Ausgabe 
10.3.1936
 
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erfüllen hat. Dabei betonte er die Wichtigkeit der fachmännischen Beratung des Kleingärtners durch die berufenen, fachlich durchgebildeten Männer des Berufsgartenbaues und den Wert eines guten Zu­sammenarbeitens für beide Teile. Sodann sprach er über die jetzt fälligen Bodenbearbeitunaen, die Frage der verschiedenen Düngemittel und ihrer Anwendung, den Wechselbau im Garten, die Sor­tenwahl und deren zweckmäßige Beschränkung im Gemüsebau und in der Blumenzucht, ferner die Blumenpflege im Garten, in den Wohnhäusern und in den Straßen.

Als nächster Redner hielt der Vereinsführer und Leiter der Hessischen Hauptstelle für Pflanzenschutz in Gießen Dr. Tempel einen aufschlußreichen Lichtbilder-Vortrag über das ThemaWarum Pflichtspritzungen 'im Gießener Obstbau?" Der Vor­tragende wies auf die Dringlichkeit und Lebens­notwendigkeit der richtigen Schädlingsbekämpfung im Obstbau, wie auch auf ihre volkswirtschaftliche Bedeutung hin. Er forderte in überzeugender Weise zur Schädlingsbekämpfung durch gemeinsames Vor­gehen bei den Spritzungen auf, wobei er an ein- drusvollen Beispielen zeigte, welch großer Schaden durch die Schädlinge im Obst- und Feldfrüchtebau verursacht werden. Insbesondere machte er auf die Notwendigkeit der Bekämpfung der Schädlinge auf­merksam, die in unserer engeren Heimat verbreitet sind. Dabei hob er u. a. hervor, daß in Gießen die Zwangsbespritzung der Obstbäume zur wirk­samen Bekämpfung des Apfelblattsaugers ange­ordnet ist. Er machte weiterhin mit den Voraus­setzungen und den zweckmäßigen Maßnahmen bei der Winterbehandlung, der Frühjahrsbehandlung und der Sommerbehandlung der Bäume im Rah­men der Schädlingsbekämpfung aufmerksam und be­tonte eindringlich die Verpflichtung jedes einzelnen Gartenbauers, zu jeder Zeit sowohl im eigenen Interesse, wie auch zum Nutzen der Gesamtheit alle Aufmerksamkeit und Kraft auf den Kampf gegen die Schädlinge zu richten. Um den Garten­bauern dabei mit gutem Rat an die Hand zu gehen, will die Hauptstelle für Pflanzenschutz in Gießen allwöchentlich eine Sprechstunde abhalten, deren Benutzung für jedermann kostenfrei ist. Am Schlüsse seines Vortrages sprach der Redner noch über die große Gefahr des Kartoffelkäfers und über die Wichtigkeit des Kampfes gegen diesen Schädling.

(Biebener Dochenmarktpreife.

* Giehen, 10. März. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9V», Kl. D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 9, Wirsing, das Pfund (gelb) 12 bis 15, (grün) 20 bis 25, Weißkraut 8 bis 15, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 40, Feldsalat 70 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 35 bis 40 Pf., Zwiebeln 10 bis 18, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kartoffeln 4 bis 4%, 10 Pfund 43 Pf., der Zentner 3,50 bis 3,70 Mk., Aepfel das Pfund 18 bis 35. Pf., Blumenkohl, das Stück 25 bis 50, Salat 25 bis 30, Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Sellerie 10 bis 50, Radieschen, das Bündel 15 Pf.

** Vom amtlichen Veterinärdienst. Wie das Kreisamt Gießen bekanntgibt, sind die Dienstgeschäfte des Kreisveterinäramtes Gießen ein­schließlich der Amtsveterinärarztstelle Gießen für die Dauer der Erkrankung des Oberveterinärrats Dr. Monnard in Gießen mit sofortiger Wirkung dem Veterinärrat Dr. Fuchs in Grünberg übertragen worben. Zu dessen Unterstützung wurde der Assistenz­arzt Dr. Beyer vom Veterinäruntersuchungsamt Gießen bestimmt.

