Ausgabe 
13.5.1936
 
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Nr.M Zweites Blatt

Gießekr Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Mittwoch, 13. Mai 1936

Aus dem Reiche der Krau.

SieSauspflegerin ist immerzurStelle

Äon Hilde Ines, Äerlm.

Wenn früher eine vielbeschäftigte Hausfrau krank und pflegebedürftig wurde, war das Härteste von allem für sie, daß ihr Haushalt langsam aber sicher verwahrlosen mußte. Da niemand zur Hilfeleistung einsprang, Mann und Kinder sich nicht mit den veränderten Verhältnissen abzufinden wußten, blieb ihr meistens gar nichts anderes übrig, als sich viel zu frühzeitig wieder auf die Füße zu stellen und zu arbeiten vom Morgen bis zum Abend. Was Wunder, daß solch eine Mutter bald ihre Kräfte hinschwinden sah, daß sie nur noch mit Anstren­gung ihren Pflichten nachzukommen vermochte. Sie hatte eben ununterbrochen Dienst, und niemand fragte danach, ob auch sie einmal Gelegenheit hätte, sich auf sich selbst zu besinnen und Feierstunden als die ihr zukommende Selbstverständlichkeit zu be­trachten.

Heute aber sind überbelastete Frauen nicht mehr auf sich selbst angewiesen, vielmehr wird in einer Weise für sie gesorgt, die ihresgleichen sucht. Ganz abgesehen von der Erholungsmöglichkeit, die ihnen in besonderen Heimen geboten wird, stellt ihnen die NSV. zur Betreuung der Familie und des Haus­standes eine sogenannte Hauspflegerin zur Verfügung. Damit ist schon gar manche^ besorgten Frau eine Last von der Seele genommen worden, denn ganz getrost kann sie nun ja den Dingen ihren Lauf lassen. Sie weiß nämlich genau, daß mit dieser Hilfe ein Mensch in ihr Haus eingezogen ist, der allen Anforderungen gewachsen ist. Denn natürlich ist die NSV. auch auf diesem Gebiet be­strebt, ganze Arbeit zu leisten. So wählt sie nur erfahrene, zuverlässige Hausfrauen und Kranken­pflegerinnen für dieses Werk der Nächstenliebe aus, und zudem hat sie Sonderkurse eingerichtet, welche die Hauspflegerinnen mit den Bedürfnissen des Tages vertraut machen sollen. Es gibt also u. a. Koch-, Säuglings- und Krankenpflegeunter­richt, der vor allem die heutigen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Ernährung, der Verwendung hei­mischer Lebensmittel usw. berücksichtigt. Da man ja im Leben niemals genug lernen kann, sind auch die Beteiligten mit ganzer Seele bei der Sache. Unermüdlich treten sie abends nach ihrer anstren­genden Tagesarbeit an, um sich alle Zusammen­hänge, neuartige Gerichte und besondere Zuberei­tungsmöglichkeiten erklären zu lassen. Doch nicht nur in der Theorie nehmen sie das Wissen in sich auf, selbst stehen sie an den Herden, rühren in den Kochtöpfen, schmecken immer wieder ab, damit auch alles wohlgerät. Sie bilden ihre eigenen strengen Kritiker, die eifrig dabei sind, das Wort der Lei­terin in die Tat umzusetzen. So ist es nicht erstaun­lich, daß ein Wettbewerb, der mit solcher Hingabe ausgetragen wird, hervorragende Ergebnisse zeitigt. Denn die Gerichte, die mit den sparsamsten Mit­teln gekocht werden, gelingen eigentlich immer und finden den ungeteilten Beifall der Köchinnen, die zum Schluß fröhlich an der Tafel Platz nehmen.

