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Nr. 42 Erster Blatt
186. Jahrgang
Mittwoch, 19. Zebruar 1956
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Senkung der Betriebskosten im Krastwagenverkehr durch Zusammenschluß aller Beteiligten.
ReichsministerFreiherr vonElh-Rübenach auf dem Empfangsabend der Automobilindustrie
Berlin, 18. Febr. (DNB.) Einer alten Gepflogenheit folgend veranstaltete der R e i ch s v e r - band der Automobilindustrie während der großen Internationalen Automobil- und Motorradausstellung im Marmorsaal des Zoo einen Empfang, an dem zahlreiche Vertreter der Behörden, der Gliederungen der Partei, der Wehrmacht, der Polizei, der Reichsbahn, der Reichspost sowie der Wirtschaft und des Handels teilnahmen.
Oer Leiter der Wirtschastsgruppe Hahrzeugindustrie, Hagemeier,
Seilte das Ziel der Automobilindustrie heraus, die nschaffungs- und Unterhaltungs- k ost en eines Kraftwagens dem Einkommen breite st er Volksschichten anzu gl eichen. Er gab das Versprechen ab, die Aufgabe, die der Führer und Reichskanzler in der Eröffnungsansprache der Automobilindustrie gestellt habe, ihrer Lösung nach besten Kräften näherzubringen. Dieses Ziel sei nur in engster Gemeinschaftsarbeit mit der Rohstoff- und Zubehörindustrie, den Erzeugern von Treibstoffen und den Trägern der Versicherung zu verwirklichen.
Reichspost- und Reichsverkehrsminister Freiherr von Elh-Rübenach
-erinnerte an seine Rede vor zwei Jahren. Er habe damals gesagt, daß er im wesentlichen nur zwei Möglichkeiten hätte, die Motorisierung finanziell zu fördern, daß aber die weitaus größeren Möglichkeiten der Förderung auf dem Gebiet der Gesetzgebung und Verwaltung lägen. Die beiden finanziell förderbaren Zweige seien der Sport und die wissenschaftliche For- 1 ch u n g. Er habe vor zwei Jahren eine großzügige 'Reichs st raßenverkehrsordnung in Aussicht gestellt. Er glaube mit der neuen Reichsstraßenverkehrsordnung Wort gehalten zu haben und danke ausdrücklich der Automobilindustrie, daß sie bei der Bearbeitung der technischen Vorschriften so eifrig und verständnisvoll mitgearbeitet habe.
Im vergangenen Jahre habe Dr. Schacht die Förderung des Exports als eine vordringliche Aufgabe der auf dem inneren Markt so ungeheuer erstarkten Automobilindustrie ans Herz gelegt. Er glaube, daß auf diesem Gebiet trotz der verworrenen und uns Deutschen nicht günstigen Währungs- Lerhältnisse der Welt Namhaftes geleistet ■worben sei. Die Automobilindustrie habe so viel Ursache, dem Führer und Reichskanzler für seine Förderung dankbar zu sein, daß sie es als vor- nchmfde Pflicht empfinden müsse, allen anderen Industrien ein Beispiel zu geben. Sie selbst werden Sie notwendigen Anstrengungen machen, um mit 2en Preisen ihrer Erzeugnisse so billig zu werden, daß Ihnen eine neue große Käuferschicht zur Verfügung steht, die sich Kraftwagen halten kann, ohne etwa auf Familie verzichten zu müssen. Aber, meine Herren, der entscheidende Faktor liegt mehr noch als im Wagen- 8reis in den Kosten für Betrieb und nterhaltung. Ich werde alles tun, was in meinen Kräften steht, um das Anwachsen dieser Kosten zu verhüten und wenn irgend möglich, eine »Senkung herbeizuführen. Dazu wird es notwendig fein, daß ich mit der Industrie, mit den Steifen- \ Leuten, mit der Mineralölproduktion, mit dem ; Verkehr, mit dem Handel, mit den Garagenbesitzern und mit den Versicherungsgesellschaften in
Verbindung trete. Es ist nicht angängig, daß eine Gruppe immer nur die andere auffordert, mit dem Edelmut voranzugehen, sondern alle müssen Zusammenwirken, um das zu erreichen, was wir wollen, nämlich dem Willen Adolf Hitlers gerecht zu werden. Heute, meine Herren, wo ich Sie zu der prachtvollen Ausstellung beglückwünschen kann, fordere ich Sie alle dazu auf, mich in meinen Bestrebungen zur Senkung der Betriebskosten des Kraftwagens nachdrücklich zu unterstützen.
