Ausgabe 
18.5.1936
 
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Nr. «5 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag, 18. Mai 1936

Aus her Kameradschaft her Frontkämpfer tvtrh her wahre Friede geboren.

Die Antwort her deutschen Frontsoldaten.

Berlin, 16. Mar. (DNB.) Im Hause der Deutsch-Französischen Gesellschaft gab der Reichs­kriegsopferführer und Vizepräsident der Deutsch- Französischen Gesellschaft, Oberlindober, der Presse Kenntnis von der Antwort, die die deut­schen Frontsoldaten ihren französischen Kameraden auf deren Aufruf vom 12. Mai übermittelt haben. Von den deutschen Frontkämpferorganisationen waren die Nationalsozialistische Kriegsopferoersor- gung, der ReichskriegerbundKyffhäuser", die Waf­fenringe, der RS.-Marinebund, der Reichsbund der deutschen Ofiziere, der Kolonialkriegerbund und die Reichsoereinigung ehemaliger Kriegsgefangener ver­treten.

Reichskriegsopferführer Oberlindober erklärte, der Frontsoldat habe aus dem Kriege die Achtung vor dem Gegner mitgebracht und sei gewohnt, diese Achtung auf die Völker zu übertragen. Der vor kurzem im Namen von vier Millionen fran­zösischen Frontsoldaten an die deutschen Front­kämpfer gerichtete Aufruf sei heute im Auftrag von sechs Millionen Frontsoldaten erwidert worden. Mit dieser Antwort verbinden wir die Hoffnung, daß sie nicht nur von den fran­zösischen Frontkämpfern, sondern vom ganzen frnzösischen und deutschen Volk ge­hört wird, denn diejenigen, die 4Vr Jahre den Bestand ihrer Nationen garantiert haben, fühlen sich verpflichtet, dafür zu sorgen, daß nicht neues Elend über die Völker kommt. Die Antwort hat folgenden Wortlaut:

französische Kameraden!

Die deutschen Frontkämpfer und mit ihnen das ganze deutsche Volk begrüßen den an sie gerichteten Friedensappell der franzö­sischen Frontkämpfer auf das herzlichste. Wir Frontkämpfer auf beiden Seiten haben in vier­jährigem harten Ringen gelernt, das Gleichgewicht nicht zu verlieren und in jeder Lage kühle Köpfe zu bewahren. Diese selbstverständliche Einsatzbereit­schaft der besten Männer unserer Völker gibt uns Frontkämpfern auch heute das Recht, unsere Stimme zu erheben für eine endgültige

Verständigung zwischen unseren beiden Län­dern und für die Neugestaltung eines aufrichtigen Friedens in Europa.

Wir Frontkämpfer Frankreichs und Deutschlands haben aus diesem schweren und sinnlosen Krieg eins mit nach Hause gebracht, nämlich: Die Achtung vor dem ehemaligen Gegner und die tiefe Ueberzeuaung, daß dies der letzte Kampf zwi­schen unseren beiden Völkern gewesen sein muß! Nichts wünschen wir deutschen Frontkämpfer sehn­licher, als daß die kommende Neugestaltung unseres europäischen Friedens von diesem Geist der Achtung und gegenseitigen Frontkameradschaft getragen sein möge, die sich über den Schützengraben hinaus be­währte, aber auch von dem Wirklichkeitssinn, den wir in der harten Schule des Krieges erworben haben. Auch wir deutschen Frontkämpfer lieben den Frieden und wir sind mit Euch französischen Front­kameraden darüber einig, daß ehrliebende Nationen nur einen Frieden der absoluten Gleichberechtigung wünschen können.