* Silberne Hochzeit. Die Eheleute Emil Marquardt und Frau Johanna, geb. Werner, Bahnhofstraße 27, können am morgigen Mittwoch, 11. März, das Fest der silbernen Hochzeit feiern.

* Straßensperre. Wegen Brücken-Urnbau- arbeiten wird die Landstraße Steinbach Albach vorn 16. bis einschließlich 21. März für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Stein- doch und Albach.

* * Den Wiedereinbau der Garten­wassermesser betrifft eine Bekanntmachung der Direktion der städtischen Betriebe in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. ________

Oberheffen

Lynker mit

einem

Liederabend an

fein letz-

3. Sep-

Landkreis Gießen.

ist die

ausgiebig und zahnpflegend, nachhaltig erfrischend

m gemeinsam veranstalteten die Oeffentlichkeit. Nach einem

Stoppelacker gespielt werden ein Spiel für un­sere Landvereine ist.

Um dem Faustball weitere Verbreitung zu ver­schaffen, werden unsere Lehrgänge durchgeführt und eine gründliche Ausbildung der Schiedsrichter vor­genommen. Die Turnerinnen hofft man, ebenso wie die Jugend, dadurch leichter zu erfassen, daß durch Erniedrigen der Leinenhöhe von 2 Meter auf 1,80 Meter und Verkleinern des Feldes auch ihnen die Handhabung des Leinenspiels ermöglicht wird.

Erstmalig wird am 2 8. Juni ein Werbetag für bie Sommerspiele ftattfinben, um ber Allgemeinheit zu zeigen, baß gerabe bas Faustball­spiel von allen Volksgenossen gleich welchen Alters unb ob Mann ober Frau mit gleicher Freube be­trieben werden kann. Der Jugendliche und Erwachsene in der Vollkraft der Jahre wird es zu dem fein durchdachten Kampfspiel ausbauen, wie man es in Gießen von den 1846ern h,er kennt, die Frauen und die Männer im vorgerückten Alter wer­den mit gleichem Eifer, aber mit einer ihren körper­lichen Fähigkeiten angepaßten geringeren Spiel­schärfe, ein vollwertiges Wettspiel besitzen. Die Kreisspiele in den Klassen, die weiter zum Gau aufrücken, finden im Juni und Juli statt, um recht-

Gondergerichi in Gießen.

Der Johannes Beyer aus Friedberg wurde zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte im November vorigen Jahres den Führer beleidigt; auch erschien er bei der poli­zeilichen Vernehmung mit dem Parteiabzeichen, ohne dazu berechtigt zu sein. Strafmindernd kam die Invalidität des Angeklagten in Betracht.

Wegen Beleidigung des heutigen Staates wurde der Rudolf Wendler aus Obbornhofen zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt, unter An­rechnung von 15 Wochen Untersuchungshaft.

Eingangsmarsch und kurzen Begrüßungsworten von Sangesbruder Freudenberger, der im Namen der Veranstalter den Zweck des Abends erläuterte, leitete ein gemeinsamer Chor der beiden Vereine zu den folgenden Darbietungen über. Das außer­ordentlich reichhaltige Programm brachte dann neben flotten Musikstücken der Kapelle Männer­chöre (beide Vereine), Frauen- und gemischte Chöre mit und ohne Orchesterbegleitung (Turn- und Ge­sangverein). Im Namen der Bewegung dankte Ortsaruppenleiter P e t r a s ch den Vereinen und der Kapelle Lynker, welche sich alle drei in vor­bildlicher Weise sofort für die gute Sache zur Ver­fügung gestellt hatten. Mit dem Treuegelöbnis zum Führer und dem Deutschland- und dem Horst- Wessel-Lied schloß die Veranstaltung, der man in Anbetracht des gemeinnützigen Zweckes einen besse­ren Besuch gewünscht hätte.

