Ausgabe 
12.6.1936
 
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(gez.) Adolf Hitler."

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Der Führer und Reichskanzler hat an Major d. Stephani, den früheren Berliner Stahlhelmführer, telegraphisch folgenden Geburts­tagsglückwunsch gesandt:Zu Ihrem heutigen 60. Geburtstag spreche ich Ihnen im dankbaren Geden­ken Ihres Kampfes um die nationale Erneuerung des deutschen Volkes meinen herzlichen Glückwunsch

Kleine politische Nachrichten

Reichsminister Dr. Frick spricht am heutigen Freitag zum Ro-ten-Kreuz-Tag im Deutschlandsender in der Zeit oon 19.45 bis 20 Uhr. Die Rede des Ministers wird zu anderen Zeiten auch oon den Reichsscndern übertragen.

Reichswirtschaftsminister Dr. S ch a ch t ist in Belgrad eingetroffen, um als Reichsbankpräsi­dent den Berliner Besuch des Gouverneurs der Jugoslawischen Nationalbank zu erwidern. Dr. Schacht erklärte, daß sein Besuch keinerlei politische oder wirtschaftspolitische Bedeutung habe

rissen worden, das Schiff habe sich quergestellt und sei breitseitig gegen die Pfeiler der Reichsbrücke an­getrieben worden. Der Kapitän berichtet weiter, daß er daraufhin das KommandoVolle Kraft voraus" gegeben habe, in der Hoffnung, das Schiff werde Kurs gegen das Ufer nehmen. Da aber die Ma­schinen im Augenblick des Versagens der Steuerung aufHalbe Kraft rückwärts" gestanden hätten, sei die Zeit zum Herumwerfen zu kurz gewesen. Die gewaltige Strömung der Hochwasser führenden Donau warf dieWien" an den Brückenpfeiler der lm Neubau befindlichen Reichsbrücke. Unter unge­heurem Getöse barst dieW i e n" mittschiffs auseinander. Das Schiff sackte in drei Mi­nuten weg. Insgesamt waren 29 Personen, durch- meg Angestellte der Donau-Dampfschiffahrtsgesell- schaft, an Bord. Zum Glück war es dem Kapitän noch möglich gewesen, die Dampfsirene als Notsignal betätigen zu lassen, so daß der größte Teil der Besatzung auf Deck eilen konnte. Die Leute klammerten sich an das Holzgerüst der im Bau be­findlichen Brückenpfeiler und konnten sich so retten. Sechs Personen gelang nach den letzten amtlichen Meldungen die Rettung nicht. Die Vermißten und als tot zu betrachtenden Personen sind der Schiffs­heizer, der Restaurateur des Schiffes und seine tfrau, zwei Aufräumefrauen und die Büfettfrau. Vier Tote dürften sich im Wrack befinden, während zwei Leichen nach Aussagen von Zeugen weqge- schwemmt zu sein scheinen

Die Strompolizei hat vorläufig die Durchfahrt unter der Reichsbrücke vollständig gesperrt Die Bergungsarbeiten werden so bald als möglich be- ginnen, aber sehr lange Zeit beanspruchen. Der Wert des untergegangenen Dampfers beträgt zwei Millionen Schilling. Der Schaden, den die Donau- Dampffchiffahrtsgesellschaft erleidet, ist nicht durch Versicherung gedeckt. 1 J

Reichsmimsler Goebbels als Zeuge im Prozeß wegen des Berliner Baugrubenungluüs Erstes Ersordemis ist »i« Sich-rh-" »<r beschäftigten Arbeiter.

Schweres Schiffsunglück aus -er Donau

PassagierdampferIBiett" gesunken. - Sechs Todesopfer.

