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Die soziale Unruhe in Belgien
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Bei Hitze und Ermattung, auf Reisen, bei Sport und Spiel schenkt Odol ls3 jenes einzigartige Gefühl der Erfrischung und Belebung.
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Heidelberg, 12. Juni. (DNB.) Die Universität Heidelberg begeht bekanntlich in den letzten Tagen dieses Monats das Fest ihres
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Das Berliner Baugrubenunglück vor Gericht.
In der weiteren Verhandlung im Prozeß um das Berliner Baugrubenunglück wurde wieder eine Reibe von Handwerkerzeugen vernommen, die in der Unglücksgrube arbeitete. Der Maurer- und Betonpolier Max Klatt bekundete, daß die Straßenbahnen in schärfstem Tempo über die Baustelle hinweggefahren seien und mehrfach Arbeiter dadurch gefährdet hätten. Die Schwankungen seien so stark gewesen, daß er mehrfach befürchtet habe, die sich entgegenkommenden Straßenbahnen würden
berg, Vermächtnis und Aufgabe" im Kurpfälzischen Museum durch Oberbürgermeister Dr. N e i n h a u s eröffnet. Am Sonntagabend empfängt die Reichsregierung die ausländischen Gäste auf dem Schloß. Es sind dabei Ansprachen von Mitgliedern des Reichskabinetts vorgesehen.
Am folgenden Montag ist ein F e st a k t in der S t a d t h a l l e der Begrüßung der Teilnehmer gewidmet. Rach den Ansprachen der Mitglieder der Reichsregierung, der Reichsleitung der NSDAP., des Oberbürgermeisters der Stadt Heidelberg, des Führers der Heidelbeger Studenten usw. werden zahlreiche ausländische Teilnehmer die Grüße und Wünsche der Universitäten und Hochschulen des Auslandes übermitteln. Ein zweiter Festakt am Dienstagoormittag trägt wissenschaftlichen Charakter. Professor der Philosophie Dr. h. c. Krieck- Heidelberg spricht über „Die Objektivität der Wissenschaft als Problem", Professor der Medizin Dr. Stein- Heidelberg über „Arztturn und Volk" und Staatsminister Dr. Wacker über „Geschichte, Bedeutung und Aufgabe der Universität Heidelberg". In diesem Festakt wird auch in feierlicher Form zahlreichen Männern der Wissenschaft und des Geisteslebens anderer Völker die Würde eines Ehrendoktors der Universität Heidelberg verliehen werden. Es handelt sich dabei nicht um einen Akt der Höflichkeit, sondern um die Anerkennung und Würdigung der Leistung hervorragender Männer des Auslandes durch eine berufene deutsche Stelle. Ein Festabend in der Stadthalle und ein Sommer- fest im Schloß und im Park des Schlosses beenden den Dienstag. Die Heidelberger Studentenschaft veranstaltet am Montagabend ein Welttreffen ehemaliger Heidelberger Studenten, zu dem bereits 500 Anmeldungen aus der ganzen Welt vorliegen.
Bedrohliche Trockenheit in Amerika.
Die Trockenheit, die viele Staaten Amerikas heimsucht, nachdem die katastrophalen Folgen der Kältewelle noch kaum überwunden sind, hat bereits großen Schaden angerichtet. Man schätzt, daß die Verluste, vor allem für die Kartoffelernte, schon jetzt 100 Millionen Dollar übersteigen. Die Wasserknappheit ist in manchen Gegenden so stark geworden, daß nicht nur auf den Feldern das Getreide verdorrt, sondern schon Mangel an Trinkwasser für Mensch und Vieh besteht. Ganz besonders start betroffen sind die Südstaaten und Pennsyloanien. In ganz Neuyork wurden Bittgottesdienste für baldigen Regen abgehalten.
Schlüpfende Küken im Schaufenster.
Inmitten des Berliner Zeitungsoiertels gibt es feit einigen Tagen, wie man in reichshauptstädtischen Blättern lesen kann, eine kleine Sensation: junge Hühner schlüpfen im Schaufenster eines Hühnerzüchters in aller Öffentlichkeit — vor den Augen der zahlreich vorübergehenden Berliner. Das Schaufenster mit dem Brutapparat ist zu allen Tagesstunden von zahlreichen, andächtig zuschauenden und staunenden Passanten belagert.
