Ur. 265 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag, 9. November 1936
in
5.
Schlußsansare.
Eintritt frei!
Kreisleitung Wetterau der NSDAP.
die Leitung der Universitäts-Kinderklinik in
weise
an
er-
darstellen.
Da sind zunächst die Tuben und Flaschenkapseln und das Silberpapier, mit denen viele Waren unseres täglichen Bedarfs umhüllt sind. Man hat zu ihrer Herstellung das kostbare Zinn, Blei oder Aluminium verwandt, und es in kleinsten Teilen dem täglichen Verbrauch zugeführt. Die Wiedersammlung dieser Dinge ist nicht eine Aufgabe, die dem Altwarenhandel übertragen werden kann, denn an und für sich ist dieser damit beauftragt, die Haushaltsbestände an Altmetarial, wie Lumpen und Alteisen usw. zu sammeln; Tuben und dergleichen haben im einzelnen zu wenig Wert.
Dafür springt jetzt die Hitlerjugend ein. Sie sammelt jede einzelne Flaschenkapsel und jede Konservenbüchse, sie ist in ihren einzelnen Gliederungen dazu aufgeboten, um treppauf, treppab bei den Haushaltungen nach solchen Sachen zu fragen, die man sonst, ohne nachzudenken, dem Mülleimer überantwortete. So werden durch die deutsche Jugend Millionenwerte wieder nutzbar gemacht, die sonst verdarben. Auch andere Organisationen haben sich in den Dienst der Sammlung gestellt. So haben die Postbeamten Stanniolpapier und Bleikugeln u. dgl. eifrig gesammelt und werden diese Sammlung fortsetzen, weil aus diesen nur scheinbar wertlosen Abfällen Zinn und Blei wiedergewonnen werden.
Und schließlich ist ein großzügiger Kampf dem Verderb angesetzt worden, mit dem die Geschäftsgruppe Ernährung der NS.-Volkswohlfahrt betraut worden ist. Die Kuchenabfälle, die bisher verdarben, oder einfach dem Ascheneimer zugeleitet wurden, haben bekanntlich einen außerordentlich großen Wert für die Ernährung unseres Viehbestandes, vor allem der Schweine. Es sind zusätzliche Futtermittel, deren Wert in die Millionen geht. Und diese Millionen werden jetzt gewonnen. In Sammeleimern werden die Küchenabfälle gesondert von Asche und sonstigen Dingen aufbewahrt, eine zweckmäßige Organisation wird eingesetzt, um diese Abfälle weiterzuleiten. Daß damit ein Teil unserer Schweinezucht vergrößert werden kann, also die Ernährungsgrundlage unserer Nation gesichert wird, bedarf keines Beweises.
Alle Kräfte der deutschen Nation werden und müssen angesetzt werden, um das Ziel der Unabhän- gigmachung unserer Ernährung und Jndustriever- sorgung vom Auslande zu erreichen.
Der Oberarzt an der Universitäts-Kinderklinik Gießen, Professor Dr. Frick, hat Vertretungs-
Heidelberg übernommen. (Yrx. , r
Professor Dr. Auler wird im Wintersemester 1936/36 unter Beibehaltung seiner Lehrtätigkeit in Gießen die Vertretung des Lehrauftrags für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Marburg übernehmen.
Oie Ausstellung Weltfeind Nr. 1 im Gau Hessen-Nassau.
MSG. Als erste im Gau Hessen-Nassau hat die Stadt D a r m st a d t die A u s st e l l u n g „W e l t - feind Nr. 1, der Bolschewismu s" in ihre Mauern ausgenommen. Seit Wochen hatte die Kreispropagandaleitung eine rege Werbung hierfür entfaltet. Unter großem Andrang der Bevölkerung eröffnete Kreisleiter Wamboldt am Samstag die Schau und führte dabei u. a. aus, daß diese Ausstellung gerade zur rechten Zeit kommt, da der Bol- chewismus sich in der Welt so nachdrücklich wieder
Sturmsührer Kurt Richter.
Alle Gliederungen und angeschlossenen Verbände der NSDAP. nehmen ge-
Betriebe nehmen ebenfalls feil Die Betriebssichrer und Behördenvorsteher wollen veranlassen, das; die Belriebsgesotgschasten an der Gedenkfeier lellnehmen, soweit sie nicht von einer Gliederung der NSDAP, ersaht sind.
