Ausgabe 
9.6.1936
 
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Die Jugend des Druckgewerbes zeigt ihre Leistungen

im Reichsberufswetlkampf.

NSG. In der Berufsschule III in Frankfurt hat die Gaubetriebsgemeinschaft Druck der Deutschen Ar­beitsfront die Ergebnisse des Reichsberufswett- tampfes des Druckgewerbes im Gau Hessen-Nassau zu einer übersichtlichen Schau zusammengefaßt.

Die Eröffnung dieser Schau fand in Anwesenheit des Reichsbetriebsgemeinschaftswalters Druck E b e n- b ö ck durch den Gaubetriebsgemeinschaftswalter Nielsen statt.

Gaubetriebsgemeinschaftswalter Nielsen betonte in seiner Eröffnungsansprache, daß die Ausstellung einmal dem Zwecke dienen soll, der Jugend zu zei­gen, welche Leistungen von ihr erwartet werden, zum anderen aber auch, einmal die Bedeutung des Reichsberufswettkampfes gerade für das Druckge­werbe anschaulich darzulegen.

Ein Rundgang durch die Ausstellung vermittelte einen ausgezeichneten Ueberblick über die gesamte Arbeit des Reichsberufswettkampfes. Am Beginn veranschaulicht eine ausführliche statistische Darstel­lung die Leistung des Gaues Hessen-Nassau in den einzelnen Kreisen sowohl, als auch in den einzelnen Berufszweigen des Druckgewerbes, seien es nun Schriftsetzer, Litographen, Buchbinder oder Schrift­gießer. An diese statistische Uebersicht schließt sich die Zusammenfassung der Arbeiten eines Teilnehmers am Berufswettkampf. Dann folgen in übersichtlicher Weise geordnet Einzelleistungen aus den verschiede­nen Berufsgruppen, teils theoretischer, teils prak­tischer Art. Ausgezeichnete Bilder vermitteln einen Einblick in die Arbeit der einzelnen Teilnehmer, schließlich beenden die Zusammenstellungen der Auf­gabenoordrucke und die Urkunden für die Gau- und Reichssieger die eindrucksvolle Schau.

Die Ausstellung bildet, in der Gesamtheit gesehen, einen wirkungsvollen Werbefaktor für den Gedan­ken des Reichsberufswettkampfes.

Die Lebensretter tagen in Wiesbaden.

Die im vergangenen Monat aus technischen Grün­den verlegte Haupttagung des Landesverbandes Hes­sen-Nassau der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft findet nunmehr am 14. Juni unter der Leitung des Führers des Landesverbandes, Stadtrat A l t ft a d t, in Wiesbaden statt. Die Tagung soll in diesem Jahr in einem größeren Rahmen abgehalten werden, um den maßgebenden Vertretern der Partei, des Heeres, der Polizei, der Behörden, Schulen und Verbände Gelegenheit zu geben, einen größeren Einblick in das Wesen und Wirken der Deutschen Lebensrettungs­gesellschaft zu gewinnen. Die Tagung sieht u. a. eine Besichtigung der Rettungsstation in Schierstein vor.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

L Reiskirchen, 9. Juni. Dieser Tage wurden im Stalle eines hiesigen Landwirts Zwillings- kälber ( 1 Ochs und 1 Mutterkalb) geboren. Das merkwürdigste ist, daß bei dem Ochs die Vorder­beine länger sind als normale Vor­derbeine und die Form der Hinterbeine haben. Das gleiche ist bei dem linken Vorderbein des Mutter-, kalbes der Fall. Sonst sind die beiden Tiere vollstän­dig gesund.

* Lang-Göns, 8. Juni. Am gestrigen Sonn­tag unternahm der hiesige Evang. Frauen­verein einen Ausflug nach Bad Homburg. Ob­gleich die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der schönen Badestadt durch den Regen etwas gestört wurde, verlief der Tag doch angenehm und ab­wechslungsreich. Der Kaufmannsgehilfe Karl Hofmann von hier, der eine Filiale von Schade und Füllgrabe in Darmstadt leitete, verun­glückte bei einem Motorradausflug am Sonntag tödlich. Der schwer getroffenen Familie wird allgemeine Anteilnahme entgegengebracht. Der Ver­unglückte stand im 24. Lebensjahr.