Streit um die Base Voltaires.
Die Kopenhagener Gerichte werden, wie wir in einer Berliner Leitung lesen, sich demnächst mit der Nase des berühmten französischen Schriftstellers Voltaire zu beschäftigen haben. Der Umstand, daß es sich lediglich um die Nase einer Voltaire-Büste handelt, ändert nichts an der Wichtigkeit der Sache, denn für die Nase werden nicht weniger als 30000 Kronen Schodener- s a tz gefordert. Ein französischer Baron hatte die berühmte Büste, die der französische Bildhauer Houdon von Voltaire angefertigt hatte, der Kopenhagener Vereinigung für französische Kunst
mers hat die Versicherungsgesellschaft bei Regelung des Schadens aufzulegen. Bei der Rückforderung des voraufgeleisteten Betrages sollen unbillige Härten vermieden und unter Umständen Ratenzah. jungen zugelassen werden. Auf Teilgebieten des Tarifes sind Ermäßigungen der Grundprämie vorgesehen, desgleichen sollen die Prämien für die Kasko-Dollversicherung nicht mehr als 10 0 Mark Selbstbeteiligung und für die Kasko-Teilversicherung auf 10 v. H. herabgesetzt werden. Für die Versicherungen im Güterfernverkehr bleibt eine besondere Regelung vorbehalten. Der Reichsverkehrsminister hat dieser Regelung zugestimmt.
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Der Hafenarbeiter st reik i n Antwer- p e n ist unterstützt worden durch die Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale, deren Führer, der Transportarbeiter Udo F i m m e n, in Antwerpen eintras und bezeichnenderweise den Antwerpener Streik für eine Ergänzung der bolschewistischen Be- weaung hielt, die in Spanien und Frankreich so schone Erfolge erzielt hätte. Neben den belgischen Hafenarbeitern, sind die Kohlenarbeiter in der Gegend von Lüttich in den Streik getreten, und wenn es sich dabei auch zunächst um einen „wilden Streik" handelt, so ist es doch nicht zweifelhaft, daß sich die Zweite Internationale nachher den willkommenen Tatsachen beugt.
Die soziale Lage der belgischen Arbeiter ist nicht schlecht, auch nicht nach der Devalvation des belgi- jdjen Franken, die eine Untersuchungskommission des Parlaments im April auf das unmittelbare Interesse einer großen Anzahl von Schuldnern, die Unsicherheit der Regierung und schließlich auf die Devisenspekulation zurückführte. Die Löhne sind im Verhältnis zur Abwertung gleichgerichtet worden, und an und für sich sorgen schon die großen Ar- beiter-Organisationen dafür, daß ihren Mitgliedern ihr Recht gewahrt wird. Die hochentwickelten Kooperativ-Genossenschaften der Arbeiter sind heute Seele und zugleich Nährmutter der marxistischen Propaganda. Natürlich hat sich eine klerikale Gruppe aufgetan, die nach denselben Prinzipien arbeitet, aber die Marxisten haben das Heft in Händen. Ueberall gibt es ihre Genossenschaften, die von Grohbetriebsorganisationen gespeist werden, Fachvereine, Versicherungs-, Vergnügungseinrichtungen. Schulen und propagandistische Organisationen. Die staatliche Sozialpolitik Belgiens hat sich dem Charakter der Bevölkerung angepaßt, eine obligatorische Sozialversicherung wurde schon vor dem Kriege eingerichtet. In der kommunalen Sozialpolitik hat Belgien zuerst, noch vor Deutschland, die Arbeitslosenversiche-
sich berühren. Er, der Zeuge, habe dem Bauleiter N o t h kategorisch erklärt, daß die Straßenbahnen verlegt werden müßten. Noth habe darauf resigniert erwidert: Das habe ich schon oft versucht. Es ist mir aber nicht gelungen, das durchzusetzen.
