Sreitag, (3. November 1936
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 267 Zweites Blatt
Die größte Brücke der Welt
Reis,
wissen?", fragt der alte Jäger. „Nichts einfacher als
das: Ist es ein Hase, so läuft er; ist es eine Häsin,
zur
kleine Laqdqeschichien
Im fängt Man Licht,
Der pferdeschwets
Son W. N Ttiofte.
Dr. Saiki hat nun das Ziel, Einheitsmahlzei- ten in ganz Japan durchzusetzen. Er ist der Ansicht, daß der Japaner für seine drei täglichen Mahlzeiten zusammen nicht mehr als ungefähr 17 Sen braucht, und daß trotz des niedrigen Preises, alle für den Körper wichtigen Bestandteile in seiner Nahrung enthalten sein können. Er meinst auch, daß die' nächste Generation größer und den westlichen Völkern ähnlicher wird, wenn sie seinen, -nstatt zu 100 d. H. nur zu 70 v. H. polierten Reis
schnittlich sechs Sen zusammengestellt, die alle die gleichen Nährwerte enthalten.
Dr. Saiki hat es in seinem großen Ernährungsplan schon soweit gebracht, daß er einen großen Teil der Hausfrauen Tokios für feine Sechs- Sen-Mahlzeiten gewonnen hat. „Die Hausfrauen find meine besten Freunde und Unterstützer", sagte er einmal, „und damit ist schon viel gewonnen". Auch in Schulen hat es sich durch Versuche erwiesen, daß die Kinder, die durch Saikis Kost ernährt wurden, weniger von Krankheiten befallen wurden, als diejenigen, die den gewöhnlichen, zu 100 v. H. polierten Reis weiter bekamen. Auch die Kinder der kaiserlichen Familie, und sogar der Kaiser selbst essen die von Saiki oorgeschriebene Kost, denn wesentliche Essensunterschiede zwischen arm und reich gibt es in Japan kaum.
Auch für den Fall einer Hungersnot werden in Dr. Saikis großer Versuchsküche Mahlzeiten von
den verschiedensten, auf Japans Boden wachsenden Blumen, Gräsern und Sträuchern hergestelu, die man bisher als ungenießbar zurückgewiesen hat, die sich aber als gut bekömmlich und nahrhaft erwiesen haben. Was geschieht jedoch, wenn eine Hungersnot im Winter ausbricht? Auch daran hat Dr. Saiki gedacht. Aus einer Schublade holt er zwei Brote. Das eine ist aus gemahlenen Heuschrecken, das andere aus Stroh gebacken, und sie schmecken nicht einmal schlecht. Auch getrocknete Samenkörner und gemahlene Schlangen lassen sich gut zum Essen verwenden.
Dr. Saiki arbeitet auch darauf hin, daß selbst im Ausland der 70prozentige polierte Reis zur Verwendung kommt. Er sagt: „Anstatt ganze Berge von gehaltlosen Speisen zu verschlingen, sollen die Menschen lieber weniger, aber nahrhafter essen".
Berlin, 12. Novbr. (DNB.) Sir Thomas B e e ch a m, der auf Einladung des Botschafters v. Ribbentrop eine Konzertreise durch Deutschland macht, traf mit dem Londoner Philharmonischen Orchester auf dem Bahnhof Zoo ein. Nach der Begrüßung auf dem Bahnhof fand im Großen Festsaal des Rathauses ein offizieller Empfang statt. Oberregierungsrat Dr. Schamvogel richtete an die Londoner Gäste im Namen von Staatskommissar Dr. Lippert eine Ansprache, in. der er u. a. ausführte: Gerade die geistig - kulturelle Befruchtung zweier kulturnaher Völker sei besonders geeignet, das Verständnis auch auf anderen Lebensgebieten zu fördern. Es könne als ein besonders günstiger Umstand betrachtet werden, daß in demselben Augenblick, in dem die D r e s - den er Oper in London deutsches Kulturgut
Dirigenten der Verständigung.
Herzliche Begrüßung der Londoner Philharmoniker in Berlin
Ein schleunigst abgehaltener Kriegsrat verdonnerte Rudi, einen Schwanz, und sei es den des Teufels, herbeizuschaffen, und zwar innerhalb von achtundoierzig Stunden, denn genau zwei Tage später sollte die Ausstellung eröffnet sein. „Js nich so schlimm, Rudi", tröstete ihn sein Freund Otto. „Weißt du was? Du gehst einfach in ein Sattlergeschäft und kaufst dir einen neuen Schwanz." — .Ganz gut", meinte Rudi, „aber kannste mir was pumpen?" Worauf Otto sagte: „Nen Sechser hab ich noch. Den kannste haben!"
