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Die Aufgaben -er SA.

Der Stabschef spricht auf der Kreisleiter-Tagung.

Burg Crössinsee, 17. April. (DNB.) Der dritte Tag der großen Schulungstagung der Kreisleiter der NSDAP auf der neuen Ordensburg Cröffinfee wurde, wie NSK. meldet, eingeleitet durch einen Vortrag des Stabschefs des Führer, Parteigenossen Lutze. Der Stabs­chef wurde vom Gauleiter Schwede (Coburg), SA.-Gruppenführer Friedrich und Hauptdienst­stellenleiter Schmeer begrüßt und schritt dann die Front des Ehrensturmes ab.

Stabschef Lutze umriß in großen Zügen die Aufgaben der SA., die er in den großen Rahmen des Gesamtzieles der nationalsozialistischen Bewegung hineinstellte. Die Idee, die national- sozial! st ische Weltanschauung, sei das Ursprüngliche, das Entscheidende, die Orga­nisation diene nur dazu, die Idee in das deut­sche Volk hineinzutragen, den Glauben an den Führer, die Idee und die Bewegung immer neu zu predigen und im Volk zu festigen. Der Stabschef des Führers unterstrich dabei die Ge­meinsamkeit des Zieles und die tiefe kameradschaft­liche Verbundenheit aller Gliederungen der Bewe­gung. Smmer sei man nur in erster Linie und aus­schließlich Nationalsozialist. Nur durch diese engste Tuchfühlung aller Kämpfer des Führers sei es möglich gewesen, die Revolution zu meistern, und werde es auch in Zukunft möglich sein, sie zu meistern.

Der Redner wies dann, anknüpfend an Dr. Leys Gedankengänge über die Auslese des poli­tischen Führernachwuchses, auf das tiefe Erlebnis und die Lehren der Kampfzeit hin. Es ist notwen­dig, auch der zukünftigen Generation jenes Bewußt­sein einzuhämmern, in jeder Minute und in jeder

Stunde in Uniform und in Zivil sich immer nur in allem Tun und Handeln als Exponent der Bewegung zu fühlen und zu führen. Immer gelte es, sich bewußt zu sein, daß stets nicht die Machtmittel, nicht die technischen Mittel in dem großen politischen Kampf entschieden haben, son­dern das Herz des deutschen Volkes. Die nationalsozialistische Bewegung ist nicht durch Ka­nonen und Pistolen, oder technische Mittel zur Macht gekommen, sondern durch den Glauben an die nationalsozialistische Weltan­schauung, durch die tiefe Resonanz im Volk. Aufgabe jedes Unterführers sei es, nicht nur Glaubensträger, sondern Glaubens­bringer zu sein bis in die letzte Seele hinein, die ihm übergeben ist. Die deutschen Menschen sollen das lebendige Fundament sein, auf dem der Führer steht und auf dem der Führer sein großes Werk bauen kann.

Stabschef Lutze entwarf dann in Einzelheiten die große Aufgabe, die gerade die SA. als das schlagfertige Instrument des Führers in der Kampf­zeit hat, und die sich auch heute durch niemand in der unerschütterlichen Treue zum Führer übertref­fen lasse.

Hauptdienststellenleiter Schmeer dankte dem Stabschef des Führers und betonte, daß gerade in den Tagen des letzten Wahlkampfes sich wieder die enge Tuchfühlung der einzelnen Gliederungen der Bewegung wie in der schönsten Kampfzeit bewährt habe. Die SA. sei die Kampforganisation gewesen, in der der neue Kämpfertyp, der heute Deutschlands politisches Leben gestaltet, vorangebildet wor­den sei.

Unsere früheren Kolonien nach dem Kriege

festzuhalten. Das gilt sowohl für die Einfuhr, als auch für die Ausfuhr. Die gesamte Einfuhr hat 1932 nur 93 Millionen betragen, die gesamte Aus­fuhr rund 119 Millionen.

