Ur. 12 Erstes Blatt
186. Jahrgang
Mittwoch, 15. Zanuar 1956
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Stentifutt am Main 116s« Prüft und Verlag: SrLHI'sche UniverfitätLyllch- und Steindruckerei «.Lauge In Stehen. Schriftleitung und Seschäftzftelle: Schulstrahe 7
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Korfführung der Kloitenkonferenz ohneJapan 7
Das Heranziehen der Sowjetunion und anderer Mächte wird erwogen.
London, 14. Jan. (Reuter.) Der Beschluß der japanischen Abordnung, die Flottenkonferenz zu verlassen, sobald die anderen Abordnungen erklärt haben, daß eine gemeinsame obere Begrenzung der Tonnage unannehmbar ist, wird auf der morgigen Sitzung abgegeben werden. Die Form stellt einen Sieg der japanischen Diplomaten über die militärischen Vertreter dar. Die letzteren I-otten gewünscht, daß eine ausgesprochen unnachgiebige Erklärung abgegeben werde, in der das Recht Japans auf Gleichheit gefordert würde: aber die Diplomaten bestanden auf einer Erklärung, die einen Appell an die Welt- Meinung zugunsten einer Abrüstung darstellt. Die japanische Erklärung wird auseinandersetzen, daß es Japans Ziel gewesen sei, die Last der Rüstungen zu vermindern, Angriffshandlungen auszuschalten und Angriffsrüstungen zu beseitigen. Freitag werden die anderen Abordnungen bekanntgeben, warum der japanische Vorschlag für sie unannehmbar sei. Nachdem die Japaner die Ablehnung ihrer Vorschläge angehört haben, werden sie st i l l s ch w e i g e n d die Konferenz verlassen und als „Abordnung" keinen weiteren Anteil an der Konferenz mehr nehmen.
Obwohl dies das Ende der Fünfmächtekonferenz bleutet, besteht kein Zweifel darüber, daß die Konferenz fortgesetzt werden wird, um die wertmäßige Begrenzung und andere Fragen zu er- Dltern. Die Sowjet r.egierung hat einen Ma- rmebeigeordneten für London ernannt. Es ist Jn- genieur-Flaggenmann (d h. Kapitän) Antzigl C)iaunski: er befindet sich bereits auf dem Wge nach London. Das Eintreffen Chiaunskis, der breits Flottensachoerständiger auf der Abrüstungs- korferenz war, verstärkt die Ansicht, daß nach dem Ausscheiden Japans andere Mächte möglicher- töife aufgefordert werden, sich an den Besprechungen zu beteiligen. Wahrscheinlich wird Japan durch Beobachter vertreten bleiben, die jedoch weder Erklärungen abgeben noch sich an Abstimmungen beteiligen werden
Oie Japaner haben aus dem bisherigen Verlauf her Londoner Flottenkonferenz die Konsequenzen gezogen: In der nächsten Vollsitzung der Konferenz werden sie den Verzicht auf eine weitere Teilnahme an den Besprechungen mitteilen und auch eingehend begründen. Wenn auch die Gegensätze von Anfang an nahezu unüberbrückbar erschienen, so durfte doch mit irgendeinem Kompromiß gerechnet werden. Denn auch die Washingtoner Konferenz hatte schließlich eine Lösung herbeigeführt. Nur genügte diese Lösung auf die Dauer nicht. Es mußte eine Regelung getroffen werden, an deren Zustandekommen jedoch nur die unentwegten Optimisten glaubten, aud) bann noch, als die Londoner Vorkonferenz einen ausgesprochen negativen Verlauf nahm.
Wenn Japan jetzt den Mut aufgebracht hat, der Konferenz den Rücken zu kehren, dann hat es diesen Schritt unter Ausnutzung des Durcheinanders in Europa getan. In der Tat ist auch die gegen- märtige Situation für die Japaner denkbar günstig. So lange sich die übrigen auf der Konferenz vertretenen Mächte, von Amerika abgesehen, wegen Abessinien Herumstreiten und außerdem noch ihre Streitkräfte auf dem Lande, in der Luft und zu Wasser in Bereitschaft setzen, besitzen die Japaner natürlich eine sobald nicht wiederkehrende Bewe- zungsfreiheit. Von dieser Freiheit haben sie im letz- M Jahre auf dem asiatischen Kontinent reichlich Ge- naud) gemacht. Ausgesprochene Sicherheitsgründe inb es aber auch, die sie veranlaßt haben, die Gunst ücr Stunde zu benutzen, um sich von der Konferenz Mickzuziehen, also offen zum Ausdruck zu bringen, itafj man sich von nun ab nicht mehr an irgendwelche Verteilungsschlüssel für Tonnage und Kaliber- halten, sondern sich die schwimmenden Streit- iiräfte zulegen werde, die man für unerläßlich er- iüd)|et, um sowohl von der amerikanischen als auch »der sowjetrussischen Seite her vor Ueberraschungen iiüer Art gesichert zu fein. Das bedeutet aber, daß kapern mindestens auf die Höhe der Vereinigten •Staaten aufrüsten muß, wenn auch die daraus erwachsenden finanziellen Lasten für das japanische •Bott kaum noch tragbar sein werden. Daraus ergeben sich wiederum ganz von selbst neue Spannungen im Stillen Ozean, die sehr bald eine hochgradige 'lleroosität bei allen Anliegerstaaten des Pazifik aus- i)|en werden.
