Ausgabe 
9.6.1936
 
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1936 Kj. stattgegeben. In den Klagesachen des Al­bert Kahn- Lollar und des Berthold Bauer- Leihgestern wegen Versagung der Legitimations­karte für 1936 Kj. ergingen Beweisbeschlüsse, so daß Me Entscheidungen vertagt werden mußten.

Haus- und Straßensammlung für die Innere Mission.

Die vom Reichsminister des Innern genehmigte Haus- und Straßensammlung für die Innere Mis­sion der Evangelischen Kirche steht vor der Tür. Am 13. und 14. Juni werden die Sammler tätig sein. So weitherzig auch evangelische Christen sind, ihr Interesse für die Liebestätigkeit ihrer Kirche steht für sie an diesen Tagen im Vordergrund. Die Innere Mission bildet in den Diakonisjenhäusern und Diakonenanstalten Kräfte aus, die in den Krankenhäusern, Gemeindepflegen, Privatpflegen, Kleinkinderschulen, Zufluchts- und Erziehungs­heimen tätig sind. Wieviel Kranke wissen etwas zu erzählen von der lindernden und helfenden Tätig­keit dieser Kräfte, wieviel am Leben Verzweifelte haben in den Zufluchtsheimen Trost, Rat und Hilfe gefunden, wieviel sittlich Gefährdete und Ver­wahrloste sind in den Erziehungsheimen gebessert und nützliche Glieder der Menschheit geworden, wieviel Körperbehinderte wurden in den Krüppel­heimen lebenstüchtig, wieviel körperlich und geistig Zurückgebliebene sind in den Anstalten der Inne­ren Mission, soweit es möglich war, gefördert und von dem Bewußtsein erfüllt worden, daß auch sie noch nützlich sind. Jeder evangelische Christ muß sich freuen über diese Tätigkeit seiner Kirche und muß gern das Seine zu ihrer Förderung beitra­gen. Sind die Evangelischen bei den Sammlungen für die NSV. nicht zurückgeblieben, sondern haben das Ihrige getan, so müssen sie auch jetzt gern und freudig eine Sache unterstützen, durch die sie be­weisen, daß chre Kirche dem Volkswohl dienen will.

Vorbereitungen zum Stenographen-Gautag in Gießen.

Am Samstag fand imAugustiner" zu Gießen eine Sitzung des vorbereitenden Ausschusses für die Gautagung des Gaues Hessen der Deutschen Steno­graphenschaft, die am 4., 5. und 6. Juli in Gießen abgehalten wird, statt. Das Gaugebiet Hessen um­faßt auch noch die benachbarten preußischen Städte von Hessen-Nassau und zählt insgesamt 126 Orts­gruppen mit 14 408 Mitgliedern.

Das endgültige Programm wurde in der Sitzung festgelegt. Am Samstag, 4. Juli, findet im Hotel- RestaurantHindenburg" die Vertreterversammlung statt, am Abend im Cafö Leib die Feier des 75- jährigen Bestehens der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft. Von Darmstadt, Mainz und Frankfurt wird ein Sonderzug die vie­len Stenographen nach Gießen bringen, denn es werden sich über 1000 Wettschreiber am Sonntag- vormittag im friedlichen Wettkampf messen. Nach einer Führung durch die Stadt Gießen findet am Nachmittag in der VolkshalleBuntes Programm mit Tanz" statt, dem sich die Bekanntgabe des Er­gebnisses des Leistungsschreibens anschließen wird.

Wie der in der Sitzung anwesende Gaugebiets­führer, Direktor Werner, Darmstadt, mitteilen konnte, hat der Reichsstatthalter Landesregie­rung in Anbetracht der großen Bedeutung, welche die Kurzschrift im heutigen Wirtschaftsleben einnimmt, auch diesmal wieder als Staatspreis einen sehr wertvollen Ehrenpreis für die höchste Leistung am Wettschreiben gestiftet. Auch vo» an­derer Seite werden noch Ehrenpreise zur Verfügung gestellt, so daß eine große Anzahl von Wettschrei­bern noch besonders ausgezeichnet werden kann.

MvG rechnet in Gießen mit einem großen Tref­fen der Stenographen von nah und fern, die zum Teil am Montag noch eine Autofahrt ins Lahntal nach Wetzlar und Braunfels unternehmen werden.

