch die letzten Probleme zu ihrer Zeit die ihnen gemäße orgaüische Lösung finden werden. Er steht über allen Sorgen und Unzulänglich­keiten des Alltags wie ein Fels im Weer. der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht.

Die Ausstrahlungen seines geschichtlichen han­delns sind dem ganzen deutschen Volke schon so tief in Herz und Seele eingedrungen, daß es sich voll­kommen zu erübrigen scheint, darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Das ist auch nicht die Absicht, die mich veranlaßt, am heutigen Abend zu seinem morgigen Geburtstag zu reden. Ich will über i h n persönlich sprechen. Die ganze Welt kennt ihn als Staatsmann und Führer; wenigen aber nur ist es vergönnt, ihn aus nächster Nähe als M e n sch zu sehen und sein rein persönliches Wirken täglich mit tiefer Beglückung zu verspüren.

Millionen Deutsche haben im Innersten getroffen aufgehorcht, als er bei seinen Reden zur Wahl am 29. März dieses Jahres in ergreifenden Worten, aus denen man die innere Bewegung heraushörte, davon sprach, daß er dem deutschen Volke drei Jahre

lang Kraft gegeben habe, daß das deutsche Volk nun seinerseits ihm Kraft geben müsse, daß er die Nation so oft im Glauben stärkte, daß die Nation ihn jetzt im Glauben bestär- k e n müsse.

Wie oft haben wir aus seiner nächsten Umgebung in den vergangenen Jahren feststellen können, wie notwendig Kraft und Glauben sind, um sein Werk zu tragen und zu verantworten.

kein Tag und keine Nacht vergeht, keine Stunde verrinnt im Gleichmaß der Zelt, die für ihn nicht ein gerütteltes Wah von Arbeit und Sorgen mit sich brächte. Es ist vielfach so. daß ein Volk die Erfolge einer großen Politik fast wie selbstverständlich hintttrnrnt und fich all­mählich sogar daran gewöhnt. Es hat dann kaum noch einen Begriff davon, wie viel An­strengungen, wieviel Wut, wieviel Entschluß­kraft und Verantwortungsfreudigkeit daran ge­wandt werden müssen, um sie überhaupt mög­lich zu machen.

Die meisten Menschen werden fich dessen erst be­wußt, wenn neben den Erfolgen die Gefahren auf­tauchen; jene Gefahren, die der weitblickende Staats­mann immer gesehen und immer in Rechnung ge­stellt, mit denen er sich im einsamen Ringen früh und spät und bis in die tiefen, schlaflosen Nächte hinein auseinandergesetzt hat. Je größer uns heute das Wunder der deutschen Wiederaufrichtung er­scheint, um so größer muß uns das Wunder er­scheinen, daß ein Mann in einer Zeit vollkomme­ner Hoffnungslosigkeit, die weiteste Kreise seines Volkes ergriffen hatte, den Mut und das starke und unerschütterliche Herz dazu aufbrachte. Es ist nicht leicht, ein am Boden liegendes Volk wieder hochzuheben; dazu bedarf es nicht nur der Klugheit, sondern auch der Kühnheit.

Was aber bedeutet es erst, wenn ein Wann, der die Atlaslast dieser Verantwortung auf sich nimmt, sich dabei nicht nur das Vertrauen und

Berlin, 20. April. (DNB.) Schon am Sonn­tagabend gegen 10 Uhr versammelten sich vor der Reichskanzlei am Wilhelmsplatz Hunderte von Menschen, um als erste dem Führer um Mitternacht den Glückwunsch der Berliner Bevölkerung barbringen zu können. Gegen Mitternacht war die Menschenmenge auf T a u s e n d e von Personen angewachsen, die im Sprechchor immer wieder nach dem Führer ver­langten und riefenW i r gratulieren!" Als kurz nach 12 Uhr der Führer auf dem Balkon der Reichskanzlei erschien, da überfluteten die Tau­sende im Nu die gesamte Sttaße vor der Reichs­kanzlei, und

ein minutenlanges Jubelbraufen dankte dem Führer dafür, daß er den Berlinern Gelegen­heit gegeben hatte, als erste ihm an feinem Ge­burtstage erneut ihre Liebe und Treue zu be­zeugen.

