Ausgabe 
19.6.1936
 
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Wäre Großbritannien bedroht, so würde jeder Brite zu den Waffen greifen. Aber es brauche noch ein gutes Töll Erziehung, bis es sich zur Uebernahme aller der Verpflichtungen verstehen würde, die aus den Völkerbundssatzungen entstünden.

Es sei von außerordentlicher Bedeutung für Europa, wenn Deutschland, Frank­reich und Großbritannien Seite an Seite in Lurpa für den Frieden ar­beiten würden. Deutschland habe den Krieg verloren und in den Friedensverträgen einen großen Preis bezahlt. Man habe Deutschland

nur sehr geringe Rüstungen belassen und hätte gehofft, daß dies zu einer allgemeinen Abrüstung in Europa führen werde. Deutschland habe einen Blick in den Abgrund tun können, als der Kom­munismus in Deutschland sein Haupt erhoben habe.Der Reichskanzler Adolf Hitler Hal uns gesagt, daß er Frieden wünscht", und wenn mir das ein Mann sagt, so wünsche ich das auszuprobieren. Die Rolle, die Deutschland in Europa spielen kann, ist ungeheuer. Denn sich die Gelegenheit dafür ergibt, fo laßt uns tun, was möglich ist, um die Dinge zum Guten

JU wenden. Der Friede ganz Europas ist es. dem Tag und Nach! hindurch unsere Sorge ge-

gölten hat."

Der Führer der Opposition, Attlee, brachte dann den Mißtrauensantrag gegen die Regie­rung Baldwin ein. Der Mißtrauensantrag ber Dienstag zur Debatte steht, besagt, daß die Regie rung mit ihrem Mangel an Entschloss enhett un Stärke im Hinblick auf die auswärtige Politik das Ansehen Großbritanniens untergra­ben, den Völkerbund geschwächt, den Mieden ge­fährdet und dadurch das Vertrauen des Unterhauses erschüttert habe.

England hat feine Entschlußfreiheit wieder.

Englische preffestimmen zur Llnterhaus-Erklärung Edens.

London, 19. Juni. (DNB. Funkspruch.) Mit Ausnahme der Oppositionsblätter, die ihre An­griffe gegen die Regierung weiterhin verschärfen, stellt sich die Presse hinter die Erklärung Edens. Time s" schreibt, die öffentliche Meinung bil­lige Vie Stellungnahme der Regierung, wenn auch mit äußerster Zurückhaltung. Gleichzeitig verlange die öffentliche Meinung jedoch von der Regierung einer energische Führung der Geschäfte, deren Ziel es sein müsse, den Friedensge­danken am Leben zu erhalten. England- Minister hätten seit gestern erst recht die Pflicht, eine positive Außenpolitik zu betreiben. Wenn man in Paris ebenso von dem Wunsch beseelt gewesen wäre, wie in London, der Völker­bundssatzung zum Siege zu verhelfen, dann hätte unzweifelhaft auch ein Völkerbund, der nicht voll­zählig war, noch sein Ziel erreichen können. Aber die Pariser Friedensoorschläge seien der sichere An­fang vom Ende gewesen.

Es bedeute kein Makel für das britische Volk, daß es noch sechs Monate lang an der Fortsetzung der Völkerbundsbemühungen festgehalten habe. Eine ganze Kette von Versprechungen sei in einer Weise gebrochen worden, die in der neueren Ge­schichte einzig dastehe. Die Stresa front bleibe ein Trümmerhaufen; ferner verpflichte die Aufhebung der Sanktionen England nicht zur An­erkennung der Unterwerfung Abessiniens. Das bri­tische Volk höre mit Freuden, daß die normalen englischen Verteidigungsanlagen im Mittelmeer fort­laufend verstärkt werden sollen. Die englische Oef- fentlichkeit erwarte von der Regierung aber auch umgehend die unzweideutige Versicherung, daß die Pläne Italiens keine finanzielle Hilfe in England finden werden.

