Ausgabe 
11.5.1936
 
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Nr.M Erstes Blatt

186. Jahrgang

Montag, 11- Mai 1956

Gietzener Anzeiger

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Das neue Imperium Romanum.

König Viktor Emanuel zum Kaiser von Abessinien ausgerufen. Marschall Badoglio Generalgouverneur und Vizekönig.

Rom, 9. Mai. (DNB.) Bereits kurz nach 21 Uhr ist die von Scheinwerfern hell erleuchtete Piazza Venezia erfüllt von einem dichten Gedränge auf- und niederwogender Menschenmassen. Auf den Stu­fen des Nationaldenkmals haben die in Rom stehenden Regimenter aller Waffengattungen Auf­stellung genommen. Am Grabe des Unbekannten Soldaten steht eine verstärkte Ehrenwache. Auf dem Balkon des Palazzo Venezia ist die Partei- stand arte aufgepflanzt, während von den Häu­sern und Palästen unzählige Trikoloren wehen. Die historische Sitzung des Faschistischen Groß­rates hat knapp 10 Minuten gedauert, die an­schließende Sitzung des Ministerrates nur drei Minuten. Auf der Piazza Venezia hört man nur noch das dumpfe Getöse der Menge. Musso­lini betritt den Balkon und hält folgende Rede:

Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten aller bewaffneten Streitkräfte in Afrika und Italien, Schwarzhemden der Revolution, Italiener und Ita­lienerinnen des Vaterlandes und in der Welt, hört mich an!

Mit den Entschlüssen, die wir in wenigen Minu­ten kennen werden und die vom Faschistischen Rat gebilligt wurden, vollendet sich ein großes Ereig­nis. Das Schicksal Abessiniens wird heute, am 9. Mai, im 14. Jahre der faschistischen Aera besiegelt. Alle Knoten wurden von unserem Schwert zerhauen. Der faschistische Sieg bleibt in der Geschichte des Vaterlandes erhalten.

Italien hat endlich fein Imperium. Und zwar das faschistische Imperium, denn es trägt die untrüglichen Zeichen des Willens des römischen Liktorenbündels. Dies war das Ziel, auf das durch 14 Jahre alle Kräfte der italie­nischen Ration hindrängten und das zu errei­chen sie strebten, ein Kaiserei chdes Frie­dens. Denn Italien will den Frieden für sich und für die anderen und greift zum Kriege nur, wenn es von feindlichen Mächten dazu gezwungen wird. Lin Kai.ferreich der Zivilisation und der Humanität für alle Stämme Abessiniens, weil das die Mission Roms ist und weil das der Wille Roms ist, der die Völker seinem Schicksal entgegenführt. So gebietet es das Gesetz unserer Geschichte. Vor uns öffnet sich jetzt eine breite Bresche in die Zukunft. Ich rufe es euch zu:

Das Land Abessinien und die Stämme Abes­siniens stehen von heute an unter der un­umschränkten Herrschaft des ita­lienischen Reiches. Der Titel Kaiser von Abessinien wird vom König von

Italien angenommen.

Königliche Offiziere und Unteroffiziere in Afrika und Italien, Schwarzhemden, Italiener und Ita­lienerinnen! Das italienische Volk hat sich in seinem Kampf sein Kaiserreich selbst geschaffen. Es wird es in seiner Arbeit erhalten, und es wird es gegen jedweden Feind mit den Waffen ver­teidigen. In dieser Gewißheit, erhebt Legionäre eure Abzeichen, eure Dolche und eure Herzen, um nach 15 Jahrhunderten das Wiedererschei­nen des Kaiserreiches aus den schicksalhaf­ten Siegeln Roms zu grüßen. Werdet ihr seiner wert sein? (Die Menge bricht in ein gewaltiges Ja aus.) Dieser Ruf ist wie ein heiligerSchwur, der euch vor Gott und vor den Menschen auf Leben und Tod verpflichtet. Schwarzhemden, Legionäre! Grüßt den König!"

