Jugend und Hochschule.
Lieblingsspiel und Verufswahl.
Von Friedrich Apel.
Wenn ein Kind in seinen Spielen schon früh einen triebartigen Hang oder eine auffällige Neigung nach einer ganz bestimmten Richtung bekundet, also ein regelmäßig wiederkehrendes „Beruss- spiel" treiben, so dürfen Eltern und Erzieher an diesem Hinweis der Natur nicht achtlos oorüber- gehen. Die richtige Pflege und Förderung der natürlichen Anlage oder einer „Sonderbegabung" kann bestimmend für das ganze Leben werden.
Bekannte Erzieher, Aerzte und Seelsorger haben das kindliche Spiel als die „Triebfeder des Reichtums an Kraft" und als die „Einübung unfertiger Anlagen" erklärt. Beide Anschauungen haben viel Ueberzeugungskraft an sich. Tatsache ist, daß die Phantasietätigkeit des Kindes im Spiel sichtbare Form bekommt und uns wertvollen Aufschluß über sein Seelenleben gibt.
Meist freilich spielt die nachschaffende Phantasie, also die Nachahmung der Erwachsenen, eine große Rolle. Solche Spiele kehren in bestimmten Altersstufen immer wieder; sie sind von Land und Leuten abhängig. Im alten Rom spielte man gern Gericht, in Griechenland Wettkampf, im heutigen England ist „Kaufmannspielen" beliebt, in Deutschland geben Schule, SA.-Dienst und Soldatenleben bezeichnende Muster. Mädchen gefallen sich in der Rolle einer Puppenmutter, Köchin oder Hausfrau.
Indessen kann man aus solchen Alltagsspielen, weil sie Gemeingut eines ganzen Volkes find, keine endgültigen Schlüsse auf die Berufseignung des Heranwachsenden jungen Menschen ziehen. Anders ist es, wenn man Anfänge selbständiger geistiger Tätigkeit beim Spiel erkennt. Das Kind „erfindet" dann mit Hilfe der frei schaffenden Phantasie etwas Neues. Ist bei ihm etwa der Formensinn deutlich ausgeprägt, so entstehen unter geschickten Händen mit Hilfe von Sand, Bauklötzchen oder Plastilin oft wahre kleine Kunstwerke. Mal- und Buntstifte verraten meist untrüglich die keimende künstlerische Begabung.
Hier muß die Beobachtung des Erziehers einsetzen. Erkennt er nämlich aus dem unbewußten, aber zielstrebigen Triebe des Kindes, daß dessen Spiel mit Ausdauer die gleiche Richtung trotz wechselnder Ausdrucksformen behält, so kann er mit Sicherheit die Berufseignung feststellen. Wenn ein Junge nun gern malt, so braucht er noch lange kein ausgesprochenes Talent für den Zeichner- oder Malerberuf zu haben, denn die meisten Kinder haben im schulpflichtigen Alter Freude am Zeichnen. Sitzt er aber täglich stundenlang am Malblock, mischt selbständig Farben und probt sie aus, versucht vielleicht auch Familienmitglieder so lange beharrlich zu malen, bis am Ende seine Bilder unverkennbare Ähnlichkeit mit dem Modell aufweisen, so muß man doch den Künstlerberuf ernstlich erwägen.
Sudermann schrieb schon als Schulkind und Gymnasiast so stilvollendete und ausdrucksvolle Aufsätze, daß sie bei Lehrern und Mitschülern berechtigtes Aufsehen erregten Auch bei großen Musikern und Komponisten ist der Drang zum selstän- digen Schaffen in der Kindheit oft mit reißender Gewalt durchgebrochen. Die Lebensgeschichten von Händel, Mozart und Johann Strauß zeigen, wie sie nichts davon abzuhalten vermochte, zu musizieren und künstlerisch zu schaffen — selbst strengste Strafen nicht. Schiller hatte von jeher einen unbändigen Drang zum Dramatischen; er baute im Spiel aus Büchern kleine Bühnen und ließ selbst ausgeschnittene Papierfiguren erdachte Rollen spielen. Als er seine erste Tragödie („Die Christen") verfaßte, war er gerade dreizehn Jahre alt.
