Ausgabe 
19.3.1936
 
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NIVEA CREME

Die

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ählerlisie liegt auf!

Vom Samstag, 21. März, bis einschließlich Sonn­tag, 22. März, liegt für die Reichstagswahl im Stadthaus, Bergstraße 20, im Sitzungssaal (beson­derer Eingang vom Garten aus), die Wählerliste (Stimmkartei) zur Einsicht offen. Personen, die bis zum 29. März 1936 das Wahlalter von 20 Jahren erreichen, Wahlberechtigte, die in letzter Zeit ihre Wohnung gewechselt haben, oder erst zugezogen sind, oder durch Verheiratung einen anderen Namen führen usw., mögen nicht versäumen, sich von der richtigen Eintragung in die Wählerliste durch Ein­sichtnahme zu überzeugen Man beachte die Be­kanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil

Oie llebernahme eines Wahlehrenamts ist staatsbürgerliche Ehrenpflicht.

Die Stadtverwaltung weist auf folgendes hin: Für die am 29. März 1936 stattfindende Reichstags­wahl sind entsprechend den gesetzlichen Bestimmun­gen Wahloorstände für die einzelnen Bezirke, be­stehend aus dem Wahlvorsteher, seinem Stellver­

treter, dem Schriftführer und 3 bis 6 Beisitzern zu bilden. Das Amt eines Mitgliedes des Wahlvor­standes ist ein Ehrenamt und kann nur dann abgelehnt werden, wenn die gesetzlichen Bestim­mungen dies zulassen. Obwohl es selbstverständliche Pflicht ist, der Berufung zu einem Wahlehrenamt Folge zu leisten, mußte wiederholt die Wahrneh­mung gemacht werden, daß Personen, die zu einem Wahlehrenamt berufen wurden, die Berufung ohne Angabe von stichhaltigen Gründen ablehnten. Es sei jedoch darauf hingewiesen, daß die unberechtigte Ablehnung eines Wahlehrenamtes nach dem Wahl­gesetz bestraft werden kann. Es muß erwartet wer­den, daß die zu einem Wahlehrenamt Berufenen sich auf ihre Pflichten als Staatsbürger besinnen und diesen im vollen Umsange nachkommen. Die rechtzeitige Bildung der Wahloorstände, das Er­scheinen und die Mitwirkung der in den Wahlvor- stand berufenen Personen, sowie die genaue Be­folgung der für die Wahl gültigen Bestimmungen ' sind Voraussetzungen für die Durchführung einer

Wahl.

war er auch bemüht, allen Wünschen und Anfor­derungen an sein Amt und an seine Person ge­recht zu werden, jedermann mit menschlicher Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft dienstbar zu sein, die sich in irgendeiner Angelegenheit an ihn wandten.

So wird das Andenken an diesen vortrefflichen Beamten, allezeit talfrohen Diener der Allgemein­heit »nd stets menschenfreundlich gesinnten Mann bei allen Denen in Ehren fortleben, die das Glück hatten, seine Bekanntschaft dienstlich oder privat gemacht zu haben.

Lornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

NSG.Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik (nur für Frauen) im Lyzeum; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. Stadttheater: 20 bis 22 Uhr Gastspiel Der 8 Entfesselten Gloria-Palast, Seltersweg: Viktoria" Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Du kannst nicht treu sein". Gießener Konzertverein, Gießen: 20 Uhr in der StadtkircheDie Schöpfung" von Haydn. Oberhessischer Kunstverein (Turm­haus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Gemälde­ausstellung von Richard Geßner, Düsseldorf.

