Nr. 159 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, 1Z. Zuni 1936
Aus Natur und Technik.
Das Wunder der rotierenden Scheibe.
Äon Or. Helmut Thomasius
Die hohen Ansprüche, die von den Käufern an viele Erzeugnisse gestellt werden, haben im Verein mit Gründen wirtschaftlicher Art dazu geführt, daß die Prüfungsverfahren immer mehr vervollkommnet und verfeinert werden, die zur U n t e r s u ch u n g von Waren und Arbeitsvorgängen dienen. In dem Bestreben, die Prüfung und die Ueberwachung, von denen doch so viel für den Erfolg abhängt, bis zu den höchsten Leistungen durchzubilden, ist man in neuerer Zeit verschiedentlich, besonders durch ihre Eigenart, bemerkenswerte Wege gegangen. Einer davon greift auf ein altes uns schon seit unserer Kindheit bekanntes Spielzeug zurück, das aber auch für wissenschaftliche Zwecke Anwendung findet und die Grundlage darstellt, auf der sich unsere Betrachtung von lebenden Bildern aufbaut, auf die „W underscheibe" oder wie sie auch genannt wird, das „Stroboskop". Nahe dem Rand einer runden Scheibe ist eine Anzahl von Löchern angebracht. Auf dieser Scheibe befindet sich eine kleinere, auf der irgendein Vorgang in seinen einzelnen Bewegungen abgebildet ist. Wenn man die Scheibe vor einen Spiegel hält, sie schnell dreht und durch die Löcher hindurchblickt, erhält man den Eindruck einer fortlaufenden Handlung, also z. B. eines galoppierenden Pferdes oder eines laufenden Mannes. Unter Verwendung dieser Scheibe hat man eine Einrichtung geschaffen, die dient, um sehr schnell sich abspielende Vor- r 'e in aller Ruhe und in allen Einzelheiten zu i chten. Nehmen wir an, eine rasch laufende Maschine, an der viele Zahnräder ineinandergreifen, lasse plötzlich ein befremdliches Geräusch hören. Irgend etwas muß in Unordnung sein, es ist zu vermuten, daß irgendwo zwei Zähne oder zwei Räder nicht richtig ineinandergreifen. Aber wo? Wenn man die Maschine anhalten und sie im einzelnen untersuchen wollte, könnte viel Zeit verlorengehen. Es würde sich ein wirtschaftlicher Ausfall ergeben. Um nun sehr rasch eine unmittelbare Beobachtung zu ermöglichen, während die Maschine unentwegt und mit der üblichen Schnelligkeit weiter arbeitet, hat man das Stroboskop herangezogen.
In welcher Weise dieses helfen kann, wird uns sofort klar, wenn wir bedenken, daß schnell sich drehend'' Gegenstände beim raschen Aufleuchten eines Lichtes stillzustehen scheinen. Es wurden früher bereits starke Scheinwerfer gebaut, die man auf sich bewegende Teile von Maschinen richtete. Mebrere solcher Scheinwerfer leuchteten in kurzen Zwischenräumen rasch hintereinander auf und verlöschten nach Bruchteilen einer Sekunde wieder. Während dieses so außerordentlich kurzen Aufleuchtens bewegt sich der Maschinenteil nicht um so viel weiter, daß es uns zum Bewußtsein käme. Er scheint stillzustehen. Wird nun das Aufleuchten in ein bestimmtes Zeitverhältnis zur Geschwindigkeit der Umdrehungen des zu untersuchenden Maschinenteils gesetzt, so reiht sich in unserem Auge ein Bild des Still st ands an das andere.
Der ganze Maschinenteil steht für uns still und kann betrachtet werden. Dem Aufleuchten kommt es an Wirkung gleich, wenn wir durch einen Schlitz hindurch auf die Maschine blicken, der sich in einer rasch sich drehenden Scheibe befindet und dadurch in kurzen Zeiträumen vor unserem Auge vorübergeführt wird. Damit wären wir wieder bei der stroboskopischen Scheibe angelangt. Es ist gelungen, ein kleines Gerät zu bauen, dessen Verwendung keiner besonderen Vorbereitung bedarf und das ähnlich einem Feldstecher mit beiden Händen vor die Augen gehalten wird. Die hauptsächlichen Teile dieses Geräts sind ein kleiner Elektromotor, auf dessen Achse kleine stroboskopische Scheiben aufgesetzt werden. Je nach den Geschwindigkeiten, um die es sich im jeweils gegebenen Fall bandelt, wird eine Scheibe mit weniger oder mehr Schlitzen verwendet. Je höher die Drehzahl des zu beobachtenden Gegenstandes, desto mehr Schlitze sind nötig.
