Nr. 266 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzetger für Overhessen) Donnerstag, »2. November 1936
Der letzte Ueberlebende der „Isis".
688 000
4 064 000
1. Halbjahr 1936 683 000 901 000 1 786 000
653 000
3 984 000
fuhr — 1936 schätzungsweise noch immer für Millionen Franks aus, d. h. für rund 30 Mill.
180 Mk.
1. Halbjahr 1934 371 000 685 000 1333 000
Salben, Pomaden usw.
Kölnisch Wasser u. a.
Parfüms »
Kopf-, Mund- und Zahnwässer
Puder und Schminken
Unter den großen Ausfuhrländern steht Deutschlands kosmetische Industrie nach Frankreich, den Vereinigten Staaten und England an vierter Stelle. Der Jahreswert unserer Ausfuhr dürfte sich für das laufende Jahr auf etwa 6 Millionen Mark belaufen. Frankreich führt demgegenüber — trotz des weiteren Absinkens der französischen Aus-
Jn diesem vom Sturm zerschlagenen Rettungsboot trieb der Schiffsjunge R o e t h k e zwölf Stunden lang umher. Eine Aufnahme, die von Bord des Dampfers „Westernland" gemacht wurde, als das Rettungsboot mit dem letzten Ueberlebenden des deutschen Dampfers ,Zsis" aufgefunden war. Durch eine beherzte Tat gelang es, den bereits bewußtlosen jungen Seemann an Bord des Schiffes zu bringen und zu retten. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Körperpflege ist kein Luxus.
Äon Bartwichse und Puderwolken zu den unentbehrlichen Hilfsmitteln der Körperpflege.
Das Feld unserer Schönheitsmittel-Industrie ist nicht Europa, sondern Afrika und Asien. Rund die Hälfte der Ausfuhr von Kölnisch Wasser gelangt beispielsweise auf den asiatischen Markt: ein Drittel der Pomaden wird auf afrikanischen Märkten abgesetzt; der größte Abnehmer für deutsche Puder und Schminken ist Niederländisch- Jndien und der bedeutendste Abnehmer für Kopf- und Mundwässer ist Britisch-Westafrika.
Unser heimischer Markt wird mit jedem Jahre mehr von der Zufuhr ausländischer Kosmetika bereinigt. Einerseits hat sich die Qualität der deutschen Erzeugnisse während des letzten Jahrzehnts sichtlich gehoben, zum anderen ist die deutsche Frau mehr und mehr dazu übergegangen, aus französische und amerikanische Erzeugnisse zu verzichten. Und schließlich wollen wir alle ja aus Gründen der Devisenersparnis ausländische Luxuserzeugnisse ablehnen, damit unsere deutschen Arbeiter nicht um ihren Verdienst gebracht werden. Der Wert der Kosmetik-Einfuhr
V.A. „Ein gesunder Geist wohnt nur in einem gesunden Körper!" Und den Körper zu stählen und zu pflegen ist heute ein wichtiges Gebot der Lebensführung. Wie stark hat sich doch die Ansicht über Sinn und Zweck der Schönheits- und der Körperpflege im Verlaufe des letzten Jahrhunderts gewandelt, und wie stark hat er sich vor allem auch während des letzten Jahrzehnts verändert! Schönheitspflege bedeutet dem deutschen Volke nicht mehr das Aufträgen von dicken Schminkschichten, von Puderwolken und durchdringenden Parfümgerüchen. Sondern sie bedeutet Pflege der Haut, Pflege des Haares, der Zähne, überhaupt des gesamten äußeren Menschen im Sinne von Sauberkeit und Elastizität.
Diese ganz wesentliche Wandlung vom rein Dekorativen der Bartwichse zum gesundheitsfördernden Zahnputzmittel, von der Schminke zu Seife und Hautkreme hat auch die kosmetische Industrie in den letzten Jahren vor erhebliche neue Aufgaben gestellt. Hieraus erklärt es sich auch, daß die Umsatzgestaltung nicht den starken Kriseneinbruch erfahren hat, wie ihn die Mehrzahl der anderen Industriezweige verspüren mußte. Anderseits ist aber auch der Ausstieg der letzten drei Jahre in der Nachfrage nach kosmetischen Präpa- raten nicht so stark zum Ausdruck gekommen, wie etwa in der Nachfrage nach lebenswichtigen Gebrauchsgegenständen.
