Ausgabe 
19.8.1936
 
Einzelbild herunterladen

Hr.193 Erstes Blatt

86. Jahrgang

Mittwoch. ly.August 1936

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild - Die Scholle

Monatr-Bezugrprelr:

Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Hernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Gießen

Postscheckkonto:

Zranlfurt am Main 11686

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

Druck und Verlag: vrühl'sche Uuiverfitäts-Vuch- und Lterndruckerei R. Lange in Sietzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Lchulstrahe 7

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Vormittags

Grundpreise für \ mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps.. für Text« anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25O/o mehr.

Ermäßigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Deutschland und der Neutralitätsvorschlag.

Beitritt von bestimmten Voraussetzungen abhängig gemacht.

Berlin, 18. Aug. (DBB.) Wie wir von zu­ständiger Seite erfahren, hat die französische Re­gierung gestern der deutschen Regierung von einer französisch-englischen Verein­barung über die Haltung gegenüber den Vor­gängen in Spanien Kenntnis gegeben. Danach werden die beiden Regierungen die Ausfuhr von Waffen, Munition und Kriegsgerät sowie von Luftfahrzeugen und Kriegsschiffen nach Spanien, den spanischen Besitzungen und der spanischen Zone in Marokko verbieten, sobald auch die italienische, die sowjetrussische, die portugiesische und die deutsche Regierung dieser Vereinbarung zugestimmt haben werden. Die deutsche Regierung hat der französischen Regierung geantwortet, dah sie auch ihrerseits bereit ist, ein gleiches Verbot zu erlassen unter der Voraussetzung, dah

1. das von der spanischen Regierung noch i n Madrid festgehaltene deutsche Transport­flugzeug freigegeben und

2. alle Staaten, welche Industrien zur Herstel­lung von Kriegsmaterial und Flugzeugen in nennenswertem Umfange besitzen, s i ch in gleicher Weise binden, und dah insbe­sondere die Lieferung durch private Firmen ober Personen durch das Embargo mit ersaht wird.

Auherdem hat die deutsche Regierung zum Aus­druck gebracht, dah es dringend erwünscht wäre, wenn die beteiligten Regierungen ihre Maßnahmen auf die Verhinderung der Ausreise von freiwilligen Teilnehmern an den K ä m pf e n in den in Rede stehenden Gebieten ausdehnen würden.

*

Wenn in irgendeinem Volke gegensätzliche poli­tische Mächte und Weltanschauungen miteinander ringen, dann wird es niemals ausbleiben können, dah die Bevölkerung in anderen Ländern mit ihrer Sympathie auf Seiten der einen oder anderen Par­tei steht. Politische und wirtschaftliche Vorteile, aber auch Ueberzeugungsgründe neben rein stimmungs- und gefühlsmähiaen Momenten ohne kalkulierende Berechnung sind dabei oft im Spiel. Dah beispiels­weise das europäische Bürgertum während der rus­sischen Revolution keine Begeisterung für die Roten aufbrachte, daß Demokraten in England oder Frankreich nur mit Mißvergnügen die Revolutionen des Faschismus und des Nationalsozialismus beob­achteten, ist an sich ebenso natürlich wie das Inter­esse, das man in allen Ländern Europas den Fron­ten im spanischen Bürgerkrieg entgegenbringt. Wer kann es den französischen Volksfrontanhangern Der­benfen, daß sie mit ihren Genossen in Spanien gegen die jahrhundertelange Bedrückung durch Adel und Geistlichkeit protestieren, wer kann es uns Deutschen verdenken, daß mir die Mordtaten des Bolschewismus in Spanien verabscheuen? Das find menschliche Regungen, die sich gar nicht unter­drücken lassen.

Aber so wenig wie wir uns im Privatleben in ben ehelichen Streit einer Nachbarfamilie einmischen würden, so sehr verbieten uns auch die Gesetze des Anstandes und der Gesellschaftsordnung, die inne­ren Auseinandersetzungen fremder Nationen irgend­wie beeinflussen zu wollen. Es ist deshalb ein allgemein anerkannter Grundsatz der internatio­nalen Politik geworden, daß jeder Staat seine volle Neutralität bewahrt, falls in einem .anderen Staat innere Umwälzungen, Revolutionen und Bürgerkriege stattfinden. Diese Regel wurde .erstmalig durch die Sowjetunion, die ja auch als Staatswesen auf dem Gedanken der proletari­schen Weltrevolution aufgebaut ist, ganz bewußt 'durchbrochen. Ebenso wie der Bolschewismus die 'Einheit des Familienlebens in Rußland zerstörte, untergrub er auch die bestehenden Ordnungen im .Zusammenleben der Völker. Ueberaü, wo in den letzten Jahren Brände ausbrachen auf der Erde, hatte Moskau feine Hand im Spiele. So auch in Spanien.