Preußen.

Gut abgegangen.

(D Krofdorf-Gleiberg, 8. Juni. Das kom- ter der letzten Tage schlug der Blitz in das Forsthaus Waldhaus im Krofdorfer Forst ein. Er fand wahrscheinlich den Weg durch die Te­lephonleitung in das Gebäude, wo er der elektri­schen Leitung entlang lief, diese zerstörte und da­durch in sämtlichen Räumen Verheerung anrichtete. Insonderheit wurden im Wohnzimmer Decke, Ta­peten und Fußboden beschädigt. Glücklicherweise hatte das Förster-Ehepaar gerade das Zimmer ver­lassen und sich in die Küche begeben, als der Blitz­schlag erfolgte. Das in dichten Qualm eingehüllte Haus fing erfreulicherweise kein Feuer. Lediglich ein paar kleine Brandstellen waren entstanden, die der För­ster rasch mit feuchten Tüchern ersticken konnte.

kreis Wetzlar

?s. K r o f d o r f - G l e i b e r a , 8. Juni. Das kom­mende Jahr 1937 steht für unfern Ort im Zeichen der V e r e i n s j u b i l ä e n. Nicht weniger als drei stark im Dorfleben verankerte Vereine fönen auf eine lange und stolze Vereinsgeschichte zurückblicken. Wäh­rend der T u r v e r e i n fünf Jahrzehnte seine segens­reiche Tätigkeit ausübt, pflegt der Gesangwerein G e r m a n i a", dank der in der Einwohnerschaft von altevsher überlieferten Liebe für Gesang und Musik bereits schon hundert Jahre das deutsche Lied. Als dritter im Bunde kommt mit ebenfalls hundert Jahren der mit seiner Mitgliederzahl weit über die Dorfgrenzen hinausreichende Gleiberg- verein hinzu, der nicht nur die schöne Heimatburg betreut, sondern auch gleichzeitig die Traditionen unserer reichen Burg- und Dorfgeschichte pflegt und darüber hinaus mit seinem Schulungslager aktive staatsaufbauende Arbeit leistet.

Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt bekannt:

Das WerbeheftSchnellste Beförderung von Frachtgut­ladungen auf der Deutschen Reichsbahn von Ausland zu Ausland, Ausgabe Sommer 1936" liegß bei unse­rer Kammer vor und steht Interessenten zur Einsicht­nahme zur Verfügung.

Oer Wehrpaß.

Von Major (<5.) Pracht, Wehrbezirks-Ojfizier, Würzburg.

Durch das Wehrgesetz vom 21. Mai 1935 hat der Führer und Reichskanzler jedem wehrwürdigen jungen Deutschen wieder das Ehrenrecht verschafft, als Waffenträger der Nation das im National­sozialismus geeinte deutsche Volk und seinen Le­bensraum zu schützen. Der Musterungstag bedeutet künftighin wieder, wie in früheren Zeiten, für den tauglich und wehrwürdig befundenen Dienstpflich­tigen einen wichtigen Abschnitt in seinem Leben. Der Musterungstag hat seine alte Bedeutung als Freuden- und Ehrentag wieder gewonnen.

Während bei der Musterung 1935 den Wehr­pflichtigen als Urkunde einMusterungsausweis" ausgehändigt wurde, gelangt Heuer der Wehrpaß zur Ausgabe. Musterungsausweis und Wehrpaß sind für ihren Inhaber öffentliche, nicht übertrag­bare Urkunden im Sinne des § 267 RSiGB.; ihre sorgfältige Aufbewahrung ist daher unbedingt not­wendig. Wie in der alten Wehrmacht derMilitär­paß", so wird künftighin derWehrpaß" den wehr­pflichtigen deutschen Mann sein Leben lang be­gleiten. Dabei ist auch beabsichtigt, die im Jahre 1935 ausgegebenen Musterungsausweise nach und nach durch Wehrpässe zu ersetzen. Es erscheint da­her angezeigt, im Hinblick auf die Musterungen den zur Musterung heranstehenden jungen Kameraden einige Aufklärungen bezüglich des Wehrpasses zu gelben.