Es kommt hierauf zu einer Auseinandersetzung zwischen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Zeuge Klatt hatte im Laufe seiner Aussage auch erwähnt, daß er vor einigen Monaten von der Berlinischen Baugesellschaft über seine Beobachtungen gehört worden sei. Ueber diese Unterredung sei eine Niederschrift angefertigt worden. Der Staatsanwalt fragte nun die Verteidiger, ob sie bereit seien, diese Niederschrift zur Verfügung zu stellen, damit dem Zeugen Vorhaltungen gemacht werden können. Dabei bemerkte der Staatsanwalt, daß er einstweilen noch keinen Beschlagnahmeantrag stellen wolle. Die Verteidigung erwiderte, daß sie erst mit ihren Auftraggebern Rücksprache nehmen müsse. Der Staatsanwalt drohte darauf die Beschlagnahme dieser Niederschrift an. Die Verteidigung bemerkte, daß es ein Novum wäre, wenn Hanoakten der Verteidigung beschlagnahmt würden, gab aber die betreffende Niederschrift heraus. In der Nachmittagssitzung stellte anhand der Niederschrift das Gericht durch die Verteidigung eine Reihe von Fragen an den Zeugen Klatt, die aber nichts Wesentliches ergaben.
Die Verhandlung wird fortgesetzt.
Hoffnung auf ein neues Locarno.
London, 12. Juni. (DNB.) Unter der lieber- schrist „Hoffnung auf ein neues Locarno" veröffentlicht „Times" den Bericht feines Berliner Korre- fponbenten über das Vorwort, das Botschafter von Ribbentrop für die Sammlung diplomatischer Dokumente von den Vorverhandlungen zum Locarnovertrag bis äu dem kürzlich von der brittschen Regierung an die deutsche Regierung übersandten Fragebogen geschrieben hat. Es heißt in dem Artikel, daß sich Deutschland über die Wiedererlangung der Souveränität in bezug auf den Rhein in keine Unterhaltungen einlassen werde. Die Tatsache der wiedererlangten Souveränität habe die Vorbedingungen für einen Geist und eine Atmosphäre der Versöhnung geschaffen, welche allein möglich fei unter gleichberechtigten Staaten. Es fei Deutschlands ernsthaftester Wunsch, mit den Nachbarländern einen ehrenhaften und dauerhaften Frieden zu schließen und em neues Locarno im Westen aufzubauen.
Kleine politische Nachrichten.
Generalleutnant Kesselring, bisher Chef des Luftwaffen-Verwaltungsarntes, wurde aum Chef des Luftkommandoamtes ernannt. An feiner Stelle wurde Oberst V o l k m a n n , bisher Höherer Fliegerkommandeur im Lustkreis III, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Luftwaffenverwaltungsamtes beauftragt. — Generalmajor Wimmer, bisher Chef des Technischen Amtes im Reichs- luftfahrtminifterium, wurde zum Höheren Fliegerkommandeur im Luftkreis III und an feiner Stelle Oberst Übet zum Chef des Technischen Amtes ernannt.
Aus aller Welt.
Deutscher Glaserlag in Würzburg.
In den Tagen vom 22. bis 26. Juli findet in Würzburg der Deutsche Glasertag statt. An ihm nehmen alle, dem Reichsinnungsverband der Glaser angehörenden Gruppen teil. Die Tagung sieht am 22. Juli eine Beiratssitzung und am 23. Juli eine Obermeistertagung vor. Am 24. Juli tagen die Fachgruppen und Fachlehrer der Prüfungsmeister und Sachverständigen des Glaserhandwerks und am 25. Juli sind Spezialtagungen der Vertrauensleute des Reichskartells im Glaserhandwerk der Glaserfachschaft in der DAF. vorgesehen. Neben der Tagung wird eine Ausstellung „Das Bild im Raum" einen Ueberblick über die Arbeiten des Glaserhanbwerks geben.
Olympia-Film-G. m. 6. H.
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. G o e b b e l s, hat der Olympia-FilmGmbH. unter der Leitung von Leni Riefen- st a h l die gesamten Verfilmungsrechte der Olympischen Spiele des Sommers 1936 in Berlin übertragen. Die Olympia-Film-GmbH, wird in Gemeinschaft mit den deutschen Wochenschauen arbeiten. Anderweitige Aufnahmen von den Olympischen Spielen auf Normalfilm sind nicht zulässig.
