Ausgabe 
18.6.1936
 
Einzelbild herunterladen

Oberhessen.

Arbeitstagung der Kreisbauernführer der Landesbauernfchast Hessen-Naffau.

NSG. Am Mittwoch traten im Hause der Lan­desbauernschaft Hessen-Nassau deren Kreisbauern- sührer zusammen, um mit den zuständigen Stellen der Landesbauernschaft die Fragen durchzusprechen, die im Laufe der letzten Zeit in der praktischen Ar­beit der Kreisbauernsckaften aufgetaucht waren. Einen großen Raum naym die Erörterung der Ent­schuldung, vor allem der Pächterentschuldung, ein. Vertreter der Deutschen Pachtbank äußerten sich über die Arbeitsweise dieses Institutes, insbeson­dere bei der Festsetzung der Zinsleistungsgrenzen und gaben Antwort auf die Fragen, die aus den verschiedenen Kreisbauernschaften zu diesem Thema gestellt wurden. Für die Zukunft ist noch eine engere Zusammenarbeit der Deutschen Pachtbank mit den Dienststellen des Reichsnährstandes zu erwarten.

Im Anschluß daran wurden die Probleme be­handelt, die sich aus der Durchführung des Reichs­erbhofgesetzes ergaben, insbesondere bei Abver­äußerungen, Uebergabebedingungen und Erbhof­krediten. lieber Kreditgewährung sprach Direktor Eid mann von der Landesbauernkasse Rhein- Main-Neckar. Die Verhältnisse in den Weinbau- gebieten wurden besonders ausführlich behandelt. Ein weiterer Punkt der Besprechung war der Landarbeiter mangel, der sich in verschie­denen Gegenden unserer Landesbauernschaft be­merkbar macht. Die Sachbearbeiter der Kreis­bauernschaften hatten Gelegenheit, ihre Erfahrun­gen auszutauschen und es konnten Wege aufgezeigt werden, um dem Landarbeitermangel zu begegnen.

Generalversammlung

der BuhbachLicher Eisenbahn.

* Butzbach, 17. Juni. Heute fand imHessi­schen Hof" die diesjährige Generalversammlung der ButzbachSicher Eisenbahn AG. statt, der eine Sltzuna des Auffichtsrates der Gesellschaft ooraus- ging. Auf der Tagesordnung standen als Gegen­stände der Verhandlungen der Geschäftsbericht, die Gewinn- und Verlustrechnung für 1935, die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates und die Wahlen zum Aufsichtsrat.

Die Verhandlungen leitete der Vorsitzende des Aufsichtsrates Direktor. Dr. Stephan (Berlin). Er gab zuerst einen Ueberblick über die geschäftliche Sage des Unternehmens. Es mußte festgestellt wer­den, daß das Kalenderjahr 1935 einen Rückgang der Einnahmen gebracht hatte, der sich dadurch fühlbar macht, daß notwendige Rücklagen und besonders Erneuerungen nicht in dem erforderlichen Maße getätigt werden konnten. Das Jahr 1936 hat sich aber gut angelassen. In den ersten vier Monaten wurde schon ein Ueberschuß von 24 000 Mark er­zielt. Im Jahre 1935 war der Ueberschuß 27 500 Mark. Wenn nun von dem Reichsbevollmächtigten ein Kapitalaufwand von über 100 000 Mark zur Herstellung der Gleisanlage (23 000 neue Schwel­len!) verlangt werden, so sieht sich die Bahnleitung genötigt, noch für ein weiteres Jahr den Staat, die Provinz und die Gemeinden um größtes Ent­gegenkommen hinsichtlich der Steuern und der auf- zuoringenden Zinsen zu bitten. Dafür sagte sie ein Eingehen auf die berechtigten Fahrplanwünsche be- sonders der Strecke LichGrünberg au. Die Ge- jamtrückstände belaufen sich jetzt auf annähernd 100 000 Mark.

Die Aufsichtsratsmitglieder Dr. Stephan (Ber­lin), Direktor Kubisch (Berlin), Pfarrer Nies (Ettingshausen) und Landwirt Fenchel (Ober- Hörgern) wurden wiedergewählt.