+ Grünberg, 9. März. Am Sonntag wurde in den hiesigen Apollo-Lichtspielen der Film des KysshäuserbundesIm gleichen Schritt und Tritt" gezeigt. Hierzu waren die Mitglieder der Kriegervereine Grünberg, Lauter, Queckbvrn, Weickartshain, Stockhausen, Lehnheim, Stangen­rod, Atzenhain, Beltershain, Reinharbshain, Gö­belnrod und Saasen erschienen, zum Teil hatten sich auch ihre Angehörigen eingefunden. Mit Rücksicht auf die große Besucherzahl annähernd 600 Per­sonen muhten zwei Vorführungen ftattfinben. Der Bezirksführer des Kyffhäuferbundes, Lehrer Roth, leitete die Veranstaltung mit einer An­sprache ein, die Musik stellte ein Teil der Kapelle des Motorsturmes 14/M 147 (Kapelle Horst).

H Steinbach, 9. März. Der Evangelische Frauenchor Steinbach hielt im Anschluß an seine Uebungsftunbe seine Hauptversammlung ab. Frau Eleonore Haas erstattete den Jahresbericht. Frl. Stabe! berichtete über den Kassenstand, der ergab, daß die Finanzen des Chores in guter Ord­nung sind. Nachdem der Vorsitzende. Pfarrer D ö l l, ber Schriftführerin unb ber Rechnerin für ihre Tätigkeit gebankt hatte, berichtete die 2. Vorsitzende, Frau Helene Keßler, über den Besuch der Uebungsstunden und bie Mitglieberbewegung. Die Zahl der aktiven und passiven Mitglieder ist nach Ab- unb Zugang dieselbe geblieben wie im Vor-

üor einem Jahre ist von Wohlfahrtsunterstützungs- empfängern an dieser Straße bereits gearbeitet worden, die Arbeit mußte dann aber eingestellt werden, da unsere Gemeinde zum Glück keine Wohl­fahrtserwerbslose mehr hat. Die jetzigen Arbeiten werden von einem Unternehmer in Alten-Buseck ausgeführt. Die Steine sind bereits angefahren, so daß mit der Arbeit in den nächsten Tagen begonnen werden kann. Am Samstag hielt die Hitler­jugend Trohe in Gemeinschaft mit der Hitler­jugend Rödgen im Saalbau Wagner einen Eltern­abend ab, der zahlreich besucht war. Eine Kapelle von Großen-Buseck und ein schönes Theaterstück füllten den wohlgelungenen Abend bestens aus. Blockwart Lehrer Paul von Trohe hielt eine An­sprache. In üblicher Weise nahm die Feier ihr Ende.

* Lollar, 9. März. Zugunsten des Winter- h i l f s w e r k s traten am Samstag die Sänger» Vereinigung (Chorleiter Meyer), der Turn- und Gesangverein (Chorleiter Eberle) unb bie Kapelle

I Trohe, 9. März. Gegenwärtig Straße von Trohe nach Alten-Buseck für den Verkehr gesperrt. Die Straße ist burch den starken Kraftwagenverkehr so stark beschäbigt wor­ben, daß sie nunmehr einer gründlichen Neu - h errichtung unb anschließenber Walzung unter­zogen werben muß. Ferner wirb bie durch die Feldbereinigung in unserer Gemarkung neu geschaffene Straße in gerader Richtung mit der Alten-Busecker Straße hergerichtet. Etwa

Tagung der Spielwarte des Fachamtes Turnen.

Zum ersten Male seit ber Durchführung ber fach­amtlichen Glieberung im Reichsbunb kamen am Sonntag bie Kreisspielwarte des Gaues Hessen unter der Leitung von Fachamtsspielwart Damm (Kassel) zusammen. Dem Fachamt Turnen ist be­kanntlich die Betreuung der Sommerspiele übertra­gen worden, wobei als solche Schlagball, Faustball, Schleuder-, Trommelball u. Ringtennis gelten. Da die Tagungsteilnehmer zuvor alle Krrisspielwarte in der Deutschen Turnerschaft waren und sich in dieser Eigenschaft schon mit den Sommerspielen be­saßt hatten, so war von Anbeginn eine einheitliche Linie für die Zusammenarbeit vorhanden.