Cure Botschaft, französische Kameraden, be­kräftigt den Inhalt unserer wiederholten Unter­haltungen auf französischem wie auf deutschem Boden und wir deutschen Frontkämpfer stehen nicht an, ebenso feierlich unsere Friedensbereit­schaft zu wiederholen und unsere Kameradschaft in weiteren Begegnungen zu vertiefen. Wir tun dies mit um fo größerer Freude, als wir dies heute als Frontkämpfer einer Nation zum Ausdruck bringen, die wieder in den Vollbesitz ihrer Souveränität ge­langt ist. Wir haben uns verstehen ge­lernt und haben aus diesem Verstehen her­aus die Verpflichtung, dieses gegenseitige Sich- kennenlernen und Sichverstehen auch unse­ren Völkern und vor allem der Ju­gend zu vermitteln. Dir wenden uns mit Abscheu ab von jenen anonymen Kreisen, die aus durchsichtigen Gründen unsere beiden Kul- turnationen gegeneinander zu führen trachten,

um in einem erneuten Ringen ihre schmutzigen Geschäfte machen zu können. Und wir rufen dabei auch die Frauen und Mütter der 1 0 Millionen Toten des Welt­krieges auf, in unseren Völkern immer wieder an die 10 Millionen Holzkreuze zu er­innern, unter denen ihre Männer und Söhne den letzten Schlaf schlafen, gefallen in dem Glauben, daß dieses Ringen, in dem sie selbst ihr höchstes Opfer gebracht haben, das letzte fei und daß jaus den Schrecken des Krieges der wahre Friede geboren werden könnte.

Wir deutschen Frontkämpfer wissen ebenso wie ihr, französische Kameraden, daß Europa zu klein geworden ist für einen Krieg. Wir wissen, daß ein neuer Krieg enden würde mit der Z e r st ö - rung der europäischen Kultur, in der Zersetzung und dem langsamen Sterben der europäi­schen Kulturvölker, mit einem Chaos. Wir wissen aber auch, daß ein dauerhafter Friede Und die dar­aus sich sicher entwickelnde Freundschaft zwischen un­seren beiden Völkern eine neue Blüte für Europa und eine gesicherte, stohe Zukunft bedeuten wird für unsere Kinder, für die wir in den 52 Mo­naten des letzten Krieges in Wahrheit gefochten fjaben.

Die deutschen Frontkämpfer nehmen die ihnen gebotene Freundschaftshand auf in der Zuversicht und in der Ueberzeugung, daß aus der Kamerad­schaft die besten Männer beider Nationen der wahre Frieden und das gegenseitige Vertrauen geboren wird zum Segen unserer beiden Länder, für Europa und die Welt.

Die Antwort der deutschen Frontsoldaten wurde mit lebhafter Zustimmung ausgenommen. Der Reichskriegsopferfuhrer gab noch der Hoffnung Aus­druck, daß die französische Presse diesen Aufruf mit der gleichen Bereitwilligkeit aufnehmen möge, wie es die deutsche mit dem der stanzösischen Frontkämpfer getan habe.

Oer Fahrer hes Führers GG.-Brigaheführer Julius Schreck gestorben.

Wehrsorgen in England.

Der Mangel an Rekruten.

London, 17. Mai. (DNB.) Der britische Der. teidiaungsminister Sir Thomas Jnskip sprach Dor, der britischen Legion überEnglands Pflich- ten". Es liege den Engländern nicht, eine große stehende Armee zu unterhalten. Baldwin habe auch versprochen, daß es während seiner Minister- schäft keine allgemeine Wehrpflicht gebe, die der Nation die Streitkräfte zur Verteidi­gung liefere, dann müsse man irgendein an- deres Mittel finden, um die erforderlichen Streitkräfte zu beschaffen. Man solle sich einmal die weit ausgedehnten Handelswege des britischen Reiches ansehen, die schutzbedürftig seien, und solle an die Verpflichtungen des Landes denken, die von Jahr zu Jahr wüchsen. Außerdem habe England gewisse Verpflichtungen gegenüber anderen Völkern und gegenüber dem Völkerbund. Wie wolle er die- sen Verpflichtungen nachkommen. Das Beste, was England für die Welt tun könne, fei, dafür zu sor­gen, daß der Engländer von 1936 denselben Geist beweise wie den von 1914 bis 1918.

