Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 01 Zweites Blatt
Zaimtag, 18. April 10Z6
Jel-marschall zweier Reiche.
Vor 20 Jahren, am 19. April 1916, starb Goltz-Pascha.
Der aus Ostpreußen gebürtige Colmar Freiherr v. d. Goltz war Zeit seines Lebens der Typ des preußischen Offiziers: bescheiden in seinen persönlichen Bedürfnissen, anspruchsvoll in Bezug auf Bestleistungen, die er aber nicht nur von seinen Untergebenen, sondern vor allem von sich selbst verlangte, strebsam von Jugend auf, in Vielem vielleicht ein gelehrter Offizier, aber immer ein Soldat, der körperliche Anstrengungen mühelos ertrug, dabei besorgt um das Wohl der ihm unterstellten Truppe. So hatte er das Zeug dazu, in der preußisch-deutschen Armee zu einer führenden Stellung emporzusteigen, aber er war auch der Mann,
Freiherr v. d. Goltz. (Scherl-Bilderdienst-M)
■äs
■ - ,
K - Ä
hßn der türkische Sultan zur Reorganisation seines Heeres berief, dem es dann zu danken war, daß der türkische Soldat im Weltkrieg sich so gut geschlagen hat. So steht Colmar v. d. Goltz, der als „Goltz-Pascha" Weltruf sich erwarb, als Feldmarschall zweier Reiche vor uns.
An seiner Wiege war ihm diese glänzende militärische Laufbahn nicht prophezeit worden, denn er entstammte sehr bescheidenen Verhältnissen und hatte von klein auf die Sorgen und Röte seines Elternhauses kennen gelernt. Am 12. August 1843 war er zu Bielkenfeld im ostpreußischen Kreise Labiau geboren, einem bescheidenen Gut, das bald nach seiner Geburt verkauft werden mußte. Besonders ernst wurde aber die Lage der Familie, als der Vater in Danzig von der Cholera dahingerafft wurde. Damals war der kleine Colmar erst sechs Jahre alt. In letzter Minute genehmigte man der Mutter für Colmar und seinen Bruder Unterkunft im Kadettenhaus zu Kulm in vollen Freistellen, als ..königliche" Kadetten.
So begann für den jungen Goltz schon frühzeitig das militärische Leben. Er war ein stiller und fleißiger Junge, der durch seine guten Aufsätze und sein Turnen auffiel. 1861 trat er als Leutnant in das Königsberger Infanterie-Regiment Rr. 41 ein, 1866 befand er sich, dem „Vergnügen eine Last und Arbeit eine Lust" war, bereits auf der Kriegsakademie, als der Krieg gegen Oesterreich ausbrach. Bei Trautenau wurde er verwundet, eine Gewehrkugel traf Schulter und Lunge, lange hat er unter den Nachwirkungen zu leiden gehabt. Im Stabe des Oberkommandos der II. Armee machte er den Krieg von 1870/71 mit. Aber als der Frieden kam und Goltz sich gezwungen sah, zum Unterhalt der Familie — fünf Kinder waren ihm in einer sehr glücklichen Ehe geboren — für Nebeneinnahmen zu sorgen, da machte er aus der Not eine Tugend,
er wandte sich, was er schon als Leutnant getan hatte, jetzt in verstärktem Umfang der Schriftstellerei zu. So erschien u. a. seine aufsehenerregende Schrift über Gambetta, die ihm zwar eine Maßregelung zuzog, die aber doch die militärischen und politischen Kreise aufhorchen ließ.
1878 holte Moltke ihn als Lehrer in die Kriegsakademie, doch bereits 1883 ging Goltz nach Konstantinopel, zunächst als Leiter des Erziehungswesens. Schnell gewann er sich das Vertrauen des Sultans, der ihm den Auftrag erteilte, die Armeereform vorzunehmen. Aber erst bei der vierten Vorlage wurde der Entwurf genehmigt und in dessen Befolgung wenigstens das Rekutierungsgesetz eingeführt. Als nach zwölf Jahren Goltz-Pascha noch Deutschland heimkehrte, war er am Goldenen Horn der bei weitem populärste Ausländer, jedenfalls ein unbestechlicher Werber für deutsche Art.
Im Jahre 1898 trat Goltz an die Spitze der Generalinspektion des Ingenieur- und Pionierkorps. 1902 wurde er Kommandierender General des 1. Armeekorps in Königsberg, die schönste Zeit seines Lebens, wie er oft betonte. 1907 erhielt er die 6. Armee-Inspektion. Auch weiter war er intensiv schriftstellerisch tätig, manche wertvolle Arbeit aus seiner unermüdlichen Feder ging hinaus, immer eine Bereicherung für den Leser.