Folgenschwerer Fahrstuhlabsturz in Neuyork.
Infolge Versagens der Bremsvorrichtungen stürzte ein überfüllter Fahrstuhl eines Neuyorker Wolkenkratzers in der 42. Straße in der Nähe des Broabway 14 Stockwerke tief ab. Er prallte auf bie im Keller befinblichen Stahlfebern auf, würbe wieder hochgeworfen unb babei völlig zertrümmert. 14 von bcn 20 Fahrgästen, zumeist Frauen, würben teil- weife schwer verletzt.
Mißgeschick der britischen Mount-Lverest- Expedilion.
Bei einem neuerlichen Versuch des Vortrupps der britischen Mount-Everest-Expedition, das Lager IV in 7300 Meter Höhe zu erreichen, sind die Bergsteiger beinahe von einer plötzlich hereinbrechenden Lawine in die Tiefe gerissen worben, t Man nimmt an, daß die Expedition nach diesem neuen Fehlschlag den Rückzug antreten wird.
Jahre sind die Vorarbeiten im Gange, diesem als reichswichtig anerkannten Jubiläumsfest einen wär- bigen Rahmen zu geben. In den Festtagen werden sich Mitglieder der deutschen Reichsregierung, Der Reichsleitung der NSDAP., der Länderregierungen und viele hervorragende Wissenschaftler aus Deutschland und aus der ganzen Welt in Heidelberg einfinden. Den einzelnen Veranstaltungen find durch die Größe der zur Verfügung stehenden Räume Grenzen gefetzt, doch werden außer 1500 Ehrengästen etwa 200 000 Besucher erwartet. 250 Presseberichterstatter, davon 180 Vertreter ausländischer Zeitungen, der Reichssender Stuttgart und mehrere Filmwochenschauen werden über die Festtage berichten.
Die Fest folge beginnt mit der feierlichen Hissung der Flaggen aller an der Feier beteiligten Nationen auf dem Universitätsplatz am Samstag, 27. Juni, 20 Uhr. Es werden die Flaggen von etwa 30 Staaten, deren Universitäten unb Hochschulen Vertreter entsenben, erscheinen. Anschließend empfängt der Rektor der Universität, Professor Dr. Groh, die Gäste in der Aula der Neuen Univer- sität und geleitet sie dann durch ein Fackelspalier zur Neuenheimer Landstraße auf die rechte Neckarseite zur Besichtigung der Schloßbeleuchtung. Am Sonntagvormittag wird nach einem Festgottes, dienst in der Peterskirche um 11.30 Uhr die Hel» bengebentfeier auf dem Ehrenfriedhof abgehalten. Die Ansprache hält bei dieser Feier Staatsminister Prof. Dr. S ch m i 111) e n n e r. Am Nachmittag des Sonntag wird die von der Stadt Heidelberg auf gebaute Ausstellung „Heidel-
zur Verfügung gestellt. Auf dem Rücktransport wurde unglücklicherweise die Nase abgeschlagen: der Baron verweigerte die Zurücknahme Der Büste und verlangte von der Vereinigung 30 000 Kronen Schadenersatz. Zwei dänische Kunstsachverständige und zwei der bekanntesten Kopenhagener Rechtsan- wälte traten in langen Gutachten und Plädoyers gegen die Nase, bzw. die 30 000 Kronen .. ... Gerichtsschranken. Da alle Vergleichsversuche scheiterten, bleibt dem Gericht nunmehr nichts weiter übrig, als ein für allemal festzustellen, wieviel Voltaires Nase heute noch Wert ist.
r u n g eingeführt, die nach dem sog. Genter-System arbeitet, dessen Wesen darin besteht, daß zu den Arbeitslosenunterstützungen der Berufsvereine ein bestimmter staatlicher Zuschuß gewährt wird. Sehr ausgebildet ist der Kleinwohnungskredit. Der belgische Arbeiter pflegt durchweg im eigenen Heim zu wohnen, wo er vor allem sehr intensiv Karnickelzucht treibt, aber auch die Geflügelzucht, vor allem bie Poularben, nicht vernachlässigt.