Drei Ereignisse im Stadltheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird un$ geschrieben: Heute von 20 bis 22 Uhr findet auf vielseitigen Wunsch das zweite Gastspiel des Künstler-Kollektivs Die acht Entfesselten" statt. Auch diesmal wieder dürfte der Abend in seiner bunten Zusammenstel­lung zwei Stunden abwechslungsreicher Unterhal­tung bereiten. Sonntag, 22. März, findet ein einmaliges Gastspiel des indischen Balletts mit indischem OrchesterMenaka" statt. Diese indischen Tänzerinnen und Tänzer befinden sich auf einer Europa-Tournee und entnehmen die Motive ihrer Tanzschöpfungen dem reichen Mythus der klassisch­indischen Welt. Die Veranstaltung findet statt von 11.15 bis 13.15 Uhr bei kleinen Preisen. Abonnenten erhalten 10 v. H. Ermäßigung. Für den Sonntag abend sieht der Spielplan eine einmalige Wieder­holung des köstlichen Lustspiels:Krach im Hinter­haus" von M. Böttcher unter der Spielleitung von Heinrich Hub vor. Die Vorstellung dauert von 19 bis 21.30 Uhr.

NG.-Lehrerbund, Gießen

Samstag, 21. März, 15 Uhr in der Pestalozzi- fchule zu Gießen Sitzung der Fachschaft 2 (Höhere Schule): Mitteilungen des Kreisfachschaftsleiters.

Hauswarte-Appell im Luftschuh-Revier II.

Der Reichsluftschutzbund, Ortsgruppe Gießen, Luftschutz-Revier II, teilt mit:

Der am 16. März ausgefallene Appell findet Freitag, 20. März, 20.30 Uhr, im Lukasfaal statt. Der für den 23 März angesetzte Appell im Real­gymnasium muß auf Dienstag, 24. März, verlegt werden. Da dieser der letzte Appell im Revier II ist, haben alle, die an den vorhergehenden Haus­wartappellen nicht teilnehmen konnten, zu erschei­nen.

Stimmscheine besorgend

Die Teilnehmer an derKdF."-Urlaubsfahrt vom 22. bis 29. März in das Allgäu müssen sich sofort Stimmscheine für die Wahl am 29. März ausstellen lassen. Bei Antritt der Fahrt werden in Frank­furt a. M. die Teilnehmer kontrolliert, da ohne Stimmschein keiner an der Fahrt teilnehmen darf. Die Wahl findet auf der Heimfahrt am 29. März statt.

Urlaubsfahrt 8/36 vom 9. bis 16. April.

lieber Würzburg, Nürnberg, Regensburg bringt Die Reichsbahn Die Teilnehmer in das herrliche Reich der bayrischen Berge. Wasserburg, Roth und Gars, drei herrliche, am Inn gelegene Städtchen, nehmen die Urlauber auf. Herrliche Wälder und ozonreiche Höhenluft, zahlreiche Ausflugsmöglich­keiten, der nahegelegene Chiemsee mit seinen Schlössern und seinem einzig schönen Panorama werden unvergeßlich bleiben. Als Sonderveranstal­tung dieser Fahrt ist vorgesehen eine Fahrt nach München mit Stadtrundfahrt und Besuch des Deut­schen Museums. Es ist ratsam, sich balbigft zu dieser Fahrt anzumelden, damit der Platz gesichert ist.

Der Fahrpreis beträgt 36 Mark. (Der Teilneh­merpreis versteht sich einschließlich Verpflegung und Unterkunft sowie Sonderfahrt nach München und Eintritt im Deutschen Museum.)

Wir empfehlen allen Urlaubern, die dieses Jahr wieder ein paar schöne Tage mitKraft durch Freude" verleben wollen, sich möglichst umgehend voranzumelden, da damit zu rechnen ist, daß, wie im Vorjahre, in Kürze eine Menge Urlaubszüge gesperrt sein werden.

(SportamtStraft durch Freude".

Heute folgende Kurse.

Fröhliche Gymnastik und Spiele, Frauen. Von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.

*

An alle Teilnehmer der Reitkurse.

Das Nachholen von versäumten Stunden muß bis spätestens 31. März erfolgt sein. Nach diesem Termin verfallen alle nicht benutzten Sportmar­ken. Wer ab 1. April einen neuen Reitkursus be­legen will, muß sich auf dem Sportamt neu an­melden.

