Ausgabe 
12.2.1936
 
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Nr. 56 Erstes Blatt

186. Jahrgang

Mittwoch, 12.Sebruar 1936

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An Wilhelm Gustloffs Bahre.

Was ging m Paraguay vor?

Von unserem ('scher)-Äerichterstaiier.

Totenehrung.

Die nationalsozialistische Bewegung und mit ihr ganz Deutschland trauert um einen seiner Besten. Wilhelm Gustloff war ein Vorbild der Pflichterfül­lung, der Opferbereitschaft und des persönlichen Einsatzes für das Werk des Führers. Die auslands­deutschen Volksgenossen, die ihn von seiner Tätig­keit im fremden Gastland her kennen, wissen er­greifende Einzelheiten von seiner unermüdlichen Vorsorge, von den Beweisen seiner untadeligen Gesinnung, seiner nie versagenden Hilfsbereitschaft und seiner übergroßen Liebe zu Deutschland zu er­zählen. Sie fühlten sich geborgen und beschützt unter seiner Führung und sie dankten es ihm mit Hingabe und Beistand in dem gemeinsamen Dienst an der deutschen Sache. Was Volksgemeinschaft im Dritten Reich heißt, das erfuhr auch der feit langen Jah­ren in der Schweiz lebende Deutsche, wenn er Wilhelm Gustloff gegenübertrat. So verlor Adolf Hitler einen seiner' treuesten Mitkämpfer und das deutsche Volk einen guten Kameraden.

Der Führer hat einmal gesagt:Wenn das Schick­sal einen Mann besonders lieb hat und ihm das Schönste auf der Welt schenken will, dann gibt es ihm treue Freunde, Männer, die Freud und Leid mit ihm gemeinsam zu ertragen entschlossen sind, Männer, die nichts irre machen kann, Männer, die gerade in den Tagen der Not besonders hart und entschlossen zu ihm stehen." Ein solcher Mann war auch Wilhelm Gustloff, und sein Verlust löst um so größere Trauer aus, als er nicht durch eigenes Verschulden, durch Krankheit oder Unglücksfall uns entrissen wurde, sondern durch die feige Untat eines jüdischen Verbrechers. Wie die 400 Gefallenen der Kampfzeit so ist auch er aus politischen Gründen von Menschenhand niedergestreckt worden. Deshalb marschiert er mit in der großen Totenstandarte Horst Wessels. So gesellt sich zu unserem Schmerz die Empörung über das Verbrechen und der Schwur, im Leben wie im Sterben dem toten Kämpfer nachzustreben und mit fester Hand die Fahne zu packen, die er solange getragen hat. Be­sonders aber soll der Nationalsozialist Wilhelm Gustloff der deutschen Jugend ein Vorbild sein. Sie, die nun in einem ruhigen, befriedeten Deutsch­land aufwächst, soll an dem harten Schicksal des Schweizer Landesgruppenleiters erkennen, daß die Sicherheit des persönlichen Lebens wie der Aufstieg des deutschen Volkes nicht ein Geschenk des Himmels ist und niemals sein kann, sondern daß das neue Reich schwer erkämpft worden ist und auch nur im Kampfe gehalten werden kann.

Wilhelm Gustloff ist aus der Fremde zurückge­kehrt in seine Heimat, in die kleine norddeutsche Stadt, wo zwischen Seen und Wäldern in jungen Jahren seine unendliche Liebe zu Deutschland er­wuchs und wo nun seine sterblichen Ueberreste die letzte große Ruhe finden werden. Der feierliche Trauerzug, der ihn von Süden nach Norden durch das ganze Reich führte, war nicht umgeben von dem dumpfen Wehklagen auswegloser Verzweif­lung, sondern von jener ernsten Gesinnung, die dem mannhaften, aufrechten Geiste des Verblichenen ent­spricht und die aus dem Tode nur den Mut zum stärkeren Leben schöpft. Das ganze deutsche Volk nimmt, im tiefsten Herzen erschüttert, nun an die­ser großen Totenehrung teil, die die Bewegung Adolf Hitlers dem Kämpfer und Nationalsozialisten Gustloff bereitet. Indem Deutschland seine gefalle­nen Helden ehrt, ehrt es sich selbst.

