Ausgabe 
15.1.1936
 
Einzelbild herunterladen

Ur. 12 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Mittwoch, 15. Zanuar 1956

Annahme von Anzeigen für die Mitlagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags

Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text­anzeigen von 70 nim Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25"/ mehr.

Ermäßigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Erscheint täglich, außer Lonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-vezugrpreir:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte , 1.80 Zustellgebühr.. -.25

Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

Zernfprechanschlüffe unterSammelnummer 2251

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Stentifutt am Main 116s« Prüft und Verlag: SrLHI'sche UniverfitätLyllch- und Steindruckerei «.Lauge In Stehen. Schriftleitung und Seschäftzftelle: Schulstrahe 7

*en/.bl« man 51°d°ch Dom " mu6. 5m L Kanada ist ihre Welt. oerdienstM.)

flinke und

m 3:10 (2:3). " dieser höhe gerade von mehr. Anders e spielten an- sah man ihre chiuß, als der sie ihren Sieg, st. sicherstellen, aktgewinn wie-

Grüningen 5:9 einem harten * Grüningen die it ihm ist eine ;war zu spielen ichlsamkeit wich« sich deshalb ge« in acht nehmen daraus legen b gespielt wirb. , qenb TB. . Trotzdem ö« en, tonnte die Mannschaft der d damit weitere

ttershausen Rh), konnte auf es To. Rutters- anden. Wie das eine eindeutige itrengung tonn« schon 12 Tore

Frankfurt.

und hat nun« ärz stattfindende r Gaumannschaf« und Sachsen im Austragung ge'

*

gerung rßen.

Gießen sollen am Ahr beginnend, '* sir^c

S!SS agnerholz)

rung

53 E

**..*1

Korfführung der Kloitenkonferenz ohneJapan 7

Das Heranziehen der Sowjetunion und anderer Mächte wird erwogen.

London, 14. Jan. (Reuter.) Der Beschluß der japanischen Abordnung, die Flottenkonferenz zu verlassen, sobald die anderen Abordnungen erklärt haben, daß eine gemeinsame obere Begrenzung der Tonnage unannehmbar ist, wird auf der morgigen Sitzung abgegeben werden. Die Form stellt einen Sieg der japanischen Diplomaten über die militärischen Vertreter dar. Die letzteren I-otten gewünscht, daß eine ausgesprochen unnach­giebige Erklärung abgegeben werde, in der das Recht Japans auf Gleichheit gefordert würde: aber die Diplomaten bestanden auf einer Erklärung, die einen Appell an die Welt- Meinung zugunsten einer Abrüstung darstellt. Die japanische Erklärung wird ausein­andersetzen, daß es Japans Ziel gewesen sei, die Last der Rüstungen zu vermindern, Angriffshand­lungen auszuschalten und Angriffsrüstungen zu be­seitigen. Freitag werden die anderen Ab­ordnungen bekanntgeben, warum der japanische Vorschlag für sie unannehmbar sei. Nachdem die Japaner die Ablehnung ihrer Vorschläge an­gehört haben, werden sie st i l l s ch w e i g e n d die Konferenz verlassen und alsAbordnung" keinen weiteren Anteil an der Konferenz mehr nehmen.

Obwohl dies das Ende der Fünfmächtekonferenz bleutet, besteht kein Zweifel darüber, daß die Kon­ferenz fortgesetzt werden wird, um die wert­mäßige Begrenzung und andere Fragen zu er- Dltern. Die Sowjet r.egierung hat einen Ma- rmebeigeordneten für London ernannt. Es ist Jn- genieur-Flaggenmann (d h. Kapitän) Antzigl C)iaunski: er befindet sich bereits auf dem Wge nach London. Das Eintreffen Chiaunskis, der breits Flottensachoerständiger auf der Abrüstungs- korferenz war, verstärkt die Ansicht, daß nach dem Ausscheiden Japans andere Mächte möglicher- töife aufgefordert werden, sich an den Besprechun­gen zu beteiligen. Wahrscheinlich wird Japan durch Beobachter vertreten bleiben, die jedoch weder Erklärungen abgeben noch sich an Abstimmungen beteiligen werden

