Nr. 288 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, y. Dezember <936
Mr helfen demWeihnachtsmann
Dom gebastelten (Spielzeug.
weiß nur zu gut, daß ihre Klemen unersättlich sind im Wünschen von allen möglichen Spielsachen. Besonders in der Adventszeit werden Üftutter m Vertretung des unerreichbaren Weihnachtsmannes so viele Wünsche anvertraut, daß sich wohl manche von ihnen fragt, wie sie bei den ae- nngen geldlichen Mitteln nur etwas von dem bescheren kann, was die Kinder alles erhoffen. Da e r ,,G5 o^ig fein und selbst einiges Spielzeug Herstellen. Das kostet nur ein wenig Zeit und manchmal auch etwas Geduld, aber die Geldtasche braucht nicht angerührt zu werden!
Allerlei Reste, die sonst in den Papierkorb wandern würden alte Rollen, Schächtelchen, Bindfaden, Pappen, Knöpfe, Flicken, ein wenig Klebzeug — das ungefähr sind die Dinge, aus denen in den Abendstunden, wenn die Kinder schon in ihren Bett- chen liegen und von Tannenduft und Kerzenschimmer träumen, viele kleine Geschenke und Ueber- raschungen entstehen sollen. Bunte Pappstücke werden nach einem selbst entworfenen Muster zu einem Zusammensetzspiel zugeschnitten. Ein Hampelmann ist aus Pappe und Bindfaden leicht anzufertigen. Stoffüberzogene Schachteln und Umschlagdeckel sind für die etwas Größeren gedacht. Aus Garnrollen, Schächtelchen und dünnem Draht entstehen kleine Karren, aus ein paar Stoffresten der dazugehörige kleine Fahrgast. Puppen und Puppenkleider — welche Mutter denkt da nicht sofort an ihre eigene Kinderzeit, wo jedes neue Puppenkind und jede Vermehrung seiner Ausstattung allergrößte Freude auslöste. Wer sehr geschickt ist, näht vielleicht sogar einen Hund, z. B. einen Pudel, an dem sich die sonst unverwendbaren Pelzbesatzreste so schön ausnehmen, als ob die Pelzstücke nie einer anderen Bestimmung gedient hätten. Wer erst einmal begonnen hat mit dem Basteln, der wird mit einem Male merken, wie viel sich das so oft unbenutzte Rest- und Abfallmaterial noch nutzbringend verwerten läßt: das Seidenpapier aus dem Briefumschlag, der Klebestreifen an den Briefmarken, der Knebel vom letzten Einkaufspaket — alles erhält plötzlich eine neue Bedeutung, einen Sinn, denn es ermöglicht ja noch die Anfertigung von vielerlei kleinem Spielzeug!
Wir wollen natürlich nicht diejenigen vergeßen, die ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung von Spielwaren verdienen, und wer es nur irgend kann, unterstütze diese Menschen durch den Kauf chrer Arbeiten, Aber wir wollen auch all der Familien gedenken, wo viele Kinder auf einen reichen Gabentisch hoffen und doch die Eltern nicht in der Lage sind, Geld für andere Dinge als für Nahrung und warme Kleidung auszugeben Habt ihr selbst nicht die Freizeit, für ärmere und kinderreiche Familien kleine Geschenke anzufertigen, so gebt die Kleinigkeiten, die noch verarbeitet werden können, an Kindergärten und an Jugendgruppen und Bastelkreise der NS.-Frauenschaft: Hier sind viele fleißige Hände damit beschäftigt, dem Weihnachtsmann mancherlei Arbeit und Sorge abzunehmen. Die Freude im eigenen Heim und die Glückseligkeit der sonst noch beschenkten Kinder wird reicher Lohn sein für mancherlei Mühen des Aufhebens und für die liebevolle Verarbeitung von unscheinbaren Resten zu allerlei buntem Spielzeug. I. L.
Süßes und Salziges.
Don Frida Aisch, Äad-Nauheim.
Mürbe Plätzchen: 2 ganze Eier schlage mit 300 Gramm Zucker schaumig. Gib 300 Gramm Butter dazu, eine kleine Tasse sauere Milch und einen Teelöffel Backpulver. Würze mit Vanille oder Zitronenschale und knete in alles so viel gesiebtes Weizenmehl hinein als der Teig faßt. Er muß fest, aber geschmeidig sein. Dann legen wir ihn eine Weile ins Kühle vors Fenster. Auf fünf Millimeter dick ausgerollt, stechen wir beliebige Formen aus, die leicht mit Eiweiß oder Milch bestrichen, mit feinem Zucker bestreut, lichtgelb gebacken werden.