Im Verlaufe der Tagung wurde man sich darüber klar, daß nun nicht alle oben aufgeführten Spiele im Hesfengau gefördert werden können, sondern der Gedanke der Reichsfachamtsleitung ist der, daß je­weils den landschaftlich bevorzugten Spielen eine erhöhte Arbeitstätigkeit gewidmet werden soll. So entschied man sich, all eKraft für Faustball ein­zusetzen, da diese Spielart schon seit Jahren das Sommerspiel darstellt. Schlagball steht leider auf der Aussterbeliste und wird nur noch von einigen Mannschaften des Nordbezirks gepflegt. Es soll die­sen wohl noch Gelegenheit für Wettspiel und zur Teilnahme an den Meisterschaften gegeben werden, im übrigen wird aber keine Werbung mehr unter­nommen werden. Dagegen werben einige Kreise ver­buchen, dem Schleuderball Eingang in die Vereine zu verschaffen, da er wert ist, in die Reihe der gro­ßen Kampfspiele aufgenommen zu werden, und ins­besondere wegen der geringen Anforderungen an die Güte des Spielplatzes es kann auf jedem |

Helden-Gedenkfeiern in Stadt und Land unserer Heimat.

Der vergangene Sonntag stand überall in Stabt unb Land unserer Heimat ganz im Zeichen des Heldengedenktages, der dadurch seine besondere Be­deutung erhielt, daß am Tage zuvor durch den Führer Adolf Hitler die deutsche Wehrfreiheit voll­ständig wieder hergestellt wurde. Die Feiern zum Heldengedenktag wurden getragen von der gesamten Volksgemeinschaft. Niemand schloß sich aus. lieber» all in den Städten und auf den Dörfern war die Teilnahme an den Feiern überaus stark.

Die Gottesdienste waren der Erinnerung ber ge­fallenen Helben gewidmet. Anschließend begab man sich bann, zum Teil in geschlossenen Zügen, zu ben Ehrenmalen, um auch dort derer zu gedenken, die ihr Leben für das Vaterland gaben. Neben den Gliederungen der Partei nahmen die Vereine der Orte teil, Musikzüge der Feuerwehren, Posaunen­chöre, die Chöre ber Gesangvereine stellten sich in ben Dienst ber edlen Sache und trugen durch ernste Musik zur Vertiefung und Verschönerung der Feiern bei. Die Hitler-Jugend gab in Sprechchören ihrer Verehrung der Helden des Weltkrieges Aus­druck. Die Kriegeroereine nahmen allen Anteil. Die Sprecher der Partei würdigten das große Opfer der für das Vaterland Gefallenen. Die Kamerad­schaftsführer der Kriegervereine widmeten den toten Kameraden ehrende Worte. Zahlreiche Kranz­niederlegungen der Organisationen der Partei und der Kriegervereine, der Gesangvereine, der Feuer­wehren, der Sportvereine und vieler Volksgenossen letzten davon Zeugnis ab, daß die Toten des Welt­krieges unvergessen sind.

Aus zahlreichen Städten unb Dörfern unserer Heimat liegen uns Berichte über die Feiern vor. Leider ist es aus räumlichen und technischen Grün­den nicht mötzlich, sie zu veröffentlichen. Wir müssen uns darauf beschränken, festzustellen, daß der Tag überall einen Verlauf nahm, der in allen Teilen dem heroischen Opfer unserer zwei Millionen Toten würdig war.

Nach mehr als 20 Jahren als gefallen ermittelt.

fahre. Der Vorsitzende bat zum Schluffe noch be­sonders um treuen und fleißigen Besuch der Uebungs­stunden, um dem Dirigenten, Musikmeister a. D. A. Schleuse, bie Aufgabe nicht unnötig zu er­schweren, auch im Blicke auf ben, wie alljährlich, mit ber Evangelischen Frauenhilfe Steinbach zu­sammen am 18. b. M. geplanten Familienabenb.

