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19.9.1936
 
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Samstag, 19. September 1936

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Nr. 220 Zweites Blatt

'3 i' *r.

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wattige Zahl von Kraftfahrzeugen, die dort auf einer" ganzen Reihe von Parkplätzen aufgefahren waren, nicht minder über die tausende von Fahr­rädern, die auf den vorgesehenen Plätzen in Ob­hut standen. Und dazu die riesige Menschenmenge, die wie ein gewaltiger, unübersehbarer Ameisen­haufen von allen Seiten heranströmte, aber dank des ausgezeichneten Ordnungsdienstes der SS. und der SA.' glatt auf den verschiedenen Wegen zu den Tribünen gelenkt wurde und dort in reibungslosem Zustrom Unterkunft auf den weithin errichteten Sitzbänken der Tribünen fand. Man spürte es allenthalben, daß die Besucher mit großer Begeiste­rung und inniger Freude dem militärischen Ereig­nis, mehr aber noch dem Erscheinen des Führers entgegensahen.

Gegen 11 Uhr erlebte man den militärischen Auf­takt. Eine lange Marschgruppe mit den neuen Truppenfahnen, geleitet von einer Fahnen­kompanie, rückte unter schneidiger Militärmusik in die Mitte des Paradefeldes ein. Die Fahnen waren

dem Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Frhr, von Fritsch, dann kamen der Oberbe­fehlshaber des Gruppenkoinmandos, der Komman­dierende General des IX. Armeekorps, das Musik­korps des Infanterie-Regiments 15 und die neuen Truppenfahnen des Korps. Es folgte die Infanterie der 9. und 19. Division. Regiment auf Regiment marschierte an seinem Obersten Befehlshaber vor­bei. Auf die Zuschauer, unter denen sich besonders viel Jugend befand, machte das militärische Schau­spiel einen tiefen Eindruck. Den Schluß der In­fanterie bildeten Pioniere und Radfahrer. Im Trab kamen dann das Reiterregiment 13, die Artillerie und die Nachrichtentruppen vorbei. Es folgten die motorisierten Truppen, an ihrer Spitze ein Kraft­radschützen-Bataillon und Panzertruppen, während zum Schluß eine Fliegerstaffel über das Parade­feld brauste.

Nach dem Vorbeimarsch, der über zwei Stunden dauerte, fuhr der Führer zusammen mit dem Reichskriegsminister, Generalfeldmarschall von Blomberg, und Generaloberst Freiherr von Fritsch im Auto das Feld in langsamer Fahrt unter dem nicht endenwollenden Jubel und Heil­rufen der Menge ab. Als der Wagen das Feld ver­ließ, liefen die Massen querfeldein, um noch einmal den Führer zu sehen.

Der Führer fährt nach der Parade an den Zuschauertribünen entlang; Blick auf einen kleinen Teil der Zuschauermenge. (Aufnahmen [2]: Pfaff, Gießen.)

Blick auf einen Teil des Paradefeldes. In der Mitte: Truppenteile beim Abmarsch nach der Parade vor dem Führer, der ganz links auf dem Podium (am Rande des Bildes) steht.

Lpd. Großenenglis bei Fritzlar, 18. Sept. Kurhessen erlebte am Freitag wieder einen großen Tag. Als Abschluß der Herbstübungen des IX.Ar­me e k o r p s fand bei Großenenglis südlich Fritz­lar in Anwesenheit des Führers und Ober­sten Befehlshabers der Wehrmacht, des Reichskriegsministers, Generalfeldmarschall von Blomberg, und des Oberbefehlshabers des Heeres, Generaloberst Freiherrn von Fritsch, sowie des Generals der Flieger Milch die feier­liche Uebergabe der neuen, vom Führer verliehenen Truppenfahnen an die Truppenteile des IX. Ar­meekorps statt. Anschließend nahm der Führer die Parade über die Truppen des IX. Armeekorps ab.

Das große Paradefeld war von Zehntausenden von Zuschauern dicht umsäumt. Auf der Ehrentri­büne sah man u. a. den Gauleiter des Gaues Kur­hessen, Staatsrat W e i n r i ch , den Oberpräsidenten Prinz Philipp von Hessen, zahlreiche Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, so­wie des Staates und der Behörden.

