Ausgabe 
16.3.1936
 
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Montag. 16. Marz M6

186. Jahrgang

Nr. 64 Erstes Blatt

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produktive Frauenarbeit im nationalsozialistischen Staat.

Die Reichsfrauenführerin spricht über die Stellung der Krau

Aachen, 15. März. (DNB.) Hier sprach die Reichsfrauenführerin Frau Scholz-Klink über d i e Bedeutung der Frau im nationalsozialisti­schen Deutschland. Frau Scholz-Klink verbreitete sich vor allem über die großen Leistungen, die im Laufe der letzten drei Jahre von der nationalsozialistischen Organisation der F r a u e n s ch a f t vollbracht wor­den ist. Die Frau sei heute weder entrechtet, noch geknechtet, wie von ausländischen Kriti­kern immer wieder betont werde, sondern sie nehme in schöpferischer Arbeit teil an dem Aufbau des Staates und der Volksgemeinschaft. Sie sitze zwar nicht mehr im Parlament und debattiere da in langen Reden, wie das vor 1933 der Fall war. Aber in ben Vorarbeiten, die für die Gesetz­gebung und Gestaltung der Volksgemeinschaft not­wendig seien, sei sie auf allen Gebieten, die den Beruf und die Tätigkeit der Frau berühren, vertreten.

3n der nationalsozialistischen Frauenschaft und im Frauenwerk gebe es heute in Deutschland schon etwa 60000 Führerinnen, die alle ihr Amt ganz ausfüllten und ihre Arbeit verrichteten. 2 5 000 Amtswatterinnen feien in der Arbeitsfront tätig. Der Frauenarbeitsdienft verfüge über

800 Führerinnen. 3n der Zeit vom 1. April 1933 bis zum 1. April 1936 feien be­reits 6 0 0 0 0 deutsche Mädchen im Arbeitsdienst geschult worden. Das sei eine großartige Leistung, die einzig in der Welt dastehe. Rechne man die Arbeitsleistung der deutschen Frau im nationalsozialistischen Staat in Tagewerke um, so komme man für die Zeit vom 1. Marz 1933 bis 1. Marz 1936 auf eine

Zahl von 10 950 000 Tagewerke.

Sehr einleuchtend war auch das, was die Reichs- frauenführerin über die Bewertung der Frauenar­beit im Haufe, in der sozialen Wohlfahrt, in den Kindergärten usw. sagte. Der Wert dieser Arbeit sei nicht geringer als das, was die wissenschaftlich geschulten Frauen in ihrem Berufe leisten. Es sei eine Lüge, wenn immer wieder behauptet werde, der Nationalsozia­lismus würde der Frau nicht die Ausbildungsmög­lichkeit geben, die ihr entspreche. Grundsätzlich solle jede Frau und jede Mutter, die eine B e - gabung zu einem besonderen Beruf habe, diesen Beruf erlernen. Aber gleichzei­tig fordere der Nationalsozialismus die Anerken­nung der nichtwissenschaftlich geschulten Berufe und der reinen Frauenberufe. Seit Mai 1934

in der neuen Volksgemeinschaft.

bis 1. April 1936 habe der Nationalsozialismus aus eigener Kraft 132 Mütterschulen in Deutschland geschaffen.

Noch weitere Zahlen führte die Rednerin an, die alle den Beweis dafür erbrachten, wie positiv und produktiv die Arbeit ist, die in den nationalsoziali­stischen Frauenorganisationen für das deutsche Volk geleistet wird. Und der Mann, der dies alles im neuen Deutschland mit weitem Blick und unermüd­licher Kraft geschaffen habe, sei Adolf Hitler. Der Nationalsozialismus sei eine Lehre der Kraft und die tiefste Kraftquelle eines Menschen und eines Volkes fei die Gottverbundenheit. So verschieden die Menschen seien, so verschieden suchten sie auch ihre Kraftquelle. Natur, Kunst, religiöse Gemeinschaften und Kirchen seien die Kraftquellen, aus denen der Deutsche immer wieder schöpfe.

Frau Scholz-Klink betonte unter größtem Beifall der Versammelten, daß Adolf Hitler es gewesen sei, der den deutschen Boden dem deut­schen Volke erhol ten habe. Es sei deshalb selbstverständlich, daß jeder deutsche Volksgenosse Adolf Hitler, seinem deutschen Volk und Vaterland in unverbrüchlicher Treue folge und ihm beistehe. Am 29. März habe jeder Gelegenheit, seinen Dank abzustatten.

OieFlotte des Friedens" ausgelaufen.

Or. Ley verabschiedet 4000 Mabeirasahrer.

Hamburg, 15. März. (DNB.) Am Sonntag traten zum zweiten Male deutsche Arbeiter aufKd F" - Schiffen von Hamburg aus die Fahrt über den Ozean zu den Inseln der Glück­lichen, nach Madeira, an. Hamburg hatte die­sem Ereignis wieder einen würdigen Rahmen gege­ben. Tausende von Fahnen wehten in Hamburgs Hosen. Don den Werften, von den Wänden der Docks grüßten riesige Transparente und verkünde­ten hier, am Ausfallstor des neuen Reiches, der Welt:Deutschland ist schöner gewor­den, seitdem der Führer Adolf Hitler dos Steuer führt." Vor der Ueberfeebrütfe und den St. Pauli- Londungsbrücken hatten die großen Schiffe fest- gemacht, um Tausende in ihre mächtigen Leiber aufzunehmen. Seit den frühesten Morgenstunden wogte ein ununterbrochener Strom glück st rahlender Menschen durch die Stadt, 4000 deutsche Arbeiter aus der Reichshaupt- ftabt, aus dem Süden des Reiches, aus der Pfalz zogen durch die alte Hansestadt zum Hafen, um sich an Bord derKdF."-SchiffeSt. Louis",der Deutsche",Ozeano" undSierra Cordoba" zu be­geben. , . m .

Auf dem Schiff der Hitler-JugendHern Goden- Wind", der größten schwimmenden Jugendherberge der Welt sammelten sich gegen 9 Uhr die führen­den Männer der Nationalsozialistischen Gemem- Ichaft, die aus der Reichshauptstadt gekommen wa­ren, um an diesem Tage wieder einen der sicht­barsten Beweise desKraft-durch-Freude"-Werks zu sehen. Lauter Jubel erschallte, als sich Dr. Ley mit Reichsstatthalter Kaufmann durch das Spa­lier der Marine-SA., der Marine-HI. und der Werkscharen der DAF. an Bord derHein Goden- minb" begab, um der Flotte der deutschen Arbeit, DerFlotte des Friedens", den Befehl zum Lichten der Anker zu geben. Riefenlautfpre- icher vermittelten den übrigen Schiffen und den Lehntausenden am Ufer die Worte Dr. Leys, der ii. a. ausführte:Nichts dokumentiert besser das Mene unserer Zeit als die Tatsache, daß der Ar­beiter heute als Repräsentant seines Londes und .als Sendbote der Heimat hinausfährt in fremde Lande. Das Gesicht Deutschlands ist das Prahlende Antlitz des deutschen Ar­beiters. Es gibt keinen größeren Beweis für die Friedensliebe Deutschlands als diese deutschen Men- sschen selbst."

Donnernd brach sich das Sieg-Heil der Zehn­lausende auf Führer und Volk an den Wänden der Docks und der Gebäude am Ufer. Dann begab sich Dr. Ley an Bod derSt. Louis", um bis Cux­haven an der Fahrt teilzunehmen. Langsam legten Die Schiffe von ihren Liegeplätzen ab, schneller und -schneller wurde dann die Fahrt, dem Meere, dem fjonnigen Silben zu. Deutschlands Flotte des Frie­dens ist ausgelaufen. *

Dr. Ley sandte an den Führer folgendes Telegramm:Mein Führer! Vor einem Jahr mel­dete ich Ihnen zum ersten Mole, daß deutsche Ar­beiter nach Madeira führen. Es waren drei Schiffe mit 3000 Arbeitern und Arbeiterinnen. Heute melde ich Ihnen, mein Führer, daß a ch t Schiffe mit über 8000 Arbeitern und Arbeite r i n - men diese herrliche Reise nach dem sonnigen Süden antreten. Diese 8000 Deutsche aus allen (Bauen unseres Vaterlandes sind Sendboten des Friedens, der Disziplin und der ehren­haften Auffassung des neuen D e u.ts ch- Hands. Sie alle tragen d i e Freude und den Deutschen Lebenswillen hinaus in die Welt. Dos neue Deutschland trägt das Gesicht des deutschen Arbeiters, hart und doch strahlend vor Glück. Das ist Ihr Werk. Mein Füh- rrer! Der deutsche Arbeiter dankt Ihnen aus übervollem Herzen. Sieg-Heil!

V

* >1

Unser Bild zeigt einen Blick von derSt.Louis" aufHein Godenwind", von wo Dr. Ley sprach; im HintergrundDer Deutsche". (Scherl-Bilderdienst-M.)

Mi Luch fährt Deutschland."

Mit der »Kraft durch Freudes-Flotte von Hamburg nach Cuxhaven.

An Bord derSt. Louis", 15. März. (DNB.) Noch hallt der Jubel der Abschiedsfeier, die Hamburg der ausfahrendenKraft-durch-Freude"- Flotte bereitet hat, in unseren Ohren wider. Wie im Hafen selbst, so ist es die ganze Unterelbe entlang: Ueberall von den Ufern grüßen Tausende von Volksgenossen, die aus den an der Unterelbe liegenden Städten und Dörfern und zum Teil auch von weither an den Strand geeilt sind, um dos Bild von dieser eindrucksvollen Ausfahrt derKrafl-durch-Freude-Schiffe" zu erleben. Flug­zeuge umkreisen die Urlauberschiffe, von der See kommende Schiffe grüßen die Ausfahrenden. Immer wieder Tücherwinken und Heil­grüße, denn hier fahren deutsche Volksgenossen hinaus in den sonnigen Süden, die ein Jahr har­ter Pflichterfüllung und schwerer Arbeit hinter sich haben. Transparente grüßen vom Ufer:M i t Euch fährt Deutschlan d".

Die Mundarten aller deutschen Gaue werden auf den Schiffen laut. Da find Rheinpfälzer, da sind Frauen und Männer aus dem Gebiet der schönen Mosel in ihren Trachten, da sind viele Arbeiter aus Niedersachsen, von der Wasserkante, aus Ober­bayern, und alle finden sich im unauslöschlichen Eindruck der Ausfahrt von Hamburg bis zur Elb- mündung, da werden schnell Brücken geschlagen. Karten und Briefe werden geschrieben, und die in Cuxhaven abzuliefernde Post wächst zu einem an­sehnlichen Berg an.

Viele Arbeiter aus bem befreiten Saar- gebiet machen die Reife mit, Menschen, die Jahr­zehnte schwere Arbeit unter Tage leisten muhten, sie erleben nun das Glück einer solchen Reise, das