Die Fahnen sind um 20.20 Uhr vor der Bolkshalle angetreten.
Amt für Volkswohlfahrt.
Ortsgruppe Gießen-Nord.
Am Dienstag, 10., und Mittwoch, 11. November, wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Nord die Pfundsammlung durchgeführt.
Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpackchen bereitzulegen.
Hitler-Jugend Bann 116 Gießen.
Vetr.: Feier des 9. November:
Am heutigen Abend treten alle Gießener Gefolgschaften und Sondereinheiten um 19.50 Uhr auf dem Brandplatz an. Mäntel und Westen sind zu der Feier in der Volkshalle nicht zu tragen.
Velr.: Heimabendbesuche.
10. Nov.: Holzheim, Lang-Göns.
ll. Nov.: Lollar, Treis, Allendorf, Leihgestern, Klein-Linden.
12. Nov.: Großen-Linden, Hausen, Eberstadt.
Von der Universität.
Vornotizen.
Tageskalender für TNonlag.
20.30 Uhr: Feier des 9. November in der Volks- halle. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Regine". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Vergiß mein nicht —Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Uhr Ausstellung von Oelgernälden, Aquarellen und Tempera.
Ortsgruppe Gießen-Süd.
Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1936/37.
Am Montag, 9., Dienstag, 10. und Mittwoch, 11. November, findet in der Ortsgruppe Gießen- Süd durch die NS.-Frauenfchaft die WHW-PsunD- fammlung statt. Es wird gebeten, die Lebensnuttel- jpenden (Pfundpakete) zur Abholung bereichalten zu wollen.
1. Weckruf zum 9. November.
2. Fahneneinmarschlied (Heute schreiten hunderttausend Fahnen).
3. Feiermusik zum 9. November von Erich Lauer.
4. Totenehrung. Vrigadesührer Schmidt.
Feiermusik. Vorspiel zu Sigurd Zorsalfar.
Feierlied (Fanfaren, kündet mit ehernem Ton). Ansprache. Kreisleiter Pg. Dr. Hildebrandt.
(Sieg-Heil — Deutschlandlied — Horst-Wessel-Lied.)
Gedenkfeier der NSDAP
am 9. November in Gießen.
Die Gedenkfeier findet um 20.30 Uhr in der volkshalle stakt.
Feiersolge:
wünscht sich nur, daß sie eines Tages hören kann: Die Frauen haben dafür gesorgt, daß nichts mehr umkommt!
Kampf dem Verderb!
Auf Veranlassung des Ministerpräsidenten Generaloberst Göring als Beauftragten für den Vier- jahresplan hat die Geschäftsgruppe Ernährung die NS.-Volkswohlfahrt beauftragt, die Vorarbeiten für eine großzügige Organisation zur Verwertung der Abfälle in Angriff zu nehmen.
Ziel ist, die nicht ausreichende deutsche landwirtschaftliche Erzeugung zu steigern.
An alle Volksgenossen und besonders an die Hausfrauen ist der Ruf „Kampf dem Verderb" ergangen. Wie Ministerpräsident Generaloberst G ö • ring in seiner großen Rede im Sportpalast gefordert hat, wird die NS.-Volkswohlfahrt eine Sammelorganisation zur planmäßigen Erfassung und Verwertung der gesamten Küchenabfälle auf die Beine stellen. Diese bis jetzt nicht verwerteten Abfälle bedeuten zusätzliche Futtermittel für die Schweinemast. Durch Errichtung von Schweinemästereien am Rande der Städte wird die NS.- Volkswohlfahrt eine nutzbringende Verwertung der Abfälle sicherstellen.
Es ist beabsichtigt, in jedem Haus besondere, diesem Zweck dienende Sammeleimer aufzustellen. Für die Organisation der Abholung, des Fuhrdienstes, der Entkeimung und sachgemäßen Verarbeitung der Abfälle zu Futtermitteln, für die Anlage der Mästereien usw. liegen die Pläne bereits vor.
Voraussetzung für das Gelingen dieses groß- angelegten Planes ist naturgemäß die aktive und verständnisvolle Mitarbeit der Hausfrau selbst. Sie hat jetzt die Möglichkeit, ohne eigentliche Opfer, die noch nicht ausreichende Fettversorgung von sich aus mit zu fordern uns damit gleichzeitig, gewissermaßen aus dem Nichts, neue Werte zu schaffen.