Des weiteren sind Einrichtungen zur Regelung der Geschwindigkeit, ferner optische Teile vorhanden, die auch so gewählt werden können, daß Betrachtungen aus weiterer Entfernung sowie solche von kleinen Gegenständen möglich sind. Wenn man sich drehende Teile prüfen will, wird das Ganze vor die Augen gehalten. Dann wird die Drehzahl der Scheibe derart geregelt, daß der beobachtete Teil stillzustehen scheint. Damit ist gute Gelegenheit zur Verfolgung seiner Arbeit gegeben.
Wir können aber auch eine Art von Zeitlupenaufnahme machen. Derartige Aufnahmen sind uns vom Film her bekannt. Sie entstehen, wenn bei der Aufnahme schneller gedreht wird. Dann kommen in der gleichen Zeit mehr Einzelbilder aufs Filmband. Wenn der Film hierauf mit der allgemein üblichen Geschwindigkeit vorgeführt wird, zieht von den in der einzelnen Sekunde gemachten vielen Aufnahmen in der gleichen Zeit nur
ein bestimmter Teil am Auge vorüber. Alle Bewegungen erscheinen also sehr gedehnt und verlangsamt.
Bemerkenswert ist, daß man auch bereits Mikroskope gebaut hat, bei denen eine schnell sich drehende Scheibe eine Rolle spielt. Die zu betrachtenden kleinen Gegenstände werden auf diese Scheibe gelegt, die als Schleuder wirkt. Durch die Fliehkraft werden sie zerteilt, so daß ihre inneren Teile zum Vorschein kommen. Da sie viel zu klein sind, um mit irgendwelchen Vorrichtungen bearbeitet zu werden, wird durch die rasche Drehung der Scheibe die Möglichkeit geschaffen, in das Innere ihres Baus einzudringen. Dazu kommt noch eine optische Einrichtung, die die weitere Möglichkeit gibt, sie trotz der schnellen Drehung so ruhig und genau unter starker Vergrößerung zu beobachten, als ob sie stillstünden. Die sich drehende Scheibe erlangt in diesem Fall nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für technische Untersuchungen
Fernsehen und Raumbild.
Aus dem technischen Laboratorium des Films.
Es ist von nicht geringem Reiz, hin und wieder einen Blick zu werfen auf technische Neuerungen des Films, die entweder nur erst in den Laboratorien der Film-Physiker und -Chemiker ihr Dasein führen oder bereits eine Verwirklichung gefunden haben, jedoch noch des eigentlichen Ausbaues harren.
Schon feit mehr als einem Jahr hat eines der fesselndsten Wunder, die es für den Menschengeist wohl geben kann: das Fernsehen, in Deutschland greifbare Formen angenommen, zunächst freilich nur in der Form aktueller Bildübertragungen. Seit es in Berlin ständig betriebene Fernseh- st e l l e n gibt, ist es schließlich nur noch eine Frage weiterer technischer Versuche, und wir werden auf unfern Fernfeh-Empfangsapparaten nicht nur kurze Uebertragungen stehender Bilder, sondern ganze Filmvorführungen zu sehen bekommen.
Ja, werden wir das wirklich? Noch wissen wir nicht, welche Wege die Fernsehtechnik beschreiten wird, und wie sie, das optische Kind der Rundfunk- Aetherwellen, aus einem bemerkenswerten technischen Kuriosum eingeordnet werden wird in unser kulturelles Leben als eines der großen öffentlichen Mitteilungsorgane und Werkzeug der Unterhaltung und des künstlerischen Genusses neben akustischem Rundfunk, neben Presse, Theater und Film.