Wien, 11. )unl. (D31B.) Der Passagierdampfer ..TB i e n ist heule gegen 13.30 Uhr auf der Donau mit voller Wucht von Strömung und Maschine gegen einen Pfeiler der im Umbau befind­lichen Reichsbrücke gerannt. Unter furchtbarem krachen zerbarst das Schiff in Trümmer und war nach wenigen Minuten unter der Wasserober­fläche verschwunden. Passagiere waren noch nicht an Bord, da der Dampfer sich auf der Fahrt zum Kohlefassen befand. Die Bergungsarbeiten sind im Gange. Riesige Menschenmassen haben sich an den Ufern angesammelt. Rach den amtlichen Festslellun- gen hat das Schiffsunglück f e ch s O p f e r gefordert. Diese sechs Personen werden vermißt, und es gilt als sicher, daß sie unter dem Deck des Schiffes eingeschlossen sich nicht retten konnten und e r - trunken sind. Der Schiffsverkehr auf der Donau ist zur Zeit eingestellt, da das Wrack der gesunkenen Wien" die Fahrrinne stellenweise sperrt. Die Reichs­brücke selbst ist nicht gefährdet.

Der Bericht des Kapitäns.

, ,®r!cn unter dem Eindruck der Schiffs-

fSÄ auf bcr.!DonQU - Die Amtliche Polizei, önni fin beh3 °°r°'f-ntiicht letzt die Darstellunq des » ft» Ä ALL

f g t. Der Bug sei von der Strömung herumge­

baut wird, aber ebenso selbstverständlich ist, daß die Regierung will, daß bei jedem Bauvor­haben auch die allerftrengfle Rücksicht­nahme auf die Sicherheit und das Leben der am Bau beschäftigten

Arbeiter gewahrt wird.

Ich empfinde es, rein menschlich gesehen, sehr rüh­rend und anständig von den Arbeitern, daß sie für ihre Vorgesetzten und Arbeitgeber eintreten. Aber wohin würde es führen, wenn wir Leichtsinn und Verantwortungslosigkeit auf den deutschen Baustel­len Einzug halten ließen und damit ein Unglück dem anderen folgen würde? Die Statistik hat be­reits erwiesen, daß, seitdem dieser Prozeß im Gange ist, die Unglücksfälle bei den deutschen Bauvorhaben merklich zurückgegangen sind, ein Beweis dafür, daß man jetzt nicht nur den Eifer des Bauens in den Vordergrund stellt, sondern ebenso eifrig auch die Sicherheit der am Bau beschäftigten Volksgenossen berücksichtigt. Ich habe den nm Bau beschäftigten Arbeitern zu verstehen gegeben, daß, abgesehen davon, daß ich in ein schwebendes Ge­richtsverfahren überhaupt nicht eingreifen könne, ich der Meinung bin, daß hier in einer leidenschafts­losen Untersuchung feftßefteüt werden muß, wer die Verantwortung an diesem entsetz­lichen Unglück trägt, und daß der Verant­wortliche zur Rechenschaft gezogen werden muß. Selbstverständlich wird es nie der menschlichen Kraft gelingen, Naturkatastrophen überhaupt zu­vermeiden. Aber bei dieser Katastrophe hatte ich den Eindruck, daß hier mit der Ungunst der Ele­mente auch Leichtsinn der Menschen zusammentraf.

Ich bin der Meinung, daß, wenn im national­sozialistischen Staat der Vorgesetzte oder der Vetriebsführer eine große Machtvoll­kommenheit besitzen, diese selbstverständlich dann auch mit der größtmöglichen Ver­antwortlichkeit verbunden ist. Es ist nicht an dem, daß nach der Ausschaltung des Parlaments in Deutschland keine Kontrollinstan­zen mehr existieren, um so mehr müssen wir durch unsere eigenen Organisationen Kontroll­organe einrichten und müssen wir vor allem Kontrollorgane in unserem eigenen Ge- wissen aufrichten.

