Nr. 263 Erstes Matt
186. Jahrgang
Montag, 9. November 1636
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Feiertag des Sieges und der Auferstehung.
Das deutsche Volk gedenkt der ersten Blutzeugen der nationalsozialistischen Bewegung.
Deutschland erwache!
Das Sturmlied Dietrich Eckarts, des Sehers des Dritten Reiches.
Sturm, Sturm, Sturm, Sturm, Sturm, Sturmi Läuten die Glocken von Turm zu Turm, Läuten, daß Funken zu sprühen beginnen.
Judas erscheint, das Reich zu gewinnen. Läuten, daß blutig die Seile sich röten, Rings lauter Brennen und Martern und Töten. Läuten Sturm, daß die Erde sich bäumt.
Unter dem Donner der rettenden Rache:
Wehe dem Volk, das heute noch träumt — Deutschland erwache, erwache!
Sturm, Sturm, Sturm, Sturm, Sturm, Sturm! Läuten die Glocken von Turm zu Turm!
Läutet die Männer, die Greise, die Buben, Läutet die Schläfer aus ihren Stuben, Läutet die Mädchen hinunter die Stiegen, Läutet die Mütter hinweg von den Wiegen! Dröhnen soll sie und gellen, die Lust, Rasen, Rasen in Donner der Rache!
Läutet die Toten aus ihrer Gruft. — Deutschland erwache, erwache!
Des Führers Entschluß zur Tat.
Von Karl Richard Ganzer.
In seinem Bündchen „9. November 1 9 23" gibt Karl Richard Ganzer, ein Historiker der jungen Generation, eine Darstellung der ersten nationalsozialistischen Erhebung, die durch Verrat vorzeitig scheiterte und im Blute der Ermordeten vor der Münchener Feldherrnhalle erstickt wurde. Wir entnehmen diesem in der »Lungen Reihe" des Albert Langen/Georg Müller Verlages in München erschienenen Büchlein den nachstehenden Auszug.
Im bayerischen Generalstaatskommissariat ist ein ständiges Kommen und Gehen, Wochen hindurch. Zwar hat der Mann, der hier nach seinen eigenen Worten als „Statthalter der Monarchie" herrscht, noch keine allzu großen Taten vollbracht. Mit einer scharfen Erklärung für einen „Rechtskurs" hatte er fein Amt begonnen. Dann waren einige Verbote marxistischer Blätter erfolgt und einige Ostjuden ausgewiesen worden. Danach aber schien es, als ob sich alle vielversprochene Tatkraft in banalen Verordnungen über Bierpreise, Milch- und Butterpreise totliefe. Und dennoch sahen manche deutschen Patrioten in Kahr den „neuen Bismarck". Rur Adolf Hitler lehrte es anders: „Kahr hatte auf mich den Eindruck gemacht, daß er ein ehrenhafter Beamter sei, aber damit war es Schluß".
Wer sah noch so tief? Sie kamen in Hellen Haufen, die Führer kleiner und kleinster Verbände, und stellten sich hinter Kahr. Sie kamen alle, die ausgewiesenen Nationalisten und Putschisten der rotbeherrschten Staaten, erhielten in Bayern ihren Paß, pfiffen auf das Republikschutzgesetz und verkündeten in lautem Dank den Ruhm ihres bayerischen Beschützers. Sie gaben einander die Tür in die Hand, alle die Herren, die in gewichtigen Aktentaschen Pläne trugen, wie man Deutschland retten könnte — mit Gewalt oder mit der Macht der Industrie oder mit der Macht der Landwirtschaft. Und alle, alle hörten sie in den Amtsstuben des Generalstaatskommissariats die Wahrheit, die doch schon lange durch alle Gassen Bayerns trommelte, daß man das rote Berlin ausschalten müsse von allen Zentren der Macht. Hitler hatte als erster diese Lehre gepredigt, die nunmehr so geläufig geworden war. Aber der oberste bayerische Staatsmann hatte sie ausgenommen, um f ü r s ich allein die Führung in dem Kampf gegen Berlin zu beanspruchen. m
Hitler und Kahr lehrten den Kampf gegen Berlin — aber Hitler hörte hinter Kahrs Worten m Argwohn und Zorn und beklemmender Sorge noch etwas anderes raunen: daß hier das Steuer auf einen „Kampf gegen Berlin ohne leoe Einschränkung" gerichtet war: daß „der Kamps K Berlin, wie Dr. Kahr ihn fuhrt, em 23er»
, n ist, außer man ist entschlossen, den Kampf von der ersten Minute an d e r n a 11 o n a l e n C r- Hebung e i n z u g l i e d e r n". Sie alle, die als gläubige Nationalisten nach München gekommen waren, weil hier die schwarzweißrote Fahne ungehindert wehte, ahnten von der separatistischen Möglichkeit, die sich da und dort hinter dem patriotischen Umtrieb verbarg, nichts.
