Ausgabe 
12.1.1936
 
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bot am Montagmorgen ein phantastisches Bild. In der Nacht mar es mit Mühe gelungen, durch Schnee­pflüge die Fahrbahnen frei zu machen, dagegen ist die Räumung der Gehbahnen von den Schneemassen nur allmählich möglich und an den Seiten der Geh- bahnen türmen sich die Schneemassen zu wahren Bergen auf. Bös sieht es in den Anlagen aus. Viele Aeste liegen umher. Hier und dort sind große Bäume entwurzelt worden. Städtische Arbeiter be­freien heute früh wenigstens die kleineren Bäume von der Schneelast.

Im Allgäu hat es dagegen den ganzen Sonntag über geregnet. Erst am Montag- früh hat in Kempten der Regen ausgesetzt. O b e r st- d o r f meldet noch am Montagfrüh Regen bis zu 1200 Meter Höhe. Jrnmenstadt meldete vom Sonntagfrüh bis Montagfrüh Regen mit einer Nie­derschlagsmenge von 85,5 Millimeter. Diese unge­heuren Regenmassen hatten ein gewaltiges Ansteigen der I l l e r zur Folge. Die Iller hatte am Montagfrüh bereits einen Stand von 3,20 Meter erreicht. Die Felder sind auf weite Strecken überflutet. In Kempten steht die Wasserwehr in Bereitschaft. In F ü s s e n hat es am Sonntag zwar einen halben Meter Schnee ge­geben, am Montagfrüh regnete es jedoch in Strömen. Der Lech ist um 1% Meter g e - ft i e g e n.

Um die Hinrichtung Hauptmanns.

Der Gouverneur von New Jersey, Hoffmann, hat, noch bevor das geheime Begnadigungsgericht zusammengetreten ist, zu dem Fall Haupt­mann Stellung genommen. Der Gouverneur er­klärte, er glaube nicht, daß Hauptmann der alleinige Entführer des Lindbergh-Kindes gewesen sei. Er sei auch nicht der Meinung, daß der Ge­rechtigkeit durch die Hinrichtung Hauptmanns Ge­nüge getan würde. Gouverneur Hoffmann gab ferner bekannt, daß er den Generalstaatsanwalt ohne Rücksicht auf die Entscheidung des Begnadi­gungsgerichtes beauftragen werde, den dieser Tage nach Panama abgereiften Dr. London verhaf­ten zu lassen. Dr. London trat seinerzeit im Zusammenhang mit der Kindesentführung hervor, als er die von den Entführern geforderte Lösegeld­summe an der von den Verbrechern bestimmten Stelle niederlegte. Dr. London hatte in den letz­ten Tagen eine Aufsatzreihe über die Zusammen­hänge der Entführung in der Presse veröffentlicht. Bezugnehmend auf diese Zeitungsaufsätze erklärte der Gouverneur, daß die Behörden berechtigt seien, die Angaben des Verfassers, der behauptet, daß mehr als eine Person an dem Verbrechen beteiligt gewesen sei, und der sogar soweit gehe, zu sagen, er kenne zwei der' Mittäter, zu überprüfen. Wenn sich die Behauptungen Dr. Lon­dons als richtig erweisen sollten, seien die Be­hörden berechtigt, die Namen der in den Aufsätzen angedeuteten Mittäter zu erfahren.

*

Das Begnadigungsgericht in Trenton im Staate New Jersey hat in seiner Sitzung, in der das Gnadengesuch Hauptmanns Gegenstand der Ver­handlung war, die gegen Hauptmann erkannte Todesstrafe aufrechterhalten. Die Ver­handlung dauerte acht Stunden. Die Bekanntgabe des Urteils erfolgte ohne Begründung und ohne Mitteilung darüber, in welchem Stimmenverhält­nis der Urteilsspruch des Begnadigungsgerichtes, das sich aus acht Richtern zusammensetzt, zustande- gefommen ist. Nach der Verwerfung des Gnaden­gesuches verbleiben für Hauptmann nur noch zwei Wege: entweder der des Strafaufschubs durch Gouverneur Hoffmann um höchstens drei­mal 30 Tage oder der der Wiederaufnahme des Verfahrens infolge Vorlage neuen Be­weismaterials durch den Verteidiger.

