Nr. 139 Drittes Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Mittwoch, 17. Juni 1956
Sie neue Gießener Zuchiviehversteigerungshalle
ErfüllungeinesianggehegtenWunsches.-BorführungshalleundGtallanbauten
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Das Innere der Zuchtmehversteigerungshalle nach einem SchaubiL des Hoch- und Tiefbauamtes.
Ein langgehegter Wunsch weiter Kreise der Bauernschaft unserer engeren und weiteren Heimat und des Handels ging in diesen Tagen in Erfüllung. Die Stadt Gießen hatte sich vor einiger Zeit entschlossen, eine Viehversteigerungshalle zu bauen, und der Entschluß wurde schnell in die Tat umgesetzt. Heute morgen wurde bereits die e r st e Diehversteigerung unter Dach abgehalten, wenngleich die Halle noch nicht endgültig fertiggestellt ist. Heute nachmittag wird Richtfest gefeiert. Die neue Viehversteigerungshalle an der Marga- retenhütte, die die Möglichkeit geben wird, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit Versteigerungen abzuhalten, besteht in der Hauptsache aus der eigentlichen Halle und einem Vorbau, in dem verschiedene Derwaltungsräume untergebracht werden.
Die Arbeiten an diesem großen Gebäude, das in unserer Stadt in weiten Kreisen der Landbevölkerung zur Ehre gereichen wird, wurden mit großer Energie ausgenommen und fortgeführt. Mit dem Bau wurde am 27. Mai begonnen. Man hofft in absehbarer Zeit damit endgültig fertig zu werden.
Die Vorführungsh alle gibt bei einer Einrichtung von 600 Sitzplätzen und 400 Stehplätzen also insgesamt 1000 Interessenten die Möglichkeit, den Viehversteigerungen beizuwohnen und dabei von jedem Platz aus ohne jede Sichtbehinderung durch Stützbalken, Säulen oder dergleichen die Vorführung der Tiere verfolgen zu können. Inmitten der Halle ist für diesen Zweck ein einfacher umzäunter Vorführungsplatz geschaffen worden. Die Größe dieses Platzes beträgt 8 X15 Meter. Die
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Die neue Zuchtviehoersteigerungshalle im Bau. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
ganze Halle ist in stabiler Holzkonstruktion ausgeführt und hat eine Länge von 26 Meter und eine Breite von 24 Meter. Freitragende Holzbinder tragen das Dach. Im Vorbau der Zuchtviehverftei- gerungshalle, der sich in der Form der Halle selbst völlig angleicht, werden Räume für die Versteigerungskommission, für Aerzte, Sanitäter, Büroräume, ein Zimmer für die Bahnabfertigung, Bankräume und Kantine untergebracht. Die Halle in ihrer Gesamtheit macht einen guten Eindruck. Sie wird im übrigen über ihre gegenwärtige Form
hinaus eine Ergänzung erfahren, und zwar in Gestalt von geräumigen und zweckmäßigen Stall- a n b a u t e n. Es ist vorgesehen, Ställe zu schassen, in denen hundert Stück Großvieh untergebracht werden können, ferner wird, getrennt vom Großviehstall, ein Stall auch für 60 Eber geschaffen.
Mit dem Bau dieser Stallgebäude wird in kurzer Zeit ebenfalls begonnen, so daß die gesamte Anlage, die für Gießen in wirtschaftlicher Hinsicht sehr wichtig ist, bis zum Herbst fertiggestellt sein wird und in Betrieb genommen werden kann.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Zauberer Wochenmarkt.
In der Tat: er ist ein Zauberer, und zwar einer von denen, die ihr mystisches Handwerk ausgezeichnet verstehen. Vollends aber in diesen Tagen beweist er sein Können geradezu meisterlich. Du schlenderst durch die Stadt, willst einen Geschäftsweg besorgen und siehst dich plötzlich inmitten eines lebhaften Getriebes einer Fülle von leuchtenden Farben gegenüber, die miteinander wetteifern und offenbar nur einen Zweck verfolgen: dich einzuladen, freundlichst näherzutreten.