Makrönchen: Zuerst belegen wir ein kleines Blech mit Oblaten. 3 große Eiweiß schlagen wir zu steifem Schnee, geben 250 Gramm feinen Zucker und 250 Gramm geriebene Mandeln oder Haselnüsse darunter, setzen kleine Häufchen mit dem Teelöffel auf die Oblaten und backen sie sofort langsam in mäßig heißem Ofen. Wenn sie oben eine zart gelbliche Tönung bekommen, sind sie gut.
Etwas Honigkuchen möchten wir doch auch gerne backen. Da aber in diesem Jahr die imkerlichen Honigtöpfe recht klein geraten sind — leider! — so müssen wir uns ein bißchen nach der Decke strecken. Entweder wir backen diesmal Kuchen, die wenig Honig enthalten oder wir müssen in den großen schweren Honigkuchen nur die Hälfte Honig nehmen, und das fehlende mit Kunsthonig oder Syrup ergänzen. Einen guten Ausweg fand ich in der Verwendung eines Kessels Johannisbeergelee, der zu lange gekocht hatte, dadurch seine Steife verloren hatte, und ganz nach Syrup schmeckte. Auf Brot wollte ihn keiner essen, aber die damit gebackenen Pfefferkuchen schmeckten prachtvoll.
Vaters Lieblinge. 250 Gramm Honig, zwei Eßlöffel Zucker, werden mit % Liter Wasser aufgekocht Dann kommen vier Eßlöffel Johannisbeer-, Himbeer- oder Quittengelee dazu, was man gerade hat. In 500 Gramm gesiebtes Mehl gibt man einen Teelöffel Zimt, einen halben Teelöffel Nelken, eine Prise Salz, mischt gut und gießt den gekochten, noch warmen aber nicht heißen Honig darüber Alles wird gut zusammengearbeitet, zwei Teelöffel Backpulver und eine Prise Hirschhornsalz darauf gesiebt. Noch einmal gut durchwirken und den Teig in zwei Teile teilen. m ,
In die eine Hälfte gibt man 50 Gramm geriebene Schokolade, eine Handvoll Korinthen, eine Handvoll geriebene Nüsse, einen Eßlöffel gutes geschmackloses Oel und zwei Päckchen Vanillezucker. Alles muß nach etwa zehn Minuten kneten em gebunbe, ner, nicht zu fester Teig sein, der nicht mehr kleben darf. Merkt man beim Kneten, daß er zu fest wird, geben wir eine Kleinigkeit Zuckerwasser dazu wird er zu lose, noch etwas Mehl. Davon formt man eine Rolle, 40 bis 50 Millimeter dick schneidet zehn Millimeter breite Scheibchen ab und backt sie bei mäßiger Hitze auf eingefettetem Blech etvxi zehn Minuten. Wer sehr üppig ist, kann auf ledesPlätzchen eine halbe Mandel ober eme Haselnuß drucken unb sie, noch warm, mit Zuckerguß bestreichen.
Aus dem Reiche der Krau.
In b-ie andere Hälfte Teig kommt eine Handvoll fern gewürfeltes Zitronat, ebenso Orangeat, eine ?5 r Iein, geschnittene, aufgeweichte Pomeranzen- schale, noch ein Teelöffel Zimt, eine Prise Ingwer, em Tramm Kardamom, 50 Gramm grob geschnittene Mandeln und eine Prise Hirschhornsalz. Ist alles gut verknetet, muß der Teig fest, glatt, glänzend sein und sich auf 10 Millimeter Dicke aus- ro°fen lassen. Er macht jetzt den Eindruck von Leder. Wir stechen Figuren aus oder schneiden sie mit dem Messer, verzieren sie mit Mandeln, Stück- chen Zitronat und Korinthen und backen sie bei mäßiger Hitze goldbraun, ©ie müssen kalt auf kaltem Blech in den warmen Ofen kommen, damit sie gut Form halten. Man tut gut, eine Probe zu backen.
Salz- oder Kümmel st angen. In 250 Gramm Mehl mischt man einen Teelöffel Backpulver und siebt es durch. Darüber gibt man 2 gestrichene Eß öffel Fett, 1 Eigelb, 2 Eßlöffel Milch, 1 Prise Salz und 1 Eßlöffel Kümmel, knetet alles ordentlich zusammen und rollt kleine Stangen davon. < Diese bäckt man auf einem gut mit Pflanzenfett |
bestrichenen Blech hellgelb. Unterdessen hat man das Eiweiß mit einem kleinen Teelöffel Wasser tüchtig geklopft und bepinselt die aus dem Ofen kommenden noch warmen Stengelchen rasch damit, bestreut sie mit einem Hauch Salz und trocknet sie im Ofen nach.