Welche Bedeutung Goltz' Name in der Türkei hatte, bewies seine abermalige Berufung dorthin, als die Jungtürken zur Macht gelangten. Auch ihnen stand er mit Rat und Tat zur Seite. Am 1. Januar 1911 ernannte der Kaiser ihn zum Feldmarschall, 1913 nahm er nach 52jähriger Militärdienstzeit den Abschied, den er dazu benutzte, an der Spitze des „Jungdeutschlandbundes" mit seiner ganzen frischen Persönlichkeit für die Ertüchtigung der Jugend sich einzusetzen.
Der Weltkrieg brach aus, er wurde General- gouoerneur von Belgien. Am 28. November 1914 kam dann aber die dritte Berufung in die Türkei, sein Name allein hatte den Wert von Armeen! Befehligte er zunächst die erste türkische Armee, die zum Schutz von Konstantinopel aufgestellt war, so erhielt er bald die unendlich schwere Aufgabe, die in Mesopotamien stehende Armee zu führen. Kampf mit den Engländern und Kampf gegen das mörderische Klima, aber dankbar schrieb der Feldmarschall in sein Tagebuch: „Was mir die Heimat hartnäckig verweigert, das hat mir am Ende die Fremde gegeben. Ich werde ihr ewig dafür dankbar fein."
Goltz, dem Furcht fremd war. besuchte in immerwährender Fürsorge seine an Flecktyphus erkrankten Soldaten im Lazarett. Hier steckte er sich an und erlag schnell an dieser Seuche, am 19. April 1916 schloß er die Augen. Es war ihm nicht mehr vergönnt, seine Truppen zum Siege über die Engländer bei Kut-El-Amara zu führen, den er durch seine strategischen Maßnahmen vorbereitet hatte. So endete Tragik ein reiches Leben, das nur der Pflichterfüllung und dem Dienst am Vaterland geweiht war. Seine sterblichen Reste ruhen am Bosporus, im Park von Therapia.
Am ^eburtstaq des Führers • Parade auf dem „Mainzer Sand".
LPD. Mainz, 17. April. Der Standortälteste Mainz gibt folgendes bekannt:
Am Geburtstag des Führers und Obersten Befehlshabers der Wehrmacht findet auf dem Mainzer „Großen Sand" eine Parade der Mainzer und Wiesbadener Truppen vor dem Standort- ältesten Mainz statt. Die Parade beginnt am 20. April, 11 Uhr, mit dem Abreiten der Front der Paradeaufstellung durch den Standortältesten. Anschließend findet auf der Südseite des „Großen Sand" ein Vorbeimarsch aller Truppen statt.
ehrmacht — hohe Schule -er Nation.
Das Erbe des Fronigeistes.
GM
In der Luftkriegsschule in Dresden wurden in Gegenwart des Staatssekretärs Generalleutnant Milch die Fahnenjunker der Luftwaffe, die hier ihre Ausbildung erhalten, vereidigt. Es ist die erste Generation der künftigen Fliegeroffiziere, die hier ihren Eid auf den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht ablegte. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Seit der Führer am 16. März 1935 die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht verkündete, muß wieder jeder wehrfähige junge Deutsche ein Jahr lang unserer Wehrmacht, der, wie der Führer einmal schrieb, hohen Schule der Nation, angehören. LÜurzelnd in der von dem großen Soldatenkönig Friedrich II. begründeten ruhmreichen soldatischen Tradition Preußen-Deutschlands, gehörte es schon immer zum größten Stolz des Deutschen, seiner Militärdienstpflicht in Ehren genügt zu haben. Im Weltkrieg fanden dann auch deutsche soldatische Disziplin und Pflichterfüllung, Tapferkeit und Kameradschaft ihren Ausdruck in einer beispiellos zusammenbeballten nationalen Kraft und Stärke, die sich mit einer Unzahl von Feinden des aufblühenden Reiches maß. Und was zum Unheil der Nation in der Heimat nicht erreicht werden konnte, die Beseitigung des Klassenhasses, des Eigennutzes und des Standesdünkels, in den Schützengräben wurde sie Wirklichkeit. Der Weltkrieg war das hohe Lied deutscher Kameradschaft. Unvergleichlich heldische Leistungen erstanden aus dem Frontgeist unserer Feldgrauen, aus jenem Frontgeist, der ihnen im Schlachtenungewitter der Fronten eine Offenbarung deutscher G e - m e i n s ch a f t wurde. Als die Männer, die vier Jahre lang draußen ihr Höchstes eingesetzt hatten für Volk und Nation, dann nach dem feigen Dolchstoß aus der Heimat und dem unglücklichen Ende des Krieges wenigstens den Frontgeist hinüberretteten in das Deutschland der Nachkriegszeit, da mußte das Erlebnis des Frontsoldatentums Ursprung werden und ungeheurer Auftrieb der nationalsozialistischen Idee. Denn sie ist die Verkörperung des Gedankens des wahren
deutschen Sozialismus, der aus der Beseitigung aller inneren Gegensätze entspringenden Kraft der Nation, so wie es dem Frontkämpfer draußen in fernen Landen brennender Wunsch und Erlebnis zugleich war.