Große Hebung heimischer Saniiätskolonnen.

Auftakt zum Rot-Kreuz-Tag.

Als Einleitung für den Rot-Kreuz-Tag am 13. und 14. Juni veranstaltete die Sanitätskolonne Gießen vom Roten Kreuz am Sonntag in Ge­meinschaft mit den SaNitätszügen Leihgestern, Watzenborn-Steinberg und den Sama­riterinnen des Alicefrauenvereins vom Roten Kreuz eine größere Geländeübung.

Hierzu war folgende Lage angenommen: In dem Waldgelände östlich der Bahn GießenGroßen- Linden hatte ein Gefecht stattgesunden, bei dem

einige Verwundete liegengeblieben waren. Diese sollten durch die Sanitätsabteilungen aufgesucht und versorgt werden. Trotz schlechtestem Wetter nahmen an der Hebung 113 Sanitätsleute und 17 Helferin­nen teil. Das westlich der Straße GießenLeih­gestern gelegene Gelände war der Kolonne Gießen, das östlich gelegene den Zügen Leihgestern und Watzenborn-Steinberg zugeteilt. DerHauptverbands- platz lag am Waldausgang nach Leihgestern. Die Krankentransportwaaen standen gut getarnt gegen Fliegersicht an der Kreuzung der Straße Gießen Leihgestern und der vierten Schneise. Die Schwer­verwundeten wurden mit Tragen bis hierher ge­bracht und mit den Wagen zum Hauptverbandsplatz transportiert. Während des Anmarsches zum Wage­halteplatz ertönte von den Wagen aus Warnungs­signal für Fliegergefahr. Die Träger und die auf den Schneisen befindlichen Abteilungen gingen an den Rändern des Waldes mit den Verletzten in Deckung, bis ein weiteres Signal die Beseitigung der Gefahr meldete. Eine Anzahl Leichtverwunde­ter legte den Weg zum Hauptverbandsplatz zu Fuß zurück. In dem dort aufgeftellten Verbandszelt wurden sie mit den dort im Wagen inzwischen ein­gelieferten Schwerverwundeten durch die Sama­riterinnen verbunden.

Die allgemein gute Erfüllung aller gestellten Aufgaben durch die Kolonnenmänner sowohl als auch durch die Samariterinnen bewies, daß das Rote Kreuz jederzeit einsatzbereit und gut geschult ist, nicht nur für die Aufgaben in Friedenszeiten, sondern auch für den Ernstfall zum Wohle für Volk und Vaterland.

Im Anschluß an die Hebung traten die Ab­teilungen auf dem Sportplatz bei der Rindsmühle zu sportlichen Hebungen an. Auch hier zeigte sich bestes Können in den verschiedensten Sportarten. Nach einer Mahnung des Kreiskolonnenführers Kratz an die einzelnen Abteilungen, am Rotkreuz­tag ihre ganze Kraft bei der Sammlung zum guten Gelingen einzusetzen und einem dreifachen Sieg- Heil auf den Führer und Schirmherrn des Roten Kreuzes wurde der Rückmarsch angetreten. Nach dem Eintreffen in der Stadt erfolgte ein Marsch durch verschiedene Straßen mit Vorbeimarsch am Ehrenmal für die Gefallenen an dem vorher durch den Vorsitzenden des Kreismännervereins vom Roten Kreuz, Kreisdirektor Dr. Lotz, den Provin­zialkolonnenführer Professor Dr. Eger, Kreis­kolonnenarzt Dr. Gros und die Vorsitzende des Alicefrauenvereins vom Roten Kreuz, Frau Giese, ein Kranz niedergelegt worden war.

*

** Von der Hniversität. Von der Presse­stelle der Hniversität Gießen wird uns mitgeteilt: Dr. med. habil. Ottfried Timpe in Gießen wurde durch Verfügung des Reichswissenschaftsministers die Dozentur für das Fach Chirurgie in der Me­dizinischen Fakultät der Hniversität Gießen ver­liehen.

* Aufgehobene Straßensperre. Die für die Landstraße ButzbachGriedel vor einiger Zeit wegen Bauarbeiten angeordnete Straßen­sperre ist nunmehr wieder aufgehoben worden.