Die Rede des Verteidigungsministers hat wegen ihres Hinweises auf die allgemeine Wehrpflicht be­trächtliches Aufsehen erregt. Anscheinend hat der Minister andeuten wollen, daß eine beträchtliche Verstärkung d er Werbung für die Wehr, macht notwendig sei, nachdem der Rekrutierungs» feldzug der letzten Monate einen Fehlschlag gebracht bade.Sunday Times" schreibt: Großbritannien sei besonders schwach in der Luftabwehr. Das Pro- gramm der Vergrößerung der Rüstungen brauche eme gewisse Zeit bis zu seiner Verwirklichung. Das Unterhaus wünsche, darüber unterrichtet zu werden, was geschehen sei, um die Bereitstellung von Was- fen- und Munitionsfabriken zu verbessern. Die wich- tigste Frage der Reichsoerteidigung sei jedoch der Mangel an Soldaten für die Armee und die Territorialarmee. Eine Regierung, die sich den Weg zur allgemeinen Wehrpflicht versperrt habe, habe die Pflicht, andere Pläne vorzubringen, um die Reihen der Armee auszufüllen.

Kapstadt soll Flottenstützpunkt werden.

London, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Meldung derMorning Post" aus Johannes- bürg wird der südafrikanische Verteidigungsminister Piroe während seiner Anwesenheit in London Pläne für den Ausbau von Kapstadt zum größten britischen Flottenstützpunkt auf der südlichen Erd- hälfte erörtern. Nach diesen Plänen würde Kap- stadt zu einem noch größeren Flottenstützpunkt als Singapore gemacht werden. Die Kosten würden zu gleichen Teilen auf Südafrika und Großbritan- nien verteilt werden.

Sowjetrussische Vorbehalte für ein Flottenabkommeri.

München, 16. Mai. (DNB.) Der alte treue Mitkämpfer und Fahrer des Führers, SS - Bri - gadeführer Jul. Schreck, ist heute um 10 Uhr in München an den Folgen einer Hirnhaut­entzündung im Alter von 38 Jahren verschieden. Er hat sich in selbstloser Pflichterfüllung aufgezehrt in seinem Dienst. Schon am 1. Mai klagte er über heftige Zahnschmerzen. Aber durch nichts war er zu bewegen, seinen Platz am Steuer abzugeben, bis

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SS.-Brigadeführer Julius Schreck. (Scherl-M.) er vor wenigen Tagen schließlich in München eine Klinik aufsuchen mußte. Das übrige ist das Werk weniger Inge gewesen. Bis ins Tiefste erschüttert sind alle, die ihn kannten, von der Trauerkunde. Dem; Julius Schreck ist der gradlinig st e und treue st e Kämpfer gewesen, den man sich den- kein kann.

Julius Schreck war von Beruf Kaufmann. 1916 ging' er mit dem 10. Bayerischen Fußartillerieregi­ment an die Westfront, verdiente sich das Eiserne Kreuz 2. Klasse und das Bayerische Verdienstkreuz. 1919 kämpfte er im Freikorps Epp und beteiligte sich insbesondere an den Straßenkämpfen in Mün­chen. 1921 wurde er Mitglied der NSDAP, und war an der denkwürdigen Hofbräuhaus-Schlacht beteiligt, in der er auch verwundet wurde. Er war dann Mitglied der sog.Turn- u. Sportabteilung", wie die SA. zunächst hieß. 1923 war er einer der Gründer des StoßtruppsHitler" Selbstverständlich nahm er an dem denkwürdigen Marsch nach Koburg teil, genau so wie an vielen anderen Unternehmungen der SA. Am 8. Nov. 1923 wurde er spätabends bei einer Befehlsübermittlung an die Reichswehr verhaftet. Es gelang ihm später, zu flüchten. Am 2. Januar 1924 wurde er erneut feftgenommen. Er blieb bis zum 25. Februar in Haft und wurde vom Dolksgericht zu 1 Jahr 3 Mo­naten Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt. Bei Neugründung der Partei im Februar 1925 er­hielt er die Parteimitgliedsnummer 53. Julius Schreck ist auch einer der Mitbegründer d e r SS., Träger der SS.-Mitglieds-Nummer 5 und Träger des' Blutordens.