Ich bin der Meinung, daß, wenn man einen sol­chen Fall sang- und klanglos unter den Tisch fallen ließe und danach kein Gerichtsverfahren stuttfände, und die Schuldigen nicht zur Rechenschaft gezogen würden, das zur einer schweren Gefährdung unseres nationalen Aufbauwerkes führen würde. Denn wenn einmal die vielen Ar-

Reichsminister Dr. Goebbels als Zeuae. Vor ihm steht das Modell der Hermann-Göring-Straße. Rechts die Bank der Angeklagten. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Berlin, 11. Juni. (DNB.) Am Donnerstag- mittag wurde Reichsminister Dr. Goebbels im Prozeß um das Baugrubenunglück vernommen. Dr. Goebbels erklärte u. a.: ,Zch habe an dem frag­lichen Morgen in meiner Privatwohnung gearbeitet. Bei mir befanden sich mein persön­licher Referent, Ministerialrat Hanke, und mein Adjutant, Standartenführer v Wedel. Ich hatte schon, solange diese Baustelle überhaupt bestand, Gelegenheit gehabt, sie im einzelnen zu beobachten. Ich konnte mich vielfach des Eindrucks nicht er­wehren, daß an dieser Baustelle mit einer ge­wissen Verantwortungslosigkeit ge­arbeitet wurde. Ich habe auch bei den verschie­densten Gelegenheiten Anlaß genommen, die in Frage kommenden Stellen auf die nach meiner An­sicht bestehenden Fehler aufmerksam zu machen. Ich mußte es aber natürlicherweise vermeiden, mich in die Bautätigkeit selbst hineinzumischen. Denn ich stehe diesen Dingen nur als Laie gegenüber. Ich habe es deshalb vermieden, unmittelbar in die Fortführung der Arbeiten hineinzureden, habe aber meinen Mitarbeitern gegenüber immer wieder d i e stärk st en Bedenken in bezug auf die sachgemäße Durchführung^ dieses Bauvor­habens gehabt. Ich brauche nur zu erwähnen, daß in den Zimmern meinet Privatwohnung tiefe Einrisse in den Wänden festzustellen waren. Als ich mich an die Baubehörde wandte, wurde mir geantwortet, das liege in der Natur des Bauvorhabens.

Ich hatte sehr oft Gelegenheit, zu beobachten, wie an der gegenüberliegenden Seite die Straßen­bahn nach meinem laienhaften Urteil in einer beradezu gefahrdrohenden Weise sich ortbewegte. Ich habe sehr oft beobachten können, daß der gegenüberliegende Boden in schwerste Erschütterung geriet, und ich hatte den Ein­druck, daß die Straßenbahn sich manchmal fast i n einem Schwebezustand befand.

Das Unglück vollzog sich so, daß man im hause ein Geräusch vernahm, als ob zwei oder drei Flugzeuge niedrig über dem haus hinweg­flögen. Ich ging ans Fenster und sah, wie an der gegenüberliegenden Seite der Boden herunterrutschte und der Kran und ein in der Rähe des Krans stehender Baum allmäh­lich sich zu senken begannen. Ich schickte meinen Adjutanten von Wedel herunter in der Annahme, daß es sich um eine weniger ernste Angelegenheit handele. Rach kurzer Zeit be­richtete mir mein Adjutant, daß es sich um ein ernstes Unglück handele und daß man ver­muten müsse, daß auch einige Tote zu beklagen seien. Ich begab mich sehr schnell an die Bau­stelle, wo ich Generaldirektor Dr. D o r p m ü l - l e r und Dr. Ley traf. Ich habe diesen Herren gegenüber sofort in der unmißverständlichsten Weise zum Ausdruck gebracht, daß meiner An­sicht nach an dieser Baustelle verantwor­tungslos gearbeitet worden sei und daß schärfstes Durchgreifen am P l a h e sei. Ich habe in derselben Stunde dem Führer telephonisch über die Größe des Unglücks Bericht erstattet, und der Führer hat mir den Auftrag erteilt, mit den schärfsten 2Uifteln dagegen e i n z u s ch r e i t e n, wenn auf dieser Baustelle etwa eine Verantwor­tungslosigkeit festzustellen sei.