Nach der Generalversammlung sand eine Zu­sammenkunft der Inhaber der Schuldverschreibun­gen statt. Durch den Rückgang der Einnahmen um 13 000 Mark gegen das Geschäftsjahr 1934 ist eine Notlage entstanden, besonders wegen des Ein­spruches des Reichsbevollmächtigten gegen die Be­triebssicherheit der Bahn. Der Vorsitzende stellt den Antrag, das Steuer- und Zinsabkommen, das mit den Schuldverschreibungsinhabern für 1935 lief, auch auf das Jahr 1936 zu erstrecken. Der Antrag wurde angenommen.

Gin Durgfest in Friedberg.

Lpd. Friedberg, 17. Juni. Die Stadt Fried­berg beabsichtigt, anfangs August ein Burgfest zu veranstalten, das im Stile des 16. Jahrhunderts altes Brauchtum zu neuem Leben er-

Xafl der Mlorgruppe Hessen m Frankfurt a. Al.

ßlni* ößr Großveranstaltungen in Frankfurt a. M. wird am 20. und 21. Juni 1936 mit dem Tag des NSKK. fortgesetzt. 12 000 NSKK.» Jänner werden in diesen Tagen aus den Gauen Hessen-Nassau, Kurhessen, Koblenz-Trier und Main­franken in der alten Mainstadt antreten, um als berufene Banner- und Willensträger dem Motori- sierungsgedanken im neuen Deutschland Ausdruck Zu geben; für ihn zu werben, ist ihre vornehmste Ausgabe, denn je höher der Stand der Motorisie­rung desto stärker die Abwehrkraft der Nation! In oer Vertiefung dieser Erkenntnis und der systemati­schen Wegbereitung ihrer praktischen Auswirkung im nationalsozialistischen Gemeinschaftsgeiste, liegt die Ursache, zum ersten Male im Bereich der Mo- torgruppe Hessen diese zentrale Kundgebung zu ver­anstalten.

Das Programm des NSKK.-Tages ist von solcher Vielseitigkeit, daß eine nachhaltige Werbung für den Motorisierungsgedanken bestimmt erreicht wird. Die Unterbringung der vielen auswärtigen Kame­raden erfolgt in einem Biwak auf dem Festhallen­gelände zwischen dem Haus der Moden und dem Haus der Technik.

Im Mittelpunkt des ersten Tages steht ein Groß- Konzert in der Festhalle, veranstaltet von den Mu­sikzügen der Motorgruppe Hessen unter Stabfüh­rung des Musikinspezienten des NSKK., Brigade­führer Krümmel. Die anschließende Sonnwendfeier auf dem Ausstellungsgelände an der Bismarckallee hat ihren Höhepunkt in der Feuerrede des Gau­leiters und Reichsstatthalters Sprenger.

Der Sonntag beginnt mit einer Paradeaufstel­lung der Einheiten der Motorgruppe Hessen auf dem Ausstellungsgelände. Der Führer des national­sozialistischen Kraftfahrerkorps, Korpsführer Hühn- lein, weiht dort 20 neue Stander und vereidigt die im Jahre 1935 neu dem Korps bei­getretenen Männer und Junggenosfen der HI. auf den Führer. Anschließend formieren sich die Ein­heiten zum Propagandamarsch durch die Stadt: am Opernhaus wird die gesamte Motorgruppe Hessen vor dem Korpsführer vorbeimarschieren.

Recht interessant und zum Teil ganz neuartig sind die kraftfahrsportlichen Vorführungen am Nach­mittag. Figurenfahren der MotorsportschuleWest- mark", Fuchsjagd, Kraftfahrakrobatik, eine gemischte Stafette. Körperschule, gezeigt von 100 NSKK.- Männern der Motorstandarte 49, Geschicklichkeits­prüfungen, Fahrzeugexerzieren, ein Vorbeimarsch der Wehrmacht sind Einzelheiten des Programmes, die allein schon durch die Aufzählung vielverspre­chend sind. Den Hauptanziehungspunkt aber bildet ein heiteres Verkehrsspiel:Schreckliche Ereignisse zu Schillers Füßen", das in feiner erzieherischen Aufgabe auch einen ernsten Hintergrund hat. Trotz­dem werden der leibhaftige Schiller, die NSKK.- Männer, die Schutzpolizei, die Straßenbahn u. a. m. den Zuschauern viel Spaß machen.

