Ausgabe 
14.7.1936
 
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Frankreich befürchte, sich einer d e u t s ch - italie­nischen Front gegenüberzusehen, und, wenn England unentschieden und Belgien neutral bleibe, in eine Minderheitsstellung ver­setzt zu werden.

Wünsche und Befürchtungen in Paris.

Paris, 14. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die Pa­riser Presse hat sich bereits wieder etwas von dem deutsch-österreichischen Abkommen abgewandt, um sich jetzt eingehend mit der Frage der Konferenz der Locarno möchte zu beschäftigen, die in­folge der italienischen Antwort auf die Einladung des belgischen Ministerpräsidenten in Frage ge- st e l l t scheint. Die hiesigen Blätter sind jedenfalls ziemlich beunruhigt, um so mehr, als der Londoner Kabinettsrat vom Montag keine endgül­tige Klarheit geschaffen hat.

Französifcherseits legt man den größten Wert auf die Abhaltung der Konferenz, auch ohne die Beteiligung Italiens und Deutsch- l a n d s, da man bei dieser Gelegenheit ver­suchen möchte, die Frage der General- stabsbesprechungen zwischen Frankreich, Belgien und Großbritannien aufzuwerfen und zufähliche S i ch e r h e l t s g a r a n t i e n von Großbritannien zu erreichen.

Wie sich die französische Regierung endgültig zu der etwas veränderten Laae verhalten wird, dürfte voraussichtlich in den nächsten Tagen bekannt wer­den, da Außenminister D e l b o s nach kurzer Ab­wesenheit erst am Dienstag wieder in die fran­zösische Hauptstadt zurückkehrt.

Die hiesigen Blätter haben allgemein den Ein­druck, als ob man in London nicht sehr von der Abhaltung der Konferenz unter den gegenwärtigen Umständen b e g e i st e r t fei. Großbritannien, so schreibt die außenpolitische Mitarbeiterin des Oeuvre", kehre zu seiner überlieserungsmäßigen Politik des Abwartens zurück. Das Ziel, das die Londoner Regierung verfolgte, fei mehr denn je der Abschluß eines westeuropäischen Sicherheits­paktes.

Was die Hinzuziehung Deutschlands zu den Be­sprechungen angehe, so habe die französische Regierung sich zwar grundsätzlich mit der briti­schen Haltung einverstanden erklärt, aber dar­auf hingewiesen, daß die Einladung an Italien und Deutschland er st im Anschluß an eine vorherige Fühlungnahme der anderen drei Locarnomächte erfolgen dürfe. 3n diesem Punkte bestünden zwischen Paris und Lon­don Meinungsverschiedenheiten.

DerM a t i n" ist der Ansicht, daß die Brüsseler Konferenz, wenn sie überhaupt stattfindet, wahr­scheinlich einen sehr viel breiteren Rahmen anneh­men werde, als ursprünglich beabsichtigt gewesen sei. Großbritannien werde jedenfalls nichts unversucht lassen, um Deutschland an den Verhandlungstisch zu bringen.

Denn man jedoch die mutmaßliche Absicht Mussolinis berücksichtige, einen Pakt zustandezu- bringen, dem außer Frankreich, Deutsch­land, Großbritannien und Italien auch Polen angehören solle, so erkläre sich die außerordentlich heikle Lage, in die die französische Regierung infolge der Verträge komme, die sie mit Sowjetruh- tand und der kleinen Entente ver­binde. Wenn aber Bl o s k a u aus diesem Pakt ausgeschaltet werde, so werde die franzö­sische Regierung wohl oder übel gezwungen werden, sich zu entschließen, vor allem, wenn von den übrigen Dächten ein Druck auf sie ausgeübt werde, einem solchen Sicherheitssystem beizutreten.

Don Stresa sei jedenfalls fast nichts übrig geblieben, denn das deutsch-österreichische Abkom­men regele für geraume Zeit die Donaufragen.

Belgiens Ausgabe vorläufig beendet.

Brüssel, 13. Juli. (DNB.) In Brüsseler po­litischen Kreisen betrachtet man auf Grund der ita­lienischen Antwort die Aufgabe des belgischen Mi­nisterpräsidenten van Z e e l a n d , der in den Be­sprechungen zwischen den Vertretern Frankreichs, Englands und Belgiens den Auftrag erhalten hatte, eine Konferenz der sogenannten Restlocar- n o m ä ch t e vorzubereiten, vorläufig als been­det. Die in der italienischen Antwort aufgewor­fene Frage muß nunmehr nach belgischer Auffassung Gegenstand eines Meinungsaustausches auf diplomatischem Wege zwischen Lon­don, Paris und Brüssel sein. Dieser diplomatische Meinungsaustausch dürfte sich in erster Linie zwi­schen Paris und London abspielen. Die b e l g i s ck e Regierung nimmt mehr eine abwartende Haltung ein. Eine neue Initiative des belgischen Ministerpräsidenten scheint im Augenblick nicht in Aussicht genommen zu sein.