Oie Ankunst des Führers.

Gegen 11 Uhr traf der Führer mit dem Reichskriegsmini st er und seiner Beglei­tung auf dem Bahnhof Zennern ein. Eine Ab­ordnung erwies die militärischen Ehrenbezeugungen. Nach der Meldung des Leiters der Absperrung, SS.-Obergruppenführer Erbprinz zu Wal­deck, begab sich der Führer im Kraftwagen durch ein Spalier der SS. - Verfügungstruppe Arolsen und der SA. zum Paradefeld. Auf seiner Fahrt wurde er überall von der Bevölkerung herz­lichst begrüßt.

Als der Führer mit seiner Begleitung auf dem Paradefeld eintraf, wollte der Jubel der Zehn­tausende nicht abreißen. Reichskriegsminister Gene­ralfeldmarschall von Blomberg, der Ober­befehlshaber des Heeres, Generaloberst Freiherr von Fritsch, der Oberbefehlshaber des Gruppen­kommandos II, General der Artillerie Ritter von L e e b , und der Kommandierende General des IX. Armeekorps, General der Artillerie Doll- mann, erwarteten den Führer vor der Fahnen­gruppe, die auf dem Paradefeld aufmarschiert war.

Feldparade vor dem Führer! Das war ein großes Erleben, bei dem die Herzen der Zu­schauer höher schlugen. Zehntausende Männer und Frauen hatten sich am gestrigen Freitagmorgen auf dem Paradefeld bei Großenenglis, in der Nähe von Fritzlar, eingefunden, um Zeuge dieses unver­geßlichen Ereignisses zu sein. Von Gießen waren ebenfalls etliche hundert Volksgenossen gekommen. Wir sehen u. a. den Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger mit Mitgliedern unserer Gauleitung, SA-Gruppenführer B e ck e r l e, Kreisdirektor Dr. Lotz und Oberbürgermeister Ritter von Gießen. Auf den Anfahrtsstraßen herrschte Großbetrieb. Die Hauptstraße über Marburg war natürlich am stärk­ten von Kraftfahrzeugen aller Art und von Rad- ahrern bevölkert, aber auch die Straße über Als- eld, Ziegenhaich Homberg a. d. Efze wies einen Kraftfahroerkehr auf, wie er dort sicherlich ab­gesehen von den jetzigen Hebungen der Wehrmacht seit Jahren nicht'festzustellen war. Bon Hom­berg ab fuhr man gewissermaßen in einer ununter­brochenen Kette von Kraftwagen. Dicht bei dem Paradefeld mußte man erneut staunen über die ge-

Die Äuppenschau-ein großes Erlebnis «Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.)

soldatischem Geist erfüllte. Wenn die Armee heute diesen Fahnen und Standarten Treue gelobe bis zum letzten Atemzuge, dann schwöre sie auch Treue dem Mann, der die Ketten von Versailles zerbrochen habe.

Die Armee gelobt Ihnen, mein Führer, Treue, heute und immerdar, im Leben und im Sterben. Die Ansprache klang in einem Sieg-Heil auf den

Führer aus. Die Musik fiel mit dem Deutschland- Lied und Horst-Wessel-Lied ein, in das die Zehn- tausende spontan einstimmten.

Oer Borbeimarsch.

Unmittelbar nach der Fahnenübergabe begann der Vorbeimarsch unter den Klängen des Fridericus Rex". Die Parade wurde angeführt von

Die Fahnenkompanie präfentierte, die Musik spielte den Präsentiermarsch. Der Kommandierende Gene­ral des IX. Armeekorps meldete dem Führer die Aufstellung. Der Führer schritt unter dem Jubel der Massen die Front ab und begab sich dann auf das für ihn errichtete Podium vor der Haupttribüne.

Oer Führer spricht.

Der Führer übergab dann die Fahnen mit einer Ansprache an die Truppen, in der er an die alte deutsche Armee als die stolzeste aller Zeiten er­innerte und den Soldaten der neuen Armee die Worte zurief:

Ihr werdet zu diesen Fahnen stehen in guten und schlechten Tagen! Ihr werdet sie nie ver­lassen und sie in euren Fäusten tragen vor der wieder groß gewordenen Ration! Sie blickt auf euch im höchsten Stolz und in blindem Ver­trauen. Erweist euch dieses Vertrauens würdig und stellt euer ganzes Denken und handeln immer unter den Begriff: Deutschland, unser deutsches Volk und unser Deutsches Reich!

Oie Fahnenübergave.

In Begleitung des Reichskriegsministers, des Oberbefehlshabers des Heeres, des Oberbefehls­habers des Gruppenkommandos und des Kom­mandierenden Generals begab sich der Führer dar­auf an den rechten Flügel der Fahnenaufstellung und übergab jedem einzelnen Bataillonskomman­deur mit Handschlag seine Fahne. Der Badenweiler Marsch und ein Ehrensalut begleiteten die Fahnen­übergabe.

Oer Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Freiherr von Fritsch

dankte darauf in einer Ansprache dem Führer für die neuen Fahnen. Die Armee sei stolz und glück­lich, so führte er u. a. aus, sie aus den Händen des Mannes empfangen zu haben, der Deutsch- land vor dem Verderben errettete, der ganz Deutschland mit nationalsozialistischem und

Die Parade des IX. Armeekorps vor dem Führer Oer Führer übergibt den Truppen die neuen Fahnen. Oie Armee getobt Treue im Leben und im Sterben.

O»e ital»enische Frau.

Don Anita Eberlein, Mm.

Je mehr reisende Füllfederhalter sich bemühen, im Zuge einer neuen Weltanschauung auch die ita­lienische Frau zu erfassen und nach einem bestimm­ten System zu schildern, je mehr ste beschrieben wird, um so verschwommener muß das Bild dem nachdenklichen Leser, um so . unwahrer dem wirk­lichen Kenner Italiens erscheinen. Merkwürdig, aus allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft ruckt man dem Kitsch zu Leibe, murkst ihn unerbittlich ab oder stellt ihn mindestens an den Pranger, in der Reiseliteratur aber darf seine übelste Sorte, der Kitsch der Oberflächlichkeit, Setzkasten und Setz­maschinen beherrschen.

Das System ist dabei immer das gleiche.. Je nachdem, ob die faschistische oder soziale, die künst­lerische ober häusliche italienische Frau gebraucht wird, dieDame", die Mutter, die Sportstudentin, das Jungmädel, der Typ wird gesunden und auf- aespieht wie der Schmetterling im Kasten. Man nehme den Eorso in Rom oder den Markusplatz in Venedig, werfe einen Blick in den Salon, je zwei in Haus und Tanzbar, tue einen Schuß Sta­dion daran und würze das Ganze mit Zeltschrift- extrakt nach Belieben fertig ist das gewünschte

Zwanzig Stichproben an Ort und Stelle, bei Land und Leuten, zu Hause dann in aller Ruhe zu einem gehörig durchgekneteten Brei angeruhrt und im Backofen des Verlegers hübsch bmden lassen: ein Buch. Mir liegt gerade em solches Pracht­exemplar vor, das auch in Italien nach Gebühr gelobt wurde, soweit es eben Italien lobt, von der italienischen Frau aber mit -m-m herrlich einfachen Lächeln aus die Seite geschober- wird. Es schildert diele Frau so wie sie dem Oberslachenreisenden scheinen kaum das heißt in Wirklichkeit ,°. wie sie nicht ist und niemals gewesen ist.

Da hat ein Bildberichterstatter einmal einen Schnappschuß bei irgendeiner Turnere, oder gymna- ,tischen Uebung, wie man setzt lieber sagt, ange- bracht, in Reih und Glied steht d,e Blute des weib­lichen Fascick da - und schon wimmelt das ganze Land von militärisch gedrillten Faschistinnen we­nigstens nach dem beigegebenem Text. Mit dem- lelben Recht konnte ich in Moulin Rouge die m Reih und Glied dastehenden oder tanzenden Tiller- girls knipsen und hinzusügen: die neue Jugend Frankreichs!

Warum? Weil die Frau fehlt. Wenn südlich von Florenz ein Mädel radfährt, wird es angeftaunt wie ein Meerwunder, noch weiterhinunter" würde die Sache als anstößig überhaupt nicht geduldet. In Sizilien gar herrscht noch die Allmacht der Sippe, der Mann heiratet die Ueberwachung sämt­licher Brüder und Onkel mit, ein Mädchen darf niemals allein ausgehen.