Ein großes Volksfest mit Feuerwerk und aller­lei überraschenden Belustigungen beschließt den Tag des NSKK.

wecken soll. Das Bild der ehemals freien Reichs­stadt Friedberg soll wieder lebendig werden in Eri­nnerung an die Zeiten des Wette rauer Städtebundes, als sich zum Friedberger Schützenfest Gäste aus der ganzen Wetterau, aus Gelnhausen und Frankfurt einfanden. Eine Auffüh­rung vonWallensteins Lager" in der Bearbeitung des Friedberger Heimatforschers Prof. Dr. B l e ch e r auf der Freilichtbühne soll dem Burgfest einen gro­ßen Rahmen geben.

Jahresbericht

der Aezirkssparkaffe Grünberg.

+ (3 r ü n b e r g, 17. Juni. Die Bezirkssparkasse Grünberg veröffentlicht soeben ihren Jahresbericht für 1935, ihr 102. Geschäftsjahr. Danach betrug der Umsatz über 15 Millionen Mark; die Bilanzsumme mit 3159 477,25 Mark zeigt eine Steigerung von über 300 000 Mark. Im Sparverkehr betrugen die Einzahlungen einschließlich Zinsgutschriften 637 798 Mark, die Rückzahlungen 363 370 Mark, so daß ein reiner Sparzugang von 274 428 Mark zu verzeich­nen ist. Die Gesamthöhe der Spareinlagen ist am Jahresende auf 2 697 618 Mark angewachsen, die sich auf 4554 Sparbücher verteilen. Vergleichsweise bestanden Ende 1913 2898 Sparbücher mit 2 956 028 Mark Spareinlagen. Im Kontokorrentverkehr be­trug der Umsatz rund 4,3 Mill. Mark bei einem Stand von 388 Konten. Das Darlehensgeschäft er­brachte 114 neue Darlehen, davon 113 210 Mark gegen Hypotheken und 32 240 gegen Bürgschaft oder sonstige Sicherheit. Die Gesamtzahl der Dar­lehen und Kredite umfaßt 1263 Posten mit einer Summe von 1 142 370 Mark, das sind 42,4 v. H. des Spareinlagenbestandes.

Die Kasse ist an 75 landwirtschaftlichen Entschul­dungsverfahren beteiligt, wovon bis jetzt zwei er­ledigt find. Der Stand der im Besitz der Kaffe be­findlichen Wertpapiere wird mit 868 249 Mark an­gegeben.

Der Jahresüberschuß mit 41 442,01 Mark um­faßt 17 100,75 Mark für Rückstellungen und Ab­schreibungen sowie 24 341,26 Mark Reingewinn. Die Rücklagen und Rückstellungen weisen am Jah­resende folgenden Stand auf: Rückstellungskonto 59 291,99 Mark, gesetzliche Sicherheitsrücklage 223 726,91 Mark, Kursrücklage 25 486,41 Mark.

Der Zinssatz für Hypotheken und Darlehen an Gemeinden, der seit dem 1. März 1935 in Kraft ist, beträgt 4,5 v. H., für alle übrigen Kredite 5 v. H. An der Kasse sind tätig: 2 Beamte, 3 Ange­stellte und 2 Lehrlinge. Die Kasse umfaßt 40 Garantiegemeinden. Der Verwaltungsrat setzt sich am Jahresende folgendermaßen zusammen: Lehrer Wilh. B ö ch e r (Grünberg) als Vorsitzender, Bäcker­meister Erich Becker (Grünberg), Stellvertreter, Bürgermeister Heinz Wagner (Grünberg), Gast­

wirt Karl W e tz i g (Grünberg), Bürgermeister Stein (Climbach), Bürgermeister Erb (Flensun­gen), Altbürgermeister Schultheiß (Lumda), Altbürgermeister Nachtigall (Odenhausen) und Bürgermeister Hock (Wettsaasen).

Landkreis Gießen.

00 Klein-Linden, 16. Juni. Die am Sams­tag und Sonntag in unserer Gemeinde vorgenom­mene Sammlung für die Innere Mission wurde durch die Mitglieder des Kirchenvorstandes und die örtlichen Kirchenangestellten durchgeführt und erbrachte im Abzeichenoerkauf 33,50 Mark und in der Hausfammlung 71,90 Mark, mithin zusam­men 105,40 Mark.

