Ausgabe 
11.2.1936
 
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Der Montag in Hämisch-parlenkirchen. Der Lesterreicher Schäfer führt im Eiskunstlauf.

Garmisch-Partenkirchen, 10. Februar. (DNB.) Montag hatte sich der Himmel wieder be­zogen. Bei niedriger Temperatur setzte gegen Mittag ein leichtes Schneetreiben ein. Obwohl die Sonn- taasbesucher Garmisch-Partenkirchen wieder ver­lassen haben, zeigt die Olympiastätte den gewohn­ten Hochbetrieb. Das Hauptinteresse galt wieder den Skiläufern, die den 4X10-Kilo- meter-Staffellauf mit dem Ziel im Ski­stadion austrugen. Es kam zu einem großartigen Kampf, der erst durch den letzten Mann entschieden wurde. Zunächst führten die Norweger, im End­kampf aber konnte der finnische Schluß­mann die erste Goldene Olympia-Me­daille für sein Land herausholen. Deutsch­land belegte mit der Mannschaft Däuber, Bogner, Leupold und Zeller den sechsten Platz, da sein erster Läufer falsch gewachst hatte und so viel Zeit einbüßte, daß der Dorsprung nicht wieder wett­gemacht werden konnte. Der Äeg Finnlands wurde mit großer und unparteiischer Begeisterung aus­genommen.

Im übrigen beherrschen die Erfolge der Deutschen der Vortage noch ganz die Gemüter. Der Stell­vertreter des Führers hatte nach dem Ab­schluß des gestrigen Torlaufes die deutsche Mann­schaft in ihrem Quartier ausgesucht, um ihr per­sönlich seine Glückwünsche auszusprechen. Im K u n st e i s st a d i o n wurden Montag die Pflicht- läufe der Männer abgeschlossen, der Oester­reicher Schäfer führt. Aufdem Rießer See nahm das nicht zu den olympischen Wettbewerben gehörende Eisschießen seinen Fortgang. Wei­tere Einzelheiten im Sportteil.

Auftakt zu den Vobrennen.

Garmisch - Partenkirchen, 11. Febr. (DNB.) Der Himmel ist glasklar. Noch steht der Mond am Himmel. Die Morgensonne wirft die ersten goldenen Strahlen über die Alpenspitzen, als die er st en Spurbobs über die Bahn gehen. Die Bahn befindet sich in ganz ausgezeich­neter Verfassung, herrscht doch die ganze Nacht in Garmisch-Hartenkirchen bis 15 Grad Kälte, die sich an der Bahn über dem Rießer See auf 18 Grad er­höht. Es sind 19 Mannschaften angekündigt am Start. Eben wird noch an der Bayern- kurve gearbeitet und einige organisatorische Maß­nahmen werden getroffen. Die Tribünen sind schon recht gut gefüllt, im Halbrund wehen die Fahnen der Nationen und schon kommt auch der erste der drei Spurbobs wie vorgesehen über die Bahn. Zuerst fahren gemischte Mannschaften mit Deutschen, Italienern und Franzosen. Während sie glatt über die Bahn kommen, zeigt der deutsche Bob mit Wiese schon einige Unsicherheiten in der Bayernkurve und kommt zu hoch hinaus, gerät ins Schlingern und stürzt ausgangs der Bay- e r n k u r v e. Ein Mann wird leicht verletzt und muß sortgeschafft werden. Die Spurbobs hatten die Auf­gabe, die Bahn einer letzten Prüfung zu unter­ziehen und die leicht darauf liegende Schneeschicht zu entfernen.

Ernennung und Aufgaben der Betriebsjugendwalter.

Der Leiter des Sozialen Amtes der Reichsjugend­führung und des Jugendamtes der DAF., Ober- gebietssührer Artur Axmann, hat folgende Verfügung erlassen:

In Betrieben, in denen die Notwendigkeit besteht (das sind Betriebe mit sechs oder mehr Jugend­lichen), für die Jugendarbeit dem Betriebswalter einen besonderen Betrieb sjugendwalter beizugeben, ernennt diesen der Betriebswalter im Einvernehmen mit der Jugendabteilung der Kreis- waltung der DAF. Die Bestellung der Ver­trauensmädel erfolgt in der gleichen Weife.

