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fehlen. 150 solcher Fälle konnten 1935 durch das Sozialamt gelöst werden.

2000 reine Fürsorgeangelegenheiten, Darlehens- gesuche, Entschuldungsmaßnahmen, Verhandlungen mit Gläubigern, wurden in der gleichen persönlichen Weise von Fall zu Fall zufriedenstellend beendet.

All das sind Einzelfälle, bei denen weder Instan­zen, noch Gesetzesparagraphen helfen, denn hier­für konnte der Gesetzgeber keine allgemein gültigen Richtlinien aufstellen. Nur das Sozialamt kann mit Takt, Geschick und durch persönliches Eingreifen diese verborgenen Notfälle lindern oder beseitigen.

Dornotizen.

Tageskalender für Freilag.

NSG.Kraft durch Freude": Ab 20.30 Uhr allge­meine Körperschule im Lyzeum; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.15 Uhr, Schwimmen im Dolksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten, 21 bis 22 Uhr Sti-Trocken, Reitschule Schömbs. Reichsluftschutzbund, Orts- gruppe Gießen, Luftschutzrevier II: 20.30 Uhr, Appell

Seht die Stimmliste ein! Sichert euer Stimmrecht! Die Stimmigen Hegen am 21. und 22. März bei den Gemeindebehörden auf. Ohne Eintragung in die Stimmlisten kein Wahlrecht!

im Lukassaal. Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr, Lapp im Schnakenloch" undDer zerbrochene Krug". Gloria-Palast, Seltersweg:Viktoria". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Du kannst nicht treu jein". Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr, Ausstellung von Ge- mälden von Richard Geßner (Düsseldorf).

Stadttheater Gießen.

Heute von 20 Uhr bis 22.30 UhrLapp im Schnakenloch", ein Spiel von Ed. Reinacher. Spiel­leitung Wolfgang Kühne. Hieran anschließend: Der zerbrochene Krug". Lustspiel von Heinrich von Kleist. Spielleitung: der Intendant. 23. Vor­stellung im Freitag-Abonnement.

Platzkonzert des SA.-Musikzuges.

Am Sonntag, 22. März, 11 Uhr, findet Ecke Plock- straße-Fohannesstraße ein Platzkonzert des Musit- zuges der Standarte 116 statt.

Vortragsfolge:

1. Friedensmarsch a. d. OperRienzi" v. R. Wagner.

2. OuvertüreDem deutschen Volke" von C. Zimmer.

3. Königslied ausJorsolfa" von E. Grieg.

4. Große Fantasie a. d. OperDas Rheingold" von R. Wagner.

5.Vom Rhein zur Donau", Potpourri von Rothe. Au? das Konzert sei hiermit besonders hingewiesen.

Die deutsche Arbeitsfront "I n.9.=ücmcinrd)aftfiraft durch freute''

Die für Sonntag, 22. März, angesetzte Halbtags- wanderuna:Kreuz und quer durch den Hangel- ftein" mutz wegen der bevorstehenden Wahl aus­fallen.

Für Sonntag, 29. März, war eine Radwande­rung in das Blasbachtal angesetzt. Diese wird we­gen der Wahl auf Sonntag, 5. April, verschoben. Abfahrtzeiten werden noch bekanntgegeben.

21.-5. 8/36 InnlalWasserburg vom 9.17. April.

Diese Fahrt müssen wir wegen zu geringer Teil­nehmerzahl ausfallen lassen.

Wir bitten alle Volksgenossen, die ein paar schöne Osterfeiertage verleben wollen, sich umgehend auf der KreisdienststelleK. d. F.", Schanzenstrahe 18, anzumelden. Herrliche Omnibusse bringen die Ur­lauber in der Zeit vom 9. bis 13. April an den Bodensee. Der Fahrpreis beträgt einschließlich Ver­pflegung und Uebernachtung 26,50 Mark.

EportamtKrast durch Freude".

Heule folgende Kurse:

Allgemeine Körperschule, Frauen und Männer: Don 20.30 bis 21.45 Uhr,

Wahlkundgebung im Kreis Wetterau der NSDAP.

