Ausgabe 
14.11.1936
 
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Kritik an Baldwin.

Das Rüstungsprogramm und die Opposition.

Die Verhaftungen in Moskau.

Herausforderung um jeden Preis.

in allen Lagern, auch im konservativen, Mißstim­mung und Opposition hervorgerufen.

DerDaily Telegraph" ergreift die Partei des Ministerpräsidenten. Aber schon dieMorning Post", das Organ rechtskonservativer Kreise, rückt von ihm ab.Daily Mail" sagt, Baldwins Pflicht sei es gewesen, sich über den Aufrüstungs- stand anderer Länder zu informieren. Einige führende konservative Abgeordnete sollen die sofortige Einsetzung eines Unterausschusses zur Prüfung der Verteidigungspläne der Negierung fordern wollen. Auch einige Minister sollen der Meinung sein, daß man dem allgemeinen Ruf nach Schaffung eines Munitionsmini st e- r i u m s nachgeben müsse.Daily Herold", als das führende Oppositionsblatt, verwirft die gesamte Regierungspolitik, sowohl die Außenpolitik wie auch die Rüstungsvolitik.Daily Expreß" hält die Offen­sive gegen Baldwin für ein Vorspiel zu noch schärferen Angriffen. Der linksliberaleNews Chronicle" nennt die Baldwin-Erklärung die größte Sensation im Westminster seit dem Rücktritt Hoares im vergangenen Dezember. Dem Ansehen Baldwins sei ein schwerer Schlag versetzt worden.

erhobenen diplomatischen Protest bewenden lassen, falls dieser keinen Erfolg haben sollte. Man wird bei dieser Gelegenheit zweifellos auch einmal die Frage der ständigen Kontrolle der ausländi­schen Missionen in Moskau durch Dutzende von GPU.-Spitzlern in Zivil aufwerfen, die vor den Botschaftsgebäuden jeden anhalten und ausfragen oder gar verhaften, der das Gebäude einer fremden Mission betreten will. Da die neuen Deutschen-Ver- haftungen sogar einzelne Botschaftsmitglieder selbst angehen insofern, als der Rechtsberater der Bot­schaft, ein Arzt und der evangelische Geistliche mit verhaftet sind, ergibt sich die weitere Frage, ob Deutschland nicht aus derartigen Eingriffen und Be­hinderungen die nächstliegenden Folgerungen ziehen sollte.

Moskau verschleudert Kunst­schatze aus Staatsbesitz.

Achtzehn Rembrandts heimlich ins Ausland verkauft.

Moskau, 13. Nov. (DNB.) In Moskau wurde am Freitag eine Ausstellung sämtlicher in Sowjetbesitz befindlicher Rembrandt-Gemälde eröffnet, die eine überraschende Tatsache zutage brachte. Während noch der amtlicheIntourist"- Bädecker von 1928 allein in der Leningrader Eremi­tage 42 Rembrandtbilder aufzählt, im Moskauer brandts verzeichnet und schließlich noch zwei Rem­brandt verzeichnet und schließlich noch zwei Rem­brandt-Gemälde in Kiew erwähnt werden, werden auf der gegenwärtigen Rembrandt-Ausstellung nur 29 Gemälde des Meisters gezeigt, obwohl ausdrücklich sogar in der Presse betont wurde, daß dies sämtliche Rembrandts in Sowjetbesitz seien! Die Ausstellung brachte also eine für ihre Veran­stalter sicherlich höchst unerwünschte Bestätigung schon längst aufgetauchter- Gerüchte, wonach seit 1 9 2 8 zahlreiche Kun st schätze aus den großen Sammlungen des zaristischen Rußland, dar­unter viele- Rembrandts, von der Sowjetregierung heimlich an ausländische Privatsamm­ler verkauft worden seien. Jedenfalls sind, wie die Ausstellung zeigt, von den 47 Rembrandts, die 1928 noch aufgefübrt wurden, nur noch 29 vorhanden! 18 Bilder sind demnach verschwun­den. Die heimliche Veräußerung derartiger uner­meßlich wertvoller nationaler und m Staatsbesitz befindlicher Kunstschätze nach dem Ausland dürfte in der Geschichte jedenfalls erstmalig sein.