Lin Kind in der Mosel ertrunken.

Das 10jährige Töchterchen eines Koblenzer Ein­wohners stürzte beim Spielen in die Mosel und ertrank. Da die Mosel immer noch starke Strö­mung hat und das Wasser an der Unfallstelle be­sonders tief ist, gelang es nicht, das Kind zu ret­ten. Der Unfall ist um so trauriger, als auch die Mutter des Kindes bei dem großen Brückenunglück im Jahre 1930 in der Mosel ertrunken ist.

Sturmbö verursacht Gerüsteinsturz in Berlin.

An der Ecke Friedrich- und Leipziger Straße in Berlin stürzte unter ohrenbetäubendem Krachen vom Dachgeschoß eines großen Eckhauses ein Gerüst auf den Bürgersteig. Mehrere Passanten wurden von den herabstürzenden Trümmern schwer ver­letzt. Da ein Teil des Gerüstes noch vom Dach­geschoß herunterhing und jeden Augenblick abzu­stürzen drohte, sperrte die Polizei die Friedrichstraße zwischen der Leipziger und der Krausenstraße ab. In dem betroffenen Hause wurden mehrere große Schaufensterscheiben und zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Der Gerüstabsturz ist durch eine plötzlich auftretende Sturmböe verursacht worden. Insgesamt wurden sieben Personen verletzt, darun­ter zwei so schwer, daß sie in ein Krankenhaus ge­bracht werden mußten.

Dom Sturm in die Sieg geschleudert.

In Eitorf-Halft an der Sieg mußte ein Mann aus Oberottersbach dem auch über das Siegtal hin­wegbrausenden Sturm einen Tribut zollen. Als er sich mit feinem Fahrrad mitten auf dem Steg über die Sieg befand, wurde er von einem heftigen Sturmwind erfaßt und in die Sieg geschleu­dert. Herbeieilenden Bewohnern gelang es, den Mann vor dem Tode des Ertrinkens zu retten.

Drei Personen an Morphiumvergiflung gestorben.

Im Kreiskrankenhaus in Gardelegen (Altmark) sind vor einigen Tagen drei Personen plötzlich g e - ft o r b e n. Die sofort angestellten Ermittlungen haben ergeben, daß der Tod durch Einspritzen von Dilaudid, einem Morphiumpräparat, er­folgt ist, das in einer z u ftarfen Dosis verab­folgt wurde. Die Ermittlungen über die Schuldfrage sind noch nicht abgeschlossen. Bei den drei Todes­fällen scheint es sich um die Verkettung unglücklicher Umstände zu handeln, deren Wiederholung durch schärfste Gegenmaßnahmen gesteuert werden wird. Schweres Einsturzunglück in einer Grazer Kaserne.

In der alten Lazarettkaserne in Graz (Steier­mark) [türmte das Dach ein und durchschlug drei Stockwerke. Zahlreiche Mannschaftsräume wur­den vollkommen zerstört. Fünf Tote wurden bis­her aus den Trümmern gezogen. Da zahlreiche Soldaten in der Kaserne anwesend waren, ist zu befürchten, daß noch weitere Opfer zu be­klagen sind.

Schweres Aulobusunglück in Steiermark.

Bei Maria-Zell in Steiermark stürzte infolge Ver­eisung der Straße ein Lastkraftwagen mit Mit­gliedern der ostmärkischen Sturmscharen, die sich zu einer Versammlung begeben wollten, in einen Bach. Sechs Personen ertranken, zwei Personen wur­den schwer verletzt. Nur zwei kamen unverletzt davon.

Riesenschmuggel mit Pelzen aufgedeckt. Millionengeschäfle jüdischer Händler.