Eigentlich ist ja der Wochenmarkt in erster Linie eine Angelegenheit der rührigen Hausfrauen. Sie sind es, die ihm zu seiner Betriebsamkeit verhelfen, und sie nehmen auch für sich in Anspruch, den Ton anzugeben, der hier maßgebend ist. Und das mit Recht. Was wissen die Männer davon, was es bedeutet, täglich das Mittagessen zu bereiten? Was haben sie für eine Ahnung, wieviel Ueberlegungen es anzustellen gilt, wenn der Mittagstisch immer wieder aufs neue einladend sein soll, und welcher Unverstand herrscht erst bei ihnen, soweit die Kunst des Einkaufens in Frage kommt? Nein, die Männer sind in dieser Hinsicht vollkommen ungeeignete Geschöpfe, darüber kann gar kein Zweifel bestehen.
Indessen lockt der Wochenmarkt gerade jetzt erheblich viel mehr Männer an als zu gewöhnlichen Zeiten und selbst die Zahl der Frauen scheint noch größer geworden zu sein. Aber darin zeigt sich eben die große Kunst des Zauberers, der inmitten der Stadt mit seinen verführerischen Leistungen aufwartet. Oder ist es etwa keine Zauberei, wenn mit einem Schlage das Bild des grauen Pflasters und des alltäglich gewohnten Platzes verwandelt wird in eine farbenprächtige Szenerie, deren bunte Leuchtkraft köstliche Vorstellungen erweckt?
Was bietet nicht allein die Sinfonie in Rot, die gegenwärtig wie ein Lobgesang aus dem grünen Unterton emporsteigt. Alle Abstufungen dieser reizvollen Farbe begegnen dir und frohlocken in ihrer Pracht, mögen es nun Erdbeeren oder Kirschen, Radieschen oder Tomaten oder auch junge Möhren sein. Und welch unterschiedliches Grün in den Körben und auf den Auslagen. Ueppige Salatköpfe, schlangenähnliche Gurken, zarte junge Bohnen, das grüne Kraut der Petersilie, der Möhren und allerlei Suppenkräuter. Es ist ein Schwelgen in Farbe und Schönheit, woran auch die meist reale Zweckbestimmung der Dinge nichts ändern kann.
Jedenfalls hat der Wochenmarkt damit begonnen, die schönsten Attraktionen des Jahres zu zeigen. Er ist in seinem Element und bringt von Woche zu Woche mehr Beweise seiner großartigen Verwandlungsfähigkeit. Und wenn die Hausfrauen nichts dagegen haben, so wollen wir Männer uns daran ergötzen, soweit es unsere Zeit erlaubt, denn für die Künste dieses Zauberers sind auch wir jederzeit empfänglich. H. W. Sch.
Vornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
NS.-Lehrerbund, Fachschaft II (Höhere Schule): 16 Uhr Kreisversammlung im Singsaal des Realgymnasiums: 1. Vortrag von Oberstudiendirektor S ch e l h o r n „Wesen und Aufgabe der Deutschen Frauen-Oberschule"; 2. Ausführungen von Frl.
Bechtolsheimer (aus der Praxis). — Gloria- Palast, Seltersweg: „Flitterwochen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ich liebe alle Frauen". — Oberhessischer Kunstverein: 16 bis 19 Uhr Ausstellung „Frauenbildnis mit Schmuck" im Foyer des Stadttheaters. — Deutsches Rotes Kreuz, Alice- Frauenverein, Ortsverein Gießen: 15.30 Uhr Mitgliederversammlung im Großen Hörsaal der Universität; Vortrag von Herrn Professor Dr. Reinwein.
Krnste Warnung an die Radfahrer.
Die Pressestelle des Reichs- und Preußischen Verkehrsministeriums teilt mit: 88 Tote, 3 3 0 3 Verletzte sind in der vorigen Woche die Opfer des Straßenverkehrs im Deutschen Reich.
Radfahrer, macht ihr euch klar, in welcher Lebensgefahr ihr schwebt, vor allem, wenn ihr in verkehrsreichen Straßen nebeneinander fahrt? Wollt ihr zurück zur Radfahrkarte und zum Nummernschild und zur Verkehrsprüfung. Wollt ihr für all dies jährlich Gebühren zahlen? Muh erst das Verbot, nebeneinander zu fahren, erlassen werden, oder wollt ihr nicht endlich in Hauptverkehrsstraßen und anderen belebten Straßen freiwillig hintereinander fahren?
Oer Weißdorn blüht!
