Nr. M Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, I3.MaiM6
Heimatschulen der Lugend!
Opfer und Werbetag für Jugendherbergen am 16. und 17. Mai.
Am 16. und 17. Mai findet, wie im ganzen Reich, im Gau Hessen-Nassau eine vom Führer ausdrücklich genehmigte und geförderte Haus- und Straßensammlung statt. Die Sammlung muß so wie in den vergangenen Jahren wieder ein voller Erfolg werden. In engster Zusammenarbeit mit den maßgebenden Partei- und Staatsstellen werden die gesammelten Beträge ausschließlich zum Bau neuer Jugendherbergen und zum Ausbau der schon bestehenden Verwendung finden.
Wieder einmal tritt die deutsche Jugend mit einer Werbung vor die Oeffentlichkeit. Der Bedarf an Jugendherbergen ist so groß geworden, daß die vorhandenen rund 2000 Jugendherbergen nicht mehr aurreichen, um den Millionen wandernder Jugendlicher Unterkunft zu bieten.
Die Jugendherbergen haben nicht mehr allein, wie es früher der Fall war, Unterkunft für jugendliche Wanderer zu sein. Sie haben darüber hinaus eine hohe erzieherische Aufgabe zuerteilt bekommen, die Hand in Hand geht mit der deutschen Jugenderziehung innerhalb der Hitler-Jugend. Die HI. mit ihren Untergliederungen, dem Bund deutscher Mädel und dem Jungvolk, braucht die Jugendherbergen als Stützpunkte der Erziehung zum Hei- matgefühl und zur Heimatkunde, zur Verbundenheit mit der Natur, mit der Scholle. Dadurch, daß die jungen Volksgenossen in der Jugendherberge zur Ordnung und Disziplin angehalten werden, sollen sie fast unmerklich zu den großen Idealen unseres Volkes erzogen werden; denn wenn sie einst erwachsen sind, dann sind Kameradschaft und Disziplin, Genügsamkeit und Ausdauer die am meisten erforderlichen Tugenden. Wer das alles nicht in der Jugend gelernt hat, der lernt es als Erwachsener nur noch sehr schwer. Wenn die Jungen bzw. Mädel einer wandernden Gruppe, die aus allen Berufsschichten und Ständen zusammenkommen, gemeinsam in der Jugendherberge ihr einfaches Mahl bereiten und verzehren, wenn sie in den Feldbetten schlafen und wenn sie selbstverständlich überall dort wieder für Ordnung und Sauberkeit sorgen müssen, wo sie sich auf- aehalten haben, dann ist das eine Schule der Volksgemeinschaft, die ein hohes Ziel ist. In der Jugendherberge hat jeder das gleiche Recht, vor allen Dingen aber haben alle die gleichen Pflichten. Wenn ein Junge, der sonst kaum einmal einen Besen in die Hand bekommt, hier mit Handfeger und Müllschippe saubermachen, wenn er morgens sein Bett „bauen", oder den Abwasch mit mehr oder minder großem Geschick in der Küche besorgen muß, dann lernt er verstehen, was eigentlich diese Arbeit bedeutet, von der er vielleicht vorher überhaupt keine Ahnung gehabt hat.
Aber es ist auch ein ganz anderer Ton, der hier herrscht, gegenüber dem „Benimm", den sogenannte Jugendwanderer früherer Prägung in der Jugendherberge zu zeigen beliebten. Heute muß jeder, der in der Jugendherberge übernachtet, Achtung haben vor dem großen Werk, das hier geschaffen wurde. Es ist ja nicht allein der Vorteil, daß die Jugend billig wandern kann und trotzdem gut untergebracht ist. Man will den Jungen und Mädeln keine „Hotels" erstellen, wie man es vor fünf, sechs Jahren noch plante.
