hell zusammengebrochen. Die Aufhebung der Sanktionen bedeute nicht einen einfachen technischen Mißerfolg, sondern die vol- ständige politische Kapitulation des Völkerbundes. Mit seiner Ohnmacht höre auch das praktische Funktionieren des Systems auf, das keinen anderen Zweck hatte, als die Erhaltung des status quo zugunsten einiger bevorrechtigter Groh- machte. Jetzt sei der lleberstaat auseinandergebrochen, mit dem der Lauf der Geschichte aufgehalten werden solle.
»Das ttalienischeVolk hat wie eine Bauer siandgehalten."
Mailand, 15. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die norditalienische Presse steht am Mittwoch ganz unter dem Eindruck der Aushebung der Sanktionen. Schon rein äußerlich ist gegenüber den letzten Monaten ein Unterschied an den Zeitungen auffallend, denn es fehlt zum erstenmal seit 241 Tagen neben dem Datum oder über dem Zeitungskopf die Zahlenangabe der seit dem Beginn Des Wirtschaftskrieges verflossenen Tage.
„Die Belagerer“, so schreibt der „popolo d'Jtalia“, „heben die Belagerung auf. Das italienische Volk hat wie eine uneinnehmbare Mauer standgehalten.
Man hatte behauptet, daß Italien aus Mangel an Krediten und an Goldreserven die Waffen werde strecken müssen. Stattdessen hat Italien die finanzielle Schlacht ohne die Notwendigkeit von Auslandskrediten glänzend gewonnen. Abessinien stellt heute eine neue Goldreserve dar, die die Aufwendungen für die militärischen Operationen weitaus übertrifft.
Vor (Ergreifung der Sanktionen war Italien eine Großmacht, jetzt aber ist es eine Jmperial- machl erster Ordnung im Herzen Europas und im Mittelpunkt des Mittelländischen Meeres.“ Die Turiner „S t a m p a" schreibt, der siegreiche Abschluß des Kampfes gegen die wirtschaftlichen Sanktionen sei ein Triumph, der sich mit dem militärischen Triumph in Afrika vereinige.
»Deutsche Mitarbeit in Afrika lebenswichtig."
Eine Erklärung des südafrikanischen Verteidigungsministers.
London, 14. Juli. (DNB.) Der südafrikanische Verteidigungsminister Pirow, der soeben von seinen Besprechungen mit der englischen Regierung nach der Union zurückgekehrt ist, gab am Montagabend in Pretoria folgende Erklärung an die Presse ab: „Sehr einflußreiche Kreise in England sind sich darüber einig, daß es keine ständige Grundlage für eine friedliche Vereinbarung mit Deutschland geben kann, solange nicht die Deutschen eine angemessene Entschädigung für ihre Kolonien erhalten, womit eine g e- bietsmäßige Entschädigung gemeint ist, und zwar nicht irgendwo auf der Erdoberfläche, sondern in Afrika. Ich habe starke Unterstützung für die Ansicht gefunden, daß Deutschlands Mitarbeit in Afrika für die Aufrechterhaltung Der Zivilisation in diesem Erdteil lebenswichtig ist."
lieber die englische Außenpolitik teilte Pirow u. a. mit, daß England absolute Sicherheit im Westen wünsche, also auf der Unversehrtheit Hollands, Belgiens und Frankreichs bestehen werde. An anderen Stellen Europas, und besonders im Osten, fei das englische Interesse geringer. Obwohl die englische Regierung notwendigerweise auf Dem allerbesten Fuß mit Frankreich stehen wolle, würbe ein Vorschlag, wegen Des erloschenen Versailler Vertrages oder des Locarno- Abkommens zum Kriege zu schreiten, wenig Unterstützung finden. Das allgemeine Gefühl in England, das zwar eine herzliche Zusammenarbeit mit Frankreich wünsche, sei keineswegs unfreundlich gegenüber Deutschland und würde sicherlich eine Regelung der Kolo- n i a l f r a g e auf einer für alle Parteien gerechten Grundlage begrüßen.
Die Leitung der russischen Staatsbank abgesetzt.
