Ausgabe 
15.2.1936
 
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Samstag, 15. Sebruar 1936

186. Jahrgang

59 Erstes Blatt

Gießener Anzeiger

Flandin verteidigt die französische Bündnispolitik

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Beziehungen durch politische und wirtschaftliche 23er» träge zu regeln, so sei einer der entscheidenden Be­weggründe dieser Anstregnungen gerade die Notwen­digkeit, die unentbehrlichen wirtschaftlichen und psy­chologischen Bedingungen zu schaffen, um die Grundlage für eine gegenseitige Ver- ständigung mit Deutsch! and sowie mit den anderen Mächten oorzubereiten. Italiens Mit­arbeit für eine Organisierung Mitteleuropas sei unentbehrlich. Es handle sich um eine An­näherung des Systems des römischen Paktes und des Systems der wirtschaftlichen Kleinen Entente. Auf diese Weise werde man eine Befriedigung erreichen und ein Gebiet Europas festigen, das i n derOrganisierung der kollektiven Si­cherheit" einen w i ch t i ge n Pla tz einnehme. In Prag sei dieses Unternehmen begonnen, in Paris weiterentwickelt worden. Man werde weiterhin mit aller Kraft an ihm arbeiten. Er fei fest entschlossen, so erklärte er, Oesterreich in den Kreis der Kleinen Entente einzubeziehen. Er habe den Wunsch, in Paris und in London sobald wie möglich sagen zu können: hier ist die österreichische Frage, sie ist beinahe gelöst. Auf die Frage, wann dies etwa der Fall sein könne, erwiderte Hodza:In einem Mona t".

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Die Unruhe in Frankreich

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lens sein zeitweises Mattsetzen in Europa im fran­zösischen Sicherheitsnetz entstanden ist. Die Kleine Entente und Oesterreich sollen zusammen­gebracht und womöglich noch die Sowjetunion als zweiter Protektor für eine Neuordnung im Donauraum nach französischem Plan gewonnen werden. Um für einen solchen Gedanken die günstige Atmosphäre zu schaffen, mutzte aber erst das Gespenst einer Restauration der Habsburger ver­schwinden, denn weder in Prag, noch in Bukarest oder Belgrad hätte man jemals das Mißtrauen zur gegenwärtigen österreichischen Regierung über­wunden, solange in Wien mit der Rückkehr Ottos auf den Thron des Erzhauses unter italienischer Aegide kokettiert wurde. Starhemberg selbst hat nach dieser Richtung in Paris Zusicherungen ab­gegeben, ob es Otto von Habsburg gelungen ist, den österreichischen Vizekanzler durch seinen über­raschenden Besuch in Paris zu kompromittieren, mag dahingestellt bleiben.

Nun hat jedenfalls der tschechoslowakische Mini­sterpräsident Hodza die Aufgabe übernommen, in der schon traditionellen Rolle des französischen commis voyageur Rumänien und Südslawien für die Annäherung an Oesterreich zu gewinnen. Unter welchem Zeichen dieser Zusammenschluß im Donau­raum vor sich gehen soll, darüber hat Herr Hodza keinen Zweifel gelassen: dieHüter von Gesetz und Ordnung", unter die sich der tschechische Minister­präsident in schöner Bescheidenheit einordnet, müß­ten der Gefahr zuvorkommen, die dasErwachen der dynamischen Kräfte Deutschlands" über Europa zu bringen drohe. Es ist kaum anzunehmen, daß dieser törichte Kinderschreck allein ausreichen wird, um Südslawien und Rumänien zu politischen Ent­schlüssen zu veranlassen, die mit den wirtschaftlichen Bedürfnissen der beiden Länder nicht zu verein­baren wären. Daß der Donauraum infolge seiner einseitig landwirtschaftlichen Orientierung ohne Deutschland keine wirtschaftspolitische Einheit sein kann, ist in den Nachkriegsjahren mit ihren vielerlei Experimenten hinlänglich klar geworden. Daran kann weder Frankreichs Bemühung etwas ändern, ohne das Reich im Donauraum einen sich selbst genügenden Wirtschaftskörper zu schassen, der sich politisch als vollwertiges Glied in das französische Bündnisnetz einfügen ließe, noch das Bestreben der Tschechoslowakei, um eine Verständigung mit dem deutschen Nachbarn herumzukommen und lieber als weit nach Mitteleuropa hineinragender Vorposten des russischen Bolschewismus eine recht merkwürdige Rolle im sogenannten europäischen Sicherheits­system zu spielen.