Die deutsche Bevölkerung mußte nach dem Kriege in den meisten Kolonien das Land verlassen, nur in Deutsch-Südwest-Afrika blieb der größere Teil zu­rück. Nach Deutsch-Ostafrika sind inzwischen wieder zahlreiche Deutsche eingewandert. In Südwest leben beute ungefähr ebensoviel Deutsche wie 1913, in Deutsch - Ostafrika ungefähr 2300. Bevölkerungspoli­tisch interessant ist, daß das gesamte Gebiet von Deutsch-Ostafrika ungefähr acht Millionen Ein­geborene aufweist, während die farbige Bevölkerung von Südwest nur 235 000 ausmacht. Im japanischen Mandatsgebiet, also auf den 1400 Inseln Deutsch- Mikronesiens, die zusammen einen Flächeninhalt von 2171 Quadratkilometer haben, sind in der Nach­kriegszeit etwa 35 000 Japaner zugewandert, bei einer Eingeborenenbevölkerung von rund ,50 000. Die Japanisierung dieser Gebiete ist also erheblich vorge­schritten. Die Japaner haben auf den Mariannen eine bedeutende Rohrzuckerindustrie ins Leben geru­fen. Wenn in der Vorkriegszeit lediglich die Phos­phate der Inseln Angaur und Nauru weltwirtschaft­lich von Bedeutung waren, so sind heute die Rohr­zuckerprodukte dazu gekommen. Daneben hat noch die Kopraerzeugung und, in Verbindung mit dem Zuckeranbau, die Alkoholherstellung an Bedeutung gewonnen.

Eine rechte Vorstellung von der weltwirtschaft­lichen Bedeutung der großen Phosphatlagerstätten besonders auf der Südseeinsel Nauru gewinnt man, wenn man sich oorstellt, daß die abbaufähige Gesamtmenge hier auf 40 Millionen Tonnen ge­schätzt wird. Die Ausbeutung liegt heute in den Händen der Regierungen von Großbritannien, Australien und Neuseeland. Von 1924 bis 1933 wurden rund zwei Millionen Tonnen Phosphate ausgeführt. Der Wert der Ausfuhr hat im Jahre 1934 470 000 australische Pfund betragen. Deutsch- Neu-Guinea hat eine ausgedehnte Plantagen­kultur entwickelt, wobei die Kopra das getrock­nete Fruchtfleisch der Kokosnuß bis heute das führende Erzeugnis geblieben ist. Dazu kommen Kautschuk und Kakao. Mengen- und wertmäßig spielt auch die Ausfuhr von Paradiesvögeln eine Rolle. Nach dem Kriege sind hier sehr viele Gold­vorkommen festgestellt worden, so daß der Berg­bau neben die Pflanzungswirtschaft getreten ist. Die Förderung hat sich ab 1930 in ganz beträchtlichem Maße gesteigert. 1930 waren es noch 162 Unzen 1 Unze = 31,1035 Gramm 1933 bereits 196,823. Die Farmwirtschaft in Südwest hat sich in der Nachkriegszeit umgestellt; die Milchwirtschaft ist durchaus in den Vordergrund getreten, zahlreiche Molkereien sind entstanden, so daß heute schon Süd­wester Butter und Käse einen bedeutenden Ruf genießen. Außerordentlich entwickelt hat sich die Zucht der Karakul-Schafe, die seinerzeit von der deutschen Verwaltung eingeführt worden ist. Sie liefert bekanntlich den wertvollen Persianerpelz, dessen Ausfuhr die wichtigste Einnahmequelle der Kolonie geworden ist. Ende 1934 wurden rund 800 000 Karakul-Schafe gezählt. Daneben spielt natürlich der Bergbau, besonders die Gewinnung der Diamantenvorkommen und der Kupfererze, eine große Rolle. Nach dem Niedergang der letzten Jahre ist hier 1935 eine Aufwärtsbewegung zu be­obachten. Für Deutsch-Ostafrika steht nach wie vor wirtschaftlich der Sisal-Hanf im Vordergrund der Erzeugung und des Handels.

Aus diesen Angaben geht zur Genüge hervor, daß die deutschen Kolonien einen Wertfaktor bar- stellen, der nicht hoch genug eingeschätzt werden rann.

Fortschreitende Entlastung der öffentlichen Fürsorge.

