Ausgabe 
15.12.1936
 
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Nr. 2Y3 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, i5.De;ember syZb

MTV.-Spielplatz in neuer ©eilalt

wenig ab-

Schon feit

Sicht unmöglich

Meter Höhe und doch sichtet man

Der Platz des Mtv. in seiner vorgesehenen neuen Form.

bereits in 1200 rechts über den aus 1500 Meter wohl schon das

Spielplatz Geraume dem der hat und von etwa

und ge- und Da- Er-

zu erweitern und zu vervollständigen. Zeit ruhte der Plan, jetzt jedoch, nach- Heegstrauchweg seinen Ausbau erfahren dadurch gleichzeitig ein Geländestreifen 5 Meter Breite in der ganzen Länge des

Weiterung um die Fläche von 5500 Quadratmeter. Durch diese Sachlage ist es möglich, dem Spielplatz

den können, auf den Boden ausgebreitet.

Das Luftschiff verläßt den Staat St. Catharina und dringt, von der verträumten Hafenstadt Pa-

Spielplatzes geopfert werden mußte, drängte die Frage des Spielplatzausbaues zu einer Entschei­dung. Begünstigt würde der nunmehr begonnene Ausbau dadurch, daß durch die Bereinigung des

weg ein Stück Land, das der Stadt gehörte, das der völligen Ausnützung des dem Mtv. hörigen Geländes im Wege stand, einbezogen für den Sportplatz dienstbar gemacht werden, durch erfuhr der Spielplatz des Mtv. eine

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Rio de Janeiro, im Dezember.

Mit einer großen Hetzjagd fing es an. Auf dem üblichen Vormittagsrundgang des Auslandskorre- pondenten hörte ich um elf Uhr, daß mich die Bot- chaft schon lange suche, um mir mitzuteilen, ich olle als Pressevertreter die Rundfahrt des Hindenburg" über Südbrasilien mit­machen und mich pünktlich bis 14 Uhr zum Sonder­zug einfinden. Rasch zum Condorsyndikat wegen der Passage, dann noch ein Sprung nach Hause, um den unentbehrlichen Klapperkasten abzuholen, ein beleg­tes Brötchen im Bahnhofsrestaurant als Mittag­essen-Ersatz, und rein in den Zug nach Santa Cruz, zum Luftschiffhafen Rios, der jetzt zu Ehren eines der großen Flugpioniere Brasiliens den klangvollen NamenFlughafen Bartholomeu de Gusmao" er­halten hat. Erft im Zug kommt man zum Atem­holen und zur Freude über die Erfüllung des Wunschtraums jedes Rio-Deutschen, der allwöchent- ' lich sehnsüchtig dem silbernen Sendboten der Hei­mat nachblickt: eine Zeppelinfahrt.

In Santa Cruz ist hochoffizieller Betrieb. Fast die ganze brasilianische Regierung, Vertreter des Bundespräsidenten Vargas, Abgeordnete des Bun­desparlaments nehmen an der Fahrt teil. Leise be­schleicht einen die Angst vor einemprotokollari­schen" Fahrtverlauf. Eine Angst, die schon nach der ersten halben Stunde gründlich vergeht. Die ein­ladende Bequemlichkeit und die gemütliche Atmo­sphäre der wunderbarenHindenburg"-Räume haben aus den Fahrtteilnehmern im Handumdrehen eine

behörden der großen deutschen Siedlungsgebiete in Süovrasilien ist so erneut der Wert deutscher Arbeit für den wirtschaftlichen Fortschritt Bra­siliens anerkannt worden.

Die Heimfahrt nach Rio bringt noch einen über­raschenden Abstecher zu einem zweiten Besuch der industriellen Hauptstadt Brasiliens Sao Paulo 2t uf dem Dach des Martinelli-Wolkenkratzers haben sich deutschen Volksgenossen postiert, die vom höchsten Gebäude Südamerikas aus das Hakenkreuzbanner zum Gruß schwenken. Wir treffen in Rio de Ja­neiro bei Einbruch der Dämmerung ein. Den plötz­lichen Uebergang vom Tag zur Nacht in Rio de Janeiro aus der Vogelschau mitzuerleben, heißt die paradiesische Naturschönheit dieser Stadt erst richtig kennenlernen. Lange zog das Luftschiff seine großen Schleifen am abendlichen Himmel Rios. Dann landete es mühelos im Hafen von Santa Cruz.