Auf der Baustelle habe ich dann auch mit meh­reren Gruppen von Arbeitern gesprochen, weil ich glaubte, in der Arbeiterschaft eine starke seelische Erschütterung feststellen zu können, weil die Arbei­ter des Glaubens waren, ^daß eben auf dieser Bau­telle nicht mit der nötig en Verantwort­lichkeit gearbeitet worden wäre. Ich sagte den Arbeitern, daß, wenn hier irgendein Versehen oder eine Fahrlässigkeit oder gar eine Verantwortungs­losigkeit festzustellen sei, ich ihnen die absolute Sicherheit dafür geben könnte, daß hier mit den erbarmungslose st en Mitteln durch­gegriffen werden würde. Das ist dann auch geschehen. Einen Vertreter der Staatsanwaltschaft habe ich ersucht, diese Untersuchung so schnell und so rücksichtslos wie irgend mög­lich durchzuführen. Die Arbeiter haben sich sowohl bei dem Unglück als auch bei den Aufräumungs­arbeiten in einer Art und Weise gezeigt, wie sie geradezu vorbildlich genannt werden kann. Für um so notwendiger habe ich es daher gehal­ten, daß nur eine sehr scharfe und leidenschaftslose Untersuchung am Platze sei. Ich selbst habe die Staatspolizei beauftragt, die jetzt auf der Anklage­bank sitzenden Herren augenblicklich zu verhaf­ten. Ich kannte den Angeklagten Hoff­mann aus unserer politischen Kampfzeit. So sehr er mir damals auch nahegetreten, so sehr sah ich andererseits in mir die Verpflichtung, trotzdem hier ohne Rücksicht auf Person und Namen und Ver­dienste vorzugehen. Die Arbeiter baten mich, darauf hinzuwirken, daß die Angeklagten Hoff­mann und Noth aus der Haft entlassen würden, und zwar rühmten sie dabei den kamerad­schaftlichen und nationalsozialistischen Geist, den sie bei diesem Bauvorhaben festzustellen immer Ge­legenheit gehabt hätten. Ich habe den Arbeitern die Gründe für unser Vorgehen klarqelegt. Meiner An­sicht nach handelt es sich bei diesem Prozeß nicht so sehr um die Durchführung des Grundsatzes fiat justitia, sondern es handelt sich vielmehr um solaendes:

Die nationalsozialistische Regierung hat zur An­kurbelung des Arbeitsprozesses unendlich viel Bauvorhaben auf allen mög­lichen Gebieten durchgeführt, wie die Reichsautobahnen, Lisenbahnbauten ufro. Es liegt daher in der Ratur der Sache, daß, wenn ein derartig immenser Arbeitsprozeß angefan­gen wird, unter Umständen bei einzelnen Bauvorhaben eine gewisse Leicht- fertigtet« einreiht. So wenig aber die nationalsozialistische Regierung augenblicklich in der Lage ist, das soziale Los des deutschen Ar­beiters wesentlich zu bessern, so sehr muh sie aus der anderen Seife bestrebt sein, dem deut­schen Arbeiter, soweit das überhaupt menschen­möglich ist, Sicherheit bei feiner Ar­beit zu geben. Die Regierung will, dah ge­

meinen Wohl, nur noch ein Lippenbekenntnis ist, keine Sache des Herzens und noch weniger Sache des Verstandes, und daß von Regierungsseite nicht das geringste geschehen ist, um die britische Jugend davon zu überzeugen, daß der Dienst mit der Waffe für das Vaterland ein Opfer bedeutet, das jeder willig und gerne tragen muß. Während eine Demokratie mit dem höchsten Le­bensstandard in Europa, eine Demokratie, die jähr­lich 50 Millionen Pfund für das Kino und 30 Mil­lionen Pfund für kleine Wetten ausgibt, lediglich auf Bestechungen zu reagieren scheint, ist es den nationalen Diktatoren gelungen, ihr Volk zum Er­tragen jeder Sache zu bewegen", so heißt es in der Fortnightly".Warum, so fragt der Verfasser wei­ter, soll es uns nicht gelingen, auch unsere Jugend zur Disziplin, zum Einsatz des Lebens zu bewegen? Genau so wie aus der großen Friedensbewegung Idealismus spricht, so kann aus der Opferwilligkeit bis zum letzten Idealismus sprechen.Die Tatsache bleibt", so schließt der Artikel,daß die Nation ge­nau so wie eine Familie eine Jugend braucht, die zu m Dienen bereit ist. Der Dienst für das Vaterland muß als notwendige Selbstverständlich­keit empfunden werden. Gelingt das nicht, jo ist die Demokratie zum Scheitern verurteilt."