** Straßenverbesserungsarbeiten in Richtung Lollar im Zuge der Reichsstraße FrankfurtKassel sind feit einiger Zeit im Gange. Von der Abzweigung nach Daubringen bis zur Wellersburg ist der Hm- und Erweiterungsbau be­reits vollendet. Die Fahrbahn wird um 1,10 Meter verbreitert. Mehrere Arbeiterkolonnen sind beschäf­tigt. Während ein Teil der Arbeiter die Erdarbeiten ausführt, sind andere dabei, 1,30 Meter Straßen­breite aufzubrechen, um das Profil der Fahrbahn der Verbreiterung anzupassen. Nach entsprechender Be­tonierung wird dann sofort das Auspflastern vorge­nommen. Alle Kurven werden entsprechend den neuen Forderungen des Straßenbaues überhöht und der Fußgängerpfad aufgefüllt. Die Arbeiten werden von der Tiefbaufirma Bier von Marburg ausgeführt. Die meisten Arbeiter stammen aus den benachbarten preußischen Dörfern. Auch nördlich und südlich Lol­lars und in der Tiefenbach bei Sichertshausen ist man mit der Straßenverbreiterung beschäftigt.

** Kinderglück b e i Familie Schwan. Seit einigen Tagen kann das Schwanenpaar im Eichgärtenteich mit berechtigtem Stolz vier junge Schwanenkücken zu Wasser und zu Lande spazieren­führen. Vier winzige Tierchen, im Vergleich zu ihren Eltern, umgeben das Schwanenehepaar, das mit aller elterlichen Sorgfalt den Nachwuchs be­treut. Wer Geduld und Glück hat, kann reizende Szenen beobachten. Während sich die Schwanen­mama unmittelbar um die Jugend bemüht, ist der Vater der jungen Schwäne ständig auf der Wacht und bereit, jeden Angreifer, der sich zu nahe wagt,

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Vornan von Marlise Kölling.

Hrheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.

35 Fortsetzung Nachdruck verboten!

Josua schüttelte mit nachsichtigem Lächeln den Kopf.

Gehen du einmal zur Polizei, Schulmeister, und zeigen an, das gibt soviel Aerger und Laufen hin und her. Paul haben erzählt, weil er haben ge­trunken zu viel Korn bei Kruse, dabei sein es ihm so herausgefahren. Mußte ich aber kommen, es dir sagen, denn ich glauben, Herrin auch traurig sein wegen jungen Herrn. Wenn du können da helfen, daß ihm nix geschehen? Ich glaube, sehr gut fein, auch für euch beide!"

Jens Petersen atmete tief auf. Er schämte sich plötzlich vor dem alten, treuen Menschen. Da hatte er selbst mit feinem Gram gesessen und nur an sich gedacht. Inzwischen trug Benedikte doppelten Kum­mer und doppelte Sorge. Er kannte ihr starkes Fa­miliengefühl, ja, ihren Familienstolz. Sie glaubte sich für Hans-Hermann irgendwie verantwortlich, sie hatte ihm ja oft gesagt, wie sie unter der Trennung von dem Vetter litte. Unb er er hatte sie ganz allein gelassen. Er hatte nichts versucht, um Klarheit in die Hinge zu bringen. Da mußte dieser alte, treue, einfältige Mensch erst kommen und ihm sagen, was er zu tun hatte! Beschämt streckte er dem braven Alten die Hand hin:

Ich danke dir, Josua, daß du aefommen bist. Ich verspreche dir, ich werde nachforschen, ich werde her­ausbekommen, was an der Geschichte ist."

Aber vorsichtig", bat Josua,du müssen sehr vor­sichtig sein, kann man nicht wissen, was alles dabei herauskommen."

Unb nun noch eins: Kein Wort zu Fräulein Benedikte, bis ich dir Nachricht gebe. Ich weiß ja, wo die Motorjacht liegt. Ich gehe morgen abend heraus und versuche, irgend etwas zu erfahren."

Josua legte mit einer feierlichen Bewegung die Hand auf die Lippen.

Sein ich verschwiegen, Schulmeister, werden ich warten, bis du mir Nachricht geben."