In 24 Stunden hat uns das Luftschiff über weite Strecken der landschaftlich schönsten und wirtschaft­lich fortgeschrittensten Gebiete Brasiliens geführt, lieber Gebiete, die ihr Aufblühen zum großen Teil deutscher Mitarbeit danken. Die vom deutschen Bot­schafter zur Fahrt geladenen Politiker Brasiliens waren tief beeindruckt von den sichtbaren Erfolgen deutsch-brasilianischer Zusammenarbeit, die uns die Fahrt kennenlernen ließ. Ebenso bewies der fröh­liche und kameradschaftliche Verlauf des Bordlebens, wie wohl sich die Gäste in der Atmosphäre des deut­schen Luftschiffes fühlten.

benswürdige Kommandant, Kapitän P r u ß , dem Langschläfer, der nun von der Führergondel aus die Fahrt ins deutsche Siedlungsgebiet des Staates St. Catharina schöner als irgendeiner der anderen Fahrtteilnehmer miterleben darf.

Wir lassen den Hafen von Jtajahy noch im ersten Morgengrauen hinter uns. Es wird geller, und unter uns breitet sich eine liebliche Hügellandschaft aus, in spielerischen Windungen vom Fluß Jtajahy durchzogen, übersät von einem dichten Landstraßen- unb Wegenetz, die einen Anblick intensivster land­wirtschaftlicher Bearbeitung bietet, wie man ihn außerhalb der deutschen Siedlungen nirgends in Brasilien antrifft. Zuerst hat man den Eindruck, als ob nur das in der noch verschlafenen Landschaft weidende Vieh von unserem Besuch Notiz nehmen wolle. Es äugt verängstigt zu dem Riesenvogel empor und nimmt dann im Galopp herdenweise Reißaus was den Vorteil hat, daß schon dem bloßen Auge die starke Viehhaltung der Gegend erkennbar wird. Jetzt kommt B l u m e n a u. Kilo­meterlang dehnten sich am Flußufer hübsche deutsche Häuser und Gehöfte, daneben bereits eine Anzahl großer Fabrikgebäude. Wohl beginnen die Fabrik­sirenen beim Eintreffen des Luftschiffes zu heulen, doch enttäuscht schaut man auf die Straße (Blu- menau hat eigentlich nur eine kilometerlange Straße): kein Mensch ist zu sehen. Es ist zwar erst 5 Uhr früh vorbei, aber zu Ehren desHinden­burg" ... Da fällt der Blick auf die Anhöhen um Blumenau. Sie sind schwarz von Menschen. Die ganze Stadt und anscheinend auch alle Bewohner der fernerliegenden Gehöfte haben sich dort ver­sammelt. Blumenau feiert denHindenburg"-Besuch nicht nur so, daß man eben rasch auf die Straße hinausgeht und hinaufschaut. Nein, es hat sich zu einem großen deutschen Gemeinschaftserleb- n i s versammelt, hat wohl schon seit Stunden in Erwartung des Motorengeräusches ausgeharrt und jetzt bricht der Jubel los, von donnernden Böl­lerschüssen gekrönt.

lieber Blumenau hinaus geht die Fahrt zu den neueren immer weiter gegen den Urwald vordrin­genden Siedlungen. Da liegt unter uns R i o do Sul, sieht aus wie ein fleißiges deutsches Dorf und war doch vor 25 Jahren noch Waldgestrüpp, in dem die ersten deutschen Kolonisten sich noch mit den Bugre-Jndianern rumzuschlagen hatten.

Weiter nordwärts soll noch das heute zu einer bekannten Sommerfrische gewordene Städtchen

Klingelbachbettes auf der dem Heegstrauchweg gegenüber liegenden Seite ein Geländestreifen ge­wonnen wurde, der in den Sportplatz einbezogen werden konnte. Gleichzeitig konnte im Austausch­

einiger Zeit trägt sich der hiesige M ä n- nerturnoerein mit dem Gedanken, seinen

Sao Bento besucht werden, das auch deutscher Ko­lonisation seinen Ursprung verdankt. Sao Bento liegt im Gebirge, 850 Meter hoch. Auch jetzt schiebt sich eine Wolkenbank vor, die jede ' macht. Das Luftschiff befindet sich

große deutsch-brasilianische Familie ' ~ ' *' ~ *' ' ' v Süden der

MitHindenburg" über Güdbrasilien

Don unserem ständigen H. B -Berichterstatter.

schirr mitzubringen.