* Hausen, 9. März. Am Samstag hielt bie Freiwillige Feuerwehr ihre Jahreshaupt­versammlung ab. Zunächst erstattete ber erste Branb- meister Stumps ben Jahresbericht, in bem von einem befriebigenoen Ausstieg der Wehr berichtet werden konnte. Der Rechner Kam. Münch brachte anschließend den Kassenbericht zur Kenntnis, der mit einem auten Ergebnis abschloß. Sodann wurde über bas Landes-Feuerwehrtreffen und über die Tagung der Kreisfeuerwehren berichtet. Anschließend ermahnte ber Branbmeister bie Kameraben, stets eifrig an ber Tätigkeit ber Feuerwehr teilzunehmen. Bürgermeister Göbel gab seiner Freube über bie gute Entwicklung ber Feuerwehr Ausbruck unb be­tonte, baß bie Gemeinbe bei ber Beschaffung von Feuerwehrgeräten tatkräftig mithelfen werbe. Mit dreimaligem Siegheil auf den Führer wurde die Versammlung geschlossen.

Kreis Bübingen.

Hl Nidda, 9. März. Am Samstagvormittag lief hier in der Adolf-Hitler-Straße der 8 Jahre alte Ernst Weber auf dem Heimweg aus der Schule hinter einem Handwagen her und wollte beim Herannahmen eines Autos noch schnell über die Fahrbahn laufen. Dabei rannte der bedauernswerte Junge in den Krafwagen hinein, wurde Boden geworfen und erlitt einen Schädelbruch und einen Bruch des rechten Armes. Aerztliche Hilfe war schnell zur Stelle. Trotz der schweren Verletzungen soll Lebensgefahr für das Kind nicht bestehen.

D Leihgestern (Kreis Gießen), 9. März. Der feit 15. September 1914 von der Front als ver­mißt gemeldete Landwehrmann Ludwig M ü 1 - l e r von hier ist jetzt bei Ausgrabungen in Frank­reich ermittelt worden. Das Zentral-Nachweisamt in Berlin hat feiner hier wohnenden Frau die Auf­findung ihres gefallenen Mannes mitgeteilt, wobei sich ergeben hat, daß die auf der Erkennungsmarke verzeichneten Personalien des Gefallenen auf ben Vermißten zutreffen. Der Gefallene hatte tes Lebenszeichen in einem Briefe vom tember 1914 nach Haufe übermittelt.

Die Tippgräfin.

Roman von Klothilde v Stegmann

Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin, SW 68.

8. Fortsetzung. Nachbruck verboten!

Die Agraffe ist, wie Tante immer betont, von unschätzbarem Wert, weil jebe dieser Perlen an einer bestimmten Stelle ein winziges, grünlich schimmerndes Kreuz aufweist, von dem noch kein Fachmann herausbekommen konnte, wie es ent­stand. In meiner italienischen Heimat würden diese Kreuzlein bestimmt als bas Wunder eines Heiligen gelten, und vielleicht sind sie es auch."

Sie sagte es ehrfürchtig. Aber als Erhard sich leise räusperte, schrak sie auf. Sie hatte schon manch­mal von dem tiefen Glauben, der in ihr von Kind­heit an lebte, gesprochen. Aber sie fühlte, sie stieß bei Erhard mit ihrem Kinderglauben auf eine leise, hohnvolle Überlegenheit.

Tatsächlich war er mit seinen Gedanken bei ganz anderen Dingen. Unvermittelt sagte er:

Kommt für unsere Pläne also nicht in Frage! Schade!"

Was willst du damit sagen, Liebster?

Kind, ob du nun das Halsband der Kassette allein entnimmst ober gleichzeitig noch ein anberes Stück bas ist boch wohl dasselbe?"

