Ausgabe 
20.4.1936
 
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Nr. 92 Erster Blatt

186. Jahrgang

Montag, 20. April 1936

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Dem Führer zum Geburtstag.

3m Kerzen des Volkes.

Von Fritz Kirschner.

Das Haus, in dem Adolf Hitler geboren ist, steht jenseits der Grenze. Das Werk, das er errichtete, aber ruht mitten in unser aller Herzen. Das sind die beiden Tatsachen, die das Leben des Führers begrenzen, der am heutigen 20. April seinen 48. Geburtstag feiert. Wenn an diesem Tage im ganzen Reich die Fahnen der nationalen Erhebung zu Ehren Adolf Hitlers flattern, dann darf der Füh­rer darin die freudige Gewißheit sehen, daß die Mil­lionen deutscher Menschen ihm zujubeln als der Ver­körperung ihrer Sehnsucht. Nicht Zwang läßt die Fahnen wehen, nicht Befehl und nicht Gewohnheit, sondern die tiefe Liebe und Verehrung, die der Mann bei allen Deutschen findet, der aus dem La­zarett einst an sein Regiment schrieb:Ich will nicht in München sein, wenn meine Kameraden am Feind liegen."

Still, wie es seine Art ist, hat er den Tag stets verlebt. Der wahre Glückwunsch liegt darum auch in der Tat, die der Einzelne für die Gemeinschaft vollbringt,, in der Gesinnung, mit der er den Sinn für die Volksgemeinschaft beweist, und in dem Glauben, mit dem er an des Volkes Zukunft baut. Es ist ein gerader Weg, der aus dem einfachen Haus in Braunau hineinführt mit­ten ins deutsche Herz. Ihn begrenzen Hin­gabe und Pflicht, Treue und Selbstverleugnung um des Volkes willen. Ihn zeichnete Not und Glaube, Entsagung und Vertrauen in gleicher Weise. Und ihn meisterte eine Persönlichkeit, die zu allen Zeiten sagen konnte, sie habe nichts anderes als Leitstern gehabt denn das eine. Unvergängliche: Deutsch­land!

Männer machen die Geschichte; nicht Mäuler und schwankende Rohre; nicht Klassen und nicht Stände; sondern Charaktere, die auch in trüben Tagen den Mut behalten, aufrecht zu stehen. Nicht Pöstchen­jäger, die ihr Amt gern drangeben, um ein besseres einzutauschen, sondern Führer, die ihr Leben freudig hingeben für die Gewißheit, dem Volke gedient zu haben. Und nicht Mehrheiten, die wechseln und verfliegen wie die Spreu vor dem Wind, sondern Kämpfer, die den Glauben an ihre Sendung im Herzen tragen.

Führer und Pöstchenjäger an beiden ist die deutsche Geschichte reich. Nur, daß von den einen noch in Jahrhunderten geredet wird, während der Name der anderen längst vergessen ist. Denn die Geschichte ist gerecht. Sie mißt den Mann nach einem Herzen und wertet nicht die schönen Worte, ondern die dem Volk gebrachte Tat. Daß ie trotzdem eine Kette opfervoller Hingabe ist, er» üllt uns Deutsche mit stolzer Freude, ist es doch das Volk und seine Sehnsucht, das sich in den Großen der Vergangenheit spiegelt.

*

Die politische Geschichte des ersten Deutschen Reiches ist nicht eine Geschichte der Einheit, sondern der Zersplitterung gewesen. Während Frankreich in seinem Königstum zugleich die erste national­politische Formung des Volkes fand, während Eng­land in Oliver Cromwell der nationale Gestalter erstand, sank das Deutsche Reich durch die innere Zerrissenheit zu einer Ohnmacht herab, die ihren tiefsten Stand in jener Stunde erreichte, da die Rheinbundfürsten ihre Pflicht aussagten und die Niederlegung der Kaiserkrone 1806 das erste Reich beendete. Es ist das Meisterwerk Bismarcks ge­wesen, aus diesem politischen Chaos das zweite Reich zu errichten. Ihm die große politische Füh­rung zu sichern, mußte er denen überlassen, die fein Erbe antraten. Daß sie es nicht vermochten, wissen wir. Warum sie es nicht vermochten, spüren wir nun, da wir im Rückblick auf das Einst und im Vergleich mit der Gegenwart abschätzen können, was echtes Führertum vom Amt und Füh­rung von Regierung unterscheidet.