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** Die Gedenkfeier zum 9. Novernder am heutigen Montagabend in der Volkshalle ist für alle Volksgenossen bestimmt, die sämtlich von der Kreisleitung zu dieser Feierstunde eingeladen sind. Alle übrigen Veranstaltungen sollen am heutigen Abend aus. Den in Gießen arbeitenden auswärtigen Mitgliedern der Betriebsgefolgschaften wird empfohlen, an der "Gedenkfeier ihrer Ortsgruppen teil»
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zunehmen. , s, „
** Die körperliche Erziehung in den Schulen während des Winters. Der Reichsftatthalter in Hessen — Landesregierung — hat den Kreisschulämtern folgendes zur Kenntnis gebracht: Bei dem starken Mangel an Turnhallen, insbesondere bei den wenig gegliederten Schulen kann eine planmäßige körperliche Erziehung wahrend des Winterhalbjahres nur dadurch gesichert werden, daß neben dem Kampfspiel auch die sogenannten winterlichen Leibesübungen herangezogen werden. Hierzu gehört vor allem der Eislaus. Wo sich dafür eine geeignete natürliche Gelegenheit oie» tet oder durch Schaffung einer Spritzeisbahn bzw. durch Ueberfchwemmung von Wiesen und dergleichen eine Uebungsgelegenheit Herstellen läßt, ersuche ich um entsprechende Maßnahmen. Für den unterrichtlichen Eislaufbetrieb gilt neben der selbstverständlichen Beachtung der notwendigen Sicherungen gegen Unfallgefahren die Forderung, daß die Ge- samtjuqend durch Schleifen, Eisspiele und derlei- , chen unter Anleitung der Lehrkräfte zur körperlichen Durcharbeitung geführt wird.
** Verkehrsunfall. Am gestrigen Sonn- tagvormittag gegen 11.15 Uhr ereignete sich an der Ecke Wernerwall/Ederstraße em Verkehrsunfall. Ein Fußgänger, der aus der Ederstraße kam unD den Wernerwall überqueren wollte, lies unvorsichtigerweise einem auf dem Wernerwall fahrenden Motorradfahrer ins Rad, wodurch der Fußgänger zu Fall kam und einige Meter weit mltge chleift wurde. Mit schweren Kopf- und Gesichtsverletzun- gen mußte der bedauernswerte Mann durch die Sanitätskolonne in die Chirurgische Klimk überführt | werden.
ter sehen noch heute alle wie neu aus, schwerlich hat sie nach dem Tode der Zarin jemals irgendein Mensch angesehen. 1930 bot die Sowjetregierung die Sammlung in Zürich zum Verkauf an Hier er- wars sie H. B l a ß - L a u f e r, der mütterlicherseits von Laoaters Bruder Diethelm abstammte. So war sie seit ihrer Entstehung bis heute stets in privatem Besitz.
Dor ein paar Monaten durfte H i l d e b r a n d t die wertvollen Originale, rund 1000 Stück, besichtigen. Im ersten Band stieß er unter der Rubrik „Männliches Alter" auf ein Blatt mit 6 Aquarell- Miniaturen, deren eine ihm auf den ersten Blick als ein Bildnis Goethes erschien. Sie mißt 9,7 zu 7,7 Zentimeter, ist sorgfältig, doch nicht kleinlich ausgeführt und auf einen schönen, harmonischen Farbklang gestellt: Rötlich gesunde Gesichtsfarbe, kastanienbraunes Haar, weiße Halsbinde, grüner Rock, dunkelgrauer Grund. Alles Leben strömt aus dem tief-, fast schwarzbraunen und dennoch strahlenden Auge aus. . ....