= Mainzlar, 16. Juni. Hier fand in der Gast­wirtschaft von Vogel eine Versammlung d er Lehrer des Bezirks Lollar des NSLB. statt. Zunächst machte der Bezirksobmann Lehrer Emmel (Staufenberg) eine Reihe Mit­teilungen, die sich hauptsächlich auf die Durchfüh­rung der Reichssugendwettkämpfe bezogen. Ferner forderte er die Lehrer des Bezirks auf, an der gro­ßen Lehrertagung in Bayreuth im Juli d. I. teil­zunehmen. Im Anschluß an die Bezirksversamm­lung tagte unter Leitung von Lehrer Eberle (Lollar) die ArbeitsgemeinschaftVolksschule". Leh­rer Herbst (Ruttershausen) hielt einen Vortrag über die Entwicklung des Bauerntums. Er zeigte, daß die Vorstellung, unsere Vorfahren seien vor 3000 Jahren noch Nomaden, Hirten und Jäger ge­wesen, falsch ist. Vielmehr bestand damals schon eine recht hohe bäuerliche Kultur. Der Redner schil­derte dann den Schicksalsweg des Bauern durch die Jahrhunderte bis heute, wo der Bauernstand als die Grundlage des Staates wieder zu neuem An­sehen und neuer Blüte durch den Willen des Füh­rers gelangt. Lehrer Rabenau (Staufenberg) gab interessante Ergänzungen.

= Steinbach, 17. Juni, lieber die Aussichten für den Ertrag der diesjährigen Obsternte läßt sich im Augenblick noch keine sichere Angabe machen. Die Obftbäume blühten so reich, daß die Annahme, es werde eine gute Ernte geben, berechtigt erschien. Aber schon der Verlauf der Blütezeit war nicht wunschgemäß. Das kalte und unfreundliche Wetter verlängerte die Blütezeit, hinderte die Befruchtungs­arbeit der Bienen, die an manchen Tagen der Blütezeit nicht zum Ausflug kamen. Auch traten strichweise Ende Mai noch Nachtfröste auf. Da außerdem noch der Apfelblütenstecher in einzelnen Baumstücken nachgewiesen wurde, so steht heute fest, daß die Hoffnungen der Obstanlagenbesitzer wenigstens in bezug auf die Apfelernte auch in diesem Jahre nicht in Erfüllung gehen werden. Das ist deshalb besonders schmerzlich, weil unter Führung des hiesigen Obst- und Gartenbauvereins seit mehreren Jahren in den Baumstücken mit I

Spritzen und Ausputzen der Bäume und Ent­fernen der abgängigen Baumruinen und Neuan­pflanzungen und Umpfropfen sehr viel geleistet wurde. Die Apfelernte in den Hausgärten scheint durchweg besser auszufallen. Auch in Alback sind die Ernteaussichten in bezug auf Aepfel seyr ge­ring. Dagegen ist der Behang des Steinobstes und der Birnen gut, so daß hierin eine gute Mittelernte zu erwarten ist, allerdings nur ein kleiner Trost gegenüber dem Ausfall in der Apfelernte, die kaum die vorjährige geringe Ernte, verursacht durch die harten Fröste Anfang Mai, übenreffen dürfte.

= Lich, 17. Juni. Bei der Rote-Kreuz- Sammlung gingen in unserer Stadt und den dem hiesigen Roten Kreuz zugeteilten Gemeinden folgende Beträge ein: Arnsburg 9,65, Bettenhau­sen-Langsdorf 18,01 und 20, Birklar 21,02, Eber­stadt 21,96, Lich 150,25 und 22,21, Muschenheim 17,30, Nieder- und Ober-Bessingen 15,90 und 14,70 Mark, zusammen 311 Mark. Es wurden in Lich 680, in den übrigen Gemeinden 420 Abzeichen ver­kauft. Für die Sammlung der Inneren Mission, die durch die Kirchenvorsteher und Mitglieder der beiden Frauenhilfen durchgeführt wurde, wurden in Lich 187,10 Mark gegeben. Es wurden 500 Ab­zeichen verkauft. Allen Gebern, Helfern und Helfe­rinnen fei herzlich gedankt.

Kreis Friedberg.

-- B u tz b a ch , 16. Juni. Das endgültige Ergebnis der am Sonntag hier stattgefundenen Samm­lungen ergab für die Innere Mission den statt­lichen Betrag von rund 752 Mark und für den Karitasverband 238 Mark.