Käseplätzchen. Kalt oder warm zu Tee, Brühe und Wein. Ein weicher, würziger Camembertkäse — jeder anbeÄ würzige weiche Käse, der gut „durch" ist, tut's auch — etwa für 25 Pfennig, 50 Gramm Butter, 1 Eßlöffel geriebener deutscher Hartkäse (Rest), 1 Ei, 1 Prise weißer Pfeffer, 1 Prise Salz werden schnell auf einem Brett zusammengewirkt und gut durchgearbeitet. Die Butter muß fest und kalt sein. Dann gibt man soviel gesiebtes Mehl dazu, daß der Teig fest wird, aber geschmeidig bleibt. Er wird eine Stunde kaltgestellt, dann 10 Millimeter dick ausgerollt, in 10 Millimeter breite Streifen geschnitten ober zu runden Plätzchen ausgestochen und bei mäßiger Hitze goldbraun gebacken. Sie lassen sich auch, erkaltet, am andern Tag im Ofen wieder aufbacken.
as sollen wir tragen?
PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
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FÜR DEN WEIHNACHTSTISCH-
K - MEN
WASCHE
UND EIN HAUSMANTEL
Wäsche und ein Hausmantel sind auf dem Weihnachtstisch der Hausfrau sicher hochwillkommen.
Wir zeigen heute ein Nachthemd (ganz links) aus mattgrüner Waschseide, dessen Kranen, Aermel und unterer Saum mit kleinen R ü - schen aus Valenciennespitze verziert sind. Der kurze Raglanärmel ist unten eingelesen unb wirb unter ben Rüschen in einem schmalen Bünb- chen zusammengehalten. Das eingearbeitete West - chen wirb mit kleinen Perlmutterknöpfchen geschlossen, als Gürtel bient ein mittelbreiter Schrägstreifen aus ber gleichen Waschseibe.
Der Schlafanzug (Mitte) ist aus hellblauer Waschseibe, seine Paspeloerzierung an Kragen, Taschen unb sämtlichen Säumen ist aus bunkeldlauer Waschseibe. Der weite, unten in ein schmales Bünbchen gefaßte Aermel ist bem Blusenteil angeschnitten.
Aus weinroter, glänzenber Kunst- selbe ist ber praktische Hausmantel in schlichter, glockiger Form. Seine burchgehenbe Wattierung wirb burch Stepperei in Karomuster gehalten. H.
Weihnachisvorberettungen.
Kindergeheininisse im Advent.
Um wirklich ein frohes unb schönes Weihnachtsfest feiern zu können, sollte bie Mutter barauf achten, baß alle Beteiligten, Erwachsene wie Kinber, frühzeitig genug mit ihren Weihnachtsoorde- reitungen beginnen, bamit am Fest bie kleinen unb großen Gaben fertig finb unb nicht Verstimmung bei Gebern unb Beschenkten aufkommt, weil bie Hanbarbeit ober bie Bastelarbeit unoollftänbig geblieben ist. Gerabe bei Kinbern, bie oft nicht bie Ausbauer unb Gebulb haben, lange an einer Sache sitzen zu bleiben, muß bie Mutter bafür sorgen, baß nicht erst in ben letzten acht Tagen vor bem Fest mit ber Herstellung von Weihnachtsgaben begonnen wirb. Sie muh u. U. auch jenen Ueber- eifer etwas bämpfen, ber sich zu viel und womöglich zu schwierige Dinge vornimmt, die dann nicht ausgeführt werben können.
Die größeren Kinder bringen von der Schule her schon gewisse Handfertigkeiten für allerlei Säge-, Kleb- und Webarbeiten mit. Sie haben auch meist einen eigenen Geschmack in ber Wahl unb bei ber Ausführung ihrer Weihnachtsgaben. Nach Möglichkeit soll man ihnen barin auch freie Hanb lassen. Nur beistehen mit gutem Rat unb leise unb unmerk- lich lenken, wenn sie gar zu verwegene ober unpraktische Jbeen in bie £at umsetzen wollen.