Wichtig ist die Aufgabe, das Wandern planvoll durchzuführen, gleichsam eine angewandte Erd - und Heimatkunde. Wer daran denkt, dem wird — und sei es auch der Verschlossenste — allmählich der Wert des Jugendwanderns und damit des Jugendherbergswerkes klar. In den Herbergen darf weder geraucht, noch Alkohol getrunken werden, eine Forderung an die Jugend, die an und für sich ganz selbstverständlich ist; denn eines wie das andere verträgt sich nicht mit den gesundheitlichen Zwecken, die das Wandern in sich trägt. Hier muß
also der Jugendliche, selbst wenn er sonst vielleicht nicht einen so strengen Maßstab in diesen Dingen an sich legen sollte, auch einmal Selbstdisziplin halten, er muß sich selbst bezwingen, eine Tugend, die vielleicht am schwersten von allen Tugenden zu lernen ist.
So sind die Aufgaben der Jugendherbergen Hand in Hand mit denen des Jugendwanderns überaus groß. Sie können aber nur bewältigt werden, wenn dem Jugendherbergswerk auch größte Unter st ützung seitens des ganzen Volkes zuteil wird. Neue Herbergen sollen erstellt, die vorhandenen sollen ausgebaut und erhalten werden. Aber dazu werden Mittel bnötigt. Der Aufklärung darüber dienen die beiden W e r b e - und Opfer tage für das Jugendherbergs- werk am 16. und 17. Mai. Die ganze deutsche Jugend ist an diesen Tagen eingesetzt, um für „ihre" Jugendherbergen zu werben.
Jeder soll sein Scherflein dafür geben, damit aus den vielen Groschen, die hier gesammelt werden, neue Häuser entstehen, neue Betten angeschafft werden können für die wandernde Jugend. Fragt aber etwa einer, warum denn diese Mittel von der Jugend nicht selbst aufgebracht werden können, die ja allein den Vorteil davon hat — und solche Frager gibt es leider immer noch —, so muß ihm gesagt werden, daß von den geringen Uebernach- tungsgebühren und den Mitgliedsbeiträgen längst nicht mehr Neuanschaffungen gemacht werden' können. Dieses Geld reicht allenfalls dazu, die laufenden Unkosten für die Erhaltung der Heime, für die Heimwarte und für die Verwaltung des Werkes aufzubringen. Wir müssen aber ro e i t erbau e n , und dafür wird gesammelt. Die hübschen
Prangende Schönheit!
Es ist, als sei die Stadt in diesen Tagen von einem Zauberstab des Märchens berührt worden. Von einem Zauberstab, der die köstliche Kraft besitzt, alles um sich her in prangende Schönheit zu verwandeln. Wo vorher graues Einerlei und winterliche Trostlosigkeit herrschte, ist mit einem Male die zarteste Lieblichkeit und der Schmelz ursprünglicher Frische sichtbar geworden.
In den Morgenstunden weht der Atem der Stadt kühl über Gärten und Anlagen. Doch in diesem Atem ist der Duftrausch und der ganze Sinnenzauber, in dem sich diese Jahreszeit verströmt. Gibt es etwas Beglückenderes als einen Gang zur frühen Stunde durch die Anlagen, wo die Farbenpracht wahre Triumphe feiert und der Gesang der Vögel ein jubelndes Echo in der eigenen Brust weckt? Wo Wunder um Wunder sich offenbaren und die Quellkraft des Lebens zu einem Erlebnis tiefster Freude wird?
Hell ist der Farbton der zarten Blüten, hell leuchtet das Blattgrün von Baum und Strauch, hell schimmern die Wölkchen am Himmel. Und alle Helligkeit zusammen ist wie eine plötzlich aufquellende, jubelnde Hingabe an das Leben ...
Die prangende Schönheit hat überall Einzug gehalten und auch der Stadt ein anderes Gesicht gegeben. Nicht nur in den Anlagen jubiliert die Freude. Auch dort ist sie spürbar, wo das geschäftige Treiben sonst um einige Grade nüchterner wirkt.