Lpd. Bad-Nauheim, 17. Juni. Am kommen­den Samstag und Sonntag findet in Bad-Nauheim ein großes Reichsbahnfängertreffen der Gaue Kassel, Mainz und Frankfurt a. M. mit einer Beteiligung von etwa 500 Sängern statt.

)( Münzenberg, 16. Juni. Gestern unter­nahmen etwa 50 Lehrer aus den Bezirken Fried­berg und Butzbach hierher einen Ausflug, um die Salzpflanzen in der Gemarkung zu besich­tigen. Der Rundgangsleiter war Lehrer Oßwald aus Bad-Nauheim. Er zeigte, wie sich die gesamte Pflanzenwelt auf den ausgesprochenen Salzstellen den veränderten Bodenverhältnissen anpaßt Inter­essant war die Beschreibung und Entwicklung der reinen Salzpflanzen. Auch die erdgeschichtlichen Verhältnisse unserer Gegend, besonders des Stein­bruches, wurden erläutert und an Hand von Ab­drücken in den Gesteinen auf die Entwicklung der Erde geschlossen. Nach kurzer Rast ging die Fahrt über Oppershofen, wo ebenfalls der neuzeitlich ein­gerichtete große Quarzitsteinbruch besichtigt wurde, über Steinfurth und Bad-Nauheim nach Friedberg zurück. Die Fahrt brachte viel Lehrreiches und zu­gleich Anregendes.

+ Aus der We11erau, 16. Juni. Mit dem Eintritt der beständigen Sommerwitterung haben seit gestern unsere Landwirte mit der Heuernte begonnen. Sie ist etwa 8 Tage später als in den verflossenen Jahren. Der Graswuchs ist auf den trockenen Wiesen recht gut, auch was die Qualität anlangt. Größtenteils hat sich das Futter gelegt und es ist nun höchste Zeit, daß es gemäht wird, ehe es fault. Die Heuernte selbst fällt gut aus. Bei diesem günstigen Wetter schreiten die Arbeiten rüstig vorwärts. Der Stand sämtlicher Feldgewächse ist als recht befriedigend zu bezeichnen. Frühkar­toffeln stehen teilweise schon in Blüte. Auch die späten Sorten sind gut aufgelaufen. Das feucht- warme Wetter war besonders dem Mais und den Futterrüben in der Entwicklung förderlich. Die be­reits abgeernteten Kleeäcker find kräftig ausgetrie­ben, und damit ist die Gewähr für den guten zwei­ten Kleefchnitt gegeben. Der allerorten vermehrt angebaute Raps geht allmählich der Reife entgegen. Die Schoten haben sich sehr gut entwickelt und sind voll besamt. Der Flachs ist gut aufgelaufen und bereits stark im Wachstum. Die starken oft ge­wittrigen Niederschläge haben allerdings die Lage­rung des Korns und Wintergerste zum größten Teil verursacht. Teilweise war der Roggen bereits ausgeblüht.

flcmbanöuhc, Spiegel und Nivea?

Eine seltsame Ausrüstung, die Lottchen da ins Strandbad mitnimmt! Aber sie hat sich vorgenommen, sehr schnell braun zu werden.

Uhr und Spiegel sollen bestä- ( tigen, was Sonne und Nivea in kurzer Zeit schaffen CJ3

Verfluchtes Gold!

Roman von 3- Schneider-Ioerstl.

Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

2. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Aber sie unterließ es, denn eben wandte sich Frau Steffen nach ihr zurück, und als habe sie die Gedanken des Mädchens erraten, sagte sie:Mein Sohn darf nicht mehr wachsen, sonst streift er mir die Tünche weg. Ich habe seinetwegen die Giebel­stube schon ausbauen lassen, damit er wenigstens die Arme recken kann."

Maria Terry wurde es wunderselig zumute. Sie war kaum zehn Minuten hier und schon so zu Hause, als sei sie Jahr und Tag durch diese Räume gegangen. Sie sah, wie Frau Steffen eine Tür öffnete und ihr in bas Zimmer voranfchritt.Ich hoffe, daß es Ihnen genügt."

Tausend Dank!" Und dann tat die stolze Ma­ria etwas, wozu sie sich bisher noch nie bequemt halte: sie hob bte schmale Frauenhand empor und führte sie ehrerbietig an die Lippen.

