Nr.2W Drittes Blatt
Sreifog, p.Dezemver 1956
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
hier
gegen ihren ausdrücklichen Hinweis gehandelt
Aus der Provinzialhaupisiadt
viel
erscheinen
Samstag,
(Nachdruck verboten.)
30 Fortsetzung.
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r ergiebig u. billig
und der
dadurch bezahlt machen, daß diese Sachen eben länger halten werden.
Ganz abgesehen von seinem eigenen Nutzen Vorteil, den jemand daraus zieht, wenn er
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warte der Gefolgschaften, der Fähnlein Gruppenreferentinnen des BDM. zu Haden. Anfang 8.30 Uhr.
Velr.: llnlerbannschulungen.
Flieger-, Motor- und Nachrichtenschar im HI.-Heim Walltorstraße.
In Großen-Linden die Gefolgschaften 5, 13, 14, 15.
Beginn der Schulungen jeweils Samstag, 20 Uhr.
Bett.: Theaterbesuch:
Die Vorstellung „Der Kampf mit dem Tatzelwurm" am Mittwoch, 16. Dezember, kann von uns zum Preis von 50 Pfennigen besucht werden. Die Gefolgschaftsführer bestellen die Karten selbst an der Theaterkasse.
„Aber das wissen Sie doch, Herr Generaldirektor! ich würde mit niemandem tauschen---"
Walter Brand blickte auf, sah feine Sekretärin ernst und prüfend an:
„Auch nicht, wenn hier einmal nicht mehr alles so glatt ginge wie bisher? Würden Sie wirklich auch zu mir halten, wenn ich in Schmierigkeiten wäre, in großen Schwierigkeiten vielleicht... Aber was erzähle ich Ihnen da, helfen kann mir ja doch niemand mehr."
Seine letzten Worte erstarben fast wieder in einem Flüstern. In steigender Verwunderung hatte Inge Schlicht zugehört. Seine Erregung, die Verzweiflung in seinen letzten Worten flößte ihr tiefstes Mitleid ein.
Impulsiv erhob sie sich von ihrem Platz an der Schreibmaschine, ging zu ihm hinüber:
„Was es auch fein mag, das Sie bedrückt, ich würde immer zu Ihnen halten!" sagte sie einfach.
Ein schwaches Lächeln huschte über Walter Brands zerquälte Gesichtszüge, erstarb dann wieder.
„Ich weiß nicht, ob Sie noch so sprechen werden, wenn Sie mich angehört haben. Aber ich habe Vertrauen zu Ihnen, Fräulein Schlicht, — vielleicht mehr Vertrauen, als ich seit langem zu einem Menschen gehabt habe. Und vielleicht haben auch Sie Vertrauen zu mir, wenn es mir die andern einmal alle nicht mehr geben werden. Wenn ich erst im Untersuchungsgefängnis sitze ..."
Jäh brach Walter Brand ab, starrte dann vor sich hin, ohne aufzublicken.
Auch Inge Schlicht blieb einen Augenblick stumm. Es kostete sie viel, ihr Entsetzen über Brands letzte Worte zu verbergen. Aber schnell hatte sie sich wieder gefaßt. Das warme Gefühl, ein untrüglicher Instinkt trugen den Sieg über jedes Bedenken in ihr davon. Sie wußte: Jetzt war nichts mehr wich- tig, als diesem verzweifelten, von einer unbekannten Schuld gequälten Menschen eine Zuflucht, eine Hilfe zu sein, an die er sich halten konnte! Mit Augen, in denen nur heißes Mitleid stand, sah sie den Generaldirektor an. „Sprich nur, sprich alles aus, was dich quält", schienen sie zu sagen.
(Fortsetzung folgt!)
zeige.)
Gemeindeabend der Luthergemeinde.