Die konservativeM o r n i n g Po st" begrüßt die Erklärung Edens mit größter Genugtuung. Die Saktionspolittk gegen Italien sei eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes und eine Bedro­hung des europäischen Friedens. Durch ihre mutige

Entscheidung, diese Politik zu beendigen, habe die britische Regierung ihre Entschlußfreiheit wieder gewann en. Sie habe viel dazu beige- tragen, das Ansehen wieder herzustellen, das Eng­land bei seinen vergeblichen Versuchen, den Völker­bund wirksam zu machen, verloren habe. Das Rothermere-BlattDaily Mail" erklärte, daß der Völkerbund, nachdem die Sühnemaßnahmen begra­ben seien, verschwinden werde. Niemand werde das bedauern. Der Völkerbund habe die internationalen Reibungen und Feindseligkeiten ver­schärft. Seine Maßnahmen seien mit die Ursachen der heutigen unglücklichen Lage Europas. Das Or­gan der ArbeiteroppositionDaily 5) er alb' schreibt, die Regierung plane anscheinend eine voll­ständige und bedingungslose Kapitulation. Die feierlichen Dölkerbundsverpflichtungen der eng­lischen Regierung von ehedem seien zu Papierfetzen geworden. Das englische Volk sei öffentlich entehrt.

Mehrere Morgenblätter heben auch die Erklärun­gen Edens über die Notwendigkeit der deutschen Mitarbeit für den Frieden Europas hervor. Times" schreibt: die künftige britische E.u r o- p a p o l i t i k wird der entscheidende Faktor in der Zukunft des Völkerbundes, d. h. in der Zukunft der wirtschaftlichen und politischen internationalen Zu­sammenarbeit sein. Ihr greifbares Ziel kann nur durch Verhandlungen mit Deut s ch l an d gesucht und erreicht werden. Die Gelegenheit ist jetzt gegeben, sowohl für England wie für Deutschland. Papierne Kreuzverhöre sind umständlich und uner­giebig. Man könne von jemanden, mit dem man verhandeln wolle, nicht verlangen, daß er zunächst vor aller Oeffentlichkeit Zusicherungen über sein künftiges Wohlverhalten gibt. Ein solches Ersuchen werde den Wunsch nach Beratungen nicht fördern. Die Versprechungen seien entweder wertlos oder überflüssig. Besprechungen allein und nur Besprechungen könnten erweisen, ob es grundlegende Gegensätze zwischen britischen und deutschen Zielen gebe.

Mißfallen in Gens.

Nach

ver-

London, 19. Juni. (DNB. Funkspruch.) einer Reutermeldung aus Genf wird der britische Beschluß zugunsten einer Aufhebung der Sankttonen in Völkerbundskreisen alsu n v e r st a n d lich u nd beinahe unglaublich" bezeichnet.Es werde erklärt, daß England weitgehend unterstützt worden wäre, wenn es sich für die Aufrechterhaltung oder Verstärkung der Sanktionen entschieden hatte. Durch die Aufgabe der Sanktionen verliere der Völ­kerbund seine einzige Waffe, und Eng­land werde durch seine Initiative an Ansehen

lieren.

Mißvergnügen in Paris.

Paris, 19. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Unterhaus-Aussprache gibt der Pariser Presse noch einmal Gelegenheit festzustellen, daß die französische Politik sich die Früchte habe entgehen lassen, die ihr von Rechts wegen zukämen. Man bedauere es, daß Frankreich die Gelegenheit verpaßt habe, von sich aus die Aufhebung der Sanktionen vorzu- schlagen. Pertinax wundert sich über die Behaup­tung Edens, daß Frankreich in der Sankttonsfrage seine Ansicht nie geäußert habe. Außen­minister Delbos habe gerade darüber eine sofor­tige Unterredung mit Eden herbeisühren wollen. Aber das englische Außenamt habe es vor­gezogen, auf eigene Faust zu handeln. Für die Zukunft könne man hoffen, daß sich die britische Regierung auf die deutsche Frage konzentriere.