Der Abend kam. Die Dämmerung lag schon über dem Wald auf dem Norderende. Die Silhouetten der Häuser drängten sich enger zusammen. Groß und schwer ragten die Backsteinmauern derBurg" vom Hügel herab.

Am Strand, durch die Dünen vor Sicht gedeckt, schritt Jens Petersen. Es war ein beschwerliches Gehen, hier auf den glatten Steinen, doch es war der einzige Weg, um ungesehen das Schiff zu er­reichen.

Er schritt weiter. Mitunter mußte er mit ein paar großen Sprüngen von Stein zu Stein vorwärts zu kommen suchen. Das Wasser näßte seine Schuhe, aber alles war ihm gleich. Er mußte bas Geheimnis der nächtlichen Fahrten Hans-Hermanns ergrünben.

Der Weg am Stranb zog sich lang hin, bas Ufer machte immer roieöer Krrümmungen unb Buchten. Es war schon bunte!, als Jens Petersen an Ort unb Stelle war.

Er oerbara sich hinter einem Vorsprung des abschüssigen Steilufers. Ganz bicht, in ein paar Meter Entfernung, schimmerte bie Buglaterne ber MotorsachtGlückauf". Er hörte bie Stimmen zweier Bootsleute. Sie sprachen miteinanber, boch er konnte den Wortlaut nicht verstehen. So hockte er sich auf einen großen Stein unb wartete, immer scharf um die Steinkante spähenb. Er zergrübelte sich ben Kopf, wie er nur zur Motorjacht gelangen sollte, ohne gesehen zu werben?

Aber er hatte Glück. Plötzlich gingen bie beiben an öanb. Der auffommenbe Wind trug ihre Stimmen zu Jens Petersen herüber:

Will nochmal schnell zu Fietje gehen", sagte der eine, ,chab' ihr versprochen, heute abend auf eine halbe Stunde zu kommen."

Und ich muh noch mal schnell rauf zur ,Burg*. 2? glaube, ich habe zu w-nia Setriebftnff im Boot. 115er weih, wie weit wir heute wieder fahren."

3jns Petersen lauschte mit angespannten Sinnen. ®r horte Schritte, bann Poltern von Geröll, bas sich unter ben harten Schritten ber Männer gelöst hatte. Vorsichtig schaute der Lehrer um bie Felsnase: er sah die beiden Bootsleute sich eben am Waldrand nach den Wiesen zu entfernen. Aus allen vieren kroch

mutig anzugehen. Es fei bei dieser Gelegenheit erneut darum gebeten, den Tieren alle Beunruhi­gung und Störung zu ersparen.

* Preußisch-Süddeutsche Staats­lotterie. Die Ziehung ber 3. Klasse ber laufen­den (47.Z273.) Lotterie findet am 17. und 18. Juni statt. Schluß der Erneuerung 10. Juni.

** Von einem Auto angefahren. Die 14 Jahre alte Toni Rohm in Wieseck wurde gestern, während sie auf dem Fahrdamm an ihrem Fahrrad beschäftigt war, von einem Auto angefah­ren. Das Mädchen kam zum Glück noch glimpflich davon. Es mußte mit Weichteilverletzungen am Bein in die Klinik eingeliefert werden.

** Sei der Arbeit verunglückt. Gestern verunglückte der 26 Jahre alte Bergmann Gustav Scherer, am Riegelpfad wohnend, bei der Arbeit im Bergwerk. Der bedauernswerte Mann mußte mit Brustquetschungen ber Chirurgischen Klinik zu­geführt werden.

Gießener Dochenmarktpreise.

* G i e ß e n, 9. Juni. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, Yi kg 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, ßlaffc C 9Y, Wirsing, kg 10 bis 12, gelbe Rüben, das Bündel 15, Spinat, Y» kg 10 bis 20, Römischkohl 10 bis 12, Bohnen, grün 45 bis 60, Spargel 30 bis 55, Erbsen 30 bis 35, Mischgemüse 10 bis 12, Tomaten 50 bis 70, Zwiebeln 14 bis 15, Rhabarber 10, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,90 bis 4 Mark, neue, kg 15 bis 18 Pf., Aepfel 30 bis 70, Kirschen 45 bis 60, Erdbeeren 60 bis 80, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 5 bis 8, Salatgurken 30 bis 40, Oberkohlrabi 12 bis 16, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30, Radieschen, das Bündel 10 Pf.