Beginn 20.30 Uhr.

Freitag, 20. März. Ellingshausen: Redner Dr. Hildebrandt. Queckborn: Redner Mack, Rieder-Kleen, kreis

Wehlar.

Münster: Redner Michel.

Staufenberg: Redner Heß.

Daubringeu: Redner Schmelz.

Treis a. d. Lda.: Redner Vieth.

Climbach: Redner Freund, Assenheim.

V i r k l a r : Redner Rebeling. Trais-Horloff: Redner Wagner. Göbelnrod: Redner Schimmel.

Samstag, 21. März.

Albach: Redner Heß.

Obbornhofen: Redner Michel.

Inheiden: Redner Vieth.

Bellersheim: Redner Freund, Assenheim. Annerod: Redner Mack, Rieder-Kleen. Oppenrod: Redner Rebeling.

Reiskirchen: Redner Wagner. Weickartshain: Redner Schimmel. Groh-Karben: Redner Ritter. Rieder-Weisel: Redner Schmelz.

Lyzeum, Dammstraße 26. Von 19.45 bis 21 Uhr, Großen-Buseck, Neue Schule.

Fröhliche Gymnastik und Spiele, Frauen: Don 20.30 bis 21.45 Uhr, Lollar, Kan­tine der Firma Buderus.

Schwimmen. Frauen und Männer: Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Volksbad; von 21.30 bis 22.15 Uhr, Volksbad.

Reiten: Don 20 bis 21 Uhr, Univerfitäts-Reit- institut, Brandplatz.

Oberst a. O. Köttschau f.

Am gestrigen Donnerstag ist in Bad-Nauheim nach kurzer, schwerer Krankheit der Kreisführer Gießen des Deutschen Reichskriegerbundes (Kyff- Häuserbund) und Bezirkssührer Bad-Nauheim Oberst a. D. Köttschau verstorben.

Oberst a. D. Köttschau war am 23. Juli 1869 in Schweidnitz geboren. Als Seconde-Leutnant ge­hörte er zunächst dem Badischen Jnf.-Rgt. Nr. 110 in Heidelberg - Mannheim an. Von dort kam er 28. Oktober 1893 als Seconde-Leutnant in das Jnf.- Rgt. Kaiser Wilhelm Nr. 116 in Gießen. Hier stand er als Brenner-Leutnant, fpöter als Hauptmann und Chef der 5. Kompanie. Don Gießen aus wurde er als Lehrer an die Kriegsschule in Glogau ver­setzt, von dort kam er als Major beim Stabe in das Jnf.-Rgt. 117 in Mainz. Im Verbände dieses Regimentes rückte er als Bataillonskommandeur bei Kriegsausbruch ins Feld. Er hat an zahlreichen Schlachten und Gefechten teilgenommen und ist mehrfach, darunter auch schwer verwundet worden. Im Verlaufe des Krieges führte er verschiedene Regimenter der Hessischen Division, u. a. das neu­aufgestellte Jnf.-Rgt. 186, mit dem er in schweren Schlachten kämpfte.

Nach dem Kriege lebte er zunächst in Mainz. Von dort verzog er nach Bad-Nauheim, wo er bis zu seinem Heimgang seinen Ruhestand verbrachte. Als alter Soldat und vorbildlicher Offizier galt alle­zeit auch nach dem aktiven Militärdienst sein gan­zes Wirken und warmherziges Interesse dem deut­schen Soldatentum. Don dieser Einstellung geleitet, war er u. a. Führer des Verbandes ehem. 116er, für den er sich in hohem Maße verdient machte, ferner seit einigen Jahren Kreisführer des Kreises Gießen des Deutschen Reichskrieaerbundes (Kyff- häuferbund) und Bezirksführer Bad-Nauheim dieses Bundes. Bei den verschiedenen 116er-Tagen und zuletzt bei dem großen Soldatentag im Jahre 1934 in Gießen trat er immer mit ganzer Kraft und mit großer, begeisternder Hingabe für die Wieder­erweckung des deutschen Soldatengeistes ein. Dem Aufbauwerk des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler fühlte er sich aufs innigste verbunden, ihm galt seine treue Gefolgschaft und eifrigste Mitarbeit.