Moskau, 15. Juli. (DNB.) Der Rat der Volkskommissare und Der Hauptvollzugsausschuß Der Sowjetunion veröffentlichen ein Dekret, Durch das Die gesamte oberste Leitung Der Staatsbank der Sowjetunion abge- f e tz t wird.
Der Vorsitzende Der Staatsbankverwaltung, Marjasin , und seine zwei Stellvertreter, A r - t u 5 und Fatjanow, werden ihrer Aemter entsetzt und an ihrer Stelle Kruglikow zum Leiter der Staatsbank und Beresin und Swanidse zu seinen Stellvertretern ernannt. Gleichzeitig tritt Marjasin vom Posten des stellverttetenden Finanzkommissars zurück und an seine Stelle tritt Der neue Staatsbankpräsident.
Diese Aenderungen in Der Leitung Der Staatsbank stehen offenbar mit der geplanten Verschärfung der Finanzkontrolle und der Reorganisation des Fi n a n z k o m m i s- sariats in Zusammenhang, dessen Tätigkeit in Den letzten Wochen in Der Sowjetpresse scharf kritisiert und dem die unrichtige und unplanmäßige Verwendung der Staatsgelder durch verschiedene Finanzbehörden und Wirtschaftsverbände zum Vorwurf gemacht wurde.
DerKampsumdieFlugzeugkanone
Paris, 15. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das „Echo de Paris" kündigt am Mittwoch an, daß Der rechtsgerichtete Abgeordnete Henry de Keril- lis feine Karnrneranftaye über die Auslieferung der französischen Flugzeugka- none 23 an Sowjetrußland wieder auf« greifen werde, um den Beweis zu führen, daß es sich nicht, wie der Luftfahrtminister gelegentlich der ersten Aussprache behauptet yabe, um eine Erfindung eines schweizerischen Ingenieurs handele, Der nach Gutdünken darüber Der« füget! könne.
»Ein Schuß europäischerOptimismus ist notwendig"
Rundfunkrede des österreichischen Bundeskomnnffars Adam über -ks Echo zum Berlin-Wiener Abkommen.
Wien, 14. Juli. (DNB.) Bundeskommissär Oberst Adam gab im Rundfunk eine Uebersichi über das Echo, das das deutsch-österreichische Abkommen in Europa gefunden hat und knüpfte Daran einige Bemerkungen:
Die positive Einstellung Der Pariser Presse hat seit gestern abend eine gewisse Abschwächung erfahren. Es macht sich die Besorgnis bemerkbar, daß das Uebereinfommen den Auftakt zur Bildung eines deutfch-italienisch-österreichisch- ungarischen Blocks bilden könnte.
Zu solchen Kommentaren des Ereignisses vom 11. Juli möchte ich mir einige Bemerkungen erlauben. Die Spannung Wien-Berlin Dauerte mehr als zwei Jahre. In ganz Europa hatte man sich an diesen Zustand gewöhnt. Es ist daher nicht überraschend, daß sich an das lieber« einkommen da und dort
sehr weitgehende Kombinationen knüpften, die auf Irrtümer beruhen.
Es bedeutet gewiß einen Irrtum im Sachlichen, die Wiederherstellung gutnachbarlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern als einen Schritt zu einer europäischen Blockbildung aufzufassen. Berufenste Personen haben in diesen Tagen wiederholt bekräftigt, daß die römischen Protokolle einen Tragpfeiler Der österreichischen Außenpolitik bilden. Diese Protokolle schließen keinen anderen Staat aus. Demgemäß hatte auch kein Partner Die Absicht, das Deutsche Reich von Der Ordnung der Dinge im Donauraum auszuschalten.
Dieser Ordnung kann es nur nutzen, wenn die
Beziehungen zwischen Oesterreich und Deutschland freundnachbarlich gestaltet werden, um fo mehr als es sich um zwei Staaten handelt, die nicht nur auf den lebhaftesten wirtschaftlichen und kulturellen Austauschverkehr angewiesen, sondern auch durch Stammesverwandtschaft und Sprache verbunden sind.