SJL-tfpont

Erfolgreiche Gießener Radfahrer.

Am vergangenen Sonntag wurde auf einer fünf­mal zu durchfahrenden Rundstrecke das Rennen Rund um Hanau" ausgefahren. An dieser Veran- staltuna nahmen auch die bekannten Gießener Fah­rer Willy Neumann (Radfahrverein 1885 Gie­ßen) und Heini Preiß (RadklubGermania" Gießen) teil. Beide Fahrer konnten sich in diesem Rennen ausgezeichnet behaupten. Neumann konnte in der Zeit von 3.35 Stunden das über 120 Ki­lometer führende Rennen als Zweiter hinter dem bekannten G ä n ß l e r - Frankfurt a. M. (zwei Rad­längen hinter dem Frankfurter) beenden. Dritter Sieger wurde Langmann - Schweinfurt. Den vierten Platz sicherte sich Heini Preiß- Gießen. Auf dem fünften Platz kam wiederum ein Schwein­furter (Heller) ein. Das Rennen, an dem insge­samt etwa 190 Fahrer beteiligt waren, stellte an die Sportler hohe Anforderungen. Zum Teil waren schlechte Straßen zu passieren, außerdem gab es manche Steigung zu überwinden. Der ständige Regen tat ein übriges, um die Fahrt zu einer harten Prüfung zu machen. Es ist erfreulich, daß

sich die Gießener Fahrer auch hier wieder dies­mal gegen gute und beste Frankfurter und Schwein­furter Klasse so ehrenvoll behaupten konnten.

Abnahme für das deutsche Sportabzeichen im Radfahren.

Am kommenden Sonntag findet eine Prüfung für das Deutsche Turn- und Sportabzeichen im Rad­fahren statt. Start und Ziel liegen am Restaurant Karlsruhe". Zur gleichen Zeit wird auch eine Prüfung für das Deutsche Radsport-Jugend-Abzei­chen abgenommen. Das Deutsche Radsport-Jugend- Abzeichen kann von jedem deutschen Jugendlichen männlichen und weiblichen Geschlechtes unter 18 Jahren errungen werden. Es handelt sich dabei nur um eine Prüfung; entweder muß eine Strecke von 15 Kilometer in 40 Minuten (für Mädchen 55 Minuten) oder eine Strecke von 50 Kilometer in 4.30 Stunden (für Mädchen 5.30 Stunden) zurück- gelegt werden. Die hierzu erforderlichen Formblät­ter können bei dem Abnehmer, Aug. Deibel, Gie­ßen, Neuenweg 50, in Empfang genommen werden.

1900er Leichtathleten in Marburg und Worms.

Oie Erfolge bei den Gaumeisterschasten.

Am Sonntag sanden im Marburger Hniversitäts- stadion die leichtathletischen Gaumeisterschasten der Junioren des Gaues Nordhessen statt. Die windige, kühle Witterung und anhaltende Regenfälle ließen keine über dem Durchschnitt liegende Leistungen zu. Die fünf Vertreter der Spvgg. 1900 hielten sich in den Wettbewerben recht ansprechend und errangen vier Meisterschaften, drei 2. Siege und zwei 3. Siege.

An erster Stelle muß der vielseitige Rudolph, 1900, genannt werden, der sich mit zwei klaren Sie­gen im Hochsprung und Weitsprung bei seinem ersten Start für die Spielvereinigung gut einführte. Er er­reichte im Hochsprung 1,65 Meter, die 1,70 Meter knapp verfehlend. An zweiter Stelle landete sein Dereinskamerad Hermann, der mit 1,60 Meter im Stichkampf mit Schleier, 1860 Marburg, die Oberhand behielt. Im Weitsprung erreichte Rudolph die gute Weite von 6,44 Meter und blieb damit vor Felix, 6,20 Meter, und Gilbhardt, 6,08 Meter, beide H. Pr. Kassel. Schließlich wurde Rudolph mit 42,20 Meter Zweiter im Speerwerfen hinter dem mit 45,90 Meter siegenden Kasseler Wiese, und kam im 200- Meter-Lauf auf den dritten Platz.