D'Ormesson erklärt imFigaro", Baldwin und Eden hätten es verstanden, aus der Lähmung der französischen Politik und aus ihren Mißgriffen Nutzen zu ziehen. Die diplomatische Operation sei auf dem Rücken Frankreichs ausge- tragen worden und ausgerechnet auf dem Rücken derjenigen französischen Regierung, die am stärk­sten nach England hin neige.

Reichsführer-GG. Himmler in sein Amt eingeführt.

Berlin, 18. Juni. (DNB.) Der Reichs- und Preußische Minister des Innern, Dr. Frick, führte den durch den Erlaß des Führers und Reichskanz­lers mit der einheitlichen Zusammenfassung der polizeilichen Aufgaben im Reich beauftragten Reichssührer°SS. Himmler in sein Amt ein. Auf dem Hof des Preußischen Innenministeriums Un­ter den Linden hatten die Offiziere, Beamten und Angestellten der Polizeiabteilung vor dem Hoheits­zeichen des Reiches Aufstellung genommen.

Reichsminister Dr. Irick

führte u. a. folgendes aus:Es ist das erste M a l während der tausendjährigen Geschichte Deutschlands, daß für das ganze Reich eine einheitliche Polizeiabteilung einge­setzt wird, ein Führer der gesamten deutschen Polizei, der die Einheitlichkeit der Exe­kutive in Deutschland verbürgt. Das ist wieder ein gutes Stück Reichsreform, an der wir seit drei Jahren mit Erfolg arbeiten." Dr. Frick dankte General Da l u e g e für das, was er für die Schlagkraft der Polizei getan habe. Insbesondere wird die Wehrmacht dankbar anerkennen, daß er ihr in der Landespolizei einen so gut ausbildeten Truppenkörper zur Verfügung stellen konnte.

Zu Reichsführer-SS. Himmler gewendet, fuhr Reichsminister Dr. Frick u. a. fort:Ich setze Sie hiermit in Ihren neuen Wirkungskreis als Chef der gesamten deutschen Polizei ein. Es ist eine unge­heuer große und schwere, aber auch schöne und dankbare Aufgabe, die Sie damit übernommen haben. Sie haben von Anfang an dem Führer treu und hingebend gedient, und Sie besitzen sein volles Vertrauen. Sie haben in der Politischen Polizei ein Instrument aufgebaut, das die Stabilität der in­neren Sicherheit in Deutschland absolut garantiert. Die gesamte uniformierte Polizei sowie die Krimi­nal« und Derwaltungspolizei steht nunmehr unter Ihrem Befehl. Damit ist endlich der Zustand her­gestellt, der staatsrechtlich und staatspolitisch auf die Dauer allein möglich ist. Ich bringe Ihnen, mein lieber Parteigenosse Himmler, mein volles Ver­trauen entgegen, und bin überzeugt, daß Sie die gesamte deutsche Polizei so formen und führen, daß sie in guten wie in schlimmen Tagen allen Eventualitäten gewachsen ist."

Reichsführer-SE. Himmler

sagte hierauf u. a.: Wir sind ein Land im Herzen Europas, umgeben von offenen Grenzen, umgeben von einer Welt, die sich mehr und mehr bolschewi- siert. Wir haben damit zu rechnen, daß der Kampf gegen den alles zerstörenden Bolschewismus ein Kampf von Menschenaltern sein wird. Darauf ein ganzes Volk einzustellen, und, wie die Wehrmacht zum Schutz nach außen ist, die Polizei zusammen­geschweißt mit dem Orden der Schutzstaffeln zum Schutz des Reiches nach innen aufzubauen, darin sehe ich meine Aufgabe. Auf die Treue, den Geist und die Pflichterfüllung dieses soldatischen Korps kommt es an. Ich weiß, daß ich mich auf Sie ver­laßen kann.