Man schreibt uns: Wie im vergangenen Jahi veranstaltet die Luthergemeinde auch in diesem Iah» ihren Gemeindeabend am dritten Advent, 13. Dezember, in der Turnhalle am Oswaldsgarten. An der Ausgestaltung des Abends ist vor allem die Jugend, von den ganz Kleinen bis zu den konfirmierten Jahrgängen, beteiligt. Glieder der Kinderkirche führen ein Spiel „Liebe Weihnacht" auf, das mit viel Eifer und Freude eingeübt wird. Neben chorischem Sprechen der jesaianischen Verheißungen durch die Konfirmanden, Liedern der Konfirmandinnen und Gedichten, vorgetragen von Gliedern des Mädchenkreises, werden der Chor und die Gemeinde das gesungene Wort pflegen. Frau Rose Stirl vom Stadttheater Gießen gedenkt Adoents- unb Weihnachtsgedichte und -geschichten zu lesen. Konzertsänger K. E. Tank singt alte Advents- und Weihnachtslieder. Pfarrer Lic. Flechsen- haar aus Ulfa spricht über „Die Adventshoffnung für die Kirche Jesu Christi". Alle Glieder und Freunde der Luthergemeinde sind bei freiem Eintritt zu diesem Gemeindeabend herzlich eingeladen. (Siehe heutige Anzeige.)
Hitler-Jugend Bann 116 Gießen
Am Sonntag, 13. Dezember, findet im „Burghof" (früher Caf6 Ebel) eine Arbeitstagung der Sozial-
Folgende Unterbannschulungen finden
12. Dez. und Sonntag, 13. Dez., statt:
In Gießen die Gefolgschaften 1, 2, 3, 4, MHI.,
guten deutschen Qualitätsware den Vorrang gibt, ist es auch eine selbstverständliche Pflicht, wenn er durch bevorzugten Einkauf von Wertarbeit dem vorbildlichen deutschen Industriearbeiter und dem durch sein Können und Geschick, wie infolge seines Geschmackes und seiner gediegenen Arbeit in der ganzen Welt geschätzten deutschen Handwerker oder Kunstgewerbler Verdienste und weitere Arbeitsmöglichkeit gibt.
Auch die Volksgenossen, die heute mit dem Pfennig rechnen müssen, sollten sich sagen, daß billige Ware bei weitem nicht immer die wohlfeilste ist. Jene nutzt sich schneller ab; auch wird sie infolge ihrer minderguten Qualität nicht den Wert besitzen, der dem Edelprodukt wertvoller und gediegener Arbeit und aus gutem Material eigen ist.
Das Fest der Liebe ist bei uns der Tag, an dem wir denjenigen Menschen, die wir erfreuen wollen, Geschenke bereiten; hierbei hat unser Geldbeutel gewiß ein wichtiges Wort mitzureden. Aber am Schenken erkennt man auch das Wesen und den Wert eines Menschen; denn welche Gaben und auf was für eine Art diese geschenkt werden, ist für die charakterliche Beurteilung des Schenkenden nicht ohne Bedeutung. Hieran kann man den großzügigen und kleinlichen, den gemütvollen und kalt berechnenden, den klugen und nachdenklichen, aber auch den oberflächlichen oder heuchlerischen Menschen erkennen, denn alles, was der Mensch mit Vorbedacht und lleberlegung tut, gibt Aufschluß über sein Inneres.
Auf die Frage, was man schenken soll, mag die Richtschnur gelten: Schenke das, was du dir selber wünschst! Würdest du dir aber einen minderwertigen ober wertlosen ©egenftanb wünschen, ober glaubst du wirklich, daß ein solches Geschenk eine richtige Freude bereiten wird?
Dornotizen.
Tageskalender für Freitag.
NS.-Bund Deutscher Techniker / Reichsbund der Techniker und Architekten: 20.15 Uhr Vortrag von Pg. Direktor Schumacher (Frankfurt a. M.) über „Die deutsche Treibstoffwirtschaft im Rahmen des Vierjahresplanes" im Haus der Deutschen Arbeits-
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Schenkt Qualitätserzeugnisse!
V.A. Von den großen Festen des Jahres, die die Umsätze des Handels und in Verbindung mit diesem auch diejenigen ganzer Industriezweige vergrößern, ist das Weihnachtsfest für zahlreiche Wirtschaftsgruppen das wichtigste. Schon geraume Zeit vorher wurden für dieses Saisongeschäft die Abschlüsse getätigt; nun sind die Spielwaren-Ausstel- tungen, sowie die weihnachtliche Ausschmückung der Schaufenster und Geschäftsräume in vollem Gange, und es tritt jetzt wieder die Frage an uns heran: Was sollen wir schenken?