Die dortigen Regierungen gerieten immer mehr in das Fahrwasser des Linksradikalismus, und der Kommunismus nützte die Gelegenheit aus, um «durch Propaganda und Förderung des bewaffneten Umsturzes die Errichtung einer späteren Rate- Diktatur auf der Iberischen Halbinsel vorzuberei- iten. Als diese Gefahr immer größer wurde, en^ jfchlossen sich die Generale der spanischen Arme^ durch Den überraschenden Einsatz ihrer Militärmacht die­sem Treiben ein Ende zu bereiten und m Madrid Wieder ein nationales Regime einzusetzen, öo ent» fftand der Bürgerkrieg. . , x.

In diesem Augenblick aber zeigte es sich, daß Die sowjetrussische Auffassung von den Nichtemmi- sschungsregeln auch in anderen Landern fschon Schule gemacht hatte. Von Fr an f r e i ch aus begann sofort eine lebhafte Unterftuöung 'der spanischen Marxisten. Es wurden Mass e n mnö Flugzeuge über die Grenze geschickt, es rwurden Geldsammlungen veranstaltet, fr e i- imiUige Formationen gebildet und Expe­ditionen ausgerüstet, die der Madrider Linksregle- irung zur Hilfe eilen sollten. Tagelang sah die fran­zösische Regierung untätig diesem Vorgehen zu, dis jschließlich der französische Außenminister D e l d o s runter dem Druck der internationalen öffentlichen Meinung den Kabinettsbeschluß durchsetzte, wonach Die wichtigsten europäischen Mächte aufgefordert werden sollten, zusammen mit Frankreich einen

Neutralitätsvertrag m der spanischen Frage zu schließen.

Mit diesem Schritt hatten die besonnenen Ele­mente in der französischen Regierung zwar die Oberhand gewonnen und es wurde auch erreicht, daß Frankreich sich wenigstens äußerlich von dem Vorwurf reinigen konnte, es habe absichtlich seine Neutralitätspflichten verletzt, aber tatsächlich erfuhr die französische Unterstützung der spanischen Mar­xisten kaum eine Unterbrechung. Es flogen auch weiterhin Kriegsmaschinen nach Spanien, es reisten bedeutende Persönlichkeiten aus dem Volks­front-Lager nach Madrid, um die Marxisten in ihrem Widerstand zu ermutigen, und es äußerte erst jüngst der französische Innenminister in öffent­licher Versammlung den Wunsch, daß die Roten in Spanien Den Sieg Daoontragen möchten.

Im Gegensatz zu Der zweiDeutigen Haltung Frank­reichs gegenüber Den Vorgängen in Spanien hat d i e Reichsregierung von vornherein Das Gebot ft r i cf t e ft e r Neutralität b e - o b a ch t e t und durchgeführt. Der Führer und Reichskanzler hat in feinen Reden wiederholt er­klärt, daß es der erste und wichtigste Grundsatz der nationalsozialistischen Außenpolitik sei, mit jedem Volke in Friede und Freundschaft leben zu wol­len, ganz gleich, wie seine politische und staatliche Verfassung sei, daß es das nationalsozialistische Deutschland grundsätzlich ablehne, für seine eigenen politischen Ideen irgendwie im Auslande Propa­

ganda zu machen oder entsprechende politische Be­wegungen in anderen Ländern zu unterstützen. Im spanischen Fall hat sich die deutsche Regierung des­halb daraus beschränkt, die Volksgenossen aus den gefährdeten Gebieten zu ret- t e n und zu diesem Zwecke einige Kriegsschiffe an die spanischen Küsten zu senden. Darüber hinaus aber hat sie es nicht geduldet, daß den beiden spa­nischen Parteien irgendwelche moralische oder ma­terielle Unterstützung von deutscher Seite zuteil wurde.

Es lag also für Deutschland kein Grund vor, der schon bestehenden französisch-englischen Neutralitäts- Vereinbarung nicht zuzustimmen, es mußte aber andererseits auch die Gewähr gegeben fein, daß diese Neutralitäts-Vereinbarung ihren Zweck auch wirklicherreichte. Das französische Bei­spiel hat ja gezeigt, daß eine offizielle Nichtein­mischungserklärung ohne den geringsten Wert ist, wenn es privaten Firmen und Persönlichkeiten erlaubt wird, Waffen und sonstiges Kriegsmaterial nach Spanien zu liefern. Die Voraussetzungen, unter denen die deutsche Regierung ihre Bereit­schaft zu einem allgemeinen Waffenausfuhrverbot nach Pariser und Londoner Muster erklärt hat, waren also gegeben, die deutschen Vorbehalte im höchsten Maße berechtigt. Deutschland erstrebt eine absolute und vollständige Neutralität, aber nicht eine scheinbare, wie sie in gewissen anderen Staaten be­liebt wird.