Zum Schluß dankte der Minister allen, die an dem Motorisierungserfolge der letzten drei Jahre mitgearbeitet hätten, insbesondere Dr. Schacht für die Sicherung des deutschen Treibstoff- bedarfs, Generalinspektor Dr. Todt, für seine großen Leistungen in Straßenbau und Korpsführer Hühnlein für den ungeheuren Schwung, welchen er in den Sport und die motorbegeifterte Jugend gebracht habe, und beendete seine Ausführungen mit einem Sieg-Heil auf den Führer.
EineAusstellungausdemLnternationalen Gemeindekongreß im Juni in Berlin.
Kulturschau „Die Deutsche Gemeinde".
Berlin, 18. Febr. (DNB.) Der I n t e r n a 11 o- nale Gemeindekongreß, der im Juni unter der Schirmherrschaft des Führers und dem Ehren- vorfitz des Reichsministers des Innern in Berlin und München ftattfinden wird, gibt den deutschen Gemeinden und Gemeindeverbänden die Gelegenheit, ihre Leistung unter Beweis zu stellen. Der Deutsche Gemeindetag wird vom 6. bis 21. Juni die Ausstellung „Die Deutsche Gemeinde veranstalten. In der Ehrenhalle wird das „Denkmal der Selbstverwaltung" zu stehen kommen, das ewige Sinnbild der deutschen Stadt: der steinerne Roland. Der breite Säulen* gang um das Rund der Ehrenhalle wird eine G e- mäldeausstellung „Deutsche Städte und Landschaften" beherbergen.
Die Grundtatsachen der S e l b st v e r w a l t u n g werden in der ersten Abteilung ausgestellt: Verfassung und Verwaltung, Größe und Aufgabe, Städtebau und Grünflächen, Verteilung auf Stadt und Land, das Zusammenwirken von Gemeinden und Gemeindeverbänden, Gemeinde und Staat, Beamte und Angestellte, die Gemeinde als Fortsetzung der Familie, die Finanzen als Grundlage der Arbeit, ihr Aufkommen und ihre Verteilung. Eine Darstellung des gemeindlichen Erziehungs- und. Unterrichtswesens folgt.
Eine andere Abteilung wird die Pflege der Familie zur Darstellung bringen. Hier werden gezeigt werden: Eheberatungsftellen, Pflege des Familienbewußtseins durch Standesämter, Archive, Beratungsstellen, Förderung der Sippenvereine und Ehrenpatenschaften, Pflege des Sinnes für Familienkultur durch Schutz der Erbhöfe und alter Häuser, Sorge für Frau und Mutter durch ärztliche Beratung, Heime und Anstalten, Hebammenwesen, Fürsorge für ungesunde Wohnverhältnisse. Weiter wird gezeigt, wie der Mensch in der Arbeit und im Existenzkampf von der Gemeinde unterstützt wird, ferner die Tätigkeit der Gemeinde und Gemeindeoerbände für den kranken und arbeitslosen Volksgenossen und für den Menschen in Not überhaupt.
Die Wirtschaft als Ausstellungsfaktor wird gleichberechtigt neben der Schau der allgemeinen und kulturellen gemeindlichen Aufgaben stehen, und
zwar durch Sichtbarmachung der unlösbaren Gemeinschaftsarbeit von öffentlicher und privater Hand. Die Ausstellung wird die Gemeinde als den Motor zeigen, der unmittelbar ein Heer von Maschinen in ungezählten privaten Betrieben in Gang setzt. Sie wird auf der anderen Seite zeigen, wie die Wirtschaft an der Erschließung der Kraftquellen nicht nur empfangend, sondern auch gebend beteiligt ist.
Gegen den politischen Mißbrauch kirchenamtlicher Blätter.