Berlin, 17. April. (DNB.) Am Ende des ersten Vierteljahres 1933, kurz nach der lieber» nähme der Macht durch die nationalsozialistische Re­gierund, waren im Deutschen Reich insgesamt rund 4,7 Millionen Parteien (mit ihren Angehörigen) laufend bar in offener Fürsorge von den Fürsorgeoerbänden zu unterstützen, darunter rund 3,1 Millionen Arbeitslose. Am Ende des zweiten Jahres eines ununterbrochenen Fortsckreitens der Wiedergenesuna der deutschen Wirtschaft, nach Durchführung Der Arbeitsbeschaffung und sonstiger wirtscyaftlicher und sozialer Fürsorgemaßnahmen war das Heer der Hilfsbedürftigen bedeutend klei­ner geworden; Ende Dezember 1935 waren nach der neuesten Veröffentlichung des Statistischen Reichsamtes inWirtschaft und Statistik" nur etwa 2,6 Millionen Haushaltungen als hilfsbedürf­tig zu unterstützen, darunter nur noch rund 954 000 Arbeitslose. Die Abnahme der Zahl der unterstützten

Die Zahl der Deutschen, die kurz vor dem Kriege in den Kolonien des Reiches ansässig waren, hat etwa 20 000 betragen bei einer weißen Gesamt­bevölkerung in diesen Gebieten von knapp 25 000. Die vorbildliche Pionierarbeit, die diese Frauen und Männer besonders auf wirtschaftlichem und so­zialem Gebiet geleistet haben, ist vor dem Kriege von zahlreichen Ausländern, besonders auch von Engländern, anerkannt worden. Wenn trotzdem das Deutsche Reich im Artikel 119 des Versailler Dik­tats gezwungen worden ist, zu Gunsten der ehe- maligen Feindbundmächte auf seine überseeischen Besitzungen zu verzichten, und zwar mit der un­wahren, durch Haß diktierten Begründung, daß Deutschland unfähig und unwürdig sei, eine ein­geborene Bevölkerung zu betreuen, so ist das eine der schwersten Diskriminierungen, die Deutschland gugejügt worden ist.

Die nackte Annexion der deutschen überseeischen Besitzungen konnte nur vermieden werden, weil der amerikanische Präsident Wilson, der den Grund­satz des Selbstbestimmungsrechtes und der Gleich­berechtigung aufgestellt hatte, sich einem solchen Vorgehen widersetzte. Diesem Vorgang verdankt das sogenannte Mandats-System seine Entstehung. Da­durch sollte verschiedenen Nationen, die natürlich sämtlich zu denSiegermächten" zählten, die Für­sorge für das Wohlergehen der eingeborenen Be­völkerung als Mandatare des Völkerbundes über­tragen werden. Aber dieses System hat es nicht ver­hindert, daß die deutschen Kolonien tatsächlich nach früher geschlossenen Geheimverträgen aufgeteilt worden sind. Das Mandatssystem ist auch dadurch durchlöchert worden, daß zwei Teilgebiete nicht, unter Mandatsverwaltung gestellt worden sind. Und zwar einmal ein kleiner Zipfel von Deutsch-Ost- afrita das sogenannte Kionga-Dreieck, das an Portugal abgetreten wurde. Das gleiche gilt für Neu-Kamerun, jenen Teil unserer westafri­kanischen Kolonie, der 1911 von Frankreich an Deutschland abgetreten und nun einfach wieder mit Französisch-Aequadorial-Afrika vereinigt wurde. Das Kionga-Dreieck hat einen Flächeninhalt von 150 Quadratkilometer, Neu-Kamerun von 270 000 Quadratkilometer.