Oft hat unser Volk in der Geschichte durch tiefe Täler gehen müssen. Selbst das Genie des großen Königs konnte es davor nicht bewahren. Aber wo der Funke glüht, da reißt ein Mann sein Volk aus der Not zu neuer Zukunft. Und wo ein Führer steht bricht neuer Glaube aus der Volksseele Wo er jedoch fehlt, scheitert das an Kräften reichste Volk. Denn das Volk gleicht dem Heer: das Heer ist an sich eine Kraft, es wird aber eine Macht erst durch die Führung, die dieser Kraft die Richtung gibt. Und das Volk wird eine Macht erst durch den Führer, der seinem Wollen ein Ziel, seiner Sehnsucht eine Erfüllung gibt. Das unterscheidet ihn gerade von dem Parla­mentarier, daß dieser sich von einer Masse führen lassen will, während sich der Führer das Volk in dem Sinn schmiedet, daß er Urkräfte frei macht, aus denen er selbst feine Berufung empfangen hat. Parlamentarische Zeiten sind darum ein gutes Feld für Demagogen, den wahren Erfolg aber haben für ihre Völker immer nur d i e Männer erftrib ten, die das Mandat nicht ans irgendwelchen Koali­tionen nahmen, sondern ihre Genbuna in der eigenen Brust trugen.

Die Geschichte mißt ein Zeitalter nicht nach dem Namen und dem System, sondern nach der L e i st u n g. Und sie wertet nicht den Einzelvor­gang, sondern d,e aonte Lebenserscheinuna eines

Volkes. In chrem Mittelpunkt steht der poli­tische Wille. Ihr Gestalter ist der Charak - t e r. Besteht doch ein Volk nicht nur aus einer Reihe politischer Erscheinungen, wie es der Parla­mentarismus so gern sehen will, sondern es um­faßt in Höhe und Tiefe alles, was an Lebens­äußerung in den Menschen ruht. Weshalb auch der in die Irre gehen muß, der eine Reform der Zustände etwa von einem politischen Umschwung allein erhofft. Parlamentarier mögen sich damit ge­nügen lassen, durch ihre Koalitiönsarithmetik ein politisches System wieder um einige Wochenge-

pagne und die Schlammlöcher Flanderns trug Adolf Hitler seinen Glauben an Deutschland, bewies er ihn durch die Tat. Und aus diesem Glau­ben an Deutschland pflanzte er mitten in all der Not und dem Elend der ersten Nachkriegszeit fein Banner auf, griff er die deutsche Aufgabe an, so wie sie der Ruf der Geschichte an ihn richtete.

lieber drei Jahre lenkt Adolf Hitler bereits die Geschicke des Deutschen Reiches. Sie haben ein neues Deutschland erstehen lassen, das her­ausgeboren wurde aus der Grabengemeinschaft des Weltkrieges und das getragen wird von jenem

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(Prefse-Jlluftration-Hoffmann-M.)

Gauleiter Sprenger gratuliert dem Führer.

NSG. Zum Geburtslage des Führers hak Gauleiter und Reichsstatthatter Sprenger folgendes Telegramm an Adolf Hiller gerichtet:

Mein Führer!

Zu Ihrem heutigen Geburtstage, den Sie in bester Frische begehen, darf ich Ihnen persönlich und insbesondere auch namens der Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau herzliche Glückwünsche darbringen. 3n Ihrem neuen Lebens- und Kampsjahre werden Sie sich stets aus uns verlassen können.

Heil!