Berlin, 18. Febr. (DNB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hatte bisher auf Grund einer ihm gesetzlich zustehenden Befugnis die katholischen und evangelischen Zeitschriften, die zur Veröffentlichung der kirchenamtlichen Anordnungen und der sonstigen die geistliche Leitung der Gläubigen betreffenden Verfügungen bestimmt sind, von der Anwendung des Schriftleitergesetzes ausgenommen. Leider ist diese Befreiung von einer großen Anzahl kirchenamtlicher Blätter beider Konfessionen dazu mißbraucht worden, um entgegen der vorgenannten ausdrücklichen Einschränkung gleichwohl über politische Dinge zu berichten, politische Stellungnahme zu veröffentlichen, Maßnahmen der Regierung zu glossieren oder zu kritisieren und durch die Art der Veeröffentlichung verächtlich zu machen.
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hat sich daher veranlaßt gesehen, die Reichspressekammer und den Reichsverband der deutschen Presse darauf hinzuweisen, daß die Freistellung von den Vorschriften des Schriftleitergesetzes in Zukunft nur noch für solche kirchlichen Zeitschriften gelten kann, die sich streng an die Bestimmung halten, daß sie nur kirchenamtliche Anordnungen und sonstige kirchliche, die geistliche Leitung der Gläubigen betreffenden Verfügungen wiedergeben dürfen.
Zeitschriften, die sich hierauf nicht beschränken, sind als politische Zeitschriften anzusehen und unterliegen den Bestimmungen des Schriftleitergesetzes. Sie dürfen daher nur noch unter Verantwortung eines in die Berufslifte eingetragenen Schriftleiters erscheinen.
Ministerpräsident Göring besuchte mit seiner Gattin die Automobil- Ausstellung am Kaiserdamm. — (Presse-Jllustration°Hoffmann-M.)
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Vom Empfang bei Reichsminister Dr. Goebbels: Begrüßung zwischen Dr. Goebbels und dem Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Dr. Dorp müHer. — (Presse-Jllustration-Hoffmann-M.)
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Neuordnung rnporiugal
Von unserem (B.)-Berichterstaiter
Lissabon, Februar 1936.
Wenn die portugiesische Nationalversammlung Rückschau hält auf die im Vorjahre geleistete Arbeit, so wird sie es mit einem Gefühl stolzer Befriedigung tun können. Nicht, weil das verflossene Jahr besonders ereignisreich gewesen wäre oder die portugiesische Regierung einen großen europäischen Erfolg erzielt hätte. Nein, gerade in der ruhigen Entwicklung, im stetigen Aufbau des neuen Staates kann das sicherste Anzeichen dafür erblickt werden, daß das Werk der Nationalregierung von Dauer ist und sich auch weiterhin durchsetzen wird. Portugal hat im vergangenen Jahre Beweise einer internationalen Achtung erhalten, wie sie nur einem Lande beschieden sind, dessen Regierung verantwortungsbewußt und uner- chütterlich die Zügel des Staatsregiments fest in Händen hält. Mehr und mehr beginnt das Interesse Europas für Portugal zu wachsen. Eine Reihe geglückter Maßnahmen seiner Regierung haben das bewirkt und beschleunigt. Das ist zunächst die Stellung Portugals in Genf, wo es sich bemüht, eine vorbildliche Völkerbundspolitik zu betreiben. Es ist gewiß kein Zufall, wenn die portugiesischen Abgeordneten mit Vorliebe zu Präsidenten der Völkerbundsausschüsse gewählt werden, eine Aufgabe, der sie mit außerordentlichem Takt gerecht werden. Dem jetzigen Präsidenten des Achtzehner-Ausschusses, Vasconcellos, ist das von allen Seiten bestätigt worden. Man hat sogar davon gesprochen, Lissabon zum künftigen Tagungsort des Abessinien-Ausschusses zu wählen.
