Ausgabe 
9.9.1936
 
Einzelbild herunterladen

Nr.2tt Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Mittwoch, 9. September 1936

Vitamine als Arzneimittel.

Don Dr. med. et Phil. Gerhard Venzmer.

Der berühmte schwäbische Arzt Theophrastus Paracelsus von Hohenheim, der in der ersten Halste des 16. Jahrhunderts wirkte, hat einmal den seherischen Ausspruch getan:Unsere Nahrungs­mittel müssen Heilmittel, unsere Heilmittel Nah­rungsmittel sein"; und wie so manche Forderungen der alten Medizin heute ihre Erfüllung finden, so hat auch dieses Wort durch die Ergebnisse der neu­zeitlichen Lebensforschung ungeahnte Bestätigung erfahren. Die Wissenschaft hat in der Tat Stoffe: dieVitamine", entdeckt, die in unseren Nahrungs­mitteln enthalten und in winzigen Mengen als Regler wichtiger Organtätigkeiten geradezu unent­behrlich für den regelrechten Ablauf der Lebens­vorgänge sind, so daß ihr Mangel, wie er bei ein­seitiger und unzweckmäßiger Ernährung eintritt, zur Ursache schwerster Gesundheitsschädigungen wer­den kann. Die Vitaminforschung der letzten Jahre ist denn auch eifrig bestrebt gewesen, weiter in das Geheimnis dieserLebensstoffe" einzudringen; und im besonderen der deutschen Forschung ist es ge­lungen, Wege zu weisen, auf denen es möglich wurde, die für den Menschen wichtigsten Vitamine in reiner Form herzustellen und sie so der Heil­wissenschaft als genau abteilbare Arzneimittel zu­zugänglich zu machen.

Als die wichtigsten dieser Vitamine entdeckt wur­den, war man sich über ihre Natur noch völlig im Unklaren; sie erhielten daher, da man sonst nichts über sie auszusagen wußte, die alphabetischen Be­zeichnungen A, B, C, D usw.; und diese Benennun­gen haben sie bis heute beibehalten. Eine Reihe von ihnen hat für die Vorbeugung und Behandlung der verschiedensten Krankheiten schon große prak­tische Bedeutung gewonnen, wie es in meinem BüchleinGesund durch Vitamine" (Franckhsche Verlaashandlung, Stuttgart) im einzelnen geschil­dert ist. Hier mögen einige Beispiele herausgegriffen werden. Besonders wichtig für die Heilkunde sind das Vitamin A, das für das Wachstum des Kör­pers sowie für die Unversehrheit gewisser bedeckender Zellgruppen (der sog.Epithelien") unentbehrlich ist; ferner die Vitamine der B-Gruppe, die eines­teils das regelrechte Arbeiten des Nervensystems verbürgen, andererseits gewissen Erkrankungen der Haut entgegenwirken; weiter das den früher so gefürchteten Skorbut verhindernde Vitamin C und schließlich das die Rachitis verhütende Vitamin D.

Abgesehen von dem zuletzt genannten Leiden ist die Mehrzahl derMangelkrankheiten", die beim Fehlen dieser Vitamine auftreten, glücklickerweise mehr oder weniger auf fremde Länder beschränkt; die Englische Krankheit oder Rachitis aber ist auch bei uns eine Dolkskrankheit in des Wortes schlimm­stem Sinne. Besonders in den licht- und sonnen­armen Vierteln der Großstädte ist das heimtückische Leiden unter der wirtschaftlich weniger gut ge­stellten Bevölkerung zu Hause und sucht sich dort hauptsächlich unter den Kindern vom 3. und 4. Lebensmonat bis etwa zum 4. Lebensjahr seine Opfer. Haupterscheinung der Krankheit ist die Störung in der Umwandlung des unfertigen, weichen, in fertiges, festes Knochengewebe. Infolge­dessen kommt es zu Verkrümmungen der Knochen, zu Auftreibungen der weich gebliebenen Knochen­enden, Blutarmut, Kramptsucht und erhöhter An­fälligkeit für Katarrhe und Ansteckungskrankheiten, zumal für die gefürchtete Tuberkulose. Eltern, deren Kleinkinder bei allgemeiner Unruhe, mangelndem Appetit uttd schlechtem Schlaf gern den Kopf auf den Kissen reiben, schwitzen, bei Berührungen, zu­mal an der Brust, schreien und von Durchfallen und Katarrhen geplagt werden, sollten daher nicht zögern, den Arzt zu befragen.