Von diesen vier gewalttgen Bezirken dürfte das Fernsehen bestimmte Elemente in sich aufnehmen. Was uns hier interessiert, ist seine mögliche Auswirkung auf den deutschen Film. Würde diesem hier ein gefährlicher Konkurrent entstehen? Das ist eine Frage, die mancher schon sich besorgt oorge- legt hat. Wird es einmal ein optisches Funkhaus geben, das uns einfach einen wertvollen Tonfilm auf unseren Fernseh-Empfänger zaubert? Das wäre schließlich das Ende der Kinotheater und damit auf die Dauer jeder gediegenen Produktion, der die wirtschaftliche Säule, auf der sie nun einmal ruht, das Verleihgeschäft, entscheidend geschwächt oder völlig entzogen wäre.
Nun, wir wollen bei so dunklen Ausblicken nicht länger verweilen. Abgesehen davon, daß es noch gute Weile haben wird, bis überhaupt über die heutigen aktuellen Bild-Kurzmeldungen und das interessante „optisch-akustische Telephonieren" hinaus die Entwicklung längerer Unterhaltungsprogramme der Fernsehsender möglich sein wird, ist es ausgeschlossen, daß sich hier eine Unterhaltungsform in Rivalität zum Film ergeben könnte. So wenig der Orchesterklang der Schallplatte, mag er für sich betrachtet oder vielmehr belauscht ein noch so fesselndes musikalisches Erlebnis sein, dem unmittelbaren Ton der Geigen, Celli und Fanfaren im Musiksaal völlig gleichkommen kann, so wenig wird die Uebertragung der Bilder der tönenden Leinwand auf häusliche Fernseh-Empfänger dem Erlebnis einer Filmgemeinde gleichkommen, die schließlich, was entscheidend hinzukommt und mit
Recht in verschiedenen Aeußerungen zu diesem Thema schon betont wurde, auch immer Gemeinde bleiben will: im Erlebnis auch äußerlich, sichtbar geeinte Gemeinschaft.
Auf alle Fälle kann jedoch das Fernsehen noch sehr interessante Formen visueller Unterhaltung aus sich heroorbringen. Näher freilich stehen gerade dem Film andere technische Pläne, von denen man z. B. gegenwärtig wieder aus Amerika hört. Daß hier überall auch die für Amerika so charakteristischen Begriffe Sensation und Reklame eine Rolle spielen, sei vorweg einschränkend vermerkt.
Da wird u. a. von einem neuen Farbfilmverfahren berichtet. Es soll die Suggestion des räumlichen Sehens vertiefen, die Raumtiefe wirklich als solche empfinden lassen und mit Erfolg in Micky-Maus-Filmen angewandt sein, wo das Publikum das bestimmte Gefühl hat, in einem großen Zirkus zu sitzen und die Vorgänge in der Arena von allen Seiten zu betrachten.
Ist nun auch der Farbenfilm eine recht umstrittene und wenigstens für den ernsten Spielfilm durchaus fragwürdige Sache — das Schwarz-Weiß der üblichen Photographie ist mit feinen unendlichen Schattierungen von grellster Beleuchtung zum zarten Halbdunkel, dem wechselnden Mit- und Gegeneinander von Helle und nächtlichem Dämmer von eigenem Reiz und weitaus stärkerer suggestiver Wirkung als die bisherigen meist plumpen und unzulänglichen realistischen Farbenversuche —, so kann in der hier genannten Erfindung, wenn sie sich bewahrheiten sollte, immerhin ein bei besonderen Filmstoffen brauchbares technisches Mittel zur Erhöhung des Gefühls räumlichen Miterlebens mit den Ereignissen gefunden sein.
Diesem gleichen Ziel dient eine weitere Erfindung: ein st e r e o s k o p i s ch e s Filmverfahren, das schon seit einigen Jahren bestehen soll. Es soll auf besonders seltsame, zauberhafte Weise den bisherigen zwei Dimensionen der Leinwand die Illusion der dritten hinzufügen, so daß die Dinge förmlich vom vorgestellten Raum der Filmhandlung aus in den Zuschauerraum zu springen scheinen.