Für die geschichtliche und politische Beurteilung der Kolonialfrage ist es wichtig, sich die Verteilung unter den sogenannten Mandatsmächten zu ver­gegenwärtigen. Die Kolonien sind sämtlich, mit Ausnahme von Deutsch-Südwestafrika, auseinandergerissen worden was natürlich der wirtschaftlichen Entwicklung keineswegs zum Vor­teil gereichte, um möglichst zahlreichen Sieger­mächten einen Anteil zu sichern. Deutsch-Ost- a f r i k a ist zum größeren Teil als Tanganjika­gebiet Großbritannien als Mandatsland zugespro­chen. Einen kleineren Teil, Ruanda-Urundi, das fruchtbare Land zwischen dem nördlichen Tan­ganjika und dem Viktoriasee, verwaltet Belgien als Mandatsinhaber. Alt-Kamerun teilen sich Großbritannien und Frankreich, wobei England den kleineren nordwestlichen Teil, Frankreich den weitaus größeren Hauptteil des Landes erhalten hat. In West-Togo übt wiederum Großbritan­nien das Mandat aus, im größeren Ost-Togo Frankreich. Der Mandatar von Deutsch-Süo- w e st a f r i k a ist die Südafrikanische Union. Hier wurde zunächst der Caprivi-Zipfel abgetrennt und von England annektiert, was später aber rück­gängig gemacht worden ist. Die Südseegebiete sind ebenfalls auseinandergerissen worden. Der Bismarck-Archipel, Kaiser-Wilhelms-Land der deutsche Teil von Neuguinea und die Salomonen haben Australien als Mandatar bekommen. Samoa verwaltet Neuseeland, während Deutsch-Mikronesien mit Ausnahme der Insel Nauru, die Seiner Britannischen Majestät direkt unterstellt ist Japan als Mandatar erhalten hat. Diese Verteilung spricht Bände. ,

Der Außenhandel der deutschen Kolonien hat sich vor dem Kriege in der Einfuhr von 1900 bis 1913 in Deutsch-Ostafrika wertmäßig von 12 Mil­lionen auf 54 Millionen, in Kamerun von 14 Mil­lionen auf 35 Millionen, in Togo von 3,5 auf 10,5, in Deutsch-Südwest-Afrika von 7 auf 44, im Bis­marck-Archipel von 1,6 auf 5,8, in Deutsch-Mikro- netten von 0,6 auf 3,4, in Samoa von 2,1 auf 5,7 Millionen erhöht. Die entsprechenden Gesamt­zahlen betragen 41 bzw. 147 Millionen. Die Be­wegung in der Ausfuhr ergibt in Millionen Mark im selben Zeitraum in Ostafrika 4,3 bis 35, in Kamerun» 5,9 bis 29, in Togo 3 bis 9, in Deutsch-Südwestafrika 1 bis 70, im Bismarck- Archipel 1 bis 5, in Deutsch-Mikronesien 0,6 bis 7, Samoa 1,3 bis 5,4. Insgesamt hat sich also die Aus­fuhr von rund 17 Millionen im Jahre 1900 auf rund 150 Millionen im Jahre 1913 gesteigert. In der Nachkriegszeit ist der Außenhandel der deut­schen Kolonien steten Schwankungen ausgesetzt ge­wesen. Bis in die Jahre 1932/33 hinein waren gegenüber den Jahren 1924/29 erhebliche Einbußen

Parteien betrug In diesem Zeitraum 45 v. H., die der Arbeitslosen allein sogar 70 v. H. Die Gesamt­aufwendungen der offenen Fürsorge erforderten im ersten Vierteljahr 1933 noch 572 Millionen Mark, dagegen im vierten Vierteljahr 1935 nicht ganz 270 Millionen Mark.

Die Verminderung der Last der offenen Fürsorae beträgt demnach gegenüber dem ersten Vierteljahr 1933 etwa 53 v. H.; die laufenden Barunterstützun­gen nur für die Arbeitslosen ermäßigten sich von 322 auf 71 Millionen Mark oder um fast 80 v. H. Die Beisetzung von Hoeschs

Dresden, 18. April. (DNB.) Der Sarg mit der sterblichen Hülle des deutschen Botschafters in Lon- oon, Leopold von H o e s ch, traf am Freitag um 13.55 Uhr in einem Sonderwagen auf dem Neu­städter Bahnhof in Dresden ein. Der mit einer Hakenkreuzfahne überdeckte Sarg wurde zunächst in feierlichem Geleit nach dem ehemaligen Fürsten­pavillon im Neustädter Bahnhof getragen und in dem mit Schwarz und dunklem Grün ausgeschmück- ten Raum auf einem Katafalk niedergesetzt. Auf dem Sarg wurde der schlichte Lorbeerkranz des Füh - r e r.s niedergelegt. Vor dem Pavillon halten Ehren­posten des Bahnschutzes bis Samstagmorgen die Wache. Die Häuser in der Umgebung des Bahnhofs hatten die Fahnen auf halbmast gefetzt.