Ah, war das ein Zimmerchen! Buntgesprenkelte Tapeten, Blumengewinde vor dem Fenster, und als sei das noch nicht genug des Grünen, ein Walnuß­baum davor und dahinter träumende Heide, weiter dunkler Wald am Horizont und als Silberkettchen der schäumende Bach.

»Ihr Koffer, Fräulein Terry!"

Sie öffnete und sah in Rolf Steffens hübsches Besicht, in dem jetzt ein jungenhaftes Lächeln stand. Zufrieden?"

Und wie! Glauben Sie, daß mich Ihre Frau Mutter länger als eine Nacht behält, wenn ich sie darum bitte?"

Sicher", meinte er ohne Zögern.Können Sie in einer Viertelstunde zu Tisch kommen?"

Zu Tisch? Nein, nein! Ich habe nur um ein Nachtquartier gebeten, Herr Steffen. Essen kann ich hn Gasthaus auch. Ich schäme mich überhaupt jetzt auf einmal", gestand sie und hatte nun ein dunkles Rot auf den Wangen.Es war eigentlich anma-l

ßend, Ihrer Frau Mutter so unaufgefordert ins Haus zu platzen."

Aber gar nicht!" lachte er sie aus.Sie kriegen nicht viel, nur ein bißchen Wurstbrot und Butter und vielleicht noch Rührei. Sonst nichts!"

Darf ich mitkommen, Wurst holen?" fragte fie, und als er ein abweisendes Gesicht machte, erklärte sie eifrig:Ich bin noch nie beim Abendbrotein­kaufen dabei gewesen."

Er stand einen Augenblick verblüfft, dann klang sein helles Jungenlachen bis in den Garten hin­unter, wo Frau Steffen eben ein weißes Tuch über den grobgehobelten Tisch breitete:Erst wa­schen," sagte er, zuerst nach seinen und dann nach ihren Händen blickend. Sie waren nicht eben in bester Verfassung, und Maria versteckte eiligst ihre Finger, um die Trauerränder an den Nägeln zu verbergen.Wie lange brauchen Sie?"

Fünf Minuten!"

Ich zehn", gestand er ehrlich.Wenn ich fertig bin, klopfe ich."

Es dauerte länger als zehn Minuten, bis er an ihre Tür pochte. Sie war ein bißchen verlegen, als er jetzt in dunklem Anzug, mit tadellos geknüpfter Krawatte und weißem Hemd vor ihr stand.Gott, wie fein!" lobte sie bewundernd.Da kann ich ja gar nicht mehr mitkommen." Sie trug ein helles, einfaches Sommerkleid.Gehen wir jetzt?"

Er nickte und schaltete die Treppenbeleuchtung ein, denn es dunkelte bereits. Unten wartete Frau Steffen und sah lächelnd nach ihrem jungen Gast, denn Maria stand ihre Glückseligkeit offen im Ge­sicht.Ich darf mit Wurst kaufen gehen!"

Aber das kann mein Sohn doch auch allein," meinte Frau Steffen abwehrend

O bitte" drängte Mana.Es macht mir soviel Spaß. Oder ist es Ihnen peinlich, Herr Steffen?" v

Aber nein, im Gegenteil. Mutter, gib uns doch ein Körbchen oder ein Netz. Leer darf es Fräulein Terry tragen, voll trage ich es."

Och", schmollte Maria,wie egoistisch! Aber ich will schon folgen, weil Sie so nett find und mich mitnehmen."

Frau Steffen sah den beiden nach, die jetzt be­schwingten Schrittes über den bekiesten Weg gin­

gen und durch die überwucherte Gartentür traten. Maria Terry", sagte sie vor sich hin, als müßte sie den Namen im Ohr widerhallen lassen, ob auch nicht der Hauch eines Erinnerns daran hasten blieb. Doch es war nicht der Fall. Sie hatte den Namen noch nie gehört. Man war schließlich auch nicht 22 Jahre von der großen Welt getrennt, um dann durch einen bloßen Zufall wieder in fie zurück- gedrängt zu werden. Es war schon zuviel, daß der Junge durch sein Hochschulstudium damit in Be­rührung kam. Aber er ahnte nichts. Er war noch zu klein gewesen damals, als ihr Leben sich so von Grund auf geändert hatte, daß sie beinahe selbst nicht mehr daran glaubte, es könnte einmal anders gewesen fein.