Halbmast!

Berlin, 11. Februar. (DNB.) Der Reichs- minister des Innern gibt bekannt: Aus An­laß der Beisetzung des Landesgruppenleiters Gust­loff flaggen Mittwoch, den 12. Februar 1936, die staatlichen und kommunalen Verwal­tungen, An st alten und Betriebe, die sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts und die öffentlichen Schu - l e n im ganzen Reichsgebiet halbmast.

Der Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels teilt mit: Am Mittwoch ist für d i e gesamte Partei Trauer angesetzt. Die Dienstge­bäude der Partei und der ihr angeschlossenen Ver­bände setzen ihre Fahnen auf halbmast. Die Führer der Partei tragen an diesem Tage Trauerflor. Den Führern der Partei ist es an diesem Tage unter­sagt, an gesellschaftlichen Feiern und Vergnügungen teilzunehmen. Darüber hinaus sollen kei­nerlei Einschränkungen durchgeführt wer­den. Auch soll das Abhalten von gesellschaftlichen Veranstaltungen nicht beeinträchtigt werden. Theater­aufführungen, Filmvorstellungen. Konzerte usw. finden in vollem Umfange statt.

Schwerin am Vorabend derVeisetznng Wilhelm Gustloffs Die Auslandsorganisation nimmt Abschied von ihrem Kameraden.

Schwerin, 11. Febr. (DNB.) Am Vorabend des Tages der feierlichen Beisetzung des ermordeten Landesleiters Gustloff zieht eine lange Kette von Volksgenossen zu der Stätte, wo die sterblichen Ueberreste Gustloffs aufgebahrt sind, um noch em letztes Mal den Blick auf den Sarg zu werfen Die Festhalle, in der Beileidslisten ausliegen, zeigt schon den feierlichen Trauerschmuck, den sie bei der Beisetzung am Mittwoch tragen wird. Der Sarg steht auf der großen Bühne. Die Freitreppe, die zu ihr hinaufführt, ist ganz mit Kränzen ubersat.

In der ersten Reihe liegen die Kränze des Füh­rers und feines Stellvertreters. Von dem Schwarz, in das die Bühne gekleidet ist, hebt sich an der Stirnwand ein riesiges Hakenkreuz ab. Immergrün und weißer Flieder umrahmen den Bühnenaufbau. Die Totenwache halten vier SA.-Männer. Unbeweg­lich stehen sie im Schein der Feuer, die auf schwarz verkleideten Pylonen brennen. Die breiten Fenster sind mit Fahnentüchern verhängt, so daß feierliche Dämmerung die weite Halle durchzieht.

In der Stadt sind die Vorbereitungen für die feier­liche Beisetzung und den Trauerzug beendet. Alle Häuser sind mit schwarzumflorten Hakenkreuzfahnen geschmückt. Die Amtsleiter und andere leitende Partei­genossen und Freunde der Auslandsorganisation der NSDAP, trafen sich am Dienstagabend un­

ter Führung von Gauleiter Bohle gemeinsam mit den Kameraden von der Landesgruppe Schweiz zu einem stillen Gedenken an der Bahre Gustloffs. Die ältesten Kameraden aus der Aus­landsorganisation nahmen Abschied von dem ge­fallenen Landesleiter. Als erster legte Gauleiter Bohle einen Kranz nieder. Ihm folgten die Ver­treter der verschiedenen Landesgruppen, dann die Vertreter der Auslandsorganisation der Deutschen Arbeitsfront, des Amtes Seefahrt der Auslands- organifation, des Verbandes deutscher Vereine im Auslande sowie Freunde und Mitarbeiter der Aus­landsorganisation. Unter feierlicher Stille ehrte darauf (Bauleiter Bohle im Kreise feiner Mitarbei­ter und Kameraden feinen gefallenen Landesleiter mit dem Deutschen Gruß.

Die Aufbahrung G u ft l o f f s in der Festhalle in Schwerin. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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Wmaschender Sieg Englands über den Weltmeister Kanada im Eishockey.