Auch in politischer und weltanschaulicher Bezie­hung erhalten diese Frauen das nötige Rüstzeug, damit sie ihren Einfluß in der rechten Art geltend zu machen verstehen. Kommen sie doch durch ihr Amt oft in die Lage, im Sinne der Volks­gemeinschaft so.zu wirken, daß ihr Tun die beste Erklärung für alles Wollen bedeutet, wie sich uns"re Hauspflegerinnen überhaupt durch einen groß n Idealismus für die Sache, der sie dienen, auszeichnen. Der Satz von 38 Pf. je Stunde spricht dafür, daß die so Tätigen ihre Pflicht als das an­erkennen, was sie sein soll: Dienst am Nächsten und damit Einsatz für das Volksganze.

Auch hilfsbedürftige Alte erfahren die Wohltat der Betreuung durch diese uneigennützigen Frauen, die täglich nicht nur mit Kranken, sondern auch mit Gesunden in Berührung kommen. Den Müttern ge­sunder Kinder gilt ihre besondere Bereitschaft. In aller Stille wirken diese der Oeffentlichkeit unbe­kannten Hauspflegerinnen als treue Kameradinnen mit an dem Werden eines widerstandsfähigen und lebenskräftigen Volkskörpers.

WerMiae Frauen

NSG. In der Gemeinschaft des Betriebes steht die Frau mit der gleichen Verpflichtung und Ver­antwortung wie jeder Arbeitskamerad. Deshalb muß sie ihr Schicksal und ihre Aufgabe in Ver­bundenheit mit dem alle Volksgenossen verpflich­tenden Streben nach rechter Gemein­schaft verstehen und gestalten lernen. Im eigenen Heim als Gefährtin des Mannes und Mutter der Kinder zu wirken, wird immer der schönste und segensreichste Inhalt des Frauenlebens sein. Das Wirken im eigenen Heim wird aber nicht abseits und unbeeinflußt vom Arbeitsleben des Volkes sein können. Das Heim von heute ist ein Heim mit offenen Türen, die Frau muß wissen um ihre große volkserhaltende Aufgabe, die Sorge um die Erziehung der Kinder. Aus dieser Welt des Heimes im Kleinen baut sich erst die Welt im Großen auf. In vielen Berufen ist die deutsche Frau pflicht- getreu und verantwortungsbewußt tätig, in der Industrie, im Handwerk, im Handel, bei Verwal­tungen Sie arbeitet am laufenden Band und der Maschine ebenso wie in allen Zweigen unseres viel- ältigen Erwerbslebens.

Seit August 1934 ist nun für all die werktätigen Frauen in der Deutschen Arbeitsfront dasF r a u- enamt" geschaffen, welches Sorge zu tragen hat, daß auch die erwerbstätige Frau in einer Atmo­sphäre schafft, welche die Frau als Mutter des Volkes erhält und ehrt. Die Vertrauens- f rau en im Betriebe Helsen dem Frauenamt diese Ausgabe zu erfüllen. Denn Frauen sollen selbst dar- über wachen und sorgen, daß Arbeitsweise und Leistungen dem weiblichen Wesen angepaßt sind. Die Vertrauensfrau ist Vermittlerin und Vertrete­rin der weiblichen Gefolgschaft gegenüber dem Be­triebsführer, dem Vertrauensrat, dem Betnebs- walter und ihrer Reichsbetriebsgemeinschaft und hilft den Arbeitskameradssinen mit Rat und Tat. Für hygienisch möglichst einwandfreie Arbeitsplätze wird gesorgt, und Vorschläge ausgearbeitet zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. In Betrieben mit großer weiblicher Gefolgschaft wird in Zukunft die soziale Betriebsarbeit noch stärker ausgebaut, indem sozialpädagogisch vorgebildete Frauen einge­setzt werden, Betriebsführer und Vertrauensrat zu