Dieser vermag dann durch die Verordnung des

Aus Natur und Technik.

v-Wtanuns in welcher Form auch immer, sowie durch Umstellung des kleinen Patienten auf zweck- dienllche Lebensweise,, der Krankheit gewöhnlich bald ihre Schrecken zu nehmen; und so darf gerade im Hinblick auf die verhängnisvolle Ausbreitung der Englischen Krankheit die Reinherstellung dieses Heilstoffes, der mit vollem Rechtantirachitisches Vitamin genannt wird, als eine der segensreichsten Taten der modernen medizinischen Forschung anae- sehen werden. 9

Aber auch mit den übrigen Vitaminen werden schon sehr beachtliche Heilerfolge erzielt. So sieht man heute manche Formen von Augenkrankheiten der Kindern,rote Augen", hartnäckige Bindehaut­katarrhe usw., als Folge eines Mangels an Vita­min A an; ebenso die Neigung mancher Kinder zu immerwährenden katarrhalischen Erkrankungen der Atemwege, zu Rachen- und Luftröhrenkatarrhen, rotem Hals" und bergt Auf solche Erscheinungen wirkt denn auch, zumal wenn sie immer wieder­kehren, die Behandlung mit dem A-Vitamin günstig ein; ebenso werden der Ernährungszustand, das Körperwachstum und die allgemeine Widerstands­kraft gegen Ansteckungskrankheiten gehoben.

*

Vitamin B, das aus Hefe hergestellt und gegen Furukulose usw. angewandt wird, scheint sich auch gegen gewisse Formen der Nervenentzündung (Neu­ritis) zu bewähren. Vitamin C wirkt gegen alle Formen des Skorbuts und seine Vorläufer, gegen die sog.Frühjahrsmüdigkeit", die mit Schlapp­heit, leichter Ermüdbarkeit, Glieder- und Schien­beinschmerzen und zuweilen auch Zahnfleischblutun­gen einhergeht, sowie gegen gewisse Nährschäden

der Säuglinge, wie sie bei künstlicher Aufzucht mit hochsterilisierter und dadurch vitaminarmer Milch sowie Milchpräparaten usw. auftritt.

Das OVitamin hat neuerdings auch noch dadurch von sich reden gemacht, daß es sich als ausgezeich­netes Mittel gegen innere Blutungen (z. B. des Magens, Darmes, der Lunge) erwies und sogar bei der gefürchteten, der ärztlichen Kunst bisher nahezu unzugänglichen Bluter-Krankheit nicht ver­sagte. Auch bei der Abwehr von Ansteckungskrank­heiten scheint das Vitamin C eine wichtige Rolle zu spielen; so wurde neuerdings festgestellt, daß der d-Stoff die Lebenskraft und Giftigkeit z. B. von Diphtherie-Bazillen merklich herabsetzt.

*

Vitamin D, das (zusammen mit dem A-Stoff) den wirksamen Bestandteil des seit uralten Zeiten wegen seiner Heilkraft geschätzten Lebertranes bil­det, hat sich nicht nur, wie oben erwähnt, bei allen Formen der Rachitis glänzend bewährt, sondern auch bei mannigfaltigen weiteren Störungen des Knochen- und Kalkstoffwechsels, lieber weitere Vita­mine, so z. B. das E, sind die Forschungen noch in vollem Gange; dasFortpflanzungsvitamin" E scheint sich bei Neigung zu Frühgeburten und in manchen Fällen von Unfruchtbarkeit der Frau zu bewähren.