Wenn man heute sagen darf, daß die am 16. März 1935 vom Führer neugeschaffene Wehrmacht auf dem Frontsoldatenerlebnis aufbaut und es als ein kostbares Gut hütet, dann verdanken wir das nicht zuletzt unserem früheren 100000« Mann-Heer und seiner Führung. Die damalige, uns durch Versailles aufgezwungene „Reichswehr" erwies sich immer wieder als eine starke Insel inmitten des vaterlandsschädigenden Treibens der Parteien und legte in unermüdlicher Pflichterfüllung trotz ihres unzulänglichen Wirkungsbereiches die Grundlage dafür, daß heute in der neuen deutschen Wehrmacht der Geist unseres Frontsoldatentums fortlebt, und damit das Opfer der Gefallenen nicht um feinen letzten Sinn betrogen wird. Das Opfer der Toten ist uns Vermächtnis und heilige Verpflichtung zugleich, und durch den historischen Schritt des Führers'wurden Ehre und Ruhm dieser Männer wiederherqe- stellt.
Deutscher Frontgeist, soldatische Kameradschaft und Disziplin, die im Kriege die deutschen Armeen zu so gewaltigen Leistungen befähigten, — sie in der neuen deutschen Wehrmacht nicht nur zu pflegen, sondern zu erleben, das ist heute der Wunsch des wehrfähigen deutschen Mannes Und man kann schon nach so kurzer Zeit seit Wiederherstellung der allgemeinen Wehrpflicht feststellen, daß die überaus große Zahl der freiwilligen Meldungen zum Heeresdienst der beste Beweis der lebendig gebliebenen Wehrfreudigkeit ist. Jene dunklen Elemente,
Gießener Gtadttheater.
Jacques Deval: „Towarisch."
Das Schicksal der russischen Emigranten ist häufig in Romanen und Filmen der Nachkriegszeit behandelt, meist freilich nur episodisch gestreift, selten jedenfalls so liebenswürdig und ernsthaft zugleich aufgezeigt worden wie in dieser Komödie des Franzosen Jacques Deval, die, von Curt Goetz übertragen und bearbeitet, im letzten Winter ihre Uraufführung in Berlin und anschließend dort und in der Provinz beträchtliche Serienerfolge erlebte.
*
Es wäre sehr reizvoll, ist uns aber nicht möglich, den Anteil Devals und den Anteil Goetzens von einander zu scheiden: das Stück wirkt auf den, der Goetz kennt, wie ein Stück von ihm, und zwar wie eines feiner besten: wir haben ihn schon früher so scharmant und fo witzig erlebt, und wir haben noch manchen feiner trockenen und unnachahmlich pointierten Sätze im Ohr; aber wir haben noch in keinem feiner Stücke so sehr den ernsten Hintergrund. die menschliche Lebensnahe unter der glitzernden Oberfläche eines tadellos aufgebauten Theater- spiels verspürt wie hier im „Towarisch". Vielleicht ist dies der Anteil Devals; für Goetzens innere Entwicklung spricht zum mindesten der Umstand, daß er sich gerade diesen Stoff für eine Bearbeitung aussuchte
Jener sehr ernste Hintergrund blutig miterlebter Zeitgeschichte und der ganz menschliche Umriß der wichtigsten Personen im Stück rechtfertigen die Führung des geheiligten, leider oft mißbrauchten Namens einer Komödie Hier waltet ein Humor von vielen Graden und ist, wie nicht übersehen werden kann, mehr als einmal gefährlich nahe daran, in ein tragisches Posienspiel umzuschlagen. (Es bedarf für den Regisseur und den Schauspieler in diesem Stück einer ebenso leichten Hand und eines so sicheren Gefühls für Maß und Takt, wie es die Autoren bewiesen, die ungleichen Gewichte miteinander in Einklang zu bringen und in der Schwebe zu halten.)
