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16.9.1936
 
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Mittwoch, 16. September 1936

186. Jahrgang

217 Erstes Blatt

Gießener Anzeiger

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Der neue Textilarbeiterstretk in Frankreich

lerlln, 15. Sept. (DNB.) Der französische Bastid, begleitet von seinem BenebelH und dem Finanzinspek- lphanb, ist heule morgen auf der Rück- von Warschau nach Paris zu kurzem Aufent- in Berlin elngetroffen. um dem mit

auch Berlin einen Besuch ab. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frank­reich hat sich trotz aller politischen Zwistigkeiten immer bewährt, was nicht zum wenigsten auch dar­auf zurückzuführen ist, daß sich beide Länder wirt­schaftlich sehr glücklich ergänzen. Ein Zeichen des auf beiden Seiten vorhandenen Wunsches, die wirt­schaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich noch weiter zu beleben, war bereits der Besuch Dr. Schachts in Paris. Die An­wesenheit Bastids in Deutschland wird dazu dienen, die in den Pariser Gesprächen gefundene Grundlage der Zusammenarbeit noch zu erweitern und für die Praxis des deutsch-französischen Handelsverkehrs zu verwerten.

Das deutsche Volk begrüßt den Besuch des fran­zösischen Handelsministers um so mehr, als Bastid sich stets einer objektiven Haltung gegenüber Deutsch­land befleißigt hat und schon für eine positive Ver­ständigungsarbeit mit dem Dritten Reich eintrat, als die französische Politik unter Barthous und Herriots Führung noch einer streng deutschfeindlichen Linie folgte. Bastid gehört zu der jüngeren Generation Frankreichs. Er ist Professor für Rechtswissenschaft an der Universität Lyon und leitet außerdem den Generalrat des Departements Cantal. Rach der na­tionalsozialistischen Revolution zog es ihn, der für Deutschland immer besonders interessiert war und auch ausgezeichnet deutsch spricht, in das Dritte Reich. Am 1. M a i 1 9 3 3 war er zusammen mit Fran^ois- Poncet, dem französischen Botschafter in Berlin, a u f dem Tempelhofer Feld. Unter dem gewal­tigen Eindruck dieses Festes der Arbeit setzte er sich, nach Paris zurückgekehrt, in mehreren Zeitungs­artikeln für eine offene Aussprache mit dem neuen Deutschland ein. Es war damals die Stimme eines Predigers in der Wüste. Rur ein schwacher Widerhall war in der Öffentlichkeit zu vernehmen, im Parlament überhaupt keiner.

Als seine Artikel schon in Vergessenheit geraten waren, wurde er zum Präsidenten der außen­politischen Kommission gewählt, nachdem er als Be­richterstatter vieler internationaler Abkommen, ins­besondere über das allgemeine Schiedsgerichtsab­kommen, in der Kammer als radikalsozialistischer Abgeordneter schon wiederholt hervorgetreten war. Seit 1926 gehörte er auch der französischen Völker­bundsdelegation an. Gegen Ende des Jahres 1934 begann sich sein Einfluß gegen die französisch-russi­schen Verabredungen geltend zu machen. So ver­anlaßte er seine Kommission zu einer scharfen Kritik an der Gewährung einer staatlichen Kreditgarantie für das Russengeschäft. Für den allmählichen

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schneller als im r a d i k a l s o z i a l i st i s ch e n Lager, das seinen Anhang im wesentlichen unter den Bauern und kleinen Gewerbetreibenden des südlichen Frankreichs besitzt. Diese Partei galt von jeher als diejenige des Ausgleichs. Bei aller Nei­gung zu sozialistischen Theorien, blieben die Radikal­sozialisten in der Praxis konservativ bis auf die Knochen. Als Löon Blum seine Regierung bildete, und mit drastischen sozialen Maßnahmen begann, sagte man ihm den unvermeidlichen Zusammenstoß mit den im Grunde genommen konservativen Ra­dikalsozialisten voraus. Heute sieht sich aber Herr Blum in einer wesentlich anderen Lage als man damals in französischen Rechtskreisen annahm. Er hat sich nicht nur mit den Radikalsozialisten überworfen, sondern sich auch gleichzeitig in einen schroffen Gegensatz zu den Kommunisten ge­stellt. Sicherlich hat die scharfe Absage der eng­lischen Gewerkschaften an die Kommunisten auch auf die französischen sozialistischen Kreise einen tiefen Eindruck gemacht. Nur hat man sich von vornherein so sehr mit den Kommunisten einge­lassen, daß man vielleicht erst jetzt mit Schrecken entdeckt, wie stark bereits der Einfluß auf die Massen aus den Händen der Radikalsozialisten und Sozialisten in die der Kommunisten übergegan­gen ist.