Rach der Ansprache des Duce verkündete der stellvertretende Parteisekretär, daß der Faschistische Großrat einen Tagesbefehl angenommen habe, in dem Mussolini', dem Schöpfer des Im­periums, der Dank des Landes zum Aus­druck gebracht wird. Rach der Kundgebung auf der Piazza Venezia empfing Mussolini die B o t - schafter Deutschlands, Brasiliens und Japans, die Gesandten Oesterreichs und Ungarns, den albanischen Geschäfts­träger, die ausländischen Militärattaches und die Spitzen der Regierung, der Partei und der Hoch­schulen Am Sonntag um 10 Uhr grüßte in allen italienischen Garnisonen ein Salut von 101 Schuß den ersten Tag des Imperiums. ,

Die HönWichen Dekrete.

R o m, 9. Mai. (DRV.) Der Faschistische Groh- rat und der italienische Ministerral haben fol­gende Dekrete gebilligt, die noch im Laufe der Rächt vom König von Italien unterzeichnet worden sind. Die Dekrete haben folgenden Wortlaut:

Wir, Viktor Emanuel III., durch die Gnade Gottes und den Dillen der Ration König von Ita­

lien, haben angesichts der Dringlichkeit und abso­luten Rotwendigkeit, diese Maßnahmen zu treffen, nach Anhören des Faschistischen Grohrates und des Ministerrates auf Vorschlag des Regierungschefs folgendes dekretiert:

Artikel I.

Die Gebiete und die Volksstämme, die dem abefsinifchenkaiserreich angehörten,wer­den unter die vollständige Souveräni­tät des italienisch en Königsreiches ge­stellt. Der TitelKaiser von Abessinien" wird von dem König von Italien und seinen Rach­folgern angenommen.

Artikel II.

Abessinien wird durch einen General- gouverneur regiert und vertreten, der den Titel V i z e k ö n i g führt und von dem aus die Gouverneure von Erythräa und Italienisch-Somali­land abhängig sind. Vom Generalgouverneur und Vizekönig von Abessinien hängen alle militärischen und zivilen Autoritäten der seiner Rechtssprechung unterstellten Gebiete ab. Der Generalgouverneur und Vizekönig von Abessinien wird durch Kgl. De­kret auf Vorschlag des Regierungschefs ernannt.

Artikel III.

Mit Kgl. Regierungsdekret wird auf Vorschlag des Regierungschefs die Verwaltung Abessi­niens festgelegt.

Angesichts der dringenden und absoluten Rotwen­digkeit, für die Einsetzung einer Regierung von Abessinien Sorge zu tragen, wurde folgendes wei­tere Dekret beschlossen:

Artikel I.

Der Marschall von Italien, Pietro Badoglio Marchese del Sabotino, ist zum Generalgou­verneur mit dem Titel eines Vizekönigs und mit allen Vollmachten ernannt worden.

Artikel II.

Das vorliegende Dekret, das mit dem Tage der Unterzeichnung in Kraft tritt, wird dem Parlament zur Umwandlung in ein Gesetz vorgelegt werden."

Das Echo in Paris und London.

Abwartende Haltung der Reglerungen.-Verstimmung in der preffe.

Frankreich für Vertagung.

Paris, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Obwohl das geschichtliche Ereignis der Einverleibung Abes­siniens durch Italien schon 24 Stunden alt ist, und obwohl am Montag in Genf der Völkerbundsrat zur Behandlung der abessinischen Frage Zusammen­tritt, sucht man in der französischen Presse vergeb­lich nach einer Stellungnahme des amtlichen Frank­reichs. Diese scheint einstweilen nur in dem Bestreben xum Ausdruck zu kommen, die afrikanische Ange­legenheit möglich st um vier Wochen ver­tagt zu sehen. Die Tatsache, daß Frankreich in diesen entscheidenden Wochen praktisch nur über eine geschäftsführende Regierung verfügt und sich auf eine Linksregierung vorbereitet, gibt für die Taktik des Zeitgewinnenwollens die natür­lichste Begründung.

Da offensichtlich jedes Leitwort fehlt, verzichten die großen Informationsblätter fast ganz auf Be­trachtungen über die Entwicklung der abessinischen Frage. Ihre Genfer Berichterstatter sagen überein­stimmend nicht nur eine Vertagung der abes- sini chen, sondern auch der Rheinfrage vor­aus Die Resllocarnomächte würden nur eine rein förmliche Sitzung abhalten und die eigentlichen Ver­handlungen solange verschieben, bis die Ant­wort Berlins auf den englischen Fragebogen oorliege. Daß Italien in Genf nicht bereit fein wird, in eine luristische und politische Aussprache Über die m Rom gefällte Entscheidung einzutreten, bringt m aller Deutlich- teilSJournal" »um Ausdruck. 'Baron MIo.fi werbe nur über die Aufh-bung der Sanktionen und über die L° sch u n g Abe,, siniens aus der Liste der Volkerbundsstaaten be­raten.