Der erste Fahrttag bringt den ersten mächtigen Eindruck: Sao Paulo. Er wirkt um so stärker, da er völlig überraschend kommt. Von der Küste an versperrt bei der Fahrt zur paulistaner Hoch­ebene eine dicke Wolkendecke jede Sicht. Resigniert starrt man in den Nebel. Da zerreißt plötzlich die Wolkenbank und von unten strahlt ein endloses Lichtermeer herauf, das Brodeln der Großstadt dröhnt immer stärker herauf, man hört trotz großer Flughöhe den Hall der jubelnden Begrüßung, den die paulistaner Bevölkerung demHindenburg" bereitet.

Die Nacht nutzt derHindenburg" aus, um am nächsten Tag den südlichsten Punkt seines Reise­ziels zum Ausgang der Besichtigungsfahrt nehmen zu können. Es geht in rascher Fahrt nach Flona- nopolis. Bis 2 Uhr morgens hatte dort alles aus­geharrt, um demHindenburg" mit einem Raketen­feuerwerk den Dank für seinen Besuch abzustatten. Es war ein prächtiges Schauspiel, erzählt der lie-

rangua ausgehend, erneut über das nebelver- hängte Küstengebirge zur Hauptstadt des Staates Parana, C u r i t y b a, oor. Curytiba ist Groß­stadt, Universitätssitz, sauber und rechtwinklig, fast wie Mannheim angelegt. Der vierte Teil seiner Bevölkerung ist deutscher Abstammung. Obwohl es sich also hier nicht um den Besuch einer rein deut­schen Siedlung handelt, ist der Empfang, wenn möglich, noch begeisterter als in den vorher über­flogenen Gebieten. Kaum ertönt das Sirenengeheul der Fabriken, steht der gesamte rege Verkehr der aufstrebenden Industriestadt still, kein Auto, kein Fuhrwerk, kein Lastkraftwagen rührt sich mehr von der Stelle, die Fabrikhöfe und die Straßen sind voll jubelnder Menschen. Wir winken von Bord mit allen vorrätigen Taschentüchern zurück.

Es geht wieder der Küste zu über die weite Kamplandschaft Paranas, deren endlose Flächen bereits wieder einen Gegensatz zur dichten land­wirtschaftlichen Kultivierung St. Catharinas bil­den Kurz nach Verlassen des Staates Parana emp­fängt Kapitän P r u ß auf der Heimfahrt nach Rio vom Gouverneur des Staates ein herzliches Dank­telegramm für denHindenburg"-Besuch in Pa­rana, das den Eindruck des Besuches in fast schwär­merischen Worten schildert und der deutschen Mit­arbeit am Fortschritt des Staates hohes Lob zollt. Auch der Gouverneur von St. Catharina hat in einem Funkspruch an den Deutschen Botschafter den Zeppelinbesuch zum Anlaß genommen, an die gro­ßen Dienste zu erinnern, die Südbrasilien den deut­schen Kolonisten verdinkt. Von den höchsten Staats­

gemacht. SolanZe die Fahrt nach dem Küste entlang über dem offenen Meer wechslungsreiche Ausblicke bietet, erfolgt die genaue Inspizierung des Schiffinnern. Alles erregt Be­wunderung und Entzücken bei den vom deutschen Botschafter geladenen brasilianischen Gästen: die unbegrenzte Widerstandsfähigkeit der federleichten Sessel, die auch den größten Belastungsproben widersteht, die künstlerische Ausstattung der Räume, die wohltuende Lüftung auch in den Kabinen, die den heißen Sonntag nicht empfinden läßt. Ein Ab­geordneter, der aus grundsätzlicher Abneigung gegen die Fliegerei niemals ein Flugzeug benützt, setzt sich befriedigt zum Abendessen:Man muß sich ja immer erst durch einen Blick nach draußen verge­wissern, daß man überhaupt in der Luft ist. Sonst läßt einen alles glauben, man sei im Speisesaal eines luxuriösen Passagierdampfers." Der Kom­fort an Bord erregt am meisten Erstaunen. Hat doch kurz vor Beginn der Reise eine der geladenen brasilianischen Persönlichkeiten sich erst erkundigt, ob es nicht angebracht sei, Eßbesteck und G e -