hat im Unterhaus am Donnerstag erneut einen Vorstoß in dieser Richtung unternommen. Aber seine Person ist anscheinend das stärkste Hemmnis für das Zustandekommen dieses Plans. Bald­win hat es bisher stets rundweg abgelehnt, diesem unruhigen Geist einen Posten im Kabinett einzu- rclumen, auch bei der Einrichtung des Verteidiaungs- ministeriums, dem die Zusammenarbeit aller Zweige der Landesverteidigung besonders obliegt, hat man Churchill geflissentlich übergangen und den bis- herioen Generalstaatsanwalt Sir Thomas Inskip damit betraut. Solange Baldwin am Ruder bleibt, wird Churchill sich mit der Kritik an den Rüstungs­maßnahmen des Kabinetts begnügen müssen, aber er bleibt auch so ein steter Mahner, das äußerste zu tun, um namentlich die wirtschaftliche Mobil­machung des Landes durchgreifend zu organisieren. Daß diese bereits weit vorgeschritten ist, hat Bald­win im Unterhaus ausführlich dargelegt. Es ist alles das, was der Premier die Umstellung der Nation vom Frieden auf den Krieg genannt hat. Aber die wirtschaftlichen Maßnahmen beschränken sich nicht auf alle nur denkbaren Vorbereitungen für die Verteidigung des Jnselreichs gegen eine feind­liche Blockade. In England herrscht in besonderem Maße die Auffassung vor, ein fünfter Krieg werde vorwiegend ein Materialkrieg sein, der die Bereitstellung einer leistungsfähigen R ü - stungsindustrie erfordere. Man hat deshalb daran gedacht, über den gegenwärtigen Bedarf hinaus schon jetzt Werften, Munitions- und Waf- fenfabriken, Flugzeug- und Motorenwerke zu bauen und einzurichten, die erst im Kriegsfälle in Betrieb genommen werden sollen. Freilich stellt das eng­lische Aufrüstungsprogramm so hohe Anforderun­gen an die Rüstungsindustrie, daß für die Errich­tung solcherSchattenfabriken" vorerst wohl weder Zeit noch Geld vorhanden sein dürfte.

Die fieberhaften Anstrengungen, die England un­ternimmt, um seine so lange vernachlässigte Rüstung in denkbar schnellster Zeit auf den höchstmöglichen Stand zu bringen, beweist, wie ernst man in England auf Grund der Erfahrungen im Abessinienkonflikt die Sorge empfindet, inmitten einer hochgerüsteten Welt ohne eigene ausreichende Machtmittel in der in­ternationalen Politik künftig nicht mehr die aus­gleichende und vermittelnde Rolle spielen zu können, in der England seine traditionelle Aufgabe erblickt. Außenminister Eden hat im Unterhaus in diesem Sinne die Aufrüstung mit Englands Völkerbunds­verpflichtungen begründet und sie als beste und wirksamste Sicherung des Weltfriedens gepriesen. Der Premier Baldwin hat in seiner Rede auf dem Guidhall-Bankett sich weit weniger hoffnungs­voll ausgedrückt Er hat mehrmals von demWahn­sinn" der Aufrüstung gesprochen, in der er eine mögliche Kriegsursache insofern erblickt, als sie die Verbesserung des Lebensstandards des Volkes ver­hindere. Baldwin hat die Bereitwilligkeit Englands erklärt, sich um eine Rüstungsbeschränkung zu be­mühen und er hat auch am Donnerstag im Unter­haus wiederholt, daß England eine allgemeine Ver­einbarung über eine Rüstungsverminderung na­mentlich zur Luft anstrebe. Aber das Bild, das Baldwin von der weltpolitischen Lage entwarf, war düster genug, um die Aussichten auf eine solche Rüstungsvereinbarung nicht allzu rosig zu beurtei­len Er hat dabei, wie schon mehrfach in letzter Zeit, der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß künftige Kriege den Charakter mittelalterlicher ..Religions­kriege" annehmen könnten und von Weltanschau­ungen gesprochen, deren Vertreter bereit seien, die Durchsekunq ihrer Weltanschauung ..bis zum Tode zu erzwingen" D^s trifft tatsächlich nur, wie ja auch der britische Premier weiß, auf den Bol­schewismus zu. der eben erst durch seine rücksichts­lose und durch vielfältiges, stichhaltiges Beweis- material hinlänglich belegte Einmischung zugunsten der roten Anarchie in Spanien beweist, daß seine weltreoolution^re Machtgier vor keiner Staatsgrenze halt macht. Nationalsozialismus und Faschismus hohen aber sich stets dagegen verwahrt, daß ihre auf hie nationalen Bedürfnisse ihrer Völker zuge- schvittene Weltanschauung eine Exportware sei. 2r'' r wie sie andere Völker nach ihrer Fasson selig m--hen lassen wollen, so wallen sie allerdings auch nut allen Mitteln einem Vordringen des bolfche- wi'tischen Giftes nach Mittel- und Westeuropa einen Riegel vorichi»ben, weil sie aus allzu teuer erkauf­ten eigenen Erfahrungen genau wissen, daß ein bolschewistisch verseuchtes Europa eine Lebensgefahr für ihre eigenen Nationen bedeuten müßte.