Helle Kleider leuchten wie frohe Fanale im Straßenverkehr. Sie sind der gern gezahlte Tribut an die Jahreszeit, und ihre bunte Farbigkeit bringt einen festlichen Glanz in den Betrieb alltäglichen
S a m m e l p l a k e t t e n, die das Abzeichen des Jungvolkes, die Siegrune, in der Raute der Hitler- Jugenu darstellen, sollen von jedem deutschen Menschen getragen werden, der sich seiner Pflicht bewußt ist, einen noch so geringen Beitrag für die Förderung der deutschen Jugend zu tun. Der Jugend gehört die Zukunft; soll sie aber die Zukunft beherrschen, dann muß sie gesund aufwachsen, muß mit ihrer Heimat verbunden sein. Dazu sollen die Herbergen der Jugend dienen!
Oie erste der neuen Jugendherbergen im Gau eröffnet.
NSG. Am Dienstag wurde wiederum eine neue Jugendherberge ihrer Bestimmung übergeben. Am Rande der Stadt Wiesbaden, an einer der schönsten Stellen dieser an Naturschönheiten gesegneten Stadt, liegt der prächtige Bau, der als früheres Sanatorium nach einem entsprechenden Umbau und inneren Ausbau mit 300 Betten für den neuen Zweck außerordentlich geeignet ist. Landesverbandsführer im Jugendherbergsoerband, Gebietsführer im Stab der Reichsleitung HI. Geißler, eröffnete nach der Begrüßung der Vertreter der Partei und der Behörden die Jugendherberge.
Bei der Eröffnungsfeier überbrachte Gauinspekteur Heyse als Vertreter des Gauleiters dessen Grüße und brachte zum Ausdruck, daß Gauleiter Sprenger alles tun werde, um der Jugend das zu geben, was die Zeit erfordert. Jede Neueröffnung einer solchen Jugendherberge sei im Sinne der Bewegung zu begrüßen.
Die Feier war umrahmt von Liedervorträgen der Hitler-Jugend, des Jungvolk und des BDM.
Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken, das besonders bei der Jugend Anklang fand, zeigte die anschließende Besichtigung die praktische und schöne Einrichtung des Hauses. Die wandernde Jugend wird sich auch in dieser herrlich gelegenen und tadellosen Jugendherberge wohlfühlen.
Wirkens. Luftige Sonnensegel hängen wieder über Schaufenstern, und an den Wohnhäusern grüßt die Schönheit der Blumenpracht.
Und gehen die Menschen in den Straßen nicht aufrechter und beschwingter? Hat nicht der Zauberstab des Märchens auch bei ihnen eine Verwandlung bewirkt? Es ist in der Tat manches anders geworden in diesen Tagen.
Draußen vor der Stadt aber schäumt die Lebenskraft wie ein Urquell ewiger Freude. Die Erde atmet Frische und Ueppigkeit, die Felder sind ein einziger Hymnus an das blühende Leben, und wo sich der Wald dehnt, jauchzt es in voller Daseinslust.
Es sind die Tage prangender Schönheit, die wir durchleben ... H. W. Sch.
Bornoiizen.
Tageskalender für Mittwoch.
NSG „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum. — Universität Gießen: Unioersitätsfest, 9.30 Uhr in der Neuen Aula „Stunden des Deutschtums im Ausland"; 15 Uhr Sportfest auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg; 20.15 Uhr Maientanz im Studentenhaus. — Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr „Der Apotheker" und „Susannes Geheimnis". — Gloria- Palast, Seltersweg: „Die große und die kleine Welt". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ,Die letzte Fahrt der Santa Margareta".— Oberhessischer Kunst- verein (Turmhaus am Brandplatz): 17 bis 18 Uhr Ausstellung von Werken von Fritz Heidingsfeld- Danzig und P. A. Böckstiegel-Dresden. — „Hubertus": 21 Uhr im „Hessischen Hof", Dr. Noll, Schanghai, zeigt einige Jagdfilme aus China und Mongolei.
Aus der provinzialhauptstadt.