Neue Reitkurse ab 1. April.

Ab 1. April beginnen neue Reitkurse für An­fänger und Fortgeschrittene. Die Kosten betragen für den sechsstündigen Kursus 6 Mark bzw. 9 Mark. Anmeldungen werden schon jetzt auf der Geschäfts­stelle, Schanzenstraße 18, entgegenKenommen.

Kein Frühjahrspferdemarkt in Gießen.

Der Oberbürgermeister gibt in unserem heutigen Anzeigenteil bekannt, daß der für Mittwoch, 25. März, vorgesehene Frühjahrspferdemarkt in Gie­ßen ausfallen muß. Dagegen wird der Herbstpferde- markt am 23. September bestimmt stattfinden. Inter­essenten seien auf die Anzeige verwiesen.

Pferdemusterung.

Die Polizeidirektion Gießen teilt uns mit:

Gemäß Anordnung des Oberbefehlshabers des Heeres findet am Samstag, 21. März, vormittags 10 Uhr, eine Pferdemusterung statt. Die Musterung wird hinter dem Städtischen Schlachthof, Rodheimer Straße, abgehalten. Jedes Pferd ist nackt nur mit Trense durch einen besonderen Pferdehalter vorzu­führen. Besondere Aufforderungen an die Pferde­besitzer sind bereits durch die Polizeidirektion er­gangen. Die aufgeforderten Pferdebefitzer werden nochmals auf die genaue Einhaltung des Termins hingewiesen. Im Falle des Nichterscheinens tritt Bestrafung ein.

Bringt Hausbriefkaften an!

Die Deutsche Reichspost wendet sich erneut an die Hausbesitzer mit der Bitte, Hausbriefkasten anzu­legen. Immer noch sind viele Häuser ohne Haus­briefkasten. Sie beschaffen, heißt der Allgemeinheit und sich selber nützen, heißt Arbeitsuchenden helfen.

Hausbriefkasten beschleunigen die Postzustellung und erleichtern den schweren Dienst der Zusteller durch Wegfall des Treppensteigens. Zeitungsträ­ger, Geschäftsleute und sonstige Besucher können

sie zum Einlegen von Mitteilungen benutzen. Trep­pen und Flure werden dadurch geschont.

Hausbriefkasten werden zweckmäßig für alle Woh­nungen am Gitter des Vorgartens, oder irn Ein­gang des Hauses angebracht, mit einer Klingelleitung nach den einzelnen Wohnungen und mit dem ausge­schriebenen Namen der Inhaber versehen. Die Be­schaffungskosten für den einzelnen find gering, lieber Einzelheiten geben die Postämter Auskunft.

Geschäftsftenographenprüfung Frühjahr 1936.

Die Industrie- und Handelskammer Gießen teilt mit, daß die für Sonntag, 22. März, vorgesehene Geschäftsstenographenprüfung in Anbetracht der be­vorstehenden Reichstagswahl auf Sonntag, 5. April, verlegt wird.

Gietzener lvochenmarktpreife.

* G i e ß e n, 19. März. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 9 bis 12, Wirsing, das Pfund (grün) 20 bis 30, Weißkraut 15 bis 18, Rotkraut 18 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 70 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 10 bis 18, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kartoffeln 4 bis 4XA, 10 Pfund 43 Pf., der Zentner 3,50 bis 3,70 Mk., Aepfel, das Pfund 20 bis 50 Pf., Zwet- schenhonig 40 bis 45, Suppenhühner 85 bis 90, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 25 bis 50, Salat 20 bis 30, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Sellerie 10 bis 40, Radieschen, das Bund 15 Pf.

*

** Von der ßanbcsunioerfität Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Dem ordentlichen Professor Dr. Karl V i e t o r, der im Wintersemester 1935/36 die Gast­professur für deutsche Literatur (Kuno Francke-Pro- fessur) an der Harvard-Universität in Cambridge Mass, innehatte, ist die gleiche Gastprofessur für das Wintersemester 1936/37 angeboten worden.