Wir haben / mit Absicht ein en Engländer zum Wort kommen lassen Denn nur der Engländer selbst kann am besten sagen, was er in dieser Zeit des Ueberganges empfindet. Das schönste Auf­rüstungsprogramm bleibt wirkungslos, wenn nicht hinter ihm steht, was man alsWehrmoral" be­zeichnen könnte Diese Wehrmoral im englischen Volke zu erwecken, wird die letzte Aufgabe Bald­wins sein. Gelingt sie, so wird Stanley Baldwin als einer der großen Staatsmänner Englands in die Geschichte eingehen.

Englands Nationalregierung.

Baldwin

gegen die Rückkehr zur Parteipolitik.

London, 12.Juni. (DNB. Funkspruch.) Auf einem Bankett, das gestern abend oon der natio­nalen Arbeiterpartei des Unterhauses in Anwesenheit des Lordpräsidenten Ramsay Mac- donald und etwa 40 führenden Persönlichkeiten dieser parlamentarischen Gruppen gegeben wurde, ergriff Ministerpräsident Baldwin als Ehrengast das Wort. Er erinnerte an die Bildung der natio­nalen Regierung im Jahre 1931, die mehr als eine Koalitionsregierung gewesen sei. Er sprach von feiner Zusammenarbeit mit Macdonald und drückte feine besondere Freude über ihre beiderseitige An­näherung im Jahre 1931 aus. Die junge Gene­ration werde die in der nationalen Regierung 3um Ausdruck gelangende Zusammenfassung der Kräfte hoffentlich benutzen, um ihren Hoff­nungen und Wünschen Ausdruck zu verleihen. Ein sehr großer Teil der Bevölkerung kümmere sich nicht um die Parteien. Diese Menschen stellten aber den wirklichen und lebendigen Teil des Volkes dar und hätten einen wesentlichen Bei­trag zum politischen Leben des Landes zu leisten. Ihre Sehnsucht nach einer Führung könnte ihnen von den Anhängern der nationalen Regierung er­füllt werden. Keine einzige Partei könnte bei einem Wahlsieg Kraft genug für eine wirksame Herrschaft erringen. Er sei daher gegen eine Rückkehr 3 u r Parteipolitik. Manche wären geneigt, Die nationale Arbeiterpartei nach der Anzahl ihrer Sitze im Unterhaus zu beurteilen. Er ziehe es aber vor, sie nach den Voraussetzungen einzuschätzen, unter denen sie ihre Parlamentssitze errungen hätten.

Thomas leaf sein Mandat nieder

London, 11. Juni. (DNB.) Im Unterhaus fand die Aussprache über den Haushaltsskandal statt. Der oppositionelle Abgeordnete T h u r t l e fragte den Ministerpräsidenten, ob er sich des weit verbreiteten Verdachtes bewußt sei, daß die Kurs­steigerung der Neufundland-Obliga­tionen, die der Veröffentlichung des amtlichen Untersuchungsberichtes über die Finanzlage Neu­fundlands vorausging, auf ein Durchsickern ' amtlicher Mitteilungen schließen lasse. ' Ministerpräsident Baldwin erwiderte, daß die 1 betreffende Firma ihm versichert habe, daß sie keine Geschäfte in neufundländischen Obligationen getätigt hätte. Außerdem sei die Kurssteigerung * der Obligationen nicht vor, sondern nach : der Veröffentlichung des amtlichen Berichtes er- ' folgt.