Die kulturellen Aufgaben der NE>.-GemeinschastKrast durch Freuds.

NSG. Im weiteren Verlauf der Arbeitstagun­gen der Amtswarte vonKraft durch Freude" sprachen der Gauobmann des Arbeitsdankes Krause, der Generalintendant Meißner und der Gaupropa­gandaleiter Müller-Scheld. Auf der breiten Ebene des nationalsozialistischen Kulturbegriffes bewegten sich die Erläuterungen der Redner. Denn wenn Pg. Krause sagt:Wir sehen unsere Kulturaufgabe an der Arbeitsstätte und an dieser Stätte verbunden mit dem ehernen BegriffArbeit" wollen wir die kommende Kultur gestalten, mit dem Mit­tel des Arbeitsdankes, der eine Traditionstruppe im besten Sinne dieses Wortes darstellt," dann bedeutet dieser Ausspruch einen Entschluß zum Neu­aufbau, genau so wie Pg. Meißner verkündet: Wenn wir das Theater wieder zu einer wahren Stätte deutscher Kultur umgestalten wollen, dann müssen wir bereit sein, um diese Werke zu ringen und unseren eigenen Egoismus zurückstellen. Jeder künstlerische Wille erfährt auf der Bühne durch die Bestätigung der Zuschauer eine gewaltige Steige­rung. Wir müssen ein Band zwischen Dich­ter, Darsteller und Zubehör Herstellen. Wir müssen dem Arbeiter predigen, daß das Theater auch seine Sache ist, weil er seinen Platz im Rin­gen um die Gestaltung der deutschen Kultur ein­nehmen muß. Wir kämpfen alle um das deutsche Nationaltheater.Kraft durch Freude" muß dazu kommen, sich kämpferisch für die Erneuerung des Theaters einzusetzen und weltanschaulich fest verankerte Stotztrup.ps in dieZu- schauerräume zu führen. Der Wille zum Auf­bau und zur Erneuerung der Bühne muß jeden Volksgenossen beseelen, damit diese Stätte der festlichen Erhebung wird, wo er sich wieder-

findet und seine seelischen Kräfte, seinen Einsatz, seine Ehre, seine Tugenden und Würde verkörpert sieht."

In diesem Sinn wurde in Frankfurt ein Ab­schluß zwischenKraft durch Freude" und dem Ge­neralintendanten getätigt, wonach dieser der Orga­nisation 80 Vorstellungen für 100 000 Menschen zur Verfügung stellt. Deshalb waren die Worte des Gaupropagandaleiters Müller-Scheld überaus treffsicher, wenn er sagte, daßKraft durch Freude" kein Amüsierinstrument sei. Im Gegenteil ganz allmählich wird sich aus der Zahl der hier erfaßten Menschen die Schicht herauskristallisieren, auf der sich unser ganzes kulturelles Leben aus­breiten kann. In den nächsten Monaten werden bereits eine Anzahl von Veranstaltungen das un­ter Beweis stellen.Kraft durch Freude" hat die künstlerische Ausgestaltung des Landestref­fens der DAF., desSchlitzerVolksf e ft e s und des Reichshandwerkertages über­nommen, und wird auch in bisher ungekannter Größe die Sonnwendfeier am Alt- Rhein und die Einweihung der Eschenburg im D i l l k r e i s organisieren. Auf dem Welt­freizeitkongreß in Hamburg wird der Gau Hessen-Nassau sehr stark bei den Darbietungen mitwirken. Der Gaupropagandaleiter schloß mit der Aufforderung:Wir müssen eine absolute Einheit bilden und müssen, was wir auch gestalten, stets die nationalsozialistische Weltanschauung zum Aus­druck bringen.Kraft durch Freude" ist und wird niemals ein Deranstaltungsbüro für billige Unter­haltung sein, deshalb vergessen Sie nie die Er­habenheit Ihrer Ausgaben!"

Betriebsjugendwalter und Dertrauensmädel unter­stehen in jeder Beziehung dem Betriebswalter und sind in ihrer Arbeit diesem verantwortlich.