Das Andenken an den hochverdienten alten Offi­zier wird in hohen Ehren fortleben.

DaubtIngen : vetriebsappell, 9.30 Uhr: Redner Wagner.

Staufenberg: Betriebsappell, 10.30 Uhr: Red­ner Wagner.

Propaganda-Fahrt der SA. durch den Kreis Gießen.

Am kommenden Sonntag unternimmt ein Teil der Gießener SA. auf Lastkraftwagen eine Pro- pagandafahrt durch den Kreis Gießen, um in zahl­reichen Orten in kurzen Kundgebungen mit Sprech­chören auf die überragende Bedeutung der Reichs- tagswahl am 29. März hin.zuweifen. Für den De- such der SA. ist folgender Plan vorgesehen: Gro- Hen-Buseck 8 Uhr, Reiskirchen 8,30 Uhr, Linden- struth 9 Uhr, Göbelnrod 9,30 Uhr, Grünberg 10 Uhr, Queckborn 11 Uhr, Ettingshausen 11.30 Uhr, Ober-Bessingen 12 Uhr, Nieder-Bessingen 12.30 Uhr, Nonnenroth 12.40 Uhr, Hungen 13 Uhr, Lich 13.30 Uhr, Dorf-Gill 15 Uhr, Grüningen 15.30 Uhr, Holz- heim 16 Uhr, Lang-Göns 16.30 Uhr, Allendorf (Lahn) 17.20 Uhr, Heuchelheim 18 Uhr. In den vorgenannten Orten werden sich die Angehörigen der Partei und ihrer Gliederungen, sowie alle üb­rigen Volksgenossen mit den Gießener SA.-Kame- raden vereinigen, um sich in unverbrüchlicher Ge- folgschcrftstreue zum Führer zu bekennen.

Abschlußfeier des hauswirtschafilichen Jahres 1935/36.

In der Mädchenberufsschule fand am gestrigen Donnerstagnachmittag die Abschlußprüfung Der Mädchen, die das hauswirtschaftliche Jahr beende­ten, statt. Den Mädchen war die Aufgabe gestellt, mitgebrachte Kleidungsstücke zu flicken und ein Essen zu bereiten. Um 18 Uhr fand dann die Ab­schlußfeier statt.

Die hierzu eingeladenen Hausfrauen und Mütter wurden von Frau Rektorin Weitzel empfangen und konnten dann die zubereiteten Speisen besich­tigen. Bei der Zubereitung war nicht so sehr auf kunstvoll hergerichtetes, sondern auf ein einfaches und doch nahrhaftes Essen Wert gelegt. Die Mäd­chen hatten sich mit sehr viel Geschick ihrer Auf­gabe erledigt, die Tafel nett hergerichtet und die Speisen angeordnet. Neben der warmen Küche fehlte die kalte Platte, oft sehr geschmackvoll aus­gemacht und abwechslungsreich gestaltet, nicht. An­schließend an diese Besichtigung wurden in einem weiteren Raum die Flickarbeiten von den Haus­frauen mit Kennerblick betrachtet. Vielleicht staunte manche Hausfrau selbst über die Fertigkeit, die die 15- und 16jährigen Mädchen da zustandegebracht hatten.