Die Bilder dieses Blattes hat Lavater, wie öfter, nach dem doppelten Grundsatz des Zusammengehörigen und des Gegensätzlichen gruppiert, und das Bildnis des Genies wird umrahmt von unbedeutenden, oberflächlichen oder spießbürgerlichen Naturen, die durch Beischriften Lavaters auch als solche kennt» lich gemacht sind, wäbrend einzig unter dem durchgeistigten Bilde des Genies kein Wort steht. Diese auffallende Tatsache erklärt Hildebrandt aus der gewandelten Beziehung Goethes zu Lavater, die von schwärmerischer Freundschaft sich im Laufe der Jahre zu leidenschaftlicher Abneigung entwickelte, für Lavater, der mit ungeschwächter Treue an Dem Jugendfreund hing, ein tiefer Schmerz. Für die Frage endlich, von wessen Hand das Bildnis stammen könnte, weiß Hildebrandt keine erschöpfende Antwort, und eine solche ist wohl heute auch nicht mehr zu finden. Doch neigt er zur Ansicht, daß eher der deutsche Maler K r a u s dafür m 5rage fome als einer der Schweizer Künstler, mit denen Goethe in Berührung kam.
Hochschulnachrichten
Der Reichs- und Preußische Minister für Wissen» schait Erstehung und Volksbildung hat den Chek» arzt an den Städtischen Krankenanstalten Wies, baden Dr. G e r o n n e, zum Honorar-Professor an der Universität Frankfurt ernannt und ihm einen Lehrauftrag für sein Fachgebiet, die innere Medizin, erteilt.
Die würdigste Gedenkfeier, von Stolz und Trauer getragen, hat Möller den Toten des Weltkrieges m jenen „Briefen der Gefallenen" geschaffen, die schlicht und ernst und männlich von den Choren der Trauernden, der Mütter, der Geängsteten, der Träger, der Sehenden und endlich der Engel umrahmt werden. Wir wünschen sehr, daß die starken Eindrücke der Aufführung bei recht vielen Hör^n durch eigene Lektüre vertieft würden. So schlechthin schöne, menschliche und erschütternde Strophen wie etwa „Der vierte Brief" verdienen, allgemeiner und geliebter Besitz der Nation zu werden Die Aufführung, deren strenge und stilisierende Form der inneren Haltung der Kantaten entsprach versammelte in Chor und Einzelstimmen das gesamte Schauspielpersonal unter der Spielführung des Intendanten Schultze-Griesheim, der persönlich, klar, verinnerlicht und gesteigert, den „Sprecher" in der zweiten Kantate verkörperte. Von den Einzelsprechern seien ferner die Herren Geiger, Schorn, Lindt, Neuhaus und G s ch m e i d l e r genannt, in den weiblichen Choren die Damen Birkmann und Stirl. Die Aufführung war von vier ernsten Gesängen Hugo Wolfs — „Weylas Gesang" und „Gebet" von Mörike; „Alles endet, was entstehet" von Michelangelo; „Grenzen der Menschheit" von Goethe — umrahmt: Wilhelm Greif (Baß) sang, von Ernst Bräuer am Flügel begleitet, diese Lieder mit beseeltem Ausdruck und einer warmen und schonen Stimme von bemerkenswert geräumigem Umfang — Die Hörerschaft dankte mit herzlichem Beifall für die nachhallenden Eindrücke der Morgenfeier.
Aus der provinzialhauptstadt.
Aus wenig wird viel!
Allmählich ist es jedem Deutschen vertraut geworden, daß die Parole unseres Führers, in vier Jahren müsse Deutschland nach Möglichkeit von der devisenoerschlingenden Einfuhr ausländischer Rohstoffe frei fein, die eherne Pflicht mit sich bringt, jeder Verschwendung vorzubeugen und mit den vorhandenen Mengen sparsam umzugehen. Natürlich liegt in der Erfassung dieser Mengen ein Hauptzweck des Vierjahresplanes selbst, denn er ist aufgebaut auf die größte Wirtschaftlichkeit innerhalb der Nation und auch besonders auf die größte Wirtschaftlichkeit im Machtbereich der einzelnen Hausfrau, die damit geradezu zur Trägerin des Planes wird, Deutschland die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Aufschwunges zu geben. Innerhalb der einzelnen Haushaltungen gibt es Dinge, deren Wert im einzelnen vielleicht gering ist, die aber in Millionen deutscher Haushaltungen gesammelt immerhin ein Objekt von vielen Millionen Mark
Ein neues Goeihe-Bilbnis.
Aus Lavaters Miniaturensammlung.