Die Aufgaben der Betriebsjugend­walter und der Dertrauensmädel ergeben sich im einzelnen aus den Derhältnissen des jeweiligen Be­triebes. Uebereinstimmend ist folgendes anzustreben: 1. Beratung des Betriebswalters in allen Fragen der Jugend. 2. Förderung des Gedankens der Be­triebsgemeinschaft. 3. Erziehung der jugendlichen Gefolgschaftsmitglieder zur freiwilligen Teilnahme an der zusätzlichen Berufsschulung (fachberufliche bzw. hauswirtschaftliche Arbeitsgemeinschaften der Jugendabteilung der DAF.) und am Reichsberufs­wettkampf der deutschen Jugend.

Die Vertrauensratswahlen.

Kundgebung der DAF. im Sportpalast.

Berlin, 10. Febr. (DNB.) Als Auftakt zu den Vertrauensratswahlen fand im Sportpalast eine große Kundgebung der DAF. statt, an der etwa 13 000 Betriebsführer, Betriebswalter und Ver­trauensmänner der Berliner Betriebe teilnahmen. Hauptamtsleiter Selzner betonte, daß man den Ab­schnitt der Gemeinschaftsarbeit der vergangenen Jahre einer kritischen Würdigung unterziehen müsse, um so eine Ausgangsstellung zu gewinnen, auf der man weiterbauen könne. Der Betriebssührer müsse sich nicht nur die Befriedigung der Jnnenkonjunktur angelegen sein lassen, sondern es müßten auch die Exportmöglichkeiten weitgehend ausge­nutzt werden, da wir nur dann der hohen sozialen Lebensbasis zustrebten, wenn wir jederzeit quali­tativ hochwertige Arbeit ausführten. Bei der Macht­übernahme waren 25 Milliarden Auslandsschulden vorhanden. Innerhalb von drei Jahren seien 1 2V2 Milliarden zurückgezahlt worden, das Dritte Reich habe also das Kunststück fertig ge­bracht, Schulden schneller zu beseitigen als andere sie machten. Betriebsführer und Gefolgschaftsmit­glieder müßten im Vertrauensrat zusammen das Notwendige zur Verstärkung der Widerstandslinie tun. Derjenige, der als Vertrauensrat die Dinge

nicht ernst nehme, habe keine Aussicht, im nächsten Jahr wiedergewählt zu werden. Der Dertrauens- rat sei ein riesiges Rekrutendepot, zu dem auch der Betriebsführer gehöre. Durch die Aufrichtung des sozialistischen Prinzips sei eine neue Ordnung ge­schaffen, im Vertrauensrat würden die Kräfte ein­gesetzt, die das Vertrauen des gesamten Betriebes verdienten. Es bedeute noch lange keine Feind­schaft, wenn man sachlich kämpfe.

Die Entwickelung des Arbeits­einsatzes im Januar 1936.

Berlin, 10. Febr. (DNB.) Die winter­liche rückläufige Bewegung im Arbeits­einsatz ist im Januar, wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung berichtet, vor allem unter dem Einfluß dec milden Witterung, beinahe vollständig zum Still st and gekommen. Während die Zahl der Arbeitslosen im Dezember um 524 000 anstieg, hat sie im Januar 1936 nur um 12000 oder 0,5 v. H. zugenommen. Diese günstige Ent­wicklung bestätigt den im vorigen Bericht gegebe­nen Hinweis, daß das frühzeitige Frostwetter und die Arbeitspause während der Feiertage die Ur­sache für das unverhältnismäßig starke Ansteigen der Arbeitslosigkeit im Dezember gewesen sind. Ende Januar wurden bei den Arbeitsämtern 2 520 000 Arbeitslose, d. h. rund 4 5 3 0 0 0 w e - niger als im winterlichen Höch st punkt des Vorjahres, gezählt.