Ist es noch verhältnismäßig leicht, Kindern durch Schenken von ansprechendem ober auf bas kinbliche Gemüt Einbruck machendem Spielzeug eine Freude zu bereiten, so ist es andererseits manchmal bedeutend schwieriger, Erwachsene durch die für den Weihnachtstisch bestimmten Gaben wirklich zu erfreuen.
Es kommt hierbei sehr oft auf inneres Feingefühl und Einfühlungsvermögen an, die das Erraten der Wünsche des Beschenkten zur Voraussetzung machen, und die um die Eigenart des Menschen wissen, den wir mit unseren Gaben zu erfreuen beabsichtigen. Es ist also oft keine leichte Aufgabe, die richtigen Gegenstände herauszufinden, mit denen wir unseren Lieben eine Freude bereiten können. Diese Freude wird aber zumeist nur dann von Dauer sein, wenn wir uns entschließen können, der guten Ware den Vorrang zu geben.
In diesem Zusammenhang möge daher noch besonders betont werden: Geschenke sollen immer Ausdruck von Empfindungen sein, die wir dem Beschenkten gegenüber haben, denn das Geschenk als solches soll dem damit Bedachten Freude bereiten. Hierbei soll durchaus nicht verkannt werden, daß noch nicht alle Volksgenossen wirtschaftlich so gestellt sind, daß es ihnen möglich ist, teure Geschenke unter den Weihnachtsbaum zu legen. Aber es besteht immerhin doch ein Unterschied zwischen Luxuswaren und solchen Artikeln, für die infolge ihrer soliden und guten Verarbeitung, oder wegen ihres haltbaren und besseren Materials, aus dem sie angefertigt sind, ein höherer Preis gerechtfertigt ist. Es ist auch eine alte Tatsache, daß die paar Mark, die ich für ein Wäsch-, Kleidungs- oder Haushaltungsstück, für ein paar Schuhe, eine Sportausrüstung ober ein Kunstwerk mehr bezahlen muß, sich
würbe. Auf ihre Veranlassung ist beim Bezirksamt der Beschluß inzwischen aufgehoben, sogar rückwirkend die Genehmigung zum Abzug der Steuer erteilt. Die Rentnerin hat nicht nur nichts zu zahlen, sondern triegt'nod) 75 Mark ausgezahlt, das ist mehr als eine ganze Monatsmiete.
„Frl. St., mir ist ja so leicht, gerade als fiele Ostern und Pfingsten auf einen Tag!" Glückstrahlend verabschiedet sie sich.
Reich ist der Dank, den diese Menschen der Beraterin, die wie die meisten ihrer Kolleginnen ehrenamtlich arbeitet, entgegenbringen. Eine Frau hat ihn in ihrer schlichten Weise einmal in die Worte gefaßt: „Wenn Sie mal einen dienstbaren Geist brauchen, so denken Sie an mich, ich würde mitten in der Nacht für Sie aufstehen!" Dabei bildet die Sprechstunde nur einen Bruchteil der Aufgaben einer Beraterin. Nebenbei ist ein großer Schriftwechsel, sind Akten und Kartei auf dem Laufenden zu halten, Anträge sind weiterzugeben. Aus den 18 Gaubetriebsgemeinschaften schicken die Vertrauensfrauen der DAF. ihr die Unterstützungsanträge weiblicher GefolAchaftsmit- glieder zu, die sie zu prüfen und zu befürworten hat. Es gibt eigentlich kaum eine Lebensfrage, mit der man nicht zu der Beraterin kommt.
Wenn ich auch manchmal nicht weiß, wo mir der Kopf steht, so möchte ich doch, daß noch viel mehr von meinem Rat Gebrauch gemacht würde. Es gibt heute noch Menschen, die von unseren Beratungsstellen des Frauenamtes der DAF. nichts wissen. Dabei machen wir nicht etwa Unterschiede. Jedem, der zu uns kommt, wird geholfen, soweit es in unseren Kräften steht!"