Die ersten Bobrennen in Garmisch. Goldene Medaille für den norwegischen Eisläufer Ballangrud. Deutscher Sieg über Llngarn im Eishockey. Sonja Heute führt im Eiskunstlauf.

Garmisch-Partenkirchen, 11. Februar. (DNB.) Am sechsten Tag der Olympischen Winter­spiele war die Temperatur auf 15 Grad unter Null gesunken, aber ein herrlich blauer Himmel und funkelnde Sonne ließen die Kälte kaum empfinden. Das olympische Volk, die Teilnehmer, die Kampf­richter, die Vertreter des Olympischen Komitees und der internationalen Verbände, die Presse, die Film- und Kamera-Männer und das Heer der Schlachten­bummler waren schon frühzeitig zur in 900 Meter Höhe gelegenen Bobbahn aufgebrochen. Sie zieht sich 1600 Meter lang wundervoll an dem steil abfallenden Nordhang des Rießer Kopfes hin und ist von vielen Punkten aus gut zu übersehen. Hier traten 19 Viererbobs aus zehn Nationen zu ihren beiden Läufen an, die aber im Laufe des Vor­mittags nicht alle durchgeführt werden konnten. Die beste Gesamtzeit erzielte bisher die Schweiz. Deutschland liegt noch gut im Rennen. Am späten Nachmittag wurden die zweiten Läufe im Vierer­bob beendet. Der Schweizer Bob II mit Ober­leutnant Musy am Steuer erreichte die absolut beste Zeit des Tages mit 1:18,78 Minuten. Der Stand nach den beiden ersten Läufen ist: Bob Schweiz II mit einer Gesamtzeit von 2:41,23 Minuten, Bob Schweiz I 2:43,37, Bob England 2:43,66, Deutschland 2:43,78, USA. I 2:44,78, Frankreich II 2:44,93.

Um 11 Uhr trafen dann auf dem Rießer See 36 Eisschnelläufer aus 14 Nationen zum ersten Lauf der vier Eisschnellaufwettbewerbe an. Der norwegische Weltmeister Ballangrud holte für Norwegen die erste olympische Goldmedaille in dem Rennen über 500 Meter heraus vor seinem Landsmann Georg Krog und dem Amerikaner Leo Freisinger. Die beiden deutschen Teilneh­mer Sandtner und Sarnes hielten sich sehr brav, kamen aber für die ersten sechs Plätze nicht in Frage.

Am Nachmittag wurde auf dem Rießer See die Zwischenrunde der Eishockeyspiele mit dem Spiel der Mannschaften von USA. gegen die Tsche­choslowakei eröffnet. Das Spiel endete mit dem Siege der Amerikaner mit 2:0 (0:0, 2:0, 0:0). Im zweiten Spiel schlug Schweden Oesterreich knapp mit 1:0 (1:0, 0:0, 0:0). Mit einer Ueberraschung endete das letzte Spiel in der zweiten Runde zwi­schen Kanada und England. Zum ersten Male, seitdem sich die Weltmeisterschaft Kanadas an den Olympischen Spielen beteiligt, hat sie eine Nie­derlage einstecken müssen. Unter atemraubender Spannung ging England in diesem Kampf bereits nach einer halben Minute in Führung, und erst in der 12. Minute konnte Kanada zum Ausgleich kom­

men. Das letzte Drittel des Spiels war erfüllt von dramatischen Höhepunkten. Die Kanadier stürmten mit der ganzen Mannschaft, aber die englische Ver­teidigung wußte zunächst den Gleichstand zu be­haupten und 25 Sekunden vor Schluß das sieg­bringende Tor zu schießen. Die englischen Spieler wurden von der sehr stark vertretenen englischen Kolonie auf den Schultern aus der Kampfbahn ge­tragen. Ministerpräsident Göring mit seiner Gat­tin wohnten dem Eishockey zwischen Deutsch­land und Ungarn bei, das einen prächtigen deutschen Sieg mit 2:1 brachte, nachdem die Deutschen bis kurz vor Schluß mit 2:0 geführt hat­ten. Im E i s k u n ft l a u f lag nach acht von zwölf Pflichtfiguren die vielfache Weltmeisterin und zwei­fache Olympiasiegerin Sonja Henie (Nor­wegen) in Führung vor der Engländerin Ceci- l i a C o 11 e d g e. Beiden und auch dem Führer der deutschen Eishockeymannschaft, Gustav I ä n e ck e , sprach Ministerpräsident Göring seinen Glückwunsch für ihre Leistungen aus.