General der Polizei Dalnege

erklärte: Wir können stolz darauf fein, daß in diesem Augenblick ein Traum in Erfüllung geht, den ich als SS.-Führer vor der Revolution ge­träumt habe, nämlich zu verbinden die Polizei der Bewegung mit der Polizei des Staates durch die Person des Reichsführers-SS. Himmler. Es ist ihm endlich möglich, zwei Teile, die zusammenge- hören, zunächst einmal organisatorisch zusammen­zufügen, um sie dann auch ideell zu einem Korps nationalsozialistischer Ueberzeugung zusammenzu­

schweißen. Diese Aufgabe zu erfüllen dürfen wir stolz sein.

Reichsführer-SS. Himmler am Grabe der von Kommunisten erschoffenen

Danziger SS.-Mcinner.

Danzig, 18. Juni. (DNB.) Auf dem Garnison­friedhof in Danzig wurden in Anwesenheit des Reichsführers-SS. Himmler und unter unge­heurer Teilnahme der Bevölkerung die beiden von kommunistischen Verbrechern erschossenen Dan­ziger SS. - Männer Ludwig und Fres- sänke von ihren Kameraden zu Grabe be­tragen. Der Reichsführer, der zwei große Kränze des Führers überbrachte, richtete am Grabe dieser beiden jüngsten Opfer des roten Terrors einen

ernsten Warnruf an die Welt. Er sagte u. a.: Ihr seid ein Opfer des unseligen Verhältnisses eines Staates in Europa, dem die Hände gebunden sind im Kampf gegen die Pest, die fast einmal Europa über den Haufen gerannt hätte. Danzigs Volk hat das Opfer eurer Kameraden von der SA. und euer Opfer verstanden. Ihr seid zu Grabe geleitet wor­den, wie früher Fürsten nicht zu Grabe getragen wurden, und damit hat euer Tod einen tiefen Sinn. Ihr habt dazu beigetragen, daß Dan­zig deutsch bleibt, und tragt dazu bei, allen die Augen zu öffnen für die Gefahr, in der Europa lebt. Die beiden Namen und die beiden Heldengräber mahnen euch, Kameraden von Danzig, es den beiden gleich zu tun an Tapferkeit und Anständigkeit, und damit: Lebt wohl! Wir werden uns ja wiedersehen in einer anderen Welt.

Wie sieht es in der Wirtschaft aus?

Durch die Reife des Bankpräsidenten Dr. Schacht nach Südosteuropa und seine Besuche in Belgrad, Athen, Sofia und Budapest ist unser Augenmerk auf die deutschen Beziehungen zu den Staaten Südofteuropas gelenkt worden. Dr. Schacht unterstreicht mit seinen Besuchen die Bedeu­tung der deutschen Wirtschaftsbeziehungen zu den südosteuropäischen Staaten. Wenn wir uns den Außenhandel Deutschlands mit den vier Staaten, deren Hauptstädte Dr. Schacht besucht hat, ansehen, so können wir unschwer feststellen, daß sich hier wirtschaftliche Fäden angesponnen haben, die zu besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen. Das System, das durch die Pariser Vorortvertrage auf­gerichtet worden ist, und das die Wirtschaft im Do­nauraum vollkommen ruiniert hat, ist durchbrochen worden. Die nationalsozialistische Wirtschaftstheorie die geleitet ist von dem Willen, sich selbst zu helfen, hat sich allen Widerständen zum Trotz hier durch­gesetzt.

Beginnen wir zunächst mit den deutsch-ju­goslawischen Wirtschaftsbeziehun­gen. Deutschland ist der stärkste Handelspartner Jugoslawiens geworden. Allerdinbs haben sich die Handelsbeziehungen etwa einseitig entwickelt, in­dem nämlich Jugoslawien mehr nach Deutschland ausführte, als es in Deutschland gekauft hat. Da­durch hat sich im Vorjahr eine Clearing- Spitze ergeben, die eine bedeutende Höhe erreicht hatte und Schwierigkeiten in dem Handel zwischen den beiden Ländern nach sich zog. Aber auch hier ist ein Ausweg gefunden worden. Um sich ein Bild von den deutsch-jugoslawischen Handelsbezie­hungen zu machen, genügen ein paar Zahlen: 1935 führte Jugoslawien nach Deutschland waren im Werte von 751,5 Millionen Dinar aus und führte dagegen von Deutschland für 598,1 Millio­nen ein. Im Januar dieses Jahres ergab sich eine Rekordausfuhr nach Deutschland im Betrag von 104,8 Millionen Dinar, das ist mehr, als Deutsch­land und Italien im Januar des Vorjahres ge­kauft hatten.