Das Schlagwort von denReligionskriegen", denen England nach einem Wort Baldwins die Verteidigung derFreiheit des Geistes" entgegen­setzen müsse, wird vielfach ergänzt durch die Be­fürchtung, daß Europa in zwei feindliche Lager auseinander falle. Sowohl in den Besprechungen des polnischen Außenministers Beck in London, wie in französischen Ministerreden kam zum Aus­druck, daß man iede Blockbildung ablehnen müsse, wenn der Friede erhalten werden solle. Es w- d dabei zwar an die verhängnisvollen Folgen der Bündnissysteme erinnert, die zum Weltkrieg geführt haben, aber stets geflissentlich vergessen, daß es Frankreich gewesen ist, das schon in den ersten Jahren nach Versailles durch seine Militär­abkommen mit Polen und der Kleinen Entente und zehn Jahre später in noch weit bedrohlicherer Weise durch seinen Militärpakt mit der Sowjetunion auf die abschüssige Bahn der Vorkriegsbündnisse zurück­gelenkt hat. Deutschland und Italien haben dagegen mit aller Deutlichkeit bewiesen, daß ihre Bemühungen ausschließlich darauf hinauslaufen, in zweiseitigen Abmachungen den Konfliktsstoff zwi­schen den Völkern auszuräumen und die Balls für eine politische, kulturelle und wirtschaftliche Zusam­menarbeit zu finden, die den Interessen aller be­teiligten Nationen gerecht wird. Das kann in der Debatte über ein künftiges System zur Sicherung d"a Friedens nicht aut länger überleben w^den. will man sich nicht dem Vorwurf der Böswilligkeit und Voreingenommenheit aussetzen.

Die vertikale Achse Berlin-Nom, von der Musso­lini in seiner Mailänder Rede gesprochen hat, ist ein wesentliches Element dieser auf Stabilisierung des Friedens gerichteten Politik, die mit Blockbil­dung nichts zu tun hat. Das ist auch auf der soeben abgeschlossenen Wiener Konferenz der drei Mächte der römischen Protokolle deutlich zum Aus­druck gekommen. Daß es für alle diese Nationen fein Paktieren mit dem Bolschewismus geben kann, liegt auf der Hand. In Berlin und Rom, wie in Wien und Budapest sind die Erinnerungen an die innerpolitische Zersetzungspolitik des Kommunismus noch zu wach, um das geringste Bedürfnis zu ver­spüren, seinem außenpolitischen Exponenten, der Sowjetunion, seine weltrevolutionäre, auf die Zer­störung der gesamteuropäischen Kultur und Wirt­schaft gerichtete Tätigkeit irgendwie zu erleichtern. Damit muß man sich in Paris und London ab­finden, mag nun endlich der viel besprochene West- pakt zur Verhandlung kommen oder eine englisch­italienische Verständigung über die beiderseitigen