helfen für das Wohl der Gefolgschaft zu sorgen. Eine Schutzgesetzgebung für die arbeitenden Frauen bedarf noch sorgfältiger Durcharbeitung, doch wird durch die Maßnahmen des Arbeitsplatzaustausches der Ablösung von der Schwerarbeit so wur­den in der Metallindustrie in fast 20 v. H. aller Betriebe die Frauen aus der Schwerarbeit heraus­genommen und an leichtere und gesündere Arbeits­plätze gebracht bei Erhaltung der gleichen Lohnhöhe der künftigen Gestaltung der Schutzgesetz- g e b u n g vorgearbeitet. Durch ein Abkommen des Frauenamtes der DAF. mit der NSV. zugunsten schwangerer Frauen im Betrieb wird eine zusätz­liche Hilfe in Form von Bargeld, Ernährungsbei­hilfen, Säuglingsausstattungen geleistet. Durch zu­sätzlichen, bezahlten Urlaub konnte manche Arbeitskameradin wieder gesund werden.

In den Dienststellen des Frauenamtes erhalten

die Frauen der Arbeitsfront Rat und oft auch unter­stützende Tat. Die Inanspruchnahme der Be­rat u n g s st e l l e n ist in ständiger Zunahme be­griffen. Auch die Ehefrauen der männlichen Mit­glieder der DAF. zählen zu den Ratsuchenden. Je stärker die weiblichen Mitglieder der DAF. teil­nehmen an allen Aufgaben der Selbsthilfe in der DAF., je stärker auch die Frauenwerkgruppen in den Betrieben an der kulturellen Gestaltung aus dem Arbeitserlebnis heraus mithelfen Betriebs­gemeinschaft zu üben, volkswirtschaftlich zu denken und an planmäßiger Arbeitserziehung zu wirken, um so besser wird das Aufbauwerk unseres Füh­rers gelingen. Ehret die Arbeit und achtet den Arbeiter. Im Herzen der werktätigen Frauen klingt der heiße Wunsch, daß bann der Segen der Arbeit allen getreuen, arbeitsfähigen und arbeitswilligen deutschen Männern und Frauen zuteil werde.

as sollen wir tragen?

PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS

SOMMERLICHE

T\ M

1 HUTFORMEN

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Sommerliche Hutformen verschiedenster Art zeigt der heutige Vorschlag unseres Modezeich­ners: angefangen beim einfachen, sportlichen Süd­wester bis zum großen, eleganten Nachmittagshut.

Skizze 1 ist ein schlichter Herrenhut aus weißem Leinen mit schmalem Ripsband und kleiner, seitlicher Schleife. Das Modell ist besonders gut zum praktischen, herrenmäßig geschneiderten Leinenjackenkleid zu tragen.

Der einfache, gelbliche Perkalstrohhut (2) mit der großen Schleife aus braunem Ripsband eignet sich ebenfalls gut zur Ergänzung von Jacken­kleid ober Mantel. Sein Ranb ist von einem schmalen, braunen Ripsbanb eingefaßt. Diese Form ist für frauliche Erscheinungen gedacht.

Das großgemusterte, elegante Nachmittagskleid wird vorteilhaft vervollkommnet durch den großen schwarzen Hut aus Exoten st roh, mit dem großen Tuff aus weißen Piqueblüten (3). Um den Kopf ist außerdem ein schmales, schwarzes Ripsband gelegt und hinten zur Schleife gebunden.

Zum sportlichen Waschseidenkleid, aber auch zum buntgeblümten oder -bedruckten Leinenkleid paßt gut derweißePanamahut mit dem breiten, moos­grünen Ripsband (4). Der an der Kante scharf nach unten umgebogene Rand ist durch ein schmales, eben­falls grünes Ripsband eingefaßt.

Der sehr jugendliche, das Haar weit freUaffenbe Südwester (5) ist aus weißem Pique. H.

Mutti, mein Ohr!../

Erste Hilfe" in der Rächt

Mutti, weh-weh!" Bubi hat beide Fäuste auf die Ohren gepreßt und weint. Ja, Ohren­schmerzen sind eine schlimme Sache und Grund genug, daß Mutter sich Sorgen macht. Es gibt Kin­der, die in den ersten Jahren meist bis zum Schulanfang viel unter Ohrenschmerzen zu leiden haben. Keine Mutter darf das leicht nehmen. Ohren­leiden, die in der Kindheit zu leicht genommen wurden, können später einmal zu schweren Folgen führen.