Die Beispiele zeigen, daß den Vitaminen heute als wirksamen Arzneimitteln schon beachtliche Be­deutung zukommt; und ganz besondere Aufmerk­samkeit verdienen die Ergebnisse der Vitamin­forschung, wie wir gesehen haben, im Hinblick auf die Gesundheit, Lebenskraft und Widerftandsfähig- | keit der werdenden und der kommenden Generation.

Hundert Lahre Drahtförderseil.

Eine grundlegende deutsche Erfindung.

Was gibt esAeues m derTechnik?

Wie funkt der Zeppelin-

Für die Funker des neuen Luftschiffs LZ 129 muß es ein eigenartiges Erlebnis gewesen sein, als sie bei den ersten Probefl^rten auf drahtlosem Wege mit fernen Stationen in Verbindung treten konnten. Als das Schiff über Bad Tölz kreuzte, konnten amerikanische Küstenstationen erreicht und zur Antwort veranlaßt werden. Auf Kurzwellen wurden am Tage mehr als 7000 km überbrückt, ein Beweis für die Brauchbarkeit der Funkan­anlagen. Allerdings hängt von ihrer Betriebs- fähigkeit auch das Schicksal des Schiffes und seiner Besatzung ab. Denn es wird ja nicht nur gefunkt, um in alle Welt hinaus Grüße zu senden, sondern die Hauptaufgabe der Funker ist die ständige Ueberwachung des Wetters und die Durchführung der Navigation. Außer dem Kurzwellensender hat LZ 129 auch einen Langwellensender (575 bis 2700 Meter Wellenlänge) an Bord. Als Antenne dient ein frei herabhängender Draht, der von einer Mo­torwinde ein- und ausgefahren wird. Die Sende- und Empfangsreinrichtung ist für den Gegensprech- betrieb ausgebildet, in der Art, daß sich der eenber beim Besprechen bes Mikrophons selbsttätig ein­schaltet. Wirb bie Besprechung kurz unterbrochen, schaltet sich ber Senber wieder aus, damit man die Antwort entgegennehmen kann. Der Kurzwellen­sender arbeitet auf Welle 17 bis 70 m.

An Empfängern beherbergt der Zeppelin natur- lich mehrere Ausführungen, um alle Stationen von Kurzwellen bis zu den längsten Wellen empfangen zu können. Für die Versorgung aller Funkgeräte ist an Bord eine besondere elektrische Zentrale er­richtet, die auch für die Küchen den Heizstrom liefert. Ferner werden von hier aus bie Navlga- tionseinrichtungen versorgt. Mit ihnen werben Stanbortbestimmungen bes Schiffes unb ber Kurs ber Fahrt festgelegt. Zielflug- unb Peilgeräte ge­hören also auch zu ben Sicherungseinrichtungen bcs Schiffes. Die Zielfahrtempfänger treten nur bei

Eine geniale beutfche Erfinbung kann in biefern Jahre ihr 100jähriges Jubiläum feiern: bas Drahtförderseil wurde damals in die deutsche Bergtechnik eingeführt. Aber nicht nur der Stein­kohlen-, Kali- und Erzbergbau haben aus diesem Meisterstück des Erfindergeistes erhebliche Nutzen gezogen, sondern alle Industrien, in denen Personen und Materialien zu transportieren sind. Die Einfin- duna ging von dem Schachtförderwesen aus. Die schwierige Aufgabe, Materialien zu heben, wurde im antiken Bergbau durch Sklaven gelöst, die meist angebunden auf Balken im Schacht saßen und sie von Hand zu Hand beförderten; es werden jedoch von römischen Schriftstellern auch schon Hebebäume zum Emporwinden erwähnt.Fördermaschinen" im eigentlichen Sinne waren als erste die sogenannten Pferdegöpel; wahrscheinlich ist der erste mit Wasser betriebene Göpel im 16. Jahrhundert ein­geführt worden. Mit den Seilen, die hierzu ge­braucht wurden, sind verschiedene Versuche gemacht worden, ehe man zu der heutigen Form kam. Schon die alten Aegypter haben Seile aus Hanf gefloch­ten, aber diese Hanfseile hatten einen schnellen Verschleiß, so daß sie später durch Ketten ersetzt wurden. Dann gab es Band- und Flachseile, deren Fasern von Hanf oder Aloe gedreht wurden, und solche finden sich sogar heute noch im belgischen und französischen Bergbau. Versuche mit Lederseilen schlugen überall fehl. Dann nahm man geteerte Hanfseile, die für Harzer Gruben aus Dänemark bezogen wurden, man nahm auch die Versuche mit Kettenseilen wieder auf, die sich aber ihres großen Gewichts wegen als unbrauchbar erwiesen, so daß man immer wieder zu den Hanfseilen zurückkehren mußte. Bei diesen war aber der Verschleiß in Teu­fen von 500 Meter, in die der Bergbau mit der Zeit Vordringen mußte, so groß, daß die ganze Bergwerksunternehmung in ihrer Wirtschaftlichkeit gefährdet wurde.