Der Wehrpaß ist ein 52 Seiten starkes Büchlein, läßt sich also leicht in jeder Brusttasche unterbrin­gen. Zur Schonung des Passes, der durch Jahr­zehnte hindurch brauchbar und gut leserlich bleiben soll, ist die Beschaffung einerSchutzhülle", wie sie auch für andere wichtige Urkunden im Gebrauch sind, dringend empfohlen. Es ist dafür Sorge ge­troffen, daß derartige Schutzhüllen von den Dienst­pflichtigen am Musterungstage gegen Bezahlung ohne Schwierigkeit beschafft werden können.

Auf Seite 1 des Wehrpasses sind u. a. Räume vorgesehen für die Eintragung der Wehrnummer, des Namens des Paßinhabers und der Nummer des Arbeitsbuches. Hiermit ist auf der ersten Seite einer der hauptsächlichsten Grundsätze des neuen Deutsch­land sinnfällig zum Ausdruck gebracht: die allge­meine Pflicht, dem deutschen Volke mit der Waffe und der Arbeit zu dienen. Soldat unb Arbeiter sind keine Gegensätze mehr; sie ergänzen sich im Dienst der Volksgemeinschaft.

Seite 2 sieht vor den Raum für die Anbringung eines Lichtbildes und der Unterschrift des Paß­inhabers. Jeder Dienstpflichtige hat zur Musterung zwei Lichtbilder in der Größe 45X55 Millimeter (Brustbild ohne Kopfbedeckung) mitzubringen, von denen eines sofort am Musterungstage im Wehr­paß befestigt und mit dem Stempel des Wehr­bezirks-Kommandos versehen wird. Es ist also un­bedingt notwendig', daß sich jeder Musterungs­pflichtige rechtzeitig die beiden Lichtbilder verschafft, am Musterungstage sie jedoch nicht zu Hause liegen läkt, sondern zur Musterung mitbringt.

Die folgenden Seiten 3 und 4 enthalten Spalten für die Eintragungen der Personalangaben. Diese Eintragungen erfolgen auf Grund der Wehrstamm­karte, die für jeden Dienstpflichtigen durch die Kreis­polizeibehörde früher schon angelegt wurde. Es ist daher notwendig, daß jeder gemusterte Dienst­pflichtige nach Aushändigung des Wehrpasses die darin enthaltenen Personalangaben genau über­prüft, erkannte Unrichtigkeiten sofort seinem Wehr­bezirks-Feldwebel meldet und um deren Berichti­gung bittet. Am Musterungstage selbst kann dies am leichtesten erfolgen. Eigenmächtige Abänderun­gen im Wehrpaß sind verboten und werden streng bestraft. Eintragungen dürfen nur durch die Dienst­

stellen der Wehrmacht und des Reichsarbeitsdzenstes und durch Auslandsvertretungen (Konsulate) des Deutschen Reiches vorgenommen werden.

Der Wehrpaß ist während der Dauer des Wehr­pflichtverhältnisses durch die vorgenannten Dienst­stellen ständig auf dem laufenden zu halten. Hierzu hat der Wehrpflichtige alle Aenderungen der Woh­nung mündlich oder schriftlich binnen einer Woche, ferner Aenderungen der persönlichen oder beruf­lichen Verhältnisse gelegentlich von Meldungen, späteren Wehroersammlungen, Hebungen usw. mündlich der vorgesetzten Dienststelle anzuzeigen. Bei persönlichen Meldungen sind der Wehrpaß und amtliche Bescheinigungen vorzulegen, schriftlichen Meldungen sind sie beizufügen. Zur Erleichterung der Meldungserstattung ist vorgesehen, daß die Ge­meindebehörden den Wehrpflichtigen z. B. auf Er­suchen beim Absassen der schriftlichen Meldungen behilflich sein sollen. Zu diesem Zweck werden vor­aussichtlich später bei den Ortspolizeibehörden vor- gedruckte Formblätter zur kostenfreien Benutzung bereitgehalten werden.