Aehnlich sieht das Bild des deutfch-griechi- schen Handels aus. Deutschland und Griechen­land ergänzen sich in handelspolitischer Hinsicht aus- aezeichnet, Deutschland ist Käufer der griechischen 1-undeserzeugnisse, während Griechenland die deut­schen Jndustrieerzeugnisse abnimmt. Ein paar Der- gleichszahlen beleuchten auch hier deutlich die Ent­wicklung der deutsch-griechischen Handelsbeziehun­gen In den ersten Monaten d. I. führte Griechen­land für 636 Millionen Waren nach Deutschland aus, gegenüber 567 Millionen in dem gleichen Zeit­

raum des Vorjahres. Uni) es kautte in Deutsch­land für 623 Millionen Drachmen gegenüber 407 Millionen in den ersten drei Monaten des Jahres 1935. Die Handelsbeziehungen nehmen eine stetige Entwicklung und der weitere Ausbau der durch die freundschaftlichen Beziehungen mit dem Gouver­neur der Bank von Griechenland gewährleistet ist, wird auch an Schwierigkeiten nicht scheitern.

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutsch­land und Bulgarien sind eine Fortsetzung der Waffenbrüderschaft, die beide Volker in dem Welt­krieg miteinander verband. Beide Länder haben im Laufe der Jahre ihre Ein- und Ausfuhr gegen­seitig derart gesteigert, daß heute etwa die Hälfte der bulgarischen Ausfuhr nach Deutsch­land geht und daß Bulgarien ebenso die Hälfte seiner Einfuhr in Deutschland deckt. In der Ein­fuhrliste Bulgarien steht Deutschland an er­ster Stelle. Bulgarien selbst hat es besonders verstanden, sich geschickt an die Bedürfnisse Deutsch­lands anzupassen. So hat es z. B. den Anbau der Sojabohne erheblich gefördert und, wie der Dolkswirtschaftsminister Mochanoff einmal mit­teilte, die Anbauflächen für Sojabohnen in wenigen Jahren von 150 Hektar auf 16 000 Hektar gestei­gert. Auch die Anbaufläche für Baum­wolle steigt ständig. Baute Bulgarien in früheren Jahren nur wenige tausend Hektar an, so waren es im Jahre 1935 schon 40 000 Hektar. Ebenso wird der Anbau von Hanf gefördert. Da der Staat den Handel Bulgariens weitgehend beeinflußt, wird die bulgarische Einfuhr aus Deutschland ent­sprechend der Ausfuhr nach Deutschland geregelt.

Der deutsch-ungarische Warenaus­tausch befindet sich seit dem Jahre 1934 im Auf­schwung. Ungarn ist daran interessiert, für seine Agrarprodukte Absatz zu finden, als da sind- Vieh, Fett und Fleisch, Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und gewisse Rohstoffe, die auch für Deutschland wichtig sind, wie Leinsam und Wolle. Dafür führt es aus Deutschland Maschinen, Automobile, Kohle Koks, Kunstseide, Chemikalien, Farben u. a. m ein' Der Warenaustausch zwischen den beiden Ländern ift der wirtschaftlichen Struktur Ungarns und Deutschlands weitestgehend angepaßt worden Die Daten der deutschen Statistik für 1935 beweisen, daß sich Ungarn als Aufnahmeland für deutsche Waren eine beachtenswerte Stellung erobert fjat. Im ver­gangenen Jahre führte Deutschland Waren im Werte von 62,9 Millionen Mark aus, d. h. mehr als z B. nach Polen, Finnland, Griechenland und Jugoslawien, sowie anderen Staaten. Damit wurde eine Gegenseittgkeit und gesunde Belebung des

Warenaustausches herbeigeführt, die all-^Nachteile aufwogen, die sich in Zeiten der gebuirtenen Sirt- schäft natürlich auch im deutsch-ungarischen Geschäft einstellten. Alle vier Staaten zusammengenommen beweisen die These, daß Deutschland aus dem So- nauraum nicht sartzudenken ift. Es gibt feine L->. funq des Donauproblems ohne Deutschland. Das unterstreicht die Handelsftatistik besonders deutlich.