Mutti, ich hab' Ohrenschmerzen, es läuft auch Wasser aus dem Ohr!" Das Ohren-Laufen, wie der Laie sagt, kann verschiedene Ursachen haben. Ist die Absonderung eitrig, so handelt es sich entweder um ein Furunkel im Gehörgang oder eine Mit­te l o h r e r k r a n f u n g. Ist der Ausfluß wafserig, dann kommt er von einem Ekzem des Gehörganges, und ist er mit Blut untermischt, dann handelt es sich um eine schwere Mittelohrerkrankung! Auf jeden Fall hat hier der Arzt zu entscheiden.

Bitte, träufeln Sie dem Kind nichts ins Ohr, was nicht verordnet wurde!" Immer und immer wieder muß der Arzt die Mutter auf dieses Wort aufmerksam machen. Es ist kaum zu glauben, wie­viel in dieser Beziehung gesündigt wird!

Ich habe nur ein bißchen warmes Oel einge­träufelt!" verteidigt sich die Mutter,Bubi hat die ganze Nacht geweint, die Ohrenschmerzen setzten ganz plötzlich ein!"

Warmes Oel vor allen Dingen Olivenöl ist die Brutstätte für alle möglichen Bakterien, alle Pflanzenöle verschmutzen das Ohr, im Notfall kann man etwas erwärmtes Glycerin einträufeln, viel besser aber sind heiße feuchte Umschläge auf das

schmerzende Ohr. Treten in der Nacht plötzlich Ohrenschmerzen auf, so kann das ganz harmlos sein. Das Kind hat vielleicht mit offenem Mund beschla­fen, und die Rachengebilde, die die Gänge, die zum Ohr führen, reinigen und entleeren sollen, haben nicht gearbeitet, so sind die Schmerzen entstanden. Sie vergehen bald wieder durch heiße feuchte Um­schläge und Mund- und Rachengurgelungen. Heiße Fußbäder nützen ebenfalls auf keinen Fall aber dürfen kalte Umschläge gemacht werden.

Ohrfurunkel fitzen als kleine Schwellungen im äußeren Gehörgang im Bereiche der Haarbalg­drüsen. Sie entstehen durch die schlechte Eigenschaft der Kinder, Gegenstände, wie Streichhölzer, Erbsen ober Bohnen ins Ohr zu stecken! Das Furunkel be­reitet heftige Schmerzen unb muß sofort behanbelt werben, ba es wie alle Furunkel sich fortpflanzt unb immer neue Eiterherbe erzeugt. Dreiprozentige Essigsauretonerbe unb Leinsamensäckchen werben auf bie kranke Stelle gebracht, bamit bas Furunkel halb weich wirb.

Ohrensausen tritt bei ben verschiedenen Ohr­erkrankungen durch Reizung des Gehörnervs auf. Es kann aber auch eine Folge von Blutarmut fein und muß deswegen immer beachtet werden. Auch schwere Ohrerkrankungen wie dieOtosklerose", die eine Verkalkung der Gehörknöchelchen bedeutet, kann Ohrensausen Hervorrufen. Auch hier muß der Arzt entscheiden. Schwerhörigkeit kann manchmal ganz harmlose Ursachen haben, indem nämlich das Ohr durch zu reichliche Absonderung von Ohren­schmalz verstopft ist. Dann muß das Ohrdurch­gepustet" werden und durch sachgemäße Spülungen, die der Arzt ausführt, das vielleicht erhärtete Schmalz erweicht werden.

Mein Kind hat Ohrenschmerzen!" ist ein Alarm­ruf für alle Mütter, und dieser Alarmruf bedeutet: schnell zum Doktor! Dr.W.

FrWiugsrezepte.

Äon Frieda Aisch.