Die Goetheforschung hat sich in den letzten Jahren so sehr jeder Einzelheit im Leben des Dichters bemächtigt, daß das Auftauchen eines bisher unbekannten Goethebildniffes fast um gläubiges Staunen Hervorrufen muß. Und doch ist Hans Hildebrandt eine solche Entdeckung gelungen, über die er in dem in der Dieterichschen Verlagsbuchhandlung in Leipzig erschienenen „Goethekalender auf das Jahr 1937' berichtet. Alle Goetheforscher, denen er eine Abbildung des Miniaturporträts zeigte, waren sofort überzeugt, daß es sich hier um ein Bildnis des etwa dreißigjährigen Dichters handelt. Hildebrandt erkannte es als Goetheporträt nicht nur aus der Aehnlichkeit mit anderen Bildnissen aus dem gleichen Zeckab- chnitt, von denen er vor allem die bekannte Blei- tiftzeichnung von G. M. Kraus aus dem Jahre 1777 zum Vergleich heranzieht, sondern was ihm vor allen Dingen diesen Gedanken eingab, war Die Umgebung, in der er das Bild fand, wovon er ebenfalls im Goethekalender erzählt.
Das Bild stammt aus einem kleinen, bisher der Oeffentlichkeit noch nicht zugänglich gewesenen Teil der Lavaterschen Miniatursammlung. Diese Sammlung war so umfangreich, daß das vierbandige m den Jahren 1775—1778 unter dem Titel „Phy- siognomische Fragmente zur Beförderung der Men- chenkenntnis und Menschenliebe" von Lavater veröffentlichte Werk nur einen Bruchteil der Originale wiedergeben konnte.
Ein kleiner Teil jedoch hatte ein eigentümliches Schicksal. Im Jahre 1782 hatte Lavater in Zurich den „Grafen und die Gräfin du Nord" kennen gelernt. Hinter diesem Namen verbarg sich das damalige Großfürsten- und spätere Zarenpaar Paul 1. und Maria Feodorowna. Mit Maria Feodorowna verband Lavater seitdem eine geistige Freundschaft, und im Jahre 1798 verkaufte er ihr jenen Teil feiner Sammlungen. Es waren Aquarelle, Zeichnungen und Stiche, inhaltlich zusammenpassend, auf lauter gleichgroße Blätter säuberlich aufgeklebt, und nach Lavaters Wunsch sollten sie als Wandschmuck dienen, einige Zimmer „wo möglich einzig diesen Kabinettsportionen gewidmet fern. Sntge- aen diesem Wunsche wurde jedoch die Sammlung am Zarenhof in sieben Prachtbänden der Bibliothek einverleibt — vielmehr in ihr eingesargt. Die Blat-
Gießener Gtaditheaier.
IV. Morgenveranstaltung: Kantaten von Eberhard Wolfgang Möller.
Die Theaterleitung hatte für die gestrige vierte Morgenveranstaltung - wohl im Hinblick auf den 9. November, auf die Tage von Langemarck und auf den bevorstehenden Totensonntag — eine Aufführung von Kantaten des jungen Dichters Ebe^ Hard Wolfgang Möller gewählt Moller, der auch als Dramatiker und Erzähler bekannt wurde, erhielt für die in dem schmalen Bande ''Berufung der Zeit" vereinigten Kantaten und Chore Den Nationalen Buchpreis 1934/35. Aus diesem Bunde waren die drei letzten Werke, Bauernkantate „Anruf und Verkündung der Toten und „Die Briefe der Gefallenen", zur Aufführung in der Morgenfeier sinnvoll vereinigt worden. Mit gutem Grunde kann hier von einer Aufführung (nicht von Vortrag oder Vorlesung) gesprochen werden, weil diese Gedichte Möllers bewußt m den Bezirk des Theaters übergreifen, weil sie, hymnisch und chorisch erweitert, gefedert und gestei^er,in der Tat nicht nur zum stillen Lesen und ^onejen aus i°m Buche gedacht sind, font>=rn tn der neuen, lebendigen Gemeinschaftssorm unserer Z | Wiedergabe in einer stilisierten feenW"• WfP“; weise bestimmt sind dergestalt, daß jeweils Einzel- stimme und Chor einander antworten oder wie m „Anruf und Verkündung der Toten , Frager unö Sprecher einander dialogisch gegenubergestellt sind Diese neue Form lyrisch-szenischer ^Aruna hat Möller als stn echter Dichter mit sirengem Formwillen aus der Gesinnung und dem- Erlebnis» dieser Zeit sprachmächtig in visionären Vorstellungen und Bildern gestaltet" So künden mi Stimme und Gegenstimme respondierend und aufnehmend vom Sinn des deutschen Bauernlebens die Kantatenverse.