mene Uebereinstimmung bestehe. Entgegen allen Erwartungen habe der Außenminister dem Kabinettsrat kein Exposö vorgelegt. Die Rede des Außenministers am letzten Sonntag soll vom Mi­nisterpräsidenten mit großem Vorbehalt ausgenommen worden sein. Die für Donnerstag angekündigte Rundfunkrede des Minister­präsidenten über die Außenpolitik dürfte eine R i ch t i g st e l l u n g der Delbos-Rede für die A r b e i t e r m a s s e n" werden.

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paris, 16. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Tex­til a r b e i t e r st r e i k in der Gegend von (Spinal hat sich weiter ausgedehnt. Insgesamt wird zur Zeit in 67 Betrieben mit rund 24 000 Arbeitern gestreikt. 59 dieser Werke find von den Ar­beitern beseht. DerFigaro" berichtet von unglaublichen Zwischenfällen, die sich am Dienstag in Itjaon1 in den Bogefen abgespielt haben. Schon bei Morgengrauen war eine große Wäscherei und Färberei, die 2500 Arbei­ter beschäftigt, von kommuni st ischen Streif- p o ft e n umstellt, die die zur Arbeit kommende Belegschaft des Werkes an der Arbeitsaufnahme verhindern wollten. Blobilgarbe wurde eingesetzt, um Zwischenfälle zu vermeiden. Sie hat aber er­staunlicherweise nicht etwa die Fabrikeingänge von den roten Streikposten gesäubert, sondern ist mit dem Gummiknüppel gegen bie Ar­beitswilligen vorgegangen, um sie ausein- anberzusprengen. Da es ben nationalen Arbeitern nicht möglich war, ihre Arbeitsstätten zu erreichen.

Äon unserem Cs.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Preßburg, September 1936.

Es ist noch gar nicht lange her, da beging die Kleine Entente, begleitet von den üblichen Zei­tungsartikeln und Festreden, das Jubiläum ihres 15jährigen Bestehens. Bei dieser Gelegenheit konnte man immer wieder hören, wie dieser Staatenbund 15 Jahre unerschütterlich fest­gehalten habe an seiner ursprünglichen Linie. Da­mals hatte man es sich freilich nicht träumen las­en, daß schon so bald Ereignisse eintreten würden, die die bisherigen Grundlagen der Kleinen Entente ganz wesentlich verschieben würden. So kurz der Abstand der jetzt in Preßburg, der einstigen un­garischen Krönungsstadt, tagenden Konferenz der Kleinen Entente von jener Jubiläumstagung auch ist, so tiefgreifend sind doch die Veränderun­gen, die inzwischen der Entwicklung der politischen Linie der drei Mitgliedsstaaten der Kleinen En­tente eingetreten sind.

Um das Neue der heutigen Lage richtig ermessen zu können, braucht man sich nur einmal vor Augen zu halten, daß damals, als die Kleine Entente so­zusagen in ihrer Blüte stand, in Prag der jetzige Staatspräsident Benesch noch Außenmini- st e r war, während in Belgrad Marinkowitsch und in Bukarest Titulescu das Außenmini­sterium verwalteten, drei Männer also, denen d i e Wünsche Frankreichs oberstes Gebot zu sein schienen. Und in der Tat waren auch all diese Jahre hinüurch gerade die drei genannten Außenminister jederzeit bereit, zu zeigen, daß sie sich eigentlich nur als Trabanten Frankreichs, als Werkzeug der Pa­riser Hegemoniepolitik betrachteten. Inzwischen ist nun freilich viel Wasser die Donau hinuntergeflos­sen. Und inzwischen haben jene Männer andern Platz gemacht, zum Teil Platz machen müssen. Ge­rade hier aber liegt das wichtigste Moment der neuen Entwicklung der Politik der Kleinen Entente. In allen drei Ländern, zu allererst in Jugo­slawien, hat man allmählich erkannt, daß auf die Dauer kein Land, und sei es noch so klein und schwach, sich für fremde Zielsetzungen miß­brauchen lassen darf, ohne seine eigenen Interessen aufs schwerste zu gefährden.