Das war bei uns zu Hause eine fröhliche Sache: Wenn etwas Neues, Erstes, aus dem Garten auf den Tisch kam, faßte Mutter ihren rechten Nachbar über dem linken Ohr in die kurzen Härchen, zupfte lind und sagte leise:Ziep, ziep Härchen, was Neues vom Jährchen!" und weiter ging das Ziepen um den Tisch mit der nötigen tummelnden Freude, bis es bei Mutter wieder ankam.

Das erste waren wohl immer Rhabarber und Stachelbeeren. Sie kämen wohl öfter auf den Tifch, wenn ihre scharfe Säure nicht wäre. Trotz Men­gen von Zucker läßt sie sich nicht überdecken. Der übliche Zusatz von Natron nimmt ihnen sehr ihre Eigenart. Außerdem wird hie und ba vor ihrer Oxalsäure gewarnt. Diese binbet man mit pulveri­sierter, gereinigter Schlemmkreide. 2 kg Frucht wird mit 2 Liter Wasser unb 1 Teelöffel Schlemmkreide aufgekocht, durchgefiebt unb weiter verwenbet.

Rhabarberpaftete. Aus 375 g Mehl, 1 Ei, 170 g Butter, 2 Löffeln Zucker, etwas abgeriebener Zitronenschale, 1 Messerspitze Backpulver, 1 Löffel Milch macht man einen Teig, rollt ihn dünn aus unb belegt bamit Boben unb Ranb einer Spring­form. Jetzt streut man eine Hanb voll geriebenes Schwarzbrot, 2 Hänbe voll trockene Korinthen hinein, gibt den gekochten gesüßten Rhabarber hinzu, nachdem man 3 Eigelb und den Schnee darunter gemischt hat. lieber alles träufelt man 2 Löffel Honig und gibt den restlichen Teig als Decke dar­über. An den Enden sehr fest zusammendrücken, mit geklopftem Ei bestreichen und bei guter Hitze backen.

Rhabarb er-Creme. 750 g Rhabarber kocht man weich und gibt sie durch ein Sieb. Dann gießt man soviel Traubensüßmost oder Weißwein darauf, daß man IV2 fiiter Flüssigkeit hat. Davon nimmt man einige Löffel ab und verrührt gut 1 Eßlöffel Honig darin. Das andere bringt man zum Kochen. 50 g Kartoffelmehl rührt man mit wenig Wasser klar, gibt 3 Eigelb dazu, rührt dies in den kochen­den Saft, bis es dickt. Dann mischt man den steifen Schnee darunter, zieht vom Feuer, schmeckt mit Zucker ab, gibt den verdünnten Honig dazu und stellt alles falt.

Dänische Rhabarbergrütze. 750 g Rha­barber werden mit dem Schlemmkreidewasser ab­gekocht und durchgegossen. Mit 1 Liter Wasser auf- gefüllt und aufs Feuer gesetzt. Don der jetzt lau­warmen Flüssigkeit nimmt man etwas ab, gibt 125 g Kartoffelmehl dazu, rührt dies klar und gibt es mit 1 Zitronenschale und 150 g Zucker und 2 Blatt aufgeweichter roter Gelatine unter das Ganze. Ist alles steif gekocht, nimmt man etwas davon ab, läßt abkühlen und zerrührt 1 Eßlöffel Honig darin. Erft in die abgekühlte Speise gibt man dies Anrührsel. Ganz kalt mit frischer roher Milch reichen, oder frischer süßer Sahne. Das Gelingen der Speise hängt davon ab, daß das Kartoffelmehl lauwarm angerührt wird. Tut man dies falt, so ist der Temperaturunterschied zwischen Speise und Anrührsel zu groß, und das Kartoffelmehl zieht die befannten Fäden.