Der polnischen Grenzpolizei in Kattowitz ist es nach langen Beobachtungen gelungen, einen seit Jahren betriebenen schwunghaften Schmuggel mit Pelzen auf die Spur zu kommen. Die jü­dischen Pelzhändler G e l d n e r aus Warschau hat­ten große Pelzsendungen aus Ueberfee nach Brüssel und Paris geleitet, von wo die Pelze auf Grund falscher Ursprungszeugnisse als französische und bel­

gische Waren nach eingeführt wurden. 1931 und 1932 wurde öas^^^dje Geschäft über Deutsch­land gemacht. Auf diesVWeise gelang es den jüdi­schen Händlern, die bdjen Einfuhrzölle für Pelze aus Ueberfeelänbern zu umgehen und die Pelze zu geringen Zöllen nach Polen einzuführen. Nach den bisherigen Feststellungen wurden auf diese Weise Pelze im Werte von 1,25 Millionen Zloty nach Polen eingeführt. Die hinterzogenen Zollgebühren belaufen sich auf 30 000 Zloty. Gegen 59 polnische Pelzfirmen, die mit den Händlern in Geschäftsver­bindung gestanden haben, ist ein Strafverfahren eingeleitet worden.

Zwei ungetreue Sowjetbeamle zum Tode verurteilt.

In Swerdlowsk, dem ehemaligen Jekaterinburg, wurde ein U n t e r s ch l a g u n g s f a 1 l aufgedeckt, der großes Aufsehen erregte. Es handelt sich um zwei Beamte des Pelztrustes, die es fertig gebracht haben, im Laufe von etwa zwei Jahren völlig ohne Ueberwachung zu wirtschaften und nicht weniger als 1 255 000 Rubel staatliche Gelder an sich zu bringen. Die Beamten lebten auf großem Fuß, machten wie­derholt Badereisen und veranstalteten Festgelage und andereproletarische" Vergnügungen. Das Gericht verurteilte beide zum Tode durch Erschießen.

Italienisches Flugzeugunglück in Eritrea.

Auf dem Flugfeld bei Massaua ist ein italienisches Bombenflugzeug mit drei Mann Besatzung bei' einem gewöhnlichen Uebungsflug aus unbekannten Gründen abgestürzt. Die Besatzung, die gleiche, die vor einigen Wochen den Mechaniker Birago verloren hatte, konnte vom Fallschirm nicht mehr Gebrauch machen und hat den Tod gefunden.

Der gepanzerte Tonarm und das hohe C.

Als Nutzanwendung der jüngsten technischen Er­fahrungen erscheint auf dem Markt ein neuartiger Tonabnehmer. Wenn beispielsweise das vierge­strichene hohe C der bekannten Koloratur-Soprani­stin Erna Sack oder eines Bassisten völlig tonrein von der Schallplatte wiedergegeben werben soll, dann muß der elektrische Tonabnehmer schon ein sehr gutes Frequenzband aufweisen, damit auch die sogenannten Übertöne zur Geltung kommen. Das viergestrichene hohe C Erna Sacks liegt z. B. bei 2070 Hertz, die Töne eines Bassisten hingegen etwa zwischen 60 und 345 Hertz. Das Frequenzband des neuen Tonabnehmers aber umfaßt 40 bis 5000 Hertz. Damit wird also jeder Ton naturgetreu wiedergegeben. Der ganze Tonarm ist gepanzert, von der Nadel bis zu den Anschlußsteckern ist der Tonabnehmer gegen elektrische Störspannungen metallisch abgeschirmt. Man hat ihn in Stahlspitzen gelagert und durch Federung entlastet, so daß er beim Plattenspiel mit dem richtigen Gewicht auf­liegt, nicht schwerer, als es die richtige Tonaus­nutzung der Schallplatte verlangt. Dadurch wird auch eine weitgehende Schonung der Platten er­reicht.

Kirchliche Nachrichten

Evangelische Gemeinden. Dienstag, 14. Januar.