Keine englische Miative in Sens

Englische Interessen nicht berührt.

London, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Offi- zielle Kreise in London haben sich, nach einem Be­richt des Reuterbüros, bisher zu der Ankündigung Mussolinis nicht geäußert. Die Behandlung der Abessinien-Frage liege nach wie vor in den Hanoen des Völkerbundes. Alle Entscheidungen über eine Anerkennung ode^ Nichtanerkennung der- nahem» scheu Besitzergreifung müßten k o l l e k t i v vom Völkerbund getroffen werden. Großbritannien werde in dieser Angelegenheit keine selb st and rg e n Schritte unternehmen. London warte das Er­

gebnis der Besprechungen darüber in Genf ab. Aus dem Lager der Konservativen wird die Forderung für die sofortige Einstellung der Sanktionen gegen Italien erhoben werden. Morning Post" glaubt, daß sich die Regierung eine schwere Kritik der sanktionsfeindlichen Konservativen wird gefallen lassen müssen, wenn, wie nicht zu er­warten sei, bei der Ratstagung von britischer Seite keine Schritte ergriffen werden, um die Sühnemaß­nahmen einzustellen.

Morning Post" glaubt feststellen zu können, daß die Einverleibung Abessiniens durch Italien die britischen Interessen in diesem Lande nicht berühre. Die Handelsinteressen Groß­britanniens in Abessinien seien nicht der Rede wert und was den Tanasee angehe, den einzigen Teil Abessiniens, an dem Großbritannien stark inter­essiert sei, so habe Italien bereits volle Zusicherun­gen gegeben. Italien habe nicht den Wunsch, mit dem britischen Reich in Afrika rnsarnrnenzuprallen. Dies treffe nicht nur hinsichtlich Abessiniens zu, son­dern auch auf die angrenzenden Gebiete, die mit der einzigen Ausnahme von Französisch- Somaliland unter britischer Herrschaft steht. Abge­sehen von der Frage des Tanasees gebe es gering­fügige Grenzberichtigungen, die zwischen England und Italien einmal besprochen werden müßten. Bisher aber sei keine Fühlungnahme zwischen den beiden Regierungen erfolgt. Von britischer Sette fei auch kein Schritt geplant, ehe nicht die Lage vor dem Völkerbund geklärt worden sei. Infolge des Regierungswechsels in Frankreich sei dies auch im Augenblick nicht zu erwarten.

Englische preffeflimmen.

London, 11. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Presse versucht die in England sehr verstimmend wirkende Proklamation M u s s o l i n i s mit möglichster Ruhe zu behandeln. Ein Teil der bisher italienfreundlichen konserva­tiven Zeitungen möchte Mussolini auf Wege auf» merksam machen, auf denen er auch j e g t n o cf) zu einer Versöhnung mi t G r o ß b r i tan- n i e n kommen könnte. DerDaily Telegraph schreibt, Mussolini habe alles getan, was nur mög­lich war, um die Völkerbundsmächte vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Nach dem Fall von Addis Abeba sei den Italienern kein wir­kungsvoller Widerstand mehr geleistet worden. Nichtsdestoweniger müßte die B e s e tz u n g do n zwei Dritteln des gesamten abessinischen Ge­bietes, die Italien als seinen Besitz fordere, erst

noch verwirklicht werden. Der Völkerbund könne auch nicht durch eine Geste von Rom her einfach abgetan werden. Die Herrschaft Italiens über Abessinien erfordere d i e Anerken­nung durch die anderen Mächte. Die Ge­schwindigkeit des italienischen Vorgehens habe die Schwäche der begrenzten wirtschaftlichen Sühne­maßnahmen, über die sich die Mächte einigen konn­ten, offenbart. Die Fortsetzung ober Einstellung der Sühnemaßnahmen gegen Italien sei von geringer Bedeutung im Vergleich zu der größeren Frage der Zukunft des Völkerbundes. Diese Frage würde praktisch zu lösen sein, wenn Italien als Völkerbundsmitglied an den Völkerbund heran­treten würde, um die Zustimmung zu irgend­einem Plan über die Zukunft Abessiniens zu er­halten.