Früh! i n g 5 t u n f e n. Eier-, Milch-Cremes und -Tunfen würzen wir jetzt, indem wir einige Stengel- chen Waldmeister darin ziehen lassen. Einige Pfir­sichblätter geben einen Geschmack nach bittern Man­deln. In einzelnen Fällen fönnen wir auch eine Holunderdolde dazu nehmen, doch muß man damit vorsichtig sein, damit der Geschmack nicht zu auf­dringlich wird.

Stachelbeertorte. Aus 125 g Butter, 70 g Zucker, 1 Ei, Salz, Zitronenschale oder Zimt nach Geschmack fnetet man mit 250 g Mehl einen Mürb­teig. Damit belegt man den Boden und Rand einer Tortenform und bäckt ihn in V« Stunde hellbraun. Die in Schlemmfreidewasser abgewellten Stachel­beeren werden leicht gesüßt. Auf den Mürbeboden streut man Zwiebackfrümel oder geriebene Makro­nen, gibt darauf die Stachelbeeren, durchsticht mit der Gabel den Tortenboden in zwei Finger breiten Abständen hier und da und bedeckt die Torte mit 2 Eiweiß-Schnee, der mit 2 Löffel Zucker vermischt ist. Noch einmal bei Oberhitze leicht überbacken.

Feiner Stachelbeer-Auflauf. In eine gut gebutterte Mehlspeisenform schüttet man die gekochten, gesüßten Früchte und gibt darüber fol- genben Teig: 3 Eßlöffel Butter, 2 Eßlöffel Zucker und 6 Eigelb rührt man ordentlich zu Sahne und zieht den Schnee der 6 Eier darunter. Bei mäßiger Hitze etwa V2 Stunde backen.

Stachelbeeren mit Graupen. 250 g grobe Graupen quillt man mit Wasser, Zucker und Zitronenschale aus, quirlt 2 Eigelb mit 1 Glas Apfelmost und gibt sie darunter. Dann kocht man 1 Liter grüne Stachelbeeren mit Schlemmkreide- wasfer ab und kocht sie in dickem Zuckerwasser fertig. Man richtet Graupen und Stachelbeeren abwechselnd schichtweise an. Diese warme Speise ist, wenn sie nicht zu sehr gesüßt ist, ein guter Ersatz für die im Herbst so beliebten 2lepfelfartoffeln (Himmel und Erde). Eine Beilage von gebratenen Kottelets paßt gut dazu.

Etwas vom Spargel. Der gute Geschmack des Spargels hängt nicht nur von ihm selbst ab, sondern auch von seiner Behandlung. Ein klein wenig mißtrauisch stehen wir schneeweißen Spargeln gegenüber. Dies wird er nur, wenn er im Wasser gelegen hat. Er sieht zwar prächtig aus, verliert aber einen guten Teil seiner Nährsalze. Können wir ihn nicht frisch kochen, graben wir ihn bis zum Gebrauch in die Erde ein, bis zwei Hände tief, oder wickeln ihn in ein nasses Tuch und heben ihn kühl und dunkel auf. Z u langer Spargel ist holzig, und wir müssen zu viel davon wegtun. Ist er sehr dick, hat er grobe Fasern und läßt sich schlecht einteilen. Bruchspargel sind verhältnis­mäßig gut und billig. Denn der Spargel, der schon beim Ernten zerbricht, ist immer besonders zart. Gewöhnlich wird Spargel in Salzwasser gekocht. Kann man dieses aber nicht zu Tunken oder ©tip­pen verwenden und muß es fvrtschütten, so geht der größte Nährwert verloren. Durch die Salzbei­gabe entsteht leicht ein säuerlicher Geschmack. Darum salzen mir erst zum Schluß und geben beim Kochen eine Prise Zucker daran, die den Eigengeschmack des Spargels hebt.

Stangenspargel stellen wir zum Kochen senkrecht in einen hohen Topf, der halb mit kochendem Wasser gefüllt ist, die Köpfe müssen heraussehen; über diese stülpen wir eine Schüssel. Jetzt kocht der Spargel halb im Dampf, und die Köpfe können nicht zerfallen.