Oie Japaner haben aus dem bisherigen Verlauf her Londoner Flottenkonferenz die Konsequenzen ge­zogen: In der nächsten Vollsitzung der Konferenz werden sie den Verzicht auf eine weitere Teilnahme an den Besprechungen mitteilen und auch eingehend begründen. Wenn auch die Gegensätze von Anfang an nahezu unüberbrückbar erschienen, so durfte doch mit irgendeinem Kompromiß gerechnet werden. Denn auch die Washingtoner Konferenz hatte schließ­lich eine Lösung herbeigeführt. Nur genügte diese Lösung auf die Dauer nicht. Es mußte eine Rege­lung getroffen werden, an deren Zustandekommen jedoch nur die unentwegten Optimisten glaubten, aud) bann noch, als die Londoner Vorkonferenz einen ausgesprochen negativen Verlauf nahm.

Wenn Japan jetzt den Mut aufgebracht hat, der Konferenz den Rücken zu kehren, dann hat es diesen Schritt unter Ausnutzung des Durcheinanders in Europa getan. In der Tat ist auch die gegen- märtige Situation für die Japaner denkbar günstig. So lange sich die übrigen auf der Konferenz ver­tretenen Mächte, von Amerika abgesehen, wegen Abessinien Herumstreiten und außerdem noch ihre Streitkräfte auf dem Lande, in der Luft und zu Wasser in Bereitschaft setzen, besitzen die Japaner natürlich eine sobald nicht wiederkehrende Bewe- zungsfreiheit. Von dieser Freiheit haben sie im letz- M Jahre auf dem asiatischen Kontinent reichlich Ge- naud) gemacht. Ausgesprochene Sicherheitsgründe inb es aber auch, die sie veranlaßt haben, die Gunst ücr Stunde zu benutzen, um sich von der Konferenz Mickzuziehen, also offen zum Ausdruck zu bringen, itafj man sich von nun ab nicht mehr an irgend­welche Verteilungsschlüssel für Tonnage und Kaliber- halten, sondern sich die schwimmenden Streit- iiräfte zulegen werde, die man für unerläßlich er- iüd)|et, um sowohl von der amerikanischen als auch »der sowjetrussischen Seite her vor Ueberraschungen iiüer Art gesichert zu fein. Das bedeutet aber, daß kapern mindestens auf die Höhe der Vereinigten Staaten aufrüsten muß, wenn auch die daraus er­wachsenden finanziellen Lasten für das japanische Bott kaum noch tragbar sein werden. Daraus er­geben sich wiederum ganz von selbst neue Spannun­gen im Stillen Ozean, die sehr bald eine hochgradige 'lleroosität bei allen Anliegerstaaten des Pazifik aus- i)|en werden.

Einspruch Japans.

.Kein Wunsch nach einem Wettrüsten zur See.

London, 14. Jan. (DNB.) Wie Preß Asso- iriotion erfährt, hat die japanische Flottenabordnung e:egen die Fortführung der Derhand- Dlungen a l s Diermächtekonferenz den jMsiischen Einspruch erhoben, daß die Bedm- o|unqen eines Fünfmächtevertrages nicht von einer diermächtekonferenz festgelegt werden könnten. Die LlMchen und die amerikanischen Juristen erkannten Mock) diesen Einwand n i ch t a l s st i ch h a l t i g an.

Der japanische Admiral Nagao erklärte einem «Milchen Pressevertreter, Japan habe den ernsten Wunsch, die internationale Lage nicht zu verschlech- tit-rn Nach japanischer Auffassung bedeute ein Aus- «en Japans nicht ein R ü st u n g s w e t t - nenn e n. Japan beabsichtige nicht, seine Flotte Vis ur Größe der Flotten Englands oder Arneri- flln ufzurüsten, obgleich das derzeitige ameri f a= iriffje Bauprogramm, das den gegen­