Von gemeinsamen Liedern umrahmt wurde dann in einem schön geschmückten Schulsaal die von Frau Rektorin Weitzel geleitete Feier begonnen. Ge­werbelehrerin Bechtolsheimer, die zuständige Fachschaftsleiterin für Haushaltslehre und Volks­wirtschaft in der NS.-Frauenschaft, unterstrich in kurzen Zügen die Bedeutung dieses Haushaltslehr­jahres. Sie wies die Hausfrauen darauf hin, daß man ja an die hier vorgezeigten Arbeiten nicht den Maßstab des Vollkommenen anlegen dürfe, sondern zu berücksichtigen habe, daß es eben Anfänge sind. Das aus der Schule gekommene Mädchen werde noch nicht immer mit vollem Bewußtsein und gan­zem Ernst so bei der Arbeit sein, aber Freude und Hingabe haben sie schon durch diese kleinen Ar­beiten bewiesen. Die mehr oder minder größere Hingabe an den Beruf der Hausfrau lasse sich auch hier übersehen. Es sei natürlich Sache der einzelnen Mädchen, daß sie auf den nun gewonnenen Erfah­rungen und Kenntnissen aufbauen und sich weiter vervollkommnen. Gerade die Vielseitigkeit des Be­rufes der Hausfrau erfordere viel Luft und Liebe, um sich dem fortschreitenden Leben anzupassen und dieses den gegebenen Verhältnissen zuzuordnen. Jedes Mädchen, das sich dem ihm nun einmal na­türlichen Beruf widme und einmal Hausfrau wer­den solle, müsse schon frühzeitig mit all den Fragen vertraut fein, die an sie als Hausfrau und Mutter herantreten. Es war darum auch Aufgabe der Prü­fung, die Mädchen solche Arbeiten ausführen zu lassen, die einmal aus den ihnen gegebenen wirt-

schastlichen Verhältnissen an sie heranAten. Cs sei die Kunst der Hausfrau, sich mit den Möglichkeiten, die ihr geringer oder reichlicher geboten sind, abzu­finden und auch aus kärglichen Mitteln das Schönste und Angenehmste zu schaffen, um das Leben so erträglich und harmonisch wie nur möglich zu ge- Italien. Die Rednerin wies auch auf die aroße Be­deutung der Hausfrau für die Volkswirtschaft hm, um einen Einblick zu geben in den Aufgabenkreis, der der Frau als Sachwalterin der wirtfchaflllchen Werte des Volkes gegeben ist.

Frau Rektorin Weitzel überreichte dann Den Prüflingen die Bescheinigungen für das hauswirt­schaftliche Jahr und bat die Hausfrauen, nach Mög­lichkeit diese Mädchen zu behalten, um damit der Sache zu dienen. Sie erläuterte nochmals die schöne Aufgabe, die den Hausfrauen durch die lieber- nähme solcher Pflichten an der kommenden Gene­ration gestellt sind und gab der Hoffnung Aus- druck, daß sich recht viele Hausfrauen finden mö­gen, die solche Mädchen anlernen. Die Auswirkun­gen solchen Dienstes am Volke kommen dann weiten Volksschichten zugute, und der Dank und der Segen erweist sich in einem glücklichen und zufriedenen Geschlecht, das hoffnungsfteudig die Zukunft ge­stalten wird.

Mit dem LiedO Deutschland hoch in Ehren fand die vom BDM. mit einigen Schargesängen feierlich ausgestaltete Feier ihren Abschluß.

Gisteier in der Feldgemarkung Gießen.

Von der Stadtverwaltung wird uns mitgeteilt: Zur Bekämpfung der Krähen und krähenähnlichen Vögel werden die Jagdpächter in der Feldgemar­kung Gießen (auf dem Feld und den Wiesen nach dem Nizza) von Mittwoch, 25. März, bis Sonntag, 29. März, Gifteier ausleaen lassen. Dor Aufnahme der Eier, etwaiger toter Krähen und vor dem Lau­fenlassen von Hunden wird gewarnt.

Einheitstarif

in der Zagdhastpflichtversicherung.

Durch das Reichsjagdgefetz vom 3. Juli 1934 ist den Jägern zur Pflicht gemacht worden, sich gegen die mit der Ausübung der Jagd verbundenen Haft­pflichtgefahren zu versichern. Seit dem Inkrafttre­ten des Gesetzes am 1. April 1935 wird der Jagd­schein nur noch erteilt, wenn der Jäger eine Be­scheinigung über eine bestehende Haftpflichtversiche­rung vorlegt.