Die Reichshauptstadt steht heute seit den frühe­sten Morgenstunden ganz im Zeichen dieses fest­lichen Tages. Ueberall flattert die stolze Hakenkreuz- sahne, vielfach sind ganze Häuserfronten förmlich bedeckt mit Fahnen. Straßenbahnen und Omnibusse und Tausende von privaten Kraftwagen sind mit Fähnchen geschmückt. An den Fronten der großen Geschäftshäuser sind vielfach Girlanden angebracht,

In der unmittelbaren Nachbarschaft fanden mir auch das Bauernhaus, in welchem die Familie Hitler einst lebte. Es hat seitdem oft die Besitzer gewechselt, weshalb uns der gegenwärtige Bewoh­ner nichts über die früheren Eigentümer sagen konnte. Dennoch aber trafen wir in Leonding einen dritten Schulkameraden des jungen Adolf.Manch, mal gingen wir miteinander auf die Apfelbäume", erzählte er,wie es die Kinder hier herum zu tun pflegen. Ich erinnere mich, daß Hitler niemals au essen begann, bevor jeder andere auch einen Apfel hatte. Sonst teilte er den eigenen mit den Kameraden.

Manchmal saß er auf der Kirchhofmauer und be­trachtete unverwandt die Sterne. Niemand küm­merte sich um ihn, der in den nächtlichen Himmel Oesterreichs hinaufblickte."

Kehren wir zu Hitlers Vaterhaus zurück. Dort löste sich die Spannung wegen Adolfs Berufswahl und Zukunft mit ttagischer Plötzlichkeit. Auf dem Rückweg von einem Nachmittagsbesuch bei einem Nachbarn wurde der Vater auf der Sttaße von einem Herzschlag getroffen und entschlief in den Armen eines Vorübergehenden. Dies geschah am 5. Januar 1903, als Adolf 13 Jahre alt war.

Hitlers Mutter Klara fühlte sich zunächst verpflich­tet, an den Plänen ihres Mannes mit dem Jungen festzuhalten. Infolgedessen setzte er die nächsten drei Jahre den Schulbesuch fort, um Beamter zu werden. Dann aber wurde Adolf krank und mußte längere Zeit mit einer Lungenentzündung zu Bett liegen. Nach seiner Gesundung überzeugte der Arzt Frau Hitler, daß das Leben in einem Büro nicht das Beste für den Jungen wäre. Zunächst dürfe er mindestens ein Jahr auch nicht in die Schule gehen. So entschloß sich die arme Mutter, den Wünschen des Jungen, Maler und Zeichner zu werden, keinen Widerstand mehr entgegen zu setzen.

Aber auch jetzt wurden seine Hoffnungen nochmals enttäuscht. Nach einer längeren Krankheit, die die geringen Ersparnisse ihres Mannes völlig aufgezehrt hatte, starb auch die Mutter am 21. Dezember 1908. Nichts blieb für Adolf übrig, als eine kleine Waisen­rente, ungenügend, um Körper und Seele beisammen zu halten. Das Haus wurde verkauft und mit 18 Jahren sah sich Adolf Hitler vor die Notwendigkeit gestellt, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen.

Er war sich keinen Augenblick unschlüssig, was er nun zu tun hatte.

Er ging nach Wien, um dort Kunstschüler zu wer­den und in die romantischen und abenteuerlichen Reihen jener einzutreten, die zu jeder Zelt zufrieden waren, von einem harten Stück Brot zu leben, austechterhalten von ihrem Idealismus und der herrlichen Kameradschaft ihrer Mitstudenten, ebenso begeistert und ebenso arm wie sie selbst.

Llnser Führer Adolf Hiller!

Ganz Deutschland grüßt seinen Führer durch Minister Dr. Goebbels

Hitler besuchte unsere Realschule vier Jahre lang, bis er plötzlich krank wurde. Zu meinem Bedauern habe ich dann nichts mehr von ihm gehört. Erst nach vielen Jahren begegnete mir wieder sein Name in den Zeitungen. Es war damals zu lesen, daß er sich in Müncken mit Politik abgäbe.

Ich sah ihn wieder im Jahre 1926. Damals ging ich zu seiner Wohnung, und er war sehr erfreut, vom alten. Linz zu hören. Er lud mich ein, ihn hie und da zu besuchen. Ich habe Mps auch einige Male getan, und er war immer sehr freundlich zu mir, immer der alte Schulkamerad."

Ich wurde auch noch mit einem anderen Karne- raben von der Linzer Realschule bekannt, der im allgemeinen dasselbe über Adolf Hitler zu erzählen wußte. Eine interessante Einzelheit fügte er aber hinzu:

Für kurze Zeit wohnte Hitler damals bei einer alten Bürgersfrau. Diese erzählte mir, wie der Junge immer Kerzen gekauft habe und sie sich nicht vorstellen konnte, wozu er bei Nacht immer Licht brauche. Bei einer Gelegenheit Überraschte sie ihn und fand ihn über Karten gebeugt, sehr geschäftig darauf mit Farbstiften herumzeichnend. Sie fragte ihn, was um alles in der Welt er da macke. Hitler blickte aber nur auf und sagte: .Karten studieren.'