** Frühlingsboten ziehen nach ihrem Sommerquartier. Am Montag gegen 16 Uhr überflog eine Schar Schneegänse, etwa 20 an der Zahl, in geringer Höhe den Südrand unserer Stadt. Sie kamen aus der Richtung Klein-Linden und entfernten sich laut schreiend in der Richtung nach dem Buseckertal.

♦♦ Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. März: 2. Ida Maria Alwina Müller^ geb. Schermuly, 58 Jahre, Liebigstraße 16; 2. Kan Euler, Bäckermeister, Lud- wigsplatz 3, 70 Jahre; 3. Karvline Menk, geb. Will, 57 Jahre, Liebigstraße 77; 5. Anna Albrecht, Leh­rerin, 52 Jahre, Alicenstraße 37; 5. Friedrich Ernst Schiffner, 58 Jahre, An der Kläranlage 4; 7. Ka­tharine Seibert, geb. Fölsing, 85 Jahre, Stephan- strahe 17; 9. Walter Runzheimer, Gastwirt, 29 Jahre, Ludwigstraße 55; 9. Luise Walter, geb. Fei­ler, 65 Jahre,'Bruchstraße 17; 10. Marie Eva Diehl,

geb. Vommersheim, 82 Jahre, Weidengasse 5; 10. Georg Hanauer, Postassistent i. R., 69 2ahre, Neu­stadt 61; 11. Luise Koch, geb. Schäfer, 84 Jahre, Rodheimer Straße 50; 11. Martha Buchwald, geb. Winkler, 62 Jahre, Kirchenplatz 23; 12. Johannes Langsdorf, Reichsbahnarbeiter i. R., 74 Jahre^ Neuenweg 19; 14. Marie Vogt, geb. Becker, 56 Jahre, Löwengasse 28; 15. Auguste König, geb. Fiedler, 60 Jahre, Licher Straße 77.

** Die Jubiläumsfeier des Hessi­schen Fürsorgevereins für Krüppel vertagt. Mit Rücksicht auf die Reichstagswahl am 29. März ist die für den 28. März in der Orthopädischen Universitätsklinik in Gießen vorge­sehene Feier des 25jährigen Bestehens des Hessi­schen Fürsorgeoereins für Krüppel, verbunden mit Der Mitgliederversammlung, verschoben worden. Der neue Zeitpunkt der Jubiläumstagung und Mitgliederversammlung wird noch bekanntgegeben.

Schöffengericht Gießen.

Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde der A. K. aus Friedberg-Fauerbach wegen Beleidigung zu 75 Mark Geldstrafe verurteilt, während der F. Sch. freigesprochen wurde.

Wegen Unterschlagung und Untreue wurde der H. P. aus Wickstadt zu einer Gefängnis st rase von 6 Monaten und 200 Mark Geld­strafe verurteilt. Die Geldstrafe ailt mit der Un­tersuchungshaft als verbüßt. Der Angeklagte hatte eine Kaffe zu führen, wobei er insgesamt 145 Mark veruntreute. Der Angeklagte ist bereits wegen Diebstahls vorbestraft.

Oberhessen.

Großes Arbeitsbeschaffungsprojekt der Stadt Friedberg.

LPD. Friedberg, 18. März. Nachdem vor einigen Jahren bereits die Seitenbauten des Adolf-Hitler - Polytechnikums errichtet worden waren, hat sich Sie Stadt Friedberg jetzt entschlossen, demnächst mit der Errichtung des noch fehlenden Haupt - bzw. Mittelbaues zu be­ginnen. Mit den Arbeiten hofft man bereits Ende dieses Jahres fertig zu fein. Durch dieses groß- zügige Arbeitsbeschaffungsprojekt der Stadt er­halten wieder viele Volksgenossen Arbeit und Brot. Neuer Altertumsfund bei Lauterbach.