Morning Post" meint, die Proklamation Musso­linis sehe mehr nach Siegesrausch als nach Staats­kunst aus. Er könne keine Illusionen darüber haben, daß der Weg, den er beschritten habe, von allen Wegen, die ihm offen gestanden hätten, der am wenigsten glatte sei. Unglücklicherweise habe er denjenigen in die Hand gespielt, die eine Ver­stärkung des Widerstandes des Völkerbundes for­dern. Aber die Irrtümer Mussolinis könnten England und den Völkerbund nicht davon befreien, in der Frage der Sanktionen eine gesunde und wirklich­keitsnahe Linie einzuhalten. Der neue Kaiser von Abessinien sei angekündigt worden, ehe noch der alte abgedankt habe. England könne nur hoffen, daß Mussolini bald eine Gelegenheit wahrnehmen werde, um das Durcheinander zu beseitigen, das er geschaffen habe. DerDaily Herald" (Arbeiterpar­tei) schreibt, weniger denn je könne von einer Auf­hebung der Sühnemaßnahmen gesprochen-werden. Die erste Phase des Krieges möge beendet fein, der wirtschaftliche Druck beginne aber gerade erst.

Säuberungsmaßnahmen in Abessinien.

Asmara, 10. Mai. (DNB.) Die Besetzung der wichtigsten Punkte Abessiniens kann als vollzogen gelten. Dor allem handelt es sich dabei um die strategischen Punkte entlang der Eisenbahn Addis AbebaDschibuti, darunter vor allem Har­ra r und Diredaua. Damit steht die Bahn un­ter italienischer Kontrolle. Nördlich von Addis Abeba wurde F i e t s ch e und westlich von Addis Abeba Ale u t sch besetzt. Das dritte Korps ist südlich bis nach L a l i b e l a vorgerückt.

Das ewige Rom.

Darum marsch, Italien! Das waren die stolzen Schlußworte der berühmten Rede, die Mussolini an jenem Herbsttage 1935 hielt, als er den Truppen in Ostafrika den Befehl gab, in Abessinien einzumarschieren. Mussolini wandte sich mit leidenschaftlicher Kraft an das faschistische Ita­lien, an das Italien der Erneuerung und der Er­hebung, das seinen Ursprung und Werdegang als Nation vom römischen Imperium ableitet. Wenn Mussolini heute zurücksieht, so kann er darauf Hin­weisen, daß vor rund 2000 Jahren dies Römische Imperium eigentlich begründet wurde-, denn ohne die Niederlage und den Untergang Kartha­gos nach dem panischen Krieg hätte sich der rö­misch Stadtstaat im Norden nicht über den Po, im Süden nicht über Aufidus ausdehnen können. Am Aufidus hatte Hannibal die Schlacht bei Cannae geschlagen, war vor den Mauern Roms erschienen. Mit der Vernichtung Karthagos wurde Rom Herr über das Mittelmeer, wurde Nordafrika die uner­schöpfliche Quelle, aus der Rom alles zufloß, was es an Rohstoffen und Lebensmitteln im Krieg und im Frieden brauchte. Es war kein steiler Aufstieg zum Imperium, der nach der Vernichtung Kartha­gos folgte, sondern der Stadtstaat Rom wurde wiederholt die Beute des Bürgerkrieges, bis end­lich Cäsar aus dem Hause der Julier den Weg freimachen konnte für die fast unumschränkte Herr­schaft des klugen und maßvollen Oktavian, den die Geschichte als Kaiser Augustus kennt.

Es ist wie Schicksal, daß in der Kaiserzeit Große und Niedergang sich ablösten, daß auf Augustus und Tiberius erbärmliche Wichte wie Nero und Ca- ligula folgten, um dann wieder in den Geschichts­tafeln verzeichnen zu müssen, daß auf den Kaiser­thron Männer und Helden wie Trajan und Hadrian stiegen, bis sich in der Auflösung des Imperiums auch der Untergang der antiken Welt vollzog.