In seiner Sofioter Rede wies Dr. Schacht auf die Ungereimtheit hin, in der sich die Wirtschaftler vor allem Amerikas, Englands und Frankreichs be­wegen. Er sagte, daß wir nicht vergessen durften, daß die Zerstörung der internationalen Weltwirt­schaft von denselben Mächten ausgegangen fei, die sich heute über die Verletzung der Wirtschaftstheo­rien beklagten. Der Reichsbankpräsident wies auf den durch England im Weltkrieg begangenen völ­kerrechtswidrigen Eingriff in Privatverträge hin, auf die Beschlagnahme und Verschleuderung deut­schen Kapitals und deutscher Besitzungen im Aus» lande, auf die willkürlichen Währungsabwertungen, die jede Kalkulation vernichten, kurzum, auf die Wiking-Politik in der Wirtschaft, die versucht, durch raubähnliche Selbstsucht andere Völ­ker niederzuhalten. Diese Feststellung war um so notwendiger, als sich gerade in den Wirtschafts­auslassungen des Auslandes hin und wieder eine abgrundtiefe Heuchelei zeigt, die ganz vergißt, was man tat. Wenn wir demgegenüber nur dort kaufen, wo man unsere Waren abnimmt, bann ift bas Selbstbehauptung, ist burchaus gerechtfertigt und kann mit Vorkriegstheorien nicht entwertet werden. Wenn sich unsere Ausfuhr verlagerte, vor allem nach Südofteuropa und Südame­rika hin, dann ist das erklärlich, weil diese jun­gen und aufstrebenden Länder einen großen Be­darf an deutschen Fertigwaren haben, die z. B. in unserer Außenhandelsbilanz für den Monat Mai mit einem Ausfuhrüberschuß von 35 Millionen Reichsmark fast ausschließlich das Plus für uns ausmachen.

Arbeitstagung des HZ -Führerkorps.

NSG. Noch zu Beginn der Zeltlagerzeit wurden die Bann- unb Jungbannführer des Gebietes 13 (Hessen-Nassau) der Hitler-Jugend zu einer längeren Arbeitstagung auf öie Gebietsführer­schuleC h r i st i a n Crößmann" im Rheingau befohlen. Außer den Besprechungen Über die Durch­führung der 22 Sommerzeltlager, die Sporttage, Dann- und Jungbannsportfeste und das Gebiets­sportfest, die Heimbeschaffung, die Grenz- und Aus­landfahrten, der Adolf Hitler-Marsch der Bann- und Jungbannfahnen usw. galt die Tagung einer ziel-- bewußten Ausrichtung der Führerschaft und einer Klärung der organisatorischen und kultu­rellen Aufgaben, des inneren Dienstbetriebs unb der Führerschulung. Der stellvertretende Gebietsführer,, Stabsleiter Oberbannführer Brandt unb Gebiets- jungvolkführer Paul Wagner gaben bie Richt­linien bes Einsatzes. Zum weiteren Ausbau ber Lager, zur Regelung ber Verpflegung unb ©eftal-' tung des Lagerbetriebs gab Bannführer Dille- mutt) bie nötigen Anweisungen. Schulleiter Jung- bannführer M a g s a m berichtete aus ben Erfah­rungen mit ben auf ber Führerschule ausgebilbeten jungen Führern, beren Auswahl nach strengen Richt­linien erfolgen muß, soll ihre Arbeit in ben Ein­heiten von Erfolg sein.