Die Streikbewegung in Antwerpen ist rein politisck aufgezogen. Es ist ein politischer Machtkampf, aber Antwerpen wird daburch sicherlich verlieren. Bis jetzt bestand ein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen Antwerpen und Rotterdam, aber da infolge des Antwerpener Streiks die Güter nicht verladen werden, sind die großen Schiffahrtsgesellschaften dazu übergegangen, Rotterdam anzulaufen und dort ihre Waren einzunehmen. Auch Bremen hat, wenn auch in geringerem Grade, daburch den Vorteil, daß z. B. Ausfuhrgüter der rheinisch-westfälischen Jndustriebezirke jetzt nicht Antwerpen benutzen.
Zunahme der Streikbewegung
Brüssel, 12. Juni. (DNB.) Die Streikbewe- gung hat namentlich i n b e n K o h le n b e zi r k e n zugenommen. In den Kohlenbecken von Lüttich, Herstal und Seraing liegen sämtliche Zechen ti II. Die Zechen des Hochlandes von Heroe haben ich der Streikbewegung noch nicht angeschlossen. In )er Herstaler Waffenindustrie haben Streikende eine Fabrik besetzt. Es zeigt sich immer mehr, daß die Marxisten sich von dieser Streikbewegung eine günstige Wirkung auf ihre Forderungen bei der Regierungsbildung versprechen. Van Zee- land hat Vertreter der Gewerkschaften empfangen, die ihm ihre Forderungen vortrugen. Sie verlangen insbesondere eine Lohnerhöhung und die Einführung der 40-Stundenwoche.
Sie Mttlmg der Shamberiain-Rede.
London, 13. Juni. (DNB. Funkspruch.) Auch in den heutigen Londoner Morgenblättern nimmt die durch bie Rebe des britischen Schatzkanzlers Neville Chamberlain erneut aufgeworfene Frage nach dem Schicksal der Sanktionen breitesten Raum ein. Schon die Ueberschristen weisen — von den Blättern der Regierung und der Rechten nach der Opposition und der Linken hin immer deutlicher werdend — auf ein Ende der Sanktionen hin. „Times" meint allerdings, es fei fein Zweifel, daß der Rede Chamberlains eine Bedeutung beigemessen worden sei, die weit über Absicht und Erwartung des Redners hinausginge. Chamberlain habe sich zugegebenermaßen ohne gründliche Vorbereitung oder vorherige Besprechung mit seinen Ministerkollegen geäußert. Niemand sei wahrscheinlich mehr überrascht gewesen über die Wichtigkeit, die man seinen Bemerkungen beigelegt habe, als er selbst. Trotzdem sei dadurch diesseits und jenseits der Grenzen ziemliches Unheil hervorgerufen worden. Selbst in wohlgesinnten Kreisen hatte man dazu geneigt, Neville Chamberlain einen Ausfall gegen den Außenminister ober mindestens einen Mangel an Fühlung mit der Regierung zu unterstellen. Man fei einmütig der Ansicht, daß die Außenpolitik Gegenstand einer Unterhausdebatte sein müsse. Dazu werde sich am Montag Gelegenheit bieten, wenn der Außenminister zur Beantwortung einiger durch Chamberlains Rede aufgeworfener Fragen aufgefordert werden würde. So würde Sir Percy Harris anfragen, ob die Regierung im Abessinienkonflikt noch auf dem Standpunkt der Völkerbundssatzungen stehe, zu dem Eden sich am 6. Mai bekannt habe.