Die Festigung des Arbeitseinsatzes im Januar ist haupsächlich auf die Wiederinangriff­nahme von Außenarbeiten zurückzufüh­ren. Demzufolge habe in den Saisonaußenberufen die Arbeitslosen um rund 14 000 abgenommen. In den mehr konjunkturabhängigen Berufen war noch eine Zunahme um 26 000 zu verzeichnen. Sie ist jedoch in der Hauptsache, wie im Holzgewerbe, Gast- und Schankwirtschaft, Nahrungsmittelgewerbe, so­wie bei den Angestellten ebenfalls jahreszeit­lich bedingt und z. T. auf die Rückkehr aus berufsfremder Außenarbeit zurückzuführen.

Freiwilliger Oiensteintritt in die Kriegsmarine.

Berlin, 10. Febr. (DNB.) Zu Beginn jedes Vierteljahres werden Freiwillige für 0 en Flottendienst der Kriegsmarine eingestellt. Meldung jederzeit. Dienstzeit vier bis fünf Jahre, für Unteroffiziere zwölf Jahre und mehr. Beson­ders günstige Aussichten bestehen für Freiwillige, die einen der folgenden Berufe drei Jahre erlernt haben: Schlosser aller Arten, Elektriker aller Arten, Feinmechaniker, Mechaniker, Schmiede, Kupfer- Ichmiede, Klempner, Installateure, Former, Must- ker aller Instrumente.

Die Freiwilligen müssen deutsche Reichsange- höriqe, deutschblütig, wehrwürdig, unbescholten und unverheiratet sein. Folgende Geburtsjahrgänge kommen zur Zeit in Betracht: 1913, 1914, 1915, 1916, 1917, 1918, für die Einstellungen im Jahre 1937 auch: 1919. Die Bewerber sollen für ihr Alter gut entwickelt und müssen nach marineärztlichem Urteil tauglich sein. Angehörige des Jahrgangs 1915 und jüngere, die zum 1. Oktober 1936 und später eingestellt werden, müssen den A r b e i t s - dienst ab geleistet haben. Der Reichsarbelts- dienst stellt Marinefreiwillige, die für die Kriegs­marine angenommen sind, jährlich zum 1. April oder 1. Oktober bevorzugt ein.

Das Einstellungsgesuch ist mit dem Vermerk: Gesuch um Einstellung in den Flottendienst" an den II. Admiral der Ostsee (Einstellung) in Kiel oder an den II. Admiral der Nordsee (Einstellung) in Wilhelmshaven zu richten. Frühzei­tige Meldung ist schon mit Rücksicht auf den Arbeitsdienst notwendig. Dem Einstellungsgesuch sind beizufügen: a) von Gemusterten der M u st e rungsausweis und gegebenenfalls der E r - fatzreserve-I-Schein, von Nichtgemusterten der Freiwilligenschein, zu erbitten von der politizeilichen Meldebehörde, b) ein ausführ­licher, selbstgeschriebener Lebenslauf, c) ein Briefumschlag mit Anschrift des Bewerbers und d) zwei Lichtbilder des Bewerbers. Vorstellung in Kiel ober Wilhelmshaven ohne ausdrückliche Auf­forderung dazu ist nur erwünscht, wenn der Be­werber im Besitz genügender Barmittel für die Hin- und Rückreife ist.

Zusammenarbeit zwischen 63. und NGOStB. im Landdienst.

Nachdem im Vorjahr bereits der Land di en st der HI. in den verschiedenen Gebieten Deutsch­lands mit Erfolg als Hilfe für die Land­wirtschaft eingesetzt werden konnte, soll in die­sem Jahr der Einsatz der Jugend in verstärktem Maße ausgebaut werden. Träger dieser politischen Ausgabe sind die Hitler-Jugend und der NSD. Studentenbund.

Die Vorbereitungen, die Ausrichtung, die Aus­wahl wird von beiden Gliederungen nach der für ihre Arbeit notwendigen Eigenart durchgeführt. Die Einheitlichkeit ist dabei durch die für beide Gliede­rungen bindenden Anordnungen der Bewegung ge­währleistet. Für die Durchführung der Landdienst- arbeit auf dem Dorfe ist die schon getroffene Ver­einbarung zwischen dem Reichsnährstand und der Hitlerjugend maßgebend.