Der Reichsjägermeister hat nunmehr in einer amtlichen Bekanntmachung bestimmt, daß nach Be­ginn des neuen Jagdjahres am 1. April 1936 Der» sicherungsbescheinigungen nur noch anerkannt wer­den, wenn die Haftpflichtversicherung zu den Prä­mien und dem Deckungsumfang eines Einheitstarifs abgeschlossen ist. Der 'Einheitstarif wurde zwischen den Haftpflichtversicherungsgesellschaften und dem Stabsamt des Reichsjägermeisters vereinbart.

Nach dem Einheitstarif werden gedeckt: Bis zu 150 000 Mark für Personenschäden und bis zu 15 000 Mark für Sachschäden. Die Jahresprämie beträgt für den Jäger mit einem Hund 12,90 Mk. Die Versicherung erstreckt sich auf das Jagdjahr, also vom 1. April 0 Uhr bis zum 31. März 24 Uhr. Für die im Laufe des Jagdjahres beantragten Ver­sicherungen wird grundsätzlich eine volle Jahres­prämie berechnet. Der Einheitstarif enthält ferner Sonderbestimmungen für Förster, Jagdaufseher usw. und über Tagesjagdscheinversicherungen.

** Obermusikmeister Krauße leitete den Großen Zapfen st reich in Frank­furt. Wie wir erfahren, stand der Große Zapfen­streich von mehreren Musikkorps der Wehrmacht an­läßlich des Besuches des Führers in Frankfurt a. M. vor dem dortigen Opernhaus unter der Leitung des Obermusikmeisters Ernst K r a u ß e vom Jnf.-Rgt. 36. Obermusikmeifter K r a u h e hatte damit zum zweiten Male die Ehre, den Großen Zapfenstreich vor dem Führer und der Reichsregierung in der früheren entmilitarisierten Zone zu leiten.

** Kirchenmusikalische Passions- vesper in der Stadtkirche. Wir machen darauf aufmerksam, daß der Abendgottesdienst am nächsten Sonntag, 22. März, um 18 Uhr, in der Stadtkirche als Kirchenmusikalische Passionsvesper ausgestaltet ist. Es werden alte Passionschoräle ge­sungen und Passionsmusik von Samuel Scheidt, Johann Sebastian und Friedemann Bach zu Gehör gebracht.

** Eine Mahnung an säumige Zahler richtet die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes. Es handelt sich um die Bezahlung der

Oie Tippgräfin.

Roman von Klothilde v. Stegmann

Urheberrechtsschutz: Aufwarts-Derlag, Berlin, SW 68.

17. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Retro Photo" stand unter den Bildern. Und plötzlich fiel Mariella ein, daß unter diesem Pseudo­nym Renate Trotha ihre Ausnahmen herausgehen ließ.

Renate Trotha! Lore! Sie hatte beiden ja ver­sprochen, sich heute zu melden. Ob sie einmal zu Renate von ihren photographischen Versuchen sprach? Vielleicht war es möglich, ihre photographi­schen Künste, die ihr in der Pension so viel Freude bereitet und so viel Freundinnen gewonnen, wieder aufzunehmen?

Vielleicht ließ sich darauf auch für eine Zukunft aufbauen?

Da kamen aus dem Hintergründe des Geschäfts Schritte auf sie zu, und gleich darauf sah sie sich einem älteren Herrn gegenüber, der ihren Paß und dasHalsband der Geronimo" in der Hand trug

Principesfa di Bonaglia?" Er sah sie fragend und prüfend zugleich an, als wolle er ihr bis auf den Grund ihrer Seele blicken.

Sie erhob sich und nickte freundlich. Es war jene herzbezwingende innere Freundlichkeit und Güte, die Mariella eigen war.

Die Auskunft, die ich über Sie bei Ihrer Bot­schaft telephonisch einholte, ist einwandfrei, Durch­laucht!" erklärte er ehrerbietig.Ich möchte Ihnen auch gern behilflich sein!" fuhr er fort und bat sie, in sein Privatbüro einzutreten.Nun, Sie werden mich begreifen kein deutscher Juwelier kann in diesen Zeiten so ohne weiteres die von Ihnen ge­forderte Summe anlegen. Weiß er denn, ob sich jemals der geeignete Käufer für ein Wertobjekt, wie es Ihr Halsband ist, findet?"