Unsere deutsche Industrie verfügt über eine ganze Reihe alter Namen von gutem Klang. Erwähnt sei Johann Maria F a r i n a in Köln, erwähnt sei auch M o u s o n , der bereits zu Friedrichs des Großen Zeiten Wässerchen herstellte. Gegenwärtig befassen sich rund 3000 Unternehmen mit der Herstellung von allen den Dingen, die zur Körperpflege und -Verschönerung dienen. Die Zahl der in der Kosmetik-Industrie Beschäftigten beläuft sich auf etwa 40 000. Genau läßt sich diese Zahl jedoch nicht umgrenzen, da beispielsweise auch viele pharmazeutische Fabriken Schönheitsmittel oder Grund stosse dazu herstellen und da anderseits die Seifenfabriken neben der parfümierten Toilettenseife auch Schmierseife fabrizieren.
Es ist bemerkenswert, daß unsere kosmetische Industrie nach Krise und Boykott jetzt auf dem Weltmarkt wieder langsam Fuß zu fassen beginnt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres führte sie bereits wieder 8007 dz Salben, Parfüms, Kopf- und Mundwässer, Puder und Schminken aus gegenüber 7141 dz in der gleichen Zeit 1934. Diese Tatsache verdient deswegen besondere Erwähnung, weil in diesen letzten beiden Jahren Frankreich mehr und mehr von seinem Weltmarkteinfluß verloren hat.
Deutsche Ausfuhr von Kosmetika.
(Mengen in kg)
ist dementsprechend von fast 4 Millionen Mark vor der Krise bis auf etwa 1,2 Mill. Mark zusammengeschrumpft.
Der Verteiler-Apparat ist in der kosmetischen Branche wohl erheblich größer als in anderen Zweigen der Wirtschaft. Körperpflege- und Schönheitsmittel werden in 19 800 Drogerien, in 7200 Apotheken, in 4500 Parfümerien, in 13 300 Seifengeschäften und in fast 100 000 Friseurgeschästen an die Kundschaft heranqebracht. Ganz abgesehen von den Warenhäusern, Konsumvereinen usw., die auch diese Artikel führen. Erfreulicherweise ist während der letzten Jahre die unlautere Konkurrenz des Hausier-, Straßen-, Beamten- und Werkhandels zugunsten der Fachgeschäfte ausgemerzt worden.
Der Umsatz in Parfümerien und kosmetischen Artikeln in den Fachgeschäften wird auf insgesamt 150 b i s 180 Mill. Mark geschätzt, je nachdem, wie weit der Begriff der dazugehörigen Artikel und Erzeugnisse gefaßt wird. Das ist immerhin eine Summe, die hinter den Umsätzen anderer Zweige des Verbrauchs nicht wesentlich zurückbleibt. Gegenüber den reinen Gebrauchsgütern haben die Kosmetika aber die Eigenheit, daß sie sehr stark von den großen Modebewegungen, von der Aende- rung des Zeitgeschmacks und von den Wandlungen der Lebensgewohnheiten und des Lebensstils abhängig sind.
Ausruf!
Das Winterhilfswerk braucht uns!
INädel, Iungmädel!
Ihr alle habt in den letzten Jahren gern und eifrig dem Winterhilfswerk geholfen. Auch in diesem Jahr werden wir gebraucht! Selbstverständlich sind wir zur Stelle.
In den Heimabenden der BDM. - Mädel wird schon jetzt tüchtig geschafft, um all das Material, das uns die NSV. zur Verfügung gestellt hat, bis Weihnachten noch zu verarbeiten, damit wir wieder allen, die uns brauchen, eine Weihnachtsfreude machen können.
Ihr Jungmädel habt noch eine ganz besondere Aufgabe vor euch! Wie im vergangenen Jahr, dürft Ihr wieder am 14. November die Kleinkinderwäsche- und Kleidersammlung durchführen, auf die ihr euch alle schon lange freut. Wir sind stolz, daß uns die NSV. unseres Gaues auch in diesem Jahr diese schöne Arbeit anvertraut: wir wissen jetzt schon fest, daß sie mit uns zufrieden sein kann.
Mädel und Jungmädel stehen bereit, wieder an allen Türen zu klingeln und immer wieder zu bitten: sie sind überzeugt, daß sie gehört werden. Wir freuen uns auf unsere Arbeit am Winterhilfswerk!
Heil Hitler!
Erika D e s ch, Obergaujungmädelführerin.
Else Riese, Obergausührerin.