Im Landdienst werden gruppenweise Jungarbei­ter und Studenten gegen Tariflohn bei der Landarbeit eingesetzt. Mit dem Frühjahr beginnt naturgemäß eine Steigerung dieses Einsatzes, zu dessen Vorbereitung in Berlin eine Besprechung sämtlicher Landdienst-Referenten der HJ.-Gebiete stattfand. Zur Aussprache standen insbesondere Fra­gen der Werbung und Einberufung non Jugendlichen. Darüber hinaus wurde der Ein­satz des Landdienstes im einzelnen festgelegt. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen und des vor­handenen umfangreichen Führerstammes soll nun­mehr außer dem bisherigen Gruppeneinsatz auf Gutsbetrieben in diesem Jahr erstmalig der Einsatz im Dorf als sogenannterbäuerlicher Ein- s a tz" durchgeführt werden. Auf diese Weise werden nun auch dem Bauerntum notwendige Kräfte zur Verfügung gestellt.

Hannchen fällt vom Himmel.

Von Erich paehmann.

Hannchen war vorn Himmel gefallen, und zwar buchstäblich. Gemeinhin pflegen das Eichhörnchen nicht zu tun. Aber Onkel Max erzählt es, denn Hannchen fiel vor seine Füße.

Und das kam so: Eines Morgens im Frühherbst, als er durch einen kleinen Kiefernschlag in der Nähe unseres Hauses ging, hörte er über sich in den Baumkronen ein ganz helles Geschrei. Es klang so klagend und voller Todesangst. Da sah er über sich in der Spitze einer alleinstehenden Kiefer auf einem Astende ein Eichhörnchen in verzweifelter Hast hin- und herrennen. Und weiter zurück, an der Wurzel des Astes, saß ein Marder, ganz an das Holz geduckt, und funkelte mißbilligend den Störenfried unter dem Baume an.

Onkel Max wußte, daß es für ein Eichhörnchen, hinter dem der Marder ist, keine Rettung mehr gibt. Und das Eichhörnchen schien es auch zu wissen, denn es rannte, als der Verfolger sich anschickte, die Beute anzuspringen, über die Astspitze hinaus ins Leere und plumpste vor Onkel auf den Boden. Da blieb es liegen, platt auf die Erde gedrückt, und nur an dem Zittern der Schwanzspitze konnte man sehen, daß Leben in ihm war.

Onkel sah, daß es noch ein ganz junges Tier war, nahm es auf und trug es nach Haufe.

Hannchen, wie Onkel dieses Haarknäuel mit der braunen Schwanzstandarte und den schwarzen brennenden Auaenknöpschen nannte, wurde im Laufe der Zeit so zutraulich ihm gegenüber, daß er es frei im Zimmer herumlaufen ließ.

Morgens in aller Frühe, wenn es nach ange­nehm durchschlafener Nacht sich von Onkels Bett­decke erhob, vollführte es eine geräuschvolle und halsbrecherische Akrobatik an den Möbeln und Ge­weihen des Zimmers, daß auch Onkel wohl ober übel aufstehen mußte, über die Straße hinüber in den Wald ging und mit den Taschen voller Kien­äpfel zurückkehrte. Dann setzte er sich an den Früh­stückstisch, entfaltete die Zeitung und tat, als wenn nichts wäre. Das ging jeden Morgen so. Und jeden Morgen begann Hannchen sich erst mit der Nase und bann mit bem ganzen Körper in seine Taschen zu versenken unb seinen Proviant an bas Tages­licht zu förbern. Dabei fehlte es auch nie an schüchtern-rauhen Liebesbezeugungen, etwa so, daß Onkel in Hannchens Schwanz kniff, und wenn es dann fauchend aus der Tasche fuhr, war er es gar nicht gewesen und las seinen Leitartikel. Hannchen rächte sich wieder dadurch, daß es plötzlich, wenn er

an nichts Schlimmes dachte, mit Kopf und Krallen durch die Zeitung fuhr, wie ein dressierter Pudel im Zirkus, und ihm nach diesem Parterreakt ver­gnügt und selbstzufrieden anblinzelte. Oder es hockte sich mit seinem Kienapfel auf Onkels Schul­ter und senkte die angeknabberten Schalen zierlich in seinen Kragenausschnitt.