Das nächste Wort hat Rom?

Befriedigung in London.

London, 19. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die deutsche Antwort auf die französischen Nichtein- mischungsvorschläge ist in London mit offen­kundiger Befriedigung ausgenom­men worden.Morning Post" schreibt, daß die deutsche Antwort trotz gewisser Vorbehalte in Lon­don als ein wertvoller Schritt zur Erzielung einer allgemeinen Vereinbarung angesehen werde. Ita­lien sei jetzt das einzige Land, das noch Schwie­rigkeiten mache, aber es sei Hoffnung vorhanden, diese zu überwinden. Der italienische Außenmini­ster habe in seiner Unterredung mit dem britischen Geschäftsträger ein Zugeständnis in der Frage der Pressepropaganda gemacht. Er habe jedoch gleichzeitig die Bedeutung der Unter ft ü£un = gen erneut hervorgehoben. Die Franzosen hätten sich ihrerseits bereit erklärt, die offene Rekrutierung von Freiwilligen für die spanischen Marxisten zu unterdrücken.

Daily Telegraph" bezeichnet die deutsche Antwort als förderlich. Die deutschen Anregungen beabsichtig­ten, den geplanten Pakt tatsächlich wirksam zu machen. Der deutsche Vorschlag, daß die Verpflich­tung, keine der spanischen Parteien mit Kriegsmate­rial zu beliefern, auf alle Staaten mit Rüstungsindustrien und alle privaten Waffenfirmen ausgedehnt werden solle, sei angesichts dessen, was sich im Chaco-Krieg er­eignet, keineswegs überflüssig. Der zweite deutsche Vorschlag, daß sich die Neutralität nicht nur auf Waffenlieferungen, sondern auch auf die Stellung von Freiwilligen beziehen müsse, wird von dem Blatt ebenfalls be­

grüßt. In derTimes" wird die deutsche Antwort ebenfalls als ein Schritt vorwärts bezeichnet. Die deutsche Anregung, den geplanten Nichteinmi­schungspakt auf alle Staaten mit Rüstungsindustrien und auf private Waffenfirmen auszudehnen, fei durchaus vernünftig. Das nächste Wort in der Angelegenheit habe jetzt Rom. Die völlig auf Seiten der spanischen Marxisten stehenden Opposi­tionsblätter bemühen sich an Hand fadenscheiniger Behauptungen die Lauterkeit der deutschen Antwort zu verdächtigen.

Die französische Neutralität Kundgebungen französischer Marxisten.

Paris, 19. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Ge­neralsekretär des marxistischen Gewerkschaftsver- bandes Iouhaux, der am Montag aus Madrid zurückgekehrt ist, sprach mit einem Vertreter der Agentur Havas über die Lage in Spanien.Für die Arbeiter in Spanien", so erklärte er,u n d für uns (!) gibt es keine andere Frage als die des Sieges der Republik über d i e Auf­ständischen." Weiter behauptete er noch, daß die Madrider Regierung vom internationalen Ge­sichtspunkt aus das Recht habe, Unterstützung zu verlangen. DieHumanitä" und derPvpulaire" veröffentlichen einen Aufruf des sozialistischen und kommunistischen Koordinationsausschusses, in dem bekanntgegeben wird, daß der Ausschuß sich besonders mit den Möglichkeiten einer effekti­ven Unterstützung der spanischen Re­publikaner befaßt habe. Der Bestand der spa­nischen Republik bedeute einen wesentlichen Be­standteil Der französischen Republik.

Dor dem letzten Angriff ans San Sebastian.