wärtigen Flottenoertrag voll ausnütze, in Japan Beunruhigung verursache. Solange nicht d i e anderen ein Flottenwettrennen hervorriefen, werde sich auch Japan zurückhalten. Gleich­zeitig müsse betont werden, daß sich die Flotten­verträge von Washington und London für die Ver­teidigungsbedürfnisse Japans als unbefriedi­gend erwiesen hätten. Das in Washington ge­gründete Verhältnissystem lasse Japan keine Ge­rechtigkeit widerfahren. Die Japaner seien der An­sicht, daß es zwecklos fein würde, an Besprechungen über eine stärkenmäßige Begrenzung teilzunehmen, solange kein Abkommen auf men­genmäßigem Gebiete erreicht fei. Die Frage der Befestigung von Flotten st ützpunk- t e n im Stillen Ozean könne nicht gegen den Grundsatz der Gleichberechtigung ausgehandelt werden.

Das Echo in Patts

Paris, 15. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der Mißerfolg der Londoner Flottenkonferenz wird in der Pariser Presse nicht besonders tragisch genom­men, einmal, weil ihr Erfolg von Anfang an ziem­lich unsicher erschien und zum anderen, weil der französische Standpunkt sich in gewisser Beziehung zu sehr dem japanischen nähert, als daß die fran­zösische Oeffentlichkeit die Haltung der japanischen Abordnung in London nachdrücklich mißbilligen könnte. DasJournal" meint, man brauche die Japaner zu sehr, als daß man ihnen die Tür ver­schließen könne und die Japaner hätten selbst ein zu großes Interesse daran, ein Wettrüsten zu ver­meiden, als daß sie künftige Verhandlungsmöglich-, feiten von vornherein ausschließen könnten. Das Oeuvre" sagt, Frankreich sei grundsätzlich nicht gegen Gleichheit, aber dieser Grundsatz rufe weitgehende Erwägungen wach, die über den Rah­men der Londoner Konferenz hinausgehen und sich daher praktisch nicht durchführen lassen. Die französische Abordnung werde sich daher in London der Stimme enthalten. Frankreich dürfe nicht die gegenseitige Abhängigkeit der st ungen z u Lande und zur See aus dem Auge verlieren. Frankreich sei gegen d i e

Hinzuziehung Deutschlands und Ruß­lands zur Flottenkonferenz.

Unausbleibliche Folgen.

Neue Flottenstützpunkte Amerikas und Englands im Pazifik.

^London, 15. Jan. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" weist nachdrücklich darauf hin, daß der Austritt Japans aus der Flottenkonferenz wahr­scheinlich den Ausbau und die Neuschaf­fung amerikanischer und britischer Flotten st ützpunkte im Stillen Ozean zur Folge haben werde Wenn Amerika seinen Plan, neue Flottenstützpunkte zu bauen, ausführe, bann werde voraussichtlich auch England gezwun­gen fein, feine Stellung im Stillen Ozean erneut Zu prüfen. U. a. würde eine Wiederherstel­lung der Verteidigungswerke von H o n k o n g> erwogen werden, die feit 16 Jahren unberührt geblieben und daher veraltet feien. Das Verhalten Japans werde jedoch kein Flotten­wettrüsten zur Folge haben. England und die Vereinigten Staaten hätten bereits eine Ver­st ä n d i g u n g über die beiderseitigen Flottenstär- kcn getroffen, durch die ein englisch-amerikanisches Wettrüsten ausgeschlossen werde. In Amerika ver­stehe man wohl, daß England seine Flotte wieder auf eineangemessene Stärke" bringen müsse. U. a. sei eine beträchtliche Erhöhung der britischen Kreuzer-Tonnage erforderlich.' Fer­ner fei durch Japans Stellungnahme die Vervoll­ständigung des ungeheuren amerikanischen Bauprogramms unvermeidlich gemacht wor­den, das den Vereinigten Staaten bis 3um Jahre 1942 d i e größte Flotte der Welt geben werde.Japan hat die Flottenkonferenz getötet" lautet im übrigen der Kommentar des Daily Telegraph". Das Verhalten Japans werde sich ohne Zweifel ungünstig auf die zukünftige Stel­lung Japans zur See auswirken. Die übrigen Flottenabordnungen seien überzeugt, daß Japan einen diplomatischen Fehler er ft er Ord­nung begangen habe.

Die Aufrüstung des Bolschewismus.