Im Sommer vorigen Jahres lud Portugal die führenden Männer des nationalen Schrifttums der einzelnen Länder zu sich, wobei Deutschland durch den Alt-Präsidenten der Reichsschrifttumskammer B l u n ck und Prof. C u r t i u s vertreten war, eine Tagung, die erheblich dazu beigetragen hat, das Ansehen der portugiesischen Geistigkeit im Auslande zu heben. Gemeinsam mit diesen propagandistischen Maßnahmen betreibt Portugal eine Politik der Festigung seiner internationalen Stellung, indem es sich bemüht, die freundschaftlichen Beziehungen zu seinem Nachbarland, Spanien, zu verstärken und zu vertiefen, ein Bemühen, das seinen Ausdruck in der kürzlichen Einladung des Außenministers Dr. Armindo Monteiro, zu einem Ehrenbesuch des spanischen Staates fand. Trotz der Verschiedenartigkeit der innerpolitischen Einstellung und trotz der gelegentlichen Reibungen, insbesondere auf dem Gebiet der Fischerei und des Arbeitsmarktes, besteht ein herzliches Verhältnis zwischen den beiden Ländern.
Um auch außenpolitisch einen Schutz für sein Kolonialreich zu erhalten, setzt Portugal eifrig die traditionelle Freundschaftspolitik mit England fort. Außerordentliche Rührigkeit bewies die portugiesische Politik in allen Fragen seiner kolonialen Tätigkeit. Nicht nur bewies es in unzweideutiger Weife feinen festen Willen, mit allen Mitteln fein außerordentlich großes Kolonialreich zu behaupten, sondern es ging sogar zur Offensive über, indem es Ansprüche auf Tanger geltend machte.
Dieser zielbewußten Außenpolitik steht eine ebenso feste Innenpolitik gegenüber. Das parlamentarische Unwesen wurde endgültig beiseite gesetzt. An die Stelle des Parlaments trat die Nationalversammlung, ein Einparteien-Par» tarn ent, und ihr beigeordnet die Ständekammer, die im Frühjahr erstmalig zusammenkamen. Es darf allerdings nicht übersehen werden, daß diese Maßnahmen von der Regierung dekretiert wurden, ohne die nötige Aufklärungsarbeit innerhalb der Bevölkerung zu leisten, so daß die Ständekammer vorläufig gewissermaßen noch in der Luft schwebt. Jedoch ist nicht zu leugnen, daß die Bevölkerung der Regierungsarbeit zusehends mehr Vertrauen entgegenbringt, wie dies die Präsidentenwahl, bei welcher der bisherige Staatschef General Carmona mit großer Mehrheit wieder- gewählt wurde, eindeutig beweist.
Zum Abschluß dieser Betrachtung muß noch jener Mann erwähnt werden, dem Portugal seinen Aufschwung verdankt: der Ministerpräsident Oliveira Salazar, dieser stille und bescheidene Politiker, der nach außen selten hervortritt und doch die Seele des neuen Portugals ist. Große Aufaaben stehen ihm noch bevor. Nachdem die außenpolitische Stellung Portugals nun als gesichert betrachtet werden kann, dürfte das kommende Jahr im Zeichen der verwaltungstechnischen Reformen und der Sozialpolitik stehen. Auf diesem Gebiet hat Portugal noch außerordentlich viel nachzuholen. Trotz der gefestigten Finanzlage des Staates ist die Armut des Volkes noch erschreckend groß, während andererseits große, im Privatbesitz befindliche Kapitalien brach liegen. Die bisherigen sozialen Maßnahmen stehen nur auf dem Papier, derweil der portugiesische Arbeiter, vor allem der Landarbeiter, ein Hungerdasein fristet. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, wenn die im verborgenen betriebene staatsfeindliche Wühlarbeit der marxistisch-kommunistischen Kreise auf einen fruchtbaren Boden fällt. Vor allem ist das auch auf einen Mangel der Regierung an Kontakt mit dem Volks zurückzuführen. Die Propagandatätigkeit des Staates wendet sich lediglich an die intellektuellen Kreise und vergißt die breiten Volksmassen. Portugal versucht, seinen Staat von oben herab zu bauen, indem es zunächst eine autoritäre, vom Militär getragene Regierung mit außen- und wirtschaftspolitisch fester Stellung schuf. Das ist in hervorragender Weise gelungen. Es wird sich freilich erweisen müssen, ob die Regierung es versteht, nun nachträglich auch den Kontakt mit dem eigenen Volk herzustellen.