Zur Prüfung der erfolgten An- und Abmeldun­gen bei Wohnsitzänderungen enthalten die Seiten 41 bis 45 des Wehrpasses entsprechende Spalten. Es ist ohne weiteres klar, daß eine so große Orga­nisation, wie es die im Wiederaufbau begriffene Deutsche Wehrmacht ist, ohne straffe Manneszucht nicht in Ordnung gehalten werden kann. Trotz der bei der Musterung erteilten Belehrungen und eines vor einiger Zeit in der Presse erschienenen Artikels erfolgen die An- und Abmeldungen bei Wohnsitz­änderungen noch immer nicht in allen Fällen mit der unbedingt notwendigen Pünktlichkeit. Die Wehr- bezirks-Offizlere sind jedoch verpflichtet, in ihrem Wehrmeldebezirk auf Ordnung zu halten; sie wer­den überall da, wo sich noch Mängel zeigen, auch Ordnung schaffen.

Es ist wünschenswert, daß dieses Ziel auf dem Wege der Belehrung und Erziehung erreicht wird. Die Bürgermeister und Gemeindeschreiber wurden in letzter Zeit durch das Bezirksamt erneut ange­wiesen, die Angehörigen der meldepflichtigen Jahr­gänge bezüglich der An- und Abmeldung zu be­lehren und zu unterstützen. Jeder Meldepslichtige hat daher die Möglichkeit, sich in seiner Gemeinde ohne große Schwierigkeiten beraten zu lassen. Bei Zusammenarbeit aller Dienststellen wird es sich un­schwer erreichen lassen, der militärischen Melde­pflicht wieder die Bedeutung zu verschaffen, die in der alten deutschen Wehrmacht selbstverständlich war.

Bei groben Verstößen gegen die Meldepflicht werden Geld- oder Haftstrafen verhängt. Die Ein­tragungen auf den Seiten 41 bis 45 des Wehr­passes sind der Nachweis dafür, daß der Paßinhaber seiner Meldepflicht pünktlich nachgekommen ist.

Der Verlust des Wehrpasses ist dem für den Wohnsitz zuständigen Wehrmeldeamt unverzüglich persönlich oder schriftlich anzuzeigen. Aus der schriftlichen Anzeige müssen Wehrnummer, Vor- und Familienname, Geburtstag und -ort und der­zeitige Anschrift ersichtlich sein.

Wird der Wehrpaß nicht binnen vier Wochen wieder aufgefunden, so ist eine Zweitschrift beim zuständigen Wehrmeldeamt zu beantragen. Die Ge­bühr hierfür beträgt 0,50 Mark. Weist der Wehr­pflichtige nach, daß der Wehrpaß ohne sein Ver­schulden verloren gegangen ist, wird die Zweit­schrift gebührenfrei ausgestellt.

Der Wehrpaß ist bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres vom Inhaber aufzubewahren. Ein­tragungen werden nach dem Ausscheiden aus dem Wehrpflichtverhältnis nicht mehr vorgenommen.

403* Mmkinderschule in Klein-Linden.

* Klein-Linden, 7. Juni. Am 7. Juni waren vierzig Jahre verflossen daß in unferm Dorfe die segenbringende Einrichtung einer Kleinkin- derschule ins Leben gerufen wurde.