Nach Beendigung der Fragezeit erhob sich Th o- 1 mas, der von einigen Abgeordneten mit gedämpf- 1 lern Beifall begrüßt wurde Er erinnerte dann daran, daß er sofort nach dem Abschluß der richter­lichen Untersuchung aus der Regierung aus- getreten sei. Er habe indessen niemals ein Haushaltsgeheimnis mit Bewußt­sein verraten. Thomas, dessen Stimme zu­nehmend leiser wurde, teilte dann mit, daß er so­fort seinen Parlamentssitz niederlege und nicht beabsichtige, an einer Nachwahl teilzu­nehmen. Er dankte allen Parteien für die Freund­lichkeit, die sie ihm während seiner Amtszeit er­wiesen hätten, und drückte die Hoffnung aus, daß er während seiner 27jährigen Regierungstätigkeit zum Wohle des Staates beigetragen habe. Hierauf verließ Thomas mit langsamen Schritten und un­ter dem eisigen Schweigen der Abgeordneten das Unterhaus. Dann teilte auch Sir Alfred Butt, der in dem Untersuchungsbericht beschuldigt worden ist, die Mitteilungen über den Haushalt zu seinem Vor­teil verwendet zu haben, mit, daß er seinen Parla­mentssitz niederlege. Er erklärte jedoch ausdrücklich, daß kein Kabinettsminister ihm jemals irgendeine vertrauliche 3nfannation gegeben habe.

beiter, deren Los und Schicksal und soziales Glück auf Gedeih und Verderb in die Hände der Verant­wortlichen gelegt worden ist, zu der Meinung kämen, daß ihr persönliches Wohl und Wehe, ihre Gesundheit oder gar ihr Leben nicht mit der nötigen Sicherheit behütet ist, so würde das zu einer der­artigen Unlust am nationalen Aufbauwerk führen, daß dieses nationale Aufbauwerk auf die Dauer gar nicht durchführbar wäre.

Ich habe in diesem Sinne fortlaufend d e m F ü h - r e r selbst berichtet. Der Führer hat dann nach seiner Rückkehr aus München selbst d i e Baustelle besichtigt und sich über die tech­nischen Einzelheiten Vortrag halten lassen. Der Füh­rer hat mich damals beauftragt, dafür zu sorgen, daß, wenn sich bei diesem Bauunglück Verantwort­liche finden ließen, diese Verantwortlichen nicht nur im Sinne der Gerechtigkeit, sondern auch im Sinne der Staatssicherheit und der Sicherheit des von uns begonnenen nationalen Aufbauwerkes zur Verant­wortung gezogen werden."

Der Vorsitzende fragte nun den Reichsminister, ob sich das Gesuch der Arbeiter um Freilassung der Angeklagten nur auf den Angeklagten Noth oder auch auf den Angeklagten Hoffmann bezog. Der Neichsminister antwortete:Auf beib e". Der Vorsitzende verwies nun auf eine frühere Zeugen­aussage. nach der sich der Angeklagte Hoffmann in der Hauptsache um die wirtschaftlichen Fragen gekümmert hätte, aber nicht sehr viel auf dem Baugelände gewesen sei. Er fragte den Zeu­gen, ob diese Haltung den nationalsozialistischen Grundsätzen des Führertums entspreche, nach denen Gesinnung zwar Voraussetzung, L e i st u n g aber Grundlage des Führertums, also auch des Be- triebsführertums sei. Reichsminister Dr. Goebbels erklärte, das nationalsozialistische Führertum sei nicht nur mit Gesinnung, sondern auch mit Leistung verbunden. Jeder trage für das, was er tue, die unmittelbare Verantwortung. Wenn beispielsweise in seinem Ministerium irgendein Miß­stand zutage trete, so fühle er sich persönlich dafür verantwortlich, auch wenn er tausendmal beweijen könne, daß er von dem Vorfall gar keine Kenntnis haben konnte. Jeder Führer müsse sich für das verantwortlich fühlen, was innerhalb feines Auf­gabengebietes geschehe.

Damit war die Vernehmung des Ministers be­endet. Seine Aussagen wurden ergänzt durch die Zeugen Ministerialrat Hanke vom Propaganda­ministerium, Major der Landespolizei K e 11 e l s k y und Standartenführer v. Wedel, dem perjön- lichen Adjutanten von Dr. Goebbels, die sich am Tage des Unglücks in der Umgebung des Ministers befanden.