Heinrich Schliemann, der Schatzgräber von Troja, begann schon als neunjähriger Anführer der Dorfjugend in seiner mecklenburgischen Heimat in rein kindlichem Spiel nach den Geheimnissen einer Raubritterburg mit Hacken und Schaufeln zu forschen. Seitdem man beim Aperpflügen rostige Kettenringe und uralte Krüge gefunden hatte, ließen ihm auch die sagenumwobenen Hühnengräber der Umgegend keine Ruhe. Mit leidenschaftlichem Eifer hört er vom Vater, daß Troja nach heldenhaftem Kampf untergegangen ist, sein lebhafter Geist wird von nun an von dem Gedanken be-
Das Volkslied im Unterricht.
Al Achim von Arnim und Clemens Brentano ihre Dolksliedersammlung unter dem Titel „Des Knaben Wunder Horn" dem „Herrn Geheimerath von Goethe" zueigneten, erfüllten sie in trüber Zeit eine Sehnsucht der Daterlandsfreunde, die in der geistigen Erneuerung der Nation die Rettung aus politischer Schmach und Schande sahen. Die „übelangeschriebenen" Volkslieder bekamen endlich ihren Rang und ihre Geltung im deutschen Kulturleben; was der Engländer Percy einige Jahrzehnte vorher zur größeren Ehre der englischen Nation durch seine Volksliedersammlung fertiggebracht hatte, das wiederholten zwei Deutsche. Die Dichtung der „Gebildeten", der Geistigen, ging mit der Dichtung des „Volkes", der Primitiven, eine Ehe ein. Und Goethe, auf der Höhe feines dichterischen und gesellschaftlichen Ruhmes stehend, mußte bekennen: „Die Volkslieder sind s o wahre Poesie, als sie irgend nur sein kann; sie haben einen unglaublichen Reiz, selbst für uns, die wir auf einer höheren Stufe der Bildung stehen, wie der Anblick und die Erinnerung der Jugend fürs Alter hat."
Diese Erkenntnis erhält in unseren Tagen, wo der Geist, der damals den Wert des Volksliedes erkannte, seine letzte und schönste Erfüllung gefunden hat, ihre besondere Bedeutung: Die deutschen Volkslieder sind gewachsen aus deutschem Blut und Boden, sind formgewordene und gestaltete Geschehnisse des deutschen Schicksals, dos alle, arm und reich, hoch und niedrig, gelehrt und ungelehrt, fromm und unfromm, heiter und traurig, in ihren Bann zieht. Volkslieder sind Ausdruck der deutschen Seele, die zu erkennen vornehmste Aufgabe der deutschen Schule ist. Man hat in letzter Zeit vielfach den Versuch gemacht, das deutsche Volkslied in den Dienst der Volkskunde zu stellen. Sicherlich lassen sich aus den Volksliedern wertvolle Erkenntnisse für oiefen Zweig der Deutschkunde schöpfen. Aber wichtiger ist es, wenn die Jugend den Inhalt der deutschen Volkslieder durch Singen erlebt. Gerade wir durften die verbindende Kraft des Volksliedes, das in der Kampfzeit entstand, so deutlich erfahren: Das neue Deutschland wurde auch zusammengesungen. Die alten Kampflieder, die in der SA. und
feelt, man müsse die Schätze Trojas unter den Trümmern ausgraben. In seinem ersten lateinischen Wahlaufsatz behandelt er sein Lieblingsthema: den Trojanischen Krieg, Odysseus und Agamemnon. Nie läßt er sein Lebensziel locker: als gereifter Mann verschreibt er sich völlig der „Wissenschaft des Spatens" und kann endlich die Schätze des Pria- mos heben.