9 Jahre lang hat Julius Schreck zur per­sönlichen Begleitung des Führers ge­hört. In dieser Zeit hat er viele Hunderttausende von Kilometer am Steuer gesessen. In den Kampf­jahren während des ersten Deutschlandfluges muhte er oft in Konkurrenz treten mit dem Flugzeug. 36 Stunden und mehr hintereinander war er manch­mal mit seinem Wagen unterwegs, um am nächsten

Kundgebungsort schon wieder am Flugplatz start­bereit für den Führer zu stehen. Wochenlang ist er damals manchmal nicht aus den Kleidern gekom­men. Immer aber hat er seine sprichwörtliche baye­rische Ruhe bewahrt und mit einem Scherzwort half er sich über jede Situation hinweg. Einmal mußte er 4800 Kilometer in 9 Tagen zurücklegen, eine Strecke, die etwa der doppelten Entfernung ParisMoskau gleichkommt. Niemals hat er auf all diesen Fahrten mit seinem Wagen einen Unfall gehabt. Das ist fein besonderer Stolz. DenSchreck er Landstraße" nannten ihn manchmal scherzhaft seine Freunde, eine Bezeichnung, die sich allerdings nicht auf die Art seines Fahrens bezog. In Julius Schreck hat nicht nur die NSDAP., hat nicht nur der deutsche Motorsport, sondern hat auch Deutsch­land einen Kämpfer verloren, dessen Name in die Geschichte des neuen Reiches mit ehernen Lettern geschrieben ist.

Rachrus des Korpsführers Hühnlein.

Stuttgart, 17. Mai. (DNB.) Korpsführer Hühnlein hat zum Tode des Brigadeführers Julius Schreck nachstehenden Nachruf erlassen:

Des Führers Fahrer und Getreuer, in des Wor­tes bestem Sinne, sein Weggenosse SS.- Brigadeführer Schreck ist tot. Ihm, dessen Element, wie das unsere, der Motor war, ist das Steuer für immer aus der Meisterhand ent­glitten. Diele hunderttausend Fahrtkilometer hat er in den Kampfjahren bis heute des Führers Leben bei Tag und Nacht, bei Wetter und Wind, mit immer gleich unbeirrbarer Sicherheit und Schnelligkeit durch die deutschen Lande geleitet und so die Bedeutung des Motors im siegreichen Ringen | des Nationalsozialismus vielleicht am sinnfälligsten bewiesen. Dem Korps war Julius Schreck allezeit in treuer Kameradschaft verbunden.

NSKK., senke deine Feldzeichen und Sturmstander nun an seiner Bahre im stillen Gedenken und umhülle sie eine letzte Ehrung für die Dauer einer Woche mit schwarzem Flor. In deinem Herzen aber lebe er fort als das glänzende Vorbild des Mannes und Kämvsers, der in hin­gebungsvoller Treue feine Pflicht bis zum letzten erfüllte!

Was die Veweauna an Julins Schreck verlor.

München, 16. Mai. (DNB.) Zum Tode von SS.-Brigadeführer Julius Schreck veröffentlicht NSK. einen Nachruf aus der Feder des SA.-Bri- gadeführers B e r ch t h o l d , des Führers des Stoß­truppsAdolf Hitler", in dem es u. a. heißt: Wenn wir damals in der Kampfzeit der ersten Jahre gegen hundertfache Uebermacht uns wehrten und Sieger blieben in Saalschlachten ahne Zahl, dann war Schreck unter uns und vorn jedesmal in der ersten Reihe. Nie, ob in den Jah­ren des Kampfes, oder nach dem Siege hat Schreck jemals an sich gedacht. Seit der Stunde, da er sich dem Führer verschrieb, galt sein Leben, sein Sinn und seine Tat Adolf Hitler. Und seit dieser Stunde hat unser unvergeßlicher Kamerad g e - wacht über das Leben des Führers, bis er nun selbst sein Leben hingab in treuester Pflicht­erfüllung.