Kunst und Wissenschaft.

Eine deutsche Indien-Expedition kehrt heim.

Dieser Tage hat die deutsche Indien-Ex­pedition Paul hartlmaier, die im Der» aangenen Herbst die Ausreise antrat, wieder deut­schen Boden betreten. Nach dem bisher ausgewerte­ten Material dieser bedeutenden Lichtbild-Expedition nach Indien stellt sie für die deutsche Forschung einen beachtenswerten Erfolg dar. In monatelanger Fahrt durchstreifte die Wagenkolonne die weiten fumpfigen Niederungen der nordindischen Dschungel. Eines der denkwürdigsten Ereignisse bildete das Zusammentreffen mit der englischen Himalaya- Expedition in Darjeeling, wo hartlmaier außerdem Gelegenheit hatte, einem tapferen tibe­tanischen Bergführer der deutschen Nanga-Parbat- Expedition die diesem verliehene Auszeichnung zu überreichen. Rauschende Eingeborenenfeste wurden miterlebt und zur Vorführung in der Heimat in Bild und Film festgehalten.

<- Weltsendung Bayreuth am Vorabend der Olympischen Spiele.

Der deutsche Rundfunk wird auch in diesem Jahre eine Bayreuther Festspielaufführung für Deutschland und die Welt übertragen: die Er­öffnungsveranstaltungLohengrin" am 19. Juli. In der ersten Pause spricht Alfred Lorenz über das ThemaVom Schwanenritter der Sage zum Lohengrin Wagners", in der zweiten Friedrich W ü r z b a chZum Kampf der Wagen und Ge­sänge, Gedanken um Olympia und Bayreuth".

Das Echo -es deutsch-österreichischen Abkommens.

Die ehrliche Friedensarbeit Deutschlands und Oesterreichs findet die Anerkennung aller gutgesinnten Menschen.

Wien, Rom und Budapest.

Wien, 14. Juli. (DNB.) Der neue Staatssekre­tär für Aeußeres Schmidt hat an den italieni­schen Außenminister (Ei a n o folgendes Telegramm gerichtet:

.Im Augenblick, da ich unter der Führung Bun­deskanzlers Dr. S ch u f ch n i g g als Staatssekre­tär die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten übernehme, liegt es mir am Herzen, Ew. Exzellenz meine herzlichen Grüße zu entbieten und Sie zu versichern, daß ich mich auf die Zusammen­arbeit mit Ew. Exzellenz im Geiste der Römi­schen Protokolle aufrichtig freue und daß ich mir die Pflege und die Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen zu Italien besonders angelegen sein lassen werde."

Zu gleicher Zeit ging an den ungarischen Außen­minister Kanya folgende Begrüßungsdepesche ab:

Den Anlaß zur Uebernahme der Leitung der Auswärtigen Angelegenheiten, die Bundeskanzler Dr. Schuschnigg mir unter seiner Führung übertragen hat, ergreife ich, um Ew. Exzellenz zu versichern, daß ich ernstlich bestrebt sein werde, die herzlichen und freundnachbarlichen Beziehungen zu Ungarn sorgfältig zu pfle­gen und weiter im Sinne der Römer Protokolle auszubauen, hiermit verbinde ich meine auf­richtigsten und ergebensten Grüße."

Glückbringendes Vorzeichen für Olympia."

Zwischen dem Präsidenten des O e st er re ich i- schen Olympischen Komitees, Dr. Theo­dor Schmidt, und dem Präsidenten des Orga­nisations-Komitees für die 11. Olym­pischen Spiele fand anläßlich des Abschlusses des deutsch-österreichischen Abkommens ein Tele­grammwechsel statt:

Präsident Exzellenz L e w a l d, Berlin.

Gedenke Eurer Exzellenz heute nach Abschluß des deutsch-österreichischen Abkommens in aufrichtiger olympischer Verbundenheit und bin sicher, daß Teil­nahme Oesterreichs an den Olympischen Spielen das begonnene Werk erfolgreich fortsetzen wird.

Dr. Theodor S ch m i o t, Präsident Austrolymp." *

Dr. Schmidt, Austrolymp, Wien.