Entsetzt fuhr Mariella auf. Fassungslos sah sie den Mann an:

Erhard, wie kannst du so etwas auch nur aus­sprechen? Ich nehme doch schon eine schwere Schuld auf mich, wenn ich die Tat begehe. Und Gott allein weiß, ob er sie mir einmal verzeihen wird. Ader vielleicht vergibt er mir. Denn ich tue es ja nicht aus Selbstsucht, sondern nur, um dich, Liebster, von bem Untergang zu retten. Aber keinen Pfennig mehr als unbebingt nötig barf ich nehmen. Den Preis für bie Kette kenne ich deswegen so genau, weil ich mit Tante Annina einmal bei ihrem Ju­welier war. Im Scherz bot er ihr damals für die Geronimokette fünftausend Mark an."

Erhard unterdrückte mühsam ein heftiges Wort. Es gab also noch etwas in Mariella, was feinen

hemmungslosen Wünschen Widerstand leistete. Törin, die sie war! Da hatte sie ein Millionenver­mögen so nahe und begnügte sich mit einer arm­seligen Kette. Ader er durste sie nicht scheu machen. So sagte er denn ruhig:

Unter welchem Vorwande willst du dem Ju­welier überhaupt den Schmuck anbieten, Liebling?"

Das weiß ich noch nicht, Erhard. Und ich hoffe, da wirst du mir raten können."

Aber bedenke, selbst wenn wir das Geld dafür anstandslos erhalten, damit sind erst die Verpflich­tungen gegenüber meinem Hauptgläubiger, Kam­macher, gedeckt. Niemand weiter kann befriedigt werden. Es bleibt uns kein Pfennig für den Auf­bau unseres Lebens."

Die anderen müssen warten, bis wir uns eine Zukunft durch unserer Hände Arbeit aufgebaut haben werden, Erhard. Ich habe da auch schon einen kleinen Ausweg."

Und der wäre?"

Besinnst du dich, daß ich dir einmal von einer meiner Pensionsfreundinnen, Lore Ankermann, er­zählte?"

Was soll ich jetzt mir ber, Mariella?" Unge- bulbig unb herrisch klang es.

Eingeschüchtert sprach sie weiter:

Du besinnst bich vielleicht doch nicht, Erhard. Lore Ankermann war doch jene Freundin, die ich vor Jahren aus dem Vierwaldstätter See zog, als sie beim Schwimmen zu ertrinken drohte. Seitbem ist sie mir mit rührenber Dankbarkeit zugetan. Lore Ankermann hat vor einiger Zeit von ihrem Großvater bie Geyerburg, bie in Sachsen liegt, ge­erbt. Die uralte Ruine ist ganz im Stil ihrer Zeit roieber aufgebaut worden. Lore hat dort eine Hüh­nerfarm, einen umfangreichen Betrieb, eingerich­tet. Sie weiß, wie wenig glücklich ich mich bei Tante Annina fühle, und wie ich mich danach sehne, dir unb mir eine Existenz zu schaffen. Weißt bu, was Lore mir nun kürzlich angeboten hat?"

Nun?"

Ihre Partnerin zu werben!"

Erhard lachte ironisch auf:

Unb was soll ich babei? Etwa Hahn im Korb sein?"

Mariellas Gesicht würbe noch angstvoller. Wie konnte Erhard jetzt scherzen?!

Aber Erhard, es ist im Augenblick der einzige Weg, den ich sehe. Sieh mal, da Lore auch Pen­sionäre aufzunehmen beabsichtigt, dachte ich zu­nächst für dich an einen Repräsentationsposten, den du neben deiner Schriftstellerei doch famos aus­füllen könntest. Liebster. Dann wäre da noch die Buchführung ..."

... Und das Herausgeben des Geflügelfutters und das Nachzählen der Eier nicht wahr? Ich könnte ja auch die Küken spazierenführen ..."

Wieder lachte er ironisch auf.

Mariella, ich sehe es mehr unb mehr ein: Ich bin ein Hemmschuh für bich! Ich bin ber Hemm­schuh für bich auf bem Wege zu einem glücklichen Leben. Wenn ich bich wahrhaft liebe, muß ich bich von mir befreien."