Kahr stützte sich außer auf bte ihm ergebenden nationalen Verbände auf die bayerische Reichswehr unter dem General v. Lossow und aus die bayerische Landespolizei unter dem Oberst o et fee r. Immer wieder hatten in den entscheidenden Wochen vor dem 9. November Besprechungen zwischen dieser Gruppe einerseits und dem argwöhnisch beobachtenden „Deutschen Kampfbund unter 2IDolf Hitler anderseits stattgefunden. Sie alle hatten tue Möglichkeit eines Unternehmens gegen iBerhn erörtert, und immer wieder war in den grundsätzlichen Meinungen über die Notwendigkeit einer solchen Tat volle Uebereinftimmung erzielt worden. Immer aber hatte sich auch gezeigt, daß die Ansichten über die Mittel und die eigentlichen Ziele einer solchen Tat nicht völlig gemeinsame Wege liefen. Aber die wichtigste öiefer Unterredungen, die
vom 6. November, als der Konflikt zwischen Kahr und der Reichsregierung seinem Höhepunkt zueilte, berichtete der Führer im Hitler-Prozeß.
„Ich habe damals folgenden Gesamteindruck erhalten: Kahr, Lossow und Seißer konnten nicht mehr zurück, sie werden sich schlagen oder kapitulieren müssen ... Lossow erklärte am 6. November: „Ich bin unter gewissen Voraussetzungen zum Staatsstreich bereit ..." Wir mußten aber der Ueberzeugung fein, daß die Herren nur auf einen A n st o ß warteten. Wir waren also überzeugt: hier wird nur gehandelt, wenn zum Wollen die Tat kommt. Wird andererseits die Sache hinausgeschoben, dann könnte die Sache zu ungünstiger Zeit abrollen, weil sich unsere Leute nicht mehr zurückhalten lassen. Dazu kam, daß Scheub- ner mir mitteilte, Lossow habe sich geäußert, wenn jetzt der Norden nicht selbst losschlägt, ist die Separation unvermeidlich ... Darum schien mir die Lage so: Wenn der Norden Anstoß gibt, ist die Sache gut. Wenn er das nicht tut, dann kommt vielleicht der Anstoß von einer anderen Seite, die die Dinge in ein anderes Wasser hineinfließen läßt. Es blieb daher nur die einzige Möglichkeit, selber den Anstoß zu geben ..."
Daß ein Kampf mit dem marxistischen Berlin unvermeidlich sei, war damals die eisenharte Ueberzeugung des gesamten oppositionellen Deutschlands, ob es nun um Kahr oder um Hitler oder um norddeutsche Führer geschart war. Aber allein Adolf Hitler zog die klaren Folgerungen. Der Aufstand, den er zur Säuberung des Reichs zu unternehmen entschlossen war, mußte zugleich die drohenden Versuche niederschlagen, ein Unterneh-
München, 8. Nov. (DNB.) Zum vierten Male seit dem Siege der nationalsozialistischen Bewegung ist die alte Garde des Führers in den Abendstunden des 8. November im Bürgerbräukeller zum Erinnerungstreffen versammelt. Wieder sitzen sie hier beisammen, die vor 13 Jahren wie heute noch mit ihrem Führer bereit waren, ihr Leben für die Wiedererstehung und Befreiung des Vaterlandes ein- Husetzen. Ohne Rangabzeichen, im einfachen Braunhemd der Kampfzeit treffen sie sich hier wieder, die Männer, denen man ansieht, daß sie ihr ganzes Leben lang nur Kämpfer waren, Kämpfer für Deutschland, Kämpfer für die nationalsozialistische Idee und ihren Führer. Sie sind inzwischen älter und grauer geworden, aber mit den Jahren ist auch ihre Treue und ihre Begeisterung für die Idee, die sie einst als einzige einem ganzen Volk vorantrugen, gewachsen. Zwischen dem einheitlichen braunen Bild sieht man wieder das Feldgrau von Angehörigen der Wehrmacht, das rote Band des Blutordens an ihren Uniformröcken. In dieser Stunde das sichtbare Zeichen der Zusammengehörigkeit der braunen Soldaten des Führers mit der deutschen Wehrmacht.