London, 14. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die Oppositionsgruppen verschiedener Richtung haben plötzlich wie auf Verabredung einen Angriff gegen das Kabinett und gegen den Premierminister Bald­win persönlich unternommen. Zwei Stellen aus Baldwins jüngster Unterhaus-Erklä­rung haben ihn diesem Angriff ausgesetzt. Auf den Vorwurf, daß die englische Aufrüstung verhältnismäßig spät eingesetzt habe, hatte Baldwin erwidert, er selbst sei schon früher von der Notwendigkeit der Rüstungen überzeugt gewesen. Aus Wahlrücksichten habe er diese Frage aber zurück st eilen müssen, da damals noch ein völkerbundsgläubiger Wind in England wehte und Abrüstung höher rm Kurse stand als Aufrüstung. Die Opposition möchte ihn deshalb der Unaufrichtigkeit zeihen. Sie stellt sich ferner auf den Standpunkt, daß diese Nachgiebigkeit gegen­über Rücksichten zweiten Ranges auf einen Mangel an Führereigenschaften schließen lasse. Der Labour- 21bgeordnete Greenwood hat hei einer Rede in Preston sich dazu hinreißen lassen, vonBetrug" zu sprechen. Ferner hat Baldwin im Unterhaus be­merkt, daß Demokratien etwas hinter den Diktaturen herzuhinken pflegen. Das hat

Die sowjetrussisische Politik hat zur Zeit die unan­genehme Aufgabe, zwei eklatante Belastungen vor der Außenwelt möglichst zu verschleiern und von ihnen im eigenen Bereich der Sowjets möglichst ab­zulenken. Die ununterbrochene Kette von politischen und militärischen Niederlagen in Spanien, zu denen sich die ständigen Anprangerungen der Sowjetpolitik durch Italien und Deutschland im Nichteinmischungsausschuß gesellen, ferner die an­dauernden inneren Unruhen, die sogar Sta­lin zwangen, sich am russischen Revolutionstag bei der großen offiziellen Feier in Moskau von nicht weniger als 20 000 GPU. beschützen zu lassen, und schließlich die diplomatischen Versager der Litwinow- Politik, für die ihr Träger spaßeshalber jetzt mit dem Lenin-Orden ausgezeichnet wurde (!), all dies führt zu dem alten Moskauer Ablenkungstrick, zu Ma f s enverhaftungen von Auslän­dern. Ziel ist, wie immer in solchen Fällen, ein Schauprozeß mit den dazugehörigen außenpolitischen Stützungsmanövern. Der berüchtigte Moskauer Generalstaatsanwalt" Wyschinski, Nachfolger Kry- lenkos, soll wieder Arbeit bekommen.

Die Reichsregierung hat bereits durch ihren of­fiziellen Protest gegen die Verhaftung von Reichs­deutschen in Moskau gezeigt, daß sie die von den Sowjets selbst verschuldeten Belastungen ihrer Außen- und Innenpolitik auf keinen Fall als einen Grund zu völlig unsachlichen Verfolgungen von Reichsdeutschen oder zu Beeinträchtigungen der Tä­tigkeit der deutschen Botschaft oder zu Verletzungen des Niederlassungsrechtes ansehen kann und daß sie entschlossen ist, die Reichsangehörigen in Ruß­land genau so zu schützen wie die eigene diploma­tische Vertretuna in Moskau. Ist schon die bolsche­wistische Kriegführung in Spanien eine unerhörte Herausforderung an die gesamte Kulturwelt, so ist die Verhaftung von sechs Reichsdeutschen, denen nicht das geringste vorgeworfen werden kann, eine umso größere wohl beabsichtigte Unverschämtheit, als Deutschland s e I b ft die diplomatischen For­men gegenüber Sowjetrußland ftets auf das Korrekteste gewahrt hat. Daß in der Ber­liner sowjetrussischen' Botschaft sowie in der Han­delsvertretung durchaus nicht etwa nur diplomati­sche oder wirtschaftliche Angelegenheiten bearbeitet werden, weiß jedes Kind. Wenn Deuschland die Moskauer Methoden auch nur mit einem Bruchteil der bolschewistischen Gewissenlosigkeit nachahmen wollte, dann würden von den in Deutschland leben­den Sowjetrussen einschließlich ihrer diplomatischen Betretung wohl nicht viele in Freiheit bleiben.