In gemeinsamer Freude über Freundschastsab- kommen Oesterreich-Deutschland als glückbringendes Vorzeichen für Olympische Spiele sendet Ihnen herzliche kollegiale Grüße. L e w a l d."

Dem europäischen Frieden ein großer Dienst."

Brüssel, 13. Juli. (DNB.) Das Uebereinfom- men zwischen Deutschland und Oesterreich hat in Belgien einen tiefen Eindruck gemacht. In politischen Kreisen gibt man seiner Befriedi­gung Ausdruck, daß durch die Beseitigung der Spannungen zwischen den beiden Ländern, mit denen Belgien freundschaftliche Beziehungen unterhalte, auch dem europäischen Frieden ein gro­ßer D i e n ft erwiesen worden sei. Im Vordergrund steht jetzt, so betont man hier, die Frage, wie sich die mit dem Abkommen zum Ausdruck gelangende An­näherung zwischen Rom und Berlin auf die diplo­matische Lage in Europa auswirken werde.

ZrantteichmchisGleichVerliges'

Paris, 13. Juli. (DNB.) Das deutsch-österreichi­sche Abkommen steht nach wie vor im Vordergrund des öffentlichen Interesses und wird von den Außen­politikern der großen Blätter auch am Montag noch sehr ausführlich besprochen. Der Grundton der Blät­ter geht dahin, daß man nunmehr vor einem Mit­teleuropa stehe, dem Frankreich nichts Gleichwertigesentgegenzu st eilen habe. So einfach, daß alle zufrieden fein müßten."

London, 13. Juli. (DNB.) Auch die englische Abendpresse nimmt in ausführlichen Leitartikeln zum deutsch-österreichischen Abkommen Stellung. DieE v e n i n g News" schreibt, das Abkommen sei so einfach, daß es alle zufried en st ellen müsse mit Ausnahme der internationalen Unruhestifter. Oesterreich werde aus der Ver­einbarung finanziellen Nutzen ziehen und gleich­zeitig von einer Sorge befreit werden, die Dr. Schuschnigg ziemlich zu schaffen gemacht habe. Der Vorteil, den Deutschland aus der Abmachung er­halte, sei mittelbar, darum aber nicht weniger wesentlich. Der große Vorteil für Deutschland be­stehe darin, daß Hitler durch die Wiederherstellung guter Beziehungen zu Oesterreich den Weg für eine Verständigung und Zusammenarbeit mit Italien freimache. Den schreienden Pazifisten in England scheine aber diese Tatsache nicht zu behagen.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen stellt sich der Arttkel auf den Standpunkt, daß in West­europa der Friede nur dann hergestellt werden könne, wenn Sowjetrußland beiseite bliebe.

Vereitelte Spekulationen."

Rom, 13. Juli. (DNB.) Der gewaltige Eindruck der deutsch-österreichischen Verständigung in ganz Europa und ihre entscheidende Bedeutung für die Befriedung Europas spiegeln sich auch in der römi­schen Mittagspresse lebhaft wieder. In ihren Leit­artikeln wird übereinstimmend betont, daß diese politische Tat außerhalb Genfs und ohne Einmischung der zahllosen unrechtmäßigen Vormünder Mitteleuropas im Geiste wahrer politischer Zusammenarbeit erfolgt ist. Größte Beachtung schenkt man dem Telegramm­wechsel Hitler-Schuschnigg, Mussolini- Schuschnigg und Gombös-Schuschnigg.

Teuere weist daruf hin, daß der deutsch- österreichische Gegensatz in einigen Haupt-

Die Erweiterung der österreichischen Regierung.

Das österreichische Kabinett wurde durch die Ernennung des Kabinettschefs im Bundeskanzleramt Guido Schmidt (links) zum Staatssekretär und des Präsidenten des Kriegsarchivs Staatsrat G l a i f e Horstenau (rechts) zum Minister ohne Portefeuille erweitert. (Scherl-Bilderdienst-M.)

ftäbten immer wieder für uneingestandene Ziele mißbraucht und geradezu als eine politische Erschei­nung von dauerndem Bestand betrachtet wurde. Diese Spekulation habe jetzt ein Ende ge­funden.

AuchP i c c o l o" spricht davon, daß es jetzt mit der Spekulation zu Ende sei, die österreichische Frage für alle möglichen politischen Manöver wie einen Rolladen auf- und zuzuschlagen. Ebenso ge­scheitert seien abex auch die Versuche, Italien zu vereinsamen.

Churchills Schwiegersohn urteilt.