Zwei Tage darauf befand sich in Rudis Hosen- sack mit Hilfe seiner weitläufigen Verwandtschaft die Barschaft von zwei Mark. Seine große Schwester hatte ihm sogar noch einen weiteren Kredit m Aussicht gestellt, falls diese Summe nicht ausreichen sollte. Rudi hatte sich eigens für den Einkauf Urlaub geholt, und so stand er am Samstagmorgen im Laden des Sattlermeisters Lurz. „Einen Pferdeschwanz willst du haben?", fragte verwundertdieLurz- frau. „Du, Heinrich, haben mir Pferdeschwanz zu verkaufe", rief sie in die Werkstatt. „Du bis wohl jeck, Katrinche", antwortete ein barscher Baß, „ausgerechnet Pferdeschwänze, wo dat Roßhaar sowieso kaum herbeizuschaffen is!" — „Da hörst du et, mir haben kein Pferdeschwänz, geh doch mal bei Hepp- kausens fragen in der Adolf-Hitler-Straße, vielleicht bekommst du ihn da. Tut mir leid, junger Mann! Heil Hitler!" Rudi macht sich also auf nach der Adolf-Hitler-Straße. Aber dort bekommt er den gleichen Bescheid. „Frag doch einmal bei dem Meister Schwirtem in Dürscheid, is ja bloß e paar Minuten." E paar Minuten ist gut, dachte JxuDt, mit dem Rad war es eine halbe Stunde bis dahin. Und jetzt war es eine halbe Stunde bis dahin. Und jetzt schlug es bereits vom Marktplatz her halb zehn. Nun, da half alles nichts. Her mußte der Pferdeschwanz! Befehl ist Befehl. Rasch nach Hause und das Rad aus dem Keller geholt. Als er in die Dürscheider Landstraße einbog, hörte er feine Kameraden auf der Hauptstraße im Sprechchor rufen:
Be ucht die Spielzeugausstellung im Mariensaal. Heute um 12 Uhr Eröffnung!" Dunnerlittchen, da wird's Zeit, dachte Rudi, und gab Gas. In der Rekordzeit von zwanzig Minuten war er m Dürscheid. Aber oh Schreck! Auch hier bekam er keinen Roßschweif. Was sollte er nun machen? Na, da half alles nichts. Um viertel vor Zwölf war Appell für die Bastelschar. Da hieß es sich beeilen
Wie man einen Hasen im Sprung am schnellsten von einer Häsin unterscheiden kann, wollen Sie
lungsreicher zu machen, , . ,
Ernährungsinstituts in Tokio, Dr. S a i f i,
R. W.Berichterstatter.
Aufgabe gemacht, eine E i n h e i t s k o st zu schaffen.
Tausende von japanischen Fabrikarbeitern und Schulkindern essen täglich seine Kost, die genau so nahrhaft wie die der europäischen Arbeiter sein soll, aber nur sieben Sen pro Mahlzeit kostet. Ueberall im Lande, besonders in der Nähe von Schulen und Fabriken hat Dr. Saiki Küchen eingerichtet, in denen täglich dreimal nahrhaftes und billiges Essen hergestellt wird.
Um aber ganz Japan vor Hungersnöten zu schützen, arbeitet Dr. Saiki an einem großen Plan. Bereits seit Jahren versucht er den genauen täglichen Kalorienverbrauch des Durchschnittsjapaners zu errechnen. Zu diesem Zweck mußten in seinem Institut 3000 Menschen 12 Stunden in vollständiger Ruhelage verbringen. Don jedem einzelnen errechnete er den Kalorienoerbrauch, und die Durchschnittszahl der 3000 ergab dann den Durchschnittsoerbrauch des ruhenden Japaners. Auf dieselbe Weise untersuchte er auch den arbeitenden Menschen.