*
Seine Exzellenz der General der Kavallerie Fürst Duratief lebt mit seiner Gemahlin, der ehemaligen Großfürstin Tatjana, in einem elenden Hotelzimmer unter den Dächern von Paris. An der Wand hängen eine Fahne, ein Säbel, eine ewige Lampe. Ihr Barbesitz 6-'trägt wenige Franken, denn Exzellenz weigert sich, das ihm zur Verwaltung anvertraute zaristifche Milliardenvermögen auf der Bank zur
Verbesserung seiner persönlichen Lage zu benutzen ... Man begreift gar nicht, wovon sie leben; Tatjana ist bereits entschlossen, einem Maler Modell zu stehen, der sie auf der Straße ansprach: aber sie bewahren Haltung, Würde, Humor, eine in allen Lebenslagen unangreifbare aristokratische lieber» legenheit . Tatjana bringt es sogar fertig, in Erinnerung an den Jahrestag einer schon fast legendären russischen Waffentat ein unverantwortliches kleines Festmahl zu arrangieren, und es ist einer der menschlich bezwingenden Augenblicke in diesem Stück, wenn die beiden sich mit erhobenen Gläsern gegenüberstehen, auf eine unvergeßlich glanzvolle Vergangenheit anstoßen und leise miteinander vom alten, längst h»nrnbenen Rutzlond in fingen beginnen
In der Zeitung, in der eine zufällig bar bezahlte Artischocke eingewickelt war, entdecken sie ein Stellenangebot und verdingen sich alsbald unter den Namen ihrer einstigen Bedienten als Lakaienehe- paar bei einem französischen Parlamentarier und ..Geschäftssozialisten": groteske Situation: aus der Umfehruna und Umwertung der Begriffe erhält die ironische Vhantasie. die in dieser Komödie waltet, neuen Auftrieb. Das ist zunächst nur amüsant, wenn die beiden etwa ihr selbstgeschriebenes und unterschriebenes Zeugnis vorweisen: das wird schon gefährlich, wenn Ouratief dem Sohn des Hauses beim Florettfechten assistiert: das wird aber unheimlich, wenn unter den Gästen der neuen Herrschaft auch der General und ehemalige Tscheka- Kommissar Gorotfchenko erscheint
Und die Ouratiess servieren auch dem Manne, der vor Jahren einmal den Fürsten „verhört" und Tatjana entehrt hat. Hier ergibt sich eine Situation, die imar eines politisch-aktuellen Beigeschmacks nicht entbehrt, aber zugleich auch an die Grenze dessen reicht, was in einer Komödienszene noch möglich ist. Die Abgründigkeit eines derartigen Zusammentreffens beherrscht den Eindruck der Szene für unser Gefühl stärker als alles, was sich sonst noch in diesem ausklingenden Akt ereignet —: die plötzliche Demaskierung, die Auseinandersetzung der beiden Gegner, die Milliardentransaktion, der Traktat über die unerforschliche russische Seele und die Erklärung des russischen Wortes „Towarisch". das „Genosse" bedeutet. Im allerletzten Augenblick erst erhält das fremde Wort feinen tiefsten Sinn: in riner rührend einfachen, menschlichen und ganz dichterisch empfundenen Gebärde unverbrüchlicher Kameradschaft zwischen Mann und Frau. —
Wir konnten hier nur Andeutung und Umriß geben, das Stück selbst ist reicher an Nuancen, an Stimmungen und Ausdrucksmöglichkeiten, als wir in der Kürze zu zeigen vermochten. Wir haben auch Goetz selber und seine Leute den „Towarisch" nicht spielen sehen, aber wir sanden die von Herrn Kühne geleitete Ausführung vortrefflich: elegant und gepflegt, bewegt und farbig auch eben in der ausgearbeiteten Wiedergabe zahlreicher psychologischer und dramatischer Schattierungen, die den Reiz der Komödie erklären. Von Herrn Löfflers Bildern schien uns das erste am charakteristischsten für die innere und äußere Situation
*
Herr von Spallart spielte den Duratief; es war die beste Leistung, die wir bisher von ihm gesehen haben; er tat und sagte das, was hier zu tun und zu sagen war, vollkommen überzeugend; und er wußte die Chance wahrzunehmen, daß gerade seine Rolle am deutlichsten die Merkmale der Goetzschen Bearbeitung an sich trägt. Aenne Markgraf als Tatjana: ebenfalls ausgezeichnet; vielleicht die ergreifendste Erscheinung in diesem Umkreis, weil sie Humor und innere Haltung, weibliche Anmut mit tapferer Beherrschung verband — alles ganz selbstverständlich und ohne Zwang.