Lebenslängliches Zuchthaus für kommunistische Hochverräter.

Berlin, 11. Febr. (DNB.) Gegen zwei beson­ders gefährliche Staatsfeinde, die im In- und Aus­lande gegen das neue Deutschland gearbeitet haben, verhängte der Erste Senat des Volksgerichtshofes lebenslängliches Zuchthaus und sprach ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit ab. Es han­delt sich um den 25jährigen Erich Quade und den 27jährigen Hans M i ck i n n , die der illegalen Kampfgemeinschaft für die Rote S p o r t e i n h e i t", einer Unterorganisation der KPD., in leitender Stellung angehört hatten. Mit Rücksicht auf ihr verbrecherisches Treiben zog das Gericht in Erwägung, ob nicht die Todesstrafe am Platze fei. Jedoch wurde von einer Verhängung angesichts der Jugendlichkeit und bisherigen Unbe- straftheit der Angeklagten abgesehen. Langjährige Zuchthausstrafen erhielten die beiden Mitarbeiter der roten Verschwörer, und zwar 15 Jahre Zucht­haus und 10 Jahre Ehrverlust der 25jährige Wal­ter M i ck i n n und 13 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust der 24jährige W i 11 y M e y e r, beide Angeklagte wurden unter Polizeiaufsicht ge­stellt. Vier weitere tarnen mit Gefängnisstrafen von 1 bis zu 3 Jahren davon. Die Abgeurteilten haben besonders in Berlin, Leipzig und Halle ver­sucht, unter dem Deckmantel sportlicher Bestrebun­gen den zerschlagenen Parteiapparat der KPD. wieder aufzubauen.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Asuncion, 5. Februar 1936.

(Durch Luftpost)

Die Aufstandsbewegung in Brasilien im ver­gangenen November und der Abbruch der diplomati­schen Beziehungen zwischen Uruguay und der Sowjet­union zwischen Weihnachten und Neujahr haben der südamerikanischen Oeffentlichkeit, die bisher immer nicht recht an den Ernst der Lage glauben wollte, mit einem Schlage d i e Gefährlichkeit der bolschewistischen Pläne enthüllt. Im Ja­nuar folgte in Buenos Aires der zweitägige Generalstreik, den man in der argentinischen Haupt­stadt allmählich als eine kommunistische General­probe bewerten zu müssen eingesehen hat. Auch in Chile rührten sich die Kommunisten. Die genaue Betrachtung aller dieser verschiedenen, teilweise scheinbar zusammenhanglosen Vorgänge zeigt, daß in ganz Südamerika der Kommunismus, in Tausende von Zellen aufgeteilt, sich bereits so stark eingenistet hat, daß er in hohem Maße bedrohlich für die Ruhe und Ordnung in den südamerikani- schen Staaten sich auswirkt, und daß die Spinne, die das dichtmafchige Netz ganz zielbewußt gefloch­ten hat, in Moskau fitzt. Die jüngsten, soeben bekanntgewordenen Ereignisse in Paraguay be­stätigen diese These vollauf.

Die Vorgänge in Asuncion haben die paraguaysche Oeffentlichkeit ziemlich überrascht. Zwar wurde in den letzten Januar- und den ersten Februartagen hier und da etwas von einem versuchten Mili­tärputsch gemunkelt, in den hohe Offiziere des Heeres verwickelt fein sollten, aber Regierung und Polizei hüllten sich in vollkommenes Stillschweigen. Nachrichten in ausländischen, z. B. uruguayschen Blättern, die diese Gerüchte verzeichneten, wurden durch die diplomatischen Vertreter Paraguays aufs entschiedenste dementiert. Am 4. Februar gab dann die paraguaysche Regierung durch das Wehrmini­sterium bekannt, daß die umlaufenden Gerüchte kei­neswegs grundlos waren. Tatsächlich waren ein Umsturz und d i e Ermordung des Staats­präsidenten Dr. Ayala und des aus dem Chacokriege rühmlichst bekannten Oberbefehlshabers der paraguayfchenArmee General (Bftigarribia geplant gewesen. Die Regierung hatte zwar in aller Stille, aber mit eiserner Hand ourchgegriffen und den Umsturzversuch im Keim ersticken können.