Schon lange vor 19 Uhr ist der große Saal des Bürgerbräukellers mit feinen Galerien bis zum letzten Platz gefüllt. Musik- und Spielmannszug der Leibstandarte Adolf Hitler fpielen unter Obermusikmeister Müller-John die alten Lieder und Märsche der Bewegung. Jubel und Heilrufe klingen immer wieder auf, wenn bekannte Männer Der Bewegung den Saal betreten und bei ihren Kameraden Platz nehmen. Da sitzen die führenden Männer der Bewegung unter ihren alten Kampfgefährten vom 9. November. Man sieht Viktor Lutze, den Frankenführer Julius Streicher, Heinrich Himmler, Alfred Rosenberg, Dr Frick, General Ritter von Epp, die Reichsleiter Bouhler, Amann und Buch sowie die Reichsminister Dr. Goebbels und Dr. Frank, den Korpsführer Hühnlein, dann alte Münchener Kämpfer wie Chrifttan Weber, Fiehler, B e r ch t o l d und Maurice. In den Reihen der alten Garde sieht man auch Schwester Pia in ihrer Tracht, die einzige Frau, der der Führer den Blutorden verliehen hat. Auf der Galerie find viele Ehrenplätze den Hinterbliebenen der 16 Ermordeten des 9. November 1923 Vorbehalten. — Außer den Teilnehmern am Marsch vom 9. November 1923 find im Bürgerbräukeller versammelt die Reichs- und Gauleiter der NSDAP., die Obergruppenführer und Gruppenführer der SA., SS. und des NSKK., die Obergebietsführer und Gebietsführer der HI., die Hauptdienstleiter der Reichsleitung und die Arbeitsgauführer des Reichsarbeitsdienstes.
Wenige Minuten nach 20 Uhr erklingt der Präsentiermarsch: Die alte Garde grüßt mit erhobener Rechten ihre Fahne, die Blutfahne vom 9. November, die wieder von einem der Ihren, dem Sturmbannführer Grimminger, getragen wird. Nach einigen Minuten erwartungsvoller Spannung braust ein einziger Hellruf, der fick immer wieder erneuert, in den Saal: Der Führer ist gekommen! Vor dem Eingang zum Bürgerbräukeller melden ihm sein Adjutant Obergruppenführer Brückner, als der Führer des Regiments München aus dem Jahre 1923, und Brigadeführer Berchtold, der ehemalige Führer des Stoßtrupps Hitler, die alten Kämpfer. Dann betritt der
men zur Lockerung des Reichs in die Wege zu leiten.
Schon in den ersten Novembertagen hatte eine Besprechung in der Wohnung von Dr. von Scheub- ner-Richter ftattgefunöen. Hierbei stellte Adolf Hitler, einer Anregung Rosenbergs folgend, zunächst in Aussicht, die Aktion gelegentlich einer Parade vor dem bayerischen Kronprinzen in der Marstall- straße vorzunehmen. Starke Polizeiaufgebote haben es aber verhindert, den Plan durchzuführen.
Am 7. November ruft dann Adolf Hitler zwei seiner wichtigsten Unterführer, darunter den militärischen Leiter des Kampfbundes, Oberstleutnant Knebel, zu sich, und beschließt endgültig mit ihnen, in der bedrängten Lage den Anstoß zu d e r Lösung zu geben, die im gesamtdeutschen Interesse liegt. Knebel erklärte späjer: „Es handelt sich darum, den drei Zauderern die Tür aufzumachen. Wir wollten den drei Leuten, die am Sprungbrett standen, einen kleinen Stubbs geben, damit sie ins Wasser sprangen, das ihnen zu kalt erschien."
In großen Zügen wird an diesem 7. November die Planung des Unternehmens durchgesprochen; die militärischen Vorbereitungen werden festgelegt; an die Unterführer des Kampfbundes gehen Mobilisierungsbefehle für die Verbände hinaus, ohne daß diese freilich schon wissen, wofür sie aufgeboten werden sollen. Als Zeitpunkt für das Unternehmen wird der 8. November bestimmt.
Am 8. November jährt sich zum fünften Mal der Tag, an dem die Revolte der Schande über Deutschland hereinbrach: das ist ein Omen, das zur Verpflichtung werden kann. An diesem Tage müssen die Worte sich endlich zur Tat wandeln. Unerschütterlich ist Adolf Hitlers Entschluß.