Zuerst brach sich diese Erkenntnis auf wirt­schaftlichem Gebiete Bahn. Gewiß, Frank­reich hatte seinen südosteuropäischen Verbündeten Jahre hindurch Anleihen gegeben und Rüstungs­kredite bewilligt. Als es nun aber dieses Geld zu- rückverlangte, weigerte es sich gleichzeitig, diesen befreundeten Staaten die wirtschaftlichen Voraus­setzungen für die Rückzahlung schaffen zu helfen. Es verschloß seinen Markt den Ausfuhrerzeugnissen aller dieser Länder. Damals begann man bereits hier und da in den Reihen der französischen Va­sallenstaaten den grundlegenden Aufbaufehler zu er­kennen. Und als dann Deutschland als Großabneh­mer für die Erzeugnisse dieser Staaten auftrat und sie alle man kann dies ohne Uebertreibung sagen vor dem Wirtschaftselend bewahrte, da wurde es immer deutlicher erkennbar, daß Poli­tik und Wirtschaft sich in den internationalen Be­ziehungen doch nicht ganz trennen lassen und daß ein jedes Land in erster Linie seinen gegebenen Interessen und Notwendigkeiten folgen muß und daß es sich nicht zum Objekt fremder Zielsetzungen herabdrücken lassen darf.

In Jugoslawien wurde der Außenminister M a - r i n k o w i t s ch durch andere Männer abgelöst, die eine allmähliche Verselbständigung der Außenpolitik ihres Landes in die Wege leiteten. In Prag ver­suchte man die seinerzeitigen Reisen des Mini­sterpräsidenten Hodscha zeigten dies deutlich von der Ausschließlichkeit einer französischen Orien­tierung abzukommen, indem man sich nach Wien auszurichten bestrebt war, und zwar mit dem Hintergedanken, auf diese Weise leichter den Weg nach Rom finden zu können. Und in Rumänien ist nun Titulescu gefallen, jener Mann, der nicht nur in seinem Lande als unsichtbarer Diktator , zu herrschen versuchte, sondern der auch bestrebt , war, der ganzen Kleinen Entente seine einseitig t französisch-sowjetrussische Politik aufzuzwingen. Es ist von untergeordneter Bedeutung, festzustellen, welches die entscheidenden Gründe waren, die den 1 endlichen Sturz Titulescus herbeiführten. Wesent- 1 lich ist im Augenblick nur die Tatsache, daß nun der Weg frei geworden ist für eine Neuausrichtung , der rumänischen Politik und gleichzeitig auch für [ eine Auflockerung der Politik der Kleinen Entente ! überhaupt.

So steht die jetzige Konferenz der Kleinen Entente in Preßburg vor allem unter dem Zeichen der Vor­bereitung einer Neuausrichtung. Dabei ist vor allem festzuhalten, daß es sich nicht zu sehr darum handeln kann, daß die Kleine Entente als Staatenbund gänzlich neue Wege beschreitet, son­dern vielmehr darum, daß die einzelnen Mitglieds­staaten viel mehr als bisher die Möglichkeit er­halten, ihre internationalen Beziehungen in erster Linie auf ihre besonderen eigenstaat« : lichen Interessen auszurichten. Dafür be- deutet ganz zweifellos die jetzt in Preßburg tagende Konferenz einen Anfang.

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Stimmungswandel, der sich damals sogar im fron- zösischen Parlament, vor allem infolge der deutsch­französischen Frontkämpferbespreckungen, anbahnte, legt eine Erklärung an die deutschen Leser beredtes Zeugnis ab, die Bastid zum Neu­jahr 1935 dem Vertreter desDeutschen Schnell­dienstes" in Paris übergab und die es verdient, heute wieder in allgemeine Erinnerung gebracht zu werden. Diese Erklärung lautete:

Ich bin immer der' Ansicht gewesen, daß die deutsch-französische Annäherung das funda­mentale Problem um nicht zu sagen: das einzige Problem des Friedens in Europa darstellt. Diese meine Ansicht hat sich nicht geändert. Frankreich ist entschlossen, st a r k zu bleiben, weil es unerschütterlich an seiner Unabhängigkeit und terri­torialen Unberührtheit festhält. Darum ist es aber auch fähig, die Kultur eines anderen Volkes, und sei diese auch noch so verschieden von der feint» gen, z u verstehen und zu achten. Frank­reich hängt viel zu sehr an seiner geistigen Eigen­art, um nicht zulassen zu können, daß andere Völ­ker innerhalb ihrer Grenzen die ihrige hochhalten. Es widersetzt sich nur jedem Gedanken der Expan­sion und der Vorherrschaft, sowohl für sich wie für die anderen. Wie könnte man andererseits auf dem übernationalen und weltlichen Gebiet die Bereiche­rung verkennen, die das menschliche Denken den großen Dichtern, den großen Philosophen, den großen Musikern und den großen Gelehrten Deutsch­lands schuldet. Meiner Meinung nach ergänzen sich die germanische und die lateinische Kultur ge­genseitig. Derjenige, welcher nur die eine oder die andere besitzt, ist wie es im Deutschen heißt einseitig."

Der Mann, der solche Worte für das politische und kulturelle Verhältnis Deutschlands zu Frank­reichs gefunden hat, wird auch Mittel und Wege für eine ausgedehntere wirtschaftliche Er­gänzungsarbeit zwischen beiden Ländern finden. Was Bastid auch in französischen Blättern als Vorsitzender des Kammerausschusses für aus­wärtige Angelegenheiten wiederholt ausgesprochen hat, daß man nämlich an den wiederholten Aufrufen Adolf Hitlers zur deutsch-französischen Wiederver­söhnung nicht achtlos vorbeigehen solle, das wird ihm sicherlich im Geiste jetzt vorschweben, wenn er als Vertreter seiner Regierung in Deutsch­land wichtige Fragen einer neuen wirtschaftlichen Kooperation erörtert. Bastid wird in Berlin die Feststellung machen können, daß das Deutschland Adolf Hitlers mehr denn je zu einer Zusammen­arbeit und zur Verständigung mit seinem westlichen Nachbarn bereit ist. E. V.

!)ei französische Handelsminister Bastid (in der Mitte) im Gespräch mit Reichswirtschaftsminister ch a ch t (links) und Reichsfinanzminister Graf SüwerinvonKrofigk (rechts). Scherl-M.)

Zier Führung der Geschäfte des Reichswirtfchafts- nlnrfteriums beauftragten Reidjsbanfpräfibenfen Schacht einen Besuch abzustatten. Er wurde bei ßftsllr Ankunft von Vertretern des Auswärtigen 21111185, des Reichswirtfchaftsminifteriums und der llrihsbank sowie der französischen Botschaft begrüßt.

i Ißaul B a st i d, der französische Handelsminister

ruhen in Frankreich dem Ausland den Eindruck einer wachsenden Bolschewisierung des Landes ver­mitteln undgewissen Ländern" den Vorwand gäbe, sich als Vorkämpfer der europäischen Ordnung aufzufpielen".

Derartige Töne sind in einem Lande, das bisher so stolz auf feine soziale Ausgeglichenheit war, völlig neu. Immer stärker tritt die Besorgnis zu­tage, die Streiks und Auseinandersetzungen zwi­schen Sozialisten und Kommunisten könnten die außenpolitische Aktivität der Regierung lähmen. Und zwar in einem Augenblick, wo man dringender denn je eine aktive Außenpolitik zur Auf­rechterhaltung des französischen Prestiges für not­wendig hält. Nur wer weiß, was für den Fran­zosen nationales Prestige bedeutet, vermag die tiefe Sorge richtig zu begreifen, die sich in den spezifisch außenpolitischen Leitartikeln wiederspiegelt.

An Kabinettskrisen find die Franzosen gewöhnt. Sie nehmen sie nicht tragisch. Aber all das, was sich jetzt in Frankreich in sozialer Hinsicht abspielt, und was immer deutlicher auf eine soziale Demütigung und ungesetzliche Behandlung der Ar­beitgeber hinausläuft, droht das Gemeinschafts­gefühl der Franzosen überhaupt zu erschüttern. Sie sehen sich einer Gefahr gegenüber, die sie völlig überraschte. Nirgendwo wächst diese Erkenntnis

im gegenwärtigen Kabinett Leon Blum, fuhr Ende nötiger Woche in Begleitung seiner engsten Mit- icrpiiter nach Warschau, um dort in Verhand­ln: en mit den polnischen Wirtschaftsführern die 'Mllichkeiten eines Ausbaues der polnifch-franzö- fifdim Handelsbeziehungen zu überprüfen. Nachdem