Unter der Überschrift „Ueberwältigende Unterstützung für Chamberlains Rede" berichtet „Mor- ning Post": Wenn auch einige Minister den gegenteiligen Standpunkt einnähmen, so überwögen doch die Kabinettsmitglieder, die Chamberlain unterstützten, an Zahl und Aussehen. Das wären der Handelsminister Run ci man, der Erste Lord der Admiralität Sir Samuel Hoare und vermutlich auch der Lordpräsident Ramsay Macdonald. Der Landwirtschaftsminister Walter Elliot und
Ormsby-Gore, der Kolonialminister, befänden sich unter der Minorität unb würben jebenfalls zu Außenminister Eben im Sinne fortgesetzter, vielleicht verstärkter Sanktionen stehen. Der Innenminister Sir John Simon werbe als unsicherer Faktor betrachtet. Alle, die die Wahlbezirke von S ü d w a l e s besucht haben, würden jedenfalls das Ende der Sanktionen befürworten, weil bie Einstellung ber Kohlenausfuhr nach Italien auf Grunb ber Sanktionen in jenen Bezirken große N o t hervorgerufen habe. Die sozialistische und liberale Opposition bagegen bereite für ben Fall eines Wechsels in ber Politik den schärfsten Widerstand vor. Einige Konservative wiesen darauf hin, daß eine Entscheidung schon lange fällig sei und das Gutes nur herauskommen könne, indem man die öffentliche Meinung darauf einstelle. Das fei schon notwendig, weil Großbritannien gezwungen fein würde, in Genf bie Initiative z u ergreifen, um bie Aufhebung ber Sanktionen sicherzustellen.
„Daily Telegraph" meint, daß Großbritannien auf der Bölkerbundsversammlung das Fallenlassen ber Sanktionen gegen Italien empfehlen mürbe. Aus ber Ueberzeugung, daß eine Verschärfung der bestehenden Sanktionen unpraktisch sein und nicht zur Wiederherstellung des Status quo in Abessinien führen würde. Die Entscheidung stehe aber noch aus, ob der britische Vertreter in Genf einen solchen Vorschlag machen solle. Führende Mitglieder des Kabinetts hielten das für Großbritanniens kor- refteften Weg. Auf jeden Fall wäre es notwendig, daß der britische Vertreter den Standpunkt seiner Regierung erkläre, weil der Sanktionsartikel der Völkerbundssatzungen dahin ausgelegt worden sei, daß jede Regierung verpflichtet wäre, für sich selbst zu entscheiden, ob eine Aktion notwendig werde. Viele Beweise deuten darauf hin, daß die Einheitsfront der „Vrofanthons- ftaaten" ab brodele. Die italienischen Waren fänden in vielen Ländern Absatz, die den Anspruch erheben, mit dem Völkerbund zusammenzuarbeiten, London sei von vielen Hauptstädten dahin unter- richtet worden, daß eine britische Initiative zur Klärung der Lage begrüßt werden mürbe; die kleinen Staaten wurden widerwillig die Initiative übernehmen. Die wetteren Fragen in dieser Richtung wurden in Pans und London erörtert werden, wohin ber Generalsekretär bes Völterbunbes abgereist sei.________________
Weiterbericht
des Reichswetterbiensles. Ausgabeort Frankfurt
Durch anhaltenben unb verbreiterten Luftdruck- anftieg auf bem Festland hat sich das atlantische und das osteuropäische Hochdruckgebiet vereinigt, sodaß sich in großer Verbreitung sommerliches Wetter eingestellt hat. Ein zur Zeit noch über England liegendes kleines Störungsgebiet wird keinen Einfluß auf unser Wetter gewinnen können. Später ist jedoch wieder mit Gewitterneigung zu rechnen.
Aussichten für Sonntag: Weiterhin sommerliches Wetter, doch aufkommende Gewitterneigung.
Lufttemperaturen am 12. Juni: mittags 17,9 Grad Celsius, abends 13,2 Grad; am 13. Juni: morgens 11,5 Grad. Maximum 20,6 Grad, Minimum heute nacht 8,2 Grad. — Erdtemperctturen in 10 cm Tiefe am 12. Juni: abends 18,6 Grad; am 13. Juni: morgens 13,4 Grad. — Sonnenscheindauer 7,8 Stunden.
Hauptschristteiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: I >r Friedrich yRilhelm Pnnne 'nr
Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil i. V.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. 4) 21. V. 36: 9/60 Drua uno lötriag. Brüht Iche Universitäts-Buch- und Stetndruckerei R Lange. K -G^ sämtlich in Gießen.
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Zur Zeit ist Preisliste Nr. 8 vom 1. Juni 1935 gültig.