London, 19. Aug. (DNB. Funkspruch.) Heber den Angriff der Nationalisten auf die nordspani­schen Städte San Sebastian und I r u n liegen hier zahlreiche Berichte vor. Die nationalistischen Truppen führten am Dienstag wiederholt Vorstöße gegen die Stellungen der Roten Miliz, die kaum 200 Meter vor der Frontlinie der Angreifer ent­fernt liegen. Die nationalistischen Kriegsschiffe A l m i r a n t e Cervera" undE s p a n a" be­legten San Sebastian und Jrun während des gan­zen Tages mit schwerem Granatfeuer, das beträchtlichen Schaden anrichtete. Das den Zugang zu Jrun bewachende Fort Guadalupe wurde von 50 Granaten getroffen. In San Sebastian selbst fielen zahlreiche Granaten in die Straßen, davon viele in Die Nähe Des französischen Konsulats. Durch Das Feuer sollen in San Seba­stian bisher 50 Personen getötet und etwa 100 verwundet worden sein. Pariser Blätter melden am Mittwochmorgen Den Untergang Des Kreuzers Der Nationalisten2£l m i r a n t e Cervera". Der am Dienstag San Sebastian be­schossen habe. Das Schiff habe von einem Der kleinen Forts einen schweren Treffer erhalten. Mehrere Zeugen in San Sebastian hätten einige Minuten später Das Schiss in Den Tiefen verschwin­den sehen. Nach einer amtlichen Meldung aus Dem Hauptquartier Der Militärgruppe in Burgos ist Das Dorf Andoain von Den Nationa­listen eingenommen worden. Andoain ist etwa 14 Kilometer von San Sebastian und 7 Kilo­meter von der großen Verbindungsstraße zwischen San Sebastian und Bilbao entfernt. Damit befindet sich diese Straße nunmehr unter dem Artilleriefeuer der Militärgruppe.

Der marxistische Kriegskommandant von San Sebastian hat am Dienstagabend bekanntgegeben, daß mehrere der in Den Kasematten von San

Sebastian festgehaltenen vornehmen Geiseln, darunter auch Der frühere Ministerpräsident Graf Romanones, erschossen werden würden, wenn die nationalistischen Kriegsschiffe die Bom­bardierung von San Sebastian und Bilbao fort­setzten. Nach anderen Berichten soll der kommu­nistische Mob in San Sebastian versucht haben, das Gefängnis, in dem sich 1500 politische Gefangene befinden, zu stürmen. Diese Absicht sei jedoch dadurch verhindert worden, daß der Gouverneur Truppen zum Schutz der Gefangenen absandte.

Die Ntfrönoliffen nur noch 26 Kilometer vor Maga.

Rote Schreckensherrschaft in der Stadt.

London, 19. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie Daily Telegraph" aus Gibraltar meldet, hat der Vormarsch der nationalen Streit­kräfte gegen Malaga weitere Fortschritte gemacht. Die von General Darela befehligte Hee­ressäule, Die vor einigen Tagen Antequera einge­nommen hak, befindet sich nur noch 26 Kilo­meter von der Stadt entfernt. Eine an­dere Abteilung unter dem Befehl des Generals Ca- ftejon ist im Begriff, von der zwischen Antequera und Granada gelegenen Stadt Loja südwärts nach Malaga vorzustoßen. Die marxistischen Behörden in Malaga haben alle waffenfähigen Männer mobili­siert, Ausländer befinden sich nicht mehr in der Stadt.

Wie der Sender von Dillagarcia mitteilt, berichten Flüchtlinge aus Malaga erschütternde Einzelheiten von der in der Stadt wütenden roten Schreckensherrschaft. Sämtliche Kirchen und

Klöster seien in Brand ge st eckt worden. Zahl­reiche Priester und Klosterschwestern seien nie- dergemacht worden. Das gleiche Schicksal habe die Familie des Grafen Isidro ereilt, die man in aller Öffentlichkeit hingerichtet habe. Der Sender von Sevilla teilt mit, daß die Familie des Generals Quei p o d e Llano wohlbehalten in Sevilla eingetroffen fei.

Die Nationalisten im Besitz von Cartagena.

Wichtigster Flottenstützpunkt Spaniens.

Paris, 19. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie Ha- dos meldet, ist Don Benito (westlich oon Me­rida an der Badajozfront) oon den nationalistischen Truppen besetzt worden. Don Benito ist ein wich­tiger Flugzeug st ützpunkt. Die nationalisti­schen Truppen hätten zwar keine Flugzeuge der Madrider Regierung mehr oorgefunden, aber eine große Menge Material. Die Pariser Blätter weisen weiter darauf hin, daß Cartagena militärisch einen besonderen Wert habe. Cartagena, Ferrol und Cadiz seien die drei einzigen Flott en« stützpunkte Spaniens. Alle drei seien nun in den Händen der N a t i o n a l i st e n. Außerdem aber liege Cartagena nur 50 Kilometer oon Murcia und 100 Kilometer oon Alicante entfernt. Es sei oon hohen Bergen und starken Küstenforts umge­ben. Die Hauptwerft der spanischen Kriegs­marine sei der Madrider Regierung damit Der» loren gegangen. Die Madrid treugebliebenen Kriegsschiffe könnten jetzt im Falle einer Beschä- diguna in Cartagena nicht mehr ausgebessert wer­den. Außerdem lägen in Cartagena die größ­ten Puloerfabriken und nur 3 Kilometer entfernt das Städtchen La Union mit den bekannten Bleibergwerken. In etwa gleicher Entfernung liege der einzige spanische Wasserflugzeug­stützpunkt Los Alcazares. Die strategische Be­deutung Cartagenas für die Nationalisten fei also außerordentlich groß. Obwohl bisher noch keine Einzelheiten über die Ereignisse des Dienstag be­kannt seien, so wiesen die Nachrichten aus Madrid bereits darauf hin, daß man die Lage zwischen Alicante und Almeria Dort für gefährlich halte.