Am Samstag wird der Reichsminister des Aus­wärtigen Freiherr von Neurath als Vertreter des Führers und Reichskanzlers, sowie der Reichs­regierung an den Beisetzungsfeierlichkeiten teilneh­men. Der englische Botschafter Sir Eric P h i p p s als Vertreter des Königs von England und der französische Botschafter Francois-Poncet werden dem deutschen Botschafter das letzte Geleit geben. Vom Auswärtigen Amt werden Staatssekre­tär von Bülow, die Ministerialdirektoren Gaus, Ritter, Dieckhoff und Freiherr van Grün au den Reichsminister begleiten. Der Leiter der Auslandorganisation, Gauleiter Bohle, wird ebenfalls der Trauerfeier beiwohnen. Die Feierlich­keiten finden um 11.30 Uhr in der Trinitatis-Kirche zu Dresden statt. Die Beisetzung erfolgt in der Fa­miliengruft auf dem Trinitatis-Friedhof.

Als Vertreter des Botschafters von Ribben­trop nimmt Graf Dürckheim-Montmartin an den Beisetzungsfeierlichkeiten teil.

3um Gesandten ln Bukarest ernannt.

Berlin, 17. April. (DNB.) Der Yührer und Reichskanzler hat den Botschaftsrat bei der Botschaft in Ankara Dr. Fabricius zum Gesandten in Bukarest ernannt.

Zur Verstärkung der schweizerischen Wehrmacht.

Bern, 17. April. (DNB.) Der schweize­rische B u n Ö e s r a t hat den eidgenössischen Räten eine Vorlage unterbreitet, worin zur Ver­stärkung der Wehrmacht ein Kredit von 235 Millionen Schweizer Franken gefordert wird.

Feuerverteidigungs-Stühpunkt an der Themiemündung.

London, 18. April. (DNB. Funkipruch^ Wie Daily Herald" meldet, soll das englische Kriegs­ministerium Vorbereitungen treffen, um die Can- vey - Inseln, in der Mündung der Themse zu einem Verteidigungs-Stütz­punkt auszubauen. Sobald die vorbereitenden Verhandlungen abgeschlossen seien, sollen Schein­werfer und Artillerie-Abteilungen auf der Insel untergebracht werden. Die Insel Canvey befin­det sich an der Nordseite der Themsemündung in der Nahe von Southend.

Generalstreik in Mexiko?

Mexiko, 18. April. (DNB. Funkspruch.) Auf Grund der letzten Entwicklung, die der in der mexi­kanischen Bundeshauptstadt herrschende Bäcker- st r e i k genommen hat, wird hier mit der Möglich­keit gerechnet, daß die Arbeiterverbände zum Generalstreik aufrufen, um auf diese Weise die Bewilligung der Forderungen der Bäckerei­arbeiter zu erzwingen.

Der Bäckerstreik hat bereits zu Zwischen­fällen geführt. Streikende überfielen mehrere Bäckereien, in denen weiterge­arbeitet wurde. Es besteht die Gefahr, daß die mexikanische Hauptstadt demnächst auch ohne Milch sein wird. Die Arbeiter der Milchindu - st r i e haben beschlossen, in den Sympathie- ft r e i f zu treten, falls der Streik der Bäcker nicht innerhalb von 24 Stunden zugunsten der Arbeiter entschieden wird.

Aus aller Welk.

Das Berliner Baugrubenunglück vor Ger chi.