Führer, gefolgt von feinem Stellvertreter Rudolf Heß, von Brückner, Schaub, Graf und Berchtold den Saal. Seine alten Kampfgefährten sind auf die Stühle gesprungen und jubeln ihm minutenlang zu. Nur mühsam kann er sich feinen Weg zum Rednerpult bahnen und immer wieder muß er nach allen Seiten die Hände seiner alten Kameraden schütteln. Dann gebietet Christian Weber Ruhe. Aber erst nach Minuten verebbt die freudige Erregung, um erneut anzuschwellen, als Weber verkündet: Der Führer spricht!
Der Führer spricht!
Parteigenossen! Wieder treffen wir uns zur Erinnerung an unseren er st en großen Revolutionsversuch in diesem Saal, der uns heute so klein vorkommt und der damals für uns so groß war. Wieder sind wir beisammen alle die alten Gesichter von einst, um die Empfindungen auszutauschen und wachzurufen, die uns an jenem Tage bewegten, die uns auch heute noch erfüllen müssen, und die, wie ich glaube, die nationalsozialistische Bewegung immer mehr erfüllen werden. Es gibt viele Tage in der Geschichte unserer Bewegung, die es verdienen, der Erinnerung erhalten zu werden. Aber es gibt kaum einen Tag dieser Geschichte, der es mehr verdient für immer ein Feiertag der Bewegung zu fein, als dieser Novembertag von damals. Ein Tag der Trauer, aber trotzdem einst ein Tag der größten Hoffnung, heute und für alle Zukunft ein Tag der teueren Erinnerung.
Daß wir Nationalsozialisten dem damaligen Staat unsere Todfeindschaft angesagt hatten, war die Ursache unserer Entstehung. Wir sind nicht eine Partei gewesen, und sind es heute nicht wie so viele andere, die vor uns entstanden sind und es ohne uns auch heute noch fein würden. Als im Jahre 1919 diese Bewegung gegründet wurde, da war sie der schärf st e P r o t e st gegen einen Zustand, den die meisten Menschen als unabänderlich hinzunehmen sich gewöhnt hatten. Einen Zustand, der selbst durch eine Revolution als Ausklang des gewaltigen Weltgeschehens entstanden war. Es war der fanatische Entschluß der jungen Partei, diesen Zu st and wieder zu beseitigen, und ein neues Deutschland aufzubauen. Das war sicherlich in den Augen vieler ein fast irrsinniger Entschluß. Es gibt keinen Zweifel, daß damals sicher nicht 51 v. H. der Wahrscheinlichkeit des Gelingens auf unserer Seite standen, sondern 99 solcher Prozente auf der Seite unserer Gegner. (Stürmische Zustimmung.)
Als wir im November 1923 nun zum ersten Male handeln wollten, da hatten wir schon eine lange Geschichte von Putschvorbereitungen hinter uns. Ich kann es ganz ruhig eingestehen, daß ich von 1919 bis 1923 überhaupt an nichts anderes dachte als an einen Staatsstreich. (Tosender Beifall.) Ich war mir darüber im klaren, daß das deutsche Schicksal nur durch tatkräftige Menschen gewendet werden konnte, und ich wußte, daß wir solche Menschen nur bekommen würden, tvenn w i r selbst vorbildlich, beispielgebend voran marschierten. Es muhte ein Z ei tatter der Tat
kraft und Entschlossenheit wieder kommen! Aber wie konnte man Menschen der Tat anders finden, als durch die Tat? So haben wir damals also gehandelt!
Und trotzdem wir unterlegen sind, war dieser Versuch, das deutsche Schicksal zu wenden, eine unbedingte Notwendigkeit, denn man konnte nicht vier Jahre lang von Revolution sprechen, um endlich am entscheidenden Tag an der Revolution vorbeizugehen, wie es die „nationalen Verbände" taten. Durch Gewalt war das damalige Regime gekommen und durch Gewalt mußte es auch wieder beseitigt werden.
Als sich die Partei stark genug glaubte, diesen Weg beschreiten zu können, da habe ich das Signal gegeben. Wir sind unterlegen. Das entscheidende aber war: Millionen von Deutschen haben damals gesehen und erkannt, daß es in Deutschland eine Bewegung gibt, die auch nicht davor zurückschreckt, unser inneres deutsches Schicksal mit Blut zu wenden!
Und zweitens: diese Bewegung hatte ein neues Symbol in die Nation getragen, eine neue Fahne. So etwas setzt sich nicht mit Vereinsreden durch. Diese neue Fahne mußte ihre Weihe empfangen durch eine heroische Tat. Und damals gab es keine andere Tat als den Versuch, den Staat der Meuterer durch eine neue Meuterei zu stürzen.