Schon im Jahre 1893 waren Besprechungen zwi­schen dem verstorbenen Seelsorger unserer Gemeinde, Pfarrer Hepding, und einigen weitblickenden Männern der Gemeinde im Gange, die sich mit der Gründung eines Kleinkinderschulvereins befaßten. Die Bestrebungen des Pfarrers, den Verein für Kinderpflege ins Leben zu rufen, fanden namentlich die Unterstützung des damaligen Kirchendieners, Landwirt Philipp Weigel IX., und des damaligen Bürgermeisters Philipp Germer I. Es wurde eine Kommission zusammengestellt, deren Aufgabe darin bestand, für die noch nicht schulpflichtigen Kinder eine Stätte zu schaffen, in der sie auf christlicher Grundlage erzogen und gepflegt werden konnten. Der Kommission gehörten neben dem obengenannten Pfarrer, Kirchendiener und Bürgermeister noch fol­gende Männer der Gemeinde an: Schuhmacher- meister Johannes Luh, Kaspar Jung IV., Küfer­meister Philipp Lenz VI., Kaspar Weigel IV., Philipp Lenz I., Johannes Rinn HL, das einzige heute noch lebende Mitglied der Kommission, ein Herr Lenz und Lehrer Karcher. Die Verhand­lungen fanden ihren Abschluß in einem Mietvertrag mit Frau Philipp Lenz IV., Witwe, vorn Jahre 1895, in dem sich Frau Lenz verpflichtete,den seit­her von der zweiten Klasse der Volksschule Klein- Linden benutzten Schulsaal nebst den dazu-gehörigen zur Wohnung für die Schulschwester bestimmten Zimmern für monatlich 18 Mark zu vermieten". Obwohl nun der Raum für eine Kinderschule zur Verfügung stand und das Mutterhaus Nonnenweier eine Schwester entsenden wollte, wurde der Verein noch nicht ins Leben gerufen und die Kinderschule noch nicht eröffnet. Die Kommission arbeitete weiter ftn ihrem Ziele, bis im Sommer 1896 die Verwirk­lichung des Planes erreicht wurde.

Der damalige Lehrer Albert Boßler, späterer Rektor unserer Volksschule, übernahm das Amt eines Rechners. Der 4. Juni 1896, der Tag der ersten Einträge ins Kassenbuch, kann als Grün- dungstag angesehen werden. Don den Gründern und hochherzigen Spendern sind heute noch einige' am Leben; es sind dies: Wilhelm Langsdorf!.,

Heinrich Ufer II., Wilhelm Jung III., Wilhelm Jung V., Wilhelm Weigel II., Wilhelm Wel - l e r II., Ludwig Theiß, Ludwig L u h II., Lud­wig Feifel, Kaspar Reu schling, Johannes Germer I., Jakob Fink, Ludwig Jung XII., Philipp Rinn III., Wilhelm Holler, Georg Schön, Konrad Lotz, Kaspar Panzer, Philipp Bernhardt, Ludwig Weigel XIII., Wilhelm Germer II., Johannes Germer II., Philipp Volk I., Friedrich Lenz I. und Karl Hof.

Der neugegründeten Einrichtung gingen neben den freiwilligen Beiträgen der Gründer auf Bitt­briefe des Vorsitzenden und Rechners von vielen Seiten namhafte geldliche Unterstützungen zu, so von Frl. Margarete Theiß, erst als Darlehen, später als Schenkung, von der Mathildenstiftung für Oberhessen, von der Bezirkssparkasse Gießen und von der Fernieschen Bergwerksverwaltung durch Direktor Pascoe. Ferner erscheinen in den Rechnungen der Station in späteren Jahren als namhafte Spender die Gießener Firmen Hey - ligenstädt, Gail und Klings por. Die Bürgermeister unserer Gemeinde Ludwig Schaum und später Philipp Jung 'XVIII. widmeten der Schule besonderes Interesse und unterstützten sie öfters mit Zuwendungen. Auch auf örtlichen Hoch­zeiten wurden Geldsammlungen für die neue Ein­richtung vorgenommen. Regelmäßige Zuschüsse lei­steten alljährlich der Missionsverein, der ein Sechstel sämtlicher sachlicher Ausgaben der Schule über­nahm. Ferner floß durch ein Vermächtnis der Frau Wilhelmine Kraushaar, Witwe, ein be­trächtlicher Betrag in die Kaffe der Kinderschule. Seit 1905 gewährte die Eisenbahndirektion Frank­furt a. M. regelmäßige Zuschüsse, da die meisten Schüler Kinder von 'Eisenbahnangestellten waren. Seit 1919 steuert die bürgerliche Gemeinde alljähr­lich einen stattlichen Betrag zur Unterhaltung der Kleinkinderschule bei. Auch der hiesige Raiffeisen- verein und die Spar- und Darlehenskasse Klein- Linden, ferner ein größeres industrielles Werk am Orte unterstützten in den letzten Jahren die Schule mit Geldbeträgen.