Einmal entzweiten sie sich ernstlich, allerdings nur für einen halben Tag. Das war, als Onkel sich eine Zwiebel schälte und Hannchen eiligst her­ankam, um dieser interessanten Handlung beizuwoh­nen. Zwar stoppte es in einiger Entfernung noch rechtzeitig ab, hockte sich auf die Hinterpfoten und hängte erst mal die Nase forschend in den Wind. Aber Onkel rückte mit der Zwiebel näher und drückte aus Spaß mal ein bißchen darauf, so daß der Saft in Hannchens Nase spritzte. Eine ganze Stunde lang saß Hannchen bis über die Öhren beleidigt in einem Schmollwinkel und rieb sich die Tränen aus den Augen und spuckte Gift und Galle, wenn Onkel zu einem Versöhnungsversuch heran­kommen wollte.

Dieser feindselige Zustand dauerte bis zum Abend, dann ging Hannchen wieder mit ihm zu Bett, rin­gelte sich behaglich auf der Decke zusammen und ließ sich in den Schlaf kraulen, ganz wie jeden Tag.

*

Leider begann Hannchens Aufenthalt in Onkels Zimmer sichtbar zu werden. Ueberall an den Mö­beln und an den Bezügen der Stühle konnte man die Spuren seines Wirkens bemerken. Zu allem legte es sich noch an der Wand hinter dem Kachelofen eine Rennbahn an, auf der es in wilder Ausdauer Stun­den hindurch hinauf- und hinabturnte. Da die Tapete aber nicht die gleiche Ausdauer und Festigkeit be­wies wie feine Krallen, mußte Onkel eines 2xiges mit säuerlichem Gesicht die ganze Wand mit alten Kokosläusern auslegen, was dem Zimmer nicht gerade zur Zierde gereichte.

Der größte Schaden fand sich aber erst später, als es März wurde und Tante, beflügelt von der war­men Lenzsonne, das Haus einer gründlichen Früh­jahrsreinigung unterzog. Hannchen wurde, bevor man zu Onkels Zimmer schritt, in einem Neben- raum eingesperrt, und dann begann Tante das Bett zu verrücken, die Decken und Kissen abzuräumen und im Zimmer zu verstreuen, und schickte sich nun an, die Matratze herauszuheben.

Klick! ging es da unter dem Bett. Xante hielt ver­wundert inne, rückte und zog dann weiter an der Matratze herum. Klick! ging es wieder. Klick ... Klicf. Xante ging, ihrer Veranlagung entsprechend, der Sache auf den Grund und fand ein großes, (auber benagtes Loch unten in der Matratze und ldarm ein Depot von Nüssen, Kienäpfeln und Xan»

nenzapfen, das Hannchen sich für den Winter an­gelegt hatte.

Nach einer langen, aber einseitigen Aussprache mußte Onkel versprechen, Hannchen wieder in Frei­heit zu setzen.

Am nächsten Morgen, schon in aller Frühe, brum­melte er auf eine ganz ungewohnte Weise in seinem Zimmer herum. Es klang manchmal sehr rauh und unwirsch, manchmal wieder leise und ganz hinten aus der Kehle, und zwischendurch hörte man einzelne knurrig-zärtliche Worte, wie verdammtes Kroppzeug, und kleine Kröte und nie wieder Vieh im Haus. Dann stopfte er in einem plötzlichen Entschluß Hann­chen in die Xasche seiner grünen Joppe und ging.

So kam Hannchen nach einem Winter der Enge und Beschaulichkeit wieder in den großen, wilden Park; das letzte, was wir von ihm zu sehen be­kamen, war sein Schwanz, der rückwärts aus Onkels Tasche herauswehte wie eine kleine, braune Fahne im Wind.

Ser Mann mit der Pranke."