Wenn die Schleen ihren Blütenschnee zur Erde haben rieseln lassen, reckt der Weißdorn seine herrlich-weißen Blütenbüschel in die Luft. So ein alter, mächtiger Weißdornbusch am Hag oder Feldrain gleicht einem prachtvollen, riesigen Blumensträuße. Eigenartig schön hebt er sich vom grünen Grunde der Grasnarbe ab und entzückt das Herz eines jeden Naturfreundes. Doch versuche man nicht, die Nase in das Blütenmeer zu stecken! Ein für unseren Geruchsinn nicht angenehmer Duft entströmt dem Hochzeitsschmucke! Dafür übt er auf das Heer der Bienen, Hummeln, Wespen und Fliegen eine starke Anziehungskraft aus, so daß diese in Massen herbeigezogen werden, und auch Schmetterlinge, weiß, gelb und buntfarbig, umgaukeln den prächtigen Busch. In seinem Geäste finden unsere gefieberten Freunde immer Quirlbildungen vor zur Anlage der Kinderstübchen, und geraoe die einzeln stehenden stattlichen Vertreter dieser Sträuchergattung bilden für die kleinen Sänger in der Feldmark oder dem Wiesengelände die beste Zufluchtstätte vor dem sie verfolgenden Sperber.
Mehr als seither sollten die Weißdornbüsche und -hecken bei den im Gange befindlichen Feldbereinigungsoerfahren erhalten bleiben, und die örtlichen
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Ritt im Gewitter.
Don Josef Husch.
Ich war als Ferienkind im Krieg auf einem mittelgroßen Bauernhof. — Ich erinnere mich eines schweren, glühenden Sommertages. Das Laubgewirr der hohen Silberpappeln am Hofrand rauschte weiß von einem müden Aufwehen. Die flachen Wiesen und Aecker schatteten zerrissen und verschnitten wie verschossener Samt. Im Gestrüpp und in müde gebogenen Weidezweigen hingen träufelnde Sonnenflecke. Die tiefe Sonne hing blutrot am Himmel. Der Tag ertrank in der Dämmerung, deren Schatten schreckhaft länger wurden. Die' Pappeln ragten düster, bis in tiefer Dunkelheit aus ihrem Geäst bas zärtliche Aufschluchzen der wilben Tauben klang. Dann versank ber Bauernhof unter bem Knistern bes hitzegedörrten Fachwerks in ber Nacht.
Ich stieg eine schmale Leiter hinaus in bie Knechtskammer und warf mich auf das Bettftroh. Meine Hände waren geschwollen. Noch immer war es brückend heiß. Ich stand auf, lehnte mich an das Fenster. Am Himmel jagten und hingen zerfetzte, schwere Wolken. Sie ballten sich und flössen wieder auseinander, türmten und schichteten sich zu Wolkengebirgen mit silbernen Mondschluchten.
Dann war alles schwarz, tiefste Nacht. Nacht — ich bekam Angst, fürchtete mich, kroch unter bie dünne Decke unb ersehnte jetzt bas Kommen des Knechtes, um nicht allein zu sein. Da grellte violett, gelb unb rot Licht um mich. Ich riß erschrocken bie Decke über meinen Kopf, kniff bie Augen, hielt mir die Ohren zu. Ich wußte, bas war ein Blitz. Der Donner war mir unheimlich. Er schwoll lange, krachte stark unb verkrümelte. Ein hartes, hölzernes Trommeln wirbelte an ber Tür. Entsetzt sprang ich auf. Da — bie Stimme Pauls, des Knechtes, rief: „Junge, komm runter in bie Küche. Es ist ein Gewitter!" Ich kletterte zitternb bie Leiter hinab unb schloß bie Augen, um den Blitz nicht zu sehen.
In der Küche war alles versammelt. Der alten Großmutter perlte der dicke Rosenkranz in den Händen. Sie lag betend vor zwei langen, flackernden Kerzen mit Buchsbaumsträußen. Wir knieten vor den Stühlen unb antworteten: „Vater unser ... Grauen unb Angst schüttelten mich wiederum. In die matte Kerzenhalle zuckte die Grelle des Blitzes, die Gesicher waren blaß und verzerrt. Dem Bauer und dem Knecht stiegen die Haare zu wilden Büscheln. Alles um mich schwankte. Im verrußten Rauchfang heulte der Sturm, ein Windschutzer rasselte.
Der Bauer stand auf und ging zu dem Knecht, brummte ihm etwas ins Ohr. Paul nickte, sah sich nach mir um, winkte. Wir gingen auf die Tenne hinaus. „Müssen die drei Pferde und Fohlen von ber Weibe holen, sonst verrecken die uns heute Nacht noch!" sagte Paul mürrisch zu mir. Ich ... ich jetzt hinaus? Ich wollte irgendwohin flüchten, mich verkriechen. Doch Paul warf mir schon ein Kopfstück zu.