Der Corso in ganz Italien heißt stets Umberto ober Vittorio Emanuele ober Garibalbi, die Es­pressomaschinen sind dieselben in Palermo und Bo­logna und Turin, das Gebäck ist überall das gleiche, die Zeitungen kosten durch die Bank 20 Centesimi (knapp 4 Pfennig) und ähneln sich wie ein Ei dem andern, die Frauen sind sämtlich auf dieselbe Weise geschminkt und gepudert. Nichts ist da anders geworden. Und zu Hause? Die Frau als Mutter. Das war gestern so und wird selbst morgen noch so sein.

Als Geliebte, als Gefährtin und Gattin wird die Frau mehr oder minder geschätzt, nur als Mut­ter hochgeachtet. Das weiß sie und danach richtet sie sich, ämvornehmen" Hause wie im Stall. Von der Politik, von der Teilnahme an der Herrschaft außerhalb der Familie in jeder Form ausgeschlos­sen, bezeigt sie nur Sinn für ihre Kinder und die Gelassenheit oder Resignation, mit der sie scheinbar den Mann seine Wege gehn läßt, auch wenn sie sich von der strengeren Auffassung des Nordens ent­fernen, wird oft mit Stumpfheit, mindestens Gleich­gültigkeit verwechselt. Wunderschön als Mädchen, wird sie bald dick und lässig das ist die Durch- schni^smeinung über die italienische Frau, und um die Wahrheit zu sagen, sie trifft gewöhnlich mehr zu als die geistreichen Entdeckungen, wie sie gegen­wärtig beliebt sind. Aber dafür hat dieses Weib, wenn" man es schon so biologisch betrachten will, die Tugenden der unbegrenzten Hingabe an das Vater­land, des kritiklosen, schweigenden Opferwillens, wie man ihn bei der Hingabe der Trauringe wäh­rend des Sanktionenkrieges so ergreifend erlebte, den Instinkt für einen Familienzusammenhalt, wie er nördlich der Alpen nur selten angetroffen wird.

Die Familie ist die stärkste Festung des italieni­schen Volkes, an ihr hat es einen jederzeit sicheren Rückhalt, es mag kommen, was da will. Kein Bru­der würde jemals den Bruder untergehen lassen, Eltern, Geschwister und Verwandte stehen einmütig zusammen, wenn ein Familienmitglied in Not ge­rät; mit derselben Selbstverständlichkeit unterstützt aber auch der einzelne oft eine ganze Blutsgemein­schaft. Das ist das Verdienst der mütterlichen ita­lienischen Frau.

Wie ist die Wirklichkeit? Im Grunde genommen hat sich an dem Bild der italienischen Frau, wie es uns seit Jahrhunderten überliefert ist, herzlich wenig geändert. Die'nächste Generation wird einen Wandel erleben, das ist sicher, wir stehen mit der Umwertung aller Werte erst am Anfang: bei den Kindern. Die sind anders als die von gestern, so weit sie der Faschismus unter die Rute genommen hat, und erfaßte er bisher nur einen Bruchteil der weiblichen Jugend, so sorgt doch die nach fa­schistischen Grundsätzen arbeitende Schule dafür, daß auch der Rest des neuen Geistes teilhaftig wird.