Man mache es ben Kinbern nicht zu leicht mit bem Schenken, indem man ihnen einfach die fertigen Zutaten ober Materialien kauft, fonbern leite sie an Vorhanbenes auszuwerten. Es gibt wohl in jedem Haushalt zerrissene Seidenstrümpfe, die, zu seinen Streifen geschnitten und verstrickt sehr
hübsche und angenehm zu benutzende Topf- und Spüllappen ergeben, statt daß teure Wolle gekauft wird. Aus schadhaft gewordenen Frottierhandtüchern lassen sich sehr brauchbare Waschtischgarnituren zur Schonung der Marmorplatte herstellen. Mit einem bunten Zackenrändchen umhäkelt, sehen sie sehr nett aus. Schachteln ober Pappstücke zum Bekleben finben sich wohl auch, unb aus biesen Materialien lassen sich eine ganze Anzahl von Geschenken Herstellen: Behälter für Knöpfe, Schlüsselschilber, Notizzettelbehälter, Wäscheplatten, bie man mit vor- hanbenen {eibenen ober batistenen Stoffresten bezieht. Buchhüllen, Papierserviettenbehälter, Lesezeichen, einfache Schreibmappen mit buntem Papierüberzug finb ben Beschenkten meist willkommen unb stellen an bie Geschicklichkeit keine zu großen Anforberungen.
Man gewöhne bie kinblichen Geber auch baran, sich in bie Wünsche unb Bebürfnisse ber zu Beschen- fenben einzufühlen, benen ihre Gabe ja Freude machen soll unb nicht ihnen selbst — ein Fehler, von bem auch bie Erwachsenen nicht immer frei finb.
Immer aber lasse bie Mutter bem Kinbe soweit als möglich Freiheit unb lenke nur unmerklich, denn es ist ja sein Stolz, sich etwas ausgedacht, selbst Form und Farbe gewählt zu haben. Sie achte auch etwas darauf, daß sauber und ordentlich gearbeitet unb nicht geschlubert wirb: ach, bas sieht man ja nicht. Lieber eine einfache, sorgfältig gebastelte Gabe, als eine schwierig anzufertigenbe, bie flüchtig unb ungenau irgenbwie zusammen- gehubelt würbe. In ber weihnachtlichen Bastelstube ist gute Gelegenheit, große unb kleine Schwächen der Kinder zu beobachten und ihnen erzieherisch zu begegnen.
paketchen packen...
Don Brigitte Lühr.
Ist es denn wirklich wahr, daß man die Tage bis Weihnachten schon an den Ringern abzählen kann? Aber es muß schon so sein, der Kalender ist uner- bittlich, das Jahr neigt sich seinem Ende zu: es weihnachtet!
Wie aus dem Kästchen eines Zauberers ist plötzlich das Weihnachtseinwickelpapier entsprungen, die bunten Teller, bie kleinen beschneiten Tannen- Ameige, bas Golb- unb Silberbanb. Ja, nun kommt Die Zeit ber vielen Paketchen! Die schönste Arbeit für bie Frau! Pakete packen hat immer etwas Poetisches an sich unb ganz hesonbers um die Weihnachtszeit. Aber Liebe gehört dazu, Liebe ist viel wichtiger als ein großer Geldbeutel. Eine kleine Gabe in buntes Weihnachtspapier gehüllt, ein Tan- nenzweiglein daran gebunden, ein paar Streifen blitzendes Lametta — und schon ist die Weihnachtsstimmung da, und der Empfänger freut sich viel mehr als über eine kostbare Gabe in grauem Packpapier.
Die kleinen Ueberraschungen, das sind die Lichtpunkte in ber Vorweihnachtszeit. Da werben auch bie Erwachsenen wieber zu Kinbern. Man braucht nicht nur am 6. Dezember Nikolaus zu spielen, man kann sich jeben Tag eine kleine Freube ausbenken. Im Schuh versteckt, unter ber Serviette, morgens früh auf der Bettdecke, überall sind die kleinen Paketchen willkommen. Dabei sind es gar keine kostspieligen Geschenke — manchmal haben die kleinen Päckchen gar nichts gekostet! Da hat die älteste Tochter der Mutter vielleicht heimlich die Strümpfe gestopft und das ausgebesserte Paar fein säuberlich in buntes Papier gepackt, da bekommt Vater Rasierklingen, die er immer wieder zu besorgen vergaß, da hat Mutter vom Weihnachtsgebäck eine Kostprobe! Ach, es gibt tausend Dinge, die fleißige Hände liebevoll verpacken können.
Auf den Postämtern werden frühzeitig die Weihnachtspakete aufgeliefert für bie Sieben, bie bas Weihnachtsfest nicht bei uns baheim feiern können. Diese Pakete müssen mit besonberer Liebe und Sorgfalt gepackt werden Da tut es das bunte Papier nicht allein, und die Tannenzweige würden kahl und vertrocknet ankommen, wenn man sie nicht richtig präparierte. Ja, die Postbeamten vom Paketpostamt, diese „Weihnachtsengel in Uniform", bitten immer wieder, die Pakete sachgemäß zu verpacken. Gutes Packpapier unb haltbarer Binbfaben.