Die Aufrechterhaltung eines unnatürlichen Spannungszustandes zwischen den zwei deutschen Staaten könnte Doch nie als Sicherung gegen eine Blockbildung aufgefaßt werden. Diese Sicherung kann nur durch internattonale Verhandlungen auf sehr breiter Basis gewonnen werden. Die Aussichten Derartiger Verhandlungen werden gewiß nicht verschlechtert, sondern erheblich verbessert, wenn ein tief beklagenswerter Streit ausgelöscht wird, dessen Wirkungen weit über die Grenzen Der unmittelbar Beteiligten fühlbar waren.
In einigen ausländischen Blättern kommt auch Die Besorgnis zum Ausdruck, daß Oesterreich mit Dem Übereinkommen vom 11. Juli feine Unabhängigkeit erst recht gefährdet habe.
Wenn solche Betrachtungen etwa aus einer Betrachtung des Größenverhältnisses zwischen Oesterreich und Deutschland stammen, so müßte man ganz allgemein zu dem Fehlschluß kommen, daß es ein aufrichtiges freundnachbarliches Verhältnis zwischen einem großen und einem kleinen Staat überhaupt nicht geben könne.
Oesterreich hat nie eine antideutsche Politik betrieben und wird auch in aller Zukunft nie eine antideutsche Politik mitmachen. Das wäre wider Die Natur eines Staates, Der sich schon in
seiner Verfassung ausdrücklich als ein deutscher Staat bekennt.
Soweit die Besorgnisse einzelner ausländischer Zeitungen nicht auf unmittelbar politischen Erwägungen, sondern auf einem Gefühl des Mißtrauens beruhen, möchte ich auf ein Wort zurückkommen, das ich gestern von dieser Stelle aus gesprochen habe:
„Mit rückwärts gewendetem Blick wird man das Schicksal der europäischen Völkergemeinschaft nicht ersprießlich gestalten können.“
Man muß über vieles, was in der Vergangenheit geschehen ist, Hinwegkommen, um vorwärts zu kommen. Das ist notwendig. Auch
ein Schuß europäischer Optimismus ist notwendig, um zu einer Konsolidierung Europas zu gelangen, an der Oesterreich als kleiner Staat im Schnittpunkt so vieler Interessen im besonderen Maße interessiert ist. Wir wissen uns darin mit der Außenpolitik d e s Deutschen Reiches solidarisch. Die europäische Friedenspolitik ist von dem Begriff „Optimismus" nicht zu trennen. Ministerpräsident Hodza in Wien
Prag, 14. Juli. (DNB.) Der tschechoslowakische Ministerpräsident Dr. Milan H o d z tr, Der seit Samstag voriger Woche auf Urlaub weilt, hat sich über Wien nach Der Schweiz begeben.
Wie von tschechoslowakischer Seite verlautet, hatte fein kurzer Jnkognitoaufenthalt i n Wien privaten Charakter. Dr. Hodza hat am Dienstagvormittag Wien wieder verlassen.
Von österreichischen amtlichen Stellen in Wien wird erklärt, daß sie von seiner Anwesenheit keinerlei Mitteilung erhalten hätten und keinerlei Fühlungnahme zwischen ihnen und Dr. Hodza erfolgt sei.
Die Ansicht in Prag.
Prag, 14. Juli. (DNB.) Die „Prager Presse" bringt unter Der Ueberschrift „Der tschechoslowakische Standpunkt" einen Leitartikel zu dem deutsch - österreichischen Abkommen, dessen Gedankengänge man zu mindestens als von maßgebender Seite der tschechoflowa- kischen Außenpolitik herrührend ansprechen Darf, wenn er nicht sogar unmittelbar von dieser Seite verfaßt ist.