Bei dem nicht mehr schulpflichtigen jungen Mäd­chen überwiegt bereits das Hergebrachte, die Frau von 25 Jahren ab kann sich überhaupt nicht mehr umstellen", denn sie zählt längst zum Stamme der Mütter. Noch immer ist es nämlich so und wird vermutlich noch lange so bleiben, daß unter der harten südlichen Sonne alles schnell verblüht und reift, daran kann und will auch der Faschismus nichts ändern. Sowie das junge Mädchen die Schwelle des Schulhauses zum letztenmal überschrit­ten hat, ist es mannbar; den Backfisch, dieses schönste aller Zeitalter, kennt der Süden nicht. Daraus ergibt sich mit naturgemäßer Logik, daß der Typ der Sportstudentin oder Jugendführerin, wie wir ihm allerorten begegnen, in Italien und ebenso in Spanien, Griechenland, der Türkei usw. eine Ausnahme bleiben muß. Das Mädchen strebt entsprechend seiner kurzen Blütezeit nach einer frühen Mutterschaft und es hieße sich an der kern­gesunden italienischen Natur versündigen, der art- gemäßen Entwicklung eine anders gerichtete Uni­formierung anzubefehlen. Mit sicherem Instinkt lehnt die italienische Frau im Einklang mit der Partei alles ab, was ihrem obersten Beruf, der Mutterschaft, schädlich sein könnte. Nichts von Bi- zepsprotzerei und Rekordraserei, keine Gewalt­märsche, keine Todesbataillone! In schroffem Gegen­satz zur militarisierten Russin wird die Faschistin nicht mit her Waffe ausgebildet. Die nue Italienerin soll dem Manne als Gefährtin zur Seite stehen, gewiß, aber auch in Kriegszeiten nur insoweit, als es sich mit ihrer Aufgabe, den Gral zu hüten, die Zukunft zu sichern, verträgt. Und einzig und allein an diese Aufgabe wird gedacht, wenn nun auch die Leibes­pflege durch Sport in Mode kommt, oder sagen wir besser: gelehrt und empfohlen wird.

In der tagsüber wimmelnden Hauptstadt Nom sieht es um 9 Uhr abends ungefähr so aus wie in Regensburg ober Bamberg, es gibt feine Tanzdie­len und Vergnügungsstätten, wie sie den Stolz und Anziehungspunkt so vieler Metropolen bilden.

Von der deutschen Frau pflegen sich die Romanen eine recht einfach?, aufdie drei großen K" ge­stützte Vorstellung zu machen: Küche, Kirche, Kin­der. Wie sich das verändert hat, wenn es jemals so gewesen sein sollte, wissen wir; streicht man die Küche, so hat man schon eher die Komponenten der romanischen Frau beisammen. Die italienische zumal, so gerne sie sich elegant für den Ausgang herrichtet, ist zu Hause von einer für unsere Be­griffe unsagbaren Bedürfnislosigkeit und Anspruchs­losigkeit die Erklärung für das Rätsel, daß eine große Beamtenfamilie mit einem winzigen Gehalt auskommen kann. Aber das wäre ein Kapitel für sich-

Noch eine Schlußwort zum berühmt-berüchtigten Dolcefarniente. Wer den Italiener für faul hält (schon Goethe ließ sich in Neapel eines Besseren belehren), der hat noch nicht unter Arbeitern und Bauern gelebt, und die Lebensgefährtinnen solcher Leute sind doch auch Frauen, sozusagen. Diese Frauen aber arbeiten in der Regel wie ßafttiere, haben einen Haufen Kinder und murren nicht. Hut ab vor dieser italienischen Frau!

Hochschulnachrichten.

Der Nobelpreisträger für Physik, Professor Dr. Erwin Schrödinger, der früher in Jena, Stutt­gart, Breslau und Zürich, ferner als Nachfolger von Geh. Rat Planck in Berlin lehrte und 1933 einem Ruf als Gastprofessor nach Oxford folgte, hat jetzt eine Berufung an die Universität Graz angenom­men und wird dort zu Beginn des Wintersemesters seine Tätigkeit aufnehmen.

Der bekannte Germanist Geh. Rat Professor D. Dr. Konrad Burdach ist im 78. Lebensjahre in Berlin g e ft o r b e n. Burdach, der zunächst an her Universität Halle lehrte und 1902 von der Preu­ßischen Akademie der Wissenschaften in Berlin an die Stelle eines freien Akademikers ohne Lehramt berufen wurde, hat sich durch zahlreiche Arbeiten in der germanistischen Wissenschaft einen geschälten Namen gemacht; wir nennen sein großes Werk Vom Mittelalter ziir Reformation", ferner feine Arbeiten über den Minnesang, über die Renaissance, über den West-östlichen Diwan, über die Studen'en- spräche und über denAckersmann aus Böhmen".

Die Dozentur des Dr.-Jng. Dr. med. Wilhelm D i r» fcherl für das Fach der physiologischen Chemie ist von der Universität H e i b e l b e r g in die Medizi­nische Fakultät der Universität Frankfurt ver­legt worden.