Wolken Bergketten, die sicher bis gehen. Sao Bento hat wenigstens , . , Motorengeräusch gehört, mehr hat es diesmal vom Zeppclinbesuch nicht. Es wird zur Küste gedreht, zum Besuch des rein deutschen Ioinville, in dem elf Zwölftel der Einwohner deutsch sprechen. Eine ausgedehnte Gartenstadt, schon mit ansehnlichen Fabrikgebäuden durchsetzt und mit lebhaftem Stra­ßenverkehr taucht vor uns auf. Wie in Blumenau geben die Fabriksirenen das Zeichen der Annähe­rung des Luftschiffes. Aus den Fabriken, in denen die Arbeit schon begonnen hatte, strömen die Ar­beiter auf die Höhe und auf die Dächer. Auf den Sportplätzen, an den Straßenkreuzungen ist alles schwarz von Menschen. Brasilianische Fahnen wer­den geschwenkt. Eine Reihe deutscher Fahnen hat man, damit sie vom Luftschiff aus gut gesehen wer-

Hanspeter und der fremde Onkel.

(Lin Dorweihnachts-cLrlebnis von Gtyriflian Bock.

In den Kindergärten gibt es seit ein paar Tagen alle Hände voll zu tun, es sind nur zwei, drei Wochen bis Weihnachten: die Laubsägen rutschen in den Holzbrettern, es wird gesägt, gehämmert, geklopft, geklebt, genäht.

Wie der fremde Onkel heremkommt, um etwas zuzusehen, was hier zu Weihnachten gebastelt wird, steht da hinten einer von seiner Arbeit auf, sieht den Onkel an der Tür an und die Schwester und wieder den Onkel und sagt dann:Was ist das für ein Onkel?"

Hanspeter!" sagt die Schwester,arbeite nur ruhig weiter!"

Aber dann muß nun der Onkel zum Hanspeter hin und Hanspeter sieht ihn verdutzt an, rote er einen Hocker hernimmt und sich neben ihn setzt.

Na Hanspeter", sagt der Onkel,was machst du" denn da zu Weihnachten?"

Aber Hanspeter findet es vielleicht dumm, |o ;u fragen, denn das ist ja etwas, was man sehen kann er macht da eine Laubsagearbeit. Und er sieht'nur den Onkel an und sagt nichts und sieht o aus, als wollte er niemals etwas sagen. Aber plötzlich sagt er ein Wort.Nein! sagt er. Und ich Eke/ daß diesesNein" ungeheuer feind- 'M«, Hanspeter", sage ich,der Onkel will dir b°'^idnPfafg^auspeter und schüttelt steif den Sonni) dem Onkel ist gar nicht gut zumute, denn er sieht sich da plötzlich einer pädagogischen Auf­gabe gegenüber, die er schnell losen muß, sonst hat "^o7rsuch7 abzulenken nnb ,age:Für wen ä^krU^an"petearS'fÄ5PÄF

lenken zu ?asien, er sagt unbeirrt:Du kannst ja "".Mas "k?nn ich denn nicht?» frage Ich. 3d) weiß nicht, was er meint.

"®od)e'""fagae9id)Crunb nun bin Id) gefangen Die häÄ stumm mit beiden kleinen Händen Laub- füge und Bretts njmmt es und rückt nahe an ben iito heran und ist wohl ein bißchen bange, wirklich kann.

sieht die Linien auf dem Holzbrett, und wo das Laubsägeblatt hält, da fängt gerade das Geweih eines kapitalen Laubsägehirsches an, das nun aus Biegen und Brechen gesägt sein will, da gibt's kein Ausweichen.

Hanspeter wippt auf feinem Stuhl vor Auf­regung und ein bißchen auch vor Schadenfreude, glaube ich.