Im Prozeß um das Baugrubenunglück in der Hermann-Göring-Straße beschäftigte sich das Gericht weiter mit der Erörterung des beschlag­nahmten Brief- und Planmaterials. Der Vorsitzende kam noch einmal auf den auffälligen Umstand zu­rück, daß die Leiche des Schachtmeisters D. mit einer von Noth angefertigten Skizze tiefer aufgefun­den wurde als die Ausschachtung zum damaligen Zeitpunkt zugelassen war. Noth erklärt diesen Widerspruch folgendermaßen: Der Schachtmeister stand an der Stelle, wo der Bagger in das Erdreich griff. Es ließ sich nicht vermeiden, daß der Bagger zuweilen tiefer kam als vorgesehen, weil der Pag- aerfiihrer das von oben nicht genau übersehen konnte. Der Schachtmeister stand auf dem Boden der Baugrube, bas Gesicht Dem Bagger zugekehrt und soll, mit der Hand in Richtung Brandenburger Tor weisend, ausgerufen haben:Dahinten ft ü r 3 t ja d i e Baugrube ein!" Dann hat er fick umgedreht und ist in sich zusammengesackt, wahrscheinlich infolge eines Herzschlages. Dabei ist er in das frische Baggerloch hineingefallen.

Dorf.: Aus der schriftlichen Bestätigung der Bau­besprechung ergibt sich also: Die Ausschachtung sollte ruhig weitergesührt werden, obwohl man die man­gelnde Einbindetiefe gekannt hat, sobald nur die statischen Berechnungen vorlagen, mit deren Genehmigung binnen 14 Tagen zu rechnen war. Man war sich darüber einig, daß die Träger zu kurz waren. Ihre Sicherung sollte aber vorläufig nicht vorgenommen werden, weil die Stärke der Tunnelsohle noch nicht feststand.Darin liegt für mich", so betonte der Vorsitzende,ein unerklärlicher Widerlpruch!"

Der Staatsanwalt stellte den Antrag, den Ge­richtsbeschluß vom November v. I. aufzuheben, durch den der 52jährige Reichsbahnoberrat Wilhelm Kell berg mit Rücksicht auf seinen Gesundheits­zustand von der weiteren Vollstreckung der Unter­suchungshaft verschont worden war. Vom Gerichts­arzt wurde eine Untersuchung des Angeklagten vor- genommen, die seine Haftfähigkeit ergab. Die Strafkammer gab dem Antrag statt und verkündete den Beschluß, daß der ursprüngliche Haftbefehl gegen Kellberg wieder vollstreckt wird.

Ankunst der TNadeira-Fahrer ln Bremerhaven.

Die beidenK r a f t d u r ch F r e u d e" - S ch i f f e Der Deutsche" undSierra Cordoba" trafen von ihrer zweiten Madeirafahrt wieder in Bremerhaven ein. Die 2000 Fahrgäste, die begeistert über ihre Er­lebnisse ihrer Reise, insbesondere über die Begeg­nung mit den deutschen Kriegsschiffen in der Nordsee berichteten, wurden sofort am Columbus - Pier gelandet und fuhren mit Lloyd-Sonderzügen in ihre Heimat zurück. Die Bemenhavener Urlauberschiffe werden von der nächsten Wocke ab in den Norwegen- Dienst eingesetzt.Der Deutsche" geht mit Urlaubern aus Sachsen und dieSierra Cordoba" mitKraft- durch-Freude"-Urlaubern aus dem Rheinland nach Norwegen in See.

Graf Zeppelin" landet Anfang 2Nai in Frankfurt.

Da die Anlagen auf dem neuen Zeppelin- Hafen Frankfurt a. M. noch nicht in allen Einzelheiten fertiggestellt sind, wird das Luftschiff r a f Zeppelin" von seiner jetzigen Süd- amerikafayrt direkt nach Friedrichshafen zurück­kehren und dort voraussichtlich am 23 oder 24. Mai landen. Auch die folgende Südamerika-Reise des Graf Zeppelin" wird am 27. April von Fried­richshafen ausgehen, dagegen wird dann auf der Heimreise die Landung zum erstenmal in Frankfurt am 7. oder 8. Mai erfolgen.

Der für die erste Ausreise des neuen Luftschiffes Hindenburg" nach Nordamerika angesetzte Termin, nämlich der 6. Mai, bleibt bestehen. Auf feiner Ausreise wird das Luftschiff wahrscheinlich den neuen Zeppelinhafen Frankfurt berühren und nach feiner Rückkehr voraussichtlich dort landen.