Ser Japaner muß sich nach der Decke strecken, die ihm die Ernährungsmöglichkeiten des Landes vorschreibt. Er muß ferner stets mit Naturkatastrophen rechnen wie Sturmfluten und Erdbeben, die zu erheblichen Ernteschäden führen. Um nun auch unter ungünstigen Bedingungen die Ernährung sicherzustellen, gleichzeitig aber auch die vorhandenen Lebensrnittel in erster Lime
Im Berliner Rathaus wurde Sir T h o m a s B e e ch a m als Gastgeschenk ein Buch der Reichshauptstadt überreicht. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
den Engländern vermittelt, ein so bedeutender Kulturträger wie das Londoner Philharmonische Orchester uns englisches Kulturgut naherbringen werde. Der Besuch werde dazu beitragen, die gemeinsamen Bande noch mehr zu befestigen. Der Dirigent, Sir Thomas B e e ch a m . dankte für die herzliche Begrüßung und versicherte, daß dem Orchester der Besuch in Berlin em besonderes Erlebnis fei. Der Engländer schätze Deutschland als die älteste Heimat der Musik An den Empfang schloß sich eine Besichtigungsfahrt durch Berlin und Potsdam. Am Freitagabend wird als erstes Konzert der Deutschlandreise in der Berliner Philharmonie ein Konzert stattfinden, an das sich ein Kameradschaftsabend mit den Berliner Philharmonikern anschließt. Das Gastspiel wird in der Zeit von 20 bis 22 Uhr v o m D e u t s ch l a n d s e n d e r übertragen. Der Reichssender Frankfurt a. M. übernimmt den zweiten Teil des Konzertes ab
Als er am Mariensaal ankam, trug man gerade das schweiflose Roß hinein. Auf die Fragen einiger Kameraden antwortete Rudi mit einem traurigen Kopfschütteln. Nicht au^udenken diese Schande! Da würden die vom Fähnlein Wlt'ch^ mal wieder etwas zu lachen haben. Er stellte sich abseits hin und stierte auf den Marktplatz, plotz-
R e'i s Fisch und Feldfrüchte für die Er-s ißt, m dem noch die wichtigsten Vitamine unter nährung des Körpers ertragreicher und abwechse- der Schale enthalten sind. Um Abwechielung i - • - hat es sich der Direktor des seine Emheitsnahrung zu bringen, hat Saiki bereits
' cs- zur 500 verschiedene Mahlzeiten zu durch-
Zeitschnffen.
— In Westermanns Monatsheften erhebt der Hauptschriftleiter die Forderung „Buch sei Brot!", indem er für das Buch eintritt, das einem geistigen und seelischen Bedarf gerecht zu werden vermag. Aus Anlaß der Buchwoche ist dem Heft ferner eine farbige Karte beigelegt, aus der die Geburtsorte der lebenden deutschen Dichter zu ersehen sind. Reiz hat auch der Aufsatz „Mit Pauken und Trompeten", der, mit farbigen Zeichnungen illustriert, die Militärmusik der Völker und Zeiten aufmarschieren läßt. Zur 125. Wiederkehr des Todestages Heinrich von Kleists werden die tragischen Umstände beleuchtet, die dem Leben und Schaffen des zeitverkannten großen Preußen ein allzu frühes Ziel gefetzt haben. Die Kunst ist vertreten mit der ernsten Erscheinung des Holzbildhauers Otto Flath. und mit Nirosta-Reliefs, die Erich Kuhn bei Krupp gegossen hat. Ein anderer illustrierter Beitrag wur- digt die Leistung des Berliner Architekten Hermann Jansen, dem der Ausbau der türkischen Hauptstadt Ankara anvertraut ist. Die Vorgänge m Palästina werden unter dem Gesichtswinkel „Der Islam unb die Juden" betrachtet.
konzertieren zur Zeit in Deutschland. Beiden geht ein hoher künstlerischer Ruf voraus. Sie stehen in der ersten Reihe der Größen ihres Fachs. Wenn sie zu uns kamen, so vor allem, weil sie wissen, daß das deutsche Volk über ein ausgeprägtes musi- kalisches Empfinden verfügt und daß ihre künstlerischen Leistungen hier ganz besondere Anerkennung finden. Mit ihren Gastspielen auf deutschem Boden heben sie sich aber auch von jenen Künstlern ab, die noch immer im Nebel der Völkerfeindschaft herum irren und lieber um Deutschland einen großen Bogen schlagen, als hier Proben ihres Könnens abzulegen. Wir trauern nicht um diese Männer. Eines Tages werden sie wohl ihren Irrtum erkennen und bereuen, was sie taten. Um so mehr freuen wir uns über jede neue kulturelle Verbindung zwischen Deutschalnd und dem Ausland. Denn abseits vom politischen Tagesstreit kann künstlerisches Schaffen in allen Ländern gedeihen, es kann auch ein Austausch kultureller Güter stattfinden, der unter Umständen sehr viel dazu beitragen wird, diesem politischen Tagesstreit
21 Uhr
Bekannte ausländische Dirigenten — neben Beecham auch der Holländer Mengelberg —
Von unserem ständigen
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Tokio. Ende Oktober 1936.