Der Onkel sägt, und das Blatt rutscht ins Holz oh, es geht! Es geht um Ecken und Rundungen, und so ein Geweih hat einige Ecken, das ist ge­wiß. Aber es geht. Und wie der Onkel dasitzt und sauber die Linien hinrutscht mit der Säge, das Brett mit der Linien um die Ecken dreht, daß es eine Art hat, da hat es ihn plötzlich. Der Eifer ^Er^ägt, sägt, und in der Nase hat er diesen wunderlichen Geruch, den es beim Laubsägen gibt, und das ist etwas, das er seit damals nie mehr gerochen hat, seit allerwenigstens zwanzig Jahren mj)er Onkel sägt und pustet mit geübter Regel­mäßigkeit das Sägemehl vom Strich, und er weiß jetzt erst wieder, wie Vorweihnachten damals war. Mit dem Laubsägegeruch, dem Dust vom Tannen- grün die ganze Vorweihnachts-Stimmung scheint eine Angelegenheit der Nase zu sein

Und wie er dann einmal nach links sieht, sitzt Hanspeter da und hat ganz große Augen vor Ver­wunderung, was der Onkel kann.

Also er kann ja nämlich doch, der Onkel.

Siehst du, Hanspeter", sage ich,wir können es ja beide, und jetzt kommst du wieder."

Ja " Hanspeter nimmt von mir Brett und Sage und rutscht weiter am Rücken des Sechzehnenders hin, daß das Sägemehl fliegt.

Nun ist der Onkel plötzlich em großer Mann ge­worden in der Weihnachtswerkstatt und soll am Ende einer jungen Dame nähen helfen, aber bann sagt die Schwester, her Onkel hätte nun keine Zeit mehr, der Onkel müßte weg.

Und der Onkel ist ganz froh, daß er auf solche Art wegkommt, ohne an seinem frisch erworbenen Ansehen Schaden zu nehmen.

Er sieht noch einmal von der Tür dem Eifer an den Tischen zu und sieht Hanspeter mit roten Ohren über seinem Brett sitzen, und geht

Und wie er dann draußen ist, weiß er nun roie= ber, wie es alles damals gewesen ist, wenn Weih­nachten kam, er weiß, wie diese Winterabende vor Weihnachten waren. Voll von Vorfreude und voll von Weihnachtsarbeiten, die die Tage verkürzen halfen, denn jeder Tag wurde schon am frühen Morgen im Weihnachtskalender als gelebt und er­ledigt gestrichen: soviel Tage noch den Tag

Das Photo-Stilleben.

Don Walther Appell.

Mst dem Winter wird für viele Liebhaber-Photo­graphen wieder die Zeit des Stillebens ge­kommen sein. Zwar wird diese Motivgruppe heute nicht mehr so leidenschaftlich gepflegt wie früher einmal, als die geringeren Qualitäten der Optik und Verschlüsse vieles andere nicht zu photogra­phieren erlaubten. Aber die dem Stilleben treu geblieben sind, die es hin und wieder als eine Art Ruhepunkt zwischen lauterbewegten" Bildern in ihrem Album haben möchten, die machen noch genau dieselben Fehler, die sie früher gemacht haben.

Der größte Fehlet eines Stillebens ist die Ueberladung. Es wirkt bann laut, vordring­lich, ost sogar geschmacklos. Was bauen da manche Photographen nicht alles auf, daß schier kein Eckchen des Bildes frei bleibt. Sie vergessen, daß auch ein Stilleben niemals zusammengetragen aussehen soll, sondern daß überall die Echtheit des Motivs vor­herrschen muß. DerAufbau" soll im Jdealfall von selbst vorhanden sein, nicht aber von uns allzu gedankenreich geschaffen werden. Wer also ein Früchtestilleben photographieren will, kann auch aus solch einem abgebrauchten Thema noch neue Wirkungen herausholen. Aber er muh es ver­meiden, nun alles an Früchten zu vereinen, was er nur auftreiben kann. Soll nicht ein solches Bild den Eindruck einer Auslese von Obst oder Früchten machen, die auf einem Tischchen oder einem Schranke zum Zulangen baliegen? Müssen wir nicht, wenn alle möglichen Obstsorten kiloweise durcheinander- liegen, statt dessen das Gefühl einer Protzerei Haven? Und außerdem uns vergebens nach dem Sinn eines solchen Bildinhaltes fragen?