*
Herr Hub, in einer geschickt gewählten Maske, gab der nicht sonderlich dankbaren Rolle des Goro- tschenko das zukömmliche Gewicht. Herr Dolck und Frau Stirl. als parvenuehaft bürgerliches Ehepaar Arbeziat, gaben unbeschwert heitere Lustspielfiguren. Die Damen B i r f m a n n und Henckell, die Herren Frickhöffer, Mos- bacher und Geiger seien vom Ensemble genannt.
*
Sehr hübscher Erfolg. Der Beifall, einmal bet offener Szene, rief am Ende auch den Spielleiter heraus. hth.
G'oria-Palast: „Heißes Blut"
Ein ungarisches Lustspiel der Ufa, das sich durch erfreuliches Tempo auszeichnet: Marika Rökk in der Hauptrolle der Marika von Köröffy entfaltet eine darstellerische Vielseitigkeit, welche dem Film seine charakteristische Note gibt und ihn von den vielen Pußta-Filmen, die es schon gibt, angenehm abhebt; sie reitet im Herrensattel und tanzt Csardas mit einem Temperament und Schwung, daß man ihr mit Vergnügen zusieht; außerdem spiest sie sehr hübsch und singt ihren Zigeuner-Tango scharmant. Die Handlung läuft in den üblichen Lust-!
fpiel-Bahnen, wird aber vom Regisseur Georg I a« coby flott und mit allerlei drolligen Einlagen abgewickelt, so daß man sich anderthalb Stunden lang unbeschwert unterhalten fühlt. Hans S t ü w e spielt den Honved-Leutnant, der hier natürlich nicht fehlen durfte, recht sympathisch, und der Komiker Paul Kemp ist diesmal wieder in großer Form: was er bringt, sitzt, und das Chanson vom Gerichtsvollzieher ist in der Tat eine witzige Sache. Von den übrigen: Ursula Grabley, Gülstorff und Gertrud Wolle. Franz D o e l l e schrieb die Musik dazu. — Auf der Bühne sieht man die drei Afaros mit ihrem Luftakt: eine ausgezeichnete Nummer, die jedem großen Variete zur Ehre gereichen würde. In der Fox-Tonwoche interessieren vor allem die Bilder von der großen Deutschlandfahrt unserer Zeppeline. —r —
Segel.
Wir wußten nicht, von wo sie auszogen. In einem Mast hing noch mit schwarzen Tropfen die Nacht.
Wie die Häfen mit ihnen zogen und der Lärm der Kais mit ihnen herantrieb! Die Gewürze, schwermütig und braun, hatten Duftgemisch über sie gestreut.
Dber hatten sie Wein an Bord, den noch keiner berührte, und den die Hochzeiter trinken? Dder hatten sie Krebse im Korb, rotstrahlende Korallen und spielende Krabben, die sie an den Steinblöcken der Morgeninseln fingen? ..
Die Fischer hoben die Ruder langsam; die Tropfen fielen metallisch-fahl vom Holze. Das Meer klatschte leise und drängend an den Schiffsboden.
So zogen die Göttinnen aus mit einem Gewirr von Hunden und silbernen Speerspitzen, um an die Bänke der Purpurschnecken zu fahren. In den Wind sah eisig und hoch das Gesicht der Diana. Unter dem Deck blies eine süße Flöte
D Meer? Es hat alle Küsten im Arm, alle Inseln mit blauen Feuern umbrängt.
Siebzehn Segler, klein und groß, nah und fern, im Süden und Dften zählten wir mit dem Finger, in die Luft tupfend.
Unter dem Schatten eines Segeltuches fangen die Frauen, aber wir kannten nicht ihre Worte. Es war ein Gemurmel aus Schlaf Nichts und Glück. Eine, der es gefiel, mit einem Tuch zu winken, trug einen Dnyx am Finger. Sie trug ihn, damit kein Unfriede zwischen ihr und ihrem Manne entstünde.
Ich hätte sie lieben können, wenn sie geblieben wäre.
Anton Schnack.