Sachlich sind wir dabei unterlegen. Moralisch aber haben wir damals gesiegt. Das hat sich auch sofort gezeigt. Die Partei ist nicht kleiner geworden, sondern im Gegenteil: sie ist erst nach dem 9. N o- oember 1923 unerhört gewachsen. Das deutsche Volk hat sich seitdem mit Recht zu der Bewegung bekannt, die den Mut hatte, in der kritischen Stunde zu handeln.
So haben wir damals die Tat verloren, aber letzten Endes das deutsche Volk gewonnen. Die Partei, die die ersten 16 Tote verlor, hatte sich das heilige Anrecht geschaffen, dereinst die deutsche Führung zu übernehmen. Aus den damaligen Opfern ging die lange Reihe der Märtyrer hervor, aus dieser langen Reihe der Märtyrer, der Verwundeten und Verletzten, ging hervor der große fanatische Glaube an die Bewegung. Und daraus wird in der Zukunft hervorgehen ein unerhörter Opferwille für das Reich, das diese Bewegung nun geschaffen hat.
Wir feiern nicht umsonst Den Tod dieser 16. Vielleicht werden manche sagen: „Ja, es sind doch i m Felde 2 Millionen gefallen. Warum machen sie gerade von diesen 16 so viel Aufhebens?" Weil die 2 Millionen fielen getreu einem Befehl, der ihnen gegeben wurde, uizd weil die 16 gefallen sind, getreu dem Befehl ihres eigenen Herzens für eine neue Idee! Diese Männer sind auch alle im Felde gewesen. Und sie waren alle, wie jeder andere, ebenso bereit gewesen, auch dort dieses letzte Opfer zu bringen. Aber der Befehl, sofort den Kampf in der Heimat wieder aufzunehmen für ein neues Reich, für ein neues Ideal, wurde ihnen weder von einem obersten Kriegsherrn noch von einem sonstigen Vorgesetzten gegeben, diesen Befehl gab ihnen nur i h r eigenes Sero i f f e n. Das hat sie zu mir geführt. Ich konnte niemanden zwingen, ich konnte keinem befehlen. Sie sind aus der Stimme ihres eigenen Herzens heraus gekommen, sie haben ihrem inneren Befehl gehorcht und dafür das schwere Opfer gebracht. Das war aber praktisch Die Geburt eines neuen Staates, eines neuen Reiches.
Nach dem 9. November 1923 war es klar, daß der Staat mit Gewalt nicht mehr zu stürzen war. Man hatte es versucht, es war nicht gelungen. Jetzt konnte man der Bewegung eine neue Anweisung geben, nämlich d i e der legalen Eroberung der Macht, um so die endgültige Revolution vorzubereiten. Und das wurde auch verstanden. Darum habe ich für die Sturmabteilungen nun erst recht unzählige Tausende tapferer Männer bekommen. Sie kamen in der Ueberzeugung, daß wir auch nicht davor zurückschrecken roüroen, den Weg der Gewalt zu gehen, wenn es einen anderen Weg nicht gab. Der Verzicht auf alle Versuche, diesen Staat mit Gewalt zu stürzen, war für mich selbst Damals ein nicht leichter Entschluß. Als ich die neue Bewegung gründete, habe ich den ersten Entschluß gefaßt. Und ein ganz schwerer Entschluß war es für mich, die bayerische Regierung gefangen zu nehmen, und in Deutschland eine nationale Revolution auszurufen. Zum ersten Male mußte man entscheiden über Leben und Tod, ohne selbst einen Befehl bekommen zu haben. Und ich glaube, Das war auch gut; Denn ich habe in Den letzten 3XA Jahren sehr schwere Entschlüsse fassen müssen, in Denen manchesmal Das Schicksal Der ganzen Nation auf dem Spiele stand. Ich habe dabei leider niemals die berühmten 51 v. H. Sicherheit gehabt. Man hatte oft 95 v. Wahrscheinlichkeit des Mißlingens und nur 5 v. H. des Gelingens. Vielleicht aber hat es mir dieser 8. November 1923 erleichtert, auch später gefahrvolle Entschlüsse zu treffen. Außerdem wurde nur dieser Damalige Entschluß zu einer großen Lebr« für die Zukunft.
Wir erkannten, daß es nicht genügt, den alten Staat zu stürzen, sondern daß dec neue Staat zuvor praktisch bereits auf*
Ser Führer bei seiner alten Sarde.
Oie historische Gedenkfeier im Münchener Bürgerbräu-Kelter.