Ein wahrer Naturforscher streift schon als kleiner Junge durch Wald und Feld. Es treibt ihn, über das Wesentliche aller natürlichen Erscheinungen klar zu werden: sei es der unendlich feine Bau eines facettierten Jnsektenauges, sei es die Flug- fraft des Vogels oder die bunte Laubfärbung. Sein Zimmer verwandelt sich bald in ein botanisches und zoologisches Museum. Jedes Stück der Sammlung wird peinlich genau mit einer alten Lupe untersucht. Sie soll ihm zum Schicksal werden; denn die Vergrößerungskraft des Wunderglases hilft dem späteren Arzt und Gelehrten den Tuberkelbazillus und andere unsichtbare Feinde entdecken — die Menschheit beugte sich vor dem genialen Robert Koch.
Wer schon als Kind sein Spielzeug selbst zimmert, einfache Maschinen bastelt, seinen Handwerkskasten über alles liebt und das fertig gelieferte Spielzeug nur zum Auseinandernehmen benutzt, wird be- stimmt einmal ein guter Techniker, wenn nicht gar Erfinder. Ueberblttfen wir unser eigenes Leben, so wird es nicht allzu schwer sein, rückschauend zu erkennen, ob wir den richtigen Beruf erwählten ober nicht, ob wir vielleicht nebenbei noch ein „Steckenpferd" aus der Jugendzeit herreiten, das unser tiefstes Wesen enthüllt, das aber damals von Eltern und Lehrern anscheinend leider nicht verstanden wurde, obgleich es unsere wahren Neigungen urwüchsig und deutlich offenbarte.
Wenn unseren dauerhaften, meist naturvererb- ten Liebhabereien jedoch in unserer Kindheit die verdiente Beachtung nicht geschenkt wurde, so wollen wir selbst es besser machen und der Heranwachsenden Jugend bei der Auswahl des Berufes helfend zur Seite stehen, indem wir dem ausgeprägten Lieblingsspiel, der bevorzugten Tätigkeit die aufmerksamste Beobachtung und Pflege zuwenden. So können wir Schüler der Zukunft werden.
jungen in Frack und Zylinder.
<Ston, die Schule der englischen Staatsmänner.
Von K v. Pfilippoff.
Eine unscheinbare Brücke verbindet beide Ufer der Themse etwa dreißig Kilometer oberhalb von London. Genau in der Mitte der Brücke steht ein Grenzpfahl: Auf der dem Norden zugekehrten Seite der Tafel liest man „Eton", auf der dem Süden zugekehrten „Windsor". Zwei Namen, zwei kleine Provinzstädtchen, die einander gegenüberliegen, die von entscheidender Bedeutung für den Aufbau und die Geschichte des Britischen Weltreiches sind. Windsor ist die Residenz der englischen Könige, das englische Potsdam, nein, Windsor ist noch mehr, das ist der Punkt, der England mit Schottland, Neuseeland mit Kanada, Britisch-Honduras mit Südafrika verbindet. Etonistdie vornehmste Schule Englands, aber auch nicht nur das, Eton ist die Stätte, an der mehr als die Hälfte aller englischen Staatsmänner erzogen wurde, an der die künftigen Denker der Geschichte des Vereinigten Königreichs ihre Erziehung genießen.
Bereits das Aeußere Etons unterscheidet sich wesentlich von den Städten des Kontinents und sogar von denen Englands. Der Frack gibt den Straßen ein eigenartiges Gepräge, Jungen im Alter zwischen zwölf und achtzehn Jahren laufen geschäftig umher, prügeln sich an allen Ecken — aber alle in Frack und Zylinder, mit weißem Binder und vorschriftsmäßigen Weste. Die Stadt zählt kaum zweieinhalbtausend Einwohner, dreizehnhundert Jungen aus reichsten und vornehmsten Familien Englands und des Imperiums werden in Eton College erzogen.
Die Stadt Eton wird durch die beiden riesigen Gebäudekomplexe beherrscht, die zu beiden Seiten der Hauptstraße liegen und zwei mächtige Vierecke bilden. Ein herrlicher Duft von Vergangenem umkleidet das alte Gemäuer, das weit über vierhundert Jahre alt ist. Und jeder dieser beiden Höfe ist ein richtiger Klosterhof mit hohen Eisengittern, verriegelte Kreuzgänge winden sich dahin. Wie- viele Generationen mögen hier traute Gespräche über den strengen Geist der Spartaner und Römer geführt haben, wieviele mögen von der künftigen Große des Britischen Imperiums geträumt haben, dessen Führung stets in den Händen ehemaliger Etonschüler gelegen hat...