Paketchen packen — bie schönste Arbeit für Frauenhänbe. Viel, viel Liebe hüllt man in bas bunte Weihnachtspapier ein, benn wir alle wissen ja: bie Freude, bie wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück!
Löcher in der Wäsche.
Auch hier: Kamps dem Verderb!
„O weh, in bem neuen Hanbtuch ist ein Loch! Wie konnte benn bas passieren?" Bekümmert sieht bie Hausfrau auf ihre Wäscheschätze. Ja, wie konnte bas passieren?! Da gibt es wohl viele Gründe. Vor allen Dingen ist es wichtig, einmal festzustellen, ob auch in ber Wäsche die Stücke richtig behandelt worden sind, denn auch am Wäscheschrank der Hausfrau sollte ein Schild mahnen: Kampf dem Verderb!
5 Milliarden Mark sind im Wäscheschrank der deutschen Hausfrau investiert, ein ungeheures Vermögen! Und dieses Vermögen muß nach Möglichkeit geschützt werden.
„Vor der Wäsche war von dem Loch im Handtuch noch gar nichts zu sehen, ich habe die Handtücher ganz genau durchgesehen!" Ja, das Loch war gewiß schon vor der Wäsche im Tuch, aber es war so fein, daß man es nicht entdeckt hat. Dran schuld war das Rasiermesser, das der Mann am Handtuch abgetrocknet hat. Und wenn er sich auch noch so sehr in Acht nimmt: die feinen Webfäden werden zerschnitten, nach der Wäsche zeigt sich dann ein Loch. Es ist also Pflicht der Hausfrau, daß sie dem Mann zum Abttocknen der Rasierklingen Fließpapier ober einen alten Lappen zur Verfügung stellt.
Ein böser Feinb der Wäsche ist der Rost. Mit» gewaschene Metallknöpfe, ein vergessener Schlüssel in ber Schürzentasche, Sicherheitsnadeln usw. sind die Urheber zu ben häßlichen braunen Flecken, bie fast nie zu entfernen finb. Nach ein- ober mehr- maligem Waschen fällt ber Rostfleck aus bem Stoff heraus unb läßt ein ausgefasertes Lock zurück!
Hartes Wasser unb kalkhaltige Seifen sind oft der Grund, daß die Wäsche ruiniert wird. Kalk, Gips und Magnesiumsalze, die sich niederschlagen, zerreiben das feine Gewebe und machen die Wäschestücke „mürbe", wenn bann noch künstliche Bleichmittel hinzukommen wie Chlor unb Wasserstoff, bann hat sich bie Wäsche bald in Wohlgefallen aufgelöst, unb kostbares Volksoermögen ist vergeudet worden. Deshalb muß die Wäsche immer im ent- härteten Wasser gewaschen werden, empfindliche Stücke spült man noch mit Essig nach wie z. B. Wolle und Seide, denn der Essig löst die Kalkbildung auf.
Vor allen Dingen sind Säuren tückische Zerstörer der Wäsche. Die Hausfrau hat z. B. einen Obstfleck mit Zitrone herausgemacht, sie vergißt aber, nun die Zitronensäure selbst ebenfalls auszuspülen. Die Säure zerfrißt den Faden, die Wäsche wird brüchig und mürbe. Schlimmer sieht es mit Kleesalz oder auch Wasserstoffsuperoxyd aus. Bei letzterem fallen kreisrunde Stückchen aus dem Stoff, wenn man Wasserstoffsuperoxyd nicht sorgfältig aus dem Stoff entfernt. Hat man z. B. mit Salz- oder Schwefelsäure einen Fleck auf ein Wäschestück c?- macht, so muß man sofort durch Alkalien dir Schärfe der Säuren aufheben, man betupft den Fleck also mit Salmiakgeist oder einer Sodalösung und spült dann sorgfältig nach.
In den Waschanstalten hat man vielfach schon ein Verfahren in Gebrauch, das feststellen soll, was die Ursachen der Löcher in ber Wäsche sind. Die Wäschestücke kommen unter bie „Höhensonne", b. h.. sie werben mit einer Quarzlampe durchleuchtet. An der Art der Strahlung kann man dann feststellen, ob das Wäschestück mit Chlor behandelt wurde.
5 Milliarden Mark an Volksoermögen sollen geschützt werden. Es ist eine Ehrenpflicht der Hausfrau, dafür zu sorgen, daß bie Wäsche richtig behanbelt wird — abgesehen davon, daß es auch ihrem Geldbeutel viel besser bekommt, wenn sie sorgfältig mit ihren Sachen umgeht.
LoreThograi