Große Führertagung der HI. des Gebietes Hessen-Nassau
LPD. Wiesbaden, 11. Nov. Als Auftakt zur Winterarbeit hat Gebietsführer Oberbannführer Brandt eine Tagung des gesamten H I.» FührerkorpsdesGebietsHessen-Nas» sau für den 15.November nach Wiesbaden einberufen, um den Winterarbeitsplan bekanntzugeben, und um die Durchführung der Sonderaktion zu besprechen. Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger wird am Nachmittag das Wort ergreifen, um der Jugend seines Gaues Weg und Ziel ihres Marsches aufzuzeigen.
60, Geburtstag eines Pioniers der Stenographen.
LPD. D a r m st a d t, 11. Nov. Am Mittwoch konnte der Gebietsführer des Großgaues Hessen- Nassau der Deutschen Stenographenschaft, Landtagsdirektor i. R. Heinrich Werner, seinen 60. Geburtstag begehen und gleichzeitig auf eine 40jäh- rige erfolgreiche Arbeit für die deutsche Kurzschrift und namentlich die Deutsche Einheits-Kurzschrift zurückblicken, lieber das Hessenland hinaus ist Gaugebietsführer Werner durch seine stenographische Pionierarbeit beim Militär, in den Schulen und in der hessischen Beamtenschaft sowie für die Geschäftsstenographenprüfungen bekannt geworden. Am 1. Juli 1933 wurde ihm der Ehrenbrief der Deutschen Stenographenschaft überreicht. Seit September 1933 ist er Vorsitzender des Großgaues Hessen-Nassau der Deutschen Stenographenschaft.
3h
roinfch erfüllt?
k /Die helßersehnte frohe Bot- / schäft elngttroffen? Das / muß mit Schaumwein be« gossen werden. Dann gibt's erst Stimmung!
SCHAUMWEIN
Gießener Konzertverein.
I. Orchester-Konzert.
Welche Ausdrucksstärken gerade der Altstimme gegeben sind, davon vermochte das erste Symphoniekonzert des Gießener Konzertoereins zu überzeugen. In diesem Stimmencharakter prägte sich eine Schwere und Tiefe der Empfindung ab, die anderen Stimmgattungen trotz mancher anderen Vorzüge versagt bleiben. Karin Schenk (Alt), Berlin, ließ mit ihrer dunkel gesättigten Stimme das Schicksal der Ariadne in Hoffen und Schmerz lebendig werden mit vollem Einfühlen in Joseph Haydns große Szene. Zunächst erschien ihr Organ etwas glanzlos, aber im Laufe des Einsingens wuchs es zu ergiebiger Fülle und leuchtenden Klängen heran Die untere Mittellage vermochte üppige Töne zu entwickeln. Die Höhe behandelt die Sängerin 3U= mäl im Piano äußerst vorsichtig, im Forte dagegen entfaltet sie sich auch in dieser Lage klangvoll und akzentkräftig. Das Schluß-Allegro der Ariadne-Szene zeigte sie so in voller Ausnutzung ihrer Mittel, bei ausgeglichener Durchführung der Koloraturen. Vollsten Besitz und den geschlossensten Eindruck von den stimmlichen und musikalischen Fähigkeiten gewann man aber in der „Rhapsodie von 'Brahms. In durchgeistigender Vertiefung, voll klanglicher und innerer Wärme, erstand hier das Menschenschicksal bei starken deklamatorischen Akzenten: im Schlußsatz wurde die Sängerin zur Trägerin der Trostgewihheit und erhob sich m Ausdruck und Klang bei den Worten „erquicke !->m Herz" zu tiefster Inbrunst, den Hörer unmittelbar überzeugend.
Hier gab der Bauersche Gesangverein der Solostimme das klangliche Fundament. Wenn auch der erste Einsatz, den B r a h m s piamssuno (mezza voce) fordert, etwas zu stark sich entwickelte, so wurde der Chor weiterhin in seiner dynamischen Abtönung und seiner klanglichen Sättigung bewußter Träger und Helfer im Werk.
Das Städtische Orchester folgte in Haydns Solokantate mit feinem Stuernpnnden und ganz besonderer Nachgiebigkeit: der Solovlo- line wie auch der Klarinette gebührt besondere Anerkennung. In der Rhapsodie erhob sich, der,Orche- sterpart zu letzter Ausdruckstiefe: die Geistesgegenwart des Dirigenten ProfessorT emesü art) vermochte noch im letzten Augenblick eine Einsatz- Voreiligkeit bei der Oboe auszugleichen.