Der Verfasser erklärt zunächst, daß die tfchecha- flowakische Auhenpolittk in dem österreichisch- deutschen Streit für sich selbst immer ein paf- sivum gesehen habe. Die tschechoslowakische Außenpolitik habe sich nie über diesen Konflikt gefreut und habe nie etwas getan, was ihn hätte steigern können. Sie fei sich immer bewußt gewesen, daß irgendein Ausgleich kommen müsse. Die Festigung des selbständigen Oesterreichs habe sie immer ohne die Einwilligung und Mitarbeit des Deutschen Reiches für schwer erreichbar gehalten. Das gegenwärtige Abkommen zeitige neben einigen Rachteilen auch eine Reihe von Vorteilen für die Tschechoslowakei. Es sei nicht daran zu zweifeln, daß die gegenseitigen Versicherungen,
wenn sie folgerichtig und auf die Dauer ein- gehalten würden, eine Zusammenarbeit des Deutschen Reiches mit den übrigen mitteleuropäischen Staaten ermöglichen werden. Die Tschechoslowakei habe unter einer mitteleuropäischen Zusammenarbeit immer eine solche auch mif dem Deut- schen Reich verstanden.
Der Verfasser glaubt, daß durch das österrei. chisch-deutsche Abkommen Die VerhanDlungen über ein neues Locarno beträchtlich erleichtert werden könnten, und knüpfte hieran eine allgemeine Be- trachtung über die europäische Politik, wobei er bekannte Prager Auffassungen, aber auch Vorur. teile („nationalsozialistische Jrredenta in der Nachbarschaft Deutschlands"!) vertritt.
Auch die Tschechoslowakei dettachte also, fährt er fort, das Abkommen sachlich, ruhig und positiv. Von vornherein wolle man nicht mißtrauen. Die Tsche» choslowakei habe immer mit etwas Derartigem gerechnet und sei Deshalb auch — wie Der Artikel« schreiber meint — gegenüber allen Alarmnachrich« ten Der letzten Zeit über einen Anschluß oder An« griff Des Deutschen Reiches auf Oesterreich, oder gegenüber Den Meldungen über Die Habsburger Restauration äußerst zurückhaltend geblieben.
Jedenfalls werde die Tschechoslowakei alles, was in diesen Dingen auch in Zukunft geschehen werde, zwar mit Vorsicht, Umsicht und Aufmerksamkeit, aber auch mit innerer Ruhe aufnehmen.
Zum Schluß wird noch gesagt, daß die Tschechoslo« wakei die österreichischen und mitteleuropäischen Angelegenheiten immer als gesamteuropäische be« trachtet habe und sie als solche gemeinsam mit Den übrigen Staaten unD in Zukunft lösen wolle.
Strefa erledigt.
Rom, 14. Juli. (DNB.) Die Bedeutung, die Italien Den neuen deutsch-ö st erreicht, schen Vereinbarungen beimißt, kommt nach wie vor in den Schlagzeilen zum AusDruck, Die die norditalienische Presse ihren weiteren Ausführungen zu dieser Frage voranstellt. Die Turiner „Stomp a" erklärt u. a., die alten, von Frankreich, der Kleinen Entente oder von beiden ge» wünschten Programme seien erledigt, ebenso wie die ganzen kollektivistischen und real« o n a I e n Sicherungsüberkonstruktionen, deren Heiligtum und Geheimnisse in Gens ihren Sitz hätten. Wieder einmal nehme Die Geschichte ohne oder gegen Gens ihren Lauf, und jene berühmte Strefafront sei begraben, von Der man so viel geredet habe, obwohl sie niemals bestanden habe.
„P o p o l o d'Jtalia" schreibt, die Lösung des österreichischen Problems betrachte Italien als einen notwendigen Schritt auf Dem Wege Des Wiederaufbaues und Der Do« nauftaaten. Man könne mit gutem Glauben den europäischen Wert der Abmachungen vom 11. Juli nicht ableugnen. Das andere wichtige Ereignis fei die italienische Klarstellung hinsichtlich der Konferenz Der Locarnomächte.
Die „Gazetta Del Popolo" betont, auch die Antwort Des italienischen Außenministers Ciano auf Die belgische Einladung sei ein Akt Des Friedens.
Oer Kampf gegen den Kommunismus in Frankreich.