Dr. Buresch.
Kopf hoch, wir helfen!
Ein Vormittag in einer Beratungsstelle der OAK
wäre es noch ein Leichtes gewesen, die Spur zu finden, wo der Unfall, ober was es nun gewesen sein mag, sich abgespielt hat! Aber heute erst, nachdem es über Nacht geregnet hat, nachdem Passanten den Weg entlanggekommen sind--; aber was
ist das?!"
Nachdenklich hob der Beamte eine kleine, silberne Bleistifthülse auf.
„Leuchten Sie doch mal, Schulze!"
Sofort ließ der Kriminalassistent eine kleine Taschenlaterne aufblitzen, und beide Männer beugten sich tief über das Pflaster, das hier den Boden bedeckte.
Diesmal war es der Assistent, der etwas entdeckte:
„Wenn ich nicht irre, ist dies hier eine Gleitspur, wahrscheinlich durch einen Gummiabsatz hervorge- rufen! Sehen Sie die saubere, wie radierte Stelle da auf dem Pflaster, Herr Kommissar?"
Der Kommissar hatte bereits eine Lupe aus seiner Tasche gezogen und betrachtete die bezeichnete Stelle mit größter Aufmerksamkeit.
, Gewiß! Und die Länge der Gleitspur, und noch mehr die Art der Kurve, deutet auf noch etwas viel Wesentlicheres hin! — daß nämlich der Mann, der hier ausgerutscht ist, einen kräftigen Stoß bekommen haben muß! Sehr bedenklich für den Generaldirektor, fürchte ich, bei all den andern Anzeichen, die gegen ihn sprechen! Wenn die Fingerabdrücke auf dem Bleistift stimmen, steht es schlecht um ihn!"
Noch lange suchten die beiden Männer die Stelle ab maßen die Länge der Gleitspur, wahrend der Kommissar sich Notizen in sein Buch machte.
„Eigentlich tut es mir leid um den Mann!" murmelte er. „Machte einen so sympathischen Eindruck! Aber die Anzeichen,--seine große Ver
störtheit in der Sanitätswache, die Prozetz- qeqnerschaft zwischen ihm und Rammelt, — fein später Besuch im Institut, den ja der Portier vorhin noch bestätigt hatte, und ,-tzt noch die Spuren hier, — — ich glaube kaum,, daß man rhm das Aeu'ßerste noch ersparen kann!"
-käst um die gleiche Stunde begab sich General- direktor Brand mit müden Schritten in das Ber- waltungsgebäude der Brand AG, zu seinem Büro,
Wege im Rebel.
Vornan von Käthe Mehner.
(Copyright by Aufwärts-Verlag, Berlin SW 68.)
front. — Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr „Seiner Gnaden Testament". Gloria-Palast, Seltersweg: „Intermezzo". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Dahinten in der Heide". — Neue Aula der Universität: 20.15 Uhr Vortrag von Prof, de Crinis (Köln), über den „Politischen Katholizismus". — Weihnachtsausstellung der oberhessischen Künstler: Ab 17 Uhr im Turmhaus am Brand. — Fünfziger 1887/1937: 20.30 Uhr Gründungsversammlung im „Burghof" (Ebel). — 15 Uhr Werbeversammlung des Reichsverbandes, Landesgruppe Hessen-Nassau, für Gartengestalter und Friedhofsgärtner im „Hessischen Hof".
Sladtthealer Gießen.
Heute Abend findet die Erstaufführung der neuen Komödie „Seiner Gnaden Testament" von Hjalmar Bergman statt. Hjalmar Bergman ist der beliebte schwedische Dichter, der durch seinen „Nobelpreis" zuerst in Deutschland bekannt geworden ist. — Die Spielleitung der Komödie führt Hans Geißler. Mitwirkende: Damen: Gerhardt, Krause, Stirl; Herren: Frickhoeffer, Geiger, v. Gschmeidler, Kühne, Lindt, Nieren, Schorn, Schuster, Volck, Walter. — Die Bühnenbilder schuf Karl Löffler. Die Vorstellung findet als 13. Vorstellung der Freitag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr.