Deutschland wird es keinesfalls bei dem vorläufig

Interessen im Mittelmeer sich anbahnen oder schließ­lich im Londoner Nichteinmischungsausschuß das wenig erbauliche Spiel um die Vertuschung des bolschewistischen Eingreifens in Spanien weiter­gehen. Weil man es in Paris und London zu be­quem oder zweckmäßig hält, die Augen vor der bol­schewistischen Gefahr zu schließen, werden weder Deutschland noch Italien auch um einen Schritt von ihrem Wege abweichen. F. W. L.

Frankreichs Außenpolitik.

Delbos betont das Einverständnis mit England.

Paris, 14. Nov. (DNB.) Der Senatsausschuß für Auswärtige Angelegenheiten hörte vier Stun­den lang Außenminister Delbos anhand eines Fragebogens zur außenpolitischen Lage. Delbos gab Aufschluß über den Meinungsaustausch der fünf an einem Westpakt interessierten Mächte. Die französische Regierung halte daran fest, daß der westeuropäischen eine allgemeine europä­ische Regelung folgen müßte. Zu den Vor­gängen in Spanien teilte der Minister mit, daß der Londoner Nichteinmischungsausschuß bereits eine Reihe gemeinsamer praktischer Maßnahmen für die wirksame Kontrolle von Kriegsmaterial­lieferungen ausarbeite. Die französische Regierung habe bisher das Nichteinmischungsabkommen e i n- gehalten und werde dies auch weiter tun. Zur mitteleuropäischen Frage führte der Außenminister aus, daß Frankreich zu Polen und der Kleinen Entente freundschaftliche Beziehun­gen politischer und wirtschaftlicher Art unterhalte, die sich vertieften. Ausgiebig wurde über den französisch-sowjetrussischen Pakt ge­sprochen. Delbos tratim Interesse des Friedens und der Achtung der Verträge" (!!) für seine Beibehaltung ein. Zum Schluß wies der Außenminister auf diegemeinsame Hal- tung" Englands und Frankreichs hin, die auch in der Unterhausrede Edens zum Aus­druck gekommen fei. Präsident Roosevelt lasse sich von den gleichendemokratischen Gefühlen" leiten wie die französische Republik und das eng­lische Weltreich. Nach wie vor werde es das Be­streben der französischen Regierung sein, zu ver­hindern, daß irgendwelcheaus der Wüste ge­borene Kreuzzüge" in einen allgemeinen Krieg ausarteten.

Die Kontrolle der Manischen ENuhMen. Ausdehnung auf die Flugplätze?

London, 13. Nov. (DNB.) Der Internationale Ueberwachungsausschuß hat in seiner letzten Sitzung einen Plan gebilligt, der im Interesse einer wirk­sameren Durchführung des Nichteinmischungspaktes die Organisierung einer Kontrolle an den spanischen Einfuhrplätzen vorsieht. In der hierüber ausgegebenen Verlautbarung hieß es, daß lediglich noch zwei Fragen einer Aufklärung durch Sachverständige bedürfen. Die eine bezieht sich auf die Möglichkeit einer Aus­dehnung der Kontrolle auf die spanischen Luft- Häfen. Zur Prüfung dieser Angelegenheit traten im Foreign Office d i e Luftfahrtattachäs derjenigen Länder zusammen, die Mitglieder des Unterausschusses sind. Die zweite Frage bezieht sich auf die Bezahlung der Mitglieder der geplanten Kontrollausschüsse. Die Kontrollausschüsse sollen auf spanischem Boden an denjenigen Ein­fuhrstellen eingesetzt werden, wo der Verdacht einer Umgehung des Waffeneinfuhrverbotes besteht. Be- stimmend für das Vorgehen der Kontrollausschüsse werden sowohl die eigene Initiative, als auch von London aus erteilte Anweisungen hinsichtlich be­stimmter Fälle sein. Die Mitglieder der Kontroll­ausschüsse sollen nicht die diplomatische Immunität zugesprochen erhalten, da dies mit einer Anerken­nung der Regierung des Generals Franco gleich­bedeutend fein würde.