Großen-Vuseck. 20 Uhr: Evangelisationsvortrag von Bruder Blum (Möttlingen). Collar. 20: Evangelische Frauenhilfe.

Mittwoch, 15. Januar.

Gießen. Sfabffird'c. 20 Uhr: Abendandacht Kapelle des Allen Friedhofs. 20.15 Katechismus- gottesbienft; Pfarrassistent Weber. Großsn-Duseck. 20: Evangelisationsvortrag von Bruder Blum (Möttlingen). Ruttershausen. 20: Evangelische Frauenhilfe. Klein-Linden. 20: Vortrag von Frl. Wolf in der Kinderschule überVom innersten

Dienst an unseren Kindern in Hans und Kinder­schule." Alle Kinderschulmütter sind herzlich einge­laden.

Donnerstag, 16. Januar.

Gießen. Johanneskirche. 20 Uhr: Bibelstunde, Evangelist Blum aus Möttlingen. Daudringen. 20.30: Bibelstunde.

Freitag, 17. Januar.

Staufenberg. 20 Uhr: Evangelische Frauenhilfe.

wieseck. Vom 17. bis 20. Januar, 20 Uhr, Evan­gelisation, Blum (Möttlingen).

Ehristliche Gemeinde Gießen (Zu den Mühlen 2).

Dienstag, den 14. Januar.

20.30 Uhr: Bibel- und Gebetstunde.

Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Candeskirchliche Gemeinschaft), Gutenbergstraße 9.

Mittwoch, den 15. Januar.

20.30 Uhr: Bibelstunde.

Donnerstag, den 16. Januar.

20.30 Uhr: Jugendbund.

Reuapostolische Gemeinden, händelstraße 1 Ederstraße 13.

Mittwoch, den 15. Januar.

20.30 Uhr: Gottesdienst.

Katholische Gemeinden.

Mittwoch, den 15. Januar.

Hungen. 7.15 Uhr: Messe.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Im europäischen Kontinent hat der Einfluß aus Norden eine ganz uneinheitliche Druck- und Wetter­verteilung geschaffen. Vor allem verbleiben Süd­west- und Süddeutschland im Kampfgebiet zwischen warmer und kalter Luft, wobei letztere zwar lang­sam an Raum gewonnen, elftere aber zu ver­breiteten und auch meist sehr ergiebigen Nieder­schlägen geführt hat. Diese sind in Oberbayern und auch noch in Gebirgen der Pfalz und zum Teil in Teilen des Schwarzwaldes als Regen niederge- gangen. In Nordeuropa herrscht rege Wirbeltätig- feit, die auch Deutschland verhältnismäßig kalte polarmaritime Luft zuführt und bis zu uns hin zum Auftreten von Niederschlägen (in den Gebir­gen Schnee) führen wird.

Aussichten für Dienstag: Vielfach dun­stig, sonst meist wolkig und besonders nach Norden und Westen hin einzelne Niederschläge (in den Ge­birgen vielfach Schnee), Temperaturen bei 0 Grad, veränderliche Winde.

Aussichten für Mittwoch: Einzelheiten nicht absehbar, doch voraussichtlich kälteres und zu einzelnen Niederschlägen (in den Gebirgen Schnee) geneigtes Wetter.

Lufttemperaturen am 12. Januar: mittags 4,9 Grad Celsius, abends0,9 Grad; am 13. Januar: morgens0,8 Grad. Maximum 5,3 Grad, Mini­mum 2,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. Januar: abends 9 Grad; am 13. Ja­nuar 2,1 Grad Celsius.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. fians Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel D.A. XII. 35: 11300. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Stein­

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Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

237 d

Nach Gottes unerforschliehern Ratschluß verschied am 11. Januar 1936 unsere unvergeßliche Mutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante

Dorf-Gill, Steinberg, Grüningen, Wiesbaden, Mühlheim, Steinfurth» den 13. Januar 1936.

In tiefer Trauer:

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