Geduckt stießen wir nach draußen. Der Sturm riß uns aus dem Hof. Bis zur Viehweide war es eine halbe Stunde Weg. Ich drückte die Augen vor den Blitzen zu. Das ging nicht, ich tappte dabei vom Weg ab. Nun riß ich sie weit auf, den Blitz und Donner angstvoll erwartend. Ich atmete tief und stoßweise. In meinen Knochen saß die Furcht vor Gespenstern, Spukgestalten und Schatten.
Wir liefen und stolperten hastig über Knüppel und Rillen, lieber der Ebene schwebte Licht wie wallender, glutender Nebel. Dann scholl das Donnergrollen um uns, die Erde erbebte.
Ich wollte schreien und heulen, riß qualvoll den Mund weit auf. Ich schrie nicht, weil Paul mich verspottet hätte. Wenn der Donner krachte, rannten wir unwillkürlich schneller.
Fast geblendet kamen wir an das Heck der Weide. In einem Winkel der Umzäunung standen dicht gepreßt die Pferde, wiehernd und wüst das Gras stampfend, mit den Flanken sich reibend unb fto- ßenb. Zitternb quoll ber grelle Baß bes Hengstes in bas helle Wiehern ber Stute unb bes Fohlens. Paul schrie mich an: „Junge, los! Schmeiß bie Halfter ben Biestern um bie Schäbel! Nimm bie Stute unb ben scheckigen Wilbling, bas Fohlen lauft hinterher ...Ich nehm ben Hengst! Los, rauf auf ben Gaul! Mach bie Beine krumm. Knie pressen! Abhauen!" Ich sprang hoch, rutschte ab sprang nochmals unb klammerte mich m bie Mahne, zog mich schwitzenb hoch. Ich saß. Paul war längst voraus. Der Scheck war des Teufels. Endlich. Ich hatte ihn doch aus ber Weibe. Die Pferde wußten den Weg. Pa prasselte und klatschte es: Regen. Die Wassertropfen platzten mir ins Gesicht. Blitz auf Blitz, Krach auf Krach. Die Stute wurde wild, ging mit hochgeworfenem Kopf durch, bockte vor einem Unkrauthaufen und stieß mit dem Kopf nach unten. Ich fiel nach vorn und verlor die Zugel, krallte mich in bie Mähne. Vor Angst schrie ich.
Ein Blitz schoß funkelnb nieber. Dor meinen entsetzten Augen flammten Riesenfeuer Wie eine wilbe Fratze sah ich einen Weidenstumpf am Wege zersplittert und brennend. Das Tier unter mir stieg senkrecht auf, seine Hufe wirbelten im Blitzlicht. Mein Körper wurde geschwenkt und nach vorn gerissen, rasend herumgewirbelt. „Ich ... Ich!
Meine Hände ... Arme ... Ich hing verzweifel an der Mähne und griff, bog meinen Arm um den Hals der Stute.
Die Stute raste in holpernden Sätzen, ich hing an ihrem Hals. Blitze zuckten in der Luft. Vom Hals bes Tieres rann mir ein Wasserstreifen unterm Rockkragen ben Rücken hinunter. Ich bettelte mit guten, flehenden Worten um ein Stillhalten, um bas Erbarmen bes Tieres. „Paul ... Paul! Ich falle ... falle!" schrie ich heiser.
Die Stute preschte wilb und scheu weiter. Ihr Kopf zuckte doch. Meine Finger lockerten sich, ließen los und griffen zufällig die Schnalle des Halfterriemens. Ich hing, zog mich an bem Leber hoch, riß meine Beine nach unb biß wahnsinnig in ben Pferbehals.
Ich war halb bewußtlos, als die Stute über den Zement des Stallganges bornierte.