In diesem Stadium brachte die deutsche Erfin­dung, die nach jahrelangen Versuchen gelang, vor einem Jahrhundert die Rettung. Dem Bergmeister Albert gelang es, wie in der LeipzigerJllu- ftrirten Zeitung" erzählt wird, zusammen mit eini­gen Werkmeistern, ein Drahtseil aus Eisendräyten herzustellen, die in gleicher Weise wie Hanfseile zu­sammengedreht wurden und ebenso biegsam und biegfest waren. Das erste Drahtseil wurde in dem 484 Meter tiefen tonlägigen Schacht der Grube Karolina bei Clausthal im Harz aufgelegt. Jetzt konnte man mit Hilfe des Drahtseils und der För­derschale bis zu jeder gewünschten Tiefe hinabgleiten. Welche Leistungsfähigkeit durch die Einführung des Drahtseils erzielt worden ist, zeigt die Anlage auf der SteinkohlengrubeKönigsborn" in Westfalen. Hier steht der höchste bisher erstellte Förderturm, der 67 Meter hoch ist, und die größte Förder­maschine der Welt vermag 10 000 Kilogramm aus einer Tiefe von 2600 Meter zu heben. Die Draht­seile sind 44 Millimeter stark und 3000 Meter lang. Die größte Leistungsfähigkeit hinsichtlich der Förder­menge weist Schacht 12 der Zeche Zollverein in Essen auf, der an einem Arbeitstage 12 Millionen Kilogramm aus der Erde heben kann. Solche Lei­stungen find nur durch die Erfindung des Draht­seils möglich geworden, das auch noch für viele andere technische Einrichtungen von ausschlaggeben­der Wichtigkeit ist. Besonders sind es die deutschen Seilschwebebahnen, Personen- wie Lastseil­bahnen, die überall in der Welt verbreitet sind, in den Kordilleren in Höhen von 5000 Meter, in Süd­afrika beim Bau der Tafelbergbahn, in Spanien, Norwegen, Japan, China, Neuseeland arbeiten. Ebenso konnten zahllose Hängebrücken über Flüsse in der ganzen Welt erst durch die deutsche Erfindung des Drahtseils gebaut werden. C. K.

Schlechtwetterlandungen in Tätigkeit und geben der Führung an, in welchem Augenblick die Lande­taue abgeworfen werden können. Die Verständi­gung zwischen dem Luftschiffhafen und dem Schiff erfolgt völlig automatisch durch Zeigerinstrumente. Wenn auch die im LZ 129 eingebauten Geräte das Vollkommenste darstellen, so sind sie nicht neu und unerprobt. Denn ohne die gleichen Hilfsmittel hätteGraf Zeppelin" nicht hundertmal mit fahr­planmäßiger Pünktlichkeit den Ozean überqueren können.

Aussichtswagen bei der Reichsbahn.