Dazu kommt ein anderer Gesichtspunkt, der beim Stilleben wichtig ist. Wir können eine solche Fülle von vielen Dingen auch gar nicht mit einem Blick erfassen und begreifen, sondern müssen sie mit wandernden Blicken abtasten und zusammensuchen. Das darf nicht fein. Einfachheit und die dadurch in der Wirkung erzielte Geschlossenheit ist für jedes Stitteven unerläßlich: Harmonie zwischen Stilleben und Umgebung. Das Stilleben soll gewiß immer das Eigentliche im Bilde bleiben, soll nicht durch Zutaten "im Hintergrund gestört werden, die nichts mit dem Stilleben selbst zu tun haben oder es in mehrere Teile teilen müßten. Aber unwichtig ist der Hintergrund selbst dann nicht, wenn wir ihn durch große, das heißt weit offene Blende ab­sichtlich unscharf lassen. Raumaufteilung, und sei es nur in die Werte Hell und Dunkel, ist neben

sein kann. Wie aber wollen wir einen Raum auf­teilen, wenn dazu gar kein Platz mehr vorhanden ist, weil das Stilleben selbst schon unser Bild­format zu sprengen droht? Wie wollen mir er­kennen, ob ein Stilleben gut oder schlecht auf dem Tische oder seiner Decke placiert ist, wenn von Tisch und Decke, von Hintergrund und Raum nichts ein Daseinsrecht im Bilde erhalten hat?

Was sollen wir nun als Stilleben photogra­phieren, da doch das Beispiel mit den Früchten nur ganz willkürlich gebracht wurde? Beliebt und ebenso nichtssagend sind meist die Zusammenstellun­gen von Dingen, die das Lesen in einem Buche veranschaulichen sollen, bei dem dann noch eine Brille und eine Tabakpfeife zu liegen pflegt. Solche Gruppen toter Dinge wirken meist viel weniger lebendig, als der Photographierende sich einbildet. Es fehlt der Mensch, der ihnen erst Leben geben könnte. Denn auch das Stilleben, das der Franzose nature morte (tote Natur) nennt, soll dennoch nicht tot und kalt wirken. Schärfen wir unseren Blick an guten Vorbildern, aber nehmen wir uns nicht die Malerei der alten Schule zum Beispiel. Sie konnte, um der malerischen Feinheiten willen sich auch nicht genug tun im Zusammentragen der verschiedensten Dinge. Am besten ist es, auf das Photographieren von Stilleben nicht vorsätzlich aus­zugehen und aufbauend nachzuhelfen, sondern uns auch hier vom Motiv überraschen zu lassem

Wir können solche Motive in unserer Häuslich­keit, aber auch an unserer Arbeitsstätte, ja sogar auf Wanderungen überall finden. Und meist haben sie den Vorteil, daß sie nicht im raschen Schnell- schuß erfaßt werden müssen, sondern daß sie uns Zeit zum ruhigen Photographieren lassen. Kommen wir einmal mitten in der Zeit hausfraulicher Arbeit in die Küche, so sehen wir meist eine Auswahl von Stilleben vor uns, die das Photographieren lohnen. Allerdings wird es oft schwer sein, hier die Frage des Hintergrundes ohne viel Umräumen zu lösen, das aus praktischen Gründen nicht in Frage kommt. Aber die gemusterte Schürze der Hausfrau oder Köchin, nur in einem beliebigen unscharfen Aus­schnitt sichtbar, wird meist den geeignetsten Hinter­grund abgeben, den wir uns wünschen können. In anderen Räumen kann darauf mehr überlegend« Sorgfalt verwandt werden, und für nicht so ganz zufällig entdeckte Stilleben also kunstgewerbliche Dinge oder Blumen kann auch die ausgeroäblte Wirkung eines besonderen Stoffes Den Hintergrund bilden helfen

In der freien Natur ist nicht etwa jedes TeN» motiv ein Stilleben. Aber in der Arbeitsruhe, die | öer Winter dem Landmann, dem Gärtner, dem