Ausgabe 
12.10.1936
 
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llr.239 Erster Blatt

186. Jahrgang

Montag, 12. Oktober 1936

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Eichener Anzeiger

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Die Straßburger Versammlung

Die pariser presse stellt völligen Mßerfolg sest

Neue Richtlinien des Reichskriegsministeriums über den Eintritt von Freiwilligen in die Wehrmacht befinden sich auf der dritten Seite dieses Blattes.

Straßburg, 11. Okt. (DNB.) In Straß- bürg fand am Sonntag eine der 10 von der Volks­frontregierung zugelassenen Kommuni st enver- s a m m l u n g e n statt, in der als Hauptredner der alte Kommunistenhäuptling Senator Cachin und der Generalsekretär der Kommunistischen Parte: Frankreichs, Abgeordneter T h o r e z , sprachen. Da die nationalen Parteien des Elsaß ihre Anhänger zu einer Gegenkundgebung auf den Börsenplatz ge­rufen hatten, war von der Polizei und der Mobilen Garde ein verstärkter Ordnungsdienst eingerichtet worden. Die Kommunisten hatten ihre Anhänger in die Ausstellungshalle beordert, die durch Spruchbänder in deutscher Sprache mit kommuni st ischen Phrasen ausstaffiert worden war. Hinter der Tribüne, auf der ein soge­nanntes Präsidium Platz genommen hatte, das sich aus Kommunisten, Sozialisten und Radikalsozialisten zusammensetzte, und das sich um Thorez und Cachin gruppierte, war eine Karikatur angebracht, die den Führer mit einem blutigen Messer im Mund und von einem Wald von Bajonetten und Kanonen um­geben darstellt, neben ihm ein blutiges Henkerbeil und der Totenkopf im Stahlhelm.

Nachdem Cachin mitgeteilt hatte, daß die Kom­munisten nach Elsaß-Lothringen gekommen seien, um die Volksfront zu verteidigen, wurde die internationale angestimmt. Thorez wurde von der Versammlung mit der Frage empfangen, warum denn die Kommunistische Partei eigentlich für die Abwertung gestimmt habe. Thorez versuchte mit der schon' reichlich abgeleierten Entschuldigung zu parieren, daß die Kommunisten Frankreichs in der Kammer eingentlich nicht für die Abwertung hätten stimmen wollen, sondern lediglich für d i e Volksfrontregierung, die andernfalls gestürzt worden wäre. Dann verbuchte sich Thorez bei den elsaß-lothringischen Bauern und Arbeitern Liebkind zu machen, indem er versprach, fortan für eine Erhöhung der Löhne im Elsaß und für eine Besserstellung der kleinen Geschäftsleute und Bauern einzutreten.

Die Präfekten der elsaß-lothringischen Departe­ments, so erklärte der Redner, hätten der Volks­frontregierung mitgeteilt, daß sich bei der kommu- nisttschen Propagandareise der Abgeordneten schwere Unruhen im Elsaß ereignen würden. Man habe da-

Während die Sowjettegierung in London und Genf versucht, sich aus dem großen Angeklagten des spanischen Bürgerkrieges in einen Ankläger gegen die europäischen Ordnungsstaaten zu verwandeln, bemühen sich ihre Handlunger in England und Frankreich, die Regierungen unter innerpoli­tt s ch e n Druck zu setzen und den Wünschen Mos­kaus gefügig zu machen. In diesen Zusammenhang einer großen bolschewistischen Entlastungsoffensive gehören auch die Demonstrationen in Elsaß-Lothringen. Die Kundgebungen der Kommunisten an der französischen Ostgrenze waren eine klare und bewußte Herausforderung, die sich nicht nur gegen Löon Blum richtete, der bedauerlicherweise nicht den Mut zu einem voll­ständigen Verbot dieser Hetzversammlungen auf­brachte, sondern auch gegen d i e bodenstän- dige Bevölkerung dieser französischen Pro­vinz selbst Warum im Gegensatz zu anderen fran­zösischen Landesteilen gerade hier das Auftreten der Kommunisten besonders aufreizend wirken mußte, geht aus der ganzen Entwicklung hervor, die das Elsaß seit dem Weltkriege und vor allem im letzten Jahr durchgemacht hat.

Der Kommunismus hat in der elsässischen Be­völkerung niemals tiefere Wurzeln schlagen kön­nen, und als das offizielle Frankreich immer deut-

Reue Verhaftungswelle in der Sowjetunion.

DieSänberungsaktion" wird fortgeführt.

Moskau, 12. Okt. (DNB.) Die Prawda ver­öffentlicht einen Artikel, der sich erneut und ohne sichtbaren Anlaß mit der T r o tz k i st e n a n g e le­ge n h e i t befaßt. Der Artikel läßt erkennen, daß dieAusrottung der Trotzkisten, Konterrevolution näre und Feinde des Staates" fortgeführt wer­den soll. Das Blatt erklärt, eine ganze Reihe führen­der Trotzkisten hätte zugegeben, auf den Eisen­bahnen, Jndustriewerken und in der Landwirtschaft Schädlingsarbeit geleistet zu haben. Daraus schließt das Blatt, daß eine noch strengere Säuberung durchgeführt werden müsse, um wirtschaftlich vorwärts zu kommen und den Feind zu zerschmettern. Wenn die Trotzkisten jetzt zum Terrorismus, zur Schädlingstätigkeit und zur Spionage gegen die Sowjetmacht gegriffen hätten, so könne ihnen nur eine Antwort gegeben werden, sie müßten vom revolutionären Gericht vernichtet werden.

Zu gleicher Zeit lassen Pressemeldungen aus dem ganzen Lande den Fortgang dieser Säuberungs­aktion erkennen. Die unaufhörlichen Aufrufe zur Wachsamkeit haben eine ungeheure A n g e b e- r e i unter den Kommunisten zur Folge gehabt. Die Unsicherheit in der Partei wächst. Es werden auf bloße Anzeigen hin auch hoher gestellte Funktionäre verhaftet und ins GPU.-Gefängnis ge- bracht. Die Moskauer Blätter berichten von einem Fall aus Rostow, wo ein führender Parteifunk­tionär wegen angeblicher Zugehörigkeit zum Trotz­kismus aus der Partei ausgeschlossen worden ist, während ihm in Wirklichkeit nichts nachgewiesen werden konnte. Die Unruhe unter den Parteimitgliedern wird von vielen aus- genutzt, um aus persönlicher Rachsucht einen Nebenbuhler zur Strecke zu bringen und ihn der GPU auszuliefern.

De la Rocques Antwort.

,Lhr werdet uns nicht aufhalten

Paris, 11. Okt. (DNB.) Oberst de la Roc­que, der Führer der Sozialen Partei, gegen den ein gerichtliches Verfahren eingeleitet worden ist, hat am Sonntagvormittag in Valenciennes vor 2000 Hörern angekündigt, der Augenblick für die ehemaligen Feuerkreuzler, z u r T a t zu schreiten, sei gekommen. In der Volksfront hätten sich die ersten Anzeichen der Auflösung bemerkbar gemacht,

Romanisch

vierte Landessprache in der Schweiz.

Bern, 10. Okt. (DNB.) Nattonal- und Stände- rat haben die Herbstsession beendet. Im ^.ahonaI* rat antwortete Bundesrat Etter, der weiter des Jnnendepartements, noch auf die von einem Orau- bündener Abgeordneten eingereichte und von Ji t gliedern aller Parteien unterstützte Anfrage, wo- -mch auch die romanische Sprache als

kicher den Sowjetturs einschlug, als es mit der Sowjetunion ein Militärbündnis abschloß, als dann die Volksfront zur Regierung kam und die Periode der Streiks und Fabrikbesetzungen begann, da wurde die Abneigung der Elsässer gegen die Pariser Politik immer unverhüllter geäußert. Nach­dem dann noch die neue Streikmethode auf einem großen landwirtschaftlichen Gut des Elsaß (Schlum­berger) ausprobiert worden war, wurde der Rus nach Ordnung allgemein, drohend schrieb das politisch wichttgfte Blatt des Landes, RostesEl­sässer Kurier":Wenn die Regierung versagt, dann übernimmt einfach u n s e r V o l k s e 1 b e r die Ausgabe, Recht und Gerechtigkeit zu sichern, für Ruhe und Arbeit zu sorgen". Und in einem an­deren Artikel:Die Eingliederung unserer Heimat in Frankreich hat uns wirtschaftlich tödliche Wun­den geschlagen. Wir haben leider nicht mehr allzu viel zu verteidigen. Unsere Heimat steht vor dem vollständigen wirtschaftlichen Ruin Das Wenige, das noch besteht, wollen wir erhalten ... Unser Elsaß muß e i n e I n s e 1 im Volksfrontmeer Frank­reich bleiben."

Ueberall und in allen Schichten der Bevölkerung, in den Versammlungen der verschiedenen Berufs­zweige wurde der Wille Zur Selbsthilfe proklamiert. Eine Abordnung der Bauernschaft, des Handels und der Industrie machte dem zuständigen Minister des Volksfront-Kabinetts ihren Standpunkt klar:Der Elsässer ist nicht gewillt, die Schande zu ertragen, unter der Sowjetfahne zu leben. Er will nicht seiner Freiheit beraubt werden. Er ver­langt die Achtung seines Eigentums, ferner Sitten und feiner Einrichtungen". Aber nun muffen sie es sich gefallen lassen, daß die rote Fahne mit Ham­mer und Sichel in ihren Städten auf gezogen wird, nun müssen sie, die stets gegen die sowietrussische Allianz eingetreten sind, es erleben daß die Smv- jets unter ausdrücklicher Billigung der Pariser Re­gierung auch diese letzteInsel im Volksfrontmeer ongreijen.

Der Verlauf der Kundgebungen hat denen Recht gegeben, die von vornherein ein klägliches Crgeb= nis prophezeit hotten. Pariser Blatter stellen eine kümmerliche Beteiligung der elfa6:I"5rin®?!1' oolkerung an den zehn kommunistischen Der amm- lungen s-st und fragen, wann denn diese unheil­volle Posse endlich ein Ende nehmen Me ganz Frankreich habe den kommunistischen Bluff satt. Die Frage ist um so berechtigter, als die Berichte über die kommunistischen Versamm ungen erkenne lassen, daß die kommunistische Agitation m ihrer Hemmungslosigkeit sich zu einer e h ch lastung der Beziehungen Frankreichs zu^seinen Nachbarn auswächst. Die unflätigen f , sich Pariser Kommunistenhauptlinge gegen den Füh­rer und Reichskanzler und das deutsche,V°» her­ausgenommen haben, tragen den Stempel derLu^e und Gemeinheit zu deutlich an der Stirn, um sich mit ihnen ernsthaft befchafllgen. Die kommu­nistischen Redner haben sich 1° nicht 'hren Zuhörern selber zu offenbaren, daß sie von Moskau ihre Instruktionen empfangen haben. So sind auch di- kommunistischen Demonstrationen m Mfaß nichts anderes als Telle des Hetz- und Verleum- dungsfeldzuqes, den der Moskauer Bcllschewismus gegen die Mächte der Ordnung und Gesittung m der ganzen Welt in Szene gesetzt Hot. Das franzo fitoe Kabinett jedoch wird sich seiner Pfncht be­wußt sein müssen, auch den kommunistischen Volks- ftont-Verdündeten auf die Finger zu klopfen, wenn

Paris, 12. Okt. (DNB. Funksvruch.) Nach An­sicht der Pariser Montagmorgenpresfe hat die franzö­sische kommunistische Partei am Samstag und Sonn­tag in Elsaß-Lothringen den Beweis für ihre geringe Stärke erbracht. Die kommunistische Humanitö" selbst beziffert die Zuhörer der kommu­nistischen Versammlungen auf 15 000 in Straßburg, 3000 in Mühlhausen, je 2000 in Colmar und Hagen­dingen. DerMatin" dagegen gibt im ganzen nur etwa 12 000 Zuhörer an, bei einer Bevölkerung von 1 906 000 und angesichts von 62 800 Stimmen, die bei den letzten Kammerwahlen für kommunistische Bewerber abgegeben wurden. Im übrigen macht das Blatt auf die Kosten der Beförderung des verstärkten Ord­nungsdienstes aufmerksam, der in Stärke von 150 000 Mann aus Polizei und H e er nach dem Elsaß befördert worden sei. Der Frem­denverkehr fei durch die kommunistischen Mas­senkundgebungen noch weiterzurückgegan­gen und das Ansehen Frankreichs habe im Aus­lande gelitten. 40 Millionen Franzosen, besonders zwei Millionen Ostfranzosen seien g e ft ö r t worden, nur damit einige wenige kommunistische Abgeord­nete 12 000 Personen einen politischen Rechenschafts­bericht hätten erstatten können. Anschließend fragt das Blatt, wann diese unheilvolle Posse endlich ein Ende nehmen werde. Ganz Frankreich habe den kommunistischen Bluff satt.

Journal" fragt, wo denn die 72 kommunistischen Redner, die für die anfänglich in Aussicht genom­menen 127 Versammlungen vorgesehen waren, in Elsaß-Lothringen überhaupt die erforderliche ZahlvonZuhörern hätten hernehmen wollen. DasEcho de Paris" sagt, die kommunistischen Massenkundgebungen fßUu dansbsu geliin»

gen; überall hätten d i e Patrioten deutlich die Oberhand über die Leute von Moskau gehabt. In Straßburg habe man beobachten kön­nen, wie die mit dem Ordnungsdienst betraute Mo­bile Garde Haltung eingenommen hätte, als pa­triotische Kundgeber die Marsellaise fangen. Der Figaro" schreibt, man brauche wohl nicht daraus hinzuweisen, in welche zu mindesten heikle Lage die Kommunisten in der Nähe der Grenze Frankreich bewußt oder unbewußt hätten bringen können. Der Mißerfolg, den die kommunistischen Kundgebungen in Elsaß-Lothringen aufzuweisen hätten, gebe der französischen Politik für die Zu­kunft ein Gefühl der Stärkung und der gerechten Hoffnung. DerPetit Parisien" widmet den kom­munistischen Kundgebungen in Elsaß nur einige kurze Zeilen auf der fünften Seite; die sozialistische TageszeitungPopulaire" erwähnt die Kundgebun­gen überhaupt nicht.

Senator Mard verurteilt die lommuniffWe Hetze

Paris, 12. Okt. (DNB. Funkspr.) Der frühere Justizminister Börard, ein einflußreicher rechts­stehender Senator, verurteilte in seinem Wahlkreis die Zersetzungsarbeit der Kommunisten, die die Gefahr eines Bürgerkrieges heraufbe­schwöre. Er wandte sich auch dagegen, daß sich die Kommunisten in Beleidigungen und schlim­men Hetzreden gegen di e politischen Führer Deutschlands und Italiens er­gingen, während die französische Regierung im Einvernehmen mit England bemüht sei, Deutschland und Italien für die Westpakt-Konferenz zu ge- minneu.

Die kommunistischen Demonstrationen in Elsaß-Lothringen.

Unflätige Beschimpfungen des deutschen Volkes durch französische Kommunistenhauptlinge.

so daß der Weg der nationalen Bewegung nicht zweifelhaft sei.Man hat erklärt", so führte de la Rocque wörtlich aus,daß wir vor Gewalttätigkei­ten Angst haben. Wir werden, wenn nötig, vor Blutvergießen nicht z u r ü ck s ch r e ck e n , jedoch werden wir uns durch den Willen leiten lassen, keinen einzigen Tropfen Blut zu vergießen, der dem Lande keinen Nutzen bringen sollte. Seinen politischen Gegnern rief de la Rocque zu: ,J h r werdet uns nicht aufhalten! Es ist mög­lich, daß man mich einkerkert ober umbringt. Aber das macht nichts, denn bereits jetzt kann die Partie als gewonnen gelten." Die Ausführun­gen de la Rocques, der unangekündigt in der Ver­sammlung erschien, wurden von seinen Anhängern mit dem Gesang der Marsellaise ausgenommen. Zu Zwischenfällen ist es nicht gekommen.

durch einen Druck ausüben wollen, um zu einem Verbot der kommunistischen Versammlungen zu ge­langen und um zu verhindern, daß er, Thorez, in Straßburg spreche. Es sei ein Fehler gewesen, daß die Regierung Blum diesen Erpressungen von Hitlers Agenten in Frankreich" nachge­geben und einen großen Teil der geplanten Ver­sammlungen verboten habe. Trotzdem stehe er heute hier in Sttaßburg, 5 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

Die Verjudung der hohen Sowjelbürokraiie. Auch in Weitzrutzland alle leitenden Posten von Juden besetzt.

Warschau, 10. Okt. (DNB.) Die in Minsk, der Hauptstadt der weißrussischen Sowjetrepublik erscheinende Tageszeitung Z w i e z d a liefert einen aufschlußreichen Beitrag zu dem Thema der sowjet­russischen Nationalitätenpolitik und der Verju­dung der führenden Schichten im Sow­jetstaat. Das Sowjetblatt beschwert sich nämlich darüber, daß in der sogenannten weißrussi­schen autonomen Sowjetrepublik die Weißrussen, die auf diesem Boden seit Jahrhunder­ten zu H a u se seien, am a 11 e r ro e n i g ft e n zu sagen hätten. Unter den 35 Sekretären der Par­teiausschüsse, der großen Unternehmungen und wissenschaftlichen Anstalten in Witebsk befänden sich nur neun Weiß m s s e n. Je besser bezahlt der Posten sei, desto seltener sei er mit einem Weiß­russen besetzt. Während sich unter den Arbei­tern der ' Fabriken und Wirtschaftsunternehmun­gen in Sowjetweißrußland die Weißrussen in einer großen Mehrheit befänden, und zwar mit 70 v. H., seien sie auf den einflußreichen Posten der Direktoren nur mit 18 v. H. anzutreffen. In dem BezirkWoroschilow" seien nur 24 v. H. aller maßgebenden Posten in den Hän­den von Weißrussen, in dem Bezirk Stalin sogar nur 20 v. H.

Diese Angaben lassen die Frage aufkommen, wer denn die große Mehrheit der einflußreichen Posten in der weißrussischen Sowjetrepublik besetzt hat. Bialaruskaja Krpnica, eine in Polen erscheinende weißrussische Zeitung, weist darauf hin, daß auch Polen ober Großrusssen auf diesen Posten nur ganz selten anzutreffen ssien. Diese wirk­lich entscheidenden Posten seien auch in Weißrußland f a ft ausschließlich mit I u - den besetzt, die dort genau so wenig wie an­derswo zu Hause seien, deren sarb- und saftlose Intelligenz sich aber überall sehr rasch die fettesten Posten aufzusuchen vermag. Die Gerüchte über eine antisemitische Bewegung, die sich in der Sowjetunion angeblich verbreite, werden als völlig gegenstandslos bezeichnet. Das Judentum in der Sowjetunion sei mächtig genug, um derartige Ver­suche im Keime zu ersticken.

Ein neuer Schauprozeß gegen sowietrussische Eisenbahner.

Warschau, 12. Okt. (DNB. Funkspruch.) Wie das Moskauer Organ des Eisenbahn-Kommissariats mitteilt, hat in Rostow ein Prozeß gegen die Be­amten der Eisenbahnstation Gulschewicka an der kaukasischen Bahn begonnen, auf der sich im September eine größere Eisenbahn-Kata- st r o p h e ereignet hatte. Nach der Anklage sind im Bezirk der Station Gulschewicka bereits meh­rere Katastrophen eingetreten, die angeblich das Ergebnis einerplanmäßigen Tätig­keit der Klassenfeinde" sein sollen.

Im weiteren Verlauf seiner mit groben Unflä­tigkeiten gespickten Haßrede verdrehte Thorez die Worte Adolf Hitlers bei der Eröffnungsrede zum diesjährigen Winterhilfswerk des deutschen Volkes. Thorez log, der Führer habe erklärt, daß es für den deutschen Arbeiter recht gesund sei, wenn er hungern müsse. Thorez behauptete dann weiter, Hitler habe erklärt, der Krieg müsse kommen, da­mit Deutschland die Möglichkeit habe, eine andere Stellung in der Welt zu erobern.Wir werden nicht erlauben", so rief Thorez aus,daß Hitler uns verachtet, der Mann, den wir nur verab­scheuen und dessen Reden für uns Brechmittel sind. Wir Kommunisten ziehen einen ehrenhaften Neger einem unehrenhaften Hitler vor". In einer an­schließend zur Verlesung gebrachten Erklärung wurde Protest erhoben gegen dieAgenten des Faschismus, gegen die Jndustriebarone, die Trusts usw." Die Spießgesellen Hitlers müßten ins Ge­fängnis geworfen werden.

Thorez hat sich in feiner Rede auch mit Spa­nien beschäftigt und wiederholt erklärt, die Blockade gegen das republikanische Spanien müsse aufhören. Sowjetrußland habe den ersten Schritt getan, indem es erklärt habe, aus der Nichteinmischungspolitik auszuschei­den, und zwar auf Veranlassung des von den Kommunisten allseitig verehrten Chefs Stalin. (Deutlicher konnte wohl die Ab­hängigkeit der Kommunisten in allen Ländern der Welt von Moskau nicht zum Ausdruck gebracht werden, als von diesem Sprachrohr des Welt­bolschewismus Thorez.) Nach Abschluß der Kund­gebung wurde abermals die Internationale ge­schmettert und auch nach Zögern die Marseillaise. Zu Zwischenfällen ernster Art ist es bisher nicht gekommen.

sie in ihrem hemmungslosen Agitationsbedürfnis nicht einmal davor zurückschrecken, auch außen­politisches Porzellan zu zerschlagen, an dem der Regierung Blum-Delbos bislang wenigstens ge­legen zu sein schien.