Methoden, die wohl kaum ernsten künstlerischen Charakter annehmen und höchstens in grotesken und burlesk-lustigen Szenen hier und da Verwendung finden können, sind die Zerreißung des Filmbildes in drei Schauplätze, die allmählich wieder in einen einzigen übergehen (bei der Darstellung eines Schlachtfeldes freilich von recht eigenartiger Wirkung) und das Nebeneinander zweier Tonbilder (z. B. der Sänger vor dem Balkon der Liebsten und das singende Mädchen in der Kamer), die zu einem harmonischen Duett zusammengefügt werden.
All diese Dinge sind, wie gesagt, mit Vorsicht zu genießen. Aber es ist vergnüglich und nicht ohne Nutzen, ernstlich zu bedenken, was hier Sensationsgeschrei, was ernsthafte Forscherarbeit fortschrittfreudiger Filmleute ist. B. D.
und längs der friesischen und holsteinischen Küste eine Art (der graue Knurrhahn) vorkommt. Wenn es auch gelegentlich vorkommt, daß diese stacheligen Gesellen aus unbekannten Gründen zeitweise aus dem Wasser in die Luft emporschnellen, so halten sie sich doch vorzugsweise in der Tiefe auf sandigem Grunde auf, wo sie sich oft in höchst auffallender und ungewöhnlicher Weise fortbewegen. Will nämlich der Knurrhahn seinen Weg, nachdem er genug geschwommen hat, zu „Fuß" fortsetzen, so bewegt er die drei freien vorderen spindeldünnen Strahlen der Brustflossen, die ihrer Wirksamkeit nach tatsächlich nichts weiter als Beine oder Füße sind und ihm ein förmliches Gehen ermöglichen, rasch nacheinander und gleitet somit, da der ganze übrige Körper, ohne den Boden zu berühren, frei im Wasser schwebt, leicht dahin, nötigenfalls hin und wieder durch Bewegungen der Schwanzflosse nachhelfend. Dieses Gehen unter Wasser erscheint zwar sonderbar, aber doch gewissermaßen noch fischgemäß: zu ganz erstaunlichen Leistungen bringen es aber jene Flossenträger — und damit wären wir bei den wahren und richtigen Spaziergängern unter den Fischen angekommen —, die das feuchte Element für längere Zeit entbehren können und somit imstande sind, auf dem trockenen Ufer sich zu ergehen. Den größten Ruf in dieser Hinsicht hat der 'indische Kletterfisch erlangt, der beim Austrockenen des von ihm bewohnten Tümpels sich noch keineswegs verloren gibt, sondern mit ziemlicher Geschwindigkeit oft stundenlang über Land einer benachbarten Wasserstelle zustrebt, wohl ausgestattet von der Natur für derartige Landwanderungen durch die Ausbildung einer lufthaltigen Kammer oberhalb der Kiemenhohle, in der der Kletterfisch die atmosphärische Luft speichert, die ihm dann den Aufenthalt auf dem Lande ermöglicht. .
Aber der Kletterfisch wird tn der Fähigkeit, längere Zeit außerhalb des Wassers zu leben, weit übertroffen von dem schleimig aussehenden S ch l a m m s p r i n g e r, der in mehr als einer Hinsicht höchst merkwürdig ist. Für lange Stunden vermag er mit seinen langen, armformigen Brustflossen gemächlich über den schwarzen Schlamm des Ufers der Mangrooesümpfe des tropischen Afrikas und Australiens zu wandern und nach Kä,ern und Schnecken zu jagen. Ermöglicht wird ihm das durch die außerordentlich enge, ritzenartige Beschaffenheit seiner Kiemenspalten, die das Verdunsten des
in den Kiemenhöhlen befindlichen Wassers lange hintanhält. Gelegentlich wird der Weg durch ein plötzliches Hüpfen unterbrochen, was meist einem harmlos vorbeifliegenden Infekt gilt, das im Springen ergriffen wird und in dem breiten Maul verschwindet. Nicht selten springt bei solchen Jagden das Tier auch selbst dünne Mangrooewurzeln an und klettert geschickt meterhoch an ihnen empor, indem es sie mit den starken Brustflossen umklammert und sich mit dem Schwänze nachschiebt. Erschreckt oder bei nahender Gefahr eilen die Schlammspringer so schnell wie Eidechsen in langen Sätzen, genau wie Frösche, davon und flüchten entweder ins nahe Wasser oder vergraben sich mit verblüffender Geschwindigkeit im Schlamme.