Die mit dunklen eichenen Tafeln belegten Speiseräume muten wie Kirchen an. Viele Jahrhunderte zählen die niedrigen Tische und Bänke, die hohen aus buntem Glas zusammengesetzten Fenster spenden gedämpftes Licht. Die altertümlichen Schulzimmer sind mehr Hörsäle einer Universität als Klassenzimmer in unserem Sinne: Nicht jede Klasse hat ihr bestimmtes Klassenzimmer, die Schüler wandern jedoch immer zu dem betreffenden Lehrer, der alle seine Unterrichtsstunden in einem und demselben Zimmer abhält. Freilich vermittelt jeder „Master“ seinen Zöglingen den allergrößten Teil
des Unterrichtsstoffes selbst, nur die Naturwissenschaften und die modernen Sprachen werden neuerdings von besonderen Kräften gelehrt.
In einem ehrwürdigen Raume mit einer ebenso alten Holzverkleidung wie die Kirche und die Speiseräume befindet sich die alte Prügelbank, auf der schon soviele berühmte Engländer in ihrer Jugend durchgehauen worden sind. Auch heute noch wird die körperliche Züchttgung, ebenso tüie vor hundert Jahren, angewandt. Wenn einer das „Verbrechen" begeht, abends im Städtchen zu spazieren, ein Glas Bier zu trinken oder die Hausarbeit von einem Kameraden abzuschreiben — der kommt unweigerlich an die Prügelbank, was freilich keine Schande bedeutet.
Kommt die Mutter oder gar der Vater zu Besuch, so erkundigt man sich nicht etwa, wie der Sohn in Latein oder in Mathematik steht, sondern wie seine Erfolge beim Kricket oder beim Golf gewesen sind, ob er darin die rechte Initiative entwickelt. Gespielt wird den halben Tag, denn jeder Engländer ist der Meinung, daß nichts so gut wie der Sport und das Spiel den Charakter bilden. Und das bedeutendste Ereignis des Jahres ist nicht etwa die Verteilung der Zeugnisse, der Tag von Trafalgar, des Waffen- sttllstandes oder des Königs Geburtstag, sondern der historische von Traditionen umwobene Kricketwettkampf zwischen den rivalisierenden Schulen Eton und H a r r o w.
Es fiel nach dem Weltkriege schwer, die 50 Hausvaterstellen in Eton zu besetzen. Je 25 Schüler unterstehen einem Lehrer, mit dem sie in einem besonderen Hause zusammenwohnen. Und diese Hausväter müssen unbedingt selbst Zöglinge von Eton sein, um die Tradition der vornehmsten Schule Englands der jungen Generation vermitteln zu können; dazu müssen sie einer alten Sitte zufolge Philologen fein.
Seit 1442, dem Gründungsjahr der Gelehrtenschule von Eton, hat sich der Stundenplan eigentlich nur wenig geändert. Jeder Schüler darf sich schon als fünfzehnjähriger für die Spezialisierung des Lehrstoffes entscheiden. Manche Schüler nehmen zehn oder noch mehr Stunden Griechisch wöchentlich, bei einer ohnehin geringen Stundenzahl. Und dabei werden Englisch und Geschichte in geradezu erstaunlichem Maße vernachlässigt, Naturwissenschaften und neue Sprachen sind Wahlfächer, für die nur wenige Interesse zeigen.