Einen ganz überraschenden Sieg lief der B-Ju­gendliche Goß über die 100-Meter-Strecke heraus, der ihm für die Zukunft ein schöner Ansporn sein sollte. Er gewann in 12,3 Sekunden mit einem Meter Vorsprung vor Hildebrand, Hesi. - Preußen Kassel, und Mauz, Aelt. Kasseler Tumgemeinde. Hans Hermann, 1900, aeroann überlegen und in sicherer Laufweise den 110-Meter-Hürdenlauf vor Krede, Hess.-Preuß. Kasiel. Seine Zeit war 17,8 Sek. Neben dem erwähnten zweiten Platz im Hochsprung kam er im Kugelstoßen mit 10,79 Meter hinter Michel, 1860 Marburg, 11,03 Meter, unb vor Höhl, Fulda, 10,72 Meter, auf dem zweiten Platz. Mit 4:37,0 Sekunden lief Immel, 1900, über 1500 Meter eine schöne Zeit, die ihm den dritten Platz hinter Erwin N e i d e l, Heuchelheim, 4:23, und

Sonn, Aeltest. Kasseler Turngemeinde, 4:27,7, ein­brachte.

In der Aufstellung Goß, Lehrmund, Hermann, Rudolph bestritten die Junioren 1900s die Senioren» meisterschast in der 4X100-Meter-Staffel, mußten aber im Vorlauf, auf der ungünstigen Außenbahn laufend, den Mannschaften von Hess.-Preußen Kassel und der Unoerfität Marburg den Vortritt lassen und ausscheiden.

Die 1900er Rudolp und Hermann dürften sich durch ihre Leistungen die Berechtigung zur Teil­nahme an den am 21. Juni in Stuttgart stattfinden­den Deutschen Juniorenmeisterschaften erftritten haben.

Erfolge auch in Worms.

Die Wettkämpfe auf ber idealen Kampfstätte in Worms hatten sehr unter der äußerst schlechten Witterung zu leiden. Der Regen, der fast während der ganzen Veranstaltung nicht nachließ, machte die Bahn schwer, und besonders die Werfer hatten große Mühe auf den nassen Abwursstätten einen brauchbaren Wurf herauszubringen. Trotz starker Konkurrenz setzten sich die drei 1900er in den von ihnen bestrittenen Kämpfen erfolgreich durch. Nach­stehend die Ergebnisse:

Diskus, Klasse I: 1. Kilo, Spvgg. 1900, 40,74 Meter; 2. Gugel, Militärsportverein General­feldmarschall von Hindenburg Worms, 39,19 Meter; 3. Thur, TFC. Ludwigshafen, 39,05 Meter. Kilo konnte hier seinem ehemaligen Klubkameraden Gugel nach scharfem Kampf knapp das Nachsehen geben.

Stabhochsprung, Klasse I: 1. Lohmar, ASD. Köln, 3,40 Meter; 2. Jung, Spvgg. 1900, 3,30 Meter; 3. Ehret, TFC. Ludwigshafen 3 Meter. Jung konnte zwar seinen ersten Start im Stab­hochsprung nicht zum Siege gestalten, erreichte aber trotzdem 3,30 Meter und wurde hinter dem be­kannten Lohmar Zweiter.

800 Meter, Klasse II: 1. Hidingsselder,

er vorsichtig hervor, von der einzigen Sorge erfüllt, nicht entdeckt zu werden. Wenn sein Vorhaben jetzt nicht gelang, gelang es überhaupt nicht.

18.

Benedikte stand im Garten. Die Arbeit war getan. Sie hatte eben die Gartengeräte in den Schuppen eingeräumt.

Eigentlich konnte sie zufrieden sein. Sie hatte aus Hof und Gemüsegarten schon ganz ansehnliche Er­träge gezogen. Die Eier, die die Hühner legten, gingen bei niemandem so schnell fort wie bei Bene­dikte. Um ihren Salat und ihr Gemüse rissen sich die Badegäste geradezu. Das Obst wurde so begehrt, daß man kaum genug behielt, um für den Winter selbst einzukochen.