Einige andere Fische, so der Sackkiemer, ein echter Wels, und der K u ch i a, ein Kurzschwanzaal, die beide in den süßen und brackigen Gewässern Indiens leben, haben die normale Kiemenatmung ganz besonders stark eingeschränkt und dafür lange lungenartige Säcke unter der Haut zur Lungenatmung erworben, die ihnen ermöglichen, größere Reisen zu Lande zu unternehmen. Kuchia kann zudem diese Luftsäcke so weit aufblasen, daß sie als wurstartige Wülste nach außen vorspringen.
Nun gibt es Fische, die der Lungenatmung noch weit besser angepaßt sind, weil sie neben den gewohnten Kiemen der anderen Fische noch echte Lungen haben, die den Lungen der höheren Wirbeltiere in allen wesentlichen Punkten gleichen. Dahin gehören der australische Ceratodus, der südamerikanische Schuppenmolch und der Molchfisch von Aequtorialafrika. Ja, bei letzterem geht diese Anpassung an den Landaufenthalt sogar soweit, daß dieser Fisch, an der Luftatmung gehindert, in zwei bis drei Stunden zugrunde geht, einen 24ftünbigen Aufenthalt außerhalb des Wasser aber gut verträgt!
So unvollkommen unsere Liste dieser Sonderlinge unter den Fischen auch ausgefallen ist und ihre Beschreibung auch bleiben mußte, dürfte sie doch eine Vorstellung davon geben, daß wir wohl schwerlich die vielen eigentümlichen Einrichtungen der erwähnten Fischformen restlos als Anpassungen im gebräuchlichen Sinne bezeichnen dürfen. Wir haben es hier vielmehr mit Tieren zu tun, die auf dem Wege vom Wasser zum Land atmen und sozusagen gewisse Stufen im Bauplan der Wirbeltiere überhaupt vorstellcn, die in den vorliegenden Fällen
Fliegende und wandernde Fische. 23on Or. Georg Stehlt, Stuttgart-Cannstatt.
Nicht nur unter den Menschen, sondern auch unter den Tieren gibt es merkwürdige Käuze und Sonderlinge, die durch gewisse, bisweilen schier unglaubliche Eigentümlichkeiten auffallen. Wohl jeder Leser hat schon einen auf das Trockene geratenen Fisch gesehen und beobachtet, wie das hilflose Tier dann mit allen Flossen und dem ganzen Aufgebot seiner Muskelkraft arbeitet, das vielleicht nur wenige Zentimeter entfernte Wasser wieder zu erreichen, um nicht selten, vielleicht im Anblick der rettenden Flut, schließlich doch zu verschmachten. Die ganze Unzulänglichkeit der Schwimmorgane für die Fortbewegung außerhalb des flüssigen Elements roirS uns dadurch auf das wirkungsvollste vor Augen geführt. Dabei hat es die Natur doch verstanden, die Flossen, die ihrem eigentlichen Berufe ja nicht entzogen werden konnten, durch gewisse Vorrichtungen derartig umzugestalten, daß einzelne Fische das Wasser für mehr oder minder kurze Zeit verlassen und mit der Geschwindigkeit einer Maus am Strande herumlaufen, andere mit den Fröschen um die Wette hüpfen und wieder andere gleich den Vögeln durch die Lüfte schweben.
Die eigentlichen und besten Flieger unter den Fischen sind die Angehörigen der Familie der Hochflugfische, die echte Bewohner der Hochsee sind und in großen Mengen, oft zu gewalttgen Schwärmen ober „Schulen" vereinigt, bie wärmeren Meere bevölkern. Sie sinb es benn auch meist, von benen in ben Erzählungen unb Schilberungen von Tropenreisen bie Rebe ist. Unter ihnen scheinen roieber ber 15 Zentimeter lange, ^erliche amerikanische Schmetterlings-Flugfisch unb ber auch im Mittelmeer febenbe schlankrassige Schwalbenfisch bie Höchstleistungen im Fliegen zu vollbringen. Was biefe Fische eigentlich veranlaßt ober zwingt, zeitweise bas Wasser mit der Luft zu vertauschen, und ob es sich babet um einen richtigen Flug wie bei den Vögeln handelt oder ob es ein Gleiten und Schweben vor dem Winde ist wie beim Segelflugzeug, ist auch heute noch nicht völlig geklärt.