Nach den bei der Deutschen Seewarte eingegange­nen Meldungen standGraf Zeppelin" am Freitag um 19 Uhr MEZ. über (Tampon auf hal­bem Wege zwischen der brasilianischen Küstenstadt Victoria und Rio de Janeiro.

Ehrung einer hundertjährigen.

Der Führer und Reichskanzler hat der Frau Friederike Hafermann in Pinneberg aus Anlaß der Vollendung ihres 10 0. Lebensjah­res ein persönliches Glückwunschschreiben und eine Ehrengabe zugehen lassen.

Deutsches Militärflugzeug abgeslürzt.

In der Nacht zum Freitag ist ein breimotoriges Flugzeug der deutschen Luftwaffe auf einem Uebungsflug infolge Peilstörung und dadurch ver­ursachter Fehlvrientierung auf Schweizer Gebiet ge­raten und in der Nähe von Biel abgestürzt. Von der fünfköpfigen Besatzung sind dabei drei Mann ums Leben gekommen. Die beiden anderen wurden schwer verletzt. Das Flugzeug wurde zerstört.

Gewinnbeteiligung

der Arbeiter bei den Deutschen Solvay-Derken.

Die Deutschen Solvay-Werke in Bernburg zahlen allen Arbeitern und Angestellten, so weit sie ein Jahr in den Diensten der Firma stehen, eine zunächst einmalige Tantieme. Die Arbei­ter erhalten je 35 Mark und 2 Mark für jedes Ar­beitsjahr, die Angestellten je 45 Mark und 3 Mark für jedes Arbeitsjahr. Die Auszahlung, die einen Betrag von mehreren hunderttausend Mark aus­macht, soll noch bis zum Geburtstag des Füh­rers erfolgen.

Wasserrohrbruch im Berliner Lustgarten.

Zu einem folgenschweren Wasserrohrbruch, durch den das Berliner Lustgartengelände bis zu zehn Zentimeter unter Wasser gesetzt wurde, kam es im Laufe umfangreicher Erdarbeiten vor dem Berliner Dom. Dort ist man zur Zeit damit be­schäftigt, mit einer großen Dampframme starke Eisenbolzen in das Erdreich einzutreiben. Offenbar wurde durch einen der Bolzen ein Rohr des unter­irdischen Wasserleitungsnetzes getroffen, denn plötz­lich sprudelte ein mächtiger Wasserstrahl aus der Erde hervor, durch den im Augenblick die Umgebung überschwemmt wurde. Der Feuerwehr gelang es im letzten Augenblick, eine größere Katastrophe zu verhüten. Die Wassermassen überschwemmten aber den gesamten Platz.

Ein Auto vom Zuge überrannt.

Wie die Reichsbahndirektion Nürnberg mitteilt, wurde auf der unbeschrankten Bahnüber'fahrt zwi­schen Gasseldorf und Unterleinleiter der Nebenbahn EbermannstadtHeiligenstadt ein mit zwei Per­sonen besetzter Personenkraftwagen aus Nürnberg von einem Triebwagenzug übersah- r e n und zertrümmert. Eine im Auto befindliche Frau Anna Schultz aus Nürnberg wurde auf der Stelle getötet. Der Führer des Kraftwagens, der 34 Jahre alte Kaufmann Hans St erb er aus Nürnberg, erlitt schwere Verletzungen und st a r b auf dem Transport in das Krankenhaus. Reisende des Triebwagens kamen nicht zuschaden. Nach den Ermittlungen hat der Triebwagenführer die vor­geschriebenen Warnungssignale ordnungsgemäß ge­geben.

Die Vrennerstrecke durch eine Steinlawine verschüttet.

In der Nacht zum Samstag ist auf der Brenner- strecke eine riesige Steinlawine niedergegan­gen, die die Bahnstrecke auf etwa 50 Meter ver­schüttete. Es wurden sofort Arbeiter eingesetzt, um die Eisenbahnlinie wieder frei zu machen. Die Ar­beiten machen aber nur langsame Fortschritte, da sich ununterbrochen neue Gesteinsmassen loslösen.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. StellvertretenderHauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder in Ver­tretung: Ernst Blumschein; für Feuilleton Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumscyein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A. III. 36: 10270. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts- Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.