Oer sowjeirussische Heereshaushalt mehr als verdoppelt. Fast 40 Prozent des Staatshaushalts für Mflungszwecke. - Lom Hauptvollzugsausschuß unter donnerndem Jubel bewilligt".

Moskau, 15. Jan. (DNB.) Vor dem Haupt­vollzugsausschuß hielt Finanzkommissar G r i n k o sein Referat über den Staatshaushalt für 1936. Grinko hob wiederholt hervor, daß die Sowjet­union infolge der durch die Stachanow-Be- megung gesteigerten Produktion auf bedeutende Erhöhung der Staatseinnahmen rech­nen könne. Im übrigen waren die Ausführungen Grinkos ziemlich verschwommen. Da innerhalb der Sowjetwirtschaft teils Verrechnungsverkehr, teils Geldverkehr besteht, ergeben die Angaben des Staatshaushaltes kein vollständiges Bild über die Finanzgebarung. Grinko nannte z. B. nicht die Einnahmen des Staates aus dem Binnenhandel, die feit der Abschaffung der Lebensmittelkarten er­heblich zugunsten des Staates gestiegen fein müssen.

Die größte Beachtung verdienen die Zahlen, die Grinko über die Aufwendungen für heereszwecke nannte. Der Voranschlag für 1935 hätte für heereszwecke 6,5 Mil­liarden Rubel festgesetzt. Durch die Rach- forderungen des Verteidigungskommissariats habe sich diese Summe a uf 8,2 Milliar­den Rubel erhöht. Für das Jahr 1936 seien für heeresausgaben 14,8 Milliar­den Rubel vorgesehen.

lieber die Aufnahme des anderthalbstündigen Berichtes schreibt die sowjetamtliche Nachrichten­agentur:Die Aufmerksamkeit, mit der der ganze Saal den Bericht des Finanzkommissars anhört, wird besonders angespannt, als er zum Ausgaben­posten des Haushalts für die Verteidi­gung übergeht. Unter donnerndem I u - b e l nennt sodann Grinko die für das Verteidi- gungskommisfariat vorgesehene Zahl."

In einer Broschüre wird der Staatshaushalts­ooranschlag für 1936 veröffentlicht. Danach sollen Einnahmen und Ausgaben 82,9 Mil­liarden Rubel betragen. Davon entfallen auf der Einnahmeseite auf Warenumsatz und Handel 62,5 Milliarden (über 10 Milliarden mehr als 1935, was sich durch die Abschaffung der Lebensmittelkarten erklärt). Die Ausgabeseite sieht 40,7 Milliarden für Jnvesti- klonen in Unternehmungen der Volks­wirtschaft vor, darunter 14,5 Milliarden für die Industrie. Dieser Teil der Ausgaben des Sowjet­haushaltes ist in solchem Umfange nur innerhalb einer vollkommen verstaatlichten Wirt­schaft denkbar und in keinem anderen Staats­haushalt vorhanden. Sämtliche übrigen Ausgaben, die allein einen Staatshaushalt in europäischem Sinne darstellen, belaufen sich auf 40,2 Milliarden

Rubel. Davon entfallen, wie bereits gemeldet, a u f den Militärhaushalt 14,8 Milliarden, d. h. fast 40 v. H. des eigentlichen Staats­haushaltes.

polnische Antwort an Rolotoff.

Warschau, 15. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der konservative ,Czas" antwortet unter der Über­schriftDer Irrtum Molotoffs" auf die letzte Rede des bolschewistischen Regierungschefs mit der Erklä­rung, daß niemand in Europa die Sow­jetunion angreifen wolle oder Erobe­rungspläne gegen sie habe. Die Sowjetunion fei es, die in Europa rüste, als ob sie sich auf einen n^a h e n Krieg vorbereite. Die Stimmung der Unruhe schaffe nicht Europa, das den Frieden wünsche, und schwere wirtschaftliche Sorgen habe, sondern die Sowjetunion durch ihre st ungen und noch mehr durch die kommunistische Propaganda, die durch alle erdenklichen Kanäle nach Europa gelan­gen. Molotoff schätze die Haltung Europas durch­aus falsch ein: Europa habe keine Angriffsabsichten gegen Moskau, aber es fei gezwungen, sich energisch gegen den Druck des kriegerischen Kom­munismus zu schützen. Es sei der Irrtum Molotoffs, daß er in dem zum Selbstschutz Europas notwendigen Kampf gegen den Kommunismus eine russenfeindliche politische Handlung sehen wolle.