Gemälde und Röntgenstrahlen
Seitbem 1931 bie berühmten Rembranbt-Bilber in ber Kasseler Gemälbegalerie im Auftrage ber Harvard-Universität mit Hilfe ber Röntgendurch- lcuchtung von bem Maler Kurt Wehlte untersucht worben sinb, haben sich in Fachkreisen hartnäckige Gerüchte erhalten, baß bieser unersetzliche Kunst- besitz schwere Röntgenschäben erlitten habe, bie sich vor allem in einer „branbigen", krebsartigen Verän- berung ber Bilboberfläche bemerkbar machten; ber Zersetzungsvorgang sei von bem harzhaltigen Binde- mittel ausgegangen. Die Folge bieser (Erörterungen war auch ein Verbot, bas bie Generalbirektion ber staatlichen Museen in Berlin Anfang 1934 erließ, Gemälbe in Staatsbesitz mit Röntgenstrahlen zu burchleuchten, weil bie Schäbigungsfrage als nicht genügenb geklärt gelte. Noch in biesem Jahre sinb solche Alarmnachrichten veröffentlicht worben, be- fonbers in einem schwebischen Blatt, bas von einer nicht roieber gut zu machenden Schädigung der Rembrandt-Bilder durch die Röntgenphotographie sprach. Wie weit diese Befürchtungen berechtigt sind, wird in einem Aufsatz, den Helmuth R i n n e b a ch in der Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" veröffent- licht, untersucht. Es ist richtig, daß zahlreiche chemische Verbindungen nach intensiver Röntgenbestrahlung Verfärbungen erleiden. Auf Grund langwieriger Versuche, die im Röntgenlaboratorium des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts in Berlin an Farbstrichreihen und an Gemälden systematisch durchgeführt wurden, wurde jedoch einwandfrei nachgewiesen, daß selbst bei einer großen Zahl von Röntgenaufnahmen eines Gemäldes keinerlei Schädigung der Farben und des Bindemittels sowie auch anderer Werkstoffe
der Maltechnik eintrat. Zu dem gleichen Ergebnis gelangte man bei Untersuchungen im Physikalisch- Chemischen Institut der Universität Berlin; danach ist „bei der Durchleuchtung von Gemälden auch bei mehrfacher Wiederholung in Wirklichkeit keine Schädigung irgendwelcher Art zu befürchten, wenn die Dosis sorgfältig auf das Notwendige beschränkt wird".
Zeitschristen.
— Die bekannte Zeitschrift „Volk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München 2 SW) läßt im Jumhest namhafte Fachleute über rassenhygienische und bevölkerungspolitische Maßnahmen in ben Nordstaaten zu Worte kommen. Prof. Dr. K. A. Wieth-Knudsen zeigt in einem Aufsatz „Die Be- völkerungsfrage im Norden" an Hand mehrerer Tabellen und Abbildungen ben Grab und die Ursachen ber negativen Bevölkerungsentwicklung in Norwegen, Schweden unb Dänemark. Sehr lehrreich sind bie von Dr. G. Wad beschriebenen „Eugenischen Maßnahmen in Dänemark". Die verdienstvolle Arbeit des auch in Deutschland bekannten schwedischen Rassehygienikers Prof. Dr. Mjoen unb seines „Binderen Biologiske Laboratorium" bespricht Dr. Hans Koch, Rostock, ein sehr aufschlußreicher Rückblick über ben Kampf um bie Rassenhygiene in Schweben unb ben endlich errungenen Sieg ber Ideen Mjoens. Eine Würdigung der rassenkundlichen Verbienste des jüngst verstorbenen französischen Rasseforschers Marquis Georges Dächer be Lapouge von Dr. W. Kulz schließt biese Aus- lanbsschau ab. Interessante Kurzberichte aus „Rassenhygiene und Bevölkerungspolitik" sowie eine beachtenswerte Spalte „Ein Blick hinüber" runden den Inhalt des Heftes ab, bas burch Gemälde altgermanischer Trachten von Wilhelm Petersen einen entsprechenden Bildschmuck erhalten hat.
— Im neuesten Heft der „I l l u st r i r t en Zei« t u n g" (Verlag I. I. Weber, Leipzig) ist ein längerer Beitrag „Der letzte Romantiker auf bem Königsthron" mit zahlreichen zum größten Teil zeit- genössischen Bilbern bem Anbeuten König ßub- roigs II. von Bayern geroibmet. Der Verfasser hat auf Grunb eines genauen Aktenstubiums bie Volks» Icgenben, bie sich um bas Schicksal bes unglücklichen Königs gebilbet haben, auf bas richtige Maß zurückgeführt und die tatsächlichen Hintergründe dieser Königstragödie packend geschildert. — Seltene farbige Momentaufnahmen lassen noch einmal (Erinnerungen an die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen auftauchen und zeigen, welche großen Fortschritte die Farbenphotographie im Laufe der letzten Jahre gemacht hat.