sie sich nie haben träumen lassen. Sie stehen noch ganz unter dem Erleben, das sich ihnen am Morgen in Hamburg bot, ein Erleben, bei dem sie den Puls­schlag des ganzen Volkes fühlten. Und dieses Er­leben hat sie innerlich ergriffen, die Worte Dr. Leys haben fie mit <5 t o 15 erfüllt. Es ist eine Freude, zu sehen, wie sich das Bordleben entfaltet, wie Volksgenossen aus allen Teilen Deutschlands und aus den verschiedensten Berufen sogleich die innerliche Verbindung zu­einander finden, und wie die führenden Männer der Bewegung, besonders Reichsor­ganisationsleiter Dr. Ley, die Freude dieser Volksgenossen teilen. Auch Männer, die dem neuen Geist des deutschen Arbeiters schöpferi­schen Ausdruck gaben, nehmen an der großen Fahrt teil. So sieht man den Arbeiterdichter Hein­rich Le r sch. Auch der schweizerische Dichter Jakob Schaffner und der märkische Dichter Jaenicke find unter den Fahrgästen.

Schnell verfließen die Stunden, breiter und brei­ter wird der Strom, bis schließlich Cuxhaven, Deutschlands Vorposten in der Nordsee, in Sicht kommt. Tausende deutscher Volksgenossen stehen auch hier an den Landungsbrücken, alle Forma­tionen der Bewegung sind zum Ab- schiedsgruß angetreten.,Cuxhaven wünscht Euch frohe Fahrt", so grüßt ein riesiges Transparent über die Elbmündung. Unter dem Ju­bel der Ausreisenden verlassen Reichsorganisations- leiter Dr. Ley und Reichsstatthalter' (Bauleiter Kaufmann mit ihrer Begleitung vor Cuxhaven dieSt. Louis". Dann geht die Fahrt weiter, hinaus in das weite Meer, fernen Gestaden zu.

Sie Sprengung der Lvlamv-Kemeinschgfi.

Von Staatsrat Prof. Or. Carl Schmitt

NSK Umfang und Inhalt der einseitigen Entmilitarisierung der Rheinlande sind öfters dargestellt und auseinandergesetzt wor­den. Es genügt, daran zu erinnern, daß ein ge- chlossenes deutsches Gebiet von insgesamt über 55 000 Quadratkilometer, nämlich das ganze deutsche linke Rheinufer und ein Gebietsstreifen von 50 Ki­lometer Breite auf der rechten Seite des Rheins von Basel bis zur holländischen Grenze davon er- aßt war, ein wirtschaftlich h 0 ch ent­wickeltes Gebiet mit großen und wichtigen Städten, wie Karlsruhe, Mannheim, Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Essen, vielleicht der reichste Teil Deutschlands.

Die Entmilitarisierung bestand nach Art. 42, 43 des Versailler Vertrages darin, daß es Deutschland untersagt war, in diesem Gebiet Befestigungen bei­zubehalten oder zu errichten, daß weder ständig noch zeitweilig deutsche Truppen hier unterhalten oder angesammelt werden durften, daß militärische Uebungen jeder Art und schließlich allemateriel­len" (im englischen Text:ständigen")Vorkehrun­gen für eine Mobilmachung" verboten waren. Jede dieser Bestimmungen eröffnete Möglichkeiten aus­dehnender Auslegung, die bei einer politi­schen Zweckinterpretation unabseh­bar ist. Insbesondere legte ein Begriff wieVor­kehrungen für eine Mobilmachung" grenzenlose In­terpretationen nahe, nach welchen schließlich jeder Straßenbau, jeder Bahnhof, jeder Turnverein, je­der Schutz der Bevölkerung durch Gas­masken alsVorkehrung für eine Mobilma­chung" hingestellt werden konnte.

Diese Entmilitarisierung bedeutete nach ihrem Inhalt, nach ihrem territorialen Umfang, nach ihrer Dauer und vor allem auch wegen der Einseitigkeit, mit der fie nur dem Deutschen Reich auferlegt war, etwas völlig anderes als die bisheri­gen, in der Geschichte bekannten, älteren oder neue­ren Fälle von Entmilitarisierung. Es handelte sich nicht etwa um eine Neutralisierung des Gebietes, die zur Folge hätte, daß das Gebiet nicht Kriegsschauplatz werden dürfte. Im Gegenteil, diese Art der Regelung hatte den Sinn, alle Möglichkeiten der Verteidigung zu beseitigen und dadurch ein prädesti­niertes Kriegsgebiet zu schaffen, das in voller Wehrlosigkeit und Hilfslofigkeit dem Ein­marsch französischer Truppen und ihren militärischen Aktionen für alle Zeiten offen liegt, eine Art Glacis zwischen Frankreich und Deutschland, aus­schließlich auf Kosten Deutschlands einge­richtet und dazu bestimmt, 14 Millionen Deutsche zu Opfern etwaiger Kriegsmaßnahmen und einer ungeheuerlichen Art von Geiseln zu machen.

Dieser weitgehende Zustand der Entmilitarisie­rung war zunächst nur dadurch garantiert, daß jeder Verstoß Deutschlands gegen diese dehnbaren Be­stimmungen alseine Störung des Weltfriedens und eine feindselige Handlung gegen jede Signalar­macht des Versailler Vertrages gilt" (Art. 44 V. V.). Der politische Sinn dieser Worte lag darin, daß Deutschland wegen irgendeiner Bagatelle als An­greifer fingiert werden konnte und nun das System der völkerrechtlichen Scheinjurisprudenz, das echte und falsche Kriegsverhütungs- und Kriegs­ächtungsrecht mit voller Wucht zuungunsten Deutsch- lands einsetzen sollte. Der Entmilitarisierte wird eo ipso als Angreifer fingiert, und Deutschland er­schien gerade wegen feiner Wehrlosigkeit und Ent­militarisierung automatisch als Störer des Welt­friedens.

Der besondere Wert des Locarno-Vertrages lag darin, daß bei gutem Willen und gegenseitigem Vertrauen hier der Anfang einer inner» europäischen Gemeinschaft erblickt wer­den konnte. Für Deutschland blieb allerdings der ab­norme und ungerechte Zustand bestehen,daß ein großer Teil seine Gebietes einen anderen Status hatte als das übrige Deutschland und die Rheinlande ein völ­kerrechtliches Problem darstellten. Die Ab­normität und damit auch das Unrecht dieses Zu­standes war ungeheuerlich. Normalerweise haben nur Staaten oder staatenähnliche Gebilde geschlossen als solche eine völkerrechtliche Stellung, während Gebietsteile unabhängiger Staaten kein völ­kerrechtliches Problem darstellen können. Niemand würde es wagen, von einem völkerrechtlichen Pro­blem des Elsasses oder Irlands zu sprechen. Selbst das völkerrechtliche Problem Aegyten würde als solches von der englischen Regierung sicher verneint und energisch zurückgewiesen werden.

Durch den Vertrag Frankreichs mit der Sowjet­union wird unter dem Widerspruch eines Hauptbeteiligten, nämlich des einseitig ent­militarisierten Deutschlands, ein neuer, außer­europäischer Partner in die durch den Locarno-Vertrag begründete Gemeinschaft europäi­scher Völker eingeführt. Der Führer hat in seiner Reichstagsrede den Widerspruch eingehend begrün­det. Die rechtliche Kernfrage dieses Vorganges be­trifft den Anfang und Ansatz einer innereuropäi« scheu Ordnung, der im Locarno-Vertrag enthalten war. Wird in diese Gemeinschaft europäischer Staa­ten eine die Weltrevolution betreibende Macht ein­geführt, so bedeutet das eine wesentliche V e r- änderung der Gemeinschaft des Locarno-Vertra­ges. Kein noch so harmloser Verein oder Klub könnte mit derartigen Methoden der Einführung eines heterogenen Dritten bestehen. Durch die (Ein­führung eines solchen neuen Partners wird eine konkrete Gemeinschaft und damit der sie begrün­dende Vertrag zu einem juristischen aliud.

Jeder Jurist sieht, daß eine auf geographische Nachbarschaft aufgebaute engere Gemeinschaft von