Die Engländer sind eben der Ansicht, die Schule sei keine Lehranstalt, sondern eine Anstalt zur Erziehung von charaktervollen Männern, denen man später die leitenden Stellen im britischen Weltreich anvertrauen kann. Aus Sheffield bezieht England seinen Stahl, aus Manchester feine Baumwollgarne, aus Eton seine ©entfernen und Staatsmänner ...
in der HI. aus der Not und aus der Begeisterung wuchsen, gehören in die Schule als Ausdruck deutscher Sehnsucht und deutscher Tatkraft; solche Volkslieder, die namenlos bleiben, sind für den Gesangsunterricht wertvoller als die prächtigsten Chöre. Aber auch der Turnunterricht, der vom Geiste Jahns getragen ist, wird zu seinen Zwecken gern jene namenlosen Marschlieder benützen, die die Tatkraft des Volkes geweckt haben und immer noch wecken. Und sicherlich wird sich manche Deutsch- und Geschichtsstunde durch ein modernes Volkslied einleiten lassen, wenn es gilt, für einen neuzeitlichen Lehrstoff die rechte Stimmung zu schaffen. Gerade durch das Kampflied unserer Zeit wird das Wesen des Volksliedes, in dem sich Inhalt, Rhythmus und Melodie durch die Eigengesetzlichkeit der deutschen Seele zur unlöslichen Einheit verschmolzen haben, offenbar werden.
Erst wenn das deutsche Volkslied, wie es sich in unseren Tagen und früher aus eigener Kraft gestaltet und geformt hat, durch häufiges Singen innerlich erfaßt ist, erst dann wird die volkskundliche Belehrung einfetzen können. Gelegentliche Hinweise des Lehrers bereiten vor; es genügt, wenn der Volksschüler, der die Schule verläßt, um die geheimnisvolle Kraft der Nation weiß die sich im Volkslied des Unbekannten auswirkt. Allzu gelehrte und allzu häufige volkskundliche Erörterungen verwischen auf dieser Altersstufe, in der Volksschule wie in der höheren Schule, den Reiz ursprünglichen und unmittelbaren Erlebens. Erst in der Oberstufe ist ausführlichere theoretische Belehrung am Platze. Sie ergibt sich z. B. zwangsläufig aus der Behandlung des „Hildebrandsliedes". Der Vergleich zwischen dem „alten" und dem ,neuen" Hildebrandslied legt leicht und sicher jenen Schöpferwillen bloß, der das Volkslied aller Zeiten werden ließ. Er gibt weiterhin den entscheidenden Einblick in das Wesen und die zeitliche Bedingtheit der deutschen Seele. Ist erst einmal diese große Erkenntnis gewonnen, bann werden die deutschen Volslieder von dem Heranreifenden als Teile der großen Bliitsgemeinschaft empfunden. Die wissenschaftlichen Untersuchungen der Romantiker, die sich in der Prima anschliehen, werden ergänzen und vertiefen.
Goethes Wort, das er der Dolksliedersammlung „Des Knaben Wunderhorn" widmete, ist entscheidend: Das wahre dichterische Genie, wo es
auftritt, ist in sich vollendet, mag ihm Unvollkommenheit der Sprache, der äußeren Technik oder was sonst will entgegenstehen, es besitzt die höhere innere Form, der doch am Ende alles zu Gebote steht." Im deutschen Volkslied klingt die deutsche Seele wider, die kein Unten und fein Oben kennt.
Dr. A. H.
Der Film
in der schulischen Erziehung.
Es ist noch nicht lange her, daß der Film als ein ganz neuartiges Unterrichtsmittel sinch in den Schulstuben Eingang zu verschaffen wußte. Mußten doch erst die notwendigen Dorführungsapparate angeschafst und die Landesfilmstellen, die den Schulen ihres Bereiches die von diesen angeforderten Filme aus ihren Archiven leihweise überlassen konnten, aufgebaut werden; es mußten mithin zweckentsprechende Filme hergestellt werden und zur Benutzung in hinreichender Anzahl von Kopien zur Verfügung stehen.
Wenn nun mitunter geglaubt wird, der Unterrichtsfilm eigne sich im allgemeinen nur zur Veranschaulichung vorwiegend naturwissenschaftlicher Themen aus der Biologie, Physik, Chemie und Erdkunde, so übersieht man dabei wohl den wichtigsten Punkt, und das ist kein ausschließlich belehrender, sondern ein erziehlich-politischer.