Der erste Vorstand der neugegründeten Anstalt be­stand aus folgenden Personen: Vorsitzender Pfarrer Hepding, Rechner Lehrer Boßler, Beisitzer Wilhelm Jung I., Holzhändler, Küfermeister Phil.

Lenz VI., Johs. Schaum, der Bruder des da­maligen Bürgermeisters, später auch Bürgermeister Schaum selber, Lehrer Christian E ß, Landwirt Johann Georg Schmidt und Ludw. Weigel XII.

Als Saal für die Kinderfchule wurden Räume bei Johannes Germer II. gemietet. Im 17. Juni 1896 hielt die erste Schwester Luise Freiburger in unserer Gemeinde ihren Einzug. Luise Freiburger war es vergönnt, 22 Jahre zum Wohl der Schule und unseres Dorfes Dienst zu leisten. Ende 1918 wurde sie nach Rheinhessen versetzt und starb vor einiger Zeit nach einem arbeitsreichen Leben. Ihren einstigen Schülern und Schülerinnen wird sie unver­gessen bleiben.

Nachdem Schwester Luise Freiburger mit Hilfe der Mädchen und Frauen aus dem Missionsverein Woh­nung und Saal hergerichtet hatte, forderte Pfarrer Hepding im Gottesdienst am 30. Juni 1896 auf, daß am Sonntagnachmittag die Kinder zum Besuch der neu gegründeten Schule angemeldet würden. Die Schule wurde am darauffolgenden Montag mit einem Stand von 67 Schülern eröffnet. Die Zahl der Besucher stieg aber weiter auf 90 und sogar darüber.

Um größere Räumlichkeiten zur Verfügung zu be­kommen, wurde schon im Jahre 1898 in den Sitzun­gen des Vorstandes über die Erbauung eines neuen Schulhauses beraten. Als im Jahre 1905 mit dem Bau begonnen werden konnte, stellte der Verein der Gemeinde, die das Haus baute, 3000 Mark zur Ver­fügung. In einem Vertrag vom 2. November 1905 verpflichtete sich die Gemeinde,für die etwaigen Fehlbeträge aufzukommen und so das Bestehen der Kleinkinderschule für die Zukunft zu sichern. Bei etwaiger Auflösung zahlt die Gemeinde den gelei­steten Betrag von 3000 Mark an den Vorstand der Kleinkinderschule zurück."

Das Haus, das in der Pfingstweide erstand, kostete etwa 10 000 Mark und wurde im September 1906 fertiggestellt. Zu» der Einweihungsfeierlichkeit war eine stattliche Festgemeinde erschienen. Die Festpre­digt hielt Pfarrer Hepding, der inzwischen nach Hausen versetzt worden war. Aus den Aufzeichnun­gen des Herrn Boßler vom 20. September 1906 ist zu entnehmen, daß die Festkollekte 66,41 Mk. be­trug. Als Geschenk bei der Einweihung überreichten die Firmen Heyligenstaedt 100 Mark, die Bezirks­sparkasse 500 Mk., das Großherzogliche Haus aus der Prinzeß-Elisabeth-Stiftung 200 Mark.