Beethoven im neuen Deutschland.
Son Or. Erwin Kroll
Es liegt in der Wesensfülle großer Persönlichkeiten der Vergangenheit begründet, daß sie jedem neuen Zeitalter anders erscheinen. So hat ein Shakespeare, ein Goethe der Nachwelt immer wieder ein neues Gesicht gezeigt, und ähnlich war es mit Musikern wie Bach und Mozart bestellt. Auch das Bild Beethovens ist solchem Beleuchtungs- wandel unterworfen. Wir sind stolz darauf, diesen Meister als einen der gewaltigsten Musiker deutschen Geblütes unser eigen zu nennen, und angesichts der großen politischen und kulturellen Wandlungen der letzten Jahre drängt sich uns die Frage auf, in welchem besonderen Sinne er heute der unsere ist.
Soweit Beethoven Kind seiner Zeit war, verkündete er ihren klassischen Idealismus! Seine Musik ist bewußter Ausdruck der endlich befreiten künstlerischen Persönlichkeit. Der Mensch, von seinen Fesseln erlöst, spricht durch sie von seinen höchsten Idealen. Es sind die Ideale Kants und Herders. Nach dem kantischen Pflichtbegriff lebte Beethoven, und auch seine Charakterstärke, seine allumfassende Menschenliebe, ja die ganze Art seiner musikalischen Arbeit, die stets auf Vollendung im Geistigen bedacht ist, all das atmet die Nähe kantischer Grundsätze. Andererseits ist es auch im Sinne Herders, wenn Beethoven gelegentlich schreibt: „Nicht nur als Künstler, sondern auch als Menschen sollt ihr mich besser, vollkommener finden".
Mit seiner ganz aufs Persönliche, aber immer menschlich Große eingestellten Musik leitete Beethoven das romantische Zeitalter em, und dieses endete schließlich in ausdrucksmäßiger Übersteigerung. Der Romantik war es eigen, tue Macht der Musik dichterisch zu deuten, und so hat sie denn Beethoven vor allem als den „Dichter in Tonen" verherrlicht' Als man aber unmittelbar nach dem Kriege gegen alles Romantische Sturm lief, trat statt jenes Dichters in Tönen mehr der absolute, nur dem reinen Tongeschehen hingegebene Musiker in den Vordergrund. Man spürte seinen Schaffensgrundsätzen nach, und neben Bachs „Kunst der Fuge", die man neu entdeckte, erschienen nun immer häufiger Beethovens letzte Quartette. ®eraöe jungft ist aber der Glaube an Beethovens absolutes Musikertum wieder erschüttert worden, und zwar durch Arnold Scherings Schrift „Beethoven in neuer Deutung". Ihr Verfasser wehrt sich zwar gleichfalls gegen die Auffassung, als habe sich Beethoven seine persönlichen Schmerzen und Freuden gleichsam „roegfomponiert", aber er stellt dafür die
Behauptung auf, daß des Meisters Sinfonien, Quartette und Sonaten durch bestimmte Werke der Dichtkunst nicht nur angeregt, sondern in allen Einzelheiten bestimmt seien! Beethoven habe seine Programme als Geheimnis gehütet, aber es lasse sich nachweisen, daß Dramen von Shakespeare und Schiller, Epen wie die Ilias, Romane wie „Wer- ther" und „Wilhelm Meister" von ihm — und zwar Wort für Wort — musikalisch ausgewertet seien.