3m eroberten Badajoz.

Badajoz, 19. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Grenzstadt Badajoz, eine der oon den Kommunisten am schlimmsten heimgesuchten Städte Südspaniens, die seit dem Anfang des Bürgerkrieges unter mar­xistischer Herrschaft gestanden hat, gleicht jetzt einem begeisterten Heerlager. Jeder Bürger, Bauer ober Beamte trägt freudig die weiße Armbinde als Zei­chen Der Zugehörigkeit zur nationalen Bewegung. Jedes Haus, jedes Fenster ist mit weißen Tüchern gekennzeichnet. Die zahlreichen Soldaten und Frei­willigen entwickeln in den Straßen der Stadt ein reges Leben und Treiben. Man sieht die abenteuer­lichsten Uniformen, oon den grünen Hemden der Kolonialtruppen bis zur Zioilkleidung mit Der» schiedenen Abzeichen. Die gesamte Beoolkerung nimmt an Der endgültigen Niederringung Der roten Herrschaft teil. Bemerkenswert sind die Dielen Arbeiter, die an ihren blauen Kitteln, die na­tionalen Abzeichen tragen. Alle sind bis art die Zähne bewaffnet und trotz der glühenden Hitze mit fanatischer Begeisterung und straffer Disziplin dabei. Einwohner Der Stadt Badajoz, die oor den Kommunisten nach dem benachbarten portugiesischen Städtchen Eloas geflohen waren, kehren jetzt zurück und treten in das Freiwilligen-Korps ein. Die Truppen sind mit der Säuberung der Umgebung oon oerfprengten marxistischen Abteilungen beschäf­tigt. Am Montag gelang es, ein Regierungs­flugzeug abzuschießen, gerade beoor es mit dem Bombardement Der Stadt beginnen konnte. Seitdem haben die Luftangriffe der Marxisten auf­gehört. Die nationalistischen Truppen sind gegen die Marxisten außerordentlich scharf oorgegangen. Nach unwidersprochenen Berichten wurde jeder er­schossen, Der mit Der Waffe in Der Hand angetroffen wurDe.

Marxistische Greuel.

Masseuertränkungeu im Hafen von Cartagena.

H e n d a y e, 18. Aug. (DNB.) Aus sicherer Quelle wird folgender kaum glaublicher Vorfall gemeldet. Der bezeichnen!) ist für die unerhörte Grausamkeit Der roten Truppen in Spanien. In Der Nacht zum 15. August rourDen 3 6 0 Angehörige Der (BuarDia Cioil und 80 Marineoffi­ziere, Die auf zwei Dampfern untergebracht waren, oor der Hafeneinfahrt oon Cartagena e r tränkt. 22 weitere Offiziere wurden e r s ch o s - s e n. Bei ihrer Rückkehr wurden die Dampfer, auf denen sich die Ermordeten befunden hatten, oon der Beoolkerung des in den Händen derRoten" befindlichen Cartagena lebhaft begrüßt. Die Er­mordung sand auf Befehl eines Sergean» t e n statt, um einer Untersuchung einer aus Madrid eintreffenden Kommission, die offenbar der weiteren Radikalisierung der roten Machthaber in Cartagena Einhalt gebieten wollte, zuDorzu- kommen.

General de Llano berichtete über ©reueltoten der Marxisten in Ronda (etwa sechs Kilometer west­lich oon Malaga), wo nicht weniger als 4 8 0 rechtsstehende Personen auf Befehl des Reoolutionsausschusses in Antequera hinaerich - t e t worden seien. In einem anderen Ort seien 245 Hinrichtungen erfolgt; unter den Erschossenen be­finde sich auch der Bischof oon Jaen, der 81 Jahre alt sei. Bei toten Marxisten in Puerto Crista auf Mallorca seien sowjetrussische