Oie Montana-Kaserne in Madrid mit Bomben belegt.

A n der Front vor Madrid, 14. Nov. (DNB.) Am Freitagnachmittag überflogen natio­nalistische Flugzeuge in beträchtlicher Höhe die Stellungen der Roten vor der Segovia- Brücke und belegten sie mit zahlreichen Bomben. Darauf schlugen sie die Richtung nach der Haupt­stadt ein und warfen schwere Bomben auf d i e Madrider Montana-Kaserne. Die Ka­serne selbst sowie das umliegende Stadtviertel waren minutenlang in eine schwarzgraue Wolke gehüllt. Auf dem Rückflug gerieten die nationa­listischen Flugzeuge in einen erbitterten Kampf mit acht roten Kampfflugzeugen, von denen eines a b - geschossen wurde. Die Gesamtlage an der Madrider Front war am Freitagabend wenig

verändert. Die nationalen Truppen frnnteit ihre Linien abschnittsweise verbessern und heftige Angriffe der Roten, besonders auf den beiden Flü­geln, mühelos zurückfchlagen. Die rote Artillerie entwickelte am Freitag lebhafte Tätigkeit.

Spanisches Gold"... aas Kupfer

Einem Schwindler aufgesessen.

P a r i s , 14. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die Gold- oerfäufe der roten spanischenRegierung" an das Ausland hat sich ein Schwindler zunutze ge­macht. In einem Pariser Kaffeehaus trat er unter der Maske eines Attaches der spanischen Botschaft in Paris, namens Graf Voli, mit einem fran­zösischen Kaufman in Verbindung, dem er erklärte, er habe den Auftrag, 30 Kilo Gold gegen französische und andere ausländische Banknoten zu verkaufen. Das Geschäft müsse aber geheim abgewickelt werden, da die spanische Botschaft amtlich nicht in Erscheinung tre­ten wolle. Der Kaufmann, der sich auf unerlaubte Weise das im Handel sonst überhaupt nicht erhält­liche Gold zu einem Vorzugspreis verschaffen wollte, war mit dem Vorschlag des angeblichen spanischen Attaches einverstanden. Er besorgte sich die verein­barte Kaufsumme, während der Schwindler mit einer Kraftdroschke dasGold" herbeischaffte. In der Kraftdroschke wurde dann auch dasGold", 7 Barren von etwa 30 Kilo, dem Kaufmann über­geben, der dafür 300 000 Franken in französischen Banknoten, einen Scheck über 200 000 Franken so­wie ausländische Banknoten im Werte von 40000 Franken dem Schwindler aushändigte. Käufer und Verkäufer trennten sich dann. Eine große lieber» raschung mußte nun der Kaufmann erleben, als er das angebliche Gold einem Edelmetallhändler weiter verkaufen wollte. Der Sachverständige stellte fest, daß die Barren zum allergrößten Teil aus Kupfer bestanden. Der französische Kaufmann hat nun Klage eingereicht, aber die spa­nische Botschaft in Paris erklärt, daß sie den an­geblichen Attache, Graf Voli, überhaupt nicht kenne.

Sühne für den Flaggenfrevel in Donria.

Danzig, 13. Nov. (DNB.) Der Zwischenfall in der Danziger Sporthalle in der Nacht zum 11. November anläßlich der Feier des polnischen Nationalfeiertages, wo vier Personen, wie berich­tet, die Symbole und Hoheitszeichen des Deutschen Reiches und der national­sozialistischen Bewegung zerrissen und be­schmutzt hatten, hat bereits am Freitag seine Sühne gefunden. Der Schnellrichter verurteilte wegen Sachbeschädigung in Tateinheit mit Ver­gehen aus § 130, Abs. d, den Angeklagten Hei- rnowsky zu einer Gefängnis st rafe von sechs Monaten und den Angeklagten Kurowski zu einer Gefängnis st rafe von neun M o - n a t e n. Don den Angeklagten, die sich beide zur polnischen Minderheit bekennen, war Heirnowsky geständig, während Kurowski seine Tat bestritt, aber in der Beweisaufnahme überführt werden konnte. Der dritte Täter wurde außer Verfolgung gesetzt, da die Beweismittel nicht ausreichten, mäh­re nb der vierte Beteiligte noch nicht ermittelt wer­den konnte. Der Vorsitzende führte in der Urteils­begründung u. a. aus, daß die Tat der Angeklag­ten auf die wochenlange Hetze polni­scher Zeitungen zurückzuführen sei. Die Angeklagten seien Opfer dieser Verhetzung gewor­den.