Scherings Deutung wird augenblicklich heftig umkämpft. In der Tat: es sträubt sich vieles in uns, Beethoven in so engen Zusammenhang mit seinen Dichtern zu bringen. Aber da Schering ein Musikwissenschaftler von Rang ist, wird man abwarten müssen, wie sich seine Forschungsergebnisse im Streite der Meinungen bewähren. Der Wertschätzung der Beethovenschen Musik werden sie kaum Eintrag tun. Auch ist es unwahrscheinlich, daß sie die Auffassung von Beethoven als eines Helden der deutschen Tonkunst, eines Ueberroinbers, der dem Schicksal in den Rachen greift, erschüttern werden. Diese Auffassung war zur Zeit der Romanttk sehr beliebt, und sie kommt, oertieft, auch unserem heutigen Empfinden entgegen. Nur daß wir den Jdeen- schwärmer, den Hohenpriester seiner Kunst, den heldischen Kämpfer für alles Edle (der freilich auch ein derber, übermütiger, naturfehger Mensch gewesen ist) heute mehr als Sohn seines Landes verstehen denn als Weltbürger, und daß mir uns fragen, inwiefern jenes Heldische bei Beethoven blutmäßig bedingt ist. In seiner eben erschienenen „Deutschen Musikkunde" gibt Ernst Bücken folgende Antwort auf diese Frage: „Das schwere niederdeutsch-germanische Rembrandblut der Mechel- ner Vorfahren Beethovens mischt sich mit dem Doppelblutstrom rheinisch - moselanischer Vorfahren der Mutterseite. Ein dreifacher Strom: schweres, leichtes und ausgleichendes Blut. Dieses jo von der Natur selbst gemischte Strömen stockt erst in der Todesstunde des Meisters. Die Richtung des Stromes aber ist von Anbeginn nordisch und bleibt nordisch. Der ,ostische' Einschlag, den der verdiente Günther („Rasse und Stil") in Beethovens in der Tat ja vorhandenen Formlosigkeit' ersieht, ist in Wahrheit echtestes niederländisch-germanisches Erbgut, wie es manchmal aus der Lebensführung des Künstlers zu erkennen ist... Es ist der Sturmwind des nordischen Geistes, der in die beginnende romantische Wiener Erschlaffung hineinfuhr, wie gerade Beethoven das aufhalten wallte, was sich jetzt in der Wiener Musikkultur anbahnte, die Umschichtung zu einer betont ostischen Haltung."
Nachdem das Jahr 1935 im Zeichen der deutschen Meister Bach, Händel und Schütz gestanden hat, wird Beethoven (neben Mozart) der
Schutzherr des Olympiajahres 1936 fein. Schon in den letzten Monaten spürte man eine deutliche Zunahme von Aufführungen Beethovenscher Werke, insbesondere haben sich unsere Bühnen, voran die Berliner, des „Fidelio" angenommen. Der große Beethovenzyklus der Berliner Philharmoniker wird die nächsten Monate ausfüllen und eine Reihe hervorragender deutscher Dirigenten beschäftigen. Häufiger denn je spielen bekannte Jnstrumentalvirtuosen Beethovens Konzerte, Quartette und Sonaten, und es liegt ganz im Zuge unserer deutschen Gegenwart, wenn Elly Ney vor ihren Beethoven-Konzerten eine Ansprache hält, in der folgende Worte Vorkommen: „Wir Deutschen wissen, daß wir die Gnade einer Wiedergeburt erleben. Es ist uns neu aufgegangen, daß wir zusammengehören müssen, daß wir nur in dem Glauben an das Schlichte, Echte, Wahre und Klare wachsen können, der Kultur entgegen, die unser Führer für fein Volk anstrebt. Was ist denn wahrer, klarer, echter als die Musik unseres Beethoven? Gerade diese Musik brauchen wir heute, die Musik des Kämpfers für die Kämpfenden und Siegenden. Das ist die Quelle, die im Herzen unseres deutschen Volkes als Gottesgabe verborgen liegt, die uns erlöst vom Banne des Feindlichen, Fremden, die uns zur Besinnung führt auf unsere Pflichten für unser Volk, unsere Jugend."
Reichsminister Or. Goebbels verbietet die „Nachtkritik"
Reichsminister Dr. Goebbels hat durch eine Verfügung an die deutsche Presse ab sofort die sogenannte „Nachtkritik" untersagt. Danach dürfen Kritiken über am Abend aufgeführte Werke der darstellenden Kunst und der Musik nicht mehr in den in der Nacht zum Abschluß gelangenden Morgenblättern der Zeitungen erscheinen, sondern frühe st ens am Mittag des nädjften Tages.