Die Heimatvereinigung Schiffenberg
hält morgen, Samstagabend auf dem Schiffenberg ihre Weihnachtsfeier ab. Eingeleitet wird die Veranstaltung durch eine Vorfeier in der alten Kapelle unter Mitwirkung des Frauenchors Haufen. Die Ansprache hält Pfarrer Steiner, Hausen. Anschließend findet eine Nachfeier im Saale des Schiffenbergs statt. (Siehe heutige Anzeige.)
Gemeindeabend der Lukasgemeinde.
Am kommenden Sonntag Gemeindeabend der Lukasgemeinde mit Lichtbildervortrag von Reichsbahnamtmann i. R. Dörr. (Siehe heutige An-
Funfemhalb Millionen erwerbstätiger Frauen zahlt die Deutsche Arbeitsfront. Sie gemeßen Schutz und Betreuung durch das Frauen amt der DAF,", Eine große Zahl erwerbstätiger Frauen in ganz Deutsch- lanb ljat sich in den Dienst dieses Amtes ge- stellt, schon im März 1936 zählten die ge- schulten Amtswalterinnen und Vertrauensfrauen rund 36 000. Damals schon gab es 4000 Beratungsstellen, in denen bis dahin na^u 350 000 Menschen sich Rat und Hilfe geholt haben. Wir schildern in Folgendem einen Vormittag in einer Berliner Bera- ratungsftelle der DAF.
Berlin, im Dezember.
Mitten im geschäftigen Lärm des Berliner Nordosten, im Hause der Gauwaltung der DAF., sitzt in einem kleinen Zimmer die Leiterin der Beratungsstelle des Frauenamtes der Deutschen Arbeitsfront und empfängt ihre Schutzbefohlenen. Unzählige Klagen und Wünsche, Beschwerden und Fragen werden in dem hellen Zimmer vorgebracht. Schon nach den ersten Minuten, die ich ihr am Schreibtisch gegenüber sitze, um einen Vormittag Praxis mit ihr zu teilen, schwirrt mir der Kopf. Ist denn diese Frau für alles zuständig?
„Zuständig?" Jetzt lacht die Beraterin. „Dies schreckliche Wort gibt es bei mir überhaupt nicht! Wozu habe ich den meine ,Strippe*?" — sie zeigt auf ihren Telephonapparat — „in weniger als einer Minute kann ich ja alle Stellen erreichen, die für den einzelnen Fall gefragt werden müßten, mit denen mache ich sofort mündlich ab, was zu geschehen hat. Jemand fortschicken, weil ich nicht zuständig wäre — ausgeschlossen!"
Da kommt schon die nächste Besucherin, zwei waren bereits vor meiner Ankunft da, in aller Frühe. Sie ist Zuschneiderin für Damenkonfektion. Hat keine Arbeit. Fräulein St. begrüßt sie herzlich und hat auch schon überall herumgehorcht. Sie sieht zwei Möglichkeiten, redet aber der Frau, die es mit Heimarbeit versuchen will, weil sie zuhause noch eine Nähmaschine hat, aus ihrer Erfahrung davon ab: „Als Heimarbeiterin müssen Sie heute zuviel Hebung und Routine haben, um sich überhaupt einen Unterhalt sichern zu können. Wir finden schon noch was anderes für Sie. Nur Kopf hoch, Frau G., Sie sind doch noch so munter und rüstig. Sie kann man noch lange brauchen." Während ihres ermunternden Zuspruchs hellen sich die Mienen der Frau sichtlich auf, sie sieht das Fräulein dreimal für sie telephonieren, sie spürt den Helferwillen und die Anteilnahme, gestärkt und hoffnungsvoll
verabschiedet sie sich.
„Sie sorgen also unter Umständen auch dafür, daß die Menschen wieder Arbeit bekommen?" frage ich, als sich die Tür hinter ihr geschlossen hat.