die französischen Verwaltungsbehörden der Beschäf­tigung belgischer Arbeiter in den französischen Grenzbezirken immer größere Schwierigkeiten in den Weg gelegt haben.

Hodzas Reiseplane.

P a r i s, 15. Febr. (DNB. Funkspr.) Der tschecho­slowakische Ministerpräsident und Außenminister Hodza hat am Freitagabend kurz vor Mitternacht Paris verlassen.

Der Agentur Havas erklärte Hodza u. a., am 24. Februar werde in Prag eine W i r t s ch a f ts t a - gung der Kleinen Entente zusammentreten und die Möglichkeiten für eine wirtschaftliche Orga­nisierung des Donaubeckens prüfen können, lieber den österreichisch-tschechoslowakischen Handelsvertrag hoffe er bald ein gutes Ergebnis zu erzielen. Er werde im übrigen bald die Gelegenheit haben, i n Belgrad und B u k a r e st die Auffassung der leitenden Persönlichkeiten Jugoslawiens und Ru­mäniens kennenzulernen. Der Ministerpräsident be­zeichnete es als Irrtum, wenn die Versuche zu einer Organisierung der Donaustaaten so aufgefaßt wür­den, als seien sie gegen Deutschland gerichtet. Wenn die Donaustaaten sich bemühten, ihre gegenseitigen

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daß in dem Wahlkampf, der wohl unmittelbar nach Erledigung der Kammerdebatte um den Moskauer Pakt mit größerer Erbitterung als je einsetzen wird, die jungen Kreise der Rechten sich um so energischer einsetzen werden, als dort, schon die Bildung der Linksregierung Sarraut-Flandin starke Verärgerungen verursacht hat.

Die 'Linke ihrerseits kündigt schon jetzt ganz offen an, daß sie ihre Formationen zumSelbst - schütz" einsetzen wird, und es kann als sicher gelten, daß dabei die von Moskau geleiteten und finanzierten Teile der Volksfront bedenkenlos auf alle verfügbaren Kampfmittel zurückgreifen werden. Wie weit die Vorbereitungen dazu bereits gediehen sind, geht ja u. a. auch aus den Enthüllungen des Ami du Peuple" über die Zersetzungsan­weisungen für Heer und Behörden durch die Komintern hervor. Die Anweisungen ent­halten sogar bis ins einzeln gehende Befehle für die Organisation von Straßenkämpfen, Zentralisierung der Befehlsübermittlung usw. Selbstverständlich wird der sowjetrussische Marschall Tuchatschewski dies und überhaupt jegliches Interesse Moskaus an ir­gendwelchen inneren Vorgängen in Frankreich ge­nau so kategorisch bestreiten, wie es die Moskauer Regierung ohnehin tun lassen wird.

Die ernste Verwickelung der ohnehin reichlich kom-

treffen, wenn der Völkerbundsrat bei der Fest- tellung des Angreifers zu keinem einstimmigen Be- chluß kommt und daher auch keine Empfehlungen zum Vorgehen gegen den Angreifer abgibt. Der ursprüngliche Plan Barthous und Lavals sah diese Voraussetzung des Versagens der Völkerbunds­maschinerie nicht vor, sondern wollte die beiden Mächte in jedem Falle auf ein gemeinsames Handeln festlegen, gleichgültig ob man in Genf zu einem Entschluß gekommen war oder nicht. Laval hat die erwähnte Einschränkung durchgesetzt und damit den Beistandspakt wieder in den Rahmen des Völker­bundes eingefügt. Aber er bleibt auch dann noch gefährlich genug für den Frieden, denn es ist klar, daß sich der Völkerbund in feinen Entschließungen dem Druck einer so starken, durch Sonderver­einbarungen gebundenen Mächtegruppe Frankreich- Sowjetrußland-Tschechoslowakei (die ja den gleichen Vertrag mit Moskau abgeschlossen hat) sicherlich nicht wird entziehen können.