Im Jahre 1911 zog auch die Krankenschwester des neu gegründetenVereins für Krankenpflege" in die Kleinkinderschule ein. Während des Weltkrieges be­währte sich die Kleinkinderschule in bester Weise. Die schwer arbeitenden Frauen und Mütter, deren Män­ner im Kriege waren, konnten ihrer Arbeit nach- gehen und ihre Kinder der Obhut der Schwester an­vertrauen. Am 21. August 1921 konnte das 25jährige Bestehen der Station festlich begangen werden. An ' Spenden flössen aus Anlaß des Jubiläums 1220 Mark in die Kasse. Als die Inflation fast das Ende der Schule herbeiführte, war es dem damals hier wirkenden Geistlichen, Pfarrer Ackermann, und der derzeitigen Schwester Marie Weigel, einem Kind unserer Gemeinde, zu verdanken, daß die Sta­tion erhalten blieb. Es gingen durch die Ortseinwoh­ner beträchtliche Mengen Geld- und Lebensmittel t ein, mit denen die Kleinkinderschule über Wasser gehalten wurde.

Im Jahre 1924 mit Einführung des wertbestän­digen Geldes wurde auch die Kleinkinderschule wie­der neu aufgebaut. Nach 1930 trat erneut die Not auf. Infolge der Arbeitslosigkeit vieler Männer gingen die Schulgelder nur schlecht ein; der Besuch der Schüler ging zurück, und der Bestand der Sta­tion war stark gefährdet. Jetzt war es die evan­gelische Frauenhilfe, die, wie überhaupt seit ihrer Gründung einige Jahre vorher, ihre Beiträge fast restlos der Kinoerschule zur Verfügung stellte. Un­ter dem derzeitigen Vorsitzenden, Pfarrer König, wurde der vor Jahren eingegangeneVerein für Förderung der Kleinkinderschule" wieder ins Leben gerufen und eine grohangelegte Hilfsaktion durch- gefügrt. Sie war von Erfolg gekrönt, so daß dis Schule wieder für einige Zeit der größten Sorge enthoben ist.

Zum vierzigjährigen Jubiläum, das am kommen­den Sonntag gefeiert wird, ist die Kleinkinderfchule der derzeitigen Gemeindeverwaltung zu besonderem Dank verpflichtet. Hat doch die Gemeinde als §u- biläumsgefchenk das Gebäude innen sehr schön Her­richten lassen, so daß das Haus mit seiner Innen­einrichtung einen sehr freundlichen Eindruck macht.

Als Vorsitzende der Kleinkinderschule in den vier Jahrzehnten waren tätig: Pfarrer Hepding, Sch ulte, Göttelmann, Bröckelmann, Eitenmüller, Jrle, Ackermann, Göbel, Bremmer und König, als Schwestern wirkten Luise Freiburger, Marie Weigel, Lydia Altdörfer, Anna Hauser, Sannchen Frei- t a g und Lina Mario, sämtlich vom Mutterhaus Nonnenweier. Erwähnt sei noch die Tätigkeit der ersten Schuldienerin Frau Lina Andermann, die ?5 Jahre lang die Reinigung der Kinderschule vornahm.

Möge das Werk, das einst unsere Alten geschaf­fen haben, sich auch im Dritten Reiche zum Segen für Familie, Volk und Vaterland auswirken!

Rundfunkprogramm.

Dienstag. 9. Juni.

12 Uhr: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten; an­schließend Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Wunsch­konzert (Schallplattenkonzert). 15: Volk und Wirt­schaft. 15.15: Das deutsche Lied. 16: Unterhaltungs­konzert. 17: Neue Klaviermusik. 17.30: Arbeiter studieren fremde Betriebe! 18: Unterhaltungskon­zert. 18.30:Olympiahoffnungen Olympiavor­bereitungen in aller Welt". 19: Volksmusik. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nach­richten. 20.10: Konzert mit Marcel Wittrisch. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sende­bezirk, Nachrichten der Deutschen Arbeitsfront. 22.20:Sturmzvetter habe ich immer geliebt." Eine Funkfolge. 23: Unterhaltungs- und Volksmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 dis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstagnach­mittag geschlossen.

MAGGI

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