Sprenger.

rettet" zu haben. Der wahre Führer weiß, daß die Entscheidung über sein Werk nicht in Parlamenten gesprochen wird, auch nicht auf d^m Felde der poli­tischen Einzelerscheinung liegt, sondern steht und fällt mit der Frage, ob es ihm gelingt, in den Herzen aller den Brand zu entzün­den, daß sie Jdeenträger werden und He­fe n n e r seines Willens

Oftmals verlor sich im Lause der Jahrhunderte das deutsche Volk in die Irre. Die Zwietracht überschattete jede große Idee; die Kämpfe um Ein­heit und Freiheit, wie das Ringen um die wahre Führung, den Zusammenklang von Volk und Staat. Aber nach Weltkrieg, Umsturz, Inflation und gei­stigem Chaos erstand den Deutschen der Mann, der Volk und Staat zu einer Einheit schweißte und aus dem Gären und Brodeln der Meinungen das gestaltete, was Sehnsucht der Deut­schen durch die Jahrhunderte war: das einige deutsche Volk! Durch die Kreide der Cham-

Geiste soldatischer Pflicht, der stetsdas wahre Wesen deutsch" ausmachte. Wenn wir alle in dieser Stunde einen Blick zurückwerfen auf die Spanne, die Deutschland seitdem durcheilte und an die gro­ßen Entscheidungen denken, die sie brachten, dann dürfen wir am heutigen Geburtstag des Führers und Reichskanzlers mit unseren herzlichsten Glück» und Segenswünschen und mit unserem Treugelöb­nis für dielen besten deutschen Mann dankerfüllt und gläubig sagen: Deutschland ist aufer­standen! Und es ist auferstanden unter der Führung und im Geiste des Mannes, von dem ein schwedischer Universitätsprofessor schrieb: Alle Nationen, die im Weltkrieg gekämpft haben, hul­digen dem unbekannten Soldaten. In Paris ruht der unbekannte Soldat unter demArc de triomphe". In London schläft er seinen letzten Schlaf unter dem schwarzen Marmor der Westmin­ster-Abtei. In Berlin aber residiert er im Reichs­kanzlerpalais in der Wilhelmstraße. Deutschland ist das einzige Land, in dem der unbekannte Soldat nicht tot ist, sondern lebt'"

Frühe Jugend Adolf Hillers.

Von H. A Hemz*)

Hitlers Vater hatte die Absicht, seinen Sohn Adolf auf die Realschule nach Linz zu schicken, als er seinen Wohnsitz in ein Dorf namens Leonding, nicht weit von dieser Stadt, verlegte. Linz war damals die be­deutendste Stadt in Oberösterreich, sehr schön zu beiden Seiten der Donau in der Ebene gelegen. Ehrgeizig, wie Alois Hitler für seinen Sohn war, hielt er es für besser, ihn auf eine Realschule gehen zu lassen, als auf ein Gymnasium. Es schien ihm Zeitverschwendung, Jahre auf das Studium der toten Sprachen zu verwenden und er war der Mei­nung, daß Adolfs neuerdings in Erscheinung ge­tretenes Talent zum Zeichnen in einer mehr prak­tisch geleiteten Schule größere Förderung finden würde. Sein Herzenswunsch war, daß sein Sohn einmal irgendwie in einer Staatsstelle Unterkommen und ebensoetwas werden" sollte, wie er selbst etwas geworden war, und er betrachtete alles unter diesem Gesichtspunkt.

Es kam ihm niemals in den Sinn, auf Adolfs eigene Neigungen Rücksicht zu nehmen. Ein Junge seines Alters hatte in dieser Hinsicht einfach nichts zu sagen, sondern nur zu tun, was befohlen wurde und zu glauben, daß der Vater alles am besten wußte. Alois Hitler gehörte noch zu der alten Schule von Eltern mit autoritativen Erziehungsgrundsätzen. So konnte ebensowenig wie in anderen Fällen aus» bleiben, daß er bei seinem Sohn scharfen und hart­näckigen Widerstand fand.