Im Film kann man das Leben selbst zu den Schülern sprechen lassen, hier wird unter lieber- Windung trockener Darreichung des Stoffes le- bendige Anschaulichkeit erreicht. Fragen, die aber auf diese Weise an den Schüler heran- gebracht werden, sind imstande, den gesamten weiteren Unterricht zu befruchten, den man auf das Volk, feine Bedürfnisse und das pulsierende Leben des Alltags, seine Probleme und deren wissenschaftliche Unterbauung auszurichten bestrebt ist. Nicht immer ist es möglich, hinaus- zuziehen und die Schüler direkt hineinzustellen in die Krotenpunkte des Alltagsgeschehens und in die Arbeitsstätten der Technik, der Wissenschaftler und Ingenieure. Hier, wo die unmittelbare Anschauung versagt, hat der Film ergänzend einzugreifen, wie z. B. die Unterrichtsfilme aus dem Kaiser - Wilhelm - Jnstttut für Strö-
Wie fleht es mit dem Zuflrom zu den deutschen Hochschulen?
Von Or. Heinrich.
Die Zeiten, in denen junge Menschen in größtem Ausmaße zu den wissenschaftlichen Hochschulen strebten, werden für lange Zeit der Vergangenheit angehören. Noch verspüren wir in einer Anzahl Berufe die damalige Flut, während auf der anderen Seite eine erhebliche Zahl von akademischen Berufen bereits einen fühlbaren Mangel an Nachwuchs zu verzeichnen hat.
Wohin der ungesunde starke Zustrom von Kräften in vergangener Zeit geführt hat, ist allen mit dem Hochschulleben und den akademischen Berufen Vertrauten klar. Seit 1933 ist der Zustrom zu den deutschen Hochschulen durch drei Tatsachen maßgebend rückläufig beeinflußt worden:
1. die die höheren Schulen verlassenden Jahrgänge sind etwa halb so stark wie bisher, bedingt durch den jäh abfallenden Geburtenrückgang von 1914 ab und später;
2. der Ueberschätzuna des Wertes der akademischen Berufe ist eine sehr reale Einstellung gefolgt;
3. eine Anzahl von nicht akademischen Berufen (Wehrmacht, Arbeitsdienst) bietet ungleich bessere Berufsaussichten.
Hinzu kommt die Tatsache, daß eine Anzahl von Stellen, die bisher mit wissenschaftlich Vorgebildeten besetzt wurden, jetzt von Anwärtern versehen wer- den, die praktisch-politische Tätigkeit nachweisen können. Dieser Weg ist in Zeiten des Umbruchs gangbar. Es wird aber wieder die Zeit kommen, in der die wissenschaftliche Vorbildung mit den als Begleiterscheinung auftretenden Prüfungen die Voraussetzung zur Besetzung wichtiger staatlicher Stellen sein wird. Prüfungen dürfen niemals Überschätzt werden; sie geben aber jedem ungewollt ein Rüstzeug auf den Lebensweg mit, dessen Wert der einzelne meist erkennt, wenn er einen erheblichen Abstand zu den viel geschmähten und verwünschten Prüfungen gefunden hat. Diese Erkenntnis hat sich auch zum Teil bei denen durchsetzt, die vor einiger Zeit ihr Studium unterbrochen hatten. Nur so ist es zu erklären, daß ein Teil der jungen politischen Führer der nattonalsozialistischen Bewegung, die in der Kampfzeit und später ihr Studium abgebrochen hatten, es jetzt wieder aufnehmen und mit einem Examen abschließen möchte, um danach ihre politische Tätigkeit fortzusetzen.
Entscheidend vermag diese kleine Schar den Zustrom zur Hochschule nicht zu beeinflußen, maßgebend dafür ist die Einstellung der einzelnen Abi- turientenjahrgänHe zur deutschen wissenschaftlichen Hochschule und ihren Aufgaben. Einzelne Berufe bieten zur Zeit nicht nur günstigere Aussichten auf ein rasches Fortkommen, sondern es kommt noch hinzu, daß diese Berufe für Führerpersönlichkeiten ganz besonders geeignet sind (Offiziersdienst in der Wehrmacht, Arbeitsdienst, Politische Leiter in der Bewegung).
