Ausgabe 
15.1.1936
 
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Olympia vor dreißig Jahren.

Ein Rückblick auf die Olympischen Spiele in London im Jahre 1908.

Auf dem Rhein ist das Verbot der Flohschiffahrt und damit die erste Beschränkung der Rheinschiff- fahrt überhaupt in Kraft getreten. Die Schiffahrt auf dem Neckar ist. wie aus Hirschhorn gemel­det wird, wegen des Hochwassers eingestellt. Die neue Umgehungsstraße in Hirschhorn ist wegen Unterspülung bis auf weiteres gesperrt worden.

Rundfunk im Dienst des WHW.

Eine neue Einnahmequelle für das Winterhilfs­werk ist das Wunschkonzert d e s D e u t s ch - landsenders. Unter dem Motto ..Sie wünschen wir spielen, geholfen wird vielen!" führte dieser Sender am Dienstagabend sein erstes Konzert die­ser Art durch. Bis Dienstagmittag lagen bereits 1200 Briefe vor, die neben den Spendenquittungen der NSB.-Ortsgruppen gereimt und ungereimt eine Fülle von so verschiedenartigen Wünjchen ergab, daß fünf Kapellen und eine Reihe von Solisten auf­geboten werden mußten, um wenigstens den Hauptteil der Wünsche zu befriedigen. Deswegen bringt der Deutschlandsender am 26. Januar eine zweite Sendung dieser Art.

Großer Felssturz in der Sächsischen Schweiz.

In den dos Elbufer begleitenden Steinbrüchen von Postelwitz in der Sächsischen Schweiz ereignete sich ein gewaltiger Felssturz. Eine 30 m hohe Felssäule, die vorn Regen unterwaschen war, brach zusammen. Etwa 5000 Raummeter Gestein nahmen den Weg zu Tal. Der größte Teil kam auf der Ebene unterhalb der Steinbrüche zur Ruhe. Jedoch rollten einige Hundert Raummeter Felsen über den abschließenden Abhang hinunter zur Straße Postel- roitz-Schmilka. Dabei traf ein Felsen von etwa 6000 Zentner Gewicht das Siedlungshaus eines Forst­arbeiters. Es wurde stark beschädigt und mußte ge­räumt werden. Am Nachbarhaus wurde ein Loch in die Hauswand gerissen. Verletzt oder getötet wurde niemand.

Fünf Todesopfer eines Erdrutsches in Spanien.

An der spanischen Nordwestküste bei La Coruna sind durch einen Erdrutsch sechs Personen v e r - /schüttet worden. Fünf der Verschütteten konnten nur noch als Leichen geborgen werden, während der einzige Ueberlebende sehr ernste Verletzun­gen davontrug. Die schwere See, die im Verlauf des stürmischen Wetters während der letzten Tage im Atlantischen Ozean wütete, hat die Sandstein­küste bei La Coruna stellenweise so stark ausge­waschen. daß es zu dem verhängnisvollen Erd­rutsch kam.

Von einer Lawine begraben.

Bei Partenkirchen verschüttete Zwischen Schnee­fernerhaus und Knorrhütte eine Lawine drei Skiläufer. Einer von ihnen konnte sich selbst be­freien. Ein Deutsch-Amerikaner namens Stein­bach und eine Dame liegen noch unter den Schnee­massen. Vom Schneefernerhaus und von Garmisch- Partenkirchen gingen Rettungskolonnen ab. Die Lawine hatte eine Länge von 700 Meter.

Drei Todesopfer eines Grubenunglücks.

Wie vom Bergamt Düren mitgeteilt wird, hat auf der Grube Eschweiler-Reserve bei Eschweiler eine örtliche Schlagwetterexplosion stattgefun­den. Drei Hauer verunglückten tödlich. Der Gru­benbetrieb geht weiter, da das bei der Grube an­gewandte Gesteinsstaubverfahren die Ausbreitung der Explosion über ihren Herd hinaus verhinderte.

17 Todesopfer beim Absturz eines amerikanischen Großflugzeuges.

Ein Passagierflugzeug der American Air Lines, das sich auf b e m Fluge von Newark nach Los Angeles befand, stürzte in der Nähe von Goodwin im Staate Arcansas ab. 14 Fluggäste, die beiden Piloten und die Stewardesse fanden den Tod. Die Trümmer des Flugzeugs liegen in einem beinahe unzugänglichen Sumpfgebiet.

Schweres Vkolorbdokunglück in Japan.

Auf dem Kafumigaura-See. nordöstlich von To­kio, hat sich ein schweres Motorbootunglück ereignet. Sieben Marineflieger von der Marinc- flugabteilung Kasumigaura kenterten bei einer Fahrt über den See mit ihrem Motorboot. Mehr als hundert Matrosen haben bisher vergeblich den

Im Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Spiele ist es nicht uninteressant, einen Rückblick aus die Londoner Olympischen Spiele zu werfen, die im Jahre 1908 stattfanden. Damals hieß es in einem Bericht derI l l u ft r i r t e n Zeitung":

Zahlreich wie nie zuvor haben sich die aller­besten Sportsleute aus allen Ländern eingefunden. Einen prächtigen Anblick bot ihr Einmarsch bei der Eröffnung. Famose Gestalten. Große Amerikaner, sehnige Engländer mit scharfen Gesichtszügen, dann die blonden Recken der nordischen Völker, beweg­liche Franzosen, temperamentvolle Italiener, ehr­geizige Ungarn und schließlich die wohlgeordnete Schar der Deutschen, die säuberlich ausgerüstet im Gleichschritt der schwarzweißroten Fahne folgten. Die englischen Zeitungen meinen, ihr Eindruck sei .wuchtig' gewesen. Auch das weibliche Geschlecht war in den Reihen der Olympiakämpfer vertreten. Eine Abteilung dänischer Turnerinnen folgte den Gladiatoren der 21 Nationen, die hier in den Wettstreit traten. Wie Anno 1906, so erregten auch diesmal die graziösen Däninnen viel Interesse und viel Gefallen. Es war herzerfreuend, ihre Elastizi­tät, ihre Eleganz, ihre Beherrschung des Körpers zu beobachten."

In London waren die anderen Nationen den Deutschen einwandfrei überlegen. .Wohl flatterte hier und da einmal die schwarzweiß­rote Flagge am Siegesmast", so schrieb die Jllu- strirte Zeitung,aber die Ueberlegenheit der an­deren Nationen mußten wir anerkennen. Den Löwenanteil der Erfolge errangen b i e Ameri -

See abgefucht, so baß mit bem Tobe der Ver­unglückten gerechnet werben muß.

Sieben Todesopfer einer Dynamilexplosion in Spanien.

In ber Nähe von Salamanca ereignete sich ein schweres Explosionsunglück. Ein größerer Dynamitvorrat, ber in einem Wohnhaus aufbe­wahrt würbe, entzünbete sich aus unbekannter Ur­sache. Das Haus würbe völlig zertrümmert. Die Be­wohner, eine siebenköpfige Familie, würben g e - tötet.

Zwei Todesopfer eines Streites im Wirtshaus.

Der Genbarmerieoberwachtmeifter Billert aus Koehlen, ber sich vorübergehend in Geestenseth bei Bremerhaven aufhielt, gab in einer Gastwirtschaft bei Auseinandersetzungen mit anderen Besuchern mehrere Schüsse ab. Durch sie wurde der Maurer­meister T i e t j e n so schwer verletzt, daß er bald nach seiner Einlieferung in bas Krankenhaus ver­schied. Durch eine weitere Kugel wurde der Dach- deckermeister B r e d en aus Geestenseth verletzt, für ihn besteht jedoch keine Lebensgefahr. Schließ­lich richtete Oberwachtmeister Bill er t die Waffe gegen sich selbst und brachte sich ein tödliche Verletzung bei.

Festnahme eines D-Zug-Diebes.

Ein Einwohner aus Bingen mußte, als er mit bem v-Zug von Wiesbaben nach Rübesheim fuhr, am Ziel seiner Reise feststellen, baß ihm drei Kof­fer, bie Wertgegenstänbe in Höhe von zusammen 1100 Mark enthielten, gestohlen worben waren. Den sofort aufgenommenen Ermittlungen ber Polizei gelang es, ben Täter, einen bereits steck­brieflich gesuchten Verbrecher, in bem Augenblick an ber Fähre in Erbach fe st zunehmen, als er über ben Rhein fetzen wollte.

Vier Raubmörder in Spanien zum Tode verurteilt.

Der dreiste Raubüberfall auf einen städti­schen Lohngelbtransport, ber, wie gemelbet, vor wenigen Wochen am hellen Tage vor bem Madriber Rathaus verübt würbe unb ein Tobesopfer forberte, hat nunmehr feine Sühne gefunben. Vor dem Schnellgericht in Madrid wurden vier Täter wegen Raubmordes und Körperverletzung zum

kaner unb Englänber, vor allem in ben athletischen Hebungen In biesen war ber Abstand gewaltig unb bie wenigen Fälle, in benen wir uns mit unserem Können bem ihrigen näherten, bebeu- ten Ausnahmen, bie nur beweisen, baß wir bie An­lage haben, ber bic Ausbildung fehlt. Auch im Robfahren, Schwimmen unb Einzelwetturnen sinb ben Erfolgen enge Grenzen gesteckt gewesen. Im Lawn-Tennisspiel hat uns bas vorzügliche Ab- schneiben Froitzheims, ber Spieler vom Rufe eines Powell, Parke unb Caribia geschlagen hatte unb nach einer Nieberlage gegen Ritchie ben zwei- t e n Preis errang, ebenso überrascht wie erfreut. Außerhalb ber Konkurrenzen aber haben wir eine Leistung gezeigt, bie ben großen Erfolg wahrlich verdient hat: bas war bie Riegenvorführung der Deutschen Turnerschaft. Ihr wurde auch der Wanderpreis, der im Jahre 1906 in Athen den Schweden übergeben war, zuteil. Ihre schwie­rigen Geräteübungen in tadelloser Ausführung wirk­ten geradezu bestechend."

Der Berichterstatter beklagt sich über ben Lon­doner Nebel, das trübe und regnerische Wetter, und den mangelnden Widerhall im großen Publikum.Wer hätte das gedacht! England, das Mutterland des Sports, in dem jedes bedeutende Fußballspiel seine 40 000 Zuschauer anlockt, ist nicht imstande, zusammen mit den zahlreichen Gästen das graue, allerdings 60 000 Personen fassende Stadion zu füllen!" Wenn man diesen recht pessimistischen Bericht liest, kommt einem erst so recht zum Be­wußtsein, wie sehr sich ber internationale Sportge­danke seit dem Jahre 1908 entwickelt hat.

Tode, zwei andere zu 27 unb zu 30 Jahren Zuchthaus verurteilt. Den Räubern waren da- mals IV2 Millionen Peseten in bie Hände gefallen. Das Gelb konnte jeboch zum größten Teil roieber herbeigeschafft werben. Wie bie Gerichtsverhanblung ergab, war eine gewisse Summe des geraubten Gelbes zu Waffenanschaffungen für die kommu­nistische Partei bestimmt.

Schüsse in einem amerikanischen Gerichlssaal.

Das Bezirksgericht in Chikago war dieser Tage der Schauplatz eines aufregenden Zwischenfalles. Als der Richter Prystalfki im überfüttert Ge- richtsfaal den Antrag des Anwaltes John K e 0 g h, der kürzlich einen Zivilprozeß gegen eine Versiche­rungsgesellschaft um eine Summe von zwei Millio­nen Dollar eingeleitet hatte, abwies, zog ber Anwalt plötzlich eine kleine Pistole und feuerte mehrere Schüsse ab. Der erste Schuß töteteden gegneri­schen Anwalt. Dann schoß Keogh zweimal auf den Richter, der jedoch rechtzeitig in Deckung ging, so daß die Schüsse ihr Ziel verfehlten. Schließlich ge­lang es den Gerichtsdienern, den gewalttätigen An­walt niederzuschlagen unb zu überwältigen. Die Schießerei verursachte unter ben im Gerichtssaal Anwesenben ungeheure Aufregung.

Auslandsbelrügereien eines jüdischen Emigranten.

Ein jübischer Flüchtling aus Deutschlanb namens Kurt Herbert Müller mürbe, wieNya Daglight Allehanba" sehr ausführlich berichtet, von ber Stock­holmer Polizei wegen Betrugs unb Sittlichkeits­vergehens verhaftet unb ins Gefängnis gesteckt. Dieser Jube hatte es, bem Zeitungsbericht zufolge, verstauben, sich ein Jahr lang als Träger bes Kleist- Preises unb Schriftsteller Peter Martin Sampel auszugeben unb aus ben literarisch interessierten Kreisen des Landes große Unterstützungsbeträge herauszuholen. Besonders freigebig waren natür­lich die Mitglieder der Stockholmer jüdischen Ge­meinden. Der falsche Sampel warb u. a. für bie Herausgabe einer großen unb selbstverständlich in­ternationalen Zeitschrift mit bem vielversprechenden NamenDie Große Glocke". Es fanden sich jedoch hierfür keine Dummen, und so mißglückten auch weitere hochfliegende Reisepläne. Müller reifte aber nach Dänemark und Finnland, wo er gleichfalls einträgliche Beziehungen anzuknüpfen verstand. Da

er auch hier mit seinen literarischen Schöpfungen kläglich scheiterte, gelangte der falsche Schriftsteller endlich in die Hände ber Polizei.

Gefängnis für einen üblen Tierquäler.

Wegen roher Mißhanblung einer Kuh stand ein junger Einwohner aus dem Westerwald- ort Großmaischeid, der erst kurz zuvor wegen Tier, q u ä [ e r e i zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden war, erneut vor der Strafkammer Neuwied. Der jetzt zur Verhandlung stehende Vorfall hatte sich am 1. August 1935 abgespielt. Damals hatte der Angeklagte in Oberbieber eine Kuh derart mit einem Stock mißhandelt, daß man noch lange Zeit später dicke Striemen auf dem Seib des Tieres sehen konnte. Das Amtsgericht Neuwied verurteilte ihn zu sechs Wochen Gefängnis und zog die beiden Strafen zu einer Gesamtstrafe von drei Monaten Gefängnis zusammen. Die Berufung des An­geklagten wurde verworfen.

Feuer in einer Bürgermeisterei.

In einer ber letzten Nächte brach im Bürger­meisterhaus in Asbach (Kreis Neuwieb) Feuer aus, burch bas ber Dachstuhl bes Gebäubes voll- ftänbig vernichtet würbe. Außerdem ist auch bie Dienstwohnung bes Bürgermeisters in Mitleiben-

Gedenket der hungernden Vögel!

schäft gezogen worben. Das Amt mürbe baburch be- sonders schwer geschädigt, daß eine große Anzahl Akten mitverbrannte. Das Feuer entstand durch die Fahrlässigkeit eines Amtslehrlings, der auf bem Speicher beim Schein einer Kerze Akten herausgesucht hatte und nach Beenbigung ber Arbeit vergaß, bie Kerze roieber mit herunterzunehmen. Sie brannte nieber unb setzte bie Akten in Branb. Ob­wohl es ber Ortswehr unb verschobenen Wehren aus ber Umgebung nach angestrengter Arbeit ge­lang, ben Branb einzudämmen, ist ber entftanbene Sachschaben bennoch groß, ba Zimmerbecken einge­brochen sinb unb erheblicher Wasserschaben entstan- den ist.

Wetterbericht

des Reichswetterbienskes. Ausgabeork Frankfurt.

Der von Englanb nach Süden sich erstreckende Hochdruckrücken ist noch immer für unser Wetter ausschlaggebend. Die Zufuhr polarmaritimer Suft gab zwar am Dienstag noch Anlaß zu vereinzelten, leichten Schneeschauern, doch ließ nachfolgende Auf­heiterung in ber vergangenen Nacht bie Temperatu. ren, befonbers im sübweftlichen unb westlichen Deutschlanb, stärker unter ben Gefrierpunkt zurück- gehen. Da über Westeuropa ber Suftbrutf fällt, aber über Deutschlanb ansteigt, werben wir an ben West­rand bes Hochbruckrückens kommen.

Aussichten für Donnerstag: Abgesehen von Dunst- ober Nebelbildung vielfach aufgeheitert unb im wesentlichen trocken, nächtliche Fröste zu­nehmend, auf Ost drehende Winde.

Aussichten für Freitag: Fortdauer der ziemlich kalten unb im wesentlichen trockenen Wit­terung.

Lufttemperaturen am 14. Januar: mittags 2,8 Grad Celsius, abenbs 0,1 Grad; am 15. Januar: morgens0,9 Grab. Maximum 3,4 Grab, Mini­mum1,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Januar: abends 1,4 Grad; am 15. Ja­nuar: morgens 1,1 Grad. Sonnenscheindauer 2,9 Stunden. Niederschläge 0,0 mm.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel D.A. XII. 35: 11300. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein­druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

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