Regers L u st s p i e l o u v e r t u r e, die den Abend einleitete, erschloß vom ersten Einsatz an die beschwingte Sphäre mit impulsivem Drangen, organisch durchentwickelten Steigerungen, stärksten Akzenten und bewußtem Einhalten der Zäsuren. Das ungemein schwungvoll pointierte Werk wirkte
zündend auf die Hörer, nicht zuletzt durch die fein beamtete Abtönung und Farbigkeit des Klanglichen. Die Fugato-Episode war äußerst durchsichtig. Die Oboe erfüllte ihre Aufgabe als Thementräger mit besonderem Bläsergeschick.
Mehr noch als manche andere Symphonie ist gerade Beethovens Pastorale ein harter Prüfstein für die geleistete Kleinarbeit und für die reife Durchbildung vornehmlich in den Holzbläsern. Diese Symphonie war bis ins einzelnste artikuliert, jedes Motiv war mit der ihm innewohnenden Lebensform ans Licht gezogen und blühte so im Eigenleben auf. Und dennoch, die so sorgfältige Einzelgliederung wurde hier organische Grundbedingung für das Auswachsen des Ganzen im großen Zuge. Das ganze Werk erschien hier als ein Geben und Ausschöpfen naturnahen, sinnigen Empfindens, den Hörer innerlich bereichernd. Die Momente lyrischen Verweilens breiteten sich durch das liebevolle Eingehen weit und nachhaltig aus, ohne Ueberdehnung, den ursprünglichen Geist des Ganzen wahrend. Eine überaus sorgfältige, individuelle, klangliche Gruppierung und damit bedingte Charakterisierung gab besonders den reich- bedachten Holzbläsern und dem Horn Gelegenheit zur Auswirkung höchsten Könnens: nicht vergessen sei das Vogelterzett in der Szene am Bache. In überzeugender Weise erstand die Gewitterszene mit ihrer Sphäre des Unheimlichen und Drohenden. Um so lieblicher und abgeklärter entfaltete sich der Schluß zu fast religiös durchschauernder Weihe. Das haben die Hörer Proi. Dr. Stefan Temes - nart) zu danken.
Das gut besuchte Haus war voll freudiger Anerkennung. Für künftige Ausführungen wäre es dringend erwünscht, daß auf dem Programm nicht nur die Titel her gespielten Werke, fonbtrn auch die einzelnen Sätze angegeben würden Dr. Hg.
embranöf tm Fil»
Die Uraufführung des neuen Films „R e m - b r a n ö t" von Alexander Korda war eine Sensation für London. Trotz strömenden Regens staute sich schon zwei Stunden vor Kasseneröffnung eine dichte Menge vor dem Theater. Und als die Auffahrt der Wagen begann, waren die Straßen alsbald fast einen Kilometer lang verstopft. Alles, was in London irgendwie zur Welt des Films gehört, war zu dieser Uraufführung erschienen, und auf den Bürgersteigen drängten sich vom Regen völlig aufgeweichte Menschen, in der Hoffnung, einen Blick in die Wagen werfen und einen der bewunderten Stars erspähen zu können. Berittene Schutzleute mußten der gewöhnlichen Polizei zu Hilfe kommen, um die Ordnung einigermaßen aufrechtzuhalten Vor dem Theater beleuchteten Schein
werfer den Ausschnitt der Straße, den die Ankommenden von ihrem Wagen bis zum Eingangstor zurücklegen mußten. Eine doppelte Kette von Schutzleuten sperrte dieses Straßenstück ab. Marlene Dietrich, die in Begleitung ihres Gatten Rudolf Sieber und des jüngeren Douglas Fair- banf s erschien, wurde mit endlosen Zurufen und Beifallsjubel begrüßt, ebenso der Darsteller der Titelrolle Charles L a u g h t o n und seine Frau, Elsa Lauche st er, die die Rolle der Hendrickje spielt. Außer der Filmwelt fanden sich auch viele bekannte Persönlichkeiten aus der Diplomatie, der Politik, der Literatur und Kunst der englischen Hauptstadt in dem Theater zusammen.
Ueber den Film selbst herrscht einstimmig die Meinung, daß der Schöpfer des „Heinrich VIII." sich hier selbst übertroffen hat. Dor allem hat K o r d a auf jede billige Gelegenheit verzichtet, das Leben seines großen Helden auch nur irgendwie zu romantisieren ober im kinomäßigen Sinne umzudeuten. Er hat seine ganze Erfahrung, fein ganzes Können der Aufgabe gewidmet, wirklich "ine lebendige und wahrheitsgetreue Biographie Rembrandts entstehen zu lassen. Zu diesem Zweck hat er sich wochenlang in Amsterdam aufgehalten, um dem Leben Rembrandts, Hendrickjes, Geertkjes in allen Einzelheiten zu studieren Ebenso hat Charles L a u g h t o n seine schwere Aufgabe dadurch zu lösen gesucht, daß er sich vollkommen in dieses Leben versenkt hat und sich von der Dorstellungswelt und den Gedanken des historischen Rembrandt, soweit das einem Lebenden möglich ist, durchdringen ließ. Der Beifallssturm, der sich am Schluß der Darstellung erhob, wollte lange kein Ende nehmen.