Die Anführer des Komplotts waren Oberst Ra­fael Franco, der Direktor der Kriegsschule, Ma­jor Basiliano Caballero Ira la, der Kommandeur des 1. Pionier-Regiments, und Major Antonio Gonzalez. Alle drei find Offiziere, die sich im Chacokriege bewährt haben; besonders Oberst Franco hat sich im Felde ausgezeichnet. Es heißt, daß diese Ofsiziere mit verschiedenen Maßnahmen des Oberkommandos, also des Generals Estigarri- bia, unzufrieden gewesen sein sollen, und daß dieses Mißvergnügen im Verein mit gekränktem Ehrgeiz die Triebfeder ihrer verwerflichen Handlungsweise gewesen sei. In der paraguayfchen Armee, übri­gens auch in den Kreisen der Politiker, herrscht ohne Frage eine gewisse Unzufriedenheit, weil man glaubt, daß der Ausgang des Krieges oder besser gesagt: der Friedensschluß von Buenos Aires Paraguay um die Früchte seiner jahrelangen opferreichen Siege ge­bracht habe. Man wirft dem Präsidenten Dr. Ayala vor, daß er vorzeitig und unnötigerweisedie Nerven verloren" habe. Hätte man nur noch kurze Zeit durchgehalten, so meinen gewisse Kreise, bann wäre Bolivien zu Boden gezwungen worden. Aber Ayala, angeblich auf Estigarribia sich stützend, hätte einen vollkommenen Sieg nicht mehr für möglich gehalten und daher überstürzt den Frieden angestrebt.

Die Anführer des geplanten Handstreichs wand­ten sich zunächst an die Offiziere. Diese aber wei­gerten sich, daran teilzunehmen, da sie die Sache als eine rein persönliche Angelegenheit der genann­ten drei Anführer ansahen und das Ganze auch für überstürzt und kopflos zu halten schienen. Ob nun diese Weigerung den Oberst Franco und die beiden Majore veranlaßt hat, sich nach anderen Helfern für ihre Pläne umzusehen, ober ob sie bereits vor- her anbere Bindungen eingegangen waren, ist noch nicht bekannt. Die Untersuchung wirb vielleicht Licht in biese Angelegenheit bringen. Fest steht bisher nur, baß Franco, Jrala unb Gonzalez, wie es in ber Bekanntgabe bes Wehrministenums heißt,mit umstürzlerischen Elementen in Verbinbuna ober Ein- oerftänbnis geftanben haben, bie ihrerseits ange­stiftet unb gestützt würben burch f o ro j e t i ft i f d) e Drganifatione n".

Die Polizeibehörben haben festgestellt, baß in ber letzten Zeit eine Anzahl bekannter kommunisti­scher Agitatoren aus bem Üluslanbe heimlich nach Paraguay gekommen waren. Im Zu­sammenhang damit ist weiter festgestellt worden, daß sich plötzlich ganz ungewohnt viel Sowjetgelb in Umlauf befand. In den ersten Februartagen wurde bie Hauptstabt von kommu­nistischer Seite mit Flugschriften mit auf- regenben Nachrichten, bie bie Bevölkerung in Ver­wirrung bringen sollten, gerabezu überschwemmt. In ber ganzen Stabt machte sich infolgebessen eine auffaUenbe unb ftänbig wachsenbe Unruhe bemerkbar. Gewarnt burch bie Vorgänge in Bra­silien, Uruguay, Argentinien unb Chile hat bie Polizei in Asuncion bieten Ereignissen bie größte Aufmerksamkeit zugewanbt. Daher war es ihr auch nicht schwer, halb bahinterzukommen, baß Oberst Franco unb bie beiben anberen Offiziere mit ben kommunistischen Elementen in Verbindung stauben. Daß biese Verbinbung immerhin recht eng gewesen sein muß, geht baraus hervor, baß bie kommu-