„Das verlangt einfach die Praxis. Mein oberster Grundsatz ist, zu helfen, wie und wo ich irgend kann. Arbeit vermittle ich natürlich in engster Fühlung mit den Arbeitsämtern. Die Hauptsache 'ist, daß von mir hier keiner fortgeht, ohne das Gefühl, daß ihm geholfen worden ist. Damit wollen wir ja zugleich die Menschen auch erziehen, deshalb nehmen wir uns gerade auchder Männer an; denn wir sagen uns, wenn wir einem Mann zu Arbeit verhelfen, wenn wir ihm in Ehesachen den Kopf zurechtsetzen, wenn wir ihn vor Unbesonnenheiten bewahren, dann helfen wir ja auch jedesmal seiner Frau. Manchmal habe ich hier mehr Männer als Frauen."
Wie zur Bestätigung dieser Worte tut sich die Tür auf und ein Mann in Beamtenuniform tritt herein, der sogleich von Frl. St. als alter Bekannter begrüßt wird: „Sieh mal, wie fein Sie sich gemacht haben, Herr M. Wie geht es denn, sind Sie wieder ganz gesund?"
Stolz lächelt der Mann: „Ja mir geht s gut. Gesund bin ich, Arbeit hab' ich auch, als Aushelfer bei einer Behörde, und soweit ist auch die Familie zupaß."
„Nun, und? ,
„Ja, da habe ich doch von einer Erziehungsbeihilfe für Kinderreiche in der Zeitung gelesen und die habe ich bei meinen fünf Kindern beantragt und
stelle des Bannes 116 statt, zu der sämtliche Sozial- ........ * ' " ' sowie die
Als er den Vorsaal durchschritt, in dem die Angestellten arbeitend an ihren Tischen saßen, wandten heute fast alle den Kopf nach ihm um. War das denn noch der zielbewußte, energische Mann, dessen zähe Natur sie immer bewundert hatten? Heute aber — wie sorgenvoll hatten seine Augen geblickt, wie gebeugt war sein Gang gewesen! Irgend etwas mußte da geschehen sein! Nur was? Was?
Drinnen in seinem Zimmer war Walter Brand inzwischen fast taumelnd auf einen Stuhl gesunken, trank mit durstigen Zügen aus dem Glas, das die Sekretärin ihm an die Lippen hielt.
„Danke, danke!" murmelte er. „Es geht schon wieder! Nur eine vorübergehende Schwäche! Wir können gleich das Diktat vornehmen!"
„Nein, Herr Direktor, das dürfen Sie aber wirklich nicht."
Inge Schlicht wußte selbst kaum, woher sie den Mut zu ihrer so festen und keinen Widerspruch duldenden Antwort hernahm.
„Hier, Herr Direktor, sehen Sie einmal in diesen Spiegel, wie Sie aussehen! Wahrhaftig, als ob Sie jeden Augenblick umfaUen könnten! Wenn Sie erlauben, rufe ich jetzt den Chauffeur an, daß er Sie nach Hause fährt! Und einen Arzt besorge ich Ihnen auch! Das sieht ja jedes Kind, daß Sie krank sind..."
„Nein, Fräulein Schlicht, keinen Arzt!--Sie
meinen es gut, ich weiß--aber ein Arzt kann
mir da auch nicht helfen---"
Stammelnd hatte Walter Brand die Worte ausgestoßen. In tiefer Anteilnahme hörte Inge Schlicht zu.
„Aber was ist denn geschehen, Herr Generaldirektor?"
Aus den Augen des Mädchens sah bei diesen Worten so viel Teilnahme und Sorge um ihn, daß Walter Brand von dem Wunsch gepackt wurde, sich einmal alles von der Seele zu sprechen, was seit der vorgestrigen Nacht auf ihm lastete.
„Haben Sie nicht neulich einmal zu mir gesagt, daß Sie gern bei mir arbeiten, Fräulein Schlicht?" fragte er leise.
Eine tiefe Röte überzog bei seinen Worten das Gesicht des jungen Mädchens. Dann gab sie im gleichen Ton zurück:
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tn Rhein- über bie cdelschnill« • oaren. - istelle für im 7. De« ie Markt«' unste aus aus 6üb- iinb West« fuhrkrebit«
Deoisen- :erung der n. —1010: in Frank« tlanbs. - chen Dor« nsahsteuel' rbelmetaHe itlaut der nmen mit >r Comites uhrdenE' ragen sind- 'urkei.