Aus Paris wird uns geschrieben:
Man brauchte kein Prophet zu sein, um bereits beim Regierungsantritt Der „Volksfront" baldige und heftige Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Parteien der unnatürlichen Koalition voraussehen zu können. Allerdings sind die nationalen, bürgerlichen Radikalsozialisten Herriots und Dala- diers von den internationalen, rnoskauhörigen und marxistischen Kommunisten durch eine weltanschauliche Kluft getrennt. Und die hauptsächliche Regierungspartei, die Sozialisten, neigt ihrer Wählerschaft und Zusammensetzung nach weit mehr zu Den Bundesgenossen auf Der Rechten, als zu dem auf der Linken. Bei Der Gründung Der Volksfront und Der Aufstellung des gemeinsamen Programms im vergangenen Januar Diente als einigendes Band der Kampf gegen Die angebliche faschistische Gefahr in Frankreich. Da diese Gefayr wayrscheinlich nur in Der Einbildung ängstlicher republikanischer Gemüter bestanden hat, ist es nicht verwunderlich, Daß das einigende Band sich schon jetzt als ziemlich mürbe erweist. Statt dessen treten Die nackten Parteiinteressen hervor und miteinander in Widerstreit. Die Radikalsozialisten haben in der Volksfront eine Stütze gesucht, der sie nach ihrem Versagen in dem Zeitabschnitt von 1932 bis 1936 dringend bedurften, ohne doch gewillt zu sein, sich in Den marxistischen Kurs ihrer Bundesgenossen hineinziehen zu lassen. Der sozialistischen Partei war es vor allem darum zu tun, mit Hilfe Der Kommunisten an Die Macht zu kommen. Diese Dagegen sahen in Leon Blum nur einen Kerenski, in Der gegenwärtigen Volksfrontregierung lediglich ein Uebergangsfabinett, in dessen Schatten das erstrebte Sowjet- Frankreich vorbereitet werden soll.
Die dunklen Pläne der Moskauer Agenten sind natürlich nicht unbemerkt geblieben, wie sehr man sich auch immer noch in der französischen Oeffeni- lichkeit über die ungeheuren Gefahren des Bolschewismus Täuschungen hingeben mag. Bereits nach knapp einmonatiger Regierungstätigkeit der Volksfront hat das kommunistische Treiben im Lager der Verbünoeten selb st eine kräftige Reaktion hervorgerufen. Als erste Zeitung eröffnete Die radikalsoziale „R 6 publi - q u e", die von Dem Vizepräsidenten Der Partei, Emile Roche, geleitet roirt) und Dem früheren Ministerpräsidenten Caillaux nahesteht, einen regelrechten Feldzug gegen Den Kommunismus in Frankreich, dessen Schärfe nichts zu wünschen übrig ließ. Sodann setzte sich die Linksmehrheit Des Senates gegen Den kommunistischen Kurs zur Wehr und ertrotzte von Dem Innenminister Das Versprechen, daß er von jetzt ab Die weitere Besetzung von Arbeitsplätzen gewaltsam verhindern werde. Schließ
Ooriots neue Partei.
lich ist es auch innerhalb des Kabinetts zu stürmischen Austritten gekommen, in deren Verlaus u. a. Die von Den Kommunisten verlangte Zurückziehung Der französischen Teilnahme an den Berliner Olympischen Spielen an dem Widerstand Des Kriegsmi- msters Dalabier scheiterte.
Doch Die Gegenwehr gegen Das kommunistische Treiben beginnt noch weitere Kreise zu ziehen. In diesen Tagen ist der Bürgermeister der Pariser Arbeiter-Vorstadt Saint-Denis, Jacques Doriot, mit einer neuen Partei an Die Oeffentlichkeit getreten. Deren Start recht vielversprechend verlief. Doriot ist als Zwanzigjähriger in Den Krieg gezogen und gehörte nach dem Friedensschluß ein Jahrzehnt lang zu den Führern der Kommun i st i s ch e n Partei in Frankreich, in welchen Eigenschaften er auch mehrfach in Moskau war und mit Stalin verhandelt hat. Als er mit eigenen Augen sah, daß in Der Sowjet-Union statt des versprochenen sozialistischen Staates eine D i k- tatur Der bolschewistischen Minderheit aufgerichtet wurde und sich darüber klar geworden war, Daß Der Kommunismus In Frankreich nur den eigensüchtigen Zwecken der Moskauer Machthaber dienen sollte, sagte er sich von der 3. Internationale los und wurde deren bestgehaßter Feind. In den vergangenen Jahren ist er nicht müde geworden, dem Kommunismus, den er aus eigener Erfahrung genau kennt, die Maske vom Gesicht zu reißen. Im Parlament, dem -er als Abgeordneter von Saint-Denis angehört, war er der erbittertste Gegner des Sowjetpaktes, den er als Moskauer Kriegsinstrument anprangerte. Er hat auch die dunklen Verbindungen der kommuni st ischen Funktionäre in Frankreich mit der Komintern in Moskau auf Grund seiner genauen Kenntnis der bolschewistischen Methoden impier wieder ans Tageslicht öffentlicher Erörterungen gezerrt und damit die Todfeindschaft der Kommunistischen Partei auf sich gezogen. Aber Jacques Doriot lieh sich nicht einschüchtern. Von Hause aus Metallarbeiter, äußerlich ein Hüne von Gestalt, vertraut er auf Die Gefolgschaft seiner Arbeiter von Daint-Denis.