Nicht minder groß waren Lavals Bedenken, Oie von weiten Kreisen der Rechten geteilt werden, daß eine so starke außenpolitische Annäherung zwischen Paris und Moskau der kommunistischen Propaganda in Frankreich einen ungeheuren Auftrieb geben müsse. Die französische Presse hat in den letzten Monaten Zeugnisse in Hülle und Fülle veröffentlicht, aus denen unzweideutig her­vorgeht, daß diese Befürchtungen schon zu einem guten Teil vor der Ratifikation des Vertrages Tat­sache geworden ist. Zweifellos ist auch die Annähe­rung der marxistischen Linken und der Radikal­sozialisten und ihr schließlicher Zusammenschluß zur sogenannten Volksfront unter dem Eindruck des gemeinsamen Kampfes für die Ratifikation des Vertrages mit Moskau stark gefördert worden. Denn H e r r i o t, der sich bereits als Außenmini­ster eines Kabinetts der Linken aus den Wahlen zurückkehren sieht, ist ja immer schon einer der wärmsten Befürworter des Bündnisses mit Moskau gewesen. Er hat Laval seine Verschleppungstaktik besonders übelgenommen, dem es mit der Ratifi­zierung feines eigenen Vertragswerts nicht mehr eilig war, nachdem er sehen mußte, daß Stalin fein Versprechen auf Zurückhaltung in innerfranzo- sischen Angelegenheiten nicht hielt. Jetzt, wo die Wahlen vor der Tür stehen, spüren die ®ppen der Rechten und der Mitte den wachsenden Einfluß des Kommunismus, der im neuen Parlament einer linksradikalen Mehrheit zur Herrschaft verhelfen will. Diesem entschlossenen Willen, diesmal aufs Ganze zu gehen, steht eine in vielerlei Grüppchen und Meinungen gespaltene Rechte gegenüber. So wenig wie über den Beistandspakt mit Moskau

dienstzeitverlängerung gehe ausschließlich auf belgische Erwägungen zurück. Frankreich und Belgien seien untereinander nur durch d'e Dölkerbundssatzung und durch das L o - carnoabEommen gebunden. Der französisch- belgische Militärvertrag von 1920 sei Durchführungsabkommen, das in keiner Weife die belgische Militärpolitik beeinflussen könne.

DasJournal" will wissen, daß bei den wirt- chaftlichen Besprechungen zwischen van Z e e l a n d mb dem französischen Handelsminister Bonnet die Bildung einer besonderen Grenz­zone in Aussicht genommen worden sei. Dieser Plan dürfte eine Lösung in all den strittigen Fra­gen darstellen, die die französisch-belgischen Be­ziehungen am häufigsten trübten, da sich in der letzten Zeit große Spannungen ergeben haben, weil

Nach der Derprügelung Leon Blums durch Mit­glieder derAction Fran^aise" hat der französische Ministerrat unter Vorsitz des Staatspräsidenten das Verbot der drei Verbände der Action Francaise beschlossen Es handelt sich dabei um den eigentlichen Verband sowie um die Camelots du Roi und um den Studentenverband. Damit ist der Gipfel der innerfranzösischen Krise erreicht, die seit dem Sturz der Regierung Laval begann, sich in dem schweren Kamps um die Ratifizierung des Moskauer Paktes steigerte und mit diesen beiden Vorgängen den dritten, nämlich die Vorberei­tung der Wahlen, aufs ftärffte belastete. In Pariser politischen Kreisen nimmt man an, daß die betroffenen Verbände die Auflösung um so weniger ruhig hinnehmen werden, als die Maßnahme der Regierung sich einseitig gegen eine Organisation der äußersten Rechten richtet. Dazu kommt, daß die zu Beginn des Winters beschlossene Auflösung aller militärisch aufgezogenen Verbände, also der Kampf­organisationen der Linken niemals im Sinne des damaligen Beschlusses der Regierung Tatsache ge­worden ist. Die Vorgänge um Leon Blum haben beiden Flügeln, sowohl dem rechten wie dem linken, mit ihren Folgerungen eine Wahlpa­role gegeben, die beide Seiten zweifellos bis aufs äußerste 'ausnutzen werden. Man darf annehmen.