3u ben fliegenden Fischen werden bisweilen auch die Knurr- ober See Hähne gezahlt, von denen auch in ben Küstengewässern bei Helgoland
eine hohe Bedeutung. Wir wissen, baß bie Eigenschaften vieler ber in ber Technik verwenbeten Werkstoffe von ihrem inneren Aufbau, von ber Art ber Kristalle abhängen, aus benen sie sich zusammensetzen. Die kristallinische Gestaltung änbert sich burch mancherlei Ümftänbe. Der ungeheure Druck, ben bie Fliehkraft auf bie Kristalle ausübt, gibt Gelegenheit, Formänberungen und son- stige Umwandlungen genau zu beobachten, denen bas Gefüge ber Werkstoffe unter sehr hohem Druck unterliegt, unb um baraus Folgerungen zu ziehen, bie vielleicht für bie Verarbeitung ober sonstige technische Vorgänge von Wichtigkeit werben können.
Wenn derartige Prüfungen stundenlang hintereinander ausgeführt werden, ermüdet das Auge. Die Ergebnisse können leicht ungenau werden. Deshalb hat man nunmehr Einrichtungen geschaffen, die dem Zweck dienen, die Ermüdung zu bekämpfen und dadurch auch ihre Folgen zu verhüten. Durch diese Einrichtungen werden die zu untersuchenden Gegenstände in starker Vergrößerung auf eine vor dem Beobachter stehende Wand geworfen. Es ist nur nötig, einen dieser Gegenstände um den anderen auf den Tisch zu legen, über dem die optischen Vorrichtungen angebracht sind. Auf diese Weise werden jetzt bereits die verschiedensten Werkzeuge, Nadeln der mannigfachsten Art, Gewebe und viele andere Dinge untersucht, ebenso die Glühdrähte von Glühlampen. Das Bild oder der Schatten an ber Wanb sinb ein wertvolles Hilfsmittel ber neueren technischen Unter» suchungsverfahren geworben.
Dynamit gegen Moore.
Wer jemals beobachtete, welche Schwierigkeiten mooriger Baugrund bereitet, wird verstehen, daß man alle Verfahren, die eine Ueberwindung trügerischer Untergründe ermöglichen, auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen hat. Sv wurde vor etwa zwei Jahren bekannt, daß die Amerikaner beim Bau von Straßen durch moorige Gelände die zwischen der geplanten Straßenoberfläche und dem tragfähigen Untergrund liegenden Moorschichten durch umfangreiche Sprengungen beseitigten. Bei der Durchführung des Baues der Reichsauto» bahnen stellten sich ähnliche Schwierigkeiten ein, und man begann zunächst bei Elbing entsprechende Versuche, mit Dynamitladungen den unzuverlässigen Baugrund fvrtzuräumen. Man lernte soviel, daß beim Ausbau der Autobahnen nach Stettin, nach Frankfurt (Oder) und des Berliner Ringes durch die Anwendung ber Moorsprengungen hohe Bausummen eingespart werden konnten. Stellt man sich vor, daß der feste Baugrund unter einer Straße plötzlich durch eine 7 bis 14 Meter tiefe Moorfurche unterbrochen wird, so würde eine darauf gelegte Straße im Laufe kurzer Zeit in diesem Moore verschwinden. Nun kann man ja bas Moor burch Baggerung beseitigen unb den entstehenben Hvhlraum mit tragfähigem Boben auffüllen. Ein solches Vorgehen würbe aber Unsummen verschlingen unb viel Zeit kosten. Auch könnte man, wie beim Hochbau, Pfähle bis in ben tragfähigen Boben herabführen unb barauf bie Straße grünben. Die Unkosten würben hierbei aber noch weiter anwachsen. Dagegen wirb beim Sprengverfahren bie Straße zunächst in beträchtlicher Höhe aufgeschüttet. Das Gewicht ber Sanbmassen preßt bas Moor zur Seite, ber Sanb sackt ab. Unter Ausnutzung bes Druckes bringt hier eine Sprenglabung bas gebrückte Moor zum seitlichen Ausweichen. Dabei sackt bie aufgeschüttete Straße auf ben tragfähigen Boben ab und kann dann ganz aufgefüllt werden. Unter ihr befindet sich kein mooriges Gelände mehr, sondern ber vorher burch Bohrungen festgestellte tragfähige Boben. Solche Sprengungen kosteten bei ben Reichsautobahnen zwischen 7000 unb 40Ö00 Mark. Aber auf ein Kubikmeter Boben bezogen, stiegen sie nicht über 1 Mark, während der für eine Baggerung vorgelegte Kostenanschlag für jeden Kubikmeter Erdreich über 4 Mark erforderte. Man sieht, wje durch Veränderung ber Bauweisen erhebliche Ersparnisse gemacht werden können.