Ueber die Genügsamkeit des Japaners sind wahre Wunderdinge verbreitet. So stark sich „westliche Einflüsse" auf das moderne Japan ausgewirkt haben, umso hartnäckiger hält die breite Masse der Japaner an überkommenen Lebensgewohnheiten, insbesondere an der für Europäer kaum vorstellbaren Genügsamkeit fest. Die in vielen Zeitschriften ober Zeitungen verbreiteten Bilder über den „modernen Japaner", wie z. B. elegant gekleidete, auf der Finza promenierende Jugend, reihenweise Bars, Kinos, Cafes, Eisdielen, oder gar Filmstars, Sportgrößen find nicht immer geeignet, zutreffende Vorstellungen über Land und Leute zu geben. Wir vergessen immer wieder, daß, von Ausnahmen abgesehen, die überwiegende Masse des Volkes anspruchslos und genüg} am in seinen Lebensgewohnheiten ist. Diese Genügsamkeit ist dann auch ein wesentlicher Bestandteil der Kräfte, die Japan in kurzer Zeit in die Reihe der Großmächte aufrücken ließ.
Es war im November 1935, der Auftakt qroßen Winterhilfsaktion unseres Jungbannes war beendet. Im Heim der Bastelschar des Fähnleins Richthofen herrschte ein toller Betrieb. Der letzte Schliff war an die Spielsachen gelegt worden. Nun gingen die einzelnen Wunderwerke von Hand zu Hand. Aber als alles gebührend bewundert war, entdeckte der Pimpf Rudi, daß dem Prachtstück, dem großen, hölzernen Apfelschimmel, der auf der Spielzeugausstellung gewissermaßen als Krönung des ganzen die Blicke der Besucher auf sich Ziehen sollte, der Schwanz ausgefallen war.
Dieser Apfelschimmel war unter schwierigsten Umständen hergerichtet worden. Der rechte Vordersatz fehlte ganz und am linken Hinterbein zeugte nur noch ein kümmerlicher Stumpf von der ehemaligen Herrlichkeit edler Rennerfefseln. Irgendein- Farbe war schon gar nicht mehr vorhanden. Ueb-rall zerstörte das heroortretende rohe Holz die Illusion von Fleisch und Blut. So war bald das H-nn m eine Hohickmikerwerkstätte verwandelt. Es war Ehrensache für die ganze Bastelschar, das edle P erdege- bilde zu vervollständigen. Jeder fühlte sich Jur das Gelingen des Werkes verantwortlich, und als endlich nach vielen Mühen es dem Otto, der einem Drechsler ein paar Handgriffe abgelauert hatte, ge= lang ein gekrümmtes Vorderbein herzustellen da war auch das Hinterbein bald fertig. Der Anstrich machte dann keine Schwierig eiten mehr F,x und fertig gesattelt und gezäumt stand endlich der Apfel- schimmel aus dem Werktisch. Da aber hatte er M) schon längst die Herzen der Bastler erobert. Er war 3u einer Art Kornpamepferd für die Beleg- schast'des Heimes geworden^ »nd wenn d.e Pimpse eines bedauerten. Io war es. daß ste !> ' ,
lern und in die Kleinstadtschwemme reiten konnte m
Und nun hatte dieser Herrlichste von ollen seinen Schwanz verloren. Aber was 'st ein Pse^ ohne Schwanz? Dasselbe wie em Soldat ohne Gewehr wie -in Pimpf Of)ne Timpfenprobe. $,e fDicmn aus einmal stürzten sich m j>16 ®^r!)en herbeioe- Der Kleistertopf und die Schere wurden Perbeige holt. Er konnte nicht auf den überfüllten W rktisch aeftellt werden Deshalb hielt man es für geraten, ^ie schwlersge Operation durch einen brennenden Kerzenstummel zu erhellem Aber Weh und Ach. Stellt euch vor: der Rudi, dem das ehrenvolle Amt oblag, °l? lebender Kerzenständer zu fungieren be. kam im besorgten Gedränge ->n-n S °ß. d.e fier- denflamme leckte nach dem Schwanz, und schon war der Schwanz, der lange, schone, weiße Rotz schweif, ein Raub der Flammen geworden.
Die größte Brücke der Welt, dieOaklandbrücke, durch welche die Halbinsel, auf der San Fr an- zjsko liegt, mit dem Festlande verbunden wird, wurde vom Präsidenten Roosevelt emgeweiyt. l)te Baukosten verschlangen 77 Millionen Dollar. Unser Bild veranschaulicht die gewaltige Ausdehnung der riesigen Brücke über das Goldene Tor, den Hasen San Franziskos. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Japanische Mahlzeiten, genormt.