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Oer Pakt mit Moskau.

Ls kann keinem Zweifel mehr unterliegen, daß bit französische Kammer der Ratifizierung dis französisch - sowjetrussischen Bei­standspaktes ihre Zustimmung geben wird, ßi Entscheidung darüber ist tatsächlich längst ge= ta,en und es handelt sich für die Parteien nur noch um, von der Bühne des Parlaments herab den Mihlern im Lande die eigene Einstellung zum Pakt ; mi Moskau plausibel zu machen. Das ist in diesem . Me besonders notwendig. Denn einmal stehen die Wchlen vor der Tür und zum andern hat selten ein außenpolitischer Vorgang in der öffentlichen Mei- nng Frankreichs eine so zwiespältige Beurteilung gründen wie der Pakt mit Moskau. Auf der Rech- ler findet das Bündnis mit der Sowjetunion seine Firsprecher in Kreisen des Generalstabs und der Riftungsindustrie. Sie sind in den machtpolitischen Vcrkriegsvorstellungen befangen und sehen die Scherheit Frankreichs, die für sie gleichbedeutend ift mit der französischen Hegemonie in Europa, nur oeibürgt durch ein Bündnissystem alten Stils, das fi| gegen Deutschland richtet, von dem man die swizösische Vormachtstellung am stärksten bedroht gfcubt. Es ist ja nicht von ungefähr, daß der Vater bi-'es Paktes mit der Sowjetunion Louis Bar­tko u war, der alte Kampfgefährte Poincares, der al- aktiver Staatsmann schon in der Aera der et en französisch-russischen Allianz tätig gewesen wcr und wie damals die französische Demokratie bq- Zusammengehen mit dem absolutistisch regierten Zarenreich nicht gescheut hatte, so schreckte Barthou ilck auch vor dem Bund mit dem Bolschewismus nicht mück, wenn er dadurch hoffen konnte, das erstar- kerde Deutschland wie ehedem in die Zange nehmen pi fönneq. Die Aussöhnung mit Italien und das Lindnis mit Moskau waren die Eckpfeiler der Lorthouschen Außenpolitik gewesen, und auf beide gefügt hatte die Neuordnung im Donauraum im Sinne eines Ausgleichs der Interessen Italiens mit beten der Kleinen Entente den Schlußstein in der Uhu er um Deutschland bilden sollen.

die Umstände haben es verhindert, daß diese Erbschaft Barthous in den Händen feines Testa- me-üsvollstreckers Laval sich so schnell verwirk- Ufen ließ, wie es der Vater des Einkreisungsge- barEens gehofft hatte. Auch war Laval beweglich gqmg, die Möglichkeit einer Verständigung mit Deutschland nicht besinnungslos wie Bar- thtu von sich zu schieben, die ja heute schon auch mcnchen einsichtigen Franzosen aller politischen La- gri der einzige sichere Weg zur Stabilisierung eir»5 echten und dauerhaften europäischen Friedens zusein deucht. Laval hatte nicht viel Freude an der ihre von Barthou überkommenen Erbschaft. Das Fieundschaftsabkommen mit Italien, do- Barthou vorbereitet, von Laval am 6. Januar 195 unterzeichnet, führte mit dem Ostafrikafeldzug be- italienischen Verbündeten die Franzosen in die Zlnckmühle der Sanktionen, aus der Laval nur buich äußerst geschicktes Lavieren zwischen den bei­des Freunden England und Italien das franzö- zösche Büh^nissystem anscheinend ohne große Be­schädigungen wieder hat herausbringen können. Der Ai istand spakt mit S o w j e t r u ß l a n d, ebinfalls schon in den Grundzügen von Barthou gelegt, aber erst von Laval am 2. Mai 1935 miierzeichnet, verursachte anfangs nicht nur in Eng- lorö bedenkliche Gesichter man hat inzwischen scheinend in London seine Ansicht geändert, fordern auch in Frankreich selbst einen heftigen jhänungsftreit der Parteien, der zum Sturz des Spinetts Laval durch die Radikalsozialisten erheb­lich beigetragen hat und auch durch die Ratifizie- tui g des Vertrags noch keineswegs beigelegt fein Öürfte, vielmehr im bevorstehenden Wahlkampf eine grctze Rolle spielen wird. Der Grund dafür liegt in den weite Kreise des französischen Volkes de- hewschenden zwiespältigen Gefühl, daß der Pakt mit den Bolschewismus wohl eine außenpolitische Not- rveidigkeit gewesen sein mochte auch das wird öor vielen Männern der Rechten entschieden be­stritten daß aber innerpolitisch der Pakt eine außerordentlich schwere Belastung für Frankreich beteutet.