Dieser Schulkamerad zeigte mir als einen beson­deren Schatz ein Aquarell, das er selbst als Junge einmal begonnen und das Hitler für ihn fertig ge­malt hatte. Man sah daraus eine malerische kleine Mühle in den Bergen, und es war leicht festzu­stellen, wo der eine Künstler aufgehört und der andere begonnen hatte. ,Hitler war unser bester Zeichner', sagte er. ,Er wandte bei feiner Malerei Farbtöne an, die uns anderen niemals gelangen und stellte die Gegenstände so lebenswahr dar, daß wir alle erstaunt waren.'"

Ich besuchte Leonding in Begleitung dieser beiden Jugendfreunde Adolf Hitlers. Wir gingen dieselbe Straße, die er vier Jahre lang täglich hin und her zurückgelegt hatte, einen grünen Rucksack mit seinen Büchern und Bleistiften auf dem Rücken. Der Weg windet sich größtenteils Hügelketten hinauf, denn Linz liegt unten an der Donau. Dann kamen wir durch Felder und Wiesen, in denen hie und da niedrige dicke Türme standen, Ueberbleibsel der napoleonischen Zeit, in der von hier aus die Donau bewacht wurde, zur Rechten die Kürnburg, wo das Niebelungenlied entstanden fein soll.

Etwa eine Stunde gingen wir, bis wir an die verstreuten Häuser von Leonding kamen. Es ist ein echtes kleines Hochlanddorf, wie es nur in Bayern und Oesterreich denkbar ist. In der Mitte liegt die Dorfkirche und ein paar Schritte weiter auf der an­deren Seite der Straße der verwachsene Fiedhof. Hier besuchten wir das Grab von Hitlers Eltern.

damalige Lage lehrte ihn zu unterscheiden zwischen dem Nationalgefühl eines ganzen Volkes und einem bloß dynastischen Patriotismus. Er merkte bald, daß Oesterreich niemals eineNation"gewesen war, sondern nur das reiche Jagdgebiet eines im 17. Jahrhundert zur Herrschaft gekommenen Hauses.

Alles dies ist natürlich allgemein bekannt und gehört heute der Vergangenheit an, es muß an dieser Stelle aber angeführt werden, um die ent­scheidenden Einflüsse zu zeigen, welche auf den außerordentlich aufnahmefähigen Jungen Adolf Hitler eingewirkt haben. Er wandte den Geschichts­unterricht seines Lehrers Dr. Pötsch ständig auf die täglichen Ereignisse und Gespräche seiner Umwelt an und legte dadurch unbewußt die Grundsteine für eine zukünftige aktive Politik von bisher unvorstell­baren Ausmaßen.

Mit den Schwierigkeiten der damaligen Zeit mußte er natürlich auch feine praktischen Erfah­rungen machen.

Schon in der Dorfschule hatte der wilde Junge aus dem Waldoiertel und andere Gesinnungsgenos­sen die Gepflogenheit, beim Gesang der öster­reichischen Nationalhymne den Text eines deutschen Liedes mitzusingen. Es gab dann die unvermeid­lichen Schläge, aber mit dem ebenfalls unvermeid­lichen Ergebnis einer Stärkung des jugendlichen Widerstandes. Später, wenn in der Linzer Real­schule ein Junge mit einer Kornblume hinter dem Ohr dem Zeichen der Reicksfreundlichkeit angetroffen wurde, stürzte sich der Direktor über 5 ihn, wie ein Wagen voll Ziegelsteine, und er konnte einiger Stunden Arrest sicher sein.

Wenn anläßlich eines Turnfestes eine Anzahl deutscher Turner aus dem Reich herüberkamen und die Gunst der Bevölkerung zu erringen versuchten, so mußten die Schuljungen sehr vorsichtig sein, um nicht in den Verdacht zu geraten, daß sie unerlaubte Verständigung mit ihnen suchten. Wenn sie dieser- halb von irgend jemand verpetzt wurden, so erhiel­ten die Schuldigen eine Eintragung^ ins Klassen­buch für schlechtes Benehmen. Adolf störte das nicht. Für ihn war nur sein Deutschtum entscheidend.

Aus solchen kleinen Erlebnissen heraus entspann sich der Kampf, der später sein ganzes Leben aus­füllen sollte.

Adolfs eifriges Studium des Deutsch-französischen Krieges ebenso wie sein Interesse und Verständnis für Geschichte machten ihn schon in diesem Alter sehr vertraut mit den politischen Verhältnissen Mit- teleurovas während des letzten Jahrhunderts. Nur o ist fein glühender Eifer für das Deutschtum und eine entschiedene Haltung in der Nationalitäten- rage zu verstehen. Er könnte uns als ein etwas überreifer und altkluger Knabe erscheinen. In Wirk­lichkeit war dies keineswegs der Fall, sondern er war nur ein Junge von brennender Begeisterungs- fäbinfeit und sehr durchdringendem Verstand.