erst die Lebensweise bes einzelnen Tieres bestimmen unb verstänblich machen — „unb bie Weise zu leben, sie wirkt auf alle Gestalten mächtig zurück."
Wie der Affe die Taffe erfand.
Zwei ungewöhnliche Beispiele von Affen-Jntelli- aenz, bie weit mehr Ueberlegung verraten, als wir sie bei Tieren im allgemeinen voraussetzen, erzählt ber bekannte Biologe Dr. V o r o n o w : „Einer meiner Affen, Vibal, ber in Freiheit in meinem Laboratorium am „College de France“ lebte, sah eines Tages, wie ein Wärter eine Planke burchbohrte. Er ergriff bie Werkzeuge, bereu sich jener bebient hatte, unb fing seinerseits wie toll mit bem Hammer auf ben Meißel loszuschlagen. Ich hielt es anfangs für eine einfache Nachahmung ber Bewegung, aber wer beschreibt mein Erstaunen, als ich sah, wie ber Affe im Lauf feiner Arbeit mehrmals mit ber Hanb unter bie Planke faßte, um sich zu vergewissern, bah bas Loch wirklich burchginge, eine Bewegung, bie ber Wärter nicht gemacht hatte."
Noch erstaunlicher ist bie anbere Geschichte: „Mein Bruber Alexanber, ber biefe neugierigen Wesen sehr gern hat, bringt unseren Schimpansen oft Leckerbissen. So brachte er ihnen eines Tages auch frische Eier, auf bie sie sehr scharf sinb, unb eine Flasche mit Milchschokolabe, bie sie ebenfalls sehr lieben. Er ging von einem Käfig zum anbern, reichte ihnen zuerst bas Ei, bann bie Flasche. Jeber Affe brach behutsam bem Ei bie Spitze ab, sog ben Inhalt aus unb trank bann bie Flasche, ohne auf ben Teil ber Flüssigkeit zu achten, der ihnen zu beiden Seiten des Maules herunterlief. Als mein Bruder das Ei und die Flasche „Nora" gab, einer besonders klugen Aeffin, leerte diese auch das Ei und fing an, aus der Flasche zu trinken. Kaum aber bemerkte sie, daß ihr ein Teil der kostbaren Flüssigkeit verloren ging, da ergriff sie Ei unb Flasche unb hielt beibes meinem Bruber hin. Er verstaub anfangs nicht, was sie wollte, aber ba sie offenbar beharrlich auf etwas wartete, machte er sich ben Spaß, ihr etwas Schokolabe in bas Ei zu gießen. Tatsächlich gab JRora* auch sofort Zeichen größter Zufriebenhett, leerte da» Ei unb hielt es ihm immer roieber hin, um es sich neu füllen zu lassen." So hatte „Nora" zweifellos so etwas wie die Tasse erfunben. Sehr viel anbers sind bie ersten Menschen, bie es bequemer fanben, eine Schale zum Trinken zu benutzen, auch nicht vorgegangen.