1 Itutf) Laval selbst hat diesen Zwiespalt gespürt.

vermag man sich in anderen Fragen auf eine politische Linie zu einigen. Viele Gruppen der französischen Rechten halten sich vom parlamentari­schen Betrieb überhaupt fern, wie weit ihr Einfluß über gewisse intellektuelle Kreise hinaus auch die großen Massen ergriffen hat, ist sehr zweifelhaft. Die Wahlen haben jedenfalls eine ständig wach­sende Mehrheit der Linken gezeigt. Zwischenfälle, wie der Zusammenstoß des Marxistenführers Leon Blum mit royalistischen Studenten, geben der Lin­ken Gelegenheit, von der Regierung scharfes Ein­schreiten gegen die sogenannten Kampfoerbände der Rechten zu fordern, in deren Reihen die kommuni­stische Gefahr wohl gespürt wird, aber noch nicht die Erkenntnis gereift zu sein scheint, daß nur eine antimarxistische Einheitsfront im Innern und das Gefühl für die Solidarität der abendländischen Kulturwelt im Kampf gegen den Bolschewismus mit der Anerkennung der daraus auch für Frank­reich entspringenden Pflichten das französische Volk vor der kommunistischen Anarchie zu retten vermag.

Wie weit entfernt man in Paris heute noch im allgemeinen von solchen Gedankengängen ist, erhellt aus der Haltung des neuen französischen Außen­ministers Flandin, der seiner Vergangenheit nach schlecht in das fast rein radikalsozialistische und ganz von der Gnade der Volksfront abhängige Ka­binett Sarraut hinein paßt, aber durch fein außen­politisches Programm aufs glücklichste die Brücke zur Rechten schlägt. Er betont wieder entschiedener als Laval die Freundschaft zu England, das jetzt selber unter dem Druck gefährlicher Konstellationen in Ostasien sich zu einer freundlicheren Haltung zu Moskau bequemt. In der englischen Presse ist es zwar wieder Mode geworden, die deutsche Aus­rüstung nicht nur für die Notwendigkeit der Aus­dehnung des eigenen Rüstungsprogramms, sondern auch für die Annäherung an die Sowjetunion ver­antwortlich zu machen, aber dafür ift wohl der Wunsch maßgebend, in der öffentlichen Debatte plausible Gründe zur Verteidigung einer Politik in Händen zu haben, die sich für den Fall einer Aus­einandersetzung in Ostasien im Augenblick einer noch nicht behobenen Krisis im Mittelmeer den Rücken zu decken sucht. Flandins Gedanken- gänge sind andere. Er sieht, daß der italienische Bundesgenosse in Abessinien sich stärker engagiert hat, als es in der Absicht des Abkommens von Rom lag' und es Frankreich lieb fein kann. Die diploma­tischen Besprechungen in Paris mit den von den Beisetzungsfeierlichkeiten aus London zurückkehren­den Staatsoberhäuptern und Ministern der Mächte des europäischen Südostens sollten das Loch flicken helfen, das durch den Ausfall Italiens oder wenig-

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Das Ergebnis der pariser Besprechungen.