* Sauter bad), 19. März. Für die jüngere st einzeitliche Besiedlung des nordöstlichen Vogelsberges konnte bei Rodungsarbeiten in der Gemarkung Angersbach ein neues B e - w e i s st ü ck erbracht werden. Man erinnert sich, daß vor einem halben Jahr durch einen Mahlstein-Fund dort der erste greifbare Beweis für den Ackerbau im letzten vorchristlichen Jahrtausend erbracht worden war. Man ist erfreut, nunmehr durch einen neuen Fund Der Vermutung nahetreten zu können, daß Die steinzeitliche Besiedlung aus der Fuldaer Ge­gend bis in den Vogelsberg vorgedrungen war. Wiederum ist das Beweisstück ein Mahl­stein, der seinen Formen nach in das dritte vorchristliche Jahrtausend gesetzt werden muß.

Landkreis Gießen.

* Klein-Linden, 18. März. Vom Dienstag, 24. März, bis Sonntag, 29. März, finden in der Kirche jeweils um 20 Uhr Volksmissions­oorträge von Missionar Bender (Hermanns­burger Mission) statt. Themen: 1. Was ist positives Christentum? 2. Brauchen wir heute noch Buße? 3. Vom Ziel der Geschichte. 4. Zeichen der Zeit. 5. Vom Leben nach dem Tode. 6. Deutsche evang. Mission in Abessinien.

T Großen-Linden, 19. März. Am heutigen Donnerstag, 19. März, begeht der letzte Alt- Veteran unseres Ortes, Gastwirt Ludwig M e n - g e s, seinen 8 8. Geburtstag. Der Jubilar ist noch verhältnismäßig rüstig und verrichtet auch noch leichte Arbeiten. Von den Männern in unse­rem Orte ist er der älteste.

Vie deutsche Arbeitsfront n.9.=6emcinfdiaftKraft durch freude"

Oie Tippgräfin.

JRoman von Klothilde v Steqniann

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin, SW 68.

16. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Nicht, nicht, Giovanni, laß, ich trage keine Schuld!" schrie Annina plötzlich gellend auf. Gleich­zeitig mußte das Mädchen zu seinem Entsetzen fest­stellen, daß sich die Kassette nicht mehr wie früher aus dem Schränkchen herausheben ließ, sondern an einer stählernen Kette befestigt war.

Noch rechtzeitig fiel Mariella ein, daß eine her­ausziehbare Platte des Tresors bestimmt war, beim Herausnehmen der Kassette dieser einen Stütz­punkt zu bieten. Doch sie hatte damit gerechnet, die schwere, eichengeschnitzte Truhe wenigstens auf Den Tisch im Ankleideraum Anninas transportieren zu können. Nun war auch diese kleine Hoffnung zunichte geworden.

Ein matter Strahl des Mondes tanzte auf dem Fußboden. Er fiel durch einen Spalt in Den schwe­ren Moirsoorhängen, die die Fenster verhüllten, und umgab das Zimmer da, wo Der Schein der Lampe es nicht traf, mit seinem geisterbleichen Schein. Mariella atmete auf, als sie den willkommenen Helfer sah, der ihr wenigstens ermöglichte, auf künstliche Beleuchtung zu verzichten. Hastig knipste sie ein zweites Mal in dieser kurzen Stunde Die Nachttischbeleuchtung aus. Dabei drehte Annina sich im Schlafe von der Wand, in die das Safe einge­baut war, fort. Das Gesicht nach der entgegenge­fetzten Seite gerichtet, träumte sie weiter.

Mariella kniete vor dem tief anaelegten Tresor nieder. Sie öffnete die Kassette. Wie häufig hatte sie Der Tante diese Arbeit abgenommen, wenn sie ihr beim Ankleiden behilflich war! Rasch und ge­schickt griff sie auch jetzt in das abgeteilte Fach, in Dem Die Halsbänder der Geronimo nebeneinander lagen.