Es zeigte sich bald, daß Adolf nicht die Absicht hatte, die für ihn bestimmte Laufbahn anzutreten. Er wollte Kunstmaler werden. Mit elf Jahren stand dieser Entschluß bei ihm fest und mit der ihm eige­nen Zähigkeit stürzte er sich in einen unablässigen Kampf um dieses Ziel. Ein Wille stand hier gegen den anderen und keiner war bereit, auch nur einen Zoll nachzugeben.

Adolf war in der Schule sehr aufnahmefähig und lernte mit erstaunlicher Leichtigkeit. Diese Tat­sache gab ihm viel freie Zeit, um seinen Neigungen anderweitig nachzugehen als hinter seinem Pult. Wenn er konnte, lief er in die Wälder, freute sich in frischer Lust und Freiheit und stärkte seinen Entschluß, sich niemals in ein staubiges Büro ein­sperren zu lassen, was sein Vater auch immer sagen mochte.

Der Sohn hatte diesen Kampf oft genug mit seinem Vater auszutragen.Du wirst Beamter werden, mein Junge", bestand der alte Hitler und wollte sich über dieses Thema verbreitern.Ich werde nicht!" erwiderte Adolf heftig.Ich werde ein Maler werden." Es war aber vergeblich, dies feinem Vater begründen zu wollen.Niemals, so lange ich nur einen Funken von Autorität in meinem Hause habe", unterstrich der Vater seinen Willen, aber die ganze Antwort, die er bekam, war:Warte es nur ab, du wirst schon sehen!"

Wenn es soweit kam, mischte sich die Mutter ein, um die Kluft wieder zu überbrücken. Diese Aus­einandersetzungen, auf der einen Seite so hart­näckig geführt wie auf der anderen, störten den Frieden der Familie ein Jahr lang ziemlich. Nur weil Adolf ungern feine Mutter betrübt sah, ließ er es immer zu einem einigermaßen guten Abschluß solcher Gespräche kommen. Er entschloß sich, seinem Vater auf eine andere Weise beizubringen, daß fein Sinn auf die Malerei gerichtet war und auf nichts anderes. Absichtlich vernachlässigte er seine Schularbeiten, damit die immer wiederholten Kla­gen über ungenügende Leistungen, die sich auf allen Seiten feiner Uebungshefte häuften, feine Eltern überzeugten, daß er nicht umsonst sagte, er würde niemals^ ein Federfuchser werden. Aber trotzdem konnte Adolf nicht vermeiden, daß er in drei Fächern, die ihn interessierten, immer der erste in der Klasse war, nämlich im Zeichnen, in Geographie und vor allem in Geschichte.

Offenbar hatte er im letzten Fach einen Lehrer mit einer einzigartigen Begabung, den Unterrichts- ftoff aus der trockenen Atmosphäre der Schulstube herauszuheben.

Geschichte war für Adolf Hitler keineswegs nur Geschichte der Vergangenheit, toter und verschwun­dener Personen und längst verflossener Geschehnisse, Geschichte war für ihn die unmittelbare Grund­lage der Gegenwart, mit lebendigen Beziehungen in die Zukunft. Der Geschichtsunterricht, den Adolf genoß, legte den Grund zu jener stetigen und weit­reichenden Entwicklung seines Geistes, welche später nicht zum wenigsten von entscheidender Bedeutung für die Weltanschauung wurde, auf der er sein neues Deutsches Reich aufgebaut hat. Er war offen­sichtlich ein sehr nachdenklicher Junge und wir fin­den an dieser Stelle seiner Entwicklung auch die Anfänge von jenem entschlossenen Nationalismus, der später unsere Nachkriegswelt so in Erstaunen versetzte.

Hitler konnte schon damals die Grenzen nicht verstehen, die rein gebietsmäßig und nicht rasse- mäßig bedingt sind, wie zum Beispiel zwischen den Deutschen Oesterreichs und denen des Reiches. Die

* Diesen Aufsatz entnehmen wir dem Buche von H. A. HeinzGermany's Hitler", dem in England erschienenen Buche über den Führer, das die Ge­nehmigung der Parteiamtlichen Prüfungskommission zum Schutze des NS.-Schrifttums besitzt. (Wicking- Verlag, Berlin \V 9.)