Dann wurde das weströmische Reich für Jahr­hunderte die Beute von Erorberern, die aus Nord» und Osteuropa kamen, die aber auch aus Afrika vorstießen, um von dem stolzen Imperium nichts übrig zu lassen als Trümmer. Nur die Hauptstadt Rom, das ewige Rom selbst, blieb die un­zerstörbare Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, über bie nacheinander d i e Päpste großen und kleinen Formats schritten, darunter Staatsmänner und Feldherren von hohem Rang, aber auch Schurken und Verbrecher von einer Furchtbarkeit, vor ©er uns noch heute schaudert. Fast ein Jahrtausend blieb das Italien verschüttet, das Glanz und Ruhm des Imperiums erlebt hat, um dann jene Erneuerung zu erleben, die die Ge­schichte als Renaissance bezeichnet, ein Zeit­alter, in dem gewaltige Menschen jenseits von Gut und Bose gewaltige Stadtstaaten schufen. Wie ein Glanz, der nicht weniger ewig und unzerstörbar sein wird wie der des Imperiums, hatte über Nord- unb Mittel-Italien bie politische Ausstrahlung ge­legen, bie von ben Staufenkaisern ausging, bet mit ihnen unterging, um Italien für Jahrhun- berte ben Abenteurern ber Renaissance unb ihren Nachfolgern zu überlassen.

Wenn Italien verhältnismäßig sehr spät im neun­zehnten Jahrhunbert langsam jur Nation heran­wuchs, so war bas in ber Hauptsache barauf zu­rückzuführen, daß mit den Staufenkaifern der letzte Versuch scheiterte, Italien nach außen zusammen­zuhalten. Buntscheckig und vielgestaltig war denn auch das politische und geographische Bild, das Ita­lien im 18. und 19. Jahrhundert bot, als im Süden eine französische Dynastie herrschte, als im Norden die Habsburger ihre Abkömmlinge mit italienischen Fürstentümern auszustatten pflegten. Dazu das brüchige und morsche Gebäude des Kirchenstaates in der Mitte, also ein Durcheinander, wie es auch Deutschland geboten hatte. Nicht nur im 18. und 19. Jahrhundert, sondern auch nach dem Zusammen­bruch des Bismarck-Reiches. Rom triumphiert. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts mußte das Italien der Erneuerung durch französische und vor allem durch deutsche Waffen gestaltet werden. Im Jahre 1866 wurde das italienische Heer noch bei Custoza von den Oesterreichern geschlagen, so vernichtend geschlagen, daß ohne den Sieg Preußens die Oester­reicher das neue Italien über den Haufen geworfen hätten. Aber das Wunder geschah, daß Italien sich nach außen einigen konnte, ohne allerdings die inneren Festigkeit zu gewinnen.

Das neue Italien wurde trotz seiner monarchi­schen Staatsform abermals zu einer Beute wilde­ster Parteikämpfe, wie das feit der Zeit der Ghibel- linen und Guelfen sowie in den Stadtstaaten der Renaissance immer der Fall gewesen war. Das neue Italien festigte sich außenpolitisch im Rahmen des Dreibundes, den es 1915 verließ, weil Frank­reich und England eine Beute in Aussicht gestellt hatten, um die Italien dann in Versailles betrogen wurde. Aus dieser Versailler Politik erwuchs in Italien jene nationale Kraft, die entschlossen unb gewillt war, ben Weg bes neuen Italien, ben Weg eines Italien ohne Parteikämpfe selbst zu suchen unb zu finben. Das war ber Faschismus, ber bewußt an bas Imperium anknüpfte, ber sich bas ßiftorenbünbel als Symbol entlehnte, ber bann, wie bas auch Mussolini in seiner berühmten Rebe vor bem Einmarsch nach Abessinien sagte, Italien stark unb wiberstanbsfähig gemacht hat burch bie Er­hebung zur Nation.

Wie bas Imperium ber Antike feinen eigentlichen Ausgang nahm von ber Nieberlage Hannibals bei Zama, hat auch bas faschisttsche Italien bas Imperium abermals burch einen Sieg unb eine Eroberung in Ostafrika vorbereitet. Das Italien bes Faschismus hat bie Staatsmänner und Feldherren geschaffen, ohne die Bildung und Ausstieg zur Nation nicht möglich ist. Diese' gewaltigen geschichtlichen Zusanv»