„Wir sind die Bauern, welche fromm hinter dem Pfluge sind -.
Zum Choral vereinigt:
„Denn wir glauben an die Aecker, an das Korn und an das Brot...
nur an die Hausfrauen, sondern er geht ebenso alle Gaststätten und Betriebskantinen. Auch sie füllen mit der Ausnutzung der Kohlernte die nationale Forderung des Vierjahresplanes.
Ganze Berge von schönem, glattem Weißkraut und Rotkraut türmen sich jetzt auf den Märkten. Für die Hausfrau, die ihren Küchenzettel doch immer der Lage des Marktes anpaffen muß, heißt es in diesen Wochen: Wie kann ich mit allen Kräften Dafür sorgen, daß kein Verlust entsteht und daß mir doch niemand nachsagen kann: „Immer Kohl und immer Kohl — kannst du denn nicht etwas anderes kochen?"
Einmal gibts Krautwickel, am Sonntag einen Eintopf aus Weißkraut. Krautsalat schmeckt auch sehr erfrischend, und manchmal eine kleine Rohkostplatte aus verschiedenen Kohlarten kann nichts schaden. Mit Fisch am Mittwoch und Freitag, mit Hammelfleisch am Sonntag, einmal mit Kumme gewürzt und einmal mit Essig und Del, wer will da noch sagen, das sei langweilig? Die Hausfrau
Und schon hier klingt auch das Kriegserlebms an — „Denn der Acker ist mit Blut gedüngt und
die Saat mit Knochen eingelegt...' —, das die innere Mitte dieses Buches „Berufung der Zeit bildet, um das hier alle dichterische Gestaltung kreist und sich in den beiden letzten Kantaten zu großartigen und erschütternden Bildern verdichtet und steigert. Der Eindruck Versuches wird, gerade was das Kriegserlebnis angeht, entschieden dadurch vertieft, daß dieses Erlebnis von einem jungen Menschen der späteren Generation gestaltet wird der bei Kriegsausbruch noch ein Kind war; es ist kein Zweifel, daß nur eine gültige dichterische Gestaltung hier bestehen und berufen sein konnte: etwa zur Aufrichtung so groß gesehener Bilder, wie sie der „Sprecher" im „Anruf" mit der Vision des von allen Schlachtfeldern der Welt auferstandenen Totenzuges Der Armee beschwört.
bemerkbar macht. Es ist Deshalb heute Doppelt not- roenDig, Daß jeDem Einzelnen Dieses Geschehen anhand Des anschaulichen Materials Der Ausstellung eingehämmert wird. Alle Deutschen Menschen müssen Diesen Kampf auf Leben unD ToD, Den Der Bolschewismus Der ganzen Welt aufzwingt, erfassen.
Die Ausstellung war währenD der beiDen Tage fast stets überfüllt. Die NS.-Kriegsopferversorgung, Das Amt für Handwerk und HanDel unD eine große Anzahl von Betrieben fanDen sich geschloffen ein. Bis zum späten Nachmittag wurden bereits 5000 Besucher gezählt.
Laßt die reichliche Kohlernte nicht verderben!
DNB. Die Kohlernte ist in diesem Jahr bekanntlich sehr gut ausgefallen. Der Preis ist infolgedessen niedrig. Die Hausfrauen werden nochmals darauf aufmerksam gemacht, in diesen Wochen, solange der Herbstkohl noch auf dem Markt ist, möglichst viele Kohlgerichte zu kochen, Damit Die reichen Mengen dieses gesunden Nahrungsmittels nicht verderben, sondern für die Ernährung nutzbar gemacht werden. Dieser Appell richtet sich aber nicht
Iahnenausmarsch.
Die Musik wird ausgesührl von dem SA.-Alusikzug 116, Leitung Vlusikzugsührer Herrmann. Die Lieder werden gesungen vom SA.-Sturm 16/21116, Leitung