Auch die beiden Beamten gingen nun den Weg am Flusse entlang, den Ralf Rammelt zwei Albende vorher im dichten Nebel gegangen war Auch letzt war der Nebel noch nicht gewichendoch ^r er kaum dicht genug, die entfernten Lastkahne auf dem Fluß und die Häuser auf der Landseite zu ver- ^Langsam, Schritt für Schritt ging der Kommissar mit seinem Assistenten vorwärts. Keine noch so ge- ringe Spur durfte ihnen entgehen. Trotzdem schien bas9 Suchen kein Ergebnis zu zeitigen, unb b Kommissar fuhr sich verzweifelt mit Dem Taschen tuch über bie nasse Stirn.
„Gestern morgen hätten wir von w fye wissen müssen!" sagte er ärgerlich. „Gestern morgen
nun hapert’s da, weil Bedenken vorliegen sollen." Das Fräulein kennt seine Pappenheimer. „Na, lieber M., Hand aufs Herz, hat es doch nicht mal wo gehapert, mir können Sie's ja sagen, das wissen Sie!"
„Also wirklich!" Er legt beteuernd die Hand aufs Herz. Höchstens bei die vorigte Regierung, da hab ich ja mal Spirenziens gemacht, kann ja sinn, bet je da noch von wissen. Aber sagen Se doch selbst, konnte man denn freundlich sind zu solche Leute?" Die Beraterin erledigt die Angelegenheit gleich an Ort und Stelle. Als Verbindungsstelle zwischen DAF. und NSV. hat sie ohnedies Fühlung mit allen zuständigen Aemtern der Wohnungsfürsorge, der Kinderhilfe, der Krankenkassen u. a. m.
Schon geht die Tür wieder auf. Ehe wir uns dessen versehen, platzt ein Regen von Vorstellungen und Klagen auf uns herab.
„Frl. St., ich habe 190 Puls, das ist die Schilddrüse, ich schlafe keine Nacht, ich bin ja so aufgeregt! Was machen wir bloß mit dem Rechtsanwalt, der verklagt mich, Frl. St., der verklagt mich!!" Sie ringt die Hände. Frl. R., Rentnerin und Zimmervermieterin, ist mit der Steuerbehörde in Konflikt aeraten. Gegen den ausdrücklichen Rat von Frl. St. hat sie vorzeitig die Hauszinssteuer von der Miete abgezogen, nun sollen alle Beträge auf einmal nachgezahlt werden.
Die Beraterin verliert kein Wort darüber, daß
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Mer da hat uns doch jemand nach dem Weg zum Institut gefragt, als wir nach Hause gingen! rief plötzlich der Gehilfe eifrig aus. „Sie haben ihm ^'a noch Bescheid gegeben, Herr Doktor!
Das ist allerdings wahr", bestätigte Dr. Lohmann. „Es war ein großer, kräftiger Herr Mir fiel besonders seine tiefe Stimme an ihm auf.
Wieder wechselten die beiden Beamten einen
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tabu
WienM JJnP, 42,14 0,151 3,053 54,4 47,lf 12-2 5,385 11,61 135,64 13,1 0,711 5,666 61-34 48,Z 11,085 62,92 57, 20,52 8,779
2,492
Blick ...
Dann erhob sich der Kommissar.
Nochmals, meine Herren, ich bin Ihnen für Ihre Auskünfte sehr dankbar! Wenn Sie uns noch irgend etwas von Belang mitteilen wollen, verlangen Sie mich bitte im Polizeipräsidium, Ammer siebenundneunzig. Für den Fall, daß ichi mchtda sein sollte, werde ich Anweisungen dort hinterlassen!
Haben Sie denn einen bestimmten Verdacht?" Dr.N Lohmann glaubte, auch einmal selbst eine Frage stellen zu dürfen.
Ader der Kommissar hatte bereits fernen ergriffen, grüßte kurz und verließ mit fernem Assistenten ben Raum. __ __