Paris, 14. Febr. (DNB.) Vor dem Senats- ausschuß für auswärtige Angelegenheiten legte Außenminister Flandin alle die Gründe dar, die seiner Ansicht nach zugunsten einer sofortigen Ratifizierung des f r a n z ö s i s ch-s o w j e t- russischen Paktes drängten. Der Pakt sei ein reines politisches Instrument, abgefaßt streng im Rahmen des Völkerbundes und in vollem Einver­nehmen mit dem Locarno-Vertrag, sowie mit den chon bestehenden tschechoslowakisch-russischen und rumänisch-russischen Pakten.Dieser Pakt eines gegenseitigen Beistandes", so erklärte Flandin wört­lich,bleibt auch für Deutschland offen und wird somit keine Spitze gegen Deutsch­land haben."

Die Pariser Besprechungen hätten die Bande zwischen Frankreich, der Kleinen Entente und der Balkan-Entente sowie mit allen Mächten des Donaubeckens enger geknüpft. Die Unab­hängigkeit Oesterreichs in enger Ver­bindung mit der Kleinen Entente sei gesichert worden. Die Wirtschaftsbeziehungen Frankreichs mit den Balkanländern hätten ver­bessert werden können.

Der belgische Besuch.

Paris, 14. Febr. (DNB.) Der belgische Mi­nisterpräsident van Zeeland hat seine Bespre­chungen mit dem französischen Außenminister fort­gesetzt. Es wurde die Frage der entmilitari­sierten Rheinlandzone besprochen und auch der Locarnopakt erörtert. Flandin hat den belgischen Ministerpräsidenten über die in Paris ge­führten diplomatischen Unterhandlungen unterrich­tet. Es sei unrichtig, so erklärte Flandin, daß die Erhöhung der Militärdienstzeit in Belgien eine Folge des französisch-belgischen Militärabkommens von 1920 sei. Diese Militär-

Qr hat versucht, dem ihm überkommenen Entwurf ^oithous und Litwinows einen seiner bösartigsten Mzähne auszubrechen, indem er auf Abmilde- rur>g des gefährlichen Automatismus hinarbeitete, der die Tür zu einem neuen Weltkrieg aufstößt, sobald erst der Apparat der gegenseitigen Bei- sl^dsverpflichtungen an einer Stelle in Gang ge- sttz worden ist. Man erinnert sich, daß der Plan ein? s französisch-sowjetrussischen Beistandspaktes den Wunsch entsprang, den Artikel 16 des Völker- Im dsstatuts, in dem sich die Mitglieder des Völ- Emeunbes gegenseitig Hilfe gegen einen Angreifer zuxesagt haben, dadurch zu ergänzen, daß man diese gegenseitige Hilfe dem Belieben der einzelnen Mcchte entzog und in ein bestimmtes Schema pecßte, das automatisch einsetzen sollte, sobald an irg nbeiner Stelle ein KonfliEt entftanb? Der 91( rboftpaEt, ber diesen GedanEen automat sh in Beistands in die Praxis einführen sollte, i gescheitert an dem Widerstand Deutschlands und ens, die es als Mittelmächte ablehnen mußten, ft als Aufmarsch- und Kampfgelände für fremde ije re herzugeben in einem Konflikt, der ihre eige­ne i Interessen gar nicht notwendigerweise zu be- lüh-en brauchte. Was von dem Barthouschen Plane übrig geblieben ist, der französisch-sowjetrussische ?e standspakt, steht jetzt vor der Ratifizierung. $e ne Urheber behaupten, er halte sich durchaus in Rahmen der Dölkerbundssatzung und suche diese m schlagkräftiger und wirkungsvoller zu machen iird) die gegenseitige Verpflichtung der beiden V tragspartner, gegebenenfalls aus eigenem llifchluß Maßnahmen gegen einen Angreifer zu

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