Von Saint-Denis aus hat er jetzt auch Die „Fran» zösische Volkspartei" ins Leden gerufen. In ihr will er Die werktätige Bevölkerung auf nationaler Grundlage sammeln, D. h. unter entschiedener Ablehnung aller Internationaler Tendenzen Moskauer oder Amsterdamer Prägung. In der Gründungsversammlung in dem Stadttheater von Saint-Denis rief er feinen Leuten zu, daß er Den Kampf auf der einen Seite gegen Die kapitalistischen Mächte in Frankreich, auf der anderen gegen die kommu
nistische Partei, die Filiale Moskaus, führen werde. Die Absicht der Sowjetmachthaber sei es, Frankreich in kriegerische Verwicklungen mit dem deutschen Nachbarn hineinzu- st o ß e n, um selbst freie Hand in Asien zu haben. Diese Gefahr gelte es in letzter Stunde zu verhüten. Er gab dann noch bekannt, daß sich bereits in der ersten Woche über 15 000 Mitglieder zur Partei gemeldet hätten, und daß die eigene Wochenzeitung mit der zweiten Nummer eine Auflage von 250 000 Exemplaren erreiche.
Daß in den breiten Schichten des französischen Volkes eine starke antikommuni st Ische B e« w e g u n g im Gange ist, läßt sich nicht bestreiten. Ob sie allerdings anhalten und sich durchsetzen wird, muß vorläufig abgewartet werden.
Oer Terror in Spanien.
Madrid, 14. Juli. (DNB.) Auf dem Madrider Friedhof Almudena, auf Dem Die Mörder Calvo Sotelos ' Den Leichnam nach der Tat niedergelegt hatten, fanD am Dienstagnachmittag Die Beerdigung Des monarchistischen Abgeordneten statt. 30 000 Menschen gaben Dem Ermordeten die letzte Ehre. Eine Abordnung des spanischen Landtages, die in mehreren Autos erschienen war, mußte auf die Drohungen Der Menschenmenge, Die Die Behördenvertreter als Abgeordnete Der Mörder Calvo Sotelos' bezeichnete, mieber umkehren.
WährenD der Begräbnisfeierlichkeiten erhob Die fast unübersehbare Trauergemeinde wiederholt Die Hand zum Faschistengruß und bracht Hoch' rufe auf Spanien und den Faschismus und Nieder-Rufe auf das Parlament aus. Der Leichnam war mit Den monarchistischen Flaggen geschmückt. Unter Dem Trauergefolge befanden sich auch der Führer Der Katholischen Volksaktien Gil R o b le s, der monarchistische Abgeordnete Goicoechea und zahlreiche andere Abgeordnete der Rechtsparteien und der Mitte.
Am Vormittab wurde Der am Sonntagabend erschossene Polizeioffizier beigeketzt, dessen Leichnam in eine rote Fahne gehüllt war, und dessen Trauergefolge sich in Der Hauptsache aus Kommuni st en zusammensetzte.
Spanisches Parlament auf unbestimmte Zeit geschlossen.
Madrid, 14, Juli. (DNB.) Der spanisch' Staatspräsident hat ein Dekret unterzeichnet, durch das das spanische Parlament bis aus unbestimmte Zeit geschlossen wird.