Die Schnelltriebwagen der Reichsbahn, die strom­linienförmig verkleideten Lokomotiven und die zweigeschossigen Schnellwagen haben in kurzer Frist unserer Schienenbghn ein neues Gesicht ver­liehen. Eine weitere neuartige Form stellt der für Reisestrecken durch schöne Landschaften vorge­sehene Aussichtswagen dar. Wir haben ihn in diesem Sommer zu sehen bekommen, wenn wir über die elektrischen Strecken des deutschen Südens fuhren. Der neue Triebwagen sieht aus wie ein Gewächshaus", denn nicht nur die Seitenwände, auch die Dächer bestehen aus Glas. In zwei Ab­teilen mit je 36 gepolsterten Sitzplätzen, deren Lehnen in die jeweilige Fahrtrichtung umgeklappt werden können, finden die Reisenden schöne Aus­sichtsplätze vor. Für Heizung und Lüftung ist eben­falls gesorgt. Aehnliche Fahrzeuge sind uns von den großen Reiseomnibussen bekannt. Mit ihnen lassen sich aber die auf Schienen erzielbaren Ge­schwindigkeiten noch nicht erreichen, weil die Halt­barkeit der großen Luftreifen bei langanhaltenden hohen Geschwindigkeiten noch zu wünschen übrig läßt. Auch sind die erforderlichen Dieselmotoren noch nicht betriebssicher genug, um einen festen Fahrplan sicher zu bedienen.

B.

Ailkrokodile.

Von Heinrich Schütz.

Schon die alten Aegypter haben sich mit dem Bewohner ihres Hauptstromes, dem Nllkro ko­tz i l abgegeben. Es wurde sogar mancherorts für beilia gehalten, und die Schriftsteller des Alter- tums erzählen uns, wie die Priester riesige Kroko­dil? in Teühen pflegten, sie zähmten futterten und Dafür von Den Gläubigen Opfergaben emfanv mettemÄitde? un^iger. Jt r o ILo»b H mumien. Die man in Den Höhlengrabern gefunden hat, siyelm es dagegen eine etwas andere Bewandtnis zu ha­ben Cs aab schließlich eine Grenze, wo man Dem WanUmen ber Stabile U-rN"» wenn sie auch als noch so heftig 9 .

meisten späteren Schftderer ihre WuL

Mittelalter hinaus fas s>-okodil-Schauerliteratur, Daneben aber blühte em . . r. auszeichneten, deren Verfassung ö'rofobil gesehen hatten,

daß sie nie. ein lebendiges Krokovil ge^Y .9 Um so weniger wurb lhre Vyamaf ße[5

welche Sachkenntnis in P Menschen immer ber hat Die Sensationsgier Die^^cen,^.^ lieber nach derartigen , Berichten Der Na- als nach den nuchtern-sach> ch ed)t abwägen, turforscher, ^erbun'bertprofS Wer

noch ebensolche Unschuldslämmer S^n^es Raub-

Ein schnEnmges, b überlegen,

fier, dem Menschen °n Kro,t 9 (£jn ^azu wird immer ein <Mes andere als dumm

kommt noch, daß Krokodile aues a sind: das beweist Wo das

das sich ganz den Umst nd^n tur5er Zelt Nilkrokodil verfolgt wir , £5 taum mehr moa-

lo g-riss-n unb ""jl^ubringen. 3m Wasser ,letzt lich ist, einen Schuß anzu » . unb dum uxv man gerade noch feine Nase W 8$ heimlichsten entbehrlichen Sonnenbad i ck , erzfaul daliegt, Plätze aus. Und wenn es nock^l unb einem es schläft immer nur wtt em unh pfeilschnell S& S Ä'b Ii*

Das Gehirn des Krokodils ist zwar klein im Ver­hältnis zur Körpermasse, aber für ein Reptil hoch entwickelt; es erinnert in manchen Zügen stark an ein Vogelgehirn.