et'eine dortige Aufgabe erledigt hat, stattete Bastid

Frankreich wird von einer neuen Welle der Un° , Miiedenheit und Unruhe unter den Arbeitern stirrgesucht, die von den kommunistischen Agenten nit allen Mitteln geschürt und politisch ausaenutzt iuirk Sie hat ihre letzte Ursache in den wirtschaftlichen < Ejfsrimenten der Volksfront-Regierung, die durch :>i? Einführung der 40-Stunden-Arbeitswoche, die prozentige Lohnerhöhung und die Gewäh- :rmj des bezahlten Urlaubs nicht eine Verbesserung, ionkrn eine Verschlechterung d e r Kon­jektur herbeigeführt hat. Aber auch die wirt- tta tliche Lage der Arbeiterschaft hat sich durch diese algesetze nicht gehoben, im Gegenteil, die greise für die Konsumartikel des tüg- Ify.m Bedarfs sind schneller gestiegen, als ü-Lohnvergünstigungen für den einzelnen Arbeiter 'ch »ausgewirkt haben. Der Brotpreis beispielsweise )ot sich seit Erlaß der Sozialgesetze um 33 v. H. rrhiht. So hat sich nun ein fortwährendes Wett- renr.en zwischen neuen Lohnforderungen der> Ar­beitnehmer und neuen Preiserhöhungen durch die LnOwirtschaft und Industrie entwickelt. Ein Aus- jtuf dieser Bewegung ist der StreikindenJn- )u~triegebieten des Nordens. Auch die Dx ilindustrie des Ostens ist von dieser Streikbewe- jung ergriffen. Ein Generalstreik steht drohend vor i>er Tür. Die Schlichtungsbemühungen Blums sind Dflrläufig gescheitert, und ihr Erfolg wird auch da- )iirg nicht wahrscheinlicher, daß sich innerhalb der fteierung erhebliche Meinungsverschiedenheiten Mmsgebildet haben. Ein Teil des Kabinetts fordert stritte Unnachgiebigkeit gegenüber den Streikenden, toii es sich um einen politischen, vom Kommums- itiiu inszenierten Arbeitskonflikt handele, der andere teil will die radikalisierte Arbeiterschaft nicht un­nötig reizen, um die kommunistische Unterstützung her gegenwärtigen Volksfront-Regierung nicht zu t»rliereil'. t. . ., , ,« .. .

Tie Textilstreikwelle in Nordsrankreich beschwort tität: nur soziale, sondern auch juristische Konflikte Dor einer Tragweite herauf, die m emem sehr einten Leitartikel desTemps" ihren Niederschlag fhten. Blum hat über Nacht, ohne die geringste Mliche Befugnis zu haben, sich selbst z uim Schlichter aufgeworfen und versucht jetzt, die Sneitgeber diktatorisch zur Annahme seiner Ve- tngungen zu zwingen.Wie kann er Derartiges ta^en?" fragt derTemps",wenn auf der ande- lr Seite die Regierung zufieht, wie burd) offen» irrige Gewaltakte und Rechtsbrüche die Arbeiter te längst nicht mehr mit bloßen Streiks begnügen, Irnern zu Maßnahmen schreiten, die die Besitz- 1 eite der Fabrikanten selbst angreifen. Wir in ie itschland nennen das Sowjetisierun g d e r L triebe. DerTemps" drückt sich m dieser fp ieljung milder aus. Aber er richtet einen be- |r |ten Appell an das Kabinett, doch nicht zu ver- 4l?n, daß die Häufung von Streiks und von Um

haben sie das Rathaus der Stabt beseht. Erst nachbem ihnen versprochen worben war, bah sie am Nachmittag wieber mit ber Arbeit beginnen bürsten, haben sie bas Rathaus geräumt. Arn Nach­mittag haben sich bann bieselben Szenen vor b e m Fabrikgebäube abgespielt. Die Polizei hat es nicht für notwenbig gehalten, einzuschreiten, um ihr Versprechen zu erfüllen, sonbern hat es zugelassen, bah bie kommuni ft en bie ganze Stabt terrorisierten. Die Roten besahen bann noch bie Frechheit, von ben Arbeitswilligen brei Franks als Eintrittsgebühr (!) in bas Werk zu verlangen, was von biesen selbstverstänblich abge­schlagen würbe.

Auch außenpolitische Meinungs­verschiedenheiten?

Paris, 16. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Jour" glaubt, daß zwischen Ministerpräsident Leon Blum und Außenminister Deldos auch auf außenpolitischem Gebiete keine vollkom-

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