Plötzlich durchzuckte das Mädchen wieder bie grenzenlose Furcht, die sie schon einmal gepackt hatte. Es ,ab z w e i Halsbänder des Geronimo bestand nicht die Möglichkeit, daß es sich dabei um ein falsches und ein echtes handelte? Wie, wenn sie das unechte entwendete und nicht nur zur Die­

bin, sondern auch zur Dernichterin von Erhards Leben würde? Hatte er ihr nicht ausdrücklich noch vor dem Abschied heute nacht zugeflüstert:

Gib gut acht, mein Lieb! Es geht um unser Glück und um mein Leben!"

Was sollte werden, wenn sie sich nun tatsächlich vergriff und die Nachahmung stahl?

Heilige Mutter Gottes, laß das nicht zu!" betete sie. Und dann kam ihr plötzlich eine leise Erleuch­tungWenn ich mich jemals von einem der Geronimo-Halsbänder trennen würde", hatte ine Tante ihr einmal in einer vertrauten Stunde ge­sagt,dann nur von dem mit dem runden Schloß. Der viereckige Smaragd in der anderen Kette ist allem Tausende von Mark wert."

Mariella zögerte nicht länger. Denn der Mond­strahl war schon ein Stückchen weiter aewandert, und das bedeutete, daß man sich beeilen müsse, wenn nicht durch das Herannahen der Morgen­dämmerung der ganze Plan zum Scheitern gebracht werden sollte Ohne zu zögern, traf sie ihre Wahl Mit leisem Aufatmen ließ sie das Halsband mit dem viereckigen Juwel in das Täschchen gleiten, das sie unter dem Kleiderrock trug. Sie wußte, daß Erhard es gern gesehen hätte, wenn sie noch eines der weiteren kostbaren Stücke an sich gebracht haben würde. Doch dazu gebrach es ihr an Mut. Nur seine Existenz sollte durch ihre Tat gerettet werden, alles andere mußte er sich erarbeiten, erkämpfen wie Hunderttausende anderer Menschen auch

Unhörbar ließ sie den Deckel der Kassette wieder zurückgleiten, unhörbar schloß sie den Tresor nach­dem sie die Eichentruhe zurückgeschoben und die Stahlplatte in die ihr bestimmte Rinne zuruck- gleiten ließ.

Nun streifte sie mit unendlicher Vorsicht die Kette mit dem Schlüssel der Tante wieder über den Kopf. Noch immer rührte sich Annina nicht.

Ein wildes Gefühl von Befriedigung erfüllte Mariella für Sekunden, als sie auf ihr eigenes Zimmer zurückhuschte, das Halsband der Geronimo in der Tasche Dann aber verlor sie doch die Fas­sung. Aufschluchzend warf sie sich über ihr Bett, verzweifelt weinend, daß sie den Namen Bonaglia entehrt hatte und zur Verbrecherin geworden war. Denn niemand war an ihrer Seite, um sie die Wahrheit wissen zu lassen die Wahrheit, die ihr Entsühnung gebracht hätte. Niemand klärte ihr das

Geheimnis und befreite sie von dem Schuldgefühl, das von nun an so zu Unrecht ihr Schicksal be­schattete.

13. Kapitel.

Der Schmuck wird verkauft.

"Wirklich, mein Lieb, es ist besser, wenn du allein zu den in Frage kommenden Juwelieren gehst. Den Schmuck dem Vertrauensmanne deiner Tante an­zubieten, ist natürlich Unsinn. Meine kleine Ma­riella wird also schön tun, was ich ihr sage, und sich ohne mich auf den Weg machen. Wir treffen uns um die Mittagsstunde im HotelZentrum" und du bringst mir die Zwölftausend. Du hast doch Mut, Kind nicht wahr?"

Zum ersten Male fiel Mariella, die blaß und teilnahmslos bei Erhard in derHöhle" faß, ein falscher Ton auf der immer aufdringlicher wurde, je werbender die Stimme Erhards klang. Doch ihr junges Haupt trug die Dornenkrone der Liebe. Und ohne zu zaudern, nahm sie auch diesen Passions­weg auf sich, als müsse es so sein.

Und wenn doch etwas herauskommt, Erhard was dann?"