Nach langem durstigem Marsch nähert sich eine wandernde Massaihorde dem Seeufer. Die Rinder wittern Das Wasser und drängen brüllend voran, kaum sind sie noch im Schach zu halten. Wo der See mit einer flachen Bucht ins Land hineingreist, wird die Herde hingetrieben. Dort im niedrigen Wasser ist sie sicher vor den Angriffen der großen Krokodile, deren Schnauzen, wie durch einen Zau­ber herbeigelockt, schon überall draußen auftauchen. Erst schöpfen Die Frauen ihre Krüge voll, Dann platscht Das Vieh ins Wasser unD trinkt in tiefen 3üqen. Am UferranD flammen Die Lagerfeuer auf - gute Jagd, Wasser und fette Weide, was will der Massai mehr! Der Duft des gebratenen Wildbrets riecht zu köstlich, so läßt man einmal die Herde fern, die Tiere haben sich ja satt getrunken und äsen m nächster Nähe das saftig-aufsprießende Gras Un­bemerkt ist eine Kuh durch den schmalen Schllssaum ans Ufer vorgedrungen; ihr Durst ist noch nicht ge­stillt, und schnaubend steckt sie die Nase m die Flut. Da öffnet sich plötzlich das Wasser, em mächtiger Rachen taucht auf und klappt wie eine unerbittliche Falle über der Schnauze der Kuh zusammen. Sie kann keinen Laut von sich geben, von einer Riesen­kraft gezogen, bricht sie zusammen und verschwin­det in der Tiefe. Noch einmal kommt sie hoch doch schon greifen drei, vier Mäuler nach der Beute und reißen sie wieder hinab ein paar Blasen gurgeln noch empor und langsam »erfjmimmt em trubro er Fleck in den Wellenkreisen. Wohl sind bie Wachter mit gellenbem Geschrei herbeigeilt Speere smb ms Wasser gepfiffen umsonst, was bie Krokobfte ein­mal richtig gefaßt haben, gehört ihnen.

Am Krokobil paßt alles zu feiner Lebensweise. Der lange gleichförmige Rumpf, getrieben oon bem muskelstarken Ruberschwanz, burchteilt muhelos bas Wasser biekurzen Beine können angelegt werden, sie helfen roo nötig, auch mitrudern und steuern, dazu haben sie Schwimmhäute zwischen den Zehen Das Maul ist eine einzige große Falle, gespickt mit Atzen Kegelzähnen. Sind sie abgenutzt so werden sie herausae schoben, denn in die Hohle des alten Bahris wächst schon ber nächste h.nem ber bann seine Arbeit übernimmt. Augen unb Nasenlöcher liegen oben am Kopf unb sind noch erhöht; so

braucht das Krokodil bei Gefahr nur ein winziges Stückchen feines Körpers dem Feind zu zeigen, wenn es zum Atmen an die Oberfläche muß. Daß dies nicht allzu oft nötig ist, Dafür sorgen roieDer Die großen Lungen.

So raubgierig und gewandt das Krokodil im Wasser ist, so unbehilflich und feig ist es auf dem Land. Nur in der höchsten Bedrängnis setzt es sich zur Wehr, reißt dumpfbrüllend den Rachen auf und teilt Schwanzschläge aus, die auch einen kräf­tigen Mann umlegen können. Auf Der Flucht ent­wickelt es aber auch zu LanD eine ungeahnte Schnelligkeit.

Alle Jahre legt Das KrokoDil seine Dreißig bis sechzig Eier, Die fast wie Gänseeier aussehen unD sorgfältig in tiefen Gruben am Ufer verscharrt werben. Die Mutter scheint wirklich eine Art Brut­pflege auszuüben, sie hält sich wenigstens viel in ber Nähe Des Nestes auf unb scharrt, was oft be­stritten mürbe, bie Grube auf, wenn bie Eier ge­zeitigt finb. Es ist nämlich auffallenb, baß bie jun­gen Krokobile kurz vor bem Auskriechen ziemlich laute Töne von sich geben, baburch wirb jedenfalls bie Alte barauf aufmerksam gemacht, baß es Zeit ist einzugreifen. Weitere Beobachtungen unb Ver­suche haben ergeben, baß bie Eier, bie in normaler Tiefe liegen, nicht schlüpfen, wenn nicht die Sand­schicht entfernt wird, die Jungen ersticken in der Schale. Nur aus ganz oberflächlich liegenden Eiern konnten sie sich herausschaffen.