Nein!" Mariella, in ihrer Angst, schrie es bei­nah heraus. Ein paar Gäste am Nebentisch sahen neugierig zu ihr herüber. Erharb legte roarnenb bie Hanb auf bie Lippen. Da fand das Mädchen zur Wirklichkeit zurück.

Wie benommen vom Willen des Mannes und dem einzigen Gedanken, Erhard zu retten, sprach sie weiter:

Ich will nie wieder von der Geyerburg sprechen, Erhard. Du hast recht, das Halsband der Geronimo soll deine Bürgschaft decken. Die große Brillant­brosche Tante Anninas aber, deren Erbin ich ja doch bin, wird dir die Ueberfahrt nach Amerika ermöglichen. Und wenn du dann etwas Rechtes erreicht und deine Schulden bezahlt hast, läßt du mich nachkommen nicht wahr? Versprichst du mir das. Liebster?"

Ich verspreche es dir", sagte er. Mit innigem Dank ergriff er ihre kalte Hand:Und nun, Kind, wann wirst du es tun?"

Die kleine Principessa schloß wie in Angst die Augen:

Wie lange brauchst bu Zeit, um bie Imitation des Geronimo-Halsbandes Herstellen zu lassen?" flüsterte sie fast unhörbar.

Eine Woche. Hast bu dir übrigens schon über­legt, Mariella, was bu sagen wirst, wenn ber Dieb­stahl vorher entbeckt werben wirb?"

Sie schüttelte mübe den Kopf:

Also hör mir gut zu! Wenn ich dich richtig ver­standen habe, willst bu in ber Nacht nach deinem

einundzwanzigsten Geburtstag deinen Plan aus- führen?"

Wie merkwürdig er das Wortdeinen" doch be­tonte!

Mariella nickte.

Ausgezeichnet! Du wirst bann also

Alles Weitere drang wie ein Traumgespräch an Mariellas Ohr.--

Zur gleichen Zeit saßen im Palazzo des Herzogs Enrico drei Männer zusammen und berieten über bie Expedition nach Afrika. Zu dem Herzog und Heßling hatte sich ein Freund des Herzogs, ein her­vorragender Ingenieur, gefeilt. Pepito Arlefi kannte Mariellas Vater, den Prinzen Bonatzlia, gut. Er hatte mit ihm zusammen studiert und hatte auch jene Expedition unternommen, bei ber Bonaglia verschwunden war. Er hatte den Freund nicht ver­gessen und war überglücklich, jetzt nochmals nach ihm forschen zu können. Zwischen ihm und Heßling entstand sehr schnell ein fester Freundschaftsbund, der sich nicht mehr lösen sollte.

*

In den nächsten Wochen erlebte Rom viele Sen­sationen. Goldener Sonnenschein lag wie ein glitzerndes Geschmeide über ber Landschaft, als auf dem Flugplatz vor Rom die ersten Versuche für die Afrika-Expedition unternommen wurden. Ein neuartiges Flugzeug, dieStella Maris", er­probte seine Schwingen und war bald wie ein glän­zender Vogel in die blaue Frühlingsluft hinein­gestoßen. Aber hoch über ihm schwebte ein Luft­schiff, das trotz seiner Zierlichkeit wie ein Riesen­walfisch neben einem kleinen Vogel wirkte. Dieses Luftschiff hatte der Herzog im Beisein vieler Freunde und der Journalisten der größten italie­nischen Zeitungen auf den NamenSperanza", Hoffnung", getauft. Mit diesen Flugzeugen, deren Einrichtung sorglich geheimgehalten wurde, sollte die Forschung im Innern Afrikas vor sich gehen.

Die Mannschaft war besonders ausgesucht. Einige Deutsche waren darunter, und auf dem Meere ankerte die kleine MotorjuchtMariella". Diese Motorjacht sollte Heßling, den Herzog und Pepito Arlesi mitsamt ihren Helfern durch die Meere dem fernen Afrika entgegenbringen. Flugzeug unb Luftschiff probten gesondert. Alle Probeflüge waren glänzend gelungen.

(Fortsetzung folgt!)