Einspruch Japans.
.Kein Wunsch nach einem Wettrüsten zur See.
London, 14. Jan. (DNB.) Wie Preß Asso- iriotion erfährt, hat die japanische Flottenabordnung e:egen die Fortführung der Derhand- Dlungen a l s Diermächtekonferenz den jMsiischen Einspruch erhoben, daß die Bedm- o|unqen eines Fünfmächtevertrages nicht von einer diermächtekonferenz festgelegt werden könnten. Die LlMchen und die amerikanischen Juristen erkannten Mock) diesen Einwand n i ch t a l s st i ch h a l t i g an.
Der japanische Admiral Nagao erklärte einem «Milchen Pressevertreter, Japan habe den ernsten Wunsch, die internationale Lage nicht zu verschlech- tit-rn Nach japanischer Auffassung bedeute ein Aus- «en Japans nicht ein R ü st u n g s w e t t - nenn e n. Japan beabsichtige nicht, seine Flotte Vis ur Größe der Flotten Englands oder Arneri- flln ufzurüsten, obgleich das derzeitige ameri f a= iriffje Bauprogramm, das den gegen
wärtigen Flottenoertrag voll ausnütze, in Japan Beunruhigung verursache. Solange nicht d i e anderen ein Flottenwettrennen hervorriefen, werde sich auch Japan zurückhalten. Gleichzeitig müsse betont werden, daß sich die Flottenverträge von Washington und London für die Verteidigungsbedürfnisse Japans als unbefriedigend erwiesen hätten. Das in Washington gegründete Verhältnissystem lasse Japan keine Gerechtigkeit widerfahren. Die Japaner seien der Ansicht, daß es zwecklos fein würde, an Besprechungen über eine stärkenmäßige Begrenzung teilzunehmen, solange kein Abkommen auf mengenmäßigem Gebiete erreicht fei. Die Frage der Befestigung von Flotten st ützpunk- t e n im Stillen Ozean könne nicht gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung ausgehandelt werden.
Das Echo in Patts
Paris, 15. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der Mißerfolg der Londoner Flottenkonferenz wird in der Pariser Presse nicht besonders tragisch genommen, einmal, weil ihr Erfolg von Anfang an ziemlich unsicher erschien und zum anderen, weil der französische Standpunkt sich in gewisser Beziehung zu sehr dem japanischen nähert, als daß die französische Oeffentlichkeit die Haltung der japanischen Abordnung in London nachdrücklich mißbilligen könnte. Das „Journal" meint, man brauche die Japaner zu sehr, als daß man ihnen die Tür verschließen könne und die Japaner hätten selbst ein zu großes Interesse daran, ein Wettrüsten zu vermeiden, als daß sie künftige Verhandlungsmöglich-, feiten von vornherein ausschließen könnten. Das „Oeuvre" sagt, Frankreich sei grundsätzlich nicht gegen Gleichheit, aber dieser Grundsatz rufe weitgehende Erwägungen wach, die über den Rahmen der Londoner Konferenz hinausgehen und sich daher praktisch nicht durchführen lassen. Die französische Abordnung werde sich daher in London der Stimme enthalten. Frankreich dürfe nicht die gegenseitige Abhängigkeit der Rü st ungen z u Lande und zur See aus dem Auge verlieren. Frankreich sei gegen d i e
Hinzuziehung Deutschlands und Rußlands zur Flottenkonferenz.
Unausbleibliche Folgen.
Neue Flottenstützpunkte Amerikas und Englands im Pazifik.
^London, 15. Jan. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" weist nachdrücklich darauf hin, daß der Austritt Japans aus der Flottenkonferenz wahrscheinlich den Ausbau und die Neuschaffung amerikanischer und britischer Flotten st ützpunkte im Stillen Ozean zur Folge haben werde Wenn Amerika seinen Plan, neue Flottenstützpunkte zu bauen, ausführe, bann werde voraussichtlich auch England gezwungen fein, feine Stellung im Stillen Ozean erneut Zu prüfen. U. a. würde eine Wiederherstellung der Verteidigungswerke von H o n k o n g> erwogen werden, die feit 16 Jahren unberührt geblieben und daher veraltet feien. Das Verhalten Japans werde jedoch kein Flottenwettrüsten zur Folge haben. England und die Vereinigten Staaten hätten bereits eine Verst ä n d i g u n g über die beiderseitigen Flottenstär- kcn getroffen, durch die ein englisch-amerikanisches Wettrüsten ausgeschlossen werde. In Amerika verstehe man wohl, daß England seine Flotte wieder auf eine „angemessene Stärke" bringen müsse. U. a. sei eine beträchtliche Erhöhung der britischen Kreuzer-Tonnage erforderlich.' Ferner fei durch Japans Stellungnahme die Vervollständigung des ungeheuren amerikanischen Bauprogramms unvermeidlich gemacht worden, das den Vereinigten Staaten bis 3um Jahre 1942 d i e größte Flotte der Welt geben werde. „Japan hat die Flottenkonferenz getötet" lautet im übrigen der Kommentar des „Daily Telegraph". Das Verhalten Japans werde sich ohne Zweifel ungünstig auf die zukünftige Stellung Japans zur See auswirken. Die übrigen Flottenabordnungen seien überzeugt, daß Japan einen diplomatischen Fehler er ft er Ordnung begangen habe.
Die Aufrüstung des Bolschewismus.
Oer sowjeirussische Heereshaushalt mehr als verdoppelt. — Fast 40 Prozent des Staatshaushalts für Mflungszwecke. - Lom Hauptvollzugsausschuß „unter donnerndem Jubel bewilligt".
Moskau, 15. Jan. (DNB.) Vor dem Hauptvollzugsausschuß hielt Finanzkommissar G r i n k o sein Referat über den Staatshaushalt für 1936. Grinko hob wiederholt hervor, daß die Sowjetunion infolge der durch die Stachanow-Be- megung gesteigerten Produktion auf bedeutende Erhöhung der Staatseinnahmen rechnen könne. Im übrigen waren die Ausführungen Grinkos ziemlich verschwommen. Da innerhalb der Sowjetwirtschaft teils Verrechnungsverkehr, teils Geldverkehr besteht, ergeben die Angaben des Staatshaushaltes kein vollständiges Bild über die Finanzgebarung. Grinko nannte z. B. nicht die Einnahmen des Staates aus dem Binnenhandel, die feit der Abschaffung der Lebensmittelkarten erheblich zugunsten des Staates gestiegen fein müssen.
Die größte Beachtung verdienen die Zahlen, die Grinko über die Aufwendungen für heereszwecke nannte. Der Voranschlag für 1935 hätte für heereszwecke 6,5 Milliarden Rubel festgesetzt. Durch die Rach- forderungen des Verteidigungskommissariats habe sich diese Summe a uf 8,2 Milliarden Rubel erhöht. Für das Jahr 1936 seien für heeresausgaben 14,8 Milliarden Rubel vorgesehen.
lieber die Aufnahme des anderthalbstündigen Berichtes schreibt die sowjetamtliche Nachrichtenagentur: „Die Aufmerksamkeit, mit der der ganze Saal den Bericht des Finanzkommissars anhört, wird besonders angespannt, als er zum Ausgabenposten des Haushalts für die Verteidigung übergeht. Unter donnerndem I u - b e l nennt sodann Grinko die für das Verteidi- gungskommisfariat vorgesehene Zahl."
In einer Broschüre wird der Staatshaushaltsooranschlag für 1936 veröffentlicht. Danach sollen Einnahmen und Ausgaben 82,9 Milliarden Rubel betragen. Davon entfallen auf der Einnahmeseite auf Warenumsatz und Handel 62,5 Milliarden (über 10 Milliarden mehr als 1935, was sich durch die Abschaffung der Lebensmittelkarten erklärt). Die Ausgabeseite sieht 40,7 Milliarden für Jnvesti- klonen in Unternehmungen der Volkswirtschaft vor, darunter 14,5 Milliarden für die Industrie. Dieser Teil der Ausgaben des Sowjethaushaltes ist in solchem Umfange nur innerhalb einer vollkommen verstaatlichten Wirtschaft denkbar und in keinem anderen Staatshaushalt vorhanden. Sämtliche übrigen Ausgaben, die allein einen Staatshaushalt in europäischem Sinne darstellen, belaufen sich auf 40,2 Milliarden
Rubel. Davon entfallen, wie bereits gemeldet, a u f den Militärhaushalt 14,8 Milliarden, d. h. fast 40 v. H. des eigentlichen Staatshaushaltes.
polnische Antwort an Rolotoff.
Warschau, 15. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der konservative ,Czas" antwortet unter der Überschrift „Der Irrtum Molotoffs" auf die letzte Rede des bolschewistischen Regierungschefs mit der Erklärung, daß niemand in Europa die Sowjetunion angreifen wolle oder Eroberungspläne gegen sie habe. Die Sowjetunion fei es, die in Europa rüste, als ob sie sich auf einen n^a h e n Krieg vorbereite. Die Stimmung der Unruhe schaffe nicht Europa, das den Frieden wünsche, und schwere wirtschaftliche Sorgen habe, sondern die Sowjetunion durch ihre Rü st ungen und noch mehr durch die kommunistische Propaganda, die durch alle erdenklichen Kanäle nach Europa gelangen. Molotoff schätze die Haltung Europas durchaus falsch ein: Europa habe keine Angriffsabsichten gegen Moskau, aber es fei gezwungen, sich energisch gegen den Druck des kriegerischen Kommunismus zu schützen. Es sei der Irrtum Molotoffs, daß er in dem zum Selbstschutz Europas notwendigen Kampf gegen den Kommunismus eine russenfeindliche politische Handlung sehen wolle.
Moskaus Wühlarbeit in Palästina Vorbereitung eines bewaffnetenAnfstandes der Araber.
Beirut, 14. Jan. (DNB.) Moskau ist anscheinend unter Benutzung der internationalen Spannung und der Erregung der Araber bestrebt, die in Palästina herrschende jüdisch - arabische Spannung nach Kräften zu schüren, um über den Umweg einer nationalen Revolution im vorderen Orient die bolschewistische Revolution vor zubereiten. Sowjetrussische Gelder fließen immer reichlicher in die arabischen Kampforganisationen. Allein in den letzten beiden Monaten sind an gewisse arabische Vermittler 12 000 Pfund gezahlt worden. Mit diesen Geldern wird eine umfangreiche Einfuhr von Waffen durchgeführt, die teilweise japanischer Herkunft sind und ihren Weg über Transjordanien und die Sinai- Halbinsel nehmen.
Die arabische nationale Bewegung, die in der letzten Zeit sich gegenüber England noch angriffslustiger zeigt als gegen die Juden, bleibt offenbar zumeist in Unkenntnis der wirklichen Drahtzieher. Die Führer der arabischen illegalen Kampforganisation stehen mit dem Leiter der kommuni st ischen Propagandazentrale
für den vorderen Orient in Verbindung, der seinen Sitz in Damaskus hat und den Parteinamen Bogdanoff führt. Die arabischen bewaffneten und ausgebildeten kommunistischen Abteilungen zählen zur Zeit 8000 Mann. Doppelt so stark ist der diesen Abteilungen zur Verfügung stehende Ersatz. Auf Moskauer Anweisung hin sollen die arabischen Unruhen bis Ende Februar ausbrechen, beginnend mit Ueberfällen auf die Städte und jüdischen Landsiedlungen in Nordpalästina, zwischen Haifa und dem Jordan. Auch Ueberfälle auf englische Polizeistationen sind vorgesehen.
Die Hyänen des Wellness.
Von unserem (-)-Berichierstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, Januar 1936.
Die Vernehmung des Chefs des Bankhauses Morgan, John Pierpont Morgan, und seines Panners Lamont vor dem amerikanischen Senatsausschuß haben mit ihren bedeutsamen Aufhellungen über die Ursachen des amerikanischen Kriegseintritts hier gewaltiges Aufsehen erregt Im parlamentarischen Ausschuß des Unterhauses, der eine ähnliche Aufgabe hat wie der amerikanische, nannte Sir Philip Gibbs den internationalen Rüstungshändler Sir Basil Z a h a r o f f eine sehr trübe Erscheinung. Er berief sich dabei auf das Urteil der ganzen Welt. Der Präsident der Vickers- Armstrong-Gelellschaft, General Sir Herbert Lawrence, sagte nur, daß Sir Basil Zaharoff seit 1924 keine Beziehungen mehr zur größten britischen Waffenherstellerin habe, aber er sagte nicht, daß Zaharoff keine Waffengeschäfte mehr mache. Im Juni 1934 erklärte der amerikanische Senator B o - r a h, einer, der es wissen muß: „Im Kriege um die grüne Hölle des G r a n C h a c o hat Sir Basil Zaharoff seine Hand im Spiel. Es ist dieblutbefleckte Hand des größten Kriegsgewinnlers unserer Zeit. Seit einem halben Jahrhundert hat es keine Kämpfe mehr auf dieser Erde gegeben, an denen Zaharoff nicht verdient hätte."
Die Vickersleute hatten alle Ursache zu schweigen; denn Zaharoff hat die englische Rüstungsindustrie hoch gebracht, er hat, um diese Industrie Zur Blüte zu bringen, Intrigen und Kämpfe angezettelt, und das „Geheimnis dieses Geschäftspartners der ganzen Welt" ist heute kein Geheimnis mehr. Er ist griechischen Blutes, 1850 in Konstantinopel geboren, schlug sich kümmerlich durch und sah einer Strafe wegen Diebstahls entgegen, als der Ehef der großen englischen Rüstungsfabrik Mr. Vickers auf einem Besuch in Athen einen Dol- metscher suchte und Zaharoff durch den Hotelportier, seinen Verwandten, empfohlen wurde. Seitdem ist der Grieche ein führender Mann in b e r R ü st u n g s i n d u st r i e geworden, er wurde vom Britenkönig geadelt, heiratete eine bourbonische Prinzessin, die Base des Königs von Spanien, die ihm spanische Rüstungsaufträge zuwandte, und wurde Generaldirektor der Vickerswerke, Hauptaktio- nur der Schneider-Creuzot-Rüstungsfabriken, Großoffizier der französischen Ehrenlegion
Dieser Typ des rücksichtslosen Geschäftemachers, der aus dem Blut der Gefallenen, den Tränen der Mütter, Witwen und Waisen, dem Ruin ganzer Völker schnödes Gold münzte, aber wäre nicht denkbar ohne gewisse Regierungen, die ihn unterstützten, um die durch Phrasen berauschten „demokratischen" Völker auf die Schlachtbank zu führen. Dieser Mann der Höchstfinanz ist undenkbar ohne die demokratischen Einrichtungen des Westens, die nur zur Folie für einige Wenige dienen, die die Massen beherrschen. Sie haben die Kapitalmacht; ihre Späher dringen in jedes Regierungszimmer, sie beherrschen eine gewisse Presse, die täglich gegen Deutschland hetzt, und wenn sich die Völker unter dem Zeichen des Frontkämpsertums vereinigen und auf friedliche Weise ihre Gegensätze schlichten wollen, schreien sie und ihre Pressebanditen über deutsche Fangnetze... Während die Times heute wieder in Gedenkartikeln versichert, lediglich um ,poor Bel= gium" zu retten, habe England die Weltkriegsbürde auf sich genommen, schrieb die gleiche „Times" am 15. März 1915, es geb noch Engländer, die glaubten, daß Deutschlands Bruch der belgischen Neutralität die Briten zum Kriege zwang. „Sie überlegen nicht", fuhr das Blatt fort, „daß unsere Ehre und unsere Interessen uns dazu bringen mußten, .uns Frankreich und Rußland anzuschließen, s e l b st wenn Deutschland gewissenhaft die Rechte feiner kleinen Nachbarn geachtet hätte und versucht haben würde, sich durch die östlichen Festungen Frankreichs einen Weg zu bahnen." Dieses Eingeständnis der nackten Wahrheit ist heute vergessen, aber das Mißtrauen gegen die Worte von Freiheit und Wohlfahrt der demokratischen Völker läßt sich nicht bannen, nachdem Zaharoff wenigstens vorsichtig gestäupt wurde und bei allem Verschweigen seiner Beziehungen zu den Regierungen doch' schließlich festgestellt wurde, daß Kriege unter dem Treiben der privaten Rüstungsindustrie möglich wurden.
Der britische „Mann der Straße", der Durchschnittsengländer, weiß im allgemeinen, ebenso wie jeder Amerikaner, daß die idealistischen Ziele, für die die Entente-Negierungen angeblich in den Krieg zogen, in Wirklichkeit nur Aushängeschilder für das nackte Profittnteresse der Rüstungsindustrie gewesen sind. Die Vereinigten Staaten haben den Weltkrieg mit 4 335 000 Mobilisierten geführt, davon sind nach amerikanischen Quellen 126 000 Mann gefallen, die Gesamtverluste werden auf 350 300 angegeben, also auf 8 v. H. der Gesamtmobilisierten. Das ist der niedrigste Satz aller am Kriege beteiligten Nationen. Dagegen gab Amerika nicht weniger als 4 2 Mi 11 ionen Do11ars für d i e Kosten