1916 starb der alte Kaiser Franz Joseph und fein Nachfolger wurde der unglückliche Mann, der zwei Jahre später elend in der Verbannung starb, fluch­beladen wegen feiner Bemühungen, Deutschland im Sticke zu lassen und einen Sonderfrieden mit den Alliierten zu schließen. Diese kaiserlichen und königlichen Hoheiten und die wurmstichigen Auf­fassungen, die sie vertraten, stellten die politische Wett dar, in der ein Knabe und später ein junger Mann aufwuchs, dem es beschicken sein sollte, sie so in die Vergessenheit zu befördern, wie dies noch nie zuvor geschah. Einst nur ein Schuljunge in Linz und dann ein unbekannter Frontsoldat, der Schulter an Schulter in den Schützengräben zu­sammen mit ebenso unbekannten Kameraden kämpfte, das war Adolf Hitler.

Nicht einer hat den Aufstieg Adolf Hitlers vor- hergesehen. Wenn irgend jemand im Jahre 1916 dem Kaiser Franz Joseph vorausgesagt hätte, daß die Habsburger verschwinden und daß die Geschichte völlig darüber hinweggehen würde; wenn irgend jemand dem Kaiser Wilhelm gesagt hätte, als er im November 1918 in Spa überlegte, ob er fliehen sollte oder nicht, daß die Lenkung der Geschicke des Vaterlandes aus seinen schwachen Händen hinüber­gleiten sollte in die unendlich stärkeren eines ein­fachen Soldaten aus seinen Schützengräben, _ von dem bisher niemand außer seinem Kompanieführer jemals etwas gehört hatte; wenn irgend jemand noch im Jahre 1932 dem verehrungswürdigen Reichspräsidenten von Hindenburg erzählt hätte, daß der Frontsoldat aus München, der eine so un­ruhige und geräuschvolle Partei gegründet hatte, einmal die letzte Hoffnung eines vor dem endgül­tigen Zusammenbruch stehenden Landes sein würde, Kaiser und Reichspräsident würden in gleicher Weise diese Idee in ungläubiger Ablehnung em­pört von sich gewiesen haben.

In der Tat, hätte irgend jemand etwa gar schon im Jahre 1903 dem Direktor der Realschule in Linz vorhergesagt, daß dieser Junge, den er eben geschol­ten und eingesperrt hatte, weil er mit einer Korn­blume in die Schule gekommen war, einmal berufen sein sollte, die deutsche Welt als ihr Führer und Retter zu regieren, es wäre ihm schwer gefallen, dies zu glauben.

Und doch sollte es so kommen. Sein nachdenk­liches Geschichtsstudium brachte den österreichischen Jungen folgerichtig zu seiner Auffassung vom Werte und der Wurde einer starken völkischen Ver­wurzelung und verlieh ihm einen glühenden Stolz. Adolf Hitler fühlte sich durch und durch deutsch, deutsch bis ins Mark.

Angesichts der neueren Entwicklung in 'Oester­reich ist es bemerkenswert, daß die Proklamation der österreichischen Regierung, die um 3 Uhr nach­mittags an jenem schicksalsschweren 18. November 1918 vor der deutsch-österreichischen Nationalver­sammlung im Herrenhaus am Franzensring in Wien verlesen wurde, auf den Buchstaben genau all die leidenschaftlich nationalen Gedankengänge des jungen Hitler zu erfüllen schien.In dieser Stunde", so erklärte Dr. Renner, der damals nach dem Zu­sammenbruch die neue österreichische Verfassung ent­worfen hatte,sollen die Deutschen in aller Welt wissen, daß wir e i N Volk mit einer gemeinsamen Bestimmung sind." Aus Berlin kam aber keine Antwort.

Die deutsche Regierung war dort mit einer Hydra von dringenden inneren Fragen beschäftigt. Seitdem hat sich ja das Blatt der europäischen Politik ge­wendet, aber diese Einzelheiten sind notwendig, um die gewaltigen Eindrücke aufzuzeigen, welche auf Hitler während seiner Kindheit und Jugend und in seinen ersten Nachkriegsjahren einwirkten.

In der Absicht, aus erster Quelle etwas über Hitlers Schulzeit zu erfahren, besuchte ich Linz, wo er, wie gesagt, die Realschule besuchte. Ich traf dort eine Reihe von seinen früheren Schulkameraden. Es war nicht leicht, diese aufzufinden, denn die meisten seiner Mitschüler find heute natürlich in alle Winde zerstreut.

Ich lernte ihn", erzählte einer von ihnen,im Jahre 1901 hier in der Realschule kennen. Wir waren 32 Schüler in der Klasse, falt alle gleichen Alters. Hitler wohnte nicht in Linz selbst, sondern ganz in der Nähe in einem Ort namens Leonding. Er irgendwo in der Umgebung der Schule zu Mittag