Und wenn ich mich mit etwas weniger zufrie­den gäbe? Welches Gebot können Sie mir machen?"

Nur fort von hier, dachte Mariella. Der Boden brannte ihr unter den Füßen. Wie, wenn bereits die Polizei alarmiert und auf dem Wege hierher war, um sie wegen ihrer Besitzerrechte an dem Halsband zu befragen und sofort zu verhaften?

In diesem Augenblick erschien wieder der junge Verkäufer im Rahmen der Tür derselbe, der Mariella bei ihrem Eintritt begrüßt hatte, und winkte seinem Chef zu. Sofort verneigte sich der alte Herr höflich vor der kleinen Principesfa und bat um einen Augenblick Geduld, bevor er dem Winkenden folgte.

Er ist da!" hörte sie noch. Dann verfiel sie in einen Zustand halber Besinnungslosigkeit. Jetzt war alles gleich die Polizei war ihr auf den Fersen, und Erhards und ihre gemeinsame Zukunft war vernichtet. Mochten sie kommen und sie holen; schnell, nur schnell sollte es gehen! Von Erhards Beteiligung an ihrer Tat würde sie nicht das ge­ringste zugeben aus ihr sollte keiner etwas her­ausbringen

Durchlaucht?"

Sie fuhr wie aus tiefem Traum empor und starrte fassungslos in das liebenswürdige Gesicht des Geschäftsinhabers. Verbindlich lächelnd stand er vor ihr, in der Hand eine Anzahl von Geld­scheinen, bei deren Anblick ein glückliches Leuchten in Mariellas schöne Augen trat.

Wenn Sie sich mit dreizehntausend Mark be­gnügen können, Durchlaucht, dürften Sie das Ge­schäft als abgeschlossen betrachten!" sagte der Juwe­lier und wies auf das Banknotenbündel in seiner Hand.Ich habe das Geld eben von der Bank erhalten!"

Wenn es nicht anders geht." Die Zunge ge­horchte Mariella kaum, und sie mußte sich zusam­mennehmen, um nicht in Freudentränen auszu­brechen. Als sie eine Viertelstunde später das Ge­schäft verließ, sahen ihr hinter der spitzenverhange- nen Scheibe der Ladentür der Juwelier und sein Verkäufer bewundernd nach.

Fabelhafte Rasie, diese Italienerinnen!" meinte öer junge Mann wohlgefällig, während der Aeltere nachdenklich sagte:

Schön, aber unglücklich. Muß schon viel Leid erfahren haben, diese junge Person.

14. Kapitel.

Das Verhängnis naht!

Nervös wartete Erhard schon seit Stunden auf seine Braut. Er saß in der Var des HotelsZen­trum und hatte zufälligerweise einen alten Be­kannten wiedergetroffen: den Leiter eines bekannten Spielklubs im Westen der Stadt.

Ich begreife das nicht!" sagte Scherer, ein älterer Mann mit einem unsympathischen Gesicht, in das das Leben unschöne Runen eingeprägt hatte.Sie hätten es doch leicht, aus Ihrem ganzen Elend herauszukommen!"

Erhard von Hagen lachte bitter auf:

Leicht? Ich möchte wissen, wie das heutzutage möglich ist."

3nbem Sie eine Namensheirat schließen!" sagte Scherer leichthin.Sie wissen doch, wie viele dumme Gänse ein Vermögen darum geben, einen Mann mit einem Adelsnamen zu heiraten. Tun Sie doch auch so etwas. Da bekommen Sie doch für die Her­gabe Ihres Namens und Titels eine große Summe und können sich nach der Scheidung Ihr Leben ganz nach eigener Neigung gestalten."

Erhard von Hagen sah den Sprechenden nach­denklich an. Wirklich. Scherers Vorschlag war gar nicht so töricht. Das wäre ein Ausweg! Ein Aus­weg auch für ihn? Einen Augenblick schloß er die Augen. Ein Bild stieg vor ihm auf. Aber nein, er wollte es nicht sehen, dieses Bild.