Dr. Saiki schafft nahrhaste und billige Einheitskost.
lich aber kam Leben in seine Augen. Auf dem Fuß drehte er sich herum und heidi sauste er davon, die Treppe zum Ausstellungsraum hinauf. Ehe ferne erstaunten Kameraden eine Frage über die Lippen brachten, war er auch schon wieder an ihnen vorbei unb in einem Lauf über ben Marktplatz bavon.
Es blieb ihnen keine Zeit zu langen Erörterungen, bem gerabe trat ber Fähnleinführer aus bem Mariensaal unb tommanbierte: Antreten! Wer fehlt? hieß es; Rubi Hanbke, melbete ber Führer der Jungenschaft. Er ist gerade aus dem Hause davongelaufen! Nä Da ist er! rief aber da hastig Otto. Hurra! Alles machte lange Hälse, unb siehe da' Da staub ber Pimpf Rubi vor bem Fuhrwerk bes Gemüsebauern Raffelsiefen, unb in ber Hand hielt er eine Schere unb bamit schnitt er bem Pferd das vor den Wagen gespannt war, aus fernem schönen, langen Schweif ein Büschel Haare ab. Kurz darauf meldete er sich atemlos zur Stelle. Befehl ausgeführt, keuchte er. Enä! rief da einer aus der Hinterreihe, bä Stütz is schwaz, ne Apfelschimmel mit nem schwaze Stütz, bat git es nit. Droh- nenbes Gelächter erscholl. Aber ba r:ß ber Otto dem Rubi bie Haare aus ber Hanb unb sprang hmter den Mariensaal. Als er wiederkam, waren sie schneeweiß. Er hatte sie in einen Eimer mit Lo ch- kalk gezappt, ben bie Maurer bort über Mittag stehenließen. Somit waren alle Bedingungen er- . füllt. Der empörte Besitzer des Pferdes war zwar , halb barauf schimpfenb zur Stelle. Aber als ber . Fühnleinführer ihm bie ganze Geschichte „erzählte, i mußte er schließlich lachenb rufen: Ich wünscht, fo ne Jung Hütt ich auch. Feierlich brehte Rubi bem ' Apfelschimmel Valentin ben Schweif m bas Hm- ’ terteil. Ja, sagt er zu feinen Bastelkameraben, m- ; bem er sich mit bem ßeimpinfel an bie Stirn tippte: . Alles halb fo roilb. Hier muß et sitze. Koppken!
Unb feit biefem Tage hieß er für immer unb alle Zeiten nur noch „Köppken".
Winter zur Nachtzeit, wenn es sehr kalt ist, man Hasen auf folgenbe Weise in Amerika: nimmt eine Laterne mit einem brennenben setzt sie braußen, wo es Hasen gibt, auf ben Boden unb wartet, versteckt hinter einem Busch. Die Hasen kommen, angelockt vom Licht, herbei unb schauen angestrengt in die Laterne, bis ihnen die Augen übergehen. Die Tranen ausen auf den Boden, die Hafen frieren fest. Nun tritt man hervor bricht das Wild ab. steckt es in den Rucksack und geht nach Hause. *
so läuft sie!"
Als sich eines Tages in alter Zeit eine Wachtel in einen Pariser Gerichtssaal verflog, haschte alles nach dem Vogel, selbst ber Präsibent. Da rief ihm ber Generalabvokat zu: „Herr Präsibent, werben Sie nicht zum Wilberer, nehmen Sie sich in acht vor ben Jagbgesetzen!" *
Ein Oberförster war bafür bekannt, baß er keinen Verstoß gegen bie Jägersprache bulbete. Als bei einer Treibjagd ein Treiber eine blutende Verletzung am Ohr des gestrengen Herrn gewahr wurde, näherte er sich unb sagte: „Der Herr Oberförster schweißen am Löffel!" ,
Es wirb behauptet, baß ber berühmte Maler Abolf Menzel ein einziges Mal an einer Jagb teilgenommen habe, an einer Hofjagb. Nach langen Be- mühungen fei es gelungen, ben kleinen Mann zu bewegen, sich mit seiner Flinte aufzustellen. Plötzlich kommt ein Hase auf Menzel zu unb macht ein Männchen, inbes ber Maler bas Gewehr hebt. Da tut ihm das Tier leib, unb er ruft: „Du Kleener, jeh doch weg, hier wird scharf jeschosfen!" Der Hase stutzt und folgt dem Rat. Ob Menzel fein Skizzenbuch bei sich hatte und den Meister Lampe darin verewigte, wirb leider nicht berichtet. Hans Galgen.
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