Es hat sich gegenüber der Dor- und Nachkriegszeit fast nichts daran geändert, daß der Student in den ersten zwei bis drei Semestern sich an die großen Aufgaben und Ziele der Hochschulen heran» taften muß. Die wirklichen Aufgaben und Ziele des gewählten Fachs wird der Student immer erst auf der Hochschule erkennen. Die Aufgaben und Ziele, die allen akademischen Berufen gemeinsam sind, müssen aber in viel größerem Umfange als bisher dem angehenden Abiturienten nahegebracht werden. Jeder junge Student muß die Ueberzeugung in sich tragen, daß eine blühende deutsche Wissenschaft und Forschung im Grunde die Garanten für ein stetiges Wohl des deutschen Arbeiterstandes sind. Beispiele von Zeitz, Krupp u. a. reden eine beredte Sprache.
Wir wissen aber, daß diese Beispiele nicht auf alle Werke des deutschen Volkes au treffen. Noch muh viel geschehen. Will sich unser Volk in der Gemeinschaft der Völker behaupten und eine in sich gefestigte sozialistische Gemeinschaft werden, dann wird gerade die Heranbildung des Nachwuchses der deutschen Wissenschaft und Forschung eine der dringlichsten Ausgaben sein, die wir im nächsten Jahrzehnt zu lösen haben.
mungssorschung, von der Vogelwarte Rossitten und vieles andere mehr.
Neben dem Moment der Verlebendigung des Unterrichtsgeschehens tritt noch ein anderes, das vielleicht noch wichtiger ist. Wenn früher während des Schulunterrichts Fabriken oder technische Anlagen besichtigt wurden, stand das rein Materiell - Technische ausschließlich im Mittel punkt des Interesses. Heute werden sich daneben ganz andere Fragen in den Vordergrund drängen, und diese sind wiederum politische, beziehungsweise polittsch - soziale Fragen. Man wird bei derartigen Besichtigungen die Schüler auf die Schwere und die Bedeutung der einzelnen Berufe aufmerksam machen, man wird sie einen Einblick gewinnen lassen in die Gefahrenmöglichkeiten, die den Arbeiter der Faust auf Schritt und Tritt bedrohen, und den Segen der aus feiner Arbeit und seinem Einsatz für alle erwächst, aufzeigen. So macht es auf die Schüler z. B. einen tiefen Eindruck, die Thüringer Glasbläser bei ihrer Arbeit beobachten zu können und sich erzählen zu lassen von der jahrhundertealten Berufstradition, die sich von Familie zu Familie weitervererbt und eine Treue zum Beruf erweckt hat, die sich durch nichts erschüttern läßt.
Nicht immer wird eine direkte Besichtigung an Ort und Stelle möglich sein, und hier muß der Unterrichtsfilm geradezu mit Notwendigkeit ein- greifen. Ein Beispiel möge dies zeigen: Im Film „Steinkohlenabbau — Steinkohlenberg ■ werk" sehen die Schüler im FUm den Bergmann bei seinem schweren, gefahrenreichen Berufe und lernen ihn so schätzen und seinen harten Beruf ehren und achten. Der Film ist daher ein unmittelbarer Wegbereiter der Volksgemeinschaft, er erzieht zur Ehrfurcht vor dem Hand- und Kopfarbeiter an der vordersten Front der Arbeit, zum Verständnis dafür, daß eins ohne das andere nicht möglich ist, daß alles ineinandergreifen mutz, wenn das Ganze gedeihen fotL Wenn auch die Schüler bei einer Filmvorführung spielend lernen, so wird sich doch nicht alles ftlmisch behandeln lassen. Man hüte sich auch hier vor der Schablone!
Hier spricht man zum Herzen der Schüler, und deshalb gehören die Filmstunden zu den eindruckvollsten und fruchtbarsten Stunden im Unterricht. Dr. Graewe.