In der Zeit des Liberalismus war in der deutschen Presse eine immer stärker werdende Verwilderung der Kunstkritik eingeriffeji, die mit einer wirklich aufbauenden, fordernden und verantwortungsbewußten Kritik schließlich nichts mehr gemein hatte. Zu einem besonderen Uebelftanb wuchs sich die von jüdischen Zeitungskonzernen eingeführte Nachtkritik aus, die Sucht, um jeden Preis, möglichst bei Beendigung der Vorstellung, dem Leser bereits die Zeitung mit der fertigen Kritik des Werkes überreichen zu können. Es liegt auf der Hand, daß derartige Kritiken ohne Abstand von der Aufführung geschrieben wurden, ohne daß der
Stadttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute 19,30 Uhr als 30. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement findet die letzte Opernvorstellunq dieser Spielzeit statt mit der Wiederholung der beiden heiteren Opern-Einakter „Der Apotheker", komische Oper von Joseph Haydn und „Susannes Geheimnis", Oper von Wolf-Ferrari. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Paul Walter, die Spiel- leituna beider Opern hat Oberspielleiter Paul W r e o e. An diesem Abend verabschieden sich folgende Mitglieder: Emmi Hage mann, Helene Wacker und Rudolf Hille vom Gießener Publikum. Ende der Vorstellung 22 Uhr.
Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.
Am morgigen Donnerstagabend hält Professor Dr. S e s s o u s im Institut für Pflanzenzucht — Senckenbergstraße — einen Vortrag mit Lichtbildern, zu dem auch Gäste willkommen sind. (Siehe heutige Anzeige.)
Die vorläufige Reichsarbeiisdienst- Versorgung.
Oehler Termin für die Einreichung von Versorgungsanlrägen am 31. INai 1936.
NSG. Das Gesetz über die vorläufige Reichs- albeitsdienft-Versorgung ist mit dem 23. April 1936 beschlossen und verkündet und tritt mit dem 1. April 1936 in Kraft. Den Arbeitsdankmitgliedschaften und
Das deutsche Volk dankt seinem Führer durch Linzeichnung für das „Dankopfer der Nation"!
Dienststellen im Gau Hessen-Nassau ist das Gesetz, die erste Verordnung zur Durchführung und Ergänzung des Gesetzes, sowie Ausführungen über das Gesetz zur Bekanntgabe an die Mitglieder und ehemaligen Arbeitsdienstmänner zugegangen.
Da die Anmeldefrist für Versörgungsanträge von ehemaligen Angehörigen des Reichsarbeitsdienstes und des Freiwilligen Arbeitsdienstes der männlichen Jugend, sowie ihrer Hinterbliebenen mit dem 31. Mai 1936 erlischt, seien hiermit alle Antragsberechtigten zur Wahrung ihrer berechtigten Ansprüche auf den Termin nochmals hingewiesen.
Anträge müssen dis zum 31. Mai 1936 dem Arbeitsgauführer des Arbeitsgaues XXV direkt ober über die Dienststelle des Arbeitsdank eingereicht werden.
DHL. Gießen.