Das Getreide draußen auf ihrem Stück Land stand schön. Es hatte sich nach den Regenstürzen der letzten Wochen überraschend erholt. Blieb es so, dann konnte man auf eine gute Ernte rechnen. Sie hatte Anlaß, dankbar zu sein, von Herzen dankbar, wenn sie ihr Land hier überschaute. Und doch, sie konnte es nicht.

Was nützte alle Arbeit, was nützte alles Dor- wärtskommen, wenn das Herz so müde und ver­zweifelt war? Wieviel Zeit roat vergangen, seit sie das letztemal mit Jens gesprochen? Ihr schien es eine Ewigkeit. *

Wie still es war Sie lauschte. Ringsum herrschte der alte, tiefe Abendfrieden, der sie sonst so wunderbar beglückte.

Im Hause erscholl kein Laut. Fräulein Giesecke war zum Abendbrot bei Pastors im Nachbardorf ein» geladen. Josua hatte einen kleinen Abstecher in den Krug gemacht, um bei Gastwirt Kruse mit ein paar Heimkehrern aus Uedersee zu sprechen und sich von seinem geliebten Afrika erzählen zu lassen.

Ein letzter Vogel zirpte noch einmal in Schlafe auf, eine Grille sägte unermüdlich irgendwo an der Haus­mauer. Die Frösche drüben auf dem schlammigen Ufer quakten, sonst war alles still.

Benedikte legte das Gesicht in die Hände. Wie müde sie war, müde und hoffnungslos! Niemals würde es zwischen ihr und Jens wieder gut werden! Unb Hans-Hermann, was war aus ihm geworden? Wenn sie an den Auftritt auf dem Schiffssteg dachte, schlug ihr brennende Scham in die Stirn. Sie hatte erwartet, irgenbein«: von berBurg" würbe kommen

ober Hans-Hermann würbe ben Weg zu ihr finben, um ihr zu erklären, ihr Verstänbnis zu erbitten. Aber niemanb ließ sich sehen. Unb wenn sie bieBurg" bort fern über bem Hügel erblickte, so groß, so hart unb so trotzig, bann war ihr, als sei alles Böse von bort ausgegangen.

Sie hatte plötzlich Furcht vor bem Frieben bes Abenbs, vor ihren Gedanken. Sie flüchtete hinein ins Haus, ging in ihr Zimmer, schaltete bie Lampe ein und versuchte noch zu lesen. Wenn man ein gutes Buch vor sich hatte, war man für einige Zeit wenig­stens diesem qualvollen Grübeln entrückt.

Die Sichel bes zunehmenben Monbes ftanb am Himmel. Heute abenb sollte bie Motorjacht bes Grafen Lonne roieber einmal in See gehen. An ber kleinen Privatanlegestelle stauben ein paar Jungens unb Fischer unb sahen zu, wie alles im Boot ver­staut würbe. Als erster kletterte Steffens hinein mit seinem unvermeiblichen Malgerät.

Sieh mal, ber will im Dunkeln malen", lachte einer ber Burschen. Steffens sah sich um unb er- roiberte vergnügt:

Man kann auch im Dunkeln malen, mien Jung'. Paß mal Achtung, in vierzehn Tagen kannst bu bir bas Bilb bei mir besehn, so richtig mit Monb und Sternen und Meer!"

Der Diener Martin brachte Proviant an Bord, der Maschinist probierte schon unten im Maschinen­raum den Motor aus. Als letzte erschienen Peggy Trilow. in einem weißen, warmen Flanellmantel, einem Mützchen auf dem Kopf, und Hans-Hermann.

Guck eins, möcht' ich auch mal mit einer hübschen Deemne Nachtfahrt machen", flüsterte einer der jungen Leute.

Peggy sprach lebhaft unb lächelnb mit Hans-Her» mann, ber mühsam auf ihre Hnterhaltung einging. In ihm zitterte alles. Niemanb bürste ja wissen, was biefe Fahrt in Wirklichkeit bebeutete.

Nachtfahrten bei schönem Wetter waren im Som­mer nichts Hngewöhnliches. So manche Babegäste mieteten sich ein Segelschiff, um ben Sonnenaufgang in feiner unvergleichlichen Schönheit braufeen auf bem Meer ober auf bem Bobben zu erleben.

Hans-Hermann aber war es, als mußte man lym fein Vorhaben von ber Stirn ablesen.

(Fortsetzung folgtl)