Moskaus Wühlarbeit in Palästina Vorbereitung eines bewaffnetenAnfstandes der Araber.

Beirut, 14. Jan. (DNB.) Moskau ist anschei­nend unter Benutzung der internationalen Span­nung und der Erregung der Araber bestrebt, die in Palästina herrschende jüdisch - arabische Spannung nach Kräften zu schüren, um über den Umweg einer nationalen Revolution im vorde­ren Orient die bolschewistische Revolu­tion vor zubereiten. Sowjetrussische Gelder fließen immer reichlicher in die arabischen Kampforganisationen. Allein in den letzten beiden Monaten sind an gewisse arabische Vermittler 12 000 Pfund gezahlt worden. Mit diesen Geldern wird eine umfangreiche Einfuhr von Waffen durchgeführt, die teilweise japanischer Herkunft sind und ihren Weg über Transjordanien und die Sinai- Halbinsel nehmen.

Die arabische nationale Bewegung, die in der letzten Zeit sich gegenüber England noch angriffs­lustiger zeigt als gegen die Juden, bleibt offenbar zumeist in Unkenntnis der wirklichen Drahtzieher. Die Führer der arabischen ille­galen Kampforganisation stehen mit dem Leiter der kommuni st ischen Propagandazentrale

für den vorderen Orient in Verbindung, der seinen Sitz in Damaskus hat und den Parteinamen Bogdanoff führt. Die arabischen bewaffneten und ausgebildeten kommunistischen Abtei­lungen zählen zur Zeit 8000 Mann. Doppelt so stark ist der diesen Abteilungen zur Verfügung stehende Ersatz. Auf Moskauer Anweisung hin sol­len die arabischen Unruhen bis Ende Februar aus­brechen, beginnend mit Ueberfällen auf die Städte und jüdischen Landsiedlungen in Nordpalästina, zwi­schen Haifa und dem Jordan. Auch Ueberfälle auf englische Polizeistationen sind vorgesehen.

Die Hyänen des Wellness.

Von unserem (-)-Berichierstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, Januar 1936.

Die Vernehmung des Chefs des Bankhauses Morgan, John Pierpont Morgan, und seines Panners Lamont vor dem amerikanischen Senatsausschuß haben mit ihren bedeutsamen Auf­hellungen über die Ursachen des amerikanischen Kriegseintritts hier gewaltiges Aufsehen erregt Im parlamentarischen Ausschuß des Unterhauses, der eine ähnliche Aufgabe hat wie der amerikanische, nannte Sir Philip Gibbs den internationalen Rüstungshändler Sir Basil Z a h a r o f f eine sehr trübe Erscheinung. Er berief sich dabei auf das Ur­teil der ganzen Welt. Der Präsident der Vickers- Armstrong-Gelellschaft, General Sir Herbert Law­rence, sagte nur, daß Sir Basil Zaharoff seit 1924 keine Beziehungen mehr zur größten britischen Waffenherstellerin habe, aber er sagte nicht, daß Zaharoff keine Waffengeschäfte mehr mache. Im Juni 1934 erklärte der amerikanische Senator B o - r a h, einer, der es wissen muß:Im Kriege um die grüne Hölle des G r a n C h a c o hat Sir Basil Za­haroff seine Hand im Spiel. Es ist dieblutbe­fleckte Hand des größten Kriegsge­winnlers unserer Zeit. Seit einem halben Jahrhundert hat es keine Kämpfe mehr auf dieser Erde gegeben, an denen Zaharoff nicht verdient hätte."