Auf Anordnung des Danziger Polizeipräsidenten wurde die polnische ZeitungDziennik Bvd- g o s k i" vom 12. November 1936 wegen unmatr-'r Berichterstattung über einen angeblichen Uebcrlall auf einen Polen in Luvushorst bei Neuteich be­schlagnahmt. Das Verbot der Verbreitung der in Lodz herausgegebenenVolkszeitung" ist auf die Dauer von sechs Monaten beschränkt worden.

gnverstän^l'ckes £frfei( eines pofnifdcn ^er'chis.

Katto witz, 13. Nov. (DNB.) Am letzten Reichswak^ltage im März dieses Jahres be­fanden sich zahlreiche Reichsdeutsche aus dem Kreise Rybnik in Deutsch-Oberschlesien, um ihrer Wahlpflicht zu genügen. Während der Heimfahrt auf einem Leiterwagen wurden die Reichsdeutschen in den Abendstunden im Dorfe Kor- nowatz von Mitgliedern des polnischen Verbandes der Aufständischen über­fallen, mit Steinen beworfen und mit Reitpeit­schen, Gummiknüppeln und Zaunlatten mißhandelt. Mehr-re rnußt-n ärztliche Hilfe in Anspruch neh­men. Mehrere Aufständische waren von den Reichs­deutschen erkannt worden. Gegen sie wurde A n zeige erstattet. Der Staatsanwalt lehnte jedoch eine Strafverfolgung ab, da einöffentliches Inter­esse nicht vorliege". Merkwürdigerweise wurden aber elf Reichsdeutsche im Verwaltungsstreitver­fahren z u Haft- und Geldstrafen verur­teilt, weil sie angeblich die Aufständischenpro­voziert" hätten. Gegen diese Strafen legten die Reichsdeutschen Berufung ein. Vor dem Be^ks- aericht in Rybmk wurde der Vorwurf, die Aufstän­dischen durch das Singen von volenfeindlichen Lie­dern und durch ...Heil Hitler"-Rufe her^usgefordert zu haben, von sämtlichen Arweklcwten ühereinftim- menh zurückgewiesen. Die Aufständischen blieben bei der Behauvtuna. daß sie sichprovoziert" gefühlt hätten. Ihre Aussage, die Reichsdeutschen hätten polenfeindliche Lieder gesungen, machten sie nur sehr unbestimmt und zögernd. Trotzdem kam das Gericht zu einer Verurteilung der Reichsdeutschen auf je 50 Zloty Geldstrafe.

Oeaen

in den Wiener Kaffeehäusern.

Wien, 13. Nov. (DNB.) Im Bundestag be­mängelte der Berichterstatter über den Haushalts­postenKunst" die Ueberfrembung im österreichischen Kunstleben. Es sei ein­fach untragbar, daß sich unter 33 Ausländern, für die seit Ende Oktober eine Arbeitsbewilligung nach­gesucht worden sei, 25 Schwarze befänden. Im steigenden Maße versuchten die Wiener Konzert- lokalbesitzcr, Negerkapellen anzustellen. Da» widerspreche dem christlich-deutschen Grundcharakter des österreichischen Staates. Unioersitätsprofessor Dr. Arzt bedauerte, daß ein weiterer Abbau von Lehrstühlen an den österreichischen Hoch­schulen durchgeführt worden sei. Noch im Jahre 1926 sei in Wien die Geschichte durch sieben Ordi­nariate vertreten gewesen, während jetzt die Zahl auf vier gesunken sei. Das Abkommen vom