Immelmann-Gedenkfeier in Dresden.

Arn 20. lobestage bes 1916 auf bem westlichen Kriegsschauplatz gefallenen sächsischen Kampfflie­gers Max Immelmann fand am Grade bes Fliegerhelben in Dresden eine Gedächtnisfeier statt. Daran nahmen die Angehörigen des Fliegerhelben, Staatsminister Dr. Fritsch, Vertreter ber ftäbti» sehen Behörben, zahlreiche Offiziere ber Wehrmacht, höhere Offiziere bes alten Heeres sowie Vertreter ber Behörben, ber Partei unb ihrer Glieberungen teil. Der Kommandant von Dresden, Generalmajor von Kaiser, erinnerte daran, daß Immelmann während feiner ganzen Dienstzeit die Uniform ber ruhmreichen sächsischen Armee getragen habe, in ber er auch gefallen fei. Namens ber Offiziere bes IV. Armeekorps legte er einen Kranz nieber. Dann hielt Staatsminifter Dr. Fritsch bie Gebächtnis- rebe, in ber er u. a. ausführte: Der Geist Jmmel- manns war ber Geist seines sächsischen Stammes» brubers Fichte, ber hunbert Jahre zuvor aus star­kem Deutschgefühl heraus feine Reben an bie deutsche Nation mitten unter französischen Bajo­netten hielt. Es war derselbe Berge versetzende Glaube, der einst die Sachsen Ferdinand von Schill und Theodor Körner im Glauben an Deutschland sterben ließ. Es war der Glaube, der nach keiner Ueberlegung fragt, der einen Menschen ganz für die Sache seines Herzens leben, aber auch freudig fein Leben dafür hingeben läßt. Mit dem Schwünge solchen stolzen Erbes konnte Jrnrnel- mann seine Luftsiege erringen und sich zu Lebzeiten an die Spitze des unvergänglichen Dreigestirns Immelmann Boelcke Richthofen" stellen. Minister Dr. Fritsch legte im Auftrage des Reichsstatthalters in Sachsen einen Kranz nieder.

Der Reichskriegertag in Kassel.

Der diesjährige R e i ch s k r i e g e r t a g, der in Kassel stattfinden wird, gewinnt an Bedeutung dadurch, daß dem Hauptfesttag (Sonntag, 5. Juli) erstmalig Arbeitstagungen voraufgehen. Der Bun- desführer SS.-Oderführer Oberst a. D. Rein- da r d trifft zur Teilnahme an ber Tagung bes Deutschen Reichskriegerbunbes (Kyffhäuferbunb) e. 15. m Kassel ein. Ein großes historisches Mili- tarkonzert bildet den Auftakt zu ben Veranstaltun­gen bes Rnchskriegertages 1936, ber im Zeichen bes 150jährigen Bestehens bes Bundes begangen roi5,\®icybarer Ausdruck dieser Jubiläumsfeier ist auch bie Teilnahme von 30 Kameraden aus Sän­gerin wo 1786 friderizianische Füsiliere durch Gründung der ersten Kriegskameradschaft den Grund- uem legten zu dem heutigen stattlichen Bau des Kysfhauserbundes mit feinen 36 000 Kameradschaf, ten. Die Wangeriner erscheinen auf dem Reichs- friegertag Kassel in ihren friderizianischen Unifor- men. Aus der Karlswiese gelangt das Festspiel ,450 A°^-.^lMuserbunb" mit 4000 Mitwirkenden zur Aufführung, bas einen Ueberbhcf über bie Ge­schichte bes Reichskriegerbunbes gibt.

Das Berliner Bangrnbennngiück vor Gericht.

Im Berliner Baugrubenprozeß würbe bis Vernehmung des Baumeisters Rath fortgesetzt. Er schilberte, wie er in ber Nacht nach bem Einsturz den stellvertretenden Generalbirektor der Reichs»

Kleinmann burch bie Baugrube geführt ijabe. Dabei habe man auch Weyher getroffen.