Die Vickersleute hatten alle Ursache zu schwei­gen; denn Zaharoff hat die englische Rüstungs­industrie hoch gebracht, er hat, um diese Industrie Zur Blüte zu bringen, Intrigen und Kämpfe ange­zettelt, und dasGeheimnis dieses Geschäftspart­ners der ganzen Welt" ist heute kein Geheimnis mehr. Er ist griechischen Blutes, 1850 in Konstanti­nopel geboren, schlug sich kümmerlich durch und sah einer Strafe wegen Diebstahls entgegen, als der Ehef der großen englischen Rüstungsfabrik Mr. Vickers auf einem Besuch in Athen einen Dol- metscher suchte und Zaharoff durch den Hotelpor­tier, seinen Verwandten, empfohlen wurde. Seitdem ist der Grieche ein führender Mann in b e r R ü st u n g s i n d u st r i e geworden, er wurde vom Britenkönig geadelt, heiratete eine bourbonische Prinzessin, die Base des Königs von Spanien, die ihm spanische Rüstungsaufträge zuwandte, und wurde Generaldirektor der Vickerswerke, Hauptaktio- nur der Schneider-Creuzot-Rüstungsfabriken, Groß­offizier der französischen Ehrenlegion

Dieser Typ des rücksichtslosen Geschäftemachers, der aus dem Blut der Gefallenen, den Tränen der Mütter, Witwen und Waisen, dem Ruin ganzer Völker schnödes Gold münzte, aber wäre nicht denk­bar ohne gewisse Regierungen, die ihn unter­stützten, um die durch Phrasen berauschtendemo­kratischen" Völker auf die Schlachtbank zu führen. Dieser Mann der Höchstfinanz ist undenkbar ohne die demokratischen Einrichtungen des Westens, die nur zur Folie für einige Wenige dienen, die die Massen beherrschen. Sie haben die Kapitalmacht; ihre Späher dringen in jedes Regierungszimmer, sie beherrschen eine gewisse Presse, die täglich gegen Deutschland hetzt, und wenn sich die Völker unter dem Zeichen des Frontkämpsertums vereinigen und auf friedliche Weise ihre Gegensätze schlichten wollen, schreien sie und ihre Pressebanditen über deutsche Fangnetze... Während die Times heute wieder in Gedenkartikeln versichert, lediglich um ,poor Bel= gium" zu retten, habe England die Weltkriegsbürde auf sich genommen, schrieb die gleicheTimes" am 15. März 1915, es geb noch Engländer, die glaub­ten, daß Deutschlands Bruch der belgischen Neutra­lität die Briten zum Kriege zwang.Sie überlegen nicht", fuhr das Blatt fort,daß unsere Ehre und unsere Interessen uns dazu bringen mußten, .uns Frankreich und Rußland anzuschließen, s e l b st wenn Deutschland gewissenhaft die Rechte feiner kleinen Nachbarn geachtet hätte und versucht haben würde, sich durch die östlichen Festungen Frankreichs einen Weg zu bahnen." Dieses Eingeständnis der nackten Wahrheit ist heute vergessen, aber das Mißtrauen gegen die Worte von Freiheit und Wohlfahrt der demokratischen Völker läßt sich nicht bannen, nachdem Zaharoff wenigstens vorsichtig ge­stäupt wurde und bei allem Verschweigen seiner Beziehungen zu den Regierungen doch' schließlich festgestellt wurde, daß Kriege unter dem Treiben der privaten Rüstungsindustrie möglich wurden.

Der britischeMann der Straße", der Durch­schnittsengländer, weiß im allgemeinen, ebenso wie jeder Amerikaner, daß die idealistischen Ziele, für die die Entente-Negierungen angeblich in den Krieg zo­gen, in Wirklichkeit nur Aushängeschilder für das nackte Profittnteresse der Rüstungsindustrie gewesen sind. Die Vereinigten Staaten haben den Welt­krieg mit 4 335 000 Mobilisierten geführt, davon sind nach amerikanischen Quellen 126 000 Mann gefallen, die Gesamtverluste werden auf 350 300 angegeben, also auf 8 v. H. der Gesamtmobilisierten. Das ist der niedrigste Satz aller am Kriege beteiligten Na­tionen. Dagegen gab Amerika nicht weniger als 4 2 Mi 11 ionen Do11ars für d i e Kosten