Wer etwa hinter dem etwas irreführenden Titel einen sensationellen Kriminalfilm im Stile von Wallace vermutet, wird sich enttäuscht finden. Zwar haben wir auch hier den in Spielhandlungen be­liebten kriminellen Einschlag, aber das Drehbuch der Frau von Harbou arbeitet doch mit intime­ren Wirkungen und minder robusten Effekten als beispielsweiseDer Greifer". Es handelt sich übri­gens, aufs Ganze gesehen, mehr um eine Liebes­geschichte, und es gibt, in deren Mittelpunkt, jene oft erprobte Pointe, daß ein Mann, zwar un­schuldig, jedoch unter peinlichem Verdacht und in die I Enge getrieben, seine Position mit einer knappen ' und sachlichen Auskunft retten könnte: aber er I schweigt standhaft, er verweigert die Aussage eben um der Frau willen, die er liebt, und die | seinem Leben eine neue Wendung und einen wirk- I liehen Inhalt gegeben hat. Hier ist der Angelpunkt des Drehbuches, und es könnten nun von hier aus ! naheliegende Erwägungen darüber angestellt wer­den, ob das Leben wirklich in solchen Bahnen und in solchen Formen verläuft; aber bemerkenswerter als solche Erörterungen scheint uns der Umstand, daß Wegener die Hauptrolle spielt, denMann mit der Pranke", etwas gewalttätige Bezeichnung für einen Bankpräsidenten, der gewiß ein reicher, ein mächtiger und sehr einflußreicher Mann ist, einer, der schon durch sein Auftreten, seine Haltung, sein Gesicht und seine Stimme imponierend wirkt, sogar ein wenig unheimlich zu Anfang, und Wege­ner ist, wie man sich denken kann, der richtige Dar­steller, um einem solchen Mann Ansehen und Nach­

druck zu verleihen; aber siehe, er spielt nicht nur den mächtigen Mann der Bank, sondern auch den Liebhaber, was man bis jetzt selten oder gar nicht erlebt hat: daß er von Gefühl überfließt, wird niemand erwartet haben; er versteckt das Gefühl, er verdeckt es, man kann es nur ahnen, in ein paar winzigen, flüchtigen Augenblicken ist das zu spüren, interessant, neu und reizvoll, aber er bleibt doch auch als Liebender immer der Mann des Willens, der zähen Energie, des endlichen Erfolges selbst wenn der Erfolg einmal nicht Geschäft heißt, sondern Glück, wie er selber es nennt. Rose Stradner gibt die Frau, um die es sich handelt, anfangs ein wenig blaß, doch blüht sie zusehends auf und wird übrigens in manchen Augenblicken Brigitte Helm recht ähnlich. Riemann entledigt sich mit Hingabe der undankbaren Aufgabe, einen unsympathischen und lächerlichen Trottel zu spielen. Im Ensemble zeichnen sich ferner unter der flüssi­gen Regie von Rudolf van der Noß Grete Weiser und Hilde Meißner, Steinbeck, Legal, Vespermann, Stöckel und Schrö - d e r - S ch r 0 m aus. Die Uebertragung ließ an­fangs sehr zu wünschen übrig.Der Mann mit der Pranke" (Syndikat) läuft seit gestern im Licht­spielhaus; zuvor ein guter Segelflieger-Film und die Ufaton-Woche mit den Londoner Bei- setzungsfeierlichkeiten.r

Zeitschriften.

Kleine Kinder", illustrierte Monats­schrift für Kinderpflege und Erziehung. Verlag Kleine Kinder Dresden-A. 19. Jede Mutter ver­folgt mit besonderem Interesse die Entwicklung der Sprache ihres Kindes, zeigt sich doch an dieser Lebensäußerung das Wachstum des Seelenlebens besonders deutlich. Richtige Sprecherziehung ent­scheidet aber wesentlich, ob der Mensch in gesunde geistige Bahnen hineinwächst, ob ihm dasWort" einmal ein üppig ins Unkraut schießender Garten oder einErlöser" sein wird. Der AufsatzSprech- srühling" sollte überall gelesen werden! Das neue Heft bringt ferner eine Fülle von Anregungen in Wort und Bild, wie sie jede Mutter für denDienst am Kinde" gebrauchen kann, z. B.Gymnastik mit Kleinkindern ,Wenn der Onkel Doktor kommt", Basteln",Fragekasten" usw.

Hochsckulnachnchten.

Professor Dr. von Köhler, Ordinarius für Staats- und Verwaltungsrecht an der Universität X ü b i n g e n, ift wegen Erreichung der Altersgrenze von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden.