Samstag, 12. September 1936
Nr. 214 Sechstes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Der erste Dienstpflicht-Jahrgang 1914 im Manöver in Oberheffen.
Erhebende Eindrücke bei dem Manöver der 9. öivifion durch den nördlichen Vogelsberg.
(Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.»
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Beobachter am getarnten Scherenfernrohr.
Die Ausganaslage.
Für den Beginn der Hebung war am 11. September frühmorgens nach der Annahme folgende Ausgangstage gegeben:
Blau
ist in der Verfolgung des Gegners über die Linie Schotten — Laubach auf Lauterbach — Alsfeld am 10 September abends in der Linie Feldkrücken —Ober-Ohmen und nördlich auf Feind gestoßen. Die Korps-Reserve, ein verstärktes Jnf.-Rgt., ist auf die Nachricht hin, daß der Ohm-Abschnitt von Nieder-Gemün- d e n abwärts frei vom Feind ist, nach Berns- f e l d vorgezogen worden mit dem Auftrag, um die Waldungen nördlich Ehringshausen herum zur überholenden Verfolgung des Feindes in Richtung Alsfeld oorzustoßen.
Not
im Rückzug von der Wetterau her, hat sich vom Feind avgesetzt und will sich in der Linie A l s - feld — Lauterbach — Fulda zur Verteidi-
Fernsprecher legen die Feldtelephonleitung.
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gung aufb&uen. Ein mot. MG.-Batl., das zur Verfügung des Generalkommandos steht, ist in der Nacht zum 11. September von Osten her nach Lauterba ch vorgezogen worden.
Der Herlaus des Kampfes
Blaue Partei.
Der Führer; des verstärkten Jnf.-Regts. 57 entschloß sich, in Ausführung des ihm erteilten D e r - folgungsarrftrages, eine Vorausabteilung, bestehend aus schnellbeweglichen Teilen, auf Appenrod vorzu tverfen in der Absicht, ben U eber- gang über .den Ohm-Abschnitt für die Masse des Regiments offen zu halten und mit seinem verstärkten Regiment um 7 Uhr bei Büß - feld anzutreten. . r
Unter Ausnutzung des am frühen Morgen herrschenden starken Bodennebels gelang es Blau mit der Dorausabteilusiig, die O h m um 7 Uhr, mit der Vorhut um 8 Uhr nnd mit dem Gros um 8.45 Uhr bei Homberg zu überschreiten. Dicht westlich Appenrod kam es .zu ersten Gefechtsberuhrungen. Sie führten zu interessanten Kämpfen zwischen blauen Panzerspähtuupps und einer motorisierten MG.-Komp. ( n
In der Front haüte die 9. Division auf dem Nordflügel von Bla,b mit Tagesanbruch mit der
Masse über Ruppertenrod und mit Teilen über Elpenrod angegriffen und den Gegner auf Groß-Felda zurückgedrückt. Das III .(Jäger) Jnf.-Regt. 15, Divisionsreserve, wurde nach Elpenrod nachgezogen und dem Jnf.-Regt. 57 unterstellt. Es erhielt um 9 Uhr den Befehl, über Nieder-Gemünden auf Maulbach anzutreten.
Bei Appenrod verstärkte sich der Widerstand des Gegners. Jnf.-Regt. 57 muhte zum Angriff mit Artillerie-Unterstützung ansetzen. Der Angriff wurde beiderseits der Straße Homberg — Appenrod geführt, die Artillerie-Stellungen befanden sich südwestlich Höhe 343 (nordostwärts Homberg) und südlich Hochberg (nördlich Homberg). Unter dem immer stärker werdenden Druck von Blau mußte das verstärkte rote MG.-Batl. nach Osten aus- weichen. Bis 12 Uhr war Blau im Angriff, der langsam fortschritt, bis in den Grund beiderseits Erbenhausen vorgekommen.
Nach lebhaftem Feuergefecht, nahm Blau gegen 13.30 Uhr Erbenhausen, das rote MG.-Batl. ging auf den Heideberg und die anschließenden Waldstücke nordwestlich Kirtorf zurück. In fortschreitendem Angriff gegen zähen Widerstand von Rot gelang es Blau, den Heideberg und die benachbarten Waldstücke zu nehmen und Rot in Richtung Kirtorf —Ober-Gleen zurückzudrücken. Das Gefecht näherte sich gegen 16 Uhr im Zentrum dem Ransberg, hart östlich Ober-Gleen. Der Widerstand von Rot mar andauernd kräftig und erschwerte Blau nachhaltig den Vormarsch.
Bis zum Abend sollte sich das Gefecht, nach dem Uebungsplan, bis beiderseits A n g e n r o d mit dem Holzberg als Schlüsselstellung weiter entwickeln.
J^ote Partei.
Das verstärkte mot. MG.-Batl. erhielt um 6 Uhr den Befehl, unter Vortreiben von Aufklärung und Sicherung gegen den Ohm- Abschnitt die Linie Lehrbach — Ehringshausen gegen den zur Umfassung um den Wald nördlich Ehringshausen herum angesetzten Gegner zu sperren und beim Angriff von starken blauen Kräften nach Osten auszuweichen, jedoch den Antrift-Abschnitt beiderseits Angenrod nicht vor dem 11. abends aufzugeben.
Der Führer des verstärkten MG -Batl. beabsichtigte, dem blauen Jnf.-Rgt. 57 bereits am Ohm - Abschnitt mit oorgeroorfenen Sicherungen den ersten Widerstand zu leisten und mit der Masse des Bataillons sich dem Gegner bei Dannenrod — Appenrod und bei Rülfenrod vorzulegen.
Für das mot. MG.-Batl. bedeutete der Nebel eine starke Behinderung, so daß es seine volle Beweglichkeit nicht ausnutzen konnte und mit den vordersten Teilen bei Appenrod erst eintraf, als Blau sich diesem Orte bereits näherte. Um 7 Uhr durchfuhr eine Kompanie des Batl. Kirtorf mit dem Auftrag, sich dem Gegner dicht ostwärts A p - penrod Dortulegen, eine Kompanie wurde über Dannenrod auf die Höhe südwestlich davon angesetzt, eine Kompanie war über Romrod auf Rülfenrod im Vorgehen, um den Ohm-Abschnitt bei Nieder-Gemünden zu sperren Die Nachhuten von Rot, die auf Groß-Felda zurück- gedrückt wurden, erhielten den Auftrag, mit dem Nordflügel entlang der Straße Ermenrod — Romrod zurückzugehen. Um das Einnehmen der Verteidigungsstellungen in der allgemeinen Linie Alsfeld — Lauterba ch—F ulda zu gewährleisten, erhielt das verstärkte Jnf.-Rgt. 150, das auf Lastkraftwagen nach Alsfeld herangeführt worden war, um 9 Uhr den Befehl, im Raume Ober-
Gleen —Ruhlkirchen —Zell die Nordflanke der Nachhuten und das Einrücken in die Stellung bei Alsfeld zu decken und den Antrift-Abschnitt beiderseits Angenrod bis zum 11. abends zu halten. Hierzu wurde ihm das verstärkte MG.-Batl. unterstellt.
Um 9 Uhr begann das verstärkte MG.-Batl. unter dem starken Angriff von Blau feine Stellungen ostwärts Appenrod zu räumen. Es erhielt von dem Führer des verstärkten Jnf.-Rgt. 150, dem es nun unterstellt mar, den Auftrag, die Ausweichbewegungen nach Osten so durchzuführen, daß die
Teile bei Appenrod in die Linie Höhe ,318 nordwestlich Kirtorf — Höhe oft märt 3 Kirtorf, die Teile bei Rülfenrod nach erneutem Widerstand nordostwärts Ehringshau- fen auf die Höhen beiderseits Zell ausweichen sollten. Das Jnf.-Rgt. 150 beabsichtigte, den Ransberg (ostwärts Ober-Gleen) und den Bauschberg nördlich Heimertshausen zu besetzen und zu halten.
Der Gefechtsverlaus bei Rot während der Nachmittagsstunden ist aus den Schilderungen der Operationen von Blau ersichtlich.
Ais Schlachtenbummler im Manövergelände.
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MG. gut getarnt auf beherrschender Höhe. — (Aufnahmen [7]: Pfaff, Gießen.)
Der Frühmorgen des gestrigen Manöoertags bringt reichliche herbstliche Kühle. Jedoch wird dieser Anfang des Tages gerne in Kauf genommen angesichts des wunderbar klaren Himmels, der einen herrlichen Tag verspricht, und bei dem Genuß eines wunderbaren Sonnenaufgangs, der das reizvolle Landschaftsbild im Manövergelände prächtig verschönt.
Der Kraftwagen bringt die Männer des „Gießener Anzeigers" in flotter Fahrt in die Gegend zwischen Grünberg und Homberg. Kurz hinter Grünberg treffen wir bereits die ersten Schlachtenbummler, eine Gruppe Buben, die trotz der frühen'Morgenstunde (gegen 6 Uhr) bereits auf ihren Fahrrädern unterwegs sind, um bei den Soldaten dabei zu sein. Glückliche Jugend, der diese herrliche Freude an der wiedererstandenen starken deutschen Wehrmacht beschieden ist!
Kurz hinter Atzenhain treffen wir die erste Kompanie. Trotz der empfindlichen Morgenfrische herrscht überall bei den Soldaten frohe Stimmung, die nicht zuletzt ihren Ursprung hatte in den guten Quartierunterfünften, -die den Feldgrauen über- ■ all in den Ortschaften von der Bevölkerung gebo= ।
ten wurden. Mit herzlichen Zurufen werden die Pressemänner, kenntlich an ihren Ausweiszeichen, von den Soldaten begrüßt. Im Handumdrehen ist zwischen beiden ein inniger Kontakt hergestelll. Die Kompanien schließen auf der Straße nach B e r n s f e I ö schnell auf. Ein Flieger, d?r wißbegierig Einblick in das Gelände nimmt, dürfte wohl nicht allzu viel wahrgenommen haben, denn Mann und Roß und Wagen sind nach den guten Erfahrungen der Kriegszeit vorbildlich getarnt. Der Laubwald hat dafür etwas herhalten müssen, um alles, was Soldat ist und zu ihm gehört, in einen wandelnden Wald zu kleiden, der sich nun wie ein endloser Zug durch die Gegend nach vorne schiebt. Die ersten Meldefahrer sausen hin und her. Meldereiter traben durch das Gelände. Die Sonne kommt höher und läßt es wärmer und immer angenehmer auf dem unblutigen Schlachtfeld werden. Gegen 6.30 Uhr beginnt
Der Vormarsch.
Der alte Feldsoldat wird dabei wieder an manche Erlebnisse in dem großen Kriege draußen Fein«
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Minenwerfer beim Abprotzen ihrer schweren Waffe. Beobachter am Richtkreis.
Am Feldtelephon in der Waldstellunc Panzerabwehr sichert die Straße.
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