Keine schlechte Idee!" gab er zurück.Können Sie mir vielleicht genauere Vorschläge machen?"

Kann ich!" Scherer griff in die Brusttasche und suchte nach feinem Notizbuch, als plötzlich auf der Schwelle ein Page erschien und sich suchend im Raum umsah. Dann trat er mit höflicher Vernei­gung an den Tisch, riß die Mütze vom Kopfe und fragte, ob ein Graf Hagen anwesend wäre.

Bin ich selbst!"

Eine junge Dame wartet in der Halle", meldete der Page.

Ich komme schon!" Erhard stand auf, um zu zahlen. Dann verabschiedete er sich von Scherer:

Ihr Angebot hat großes Interesse für mich. Wo kann ich Sie heute noch sprechen?"

Abends im Klub, bei einem harmlosen Spiel­chen. Die Adresse wissen Sie doch noch?"

Natürlich! Großartige Idee! Ich komme. Wieder­sehen!"

Abschiednehmend schüttelten sich die beiden die Hände. Kaum hatte Hagen mit dem bescheiden im Hintergründe wartenden Pagen den Raum ver­lassen, so folgte ihm Scherer, der ein großer Damen- freund war. Es interessierte ihn ungemein, wie das weibliche Wesen aussah, das sich der Graf zweifel­los zu Mittag eingeladen hatte.

In einer entlegenen Nische der großen Hotelhalle wartete Mariella. Palmen umstanden die Klubsessel und den Tisch mit der Glasplatte und schlossen das Eckchen nach drei Seiten von allen neugierigen Blicken ab. Dort saß Mariella. Röte und Blässe Der Erregung wechselten auf ihren Wangen. Ganz tief zusammengekuschelt saß sie in einem der weichen Sessel, als wollte sie von niemandem gesehen wer­den. Unruhig und nervös klopfte ihr zierlicher Fuß in dem eleganten Halbschuh den Boden. Immer wieder sah sie dabei in ihre krokodillederne Hand­tasche, Lores Geburtstagsgeschenk, um festzustellen, ob ihr so mühsam eroberter Schatz, der Umschlag mit den dreizehn Tausendmarkscheinen, auch noch darin sei.

Da kam Hagen auf sie zu und beugte sich mit tiefer Verneigung über ihre Hand.

Viel, viel später einmal gestand sich Mariella selbst ein, daß wohl ihr guter Geist damals Scherer in ihre Nähe geschickt haben müsse. Hinter einer großen Gruppe blühender Rhododendrons verbor­gen stand er da und sah, wie das junge Mädchen dem Grafen Hagen ein weißes Kuvert aushändigte, das sie ihrer Tasche entnahm. Er riß es auf und entnahm ihm dreizehn Geldscheine.

Scherer konnte genau feststellen, daß es so viel waren. Denn Hagen zählte sie zweimal dicht unter Scherers Augen durch, und dann hörte er Hagen fragen:

Na ging der Verkauf glatt und reibungslos?" Ja!" lautete die Antwort. Weiter hörte der Hor­cher das schöne junge Mädchen noch sagen:

Es war ja für dich, Erhard! Aber nun sprich nicht mehr davon! Niemand darf wissen, durch wen du dazu gekommen bist, die Bürgschaft für Ver­dingen zu erfüllen."

Scherer glaubte nicht recht gehört zu haben. Was war das? Ein Graf von Hagen ließ sich Geld von einer Frau geben und war gleichzeitig nicht abgeneigt, eine Namensheirat mit einer anderen einzugehen? Da mußte man auf der Hut sein! Dieser Erhard von Hagen schien ein unsicherer Charakter zu sein.

Scherer verließ das Hotel. Immer noch mußte er darüber nachdenken, was es mit dieser jungen Dame, dem Geld und dem Gespräch für «fne Be­wandtnis haben mochte.

(Fortsetzung folgte