Schreck war es, der zum Schutze des Führers in schwerster Zeit denStoßtrupp" ins Leben rief, der mit nur wenigen Männern überallhin dem Führer in Tausend und aber Tausend Ver­sammlungen folgte. Als Julius Schreck vom Füh­rer auserwählt wurde als fein Fahrer und

Begleiter, da wußten wir alle, daß keiner würdiger war als er, daß das Leben des Führers gerade in dieser schweren Zeit in die beste Hand gegeben war. Hunderttausende van Kilo­meter in Nacht und Nebel, Eis und Schnee hat Schreck den Führer viele ungezählte Male durch Deutschland gefahren, von Versammlung zu Ver­sammlung. Nur ein kleines Erlebnis, das die eiserne Pflichtauffassung unseres toten Kämpfers zeigt: Es war im Jahre 1926 auf Derfammlungs- fahrt durch Mecklenburg. Schreck saß am Steuer, neben ihm der Führer. In zwei Stunden sollte Adolf Hitler sprechen. Noch waren 160 Kilo­meter zurückzulegen. Da erkrankte plötzlich Schreck an Vergiftungserscheinungen. Vor Schmerzen schien er einer Ohnmacht nahe, doch er ließ nicht vom Steuer, fuhr durch die Nacht, bis er am Ziel zu­sammenbrach. Das war Julius Schreck.

Ob in den Jahren der Kampfzeit oder in den Jahren nach dem Sieg, wir haben unseren SS.- Kameraden Brigadeführer Julius Schreck nicht anders kennengelernt als damals in der ersten Stunde, da er zu uns stieß, als Kamerad in des Wortes bester Bedeutung. Wir trauern um ihn wie um unseren liebsten Bruder und denken in dieser Stunde des Führers, der einen feiner Besten verlor. Leb wohl, Julius Schreck! Wir senken die Fahne des Nationalsozialismus, die Fahne des Reiches, die du mit zum Siege trugst, über deinen toten Leib. In unseren Herzen aber wirst du weiterleben, heute und morgen und immer."

Der Adjutant des Führers zum Tode Schrecks.

Berlin, 18. Mai. (DNB.) ImVölkischen Beobachter" gedenkt SA.-Obergruppenführer Brück­ner des verstorbenen SS.-Brigadeführers Julius Schreck.

Aus dem jungen Soldaten des Weltkrieges, aus dem hart gewordenen Frontkämpfer wurde ein fanatischer Kämpfer für Deutschland in der Revolu­tionszeit. Er wurde Nationalsozialist mit ganzem, leidenschaftlichem Herzen. In mancher heißen Saal­schlacht war er als SA.-Mann Vorkämpfer und Wegbereiter eines neuen Deutschland. Dann formte er den Stoßtrupp Hitlers, immer bereit, für den Führer fein Leben bei jeder Gelegenheit in die Schanze zu schlagen. Die SS. begründete er mit und wurde schließlich der Fahrer unseres Führers in einer Gefolgschaft, die auf Tod und Leben, Ge­deih und Verderb zusammengeschweißt war. Auf all den 1000 Fahrten in dem erbitterten Kampf, der jemals um Deutschlands Freiheit geführt wurde, saß er wie ein Recke unerschütterlich am Steuer. Cs teilte der Führer mit ihm, seinem Fahrer, das letzte karge Stückchen Brot auf langer, langer Fahrt. Julius Schreck, ein Mann von rück­sichtsloser Bravour, war immer und immer Garant für öle Sicherheit des Füh­rers. Mit unerschütterlicher Treue hing er mit seinem mutigen Herzen an seinem Führer. Unge­stüm wie das Hämmern feiner Motoren war der Schlag seines Herzens. Seine letzte Fahrt durch das frühlingsschöne Deutschland führte ihn noch einmal durch all die lieb gewordenen und historischen Orte der Kampfzeit. Schon den Keim einer tödlichen Krankheit im Körper steuerte er pflichtbewußt den Wagen des Führers wie immer eisern durch­haltend, zum Ziel. Dom Steuer seines Wagens hinweg, vom alt gewohnten Platz neben seinem Führer trat er dann seinen bitteren letzten Gang zum Krankenhaus und in den Tod an. Uns allen war dieser treue Paladin des Führers als Ka­merad und als Freund Vorbild. Wir wollen versuchen, es ihm gleichzutun.

London, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" meldet, im Zusammenhang mit den be­vorstehenden Verhandlungen über ein englisch-sow- jetrussisches Flottenabkommen nach den Richtlinien des Londoner Flottenvertrages sei eine neue Der- Wickelung in der internationalen Lage eingetreten, da Rußland gewisse Vorbehalte mache. Die Sowjetregierung fordere jetzt die G l e i ch b e - rechtigung mit Deutschland in der O st« s e e. Gleichzeitig lehne sie es ab, irgendeine Flotten- begrenzung in den östlichen Gewässern anzuneh­men, da auch die Starke der japanischen Flotte nicht begrenzt sei. Selbst wenn Japan be­reit fein sollte, sich den englisch-amerikanisch-fran- zösischen Abmachungen über die Mitteilung der Flottenprogramme anzuschließen, würde sich Ruß- land nicht beteiligen, falls nicht Japan ein zwei­seitiges russisch-japanisches Flottenab­kommen abschließen würde.

Zuspitzung der Lage in Jerusalem.

London, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) In englischen Berichten wird die Lage in Palästina als außerordentlich ernst bezeichnet. Nach- dem es am Samstag zu blutigen Zusammenstößen gekommen war, marschierte am Sonntag ein schot­tisches Bataillon durch die Hauptstraßen von Jeru­salem. lieber ganz Jerusalem ist der Sius« nahmezustand verhängt worden. Der Ober­kommissar von Palästina berief am Sonntag eine dringende Konferenz der obersten Regierungsbe­amten zur Erörterung der Lage.Daily Telegraph" erfährt, daß die britischen Behörden in Palästina nicht beabsichtigen, der arabischen Forderung nach einer Verminderung der jüdischen Einwanderer nachzukommen. Der Oberkommissar werde am Mon­tag die jüdische Einwandererliste für die nächsten sechs Monate billigen. Danach sollen im nächsten halben Jahr rund 4000 Juden einwandern.

Dunkle Geldgeschäfte im erzbischöflichen Palais in Rouen.

Die Absetzung des Erzbischofs von Rouen, Monsignore de la D i l l e r a b e l, durch den Papst beschäftigt die Pariser Presse außer- ordentlich stark.Paris Midi" weiß zu berichten, daß der Generalvikar und Koadjutor des Erzbis- tumes, Msgr. Vertin, zu Beginn der Win- schaftskrise dunkle Finanzoperationen vorgenommen habe. Dom französischen Innen- ministerium sei darauf eine Untersuchung einge­leitet worden. Der Grund für die Absetzung des Erzbischofs von Rouen liege darin, daß er es nicht verstanden habe, einen Skandal im Zusammen­hang mit diesen zweifelhaften Geldgeschäften zu verhindern, und daß er die weltliche Gerichtsbar- keit zur Klärung einer Angelegenheit herangezogen habe, die nach Auffassung der Kirche nur der kirch­lichen Gerichtsbarkeit untersteht. Der Erzbischof weigert sich, seinen Amtssitz zu verlassen. Das Schloß ist nicht an den Erzbischof von Rouen, son­dern an Monsignore de la Dillerabel vermietet worden, der sich daher als Inhaber betrachten kann. Das französische Innenministerium könnte als Be­sitzer des Schlosses dessen Uebernahme durch den interimistisch beauftragten Erzbischof von Cambrai verweigern. Praktisch würde eine solche Weigerung jedoch eine unfreundliche Haltung der französischen Regierung gegenüber dem Vatikan bedeuten, was man offenbar vermeiden möchte.Echo de Paris" will aus sicherer Quelle erfahren haben, daß be­reits Verhandlungen zwischen dem Direktor für geistliche Angelegenheiten am Quai d'Orsay und dem Sjtatifan stattfinden, um den Streit beizulegen.