London, 14. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der konservative Unterhaus-Abgeordnete Duncan Sam-

d y s, ein Schwiegersohn Churchills, begrüßt in einer Zuschrift an dieTimes" das deutsch- österreichische Abkommen, das auf dem Wege der Versöhnung einen gefürchteten Gefahren­punkt von der Karte Europas entfernt habe. Wenn Deutschland durch feinen staatsmännischen Akt zu einer engeren Zusammenarbeit mit Ita« lien komme, so sei das nur die wohlver­diente Belohnung für den Beitrag, den es für die mitteleuropäische Stabilität ge­leistet habe. Jeder Schritt, der das Vertrauen in Europa erweitere, verdiene ein uneingeschränktes Willkommen.

Dr. Goebbels verliest den Freundschasts- vertrag mit Oesterreich.

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Reichsminister Dr. Goebbels gab über alle deutschen Sender im Auftrage der Reichsregierung das Freundschaftsabkommen zwischen Deutschland und Oesterreich bekannt, das einen historischen Markstein auf dem Wege zum Frieden Europas bedeutet. (Presse-Illustration-Hoffmann-M.)

Das volksgemeinschastliche Ideal in Deutschland.

Oer Hauptamtsleiter des Winterhilfswerks spricht in London auf dem Internationalen Kongreß für soziale Arbeit.

London, 13, Juli. (DNB.) lieber das Thema Die Volksgemeinschaft als Ausgangspunkt und Ziel im heutigen Deutschland" sprach am Montag der Hauptamtsleiter Erich H i l g e n f e l d t auf dem in London tagenden 3. Internationalen Kongreß für soziale Arbeit. Nach einem Hinweis darauf, daß diese Konferenz die Ge­meinschaft in den Mittelpunkt ihrer Betrach­tungen gestellt habe, führte der Reichsbeauftragte für das 'Winterhilfswerk u. a. folgendes aus:

Die neueste Entwicklung in Deutschland zeigt die Tendenz, unbeschadet der kleineren Gemein­schaften wie Familie, Dorf, Stadt das in einem nationalen Staat erfaßte Volk zur Besin­nung auf seine völkische und damit schicksalsmäßig entscheidende Zusammengehörigkeit zu bringen und ihm bewußt werden zu lassen, daß nicht der bloße Zweck, sondern die im Blut und Boden begründete Nation das Unterpfand für die gedeihliche Entwick­lung eines jeden Volksgenossen ist.

Die Gemeinschaft des Volkes ist Ausgangspunkt und Ziel für die Wiederbelebung oder Schaf­fung jedes Gemeinschaftsgefühls auch innerhalb der örtlichen Gemeinschaft. Das starke Erwachen dieses Gefühls innerhalb der Volksgemeinschaft, wie es in der Gegenwart in Deutschland sicht­lich erlebt wird, ist dafür der beste Beweis. Bei dem Ringen des Nationalsozialismus um die Volksseele, deren Besitz notwendige Voraus­setzung für die Gewinnung einer Volksgemein­schaft ist, galt es folgende Begriffe in ihrer

wahren Bedeutung freizulegen: den Begriff der Freiheit, der Verantwortung und des Dienens.

Wohl ist es möglich und ein verhältnismäßig leichtes Beginnen, durch Zwang Menschen zusam­menzuschließen. Dann ist es eine Organisation, aber keine Gemeinschaft. Dann ist in ihr auch nicht das Lebendige, was die Gemeinschaft kennzeichnet: die auf freiwilligem Entschluß beruhende Einordnung und Unterordnung des ein­zelnen in die Gefolgschaft, die freie Anerken­nung des Führers und das unbedingte Zusammengehörigkeitsgefühl zu dieser Einheit.

Ls gibt keine höhere Freiheit als die der Ra­tion, und die Freiheit des einzelnen hat sich derjenigen der Ration unterzuordnen. So er­wächst auf dem Boden des einschränkenden Gesetzes in der Bindung des Elnzelmenschen an das Volk das kostbare Gut der inneren und äußeren Freiheit.

Damit eng verbunden ist der andere Begriff, der Begriff der Verantwortung. Jeder hat sich bei seinem Tun die Frage vorzulegen: nutze ich damit meinem Volk, biene ich damit der Gemein­schaft ober hanbele ich ihrem Wohl zuwider.

Die Freiheit in der Gemeinschaft, die Verant­wortung für die Gemeinschaft, weist den Weg zum Dienst an ber Gemeinschaft. Wenn ber Preußen­könig Friedrich der Große seinerzeit ein Vorbild treuester Pflichterfüllung gab, als er fein Handeln