Man berichtet uns: „Wer recht in Freuden wandern will, der geh' der Sonn' entgegen". Mit dieser inneren Einstellung fanden sich am vergangenen Sonntag 65 Mitglieder und Freunde des Zweigvereins Gießen vom VHC. zur gemeinsamen Wanderung am Bahnhof Gießen ein. Ziel der Wanderung war diesmal das vielbesungene liebliche Lahntal und seine Hohen. Die Bahn benutzend wurde über Wetzlar gegen 9 Uhr das Dorf Allendorf an der Ulm erreicht, wo die Fußwanderung begann. Die graue Wolkendecke des frühen Morgens hatte inzwischen lachender Sonne Platz gemacht, dis einen warmen, recht für eine Frühjahrswanderung geeigneten Tag erwarten ließ. Inmitten ausgedehnter Waldungen grüßte fern die Dianaburg. Leicht ansteigend überschritten wir dis Ulmtalbahn, durchschritten die hügelige Acker- und Wiesenlandschaft und erreichten nach kurzer Zeit den Hochwald. Umrahmt von fichtenbewachsenen Bergwänden lag hinter uns friedlich geborgen im Tal Allendorf. In Ehrfurcht vor der Natur durchschritten wir den Wald. Breitausladende mächtige Buchen und Eichen gewährten uns ein schützendes Dach. Birken leuchteten im Sonnenlicht und bildeten ein besonderes Stück lebendigen Frühling. Ueberall sonntäglicher Friede. Nur ein Kuckucksruf aus der Ferne und leises Rauschen der Baumwipfel unterbrachen die
Kritiker Gelegenheit hatte, feine Eindrücke zu sammeln und zu verarbeiten. Eine derartige Kritik muß als im höchsten Grade leichtfertig angesprochen werden. Sie läßt jede Ehrfurcht vor der künstlerischen Leistung — ganz gleich, welchen Grades sie sein mag — vermissen.
Reichsminister Dr. Goebbels hat im Dezember v. I. auf der Kritikertagung in seiner Rede während des Festaktes der Reichskulturkammer am 1. Mai und erneut während der Reichstheaterfestwoche in München zum Thema der Kritik Stellung genommen und der deutschen Kunstkritik neue Wege gewiesen. Er hat zum Ausdruck gebracht, daß die Kunstkritik nicht um ihrer selbst willen erfolge, und daß man nicht um eines geistreichen Bonmots willen eine gut gemeinte oder gar ansehnliche künstlerische Leistung herabwürdigen dürfe. Er hat ferner mit aller Schärfe die Mißstände gegeißelt, die in den letzten beiden Jahrzehnten in der Kunstkritik eingerissen waren. Als letztes Ueberbleibsel dieser Mißstände ist durch die neue Verfügung nunmehr die Nachtkritik beseitigt worden.
Gesunde Kost der alten Wikinger.
lieber die Ernährung der Wikinger hat Skuld von Gudjoson eingehende Forjchungen angestellt, und feine Ergebnisse würdigt, wie in der Wochenschrift „Hippokrates" berichtet wird. R. Bircher unter dem Gesichtspunkt, wie sich diese Kost mit den heutigen Anschauungen verträgt. Sie war sehr einfach und beruhte auf der Landwirtschaft, während Viehzucht, Jagd, Fischerei und Sammeln zurücktraten. Im Vordergründe standen daher Getreidespeisen aus Hafer, Roggen und Gerste. Vom Mehl wurde Brot gebacken und Grütze gekocht, ein sehr gängiges Gericht. Dabei wurde das Getreide weniger gemahlen als vielmehr geschrotet. Haferbrei wurde am meisten verwendet und gewöhnlich mit Hering genossen. Auch Kohl und Wildgemüse, besonders Wurzeln von einer Art Blattsellerie wurden viel verzehrt. Als vorzüglicher Vitamin OSpender wurden Zwiebeln selbst auf Island mit seinem ungünstigen Klima viel gepflanzt, und auch verschiedene Obstarten wie Aepfel und wildwachsende Beeren reichlich genossen. Fleisch war ein sehr geschätztes Nahrungsmittel, wenn auch bezweifelt wird, daß es in großen Men. gen genossen wurde. Wenn gerade Leber, Niere«, und Hirn die begehrtesten Teile waren, so wird dies auf das instinktive Wissen um deren Vitaminhal- tigkeit und den Gehalt an sonstigen wichtigen Stoffen zurückzuführen fein. Fische, besonders Heringe, gehörten zur täglichen Nahrung und spielten so eine Rolle als Fett- wie als Vitamin ^.-Spender.