Selbstverständlich trage ich dann jede Schuld und stehe für dich ein!" sagte er überzeugend. ..Aber habe keine Sorge. Alles wird gut gehen. Spätestens morgen gegen Abend kommt die Nach­ahmung des Halsbandes in deine Hände. Dann bleibt dir nichts weiter zu tun, als es ebenso ge­schickt wieder in die Kassette hineinzuschmuggeln, wie du das echte entferntest. Ein zweites Schlas- pulver für die gute Annina, diesen Geizkragen, be­schaffe ich dir noch."

Mariella erschrak. Wie kalt und herzlos Erhards Worte klangen! Wie leicht er über alles hinweg­ging! Sie wollte es sich nicht eingestehen, daß seine Art sie trotz aller Liebe plötzlich tief erschreckte. Und sie mußte auf einmal an die gütige, ritterliche Art denken, in der ihr Doktor Walter Heßling stets be­gegnet war. Weilte er noch am Leben? War er einem Unglücksfall ober einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Sein plötzliches Verschwinden war bisher nicht aufgeklärt worden, trotzdem Monate darüber vergangen waren. Mit Sympathie und leisem Schmerzgefühl dachte sie seiner im gleichen Augenblick, da das Motorboot mit Heßling an Bord im Hafen von Tanga vor Anker ging.

Ein junges, elegant, aber unauffällig gekleidetes Mädchen schlenderte gelassen über den Kurfürsten­damm.

Wie sie nun eines der größten Juweliergeschäfte der Stadt ein wenig zaghaft betrat, wurde sie dort auch ihrer äußeren Erscheinung gemäß empfangen. Das Herz Mariellas klopfte zum Zerspringen. Doch äußerlich war sie ganz sichere Dame der besten Gesellschaft, und so wirkte sie auch auf den tadel­losen Verkäufer. Ehrerbietig fragte er nach ihren Wünschen. Mariella hatte für jeden Juwelierladen, in dem sie den Schmuck angeboten, eine andere Er­zählung zurechtgemacht. Denn sie wollte nicht durch immer gleiche Angaben unnötig Verdacht erregen:

Ich möchte ein altes Familienstück verkaufen. Hier ist mein Paß. Es handelt sich um ein Hals­band, das sich seit Jahrhunderten im Besitz des Fürstenhauses der Bonaglia befindet, dessen letzte Namensträgerin ich bin. Aeußere Umstände zwin­gen mich, mich von dem Schmuck zu trennen. In­formieren Sie sich auf der Botschaft über meine Persönlichkeit und machen Sie mir dann, wenn mein Angebot Sie interessiert, Ihre Vorschläge. Ich benötige die Summe von fünfzehntausend Mark für die Kette"

Hm!" Der Verkäufer sah die selbstsichere junge Dame prüfend an. Doch Mariella spielte ihr gefähr­liches Spiel weiter und hielt seinen Blicken stand:

Einen Augenblick Verzeihung, Durchlaucht!" sagte der junge Mann.Wenn Sie sich einige Mi­nuten gedulden wollen?"

Er verschwand. Mariella nickte und setzte sich auf den blausamtenen kleinen Hocker, der in der Ecke neben einem Tische stand. Ihr Herz klopfte bis in den Hals hinein. Doch sie bewahrte mit eiserner Energie ihre Fassung und blätterte, scheinbar inter­essiert, in einem eleganten Modejournal.

Unter den Gesellschaftsphotos, die die Zeitschrift brachte, fielen ihr drei besonders auf. Es waren Aufnahmen von einer Hochzeit und aus dem Tier­garten, wo das Kind einer berühmten Sängerin beim Spiel aufgenommen worden war. Ein ent­zückendes, ungezwungenes Bildchen, wie Die schöne kleine Karola lachend ihren Terrier .schönmachenE ließ, ebenso ungezwungen wie die beiden Photo­graphien von Der Hochzeit, die an der Festtafel aus­genommen waren.

(Fortsetzung folgt!)