Die Neugeborenen sind etwa fünfundzwanzia Zentimeter lang und wachsen in der ersten Zeit sehr rasch. Nachher verlangsamt sich die Größen­zunahme immer mehr, ohne aber eigentlich je ganz zum Stillstand zu kommen. Wie alt Krokodile überhaupt werden können, ist unbekannt; man ist lediglich auf Schätzungen angewiesen. Daß Tiere von fünf bis sechs Meter unter Umständen ein Jahrhundert auf dem Buckel haben, stimmt sicherlich.

In einem eigenartigen Freundschaftsverhältnis scheint besonders ein kleiner regenpfeiferartiger Vo­gel zum Nilkrokodil zu stehen, der darum auch den Namen Krokodilswächter führt. Wenn sich die Panzerechsen sonnen, so treibt er sich sorglos um sie herum, rennt über sie weg, lieft von ihrem Wanzer allerlei Kleingetier ab und wagt es sogar, die weitaufgesperrten Rachen zu untersuchen, ob nicht zwischen den Zähnen ein paar Fleischsetzen von der letzten Mahlzeit hängen geblieben sind ober ein Blutegel sich irgenbroo festgesogen hat. Die alten

Schriftsteller wußten so fabelhafte Dinge von dem Krokodilswächter zu erzählen, daß man lange die ganze Geschichte überhaupt als Schwindel bezeich­nete. Bis neuere Beobachtungen erwiesen haben, daß der Kern der Sache doch auf Wahrheit beruht. Inwieweit man allerdings von einer Freundschaft reden kann, ist doch recht zweifelhaft; jedenfalls aber lebt der kleine Vogel oft in enger Gemeinschaft mit den riesigen Echsen und zieht seinen Nutzen daraus.

Wie lange die Sögel hungern können.

Wenn man öfter behauptet, daß Vögel 9 Tage ohne Nahrung leben könnten, so zeigen die Einzel­beobachtungen, die Franz Fuchs in der Frank­furter WochenschriftDie Umschau" mitteilt, daß hier doch große Unterschiede zu machen sind. Gar- tengrasmüden und Mönchgrasmücken neigen in der Gefangenschaft zu Fettsucht, und wenn dieser Zu­stand eingetreten ist, kommt es vor, daß die Tiere bis zu 7 Tagen hungern unb so zur Selbsthilfe greifen, bis sie roieber normal schlank finb; dagegen würden sie, wenn man ihnen die Nahrung vor­enthielte, in etwa 4 bis 5 Tagen verhungern. In einem Fall hatte bas Mitglied eines Vogelklubs ein paar Tauben gewonnen unb sie in bie Taschen seines Bratenrocks gesteckt. Zu Hause hatte ber Ge­winner, ba er bie Tauben ganz vergessen hatte, ben Rock in ben Schrank gehängt, unb erst 9 Tage später würben sie von seiner Frau bort entbeckt bie armen Geschöpfe waren aber noch gefunb und erholten sich bald. Wie sehr das Hungernkönnen von den Umständen abhängt, unter denen das Fasten ftattfinbet, zeigt bie Tatsache, baß Golbhähnchen, bie von Vogelfängern gefangen würben, auf bem Wege nach Hause mit Ameisenpuppen ober Mehl­würmern gestopft werben mußten, wenn sie nicht gleich sterben sollten, während die im Herbst fort» ziehenden Sommer-Goldhähnchen auf der Wande­rung doch sicher unfreiwillige Pausen machen müssen. Ein Mauersegler konnte wegen einer Flü­gelverletzung im Herbst nicht mit fortfliegen unD wurde 3 Wocken nach der Abreise der anderen Vö­gel noch lebend aufgefunben, wenn auch zum Skelett abgemagert. Raubvögel, bie nicht immer Jagbbeute finben, finb allgemein auf Hungertage eingestellt. Den Rekorb im Hungern stellen bie auf bas Aas angewiesenen Geier auf. Man hat in ber Gefangen­schaft vierwöchige Hungerzeiten bei ihnen beobachtet, ohne baß sie einen Kräfteverfall zeigten.