Das einzig Beruhigende war, daß Rolf nichts, aber auch gar nichts wußte von allem, was ihr selbst zuweilen noch Nächte voll Ruhelosigkeit und nutzlosem Grübeln brachte. Für ihn war es immer so und nicht anders gewesen: sie und er allein. Der Vater tot, gestorben, als Rolf noch kaum in die Welt geschaut hatte. Warum ihn mit Dingen beschweren, die er vielleicht niemals begreifen würde, ober zum mindesten falsch beurteilte? Warum ihm sagen, daß möglicherweise eines Tages je­mand eintreffen könnte, der Ansprüche an ihn stellte?

Aber das war ja ausgeschlossen. Niemand konnte Ansprüche an ihr Kind stellen! Niemand! Es gehörte ihr! Nur ihr allein und sonst keinem.

Sie holte Tassen und Teller aus der Küche, legte goldgerandete Papierservietten auf und schmückte das weiße Leinen mit den Zweigen des wilden Jo­hannisbeerstrauches, der sich an den Zaun drängte. Maria Terry, dachte sie. Irgendwie schien ihr der Name doch gefährlich. Terry!--Nein, es war

sicher nur Einbildung. Es haftete diesem auch nicht das geringste Beunruhigende an. Das Mädchen war hübsch. Es schien auch gut zu sein. Wenn Rolf ihr einmal eine solche Schwiegertochter bringen würde, wollte sie ohne Zögern beide Hände danach aus­strecken und sie ans Herz drücken.

Mach auf, Mutter! Muuutter!", rief es von der der Straße her, von wo gleichzeitig ein helles Lachen kam.

Da standen sie nun, die beiden jungen Menschen, die Gesichter erhitzt und von Schelmerei über­sonnt.Fräulein Terry hat das ganze Dorf ge­

kauft", sagte Rolf, wollte seinen Ellenbogen auf die Klinke drücken und zog ihn rasch wieder an, damit ihm die beiden Bierflaschen nicht auf den Boden kollerten. Maria ließ sich den Laib Brot abnehmen und seufzte:Herr Steffen ist der Geizhals in Per- son, gnädige Frau. Bei jedem Stück, das ich haben wollte, sagte er ,Nein'!"

Elisabeth Steffen sah lächelnd in die glühenden Gesichter, die von der Helle des verlöschenden Abends sanft beleuchtet waren. Der weißgedeckte Tisch lockte. Von den Linden herüber kam ein sü­ßer Duft. Maria Terry hatte wirklich wie für ein großes Abendessen eingekauft.

Frau Hofmann" so hieß die Krämerin des Dorfesmag sich nicht wenig gewundert ha­ben", meinte Frau Steffen mit einem leichten An­flug von Beklemmung.

Ja", gestand das Mädchen lachend,sie hat gesagt: Was, Gänseleber? Die hat noch nie jemand von mir verlangt."

Rolf blinzelte ihr vergnügt zu.Das andere haben Sie vergessen."

Welches andere? Ach so", meinte sie und er­rötete.Sie hat sie meinte nämlich sie ver­mutete in mir die künftige Schwiegertochter." Da­bei sah sie von Frau Steffen weg nach den Baum- wipfeln hinauf.

Das müssen Sie nicht weiter schlimm nehmen", besänftigte Frau Steffen schmunzelnd.Man darf hier auf dem Lande die Worte nicht zu sehr ad- wägen."

Ich habe es auch gar nicht schlimm genommen." MaMs Gesicht war ihr jetzt voll zugekehrt.Ich bin ja so selig! So über die Maßen glücklich! Ich erlebte schon lange keinen Abend mehr, der so ganz wunderbar schön gewesen ist."

Aber Sie haben doch sicher ein prächtiges Zu­hause, Fräulein Terry?"

Das schon, ja ein prächtiges Zuhause und einen prächtigen Vater auch. Aber ich habe keine Mutter mehr, Frau Steffen!"

Wie traurig!" Elisabeth Steffen legte ihre Hand behutsam auf die Maria Terrys.Ist sie schon lange

»Ich war fünf Jahre, als sie starb. Jetzt bin ich neunzehn."

(Fortsetzung folgt!)