Merkwürdiger Haffenfriea
Der Zoologische Garten von Sidney hatte so stark unter der Rattenplage zu leiden, daß die Verwaltung einen Preis aussetzte für jeden Angestellten, der einen dieser schädlichen Nager tötete. Das ging einige Zeit ganz gut, bis die eifrigen Rattenjäger sich darüber klar wurden, daß sie sich selbst das Geschäft verderben würden, wenn sie den Ratten mit solcher Energie gänzlich den Garaus machten. Da sie, um die Rattenprämie zu erhalten, nur den Schwanz eines getöteten Tieres einzuliefern brauchten, kamen sie auf den Gedanken, die Ratten zwar zu fangen, aber ihnen nur den Schwanz abzuschneiden und sie dann wieder laufen zu lassen. Auch ohne Schwanz sorgten die Tiere eifrigst für die Nachkommenschaft, die die Rattenjäger zur Fortsetzung ihrer Jagd brauchten.. Das Geschäft ging sehr lange sehr gut, bis vor kurzem der Trick aufgedeckt wurde und nun die ganze Ratte eingeliefert werden mußte, wenn die Prämie ausgezahlt werden sollte
Amerikanische Anekdoten.
Von Mark Twain, dem größten amerikanischen Humoristen, gibt es folgende wenig bekannte Anekdote. Im Kriegsmuseum zu Philadelphia, erzählt Mark Twain, habe er plötzlich den Degen vor sich gesehen, den George Washington geführt habe, und da seien ihm Tränen der Rührung gekommen. „Woher wußten Sie denn", fragte jemand, „daß es George Washingtons Degen war? Stand es etwa auf dem Glaskasten vermerkt?" „Nein, das nicht", antwortete Mark Twain, „aber ich erkannte ihn sofort wieder, weil ich ihn schon so oft in anderen Museen gesehen hatte." ♦
Edison, der weltberühmte Erfinder, kam einmal nach Berlin. Man bemühte sich, dem illustren Gast alles zu zeigen, was Berlin zu bieten hat. So führte man ihn auch durch die Nationalgalerie. Es war nicht eben erhebend. Edison ließ sich teilnahmslos und gänzlich uninteressiert die Wände entlang» führen. Plötzlich aber hielt er vor eitlem Bild Anton von Werners: „Etappenquartier": „Allright. Ausgezeichnetes Bild! Der Mann versteht einen Kamin zu heizen!"
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In amerikanischen Eisenbahnen und in den meisten Wagen der Untergrundbahn sind Schilder angebracht, die das Ausspucken verbieten und das Uebertreten des Verbots mit hohen Geldstrafen, ja mit Gefängnis bedrohen. — Aber im Lift eines bürgerlichen, fast kleinbürgerlichen Hauses befindet sich folgende Inschrift: „Wenn du gewöhnt bist, zu Hause auszuspucken, spucke ruhig auch hier aus! Wir wünschen, daß du dich bei uns wie zu Hause fühlst!"
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Der abessinische Korrespondent eines großen Neu- yorker Blattes leistete sich folgenden Witz: Extrablätter meldeten die geheimnisvolle Flucht des Negus. Niemand wußte genau, was geschehen war. Der Korrespondent schrieb deshalb unter das Telegramm: „Die einen sagen, daß der Negus tot ist, die anderen, daß er lebt; ich glaube weder das eine noch das andere,"
Ueber den Autokönig Henry Ford wird foT» genbe Geschichte erzählt, die nebenbei den Vorzug hat, wahr zu sein. Henry Ford ist unter vielem anderen auch Zeitungsherausgeber und Philantrop, Neulich brachte er als Leitartikel in feinem „Dear- born Independent" in Riesenbuchftaben: '„Was können wir für die leidende Menschheit tun?" — Die Konkurrenz las das — und antwortete sofort. Schon am nächsten Tag erschien ihre Zeitung mit der riesigen Aufschrift: „Leg noch eine Sprungfeder mehr in den Sitz, Henry!" M. W.


